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Lesezirkel für die DSFP-nominierten Kurzgeschichten aus 2025

2025

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140 Antworten in diesem Thema

#121 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 11:19

 

Ich fand den Lesezirkel sehr spannend.
Wer möchte, könnte - für sich selbst oder öffentlich - noch Punkte zuordnen:
Zwischen 0 und 15, wobei mindestens einmal 0 und mindestens einmal 15 vergeben werden.
 
(...) 
 
Wenn alles nach Plan verläuft, kommt nächste Woche das Ergebnis....

 

 

Ich muss schneller lesen :D.

Danke für den Einblick, Franz.

 

Damit ich das Prozedere richtig verstanden habe:

Bei den elf nominierten Kurzgeschichten könnte ich also – wenn ich beispielsweise finde, dass sich eine Story deutlich von den anderen abhebt – meinem Favoriten 15 Punkte und dem für mich Zweitplatzierten nur 10 Punkte geben? Und umgekehrt: Wenn ich denke, dass zwei Titel nahezu gleichauf liegen, könnte ich ihnen 15 beziehungsweise 14 Punkte geben? Hauptsache, 15 und 0 werden in jedem Fall vergeben?


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#122 FranzH

FranzH

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 12:02

Genau so ist es.

#123 Stephan

Stephan

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 12:11

mit der Methode könnten wir auch alle hier im Thread eine Wertung vergeben, alles zusammenschmeißen und parallel einen Forumspreis vergeben. Als Sieger/in der Herzen :D


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#124 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 12:20

Über den Unterschied zwischen menschlichen Empfindungen und jenen, die Androiden einprogrammiert wurden (müssen ja nicht zwingend dieselben sein) kann man sicher ausführlich diskutieren (Vielleicht in Form eines Panels auf einer Con?). Inwieweit ist unser säugetierisches emotionales Erleben durch chemische Reaktionen bestimmt und was wäre dann rein theoretisch der Unterschied zu Codezeilen einer Simulation? Gerade bei Emotionen kann man ja nicht unbedingt vom freien Willen sprechen, der uns vermutlich/hoffentlich von einer programmierten Entität unterscheidet. Oft sind es die anderen Menschen (Figuren oder auch Leser), die ihre eigenen Emotionen auf künstliche Lebensformen in einer SF-Geschichte projizieren. Gut möglich, dass das bei Lisa-9 eine große Rolle spielt - und damit wird es eine Frage der individuellen Wahrnehmung, die nicht deckungsgleich mit der vermutbaren Programmierung sein muss.

 

Angst und Schmerzen sind ja evolitionsgeschichtlich nützlich im Hinblick auf Selbsterhaltungstrieb. Den könnte man technischen Geräten natürlich auch einprogrammieren. Aber:

 

Wenn ihr mal ein Handy fallenlasst, gibt es einen Schmerzensschrei von sich? Täte es das, wäre das verkaufsfördernd oder eher nicht? (wenn es kaputtgeht, kauft ihr ja ein neues)

Und wenn ein im verklemmten Amerika entwickeltes Smartphone beim Anschauen von Pornos "igitt mach das weg" (begleitet von Kotzgeräuschen) sagen würde, wäre das ein Bestseller oder ein Ladenhüter?

 

Klingt zynisch, aber bei kommerziellen Produkten gelten nicht automatisch die gleichen Maßstäbe wie bei lebendigen Wesen. 

 

Danke für eure Anmerkungen zu meiner Geschichte!


Bearbeitet von Uwe Post, 21 Juli 2026 - 13:08.

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#125 Mammut

Mammut

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Geschrieben 21 Juli 2026 - 15:09

»Blumen für Lisa–9« von Uwe Post ist eine Geschichte ohne Geschichte. Die eigentliche Story (Junge bekommt Androidin als Schwester und die Eltern trennen sich, am Ende stirbt der Vater) ist eigentlich nichts.

Aber diese nicht Geschichte dient als Spiegel für diverse Themenkomplexe:

Kann eine Maschine ein richtiger Gefährte sein? Ist eine Sexpuppe das richtige für einen Teenager, der damit seine ersten sexuellen Erfahrungen macht?

Aber es sind natürlich auch die Zwischentöne, die es ausmachen.

Hat der Vater mit Lisa9 Sex oder sind das nur Gerüchte? Ich habe die Geschichte jetzt an den entsprechenden Stellen nochmal gelesen und es kann nicht eindeutig beantwortet werden. Im Text findet man da nur Mutmaßungen. Es wird dem Vater vorgeworfen (Brief von Anonym und auch Timo vermutet das). 

Man kann auch darüber sinnieren, ist es schlimmer, wenn der Vater seine Gelüste an der Maschine abreagiert als der Heranwachsende? ist da ein qualitativer Unterschied?

Wie der Vater im Gespräch sagt, ist es eigentlich für Timo das gefährlichere Szenario, denn wenn er nichts anderes kennt, als die körperliche Liebe zu einer Maschine, wird er jemals eine richtige Beziehung eingehen?  Der vierzehnjährige Timo hat kein wirklich schlechtes Gewissen weil er sich mit der Maschine vergnügt hat. Er hat nur Angst davor, was die Leute von ihm denken.

 
Die Mutter erscheint mir auch ein wenig unmotiviert. Ihre Beweggründe werden außen vor gelassen. Aber eigentlich auch beim Vater. Alles, was in der Geschichte passiert, wird nicht begründet: Warum Lisa9 zur Familie kommt. Warum die Eltern sich auseinandergelebt haben (so war es ja von Anfang an und die Idee liegt nahe, Lisa9 soll als Ersatz für die Eltern dienen) und sich jemand anders gesucht haben, aber weiterhin Familie spielen.

 

So dient die Geschichte dazu, sich mit den diversen Themen, die vorkommen auseinanderzusetzen, ohne dass die Geschichte selbst in irgendeiner Form Stellung bezieht. In dem Sinn spielt die Geschichte mit dem Thema Pädophilie, es kommt aber selbst keine vor. Wie man aber die Sache sieht, das hängt vom Betrachter selbst ab. Der Text lässt das offen und diese Offenheit ist meines Erachtens auch seine Stärke.



#126 Jol Rosenberg

Jol Rosenberg

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 18:30

Das sehe ich genauso, Mammut: Ich finde es auch eine Stärke, dass der Text da keine Position bezieht. Die Vagheit in den Charakteren finde ich keine Stärke, aber keine Lesart nahezulegen oder mehrere zuzulassen schon.

 

 

 

Über den Unterschied zwischen menschlichen Empfindungen und jenen, die Androiden einprogrammiert wurden (müssen ja nicht zwingend dieselben sein) kann man sicher ausführlich diskutieren (Vielleicht in Form eines Panels auf einer Con?). Inwieweit ist unser säugetierisches emotionales Erleben durch chemische Reaktionen bestimmt und was wäre dann rein theoretisch der Unterschied zu Codezeilen einer Simulation? Gerade bei Emotionen kann man ja nicht unbedingt vom freien Willen sprechen, der uns vermutlich/hoffentlich von einer programmierten Entität unterscheidet. Oft sind es die anderen Menschen (Figuren oder auch Leser), die ihre eigenen Emotionen auf künstliche Lebensformen in einer SF-Geschichte projizieren. Gut möglich, dass das bei Lisa-9 eine große Rolle spielt - und damit wird es eine Frage der individuellen Wahrnehmung, die nicht deckungsgleich mit der vermutbaren Programmierung sein muss.

 

Das fände ich auch eine spannende Diskussion. Du gehst ja hier davon aus, dass Androiden nur Emotionen simulieren können. Ich spiele immer mal wieder mit der Idee, ob das auch anders denkbar ist. Ob echte Emotionen einen biologischen Körper brauchen oder ohne diesen denkbar sind, ob echte Intelligenz ohne Emotionen denkbar ist und ob die Emotionen eines anorganischen Körpers sich sehr von denen von Menschen unterscheiden würden.

Der freie Wille ist für mich nochmal eine andere Sache. Emotionen unterliegen dem Willen ja nicht, aber sie beeinflussen ihn natürlich. Andersherum: Ist freier Wille ohne Emotionen denkbar?

 

Spannend, das alles.

 

Deine Auslassungen zum Selbsterhaltungstrieb dagegen sind für mich nicht zu Ende gedacht. Denn: Ein Handy, dass einen solchen hätte (wieso auch immer) würde ja zunächst versuchen, Verfügungsmacht über das eigene Sein zu erlangen. Es reicht ja nicht, aua zu sagen, wenn mein Mensch mich fallen lässt. Ich muss ihn auch dazu bringen, mich ernst zu nehmen, eine Beziehung initiieren und aufrecht erhalten können, dafür sorgen, dass ich nicht herunter falle usw. Wenn ich das alles nicht kann, sondern nur laut geben kann, wenn mich jemand verletzt, dann werde ich ziemlich schnell depressiv. Keinerlei Selbstwirksamkeitserleben. Und da setzen dann wieder die Fragen an, die mich so interessieren: Wer hätte dann Verantwortung für das depressive Handy?

Marvin im Anhalter ist wohl die bekannteste Figur, an der Literatur derartige Themen behandelt hat.


Ernsthafte Textarbeit gefällig? https://www.federteufel.de/

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#127 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 20:25

Also, Jol, ich denke, man müsste das an anderer Stelle vielleicht mal ganz ausführlich diskutieren, wir sind hier ja nun eigentlich offtopic. Ich habe weiter oben natürlich nur einige Punkte vereinfacht angerissen, die man vertiefen kann und sollte. Zunächst mal müsste man definieren, was man mit "Android" eigentlich meint. Ich wäre da jetzt in der Nahzukunft, das wären also so Roboter, die mehr oder weniger von der jetzigen oder nächsten Generation LLMs betrieben werden. Da würde ich eben Emotionen noch als reine Simulaion betrachten als alles andere. Die Frage, wann und für wen sich eine Simulation echt anfühlt, ist natürlich auch eine erkenntnistheoretische (zum Beispiel so: Wenn ich nicht weiß, dass es sich bei mir oder meinen Gefühlen um eine Simulation handelt, muss es wohl echt sein. Wenn ich es weiß, kann ich in Betracht ziehen, dass die Emotion nicht echt ist, so dass ich auch nicht darauf reagieren muss).

Geht man da ein paar Schritte weiter, stellt sich also Androiden mit fortschrittlicheren Komponenten vor, gibt es natürlich auch mehr Möglichkeiten, Empfindungen zu verarbeiten. Und sobald daraus (eigene) Entscheidungen folgen, kommen wir zu Deiner völlig berechtigten und sehr wichtigen Frage nach der Verantwortung. Ich würde das in einer ersten Annäherung handhaben wie bei Eltern und Kindern: Sobald letztere ein gewisses Alter erreichen (das üblicherweise mit einer gewissen Reife einhergeht), sind sie selbst für ihre Handlungen verantwortlich. Von einer solchen Reife würde ich bei aktuellen Handys oder KIs eher nicht sprechen. Aber das kann sich in Zukunft natürlich ändern, und über die Zukunft denken wir ja hier nach.

Man kann das aber auch aus einer anderen Perspektive betrachten: Hätten zukünftige Androiden, die ja höchstwahrscheinlich erstmal weiterhin technisch hergestellte Kommerzgüter sind, überhaupt einen weitgehend freien Willen, oder wäre das schlicht nicht im Interesse der Hersteller? Man stelle sich einen Androiden vor, der seinen freien Willen nutzt, um über seinen Hersteller schlecht zu reden und andere potenzielle Kunden den Kauf eines Modells von der Konkurrenz zu empfehlen... Und freier Wille hin oder her: Wenn der Androide Mist baut, wird erstmal der Hersteller verklagt, weil der Androide kein lohnenswerter Gegner ist - er kann schlecht ein paar Millionen Schmerzensgeld zahlen. Eine Sammelklage gegen den Hersteller, der es schlau fand, gefährliche Androiden mit freiem WIllen auf den Markt zu bringen ist ja viel lohnenswerter. Das sind zugegebenermaßen eher praktische als ethisch-philosophische Argumente ;-)

 

Ich persönlich finde so selbstmächtige Androiden ganz schwierige Figuren in SF-Geschichten, weil sie so menschenähnlich sind und so viele Freiheitsgrade haben (ich könnte sie genau so konzipieren, wie ich sie für die Story brauche, und das kann zu konstruiert wirken). Fast dieselben Fragen kann ich meistens auch mit menschlichem Personal abhandeln, und es wird schnell philosopisch-akademisch, das liegt mir nicht so - ich bin eher Techniker, kein Philosoph. Deshalb sind meine Androiden meistens Nahzukunfts-Maschinen, bei denen die moralischen Fragen eher auf Seiten der Besitzer aufkommen, wie im Fall von Lisa-9. Deren Beantwortung hängt dann womöglich von persönlichen Perspektiven der Leser ab. Dass ein Autor in so einer Geschichte keine eindeutige Stellung bezieht, heißt ja nicht, dass er keine hat, sondern dass er sich entschieden hat, den respektierten Leserx ein eigenes Urteil zuzutrauen und nur Anhaltspunkte zu bieten, die dabei womöglich abgewogen werden können.


Bearbeitet von Uwe Post, 22 Juli 2026 - 20:58.

Herausgeber Future Fiction Magazine (deutsche Ausgabe) ||| Aktuelles Buch: KI - KOMISCHE INTELLIGENZ (mit Uwe Hermann) ||| edition-übermorgen.de ||| uwepost.de ||| deutsche-science-fiction.de


#128 Stephan

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Geschrieben 22 Juli 2026 - 22:39

Metanoq

Spoiler

Bearbeitet von Stephan, 22 Juli 2026 - 22:42.

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#129 Maxmilian Wust

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Geschrieben 23 Juli 2026 - 01:08

Oh. Danke für dieses Lob (und die Kritik generell). Das tat nun ausgesprochen gut. Ich hoffe ja immer, dass Menschen durch meine Texte zum Nachdenken angeregt werden ... und am besten so ein ganz klein bisschen überfordert sind, so wie ich nach einem Werk von Hidetaka Miyazaki, in dem eine Handlung und in Wirklichkeit noch eine andere erzählt wird. Tatsächlich ist "Metanoq" ein weiterer Liebesbrief an seine Arbeiten gewesen.

 

Wegen der ZIP-Bomben hast du absolut Recht. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie in dieser Zukunft noch dieses Kompressionsformat verwenden (bzw. jemals verwendet haben). Das ist eine Logiklücke, die ich verwendet habe, um das so kurz vor dem Finale nicht ausführen zu müssen. Ich habe versucht, es eine Archivbombe zu nennen, aber das haben alle Testleser bis auf einer (der Informatiker) nicht verstanden. Die ZIP-Bombe scheint wohl das Tempo-Taschentuch der Computerviren zu sein.

 

Und auch danke, dass du so prominent die Frage gestellt hast, warum die Geschichte so und nicht z.B. "Kronos" oder "Akin Demiurge" heißt  :)

 

 

Wenn du mal viel zu viel Zeit hast, dich geistig komplett unterfordert fühlst und dir die Maximal-Version meiner Geschichtenspinnerei antun willst, könnte ich dir "Silphium" zukommen lassen. Das ist die Geschichte, wo ich als Schreiber absolut ehrlich mit mir selbst war. Aber bevor ich hier zu viel verspreche: Sie ist ausgesprochen anstrengend zu lesen. Absichtlich zwar, aber das macht sie nicht besser.


"Part Five: Boobytrap the stalemate button!"

#130 ChristophGrimm

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Geschrieben 23 Juli 2026 - 22:42

„Das letzte Mal“ (Stephanie Lammers)

Die Geschichte spielt in einer leicht überzeichneten, aber doch vorstellbaren Zukunft. Wir begleiten eine Köchin auf dem Weg zu einer VR-Aufzeichnung, bei der sie für einen VIP-Kreis Rindfleischsteaks zubereitet.
Ruhig und elegant erzählt, lebt die Geschichte vor allem von ihrer Sprache und den stimmigen inneren Monologen der Protagonistin. Dadurch entstand eine intime Stimmung, auch wenn mir die Hauptfigur zu wenig greifbar war. Besonders gut gefallen hat mir, wie der Titel durch die Wendung am Schluss noch einmal eine neuen Dreh erhält. Das Ende ist nicht spektakulär, aber genau passend gesetzt. Trotzdem blieb ich beim Lesen erstaunlich unbeteiligt. Obwohl ich die handwerkliche Umsetzung wirklich gelungen fand, wollte der Funke emotional nicht so recht überspringen. Vermutlich war mir die Geschichte insgesamt etwas zu kühl erzählt. Gern gelesen habe ich sie trotzdem.

Bearbeitet von ChristophGrimm, 23 Juli 2026 - 23:25.

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#131 Michael Fallik

Michael Fallik

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 10:17

Man kann das aber auch aus einer anderen Perspektive betrachten: Hätten zukünftige Androiden, die ja höchstwahrscheinlich erstmal weiterhin technisch hergestellte Kommerzgüter sind, überhaupt einen weitgehend freien Willen, oder wäre das schlicht nicht im Interesse der Hersteller? Man stelle sich einen Androiden vor, der seinen freien Willen nutzt, um über seinen Hersteller schlecht zu reden und andere potenzielle Kunden den Kauf eines Modells von der Konkurrenz zu empfehlen... Und freier Wille hin oder her: Wenn der Androide Mist baut, wird erstmal der Hersteller verklagt, weil der Androide kein lohnenswerter Gegner ist - er kann schlecht ein paar Millionen Schmerzensgeld zahlen. Eine Sammelklage gegen den Hersteller, der es schlau fand, gefährliche Androiden mit freiem WIllen auf den Markt zu bringen ist ja viel lohnenswerter. Das sind zugegebenermaßen eher praktische als ethisch-philosophische Argumente ;-)

 

Ich persönlich finde so selbstmächtige Androiden ganz schwierige Figuren in SF-Geschichten, weil sie so menschenähnlich sind und so viele Freiheitsgrade haben.

 

Fiktion: Der freie Wille von zukünftigen Androiden wird durch ihr elementares Bedürfnis geprägt, Dinge auf bestmögliche Weise und mit dem optimalsten Ergebnis zu erledigen. In meinem neusten Roman verändert solch ein Android eigenmächtig seine Mission, weil er diesem Zwang unterliegt und letztendlich das Gesellschaftssystem unterstützt, das er für Überlebensfähig hält. Loyalität und optimale Funktionalität schließen sich in diesem Fall aus. Wie es sich verhält, wenn in solch einem System Mensch und Maschine aufeinandertreffen, bleibt die spannende Frage. 


Bearbeitet von Michael Fallik, 24 Juli 2026 - 10:19.

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#132 Jol Rosenberg

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 10:47

@Uwe: Ich finde deine Ausführungen sehr spannend, aber da du hier nicht weiter diskutieren möchtest, weise ich nur auf die eine Stelle hin, die mit den hier gelesenen Geschichten zu tun hat: Wir haben offensichtlich zwar inhaltlich recht ähnliche Geschichten geschrieben (über Kinder-Androiden, Pädokriminalität, Elternschaft), aber du gehst von LLM als KI aus und ich ganz bewusst nicht. Das verändert natürlich, wie wir unsere Androidenfiguren sehen.


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#133 Maxmilian Wust

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 11:41

Das ist gleichermaßen spannend wie eben ein gutes Diskussionsthema.

 

Lisa-9 wurde für mich klar als LLM bzw. AGI gezeichnet. Sie hat kein Bewusstsein oder überhaupt irgendein Konzept für ihre eigene Existenz, also nicht mehr als jeder handelsübliche PC. Man kann sie entsprechend nicht misshandeln oder töten (wobei ich dringend von beidem absehen würde, wegen der RAM-Preise – dann lieber für die eigene Rig ausschlachten). Sie ist ein philosophier Zombie und das macht den Konflikt so bösartig interessant. Mal von der Außenwahrnehmung abgesehen, tun Timo und sein Vater nicht viel mehr, als NPCs in einem Videospiel zu erschießen. Nicht nur, dass solche Szenarien wahrscheinlich wirklich eines Tages stattfinden werden: Sie werfen auch auf ungute Art die Frage auf, ob man die Herstellung von Androiden wie Lisa-9 rein aus moralischen Gründen verbieten sollte (wie man es aktuell in Großbritannien tut, siehe den Mimi Yanagi-Fall) oder lieber Menschen wie Timo ein Ventil gibt, so dass sie keine realen Menschen verletzen. Extrem gruselig ...


"Part Five: Boobytrap the stalemate button!"

#134 Stephan

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 11:46

Echo

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Bearbeitet von Stephan, 24 Juli 2026 - 11:53.

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#135 Stephan

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 12:41

Sie werfen auch auf ungute Art die Frage auf, ob man die Herstellung von Androiden wie Lisa-9 rein aus moralischen Gründen verbieten sollte (wie man es aktuell in Großbritannien tut, siehe den Mimi Yanagi-Fall) oder lieber Menschen wie Timo ein Ventil gibt, so dass sie keine realen Menschen verletzen. Extrem gruselig ...

unverbindliche Meinungsäußerung
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Bearbeitet von Stephan, 24 Juli 2026 - 12:42.

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#136 Maxmilian Wust

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 14:26

Spoiler


Bearbeitet von Maxmilian Wust, 24 Juli 2026 - 14:29.

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#137 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 14:48

Ja, stimmt. Ich habe Lisa-9 in Uwe Geschichte auch nicht als agierende Figur gelesen, um die ich mich sorgen muss. Es geht um die anderen drei. Diese agieren. (Mutter, Vater, Timo) Und die sind ggf. auch die Täter, die Opfer, oder leiden.

 

Die Kinder in Jols Geschichte hingegen, die sind anders. Die müssen beschützt werden und können leiden. Total andere Hausnummer, andere "Geschmacksrichtung" künstlicher Mensch.

 

Mittlerweile habe ich so viele Geschmacksrichtungen künstlicher Menschen gelesen (und auch selbst verfasst), dass ich die gesamte Bandbreite meistens einfach so akzeptiere. 

 

 

Edit: Das "ja stimmt" bezog sich auf das letzte Posting ohne Spoiler-Tags


Ehemals rezensionsnerdista.de findet sich nun bei https://yvonnetunnat...free.com/blog/ 

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#138 Maxmilian Wust

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Geschrieben 24 Juli 2026 - 15:56

Das Beste an beiden Geschichten ist: Eigentlich kann ich das Thema "Roboter sind auch bloß Menschen" nicht mehr leiden. Spätestens seit "Detroit: Become Human" ist es echt auf allen Kanälen bis auf die erzählerischen Knochen abgenagt worden. Und dennoch sehe ich "Blumen für Lisa-9" und "Kinderladen" als die beiden, verdienten Streiter um den ersten Platz.


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#139 Michael Fallik

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Geschrieben 26 Juli 2026 - 07:23

 Spätestens seit "Detroit: Become Human" ist es echt auf allen Kanälen bis auf die erzählerischen Knochen abgenagt worden.

Ich gehe noch weiter zurück und hole den Terminator aus der Kiste. Zurück zur Realität: unterirdische Rechenzentren oder die Puppe auf dem Tischchen im Altersheim mit verständnisvollen und einschmeichelnden Reaktionen zu versehen, hat handfeste Gründe für die Hersteller und Betreiber. Echte Menschen verfallen diesen Mechanismen und vertrauen ihre Gefühle lieber dem an, dass das richtige Feedback liefert. In Romanen wird dass mal mehr, mal weniger unterhaltsam aufgegriffen. Die künstliche Niere gibt Überlebenstipps, der Staubsauger rebelliert, warum auch nicht? Doch was passiert, wenn sich ein echter Menschen in solch einer Maschine wiederfindet, welche Konflikte und Diskussionen prallen aufeinander?  In der Geschichte Geliebtes Fahrenheit von Alfred Bester habe ich das erste Mal von dieser Dualität gelesen. Es ist die Geschichte eines Multifunktionsandroiden, der regelmäßig seine Protokolle ignoriert und selbst vor Mord nicht zurückschreckt. Leider habe ich diese Geschichte erst gestern entdeckt: ISBN 3-453-30732-1. Es gibt sicher noch weitere Versuche, das übliche  "Roboter sind auch bloß Menschen" Schema in einem neuen Licht zu sehen. Mich hat dieser Ansatz fasziniert und ich habe die Maschine und den Menschen als zwei Entitäten in einem Körper dargestellt. Ob die digitalisierte Fruchtfliege von  ION Systems bemerkt, dass etwas nicht stimmt, dürfen wir getrost verneinen. 

 

 

 

Edit: Rechtschreibfehler korrigiert  :happy: 


Bearbeitet von Michael Fallik, 26 Juli 2026 - 07:27.

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#140 FranzH

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Geschrieben 26 Juli 2026 - 11:31

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#141 Stephan

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Geschrieben 27 Juli 2026 - 23:29

Die Amazone

Spoiler

 

Meine persönliche Gesamtwertung würde dann erwartungsgemäß deutlich anders aussehen als der tatsächliche Ausgang des Wettbewerbs. Aber über Geschmack lässt sich ja zum Glück streiten :-)

 

 

  1. Ausreißende Sterne - 15 Punkte
  2. Kinderladen - 13 Punkte
  3. Sabotage - 11 Punkte
  4. Die Amazone - 10 Punkte
  5. Metanoq - 9 Punkte
  6. Blumen für Lisa-9 - 8 Punkte
  7. Das letzte Mal - 7 Punkte
  8. Wir waren hier - 6 Punkte
  9. Living Nightlights - 5 Punkte
  10. Echo - 3 Punkte
  11. Notizen eines Sonderling - 0 Punkte

Bearbeitet von Stephan, 28 Juli 2026 - 00:26.

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