Frisch gelesen, frisch beeindruckt!
Solange noch alles frisch ist: frisch ans Chronisten-Werk!
cover: GÜNTER PUSCHMANN
Ein legger Mädsche, die ihr Wohnzimmer mit schwebenden Planeten schmückt. Muss man sich erstmal leisten können! Mir gefällt’s!
update: HORST ILLMER: Nachrichten & Neuerscheinungen
Hier bitte Default-Lob für Illmers beständige, ergiebige und lesbar aufbereitete Maulwurfsarbeit einfügen!
Mit Dan Simmons und Ian Watson sind zwei bekannte SF-Autoren verstorben. Speziell Watsons Werke habe ich eine Zeit lang fast wie ein Süchtiger verschlugen. Im Gedächtnis blieben „The Jonah Kit“ (Der programmierte Wal) und „Die Fliegen der Erinnerung“, das für mich als Wahl-Münchner und Ex-Mitarbeiter im Deutschen Museum besondere persönliche Anknüpfungspunkte bereit hielt.
Von den Buchempfehlungen habe ich mir Aiki Miras Collection „Deshalb kann ich nicht fort“, Octavia E. Butlers „Verbunden“ und Jacqueline Harpmans „Ich, die ich Männer nicht kannte“ vorgemerkt, mit Vorbehalt auch Guillaume Perreaults Comic-Reihe „Weltraumpostbote“.
Interviews
URSULA POZNANSKI: »Ich muss wissen, wie es endet!« - Von Rüdiger Schäfer
Die österreichische Autorin erzählt aus dem Nähkästchen. Sie braucht eine Idee für das Ende eines Romans, um mit dem Schreiben anzufangen. Auf dem Weg dahin kann einiges passieren. Aber neue Einfälle, ungeplante Wendungen und Figuren, die sich überraschend entwickeln, dürfen sie nicht vom rechten Weg auf das Ende zu abbringen.
Eschbach hat mal einen ähnlichen Gedanken geäußert. Die Idee für das Ende eines Romans wirke wie ein Magnet, auf den sich die ganzen Handlungsfäden zu bewegen.
TERRY VIRTS: Der NASA-Astronaut über seine Zeit im Orbit und seine Verbindung zur Science Fiction - Von Alexander Nym
Hochinteressantes Interview mit dem NASA-Astronauten Terry Virts, der derzeit seine während des ISS-Aufenthalts geschossenen Fotos in der Wanderausstellung „View From Above“ präsentiert. Er erzählt von seiner frühen Begeisterung für „Star Trek“ und „Star Wars“ (süß sein Kinderfoto in der Star-Fleet-Uniform von Captain Kirk), über seine Demutsgefühle im All und wie sich sein politisches Engagement durch diese Erfahrungen geändert hat. Absolutes Highlight!
bücher, autoren & mehr
SONJA STÖHR: Phantastisches Lesefutter für jedes Alter – Neue Kinder- und Jugendbücher
Alles angelesen, aber lediglich die Graphic Novel „Red“ von Josephine Mark kommt eventuellst auf den Lesestapel.
IVAN ERTLOV: Freund, Feind, Spiegelbild: Aliens in der Science Fiction
Ertlov skizziert die verschiedenen Funktionen von Aliens in der SF. Das tut er nachvollziehbar und erkenntnisheischend. Aber um die Früchte zu ernten, bräuchte es dann doch etwas mehr als 3 Magazinseiten.
ANDREAS WOLF: In Lovecrafts Schatten
Wolf stellt die Neuerscheinungen in der Reihe „H.P. Lovecrafts Schriften den Grauens“ im Blitz Verlag vor. Und das ist bestimmt etwas für Menschen, die mit Lovecraft etwas anfangen können.
HARALD LEINWEBER: Kraft-Werke für E-Reader
Leinweber stellt zum einen E-Reader der neusten Generation vor, auf denen man mittlerweile die gesamte Kongressbibliothek im Rucksack mitnehmen kann. Im besonderen geht er auf den fast vergessenen Kolportage-Schriftsteller Robert Kraft (1869-1916) und dessen umfangreiches, mittlerweile in der public domain befindliches Werk ein, das zum großen Teil für E-Reader verfügbar ist. Ich glaube, für mich ist es zu spät, mit 62 Jahren noch mit Robert Kraft anzufangen. Das erscheint mir eine ähnliche Hürde zu sein, wie wenn ich ab heute die Perry-Rhodan-Erstauflage aufarbeiten wollte.
JAN NIKLAS HOCHFELDT: Angsträume
Hochfeldt stellt angsteinflößende Bauwerke und Räume aus dem Horror-Genre vor. Dabei deckt er die Spanne von Nosferatus Vampir-Schloss bis zum aktuellen Film „Backrooms“ ab. Interessant und informativ, auch für einen Horror-Muffel wie mich!
HORST ILLMER: Merkwürdig! 100 Jahre Science Fiction – Teil 3
Illmer gibt im dritten Teil der Reihe einen Überblick über die deutschen SF-Magazine der 80er Jahre wie z.B. „COSMONAUT“, „VISION“, „skyline“, „Deutsches SF-Magazin“, diverse „Solaris“-Inkarnationen, „sf star“, die deutsche „OMNI“ und die legendäre „science fiction times“. Wunderbare Einblicke eines Zeitgenossen, der an einigen der Erzeugnisse aktiv beteiligt war!
JAMIE-LEE CAMPBELL: Phantastik International Teil 2 – Percival Everett
Campbell empfiehlt den Autor Percival Everett, der in seinen Romanen die Welt aus der Persepektive eines humorvollen Schwarzen betrachtet. Zur Inkorporation vorgemerkt!
ALEXANDER NYM: Die Zähne gezogen?
Nym vollzieht den Wandel nach, den die Gestalt des Vampirs seit Ende des 19. Jahrhunderts durchgemacht hat- von der sagenhaften Schreckensgestalt bis zum bizarren Sexsymbol. Informativ und gelungen!
rezensionen
Alle (an-)gelesen. „Merkwürdig“ blieben für mich folgende Bücher:
- Cliff Allister „Das Fermi-Paradoxon“
- Sandra Newman „Das Verschwinden“
sowie mit Einschränkungen:
- Jasper Fjorde „Wie die Karnickel“
comics & filme
OLAF BRILL & MICHAEL VOGT: Ein seltsamer Tag – Episode 102
Nach einem erzwungenen umfangreichen Update erkennt unser Lieblings-Roboter sein Haus nicht wieder – und seine Frau auch nicht.
LARS BUBLITZ: Eine phantastische Familie
Den Strip versteht man nur, wenn man um die Doppelbedeutung von „Chekov’s Gun“ weiß. Dann ist es aber wirklich witzig!
STEFFEN BOISELLE: 100% Buchhandel
Der Fachkräftemangel im Buchhandel zwingt zu verzweifelten Maßnahmen. Nun ja.
JAN HOFFMANN: Plirrp & Schrotty
Plirrp hat es geschafft, einen Traktorstrahl in eine normale Taschenlampe einzubauen. Was nach Schrottys Ausführungen unmöglich sein sollte. Oder?
SONJA STÖHR: From Seoul with Love
Sonja Stöhr berichtet über die Modewelle der Manhwas, dem südkoreanischen Pendant zu japanischen Mangas.
FARBFILM FERGUSON: Hast du Töne?
„Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche“ – an diesen Schlager aus dem Jahr 1930 musste ich denken bei der vorliegenden Abhandlung über Filme, die die Tonerzeugung in Filmen zum Gegenstand haben. Informativer und unterhaltsamer Blick auf eine wenig beachtete, selbstreferentielle Facette der Filmkunst.
storys
JOL ROSENBERG: MORGEN, HOFFENTLICH
Berührende Geschichte von einem jugendlichen Außenseiter, der erst dann Heimat und Gemeinschaft findet, als er sich von seinem Vater löst. Ich habe das anfängliche Fernbleiben und plötzliche Auftauchen des Vaters nicht ganz nachvollziehen können. Insgesamt aber eine schöne Story, sehr stimmungsvoll geschrieben.
FRANK BÖHMERT: Der Berliner Marsflug
Eine Gruppe Berliner Jugendlicher macht sich vom Alkohol befeuert daran, eine Marsrakete zu bauen. So schwer kann das doch nicht sein. Wenn nicht immer diese Neonazis wären…
Nette Jugendstory voller Ironie und altersgemäßer naiver Selbstüberschätzung.
MORITZ BOLTZ: Das Plateau
Der Graufahrer (?) fährt mit seinem Jeep durch eine postapokalyptische Welt. Er trifft auf vereinzelte Menschen, die ihre Heimat nicht verlassen wollen. Auch, wenn sie ihnen nichts mehr bieten kann.
Bildstark und poetisch!
VOLKER DORNEMANN: MICROSTORY: Fee
Manchmal muss man wissen, was man sieht, um zu sehen, was man hat.
Eine Microstory mit einer bösen, aber augenöffnenden Pointe!
Fazit:
Die Nr. 102 war eine herausragende Ausgabe voller Highlights und informativer Artikel. Höhepunkte waren Alexander Nyms Interview mit Terry Virts und Horst Illmers Rückblick auf die deutschen SF-Magazine der Goldenen 80er Jahre. Die Story-Abteilung wird immer besser.
Natürlich bedanke ich mich bei allen Mitwirkenden für das großartige Druckwerk und freue mich schon auf die Nr. 103!
Beste Grüße
Ralf
Bearbeitet von ShockWaveRider, Gestern, 10:29.