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AI geschriebene Spekulative Fiction ? Die "Daggermouth" Kontroverse

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19 Antworten in diesem Thema

#1 head_in_the_clouds

head_in_the_clouds

    Infonaut

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Geschrieben 06 August 2026 - 13:51

Um was geht es? 

„Daggermouth“ – eine dystopische Spekulative Fiktion , deutsch in Vorb (1) - erschien zunächst 2025 im Selfpublishing und wurde durch BookTok zu einem Überraschungserfolg. Anschließend erwarb der Verlag Simon & Schuster   die Rechte für Daggermouth und für die Fortsetzung - einem Bericht zufolge als  siebenstelliger Deal (!)

Kurz vor der Hardcover-Veröffentlichung brachte die Zeitschrift  "The Atlantic" im Juli 2026 einen Bericht über eine Studio zu KI-generierten Romanen (2). Darin wurde Daggermouth als der prominenteste Bestseller genannt, der statistisch starke Anzeichen für KI-generierten Text aufweise.

 

Was sind die Vorwürfe?

Die Forscher der Studie analysierten über 14.000 E-Books mit dem KI Erkennungssystem namens PANGRAM. . Bei Daggermouth fanden sie unter anderem einen Wert von etwa 60 % "AI generativ"   was die Autorin vehement bestreitet.

 

Was sollen wir davon halten?

Sicherlich gibt es heute diese Möglichkeit (zumindest AI assistiert oder als Ideenlieferant)  , aber nun scheint es so, das viele (insbesondere die Indie Autoren) unter Verdacht stehen - warum?

Es gibt einen starken Ansteig bei Romanen im self-spublihing Segment  in den letzten 2-3 Jahren – wo ebenfalls auch diese Form der  AI langsam Fahrt aufnahm. Allerdings alles zeitlich davor halte ich dessen für unverdächtig da es einfach keine AI gab, die das leisten konnte.

Aber deren Werke jetzt unter einen Generalverdacht zu stellen schadet Autoren. Zahlenmäßig steigen solche  Bucheigenveröffentlichungen (nicht weil AI diese massenhaft produziert oder Verlage diese ablehnen) , sondern weil sich AutorInnen bewusst für die Methode des seif-publishing entscheiden und ein Markt dafür vorhanden ist . Sie behalten so die Kontrolle vom Schreiben bis zur Vermarktung.

 

Die Software PANGRAM  selbst ist zudem ein kommerzieller AI-Textdetektor - also selbst AI basiert . Deren Ergebnisse sind  also zu hinterfragen , wenn Texte, bei denen man KI-Ursprung vermutet, durch KI-Erkennungstools analysiert und verdächtig werden. Denn das reale Trainingsmaterial von AutorInnen ist für beide (AI Detektor wie für die „schreibende“ AI ) dasselbe. Daraus eindeutige AI typische Muster zu erkennen, ist somit schwierig.

 

Man bedenke ebenfalls : Sämtliche LLM-KI-Modelle lernen auf der Basis urheberrechtlich geschützter Texte von Autoren – was im Grunde nichts anderes als Diebstahl von Copyright geschützter Werke ist. Wenn also PANGRAM 14.000 ebooks copyrightfrei(?) analysierte, weiß man letztendlich nicht, wozu die Daten gebrauchet werden (zu weiterem Training?).

 

Das Dilemma der AutorInnen: Sie können nur schwer beweisen, das sie keine AI einsetzen und wiederum die AI Erkennungssoftware das sie welche einsetzen durch erkennen "typischer Muster". Beide  (detektierende wie schreibende AI)  basieren auf Traningsdaten (Formulierungen)  REALER AutorInnen.

 

 

(1) Daggermouth 

original: https://www.goodread...235-daggermouth

Deutsch (in Vorb.) https://lyx-verlag.de/Buecher/Dark-Romance/Daggermouth/9783736328785

 

 

(2) The Atlantic

https://www.theatlantic.com/technology/2026/07/daggermouth-novel-bestseller-ai/688067/


Bearbeitet von head_in_the_clouds, 06 August 2026 - 14:05.

"Why should one be afraid of something merely because it is strange?"

  • (Buch) gerade am lesen:Jck Womack - Zufällige Akte sinnloser Gewalt

#2 Stephan

Stephan

    Infonaut

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Geschrieben 06 August 2026 - 14:30

Daggermouth um ist doch im Prinzip ein perfektes Fallbeispiel für das Problem aus dem anderen Thread.

Das gesicherte Wissen:

AI wird verwendet, im hobby-Bereich, im professionellen Bereich, beim Self Publishing, bei Verlagen, offen aber auch heimlich. Genauso wird es von vielen auch nicht verwendet. Bei einigen auch aus Überzeugung nicht. Die Erkennungs-Tools sind unzuverlässig.

Bei Daggermouth erheben Fans zudem den Vorwurf, dass die Welle der Kritik nach einem AI-Vorwurf bei nicht-schwarzen Autoren deutlich zurückhaltender ausfallen würde.


Letztendlich zerstört AI das Vertrauen in die Schreibenden, denn Gewissheit wird es nie wieder in dem Maße geben können, wie vorher.

Das ist doch wie bei der Tour de France. Es wird einen Teil der Fahrer geben, der kein Doping betreibt, aber es wurden bereits so viele überführt, dass das Vertrauen kaputt ist.

Ich vermute aber der Markt aka die Leser*innen werden sich mit der Zeit daran gewöhnen. Ein nicht so kleiner Teil der Kundschaft für neue Bücher wird irgendwann damit aufwachsen und es für selbstverständlich halten.

Ich nehme an ein kleinerer Teil wird in seiner Ablehnung strenger werden.

Die Benachteiligten von diesen Trends dürften dann langfristig die Autor*innen sein. Nämlich dann wenn die Verlage erst einmal auf den Geschmack kommen und ihre Romane von ein paar Clickworkern generieren lassen.

 

P.S. die AI-Textgeneratoren werden irgendwann auch so gut werden, dass die generierten Texte nicht mehr als künstlich erkannt werden können. Eine Erkennungssoftware muss hier doch langfristig scheitern. Außer es werden durch Unachtsamkeit direkte technische Spuren im Text hinterlassen, wie z.B. Teile eines Prompts oder div. Codes in den ursprünglich erzeugten Dateien. Das dürfte zukünftig aber immer seltener passieren.

 

P.P.S: neben "Daggermouth" traf es mit "Shy Girl" von Mia Ballard und "Call Me, I’ll Hide the Body" von Jerry Falade erst kürzlich zwei weitere Autor*innen, die beide jeweils ihre Multimillionen Dollar-Verlagsdeals verloren haben, nachdem Vorwürfe zur AI-Nutzung öffentlich wurden. Falade sagte dann auch bezogen auf alle drei Fälle in einem Interview mit dem britischen Guardian:

 

“Three Black authors received major publishing deals this year, and all three later had deals cancelled or disrupted following suspicions about AI. There seems to be a troubling assumption that when a Black writer produces work that attracts significant attention, the work could not possibly be their own. Meanwhile, there are popular white writers who have publicly mentioned using AI for their writing processes and they’re still doing fine.”

 

Link 1:

https://www.theguard...l-hide-the-body

 

Link 2:

https://www.theguard...use-mia-ballard


Bearbeitet von Stephan, 06 August 2026 - 19:38.

Mein Blog über Science Fiction: www.ostinspace.blog  :)

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#3 J. A. Hagen

J. A. Hagen

    Typonaut

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Geschrieben 07 August 2026 - 12:29

Das erinnert mich an die "Skandale", die einige Politiker und Politikerinnen betroffen haben, weil sie (angeblich) in ihren Doktorarbeiten unsauber gearbeitet haben.

Soweit ich weiß, hat man sich dabei nur auf Politiker und Politikerinnen eingeschossen, aber nie auf Menschen mit Führungspositionen in der Wirtschaft. Ich vermutet, weil man denen nicht ans Bein pissen kann, selbst wenn man ihnen Plagiate nachweisen könnte. Die treten deswegen nicht zurück.
 

Ich vermute, dass man nun erfolgreichen Nachwuchsautoren mit KI-Vorwürfen schaden kann. Konkurrenz ausschalten und so.

Begründet PANGRAM seine Ergebnisse detailliert?


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#4 Fermentarius

Fermentarius

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Geschrieben 07 August 2026 - 16:14

Pangram von der Firma Pangram Labs ist unter Pangram.com öffentlich zugänglich. Wer will, kann einen Text prüfen lassen. Kostenlose Accounts sind aber 4000 Worte (nicht Zeichen!) begrenzt. Pangram schlüsselt dann genau auf, welche Teile es für KI-generiert hält. Es gibt als keine Wahrscheinlichkeit an, sondern spezifiziert, welche Textabschnitte KI-generiert sind, genauer gesagt: welche Teile es dafür hält.

 

Wenn jemand 14000 E-Books hat prüfen lassen, muss er dafür tief in die Tasche gegriffen haben. Letztlich kann aber auch jeder selbst ein Gefühl dafür entwickeln, ob Bücher mit KI-geschrieben, (oder mit massiver KI-Unterstützung erstellt worden sind.

 

Bei KI-Texten fällt vorläufig noch der Unterschied zwischen perfekter Form und wirrem Inhalt auf. Die KI arbeitet Wort für Wort. Das nächste Wort ist jeweils das, das am wahrscheinlichsten folgt, wobei die KI den bisherigen Text zugrunde legt. Nur kann nicht den ganzen Text dafür verwenden, sondern immer nur einen Teil. Und damit geht bei den Texten der übergreifende Zusammenhang verloren. Einzelne Szenen stehen nebeneinander, die Figuren entwickeln sich nicht oder chaotisch, und der Gesamtaufbau stimmt nicht.

 

Wenn der Autor nur seine unzureichenden Kenntnisse der Grammatik und seine Unfähigkeit, anschaulich zu schreiben, aufpolieren lässt, sind die KI-generierten Teile schwerer zu finden. Wahrscheinlich werden wir in Zukunft immer mehr Bücher finden, bei denen der Autor nur das Skelett der Handlung und die Grundeigenschaften der Figuren vorgibt und den Rest von der KI erledigen lässt. Wahrscheinlich wird es bald Apps geben, die hoffnungsvolle Autoren durch diese Aufgabe führen und ihnen KI-generierte Ratschläge geben.

 

Dann finden wir bei Amazon noch mehr schrottige KI-Bücher als jetzt schon. 


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#5 Gray

Gray

    Ufonaut

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Geschrieben 08 August 2026 - 09:59

Interessantes Programm, aber nicht sehr zuverlässig. Ich habe einen alten Text aus einem unserer Conbücher von 2006 eingegeben, das Ergebnis: 92 % KI. Da sehe ich eher das Problem, dass viele falsche Alarme evtl. unberechtigte Anschuldigungen fabrizieren mit den von euch bereits dargestellten Folgen für Schreibende. Und eine weitere KI wird mit Inhalten gefüttert, würde mich nicht wundern, wenn das mitunter bei solchen Detektoren der wahre Sinn ist.


Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert

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#6 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 09 August 2026 - 10:45

Da weder eine Kennzeichnung noch eine eindeitige Erkennung in allen Fällen realistisch sind, bleibt am Ende nur das persönliche Urteil: Gefällt es mir oder gefällt es mir nicht?

Bei anspruchsvolleren Lesern wird derzeit nur höchst selten ein generierter Text gut ankommen.

 

Und wenn das doch mal so ist? Fragen wir doch mal anders herum: Was ist genau betrachtet schlimm daran, wenn jemand einen KI-generierten Text mag oder sich von ihm gut unterhalten fühlt? 

Ist es das Gefühl, dass sich die Autorx mit "fremden Federn" schmücken? Dass sie damit sogar viel Geld verdienen bei wenig Aufwand? Weil sie sich die Einnahmen gar nicht redlich verdient haben, da sie ja gar nicht selbst Urheber sind? Andererseits verfügt die verwendete KI halt gar nicht über ein Konto, um Einnahmen zu erhalten und könnte auch gar nichts damit anfangen und nicht wie echte Autoren vom vielen Geld in der Karibik bei einem Cocktail am Pool auf die mit verursachte Klimakatastrophe warten ...  (Hier müsste man mit berücksichtigen, dass so eine Textgenerierung letztlich eigentlich deutlich teurer wäre, wenn die KI-Unternehmen sie nicht massiv subventionieren würden, was sie nur können, weil derzeit unglaubliche Geldmengen in der KI-Blase verfügbar sind, was vermutlich langfristig nicht funktioniert - schon jetzt machen viele Startups wieder dicht oder KI-Assistenten kosten plötzlich eine Menge Geld.)

 

Nur zur Erinnerung: Die meisten von Menschen geschriebenen SF-Texte rufen bei vielen von uns auch nicht gerade Begeisterung hervor. Und einige dieser Texte sind in gewisser Weise auch "unehrlich" (wenn man das so nennen möchte) produziert, nämlich nicht um dem Genre literarische Qualität hinzuzufügen, sondern "nur" um Geld damit zu verdienen - und das geht eben am effizientesten mit wie am Fließband produzierten Mainstream-Weltraumreihen. Wenn man die dabei geleistete Fleißarbeit irgendwie höher einordnen will als die "Arbeit", eine KI zu prompten und die Ausgabe in Buchform zu copypasten, okay. Aber so oder so kommt selten etwas dabei heraus, das ich persönlich gerne lesen möchte - und dieses Urteil ergibt sich rein durch den Inhalt, nicht durch die Entstehungsweise.


Bearbeitet von Uwe Post, 10 August 2026 - 11:01.

Herausgeber Future Fiction Magazine (deutsche Ausgabe) ||| Aktuelles Buch: KI - KOMISCHE INTELLIGENZ (mit Uwe Hermann) ||| edition-übermorgen.de ||| uwepost.de ||| deutsche-science-fiction.de


#7 Mammut

Mammut

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Geschrieben 09 August 2026 - 12:20

Hier gab es eine Blindstudie zum Thema:

KI-Geschichten schlagen Menschen im Blindtest: Studie zeigt 1,54 vs. 0,97

 

Thorsten hat das launig kommentiert:

Die KI hat gewonnen…



#8 T.H.

T.H.

    Giganaut

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Geschrieben 09 August 2026 - 12:54

Hier gab es eine Blindstudie zum Thema:

KI-Geschichten schlagen Menschen im Blindtest: Studie zeigt 1,54 vs. 0,97

 

Thorsten hat das launig kommentiert:

Die KI hat gewonnen…

… und hat gleich noch was nachgeschoben. Was Analytisches zum Testergebnis. 
https://youtube.com/...FB9ysByti-W_kUS


Phantastische Grüße,
Thomas

...meine "Phantastischen Ansichten" gibt's hier.
Auf FB zu finden unter phantasticus

(Hinweis: Derzeit keine Internetrepräsentanz meiner Bilder; schade eigentlich...)


#9 Fermentarius

Fermentarius

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Geschrieben 09 August 2026 - 13:31

Das ist spannend. Borncity hat leider weder die Autoren noch den Titel der Studie angegeben. Aber sie war trotzdem relativ leicht zu finden:

 

Sydney Sears  and Deena Skolnick Weisberg: Bot or not: Can people tell the difference between stories written by a human or by an AI system?

 

Die Studie hat allerdings ihre Schwächen und ist wenig aussagekräftig. Warum?

Zur Methode: Zu drei Geschichten (ca. 1000 Worte), deren Auswahlkriterien unklar bleiben, sollte ChatGPT entsprechende Geschichten konstruieren. Die Prompts sind angegeben und sind eine Zusammenfassung der Geschichten.  

 

1. Die Auswahlkriterien der von Menschen geschriebenen Kurzgeschichten mit je ca. 1000 Worten sind nicht angegeben. Es handelt sich um drei Kurzgeschichten, von denen die erste allerdings sehr viel mehr Probanden gezeigt wurde als die beiden anderen, und damit höher gewichtet ist.

2. Bei den Geschichten wurde nicht geprüft, wie leicht sie lesbar sind. Also: Durchschnittliche Wortlänge, durchschnittliche Satzlänge, Anzahl der Nebensätze, Verwendung von ungebräuchlichen Worten etc.. Das ist aber entscheidend wichtig, denn die KI generiert im Allgemeinen leicht lesbare Geschichten. 

3. Die Probanden sollen nach Alter, Rasse und Geschlecht repräsentativ für die Bevölkerung der USA sein. Das ist aber nicht entscheidend. Wichtiger wäre, dass ihre Muttersprache englisch ist und sie nach Bildungsstand repräsentativ sind, wobei dann ausgewertet werden könnte, ob sich die Beurteilung nach der Bildung unterscheidet.

4. Es ist auch nicht getestet worden, ob die Probanden (die über einen Internetservice ausgewählt wurden) überhaupt die Fragen verstehen, bei denen es um literarische Qualität geht.

 

Ein allgemeines Publikum über literarische Qualität abstimmen zu lassen, ist von vornherein nicht zielführend. Wenn man deutsche Probanden ebenso zufällig auswählt, dann muss man davon ausgehen, dass Heftromane besser ankommen als literarische Texte. Das ergibt sich allein aus dem Vergleich der Auflagenhöhe. 

 

Mein persönliches Fazit: Die Aussagekraft des Papers geht gegen Null. 

 

Der deutsche Artikel über das Paper von Borncity enthält übrigens grobe Fehler. Vielleicht hat die Redaktion ihn ja von einer KI schreiben lassen.


Bearbeitet von Fermentarius, 09 August 2026 - 13:34.

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#10 ThK

ThK

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Geschrieben 09 August 2026 - 14:59

Das noch dazu: https://youtube.com/...MGR9C4vfJIK1IiB

#11 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 10 August 2026 - 11:11

Danke @Fermentarius, das sind sehr hilfreiche Anmerkungen. Nicht nur dahingehend, dass man keiner Studie glauben sollte, die man nicht selbst geschrieben hat  :happy:  - sondern einfach in Bezug auf die Kriterien, über die wir hier im SF-Netzwerk meistens sprechen, nämlich literarische, sciencefictionige, originalitätsbezogene. Letztlich sind auch wir natürlich nicht repräsentativ für die SF-Leserschar, weswegen ich eben für uns hier dafür werben möchte, einfach den Inhalt zu beurteilen und nicht die Entstehungsweise. Da reichen dann fast immer die Amazon-Leseproben, um auszusortieren, was wir nicht sooo dolle finden, völlig egal ob ChatGPT oder Mensch es produziert haben.

 

Das schließt wohlgemerkt nicht völlig aus, dass uns mal ein generierter Text gefällt - zum Beispiel, wenn er mit einem originellen Prompt erzeugt und dann umfangreich redigiert wurde. Allerdings dürften nicht viele Selfpublisher oder Verlage auf diese abwegige Idee kommen, denn mit einem solchen Text ließe sich schwerlich ein gutes Geschäft machen - nichtmal die Kohle für die meist kostenpflichtige LLM-Verwendung für so lange Texte kann man damit wieder reinholen, wenn man dermaßen am Massengeschmack vorbei schreibt (schreiben lässt). Außerdem wird oft aufgrund des bekannten Namens von Autoren gekauft, was ebenfalls irgendwo relativ unabhängig vom Inhalt ist.

 

(Offtopic: Wenn man ein Sprachmodell anweist, eine möglichst weirde Geschichte zu verfassen oder eine solche Handlung zu skizzieren, ist es dazu durchaus in der Lage. So gesehen stimmt es nur bedingt, dass Sprachmodelle nur ausgeben können, was in ihren Trainingsdaten steht: Sie können durchaus auf Anweisung ihnen bekannte Elemente auf völlig abstruse Weise zusammenfügen, und das wirkt dann schon recht "originell". Ich hab's probiert, aber, keine Sorge, ich veröffentliche es nicht.) 


Bearbeitet von Uwe Post, 10 August 2026 - 11:14.

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#12 J. A. Hagen

J. A. Hagen

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Geschrieben 11 August 2026 - 11:30

Ich habe bei Amazon in die Leseprobe von Daggermouth reingeschaut und finde die sprachliche Qualität solide. Derartige Texte habe ich schon oft gelesen. Sie funktionieren, lösen bei mir aber kein Entzücken aus. Das liegt die sprachliche Qualität von T. C. Boyle oder Samantha Shannon deutlich höher.

Ich vermute, dass ein eher funktionaler Stil leicht als KI-generiert eingestuft wird.

Vor Jahren wären KI, die brauchbare Text erzeugen, Science-Fiction gewesen. Nun sind sie Realität, und sie gefallen nicht. Ist es nicht ein logischer Schritt, das automatisiert wird, was automatisiert werden kann?

In Photoshop und anderen Programmen, mit denen ich arbeite, hat KI-Assistenz und generative KI längst Einzug gehalten. Manche Ergebnisse sind Müll oder müssen nachbearbeitet werden, aber andere sind brauchbar und entstehen in einem Bruchteil der Zeit, die ich bräuchte, um sie von Hand zu machen.

Ich glaube, dass demnächst auch in Textverarbeitungsprogrammen KI enthalten sein wird, die beim Verfassen hilft. Diese Entwicklung hält keiner mehr auf.

Der Mensch wird ersetzbar, weil er es sich einfach machen will. Und weil er bequem ist und sich immer mehr von Maschinen und Programmen abhängig macht, ist er schließlich ohne sie hilflos. 


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#13 Stephan

Stephan

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Geschrieben 11 August 2026 - 11:46

Der Mensch wird ersetzbar, weil er es sich einfach machen will. Und weil er bequem ist und sich immer mehr von Maschinen und Programmen abhängig macht, ist er schließlich ohne sie hilflos. 

 

Aber ich finds schon bezeichnend, dass "KI", oder nenn es wie früher "die Roboter", "die Computer", "die Maschinen" nicht die Scheissjobs übernehmen. Dass die nicht auf dem Bahnhof Nachts das Klo putzt, das sie nicht die Fastfashion-Näharbeiten in Asien macht und das sie nicht die Tomatenernte bei 40 Grad Celsius übernimmt. 

 

Für die profanen unrentablen Jobs müssen immer noch Menschen herhalten.

 

Aber für die Dinge, die eigentlich gar keine Jobs sein sollten, sondern die hohen Künste, unsere Kultur und Literatur, da sollen wir ausgerechnet auf ein seelenloses Maschinenprodukt setzen?

 

 


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#14 J. A. Hagen

J. A. Hagen

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Geschrieben 11 August 2026 - 12:24

Aber für die Dinge, die eigentlich gar keine Jobs sein sollten, sondern die hohen Künste, unsere Kultur und Literatur, da sollen wir ausgerechnet auf ein seelenloses Maschinenprodukt setzen?

 

Sobald es einen Markt gibt, wird er bedient. Marktkonformes Denken bedeutet, sich an der Nachfrage zu orientieren. Verkauft etwas gut, dann mach’ mehr davon. Deswegen geht zum Beispiel Hollywood ab einem bestimmten Produktionsbudget keine Risiken mehr ein. Da nimmt man ein Drehbuch, das sich an bewährten Mechanismen orientiert und sorgt dafür, dass der Film möglichst viele Altersgruppen anspricht.

Ich habe Filme gesehen, die auch eine KI hätte machen können. Hochglanzdurchschnitt.

 

Außerdem gibt es genug Menschen – also Wesen, die angeblich eine Seele besitzen –, die Grütze produzieren.
Ich meine, dass wir uns zu viel auf unsere Kreativität einbilden. 

Zudem denke ich, dass immer eine Nische bleiben wird. Auch die Schallplatte existiert weiter, und es gibt Leute, die glauben, dass sie bessere Klangerlebnisse als eine CD liefert. Leider sind Schallplattenspieler sehr teuer geworden, weil sie nur noch Nischenprodukte sind.

Genauso wird es eine Leserschaft geben, die auf menschengemachte Literatur setzt und sie ggf. auch von KI-generierten Texten unterscheiden kann.


Bearbeitet von J. A. Hagen, 11 August 2026 - 13:51.

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#15 Mammut

Mammut

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Geschrieben 11 August 2026 - 16:45

Noch ein Baustein zum Thema:

Janet Zentel: „Nicht die KI ist das Problem, sondern das Schweigen darüber“ – buchmarkt.de



#16 Stephan

Stephan

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Geschrieben 11 August 2026 - 17:12

Noch ein Baustein zum Thema:
Janet Zentel: „Nicht die KI ist das Problem, sondern das Schweigen darüber“ – buchmarkt.de


Die Newsmeldung hatte Klaus N. Frick vorhin auch über seine Kanäle gejagt.

Ich stimme Janet Zentel in dem Punkt auch zu, dass die Debatte durch ein Kommunikationsproblem geprägt wird. Ihre Offenheit finde ich begrüßenswert. Allerdings löst ihr Ansatz auch keines der vorhandenen Probleme. Denn eine freiwillige oder auch verbindliche Kennzeichnung von KI-Inhalten verhindert trotzdem nicht, dass Autor*innen die Technik auch heimlich einsetzen und sich als z.B. als 100%-KI-frei präsentieren könnten.

Auf der anderen Seite glaube ich, das ihre Euphorie bei der KI-Nutzung "ihres" Romans nicht lange vorhalten dürfte. Denn wozu wird Zentel am Ende noch gebraucht? Der Autor als das inspirierende Genie, ohne den die KI-Maschine zu blöd wäre einen spannenden Text zu erzeugen, diesen Fall wird es nicht mehr lange geben. Das kriegen die Verlage auch ohne sie hin. Und im nächsten Schritt kriegen die Tech-Konzerne das dann absehbar auch ohne die Verlage hin.

Höchstens ein verkaufsträchtiger Name wie etwa George R. R
Martin, Stephen King oder Becky Chambers etc pp. oder eben ein populäres Franchise wären dann noch ein lohnender menschlicher Beitrag. Teil 47 der Game of Thrones Saga käme dann aus dem Generator. Bei Bedarf in zehn verschiedenen Enden, damit sich jede*r Kund*in das passende Ende aussuchen kann.

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#17 Sam Francisco

Sam Francisco

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Geschrieben 12 August 2026 - 12:15

Teil 47 der Game of Thrones Saga käme dann aus dem Generator. Bei Bedarf in zehn verschiedenen Enden, damit sich jede*r Kund*in das passende Ende aussuchen kann.


Schreckliche Vorstellung.
Future ist die Zukunft!
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#18 J. A. Hagen

J. A. Hagen

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Geschrieben 12 August 2026 - 12:51

Der Autor als das inspirierende Genie, ohne den die KI-Maschine zu blöd wäre einen spannenden Text zu erzeugen, diesen Fall wird es nicht mehr lange geben. Das kriegen die Verlage auch ohne sie hin. Und im nächsten Schritt kriegen die Tech-Konzerne das dann absehbar auch ohne die Verlage hin.

 

In dem Fall stechen jedoch die Autorinnen und Autoren hervor, die sich vom Einheitsbrei positiv abheben, zum Beispiel, weil sie authentisch über gewisse Themen schreiben können. Eine KI kann vielleicht einen Text darüber verfassen, wie es ist, Mutter zu sein, aber sie kann nie wissen, wie das ist.  


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#19 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben 12 August 2026 - 14:11

In dem Fall stechen jedoch die Autorinnen und Autoren hervor, die sich vom Einheitsbrei positiv abheben, zum Beispiel, weil sie authentisch über gewisse Themen schreiben können. Eine KI kann vielleicht einen Text darüber verfassen, wie es ist, Mutter zu sein, aber sie kann nie wissen, wie das ist.  

 

Allerdings zeichnet es ja (gute) Autor:innen – und vielleicht demnächst auch gut trainierte KI? – aus, ihre Charaktere greifbar zu machen, um die unterschiedlichsten Menschen erreichen zu können. Die Fertigkeit ist es doch, dass ein Text eine fremde Innenperspektive transportiert, die ich als Leser empathisch nachvollziehen kann. Own Voice bzw. Erfahrungen sind sicher nicht zum Nachteil, aber sie sind nur ein Baustein.

 

Anders ausgedrückt: Wenn ich jemals eine so gelungene Darstellung einer meiner männlichen Charaktere hinbekomme wie es etwa Margaret Atwood mit Jimmy ("Oryx and Crake") geschafft hat, wird das sicher nur sehr geringfügig damit zu tun haben, dass ich zufällig ein Mann bin.


SF/Fantasy-Literaturzeitschrift: https://weltenportalmagazin.de | SF hautnah: https://eridanusverlag.de | Meine Welt der Worte: https://christophgrimm.com
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#20 J. A. Hagen

J. A. Hagen

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Geschrieben 12 August 2026 - 14:43

Die Fertigkeit ist es doch, dass ein Text eine fremde Innenperspektive transportiert, die ich als Leser empathisch nachvollziehen kann.

 

Stimmt. Empathie bedeutet aber auch, dass ein Autor bzw. eine Autorin sich in eine fiktionale Figur hineinversetzen kann, wobei er/sie vielleicht aus eigenen Erfahrungen schöpft. Eine KI schöpft zwar aus einem Datenvorrat, hat aber keine Gefühle, sondern kann sich nur auf die Beschreibung von Emotionen stützen, ohne sie jedoch jemals erfahren zu haben. Ein wesentlicher Bestandteil fehlt also.

 


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