⊛⊛⊛ Forschung & Technik ⊛⊛⊛
Mit Magellan um die Welt: Der Helgoländer Pay Edel befindet sich unfreiwillig an Bord und erlebt die erste Weltumseglung mit. Aus diesem Stoff wob Schriftsteller Reimer Boy Eilers seine Pentalogie "Mit Magellan". Inzwischen liegt der vierte Teil vor. Er schildert die Fahrt von Feuerland bis zu den Diebsinseln und trägt den Titel: "Das große Wasser".
Ein Titel, der nicht nur geografisch durchaus zutreffend ist, sondern auch bereits darauf hinweist, dass die Weltumsegler nun einen Streckenabschnitt zurückzulegen haben, der wesentlich länger und fordernder ist als die Fahrt über den Atlantik. Ein Großteil des Romans spielt darum auf dem Meer - ohne Landsicht, ohne Inseln, ohne irgendwelche Kontakte mit einer "Außenwelt". Lebten die Vorgängerbände von immer wieder neuen Begegnungen mit fremden Völkern und Kulturen, von feindlichen Auseinandersetzungen und vom Freundschaft-Schließen, so ist es hier die große Leere, die die Schiffsbesatzung vor Herausforderungen stellt. Herausforderungen, die härter und gefährlicher sind als manches kriegerische Aufeinandertreffen mit Eingeborenen Südamerikas.
Hunger und Skorbut an Bord
Die lange Reise über den Pazifik - für die Männer an Bord bedeutet das vor allem: Hunger. Die Vorräte schwinden, Nahrungsmittel und Wasser werden knapp. Tage und Wochen des Hungers, die die Fantasie der Seeleute die Gegenstände um sie herum nur noch in zwei Klassen einteilen lässt: essbar oder nicht essbar. Wer noch eine Ratte fangen kann, ist glücklich. Lederne Segelschoner werden gekocht, lederne Bucheinbände werden zum Festmahl, der Koch mischt Sägespäne in die täglichen Mahlzeiten, die zwar keinen ordentlichen Nährwert haben, aber die Mägen füllen. Und es ist Zeit, von einem liebgewordenen Freund Abschied zu nehmen, denn der treue Nimmersatt, der Pay bislang auf seiner Reise begleitete, wird ein Opfer der hungrigen Schiffsleute. Auf dem Schiff wütet auch der Scharbock (Skorbut). Blutungen, Knochenschmerzen, Muskelschwund, offene Wunden, Zahnfleischbluten und Zahnausfall machen der Mannschaft zu schaffen. Einzig der arabische Kosmologe Al Gharb hat vorgesorgt und hilft Pay und dem Eskimo Qitvitoq mit täglichen Mini-Rationen seiner wundersamen Orangenmarmelade aus.
Informationen über den jungen Magellan
Reimer Boy Eilers nutzt die lange Reise, auf der recht wenig passiert, außer dass die Menschen an Hunger, Durst und Verzweiflung leiden, um Pay und mit ihm die Leser über die Vorgeschichte ihres Kommandanten aufzuklären. In Gesprächen mit Al Gharb, aber auch mit anderen Mannschaftsmitgliedern, wird die Geschichte des jungen Magellan erzählt. So erfährt man mehr über die Eroberung Malakkas und das Engagement der verschiedenen europäischen Mächte in Südostasien, aber auch über Magellans Charakter, seine Freunde und seine Feinde.
Schließlich erreicht die Expedition tatsächlich wieder Land und trifft auf Menschen. Doch die Begegnung ist alles andere als erfreulich ...
Reich an historischen Details
Eilers gelingt es auch im vierten Teil seiner Pentalogie, eine spannende und gut recherchierte Geschichte zu erzählen. Der Roman punktet durch zahlreiche historische Details, die der Autor geschickt in die Handlung einfließen lässt, und nimmt den Leser mit in die Welt und Gedankenwelt des 16. Jahrhunderts. Historische Texte, die der Autor in die Geschichte einmontiert hat, und die vielen zeitgenössischen Illustrationen werten den Roman zusätzlich auf. Eine interessante Sammlung, die gleichzeitig als Roman und als historische Dokumentation durchgehen kann.
Sehr schön und dicht ist die "Chemie" an Bord geschildert. Feindschaften, Freundschaften, Rivalitäten und blanker Hass treten zutage, und die multinationale Crew mit ihren unterschiedlichen sozialen und religiösen Prägungen muss schon einiges an Spannungen aushalten. Strenger Katholizismus mit der Macht der spanischen Inquisition auf der einen Seite, Volksfrömmigkeit und Seefahreraberglaube auf der anderen, hinzu kommen der Dämonenglaube der entführten getauften Südamerikaner. Und Pay als Helgoländer, der an der Klabautermann glaubt, trifft manchmal auch auf Misstrauen. Dass er beinahe schamanische Fähigkeiten entwickelt, als er seinen Hund rächt, beeindruckt den Grönländer Qivitoq zutiefst.
Hungerfantasien und Poesie, hartes Bordleben, exotische Schauplätze, akribische Recherche und eine gute Portion Humor machen diesen Roman zu einem besonderen Stück Literatur, das den Leser mitnimmt auf eine Reise rund um die Welt. Der Band lässt sich trotz seines Umfangs zügig lesen, es bleibt am Ende nur eine Frage offen: Werden Pay und seine Freunde heil zurück nach Hause kommen? Eine Frage, die erst der fünfte und letzte Band beantworten wird.
Fazit: Spannender, gut recherchierter und detailreicher Roman mit viel historischem Text- und Bildmaterial. Lehrreich und lesenswert.
Reimer Boy Eilers: Mit Magellan 4: Das große Wasser. Von Feuerland bis zu den Diebsinseln. Ochsenfurth: Kulturmaschinen Verlag, 2026. 409 S., Euro 20.
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Das Helgoland, der Höllensturz
Die Schiffbrüchigen von Tumbatu
Mit Magellan I: Die Ausfahrt
Mit Magellan II: Das Paradies
Mit Magellan III: Die Meerenge
© Petra Hartmann

Im Rahmen des Fanzine-Austauschs komme ich immer wieder mal in den Genuss, die Werke und Produkte von Denis Vidinski / Edition Dryade in die Hände zu bekommen.
Hier mal wieder zwei „Brennesseln“. (2 „n“ in der Mitte reichen):
Einmal mit wenig, das andere Mal mit mehr Text. Die kleinen Dinger sind so richtige Atempausen, Ruhepole, literarische Konzentrationsübungen. Man hat hier ganz schnell den Eindruck, was Besonderes in den Händen, vor den Augen und für den Geist zu haben.
Denis ist ja immer mal auf Fanzine-Messen u.a. Cons unterwegs, ansonsten kann man ihn auch mal fragen. Viele Exemplare gibt es davon ja nicht…
Bild: BRENNESSEL 20 (Hans Jörg Przygoda: Später Besuch) und 21 (Stefanie Raasch: Die Dunklen Steine) + Grußkarte mit wichtigem & richtigem Motto
Wie jedes Jahr war ich gespannt auf die aktuell stattfindenden ZKFT. Kulturelle Höhepunkte laden zum Verweilen ein, Lesungen, Workshops, Krimicomedy und vieles mehr.
Besonders freute ich mich über die Möglichkeit, neben der Personalausstellung von Gerlach Bente, wieder mit vielen anderen Künstlern im Museum Bilder zeigen zu können.
Mir gefällt das Ambiente. Voller Ehrfurcht bewunderte ich, wie beim letzten Mal, die herrlich alten Kreuzgänge des ehemaligen Franziskanerklosters.
Die Werke wurden von der Kuratorin angenommen und passend präsentiert.
Natürlich war die Vernissage gut besucht. Reden wurden gehalten, bemerkenswerte Gesangseinlagen mit musikalischer Begleitung gehörten dazu.
Beim Schlendern durch die Gänge fand ich die Bilder einer Künstlerin aus Jever. Ihre Arbeiten fielen mir schon mehrmals auf. Ich hatte das Glück, die Malerin Monika Reuss selbst in dem alten Gemäuer zu treffen und konnte ein wenig mit ihr plaudern. Das war eine wichtige und schöne Erfahrung für mich.
Die ZKFT geht bis zum 15. März 2026.
Ein Hinweis: In der Zerbster Stadthalle findet am 18.3.2026 um 19.00 Uhr eine Bonus-Veranstaltung statt. Arno Strobel liest aus seinem neuen Buch Ungelöst - Die erste Zeugin. Das würde mich auch interessieren.
Jeder 6. Mensch in Deutschland liest keine Bücher.
Das geht aus einer Umfrage (2024) hervor (DACH-Länder, Frankreich,Italien; 5000 Befragte) , die im Auftrag des Onlinebuchhändlers Galaxus in Auftrag erstellt und Anfang diesen Jahres veröffentlicht wurde .
Demnach kommen hierzulande 1/3 der Befragten auf 1-3 Bücher im Jahr. Nur die Hälfte will künftig mehr lesen – was den niedrigsten Wert darstellt. Ähnlich Lesefaul zeigt sich höchstens noch Frankreich.
Deutsche benutzen vergleichsweise häufiger ebooks (19%) - und Hörbücher (11%). Zur Lesefaulheit der Deutschen passt letzteres wiederum, dass sie im europäischen Vergleich die meisten Hörbücher konsumieren – jede zehnte Person in der Bundesrepublik lässt sich Bücher vorlesen.
Das Lieblingsgenre was Spekulative Fiction anbelangt ist bei Deutschen die Fantasy – Franzosen stehen eher auf Science-Fiction (s. 2. Grafik).
Frauen lesen dagegen häufiger Romane: in Deutschland beispielsweise 3 von 5 Frauen und nur 2 von 5 Männern.
Quelle:
https://www.galaxus....e-buecher-36136
bitte auf Grafiken klicken zum vergrössern:
Nur was endet, hat bekanntlich einen Sinn: Also ist es Zeit, dass auch dieser Vlog zu Ende geht – alles hat ein Ende, ergo auch das Ende. See you in a better place... ¯\_(ツ)_/¯
Die Leiden des jungen Verlegers
...
Ich bin mal wieder spät dran*, und tausche außerdem für diesen & den nächsten Eintrag die Neu-/Alt-Reihenfolge. Es handelt sich hier platzhaltend um ein Buch aus der Dr.-Seuss-Reihe, die in den 60ern die Vorgehensweise beim Lesen-Erlernen für Kinder revolutionierte. Außerdem hält sich das Buch an die Nonsens-Tradition von anderen Kinderbüchern seit Alice in Wonderland, was Kindern (& mir, übrigens) sicher so gut wie immer gefällt. (Und: Eine brandneue audiovisuelle Umsetzung erscheint heuer auf Netflix!)
Im Buch erscheint ein frecher Kleinling namens Sam-I-Am, auf einem hund-ähnlichen Wesen vorbei-reitend, der einen älteren, größeren Pelzherren mit hohem schwarzen Hut auf die Nerven geht. Dieser sagt öfter "I do not like", anfangs in Richtung Sam, aber kurz danach auch dem Gericht das ihm Sam unter die Nase hält - Schinken mit grünen Spiegeleiern! Als aber der Schwarzhütige dies das erste Mal nicht mag, schaltet der Rothütige schlauerweise auf die Logikschiene - mag der Ältere das Gericht vielleicht an einem anderen Ort? Denn schließlich isst das Hirn ja mit, und vielleicht fühlt der Andere sich anderswo wohl(gesinnt)er?
Lässt sich der junge bzw. sich nicht alt fühlende Leser darauf ein, ist klar womit das restliche Buch gefüllt wird - den absurdesten Orten & Vehikeln, wo Schinken mit solchen Spiegeleiern vielleicht doch schmecken könnte... Irgendwann gibt der inzwischen durchnässte Schwarzhütler auf - und dann geschieht noch ein kleines Wunder!
Seuss hat wohl damals die altmodischen "anspruchsvolleren" Kinderbücher - wie ev. auch Alice? - in die Ecke gepfeffert und mit jemandem eine Wette ausgemacht, dass er ein besseres erstes Lesebuch mit einem Vokabular von nur 50 Wörtern erstellen könnte. Ein Buch wie dieses locker gereimte war das Ergebnis. (Das hier ist neben dem früheren Cat in the Hat das bekannteste aus seiner langen Serie.
Es gibt endlose Marketingumsetzungen davon! Ich behaupte, dass auch Hip-Hopper Will-I-Am sich daraus hat inspirieren lassen.)
Was ich an den Seuss-Büchern so toll finde, ist dass nicht nur die Texte schnell ins Absurde kippen, sondern die Illustrationen das praktisch von Anfang an tun, mit wilderen Aufstellungen mit jeder Seite. Die Protagonisten sind meist Tiere, oft eher unidentifizierbar - aber definitiv "furry" - und die tanzen/schweben/schwimmen in der Weltgeschichte herum, meist irgendwas unmöglich balancierend, umgeben von staunenden - oder selbst irgendwelche Stunts ganz lässig durchführenden - Zuschauern. Seuss stellt seine Welten subversiv gaga dar. (Oder angemessen der Zeitperiode: Dada! Apropos: Ich finde lustig, wie dieses 1. Buch die klassisch-amerikanisch-kapitalistische Rolle des ewigen nie-aufgebenden Verkäufers parsifliert!)
Diese Idee des einfacheren Anfangslernen wurde kurz danach dann auch von Sesame Street im TV fortgesetzt, und von vielen anderen Einrichtungen im Westen angewandt. Die US-TV-Serie wird übrigens im November ein halbes Jahrhundert alt! ![]()
Fazit: Am besten VORM Schauen bei Netflix sich mindestens ein Buch aus der Reihe mal reinziehen! Nachher kann man es einer Lieblingsenkelin oder so schenken; wird bestimmt mit großem Dank entgegen genommen.
(* offiziell ist das hier der Juli-Beitrag!!)
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