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Arkadi und Boris Strugatzki - lang verborgene Juwelen sowjetischer Science-Fiction

Sowjetische SF Strugatski Mittags-Universum Gesellschaft Planetenabenteuer

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#1 head_in_the_clouds

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Geschrieben Heute, 14:21

Die Brüder Arkadi und Boris Strugazki (alle Werke sind in Kollaboration der beiden entstanden) waren zweifellos die Botschafter der sowjetischen Science-Fiction seit Ende der 1950er Jahre. Obwohl ihr Werk in ihrer Heimat wiederholt der Zensur sowie politisch-ideologischen Eingriffen unterlag, waren sie jedoch nie generell verboten. Neue Publikationen  wie die empfohlene Werksausgabe des Heyne Verlags (2010-2014) enthalten die originalen, ungekürzten Fassungen die ab Ende der 1980er dank der Perestroika verfügbar wurden.

Ihr originales Werk  wurde somit  recht spät vollständig vorgelegt (es  gab frühere ,gekürzte und veränderte Übersetzungen ins deutsche aus DDR-Zeiten) , dennoch festigten sie schnell danach ihre Bedeutung innerhalb des Genres durch eine spezielle, nicht-kapitalistische Sicht - ohne jedoch in parteiideologische Stereotype zu verfallen, was ihnen immer wieder Auseinandersetzungen mit Kulturbeauftragten der Prüfstelle eintrug . Ein besonderes Merkmal von Anfang an war der Realismus durch glaubhafte Charakterentwicklung. In ihrem Frühwerk (insbesondere die vielen Romane des "Mittags-Universums")  sahen sich so gewöhnliche Protagonisten bar jeden Heldenstatus mit der Aufgabe konfrontiert, wissenschaftliche Lösungen zu finden, die die Gesellschaft auf zu besiedelten Planeten voranbringen sollten. So hatten diese Welten Modellcharakter für eine zivilisatorische  Entwicklung die  im Ideal des Kommunismus enden sollte - auch wenn die Strugatzkis oft genug den Weg dorthin im realen Sozialismus der UdSSR als unbefriedigend empfanden  und  (soweit möglich) kritisierten.

Folgerichtig wandelte sich im Lauf ihrer  Karriere die Sichtweise der Brüder recht schnell: von einer vergleichsweise optimistischen Vision, in der eine kommunistische Utopie in naher Zukunft erreichbar schien, hin zu der Erkenntnis, dass die Spannungen zwischen utopischer Ethik und der unergründlichen, überwältigenden Macht des Stillstands im Realen tatsächlich unauflösbar zu sein schienen. Ein halbes Dutzend ihrer Romane aus dieser Zeit trugen die unterschwellige Botschaft , dass ein Volk ohne eine rational begründete Ethik wohl zu einer räuberischen Bestie verkommen müsse.

 

Das wurde  nie eindringlicher geschildert als in "Es ist schwer, ein Gott zu sein" (1964 / dt. 1971 u. 2012) - inklusive Kritik am zu der Zeit noch nicht lange überwundenen Stalinismus (es gab trotz Entstalinisierung noch genügend ehemalige Parteigänger in Ämtern der Chruschtschow und Breschnew Ära):  So erhielt einer der Protagonisten im Roman in der Erstfassung   den verklausulierten Namen Don Rebjia - er verwies  auf den gefürchteten  Chef der stalinistischen Geheimpolizei Lawrenti Berija und musste  in der Veröffentlichung  in Don Reba umbenannt werden (im Roman ebenfalls ein unangenehmer oberster Geheimpolizist). 

 

So avancierten sie zu den bedeutendsten sowjetischen Science-Fiction-Autoren. 1981 teilten sie sich den ersten russischen SF Preis Aelita. Bekanntere Romane wie 'Picknick am Wegesrand' ,  'Es ist schwer, ein Gott zu sein' , 'Der ferne Regenbogen' und 'Ein Käfer im Ameisenhaufen' konnten späte Ehrungen bei internationalen SF Awards erlangen. Die ersten beiden o.g. Werke  erfuhren auch bemerkenswerte künstlerische (durchaus kontrovers)  diskutierte russische Verfilmungen:  'Picknick..." als 'Stalker" von Tarkovsky (den die Strugatzkis eher misslungen einschätzen) sowie "Es ist schwer, ein Gott zu sein") von 2013 vom russischen Regisseur Alexei German , der sich ebenfalls künstlerische Freiheit nahm und eine sehr düstere cineastische Variante schuf. 

 

Referenzen

 

Mittags- / Noon Universe ( der Episodenroman "Mittag, 22. Jahrhundert" gilt hier als Grundlage für die anderen Erzählungen als auch die erweiterten Geschichten  um Maxim Kammerer) 

 

 

Werksausgabe des Heyne Verlags (2010-2014)

 

Besonders hervorzuheben ist diese Publikation ,die ihre Romane und Erzählungen in sechs Bänden veröffentlichte – ergänzt durch aufschlussreiche umfangreiche Anmerkungen der Brüder zur Entstehungsgeschichte der Werke. Definitv die Empfehlung für deutschsprachige Leser.
 

1 Die bewohnte Insel / Ein Käfer im Ameisenhaufen / Die Wellen ersticken den Wind (2010)

2 Picknick am Wegesrand / Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang / Das Experiment (2010)

3 Die Schnecke am Hang / Die zweite Invasion der Marsmenschen / Die Last des Bösen / Aus dem Leben des Nikita Woronzow / Ein Teufel unter den Menschen?

4 Fluchtversuch / Es ist schwer, ein Gott zu sein / Unruhe / Die dritte Zivilisation / Der Junge aus der Hölle (2012)

5 Der Weg zur Amalthea / Die gierigen Dinge des Jahrhunderts / Die Erprobung des SKYBEK / Das vergessene Experiment / Spezielle Voraussetzungen / Mittag, 22. Jahrhundert / Der ferne Regenbogen (2013)

6 Der Montag fängt am Samstag an / Das Märchen von der Troika / Fünf Löffel Elixier / Das lahme Schicksal (2014)

 

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Bearbeitet von head_in_the_clouds, vor 56 Minuten.

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