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Future Fiction Magazine (Deutsche Ausgabe) Nr. 6


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94 Antworten in diesem Thema

#31 Jol Rosenberg

Jol Rosenberg

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Geschrieben 25 April 2024 - 15:23

Mein Magazin ist noch unterwegs, aber ich senfe hier sicher auch noch mit.


Ernsthafte Textarbeit gefällig? https://www.federteufel.de/

 

Science-Fiction-Buchblog: https://www.jol-rose.../de/rezensionen

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#32 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 25 April 2024 - 15:26

Mein Magazin ist noch unterwegs, aber ich senfe hier sicher auch noch mit.

 

Oh gut, freue mich auf deinen Senf!


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#33 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 25 April 2024 - 18:56

Mein Magazin ist noch unterwegs, aber ich senfe hier sicher auch noch mit.

 
Das ist schön, dass Du demnächst auch dabei bist! :)



#34 Jol Rosenberg

Jol Rosenberg

    Temponaut

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Geschrieben 28 April 2024 - 13:40

So, mein Magazin kam gestern und ich habe gleich losgelesen.

 

Joshua Tree: Mensch/Nicht

 

Die Zutaten zu dieser Geschichte sind altbekannt: Ein weitgehend isoliert arbeitender weißer Mann entdeckt ein Artefakt und lässt sein Team hinter sich, um einen Erstkontakt zu wagen. Dazu benutzt er ein Tauchboot, das ihn allein zu dem Alien bringt.

Tree schafft es, die Unternehmung sehr stimmungsvoll zu schildern und er hat auch eine eigene Sprache, die die Handlung gut trägt. Für mich wirkt sie allerdings an vielen Stellen etwas zu umständlich, die vielen Vergleiche, die auch teilweise sehr bekannte Bilder zeichnen, haben für meinen Geschmack den Lesefluss irgendwann zu sehr gebremst. Auch die autoritäre Hauptfigur, die ihrem Ziel nachgeht, weil sie es kann, ist für mich nicht mehr wirklich spannend, da zu oft gelesen. Ich habe einige Stellen mehrfach gelesen, weil ich annahm, mir seien die genauen Motive der Hauptfigur und die der begleitenden Crew entgangen, aber mir scheint, Tree bleibt hier wirklich vage. Das empfinde ich als unbefriedigend, denn warum ist das Boot denn dort unterwegs? Und wieso schmuggelt er denn da nun Plutonium? Auch wenn eine Bedrohung der Erde durch ein zweites Alien im All konstatiert wird, kommt bei mir nicht recht Spannung auf. Was haben denn die beiden nun miteinander zu tun? Was sind ihre Motive? Was sind es für Wesen?

Der Text gipfelt in einer Unterhaltung mit dem Alien, die philosophisch daherkommt, für mich aber auch so vage bleibt, dass ich ihr nicht wirklich folgen kann. Was bekommt der Kapitän geschenkt? Was berührt das in ihm? Was macht das mit ihm?

Alles in allem bleibt das für mich eine rein schreibtechnisch solide Geschichte, der aber die wirkliche Geschichte fehlt. Auch einen positiven Zukunftsausblick kann ich darin nicht entdecken.

 

Nun habe ich auch gelesen, was du dazu meintest, Christian, und bin etwas beruhigt, dass du auch viele Lücken gefunden hast.


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#35 Jol Rosenberg

Jol Rosenberg

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Geschrieben 28 April 2024 - 18:54

Tais Teng: Auf dem Wasser gehen

 

Nach einem leichtem Einstieg hatte ich meine Mühe mit dem Text, der so dahinplätschert, ohne Spannung aufzubauen. Gerade, als ich mit der Hauptfigur warm geworden war, macht der Text einen Zeitsprung und mit einer anderen Figur weiter. Auch sprachlich war ich zwar immer wieder eingenommen, dann holperte es aber und ich kam nicht recht darauf, warum. Wahrscheinlich liegt es an der Übersetzung und ich wäre neugierig auf das Original (in der Hoffnung, dass es englisch ist). Auch wimmelt der Text von interessanten Weltbeschreibungen, kleine Details, die nicht immer der heutigen Physik entsprechen, aber wirklich viel bieten.

Insgesamt fand ich den Text interessant zu lesen, er ergibt für mich aber kein rundes Ganzes. Die einzelnen Teile fallen für mich auseinander. Besonders schade fand ich, dass mir die Figuren fern blieben.

 

Spoiler

 

Möglicherweise spielen hier nichtdeutsche Erzählkonventionen eine Rolle, da wüsste ich gern mehr. So entlockt mir der Text ein ratloses Schulterzucken.


Bearbeitet von Jol Rosenberg, 28 April 2024 - 20:01.

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#36 Christian Hornstein

Christian Hornstein

    Giganaut

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Geschrieben 29 April 2024 - 19:02

So, mein Magazin kam gestern und ich habe gleich losgelesen.

 

Joshua Tree: Mensch/Nicht

 

Die Zutaten zu dieser Geschichte sind altbekannt: Ein weitgehend isoliert arbeitender weißer Mann ... Auch einen positiven Zukunftsausblick kann ich darin nicht entdecken.

 

Nun habe ich auch gelesen, was du dazu meintest, Christian, und bin etwas beruhigt, dass du auch viele Lücken gefunden hast.

 

Ja, interessant, auch wegen der vielen Überschneidungen.


Bearbeitet von Christian Hornstein, 29 April 2024 - 19:05.


#37 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 30 April 2024 - 10:46

Die Mauern von Benin City

von Modupe H. Ayinde

Es ist eine rührende Geschichte von Verzweiflung und Hoffnung, von Vereinsamung und Rettung, vom Verfall menschlicher Werte und ihrer Wiederauferstehung, und davon, was Kunst damit zu tun hat. Trotz ihres apokalyptischen Entstehungshintergrundes ist es eine klassische positive Zukunftsvision. Wie die Wiederauferstehung möglich war, bleibt allerdings im Dunkeln, was die Vision eher mystifiziert als sie zu einem konkreten Anlass zur Hoffnung zu machen.

Es gibt auch eine Stelle in der Handlung, die hätte mehr plausibilisiert werden können. Nachdem die erste Instanz von Eweka (benannt nach dem Dynastiegründer, dem ersten Oba von Benin) erlahmt ist, führt die Erzählinstanz ihre Reise eine Woche lang allein durch das Ödland fort („überhaupt kein Leben“). Wie hat sie das überlebt? So viele Vorräte konnte sie kaum mitschleppen.

Auch in diesem Text gibt es ein paar Stellen, die ich anders übersetzt hätte. Ein paar Beispiele:

 

In der Übersetzung steht:

Eweka beobachtete mich, dann öffnete sie eine Luke in ihrem Bauch und holte ein Fläschchen heraus.
»Langsam trinken«, sagte sie und reichte mir den Flachmann.

 

Im Original steht:

Eweka watched me, and then opened a hatch in its stomach and removed a flask.
“Drink slowly,” it said, handing me the flask.

 

In beiden Sätzen heißt es im Original „flask“. Es handelt sich um eine Flasche, doch flask bezeichnet verschiedene Arten von Flaschen, je nach Kontext. Hier handelt es sich um eine Flasche, die süßes Wasser enthält. Flachmann ist deshalb nicht passend, denn damit ist eine Flasche gemeint, die Spirituosen enthält, davon abgesehen, dass es auch umgangssprachlich ist und deshalb nicht zum restlichen Duktus der Erzählstimme passt. Da das Wort Fläschchen im Deutschen oft mit Babyfläschchen assoziiert wird, passt auch diese Übersetzung nicht ganz, es sei denn, man hätte eine Mutter-Kind-Versorgung anklingen lassen wollen, was im vorliegenden Kontext nicht abwegig wäre. Dann würde der Flachmann aber erst recht interferieren. Bei der Übersetzung wollte man offenbar eine Wort-Wiederholung vermeiden. Eingedenk dieser Intention, hätte folgende Übersetzung weiterhelfen können:

Eweka beobachtete mich, dann öffnete sie eine Luke in ihrem Bauch und holte eine kleine Flasche heraus.
»Langsam trinken«, sagte sie und reichte mir das Gefäß.

.                 

                          

In der Übersetzung steht:

Und dass ich es nicht verdiente, die letzte zu sein, die noch steht.

 
Im Original steht:

And that I didn’t deserve to be the last one standing.

 
Es handelt sich bei “the last one standing“ um eine Redewendung. Es ist nicht wörtlich gemeint, dass eine Person als letzte noch steht, sondern ein übertragener Sinn, je nach Kontext, dass sie die letzte ist, die in einem Wettbewerb noch durchhält oder trotz Widerstände stark bleibt oder eben überlebt hat. Hier wäre also z.B. passender:

Und dass ich es nicht verdiente, die letzte zu sein, die noch lebt.

.                       

                           

In der Übersetzung steht:

Ich wachte mit der Hoffnung auf sie auf, gleich hinter dem Horizont.

 

Das „auf sie auf“ ist stilistisch etwas unbefriedigend und der Satz, so formuliert, bedeutet, dass die Erzählinstanz hinter dem Horizont aufwachte. Im Original haben wir dieses Problem nicht.
 
Im Original steht:

I woke up to the hope of them, just over the horizon.

 

Im Englischen wacht die Erzählinstanz auf eine Hoffnung hin auf, die nach dem „of“ näher bezeichnet wird, hier mit einem Pronomen, auf das direkt der Zusatz folgt, der sich dann klar auf das Erhoffte bezieht und es näher beschreibt, im vorliegenden Fall, wo genau es erhofft wird zu sein.
 
Besser wären folgende Alternativen:

Ich wachte mit der Hoffnung auf, dass sie gleich hinter dem Horizont auftauchen würden.
Ich wachte mit der Hoffnung auf, sie gleich hinter dem Horizont auftauchen zu sehen.

Ich freue mich über Austausch, Fragen und Kommentare, gerne auch von Modupe H. Ayinde und den Herausgeberi, hier im Forum, per PN oder unter chrshrn@christianhornstein.de


Bearbeitet von Christian Hornstein, 01 Mai 2024 - 08:07.


#38 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 30 April 2024 - 10:56

Modupe H. Ayinde im Gespräch

Dieses Gespräch versorgt uns mit aufschlussreicher Hintergrundinformation über die Entstehung und Konnotationen der Erzählung Die Mauern von Benin City. Modupe H. Ayinde weist auch darauf hin, dass Kolonisierung mit Umweltzerstörung verbunden ist. Wie wahr. Die Kolonisierung ist ein Vorgang und die Umweltzerstörung ein Ergebnis. Beide sind in der Geschichte der Menschheit mit Ausbeutung einhergegangen. Sie gehen beide aus der gleichen Haltung hervor, die heute droht, uns alle zu zerstören. Modupe H. Ayinde findet es wichtig, dass wir, die Menschheit, uns in der aktuellen Krise als ein Volk betrachten. Auch dem kann ich nur zustimmen. In einer Situation, in der wir jede Ressource dringend brauchen, um unsere Umwelt möglichst lebensfreundlich zu erhalten, eröffnen manche Potentaten Kriege, in denen Unmengen an Ressourcen vernichtet werden, nicht zuletzt auch Menschen. Deshalb, aber nicht nur deswegen, liegt der Schlüssel zu einer lebenswerten Zukunft in gegenseitiger Wertschätzung und Zusammenhalt. Afrofuturismus und African Futurism, sagt Modupe H. Ayinde, würden uns dazu ermutigen. Seid also herzlich willkommen spekulative Geschichten aus der Wiege der Menschheit!



#39 Fermentarius

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Geschrieben 30 April 2024 - 21:05

 


Auch in diesem Text gibt es ein paar Stellen, die ich anders übersetzt hätte. Ein paar Beispiele:

 

In der Übersetzung steht:

 

Im Original steht:

 

In beiden Sätzen heißt es im Original „flask“. Es handelt sich um eine Flasche, doch flask bezeichnet verschiedene Arten von Flaschen, je nach Kontext. Hier handelt es sich um eine Flasche, die süßes Wasser enthält. Flachmann ist deshalb nicht passend, denn damit ist eine Flasche gemeint, die Spirituosen enthält, davon abgesehen, dass es auch umgangssprachlich ist und deshalb nicht zum restlichen Duktus der Erzählstimme passt. Da das Wort Fläschchen im Deutschen oft mit Babyfläschchen assoziiert wird, passt auch diese Übersetzung nicht ganz, es sei denn, man hätte eine Mutter-Kind-Versorgung anklingen lassen wollen, was im vorliegenden Kontext nicht abwegig wäre. Dann würde der Flachmann aber erst recht interferieren. Bei der Übersetzung wollte man offenbar eine Wort-Wiederholung vermeiden. Eingedenk dieser Intention, hätte folgende Übersetzung weiterhelfen können:

Eweka beobachtete mich, dann öffnete sie eine Luke in ihrem Bauch und holte eine kleine Flasche heraus.
»Langsam trinken«, sagte sie und reichte mir das Gefäß.

.                 

                          

In der Übersetzung steht:

 
Im Original steht:

 
Es handelt sich bei “the last one standing“ um eine Redewendung. Es ist nicht wörtlich gemeint, dass eine Person als letzte noch steht, sondern ein übertragener Sinn, je nach Kontext, dass sie die letzte ist, die in einem Wettbewerb noch durchhält oder trotz Widerstände stark bleibt oder eben überlebt hat. Hier wäre also z.B. passender:

Und dass ich es nicht verdiente, die letzte zu sein, die noch lebt.

.                       

                           

In der Übersetzung steht:

 

Das „auf sie auf“ ist stilistisch etwas unbefriedigend und der Satz, so formuliert, bedeutet, dass die Erzählinstanz hinter dem Horizont aufwachte. Im Original haben wir dieses Problem nicht.
 
Im Original steht:

 

Im Englischen wacht die Erzählinstanz auf eine Hoffnung hin auf, die nach dem „of“ näher bezeichnet wird, hier mit einem Pronomen, auf das direkt der Zusatz folgt, der sich dann klar auf das Erhoffte bezieht und es näher beschreibt, im vorliegenden Fall, wo genau es erhofft wird zu sein.
 
Besser wären folgende Alternativen:

Ich wachte mit der Hoffnung auf, dass sie gleich hinter dem Horizont auftauchen würden.
Ich wachte mit der Hoffnung auf, sie gleich hinter dem Horizont auftauchen zu sehen.

Gut gesehen, Christian. Vielleicht träfe es den Ton sogar besser, wenn man noch etwas freier übersetzt. Im ersten Fall würde ich "Flask" beispielsweise mit "Feldflasche" übersetzen. Das scheint mir im Rahmen einer Wanderung durch Ödland am treffendsten.

Also:

Eweka beobachtete mich, dann öffnete sie eine Luke in ihrem Bauch, holte eine Feldflasche heraus und reichte sie mir. »Trink langsam.«

 

"Over the Horizon" beschreibt eigentlich die Überquerung des Horizonts, also das sichtbar werden oder verschwinden. "Hinter dem Horizont" wäre eher "beyond the horizon"

Hier scheint mir das englische Original eher die Hoffnung auszudrücken, "sie" würden am Horizont auftauchen. Also: "Ich wachte mit der Hoffnung auf, sie würden am Horizont auftauchen."

Oder freier übersetzt: "Ich wachte auf, hoffte auf sie, irgendwo in der Ferne".

 

Das ist natürlich alles subjektiv, bei Übersetzungen gibt es immer tausend Möglichkeiten.



#40 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

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Geschrieben 01 Mai 2024 - 06:58

Und ich vermute, es gibt einen Grund, dass es dafür ein Studium bzw. eine Ausbildung gibt und man nicht einfach so aus dem Stand Übersetzer:in wird. 

 

Ich habe in letzter Zeit einiges auf Deutsch gelesen, das ich vorher auf Englisch gelesen habe (Whalefall und Luftschlösser, jetzt die Kaijus von Scalzi) und das ist schon geil, was die Profis da treiben!


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#41 Jol Rosenberg

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Geschrieben 01 Mai 2024 - 07:44

@christian warum hast du eigentlich "Einen Gott töten" weggelassen?


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#42 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 01 Mai 2024 - 08:10

@Jol

 

Schau mal hier:

 

Es ist ja doch recht still hier. Da passt es ja vielleicht, wenn es jetzt bei mir um Donnergötter geht. :)

 

Einen Gott töten

von Hannu Afere

 

Hannu Aferes Konstruktionsweise erinnert mich an Dietmar Dath z.B. in Die Abschaffung der Arten. Hannu Afere lässt uns von einer KI namens Ṣìgìdì ein Pataki in guter Yòrubá-Tradition erzählen, in dem drei Götter aus der Yòrubá-Religion – allen voran Ògún – von zehn Donnergöttern anderer Polytheismen angegriffen werden, die ihnen ihre Macht streitig machen, wobei sie zunächst versuchen über Angst und Misstrauen den Ruf der Götter zu zerstören und die Jünger Ògúns, die Aus Dem Eisen Geborenen aus der Stadt Digi City, zu verwirren. Hierzu bringen die Zehn Gier, Desinformation und Verschwörungsnarrative mit. Die Yòrubá-Götter wiederum stehen für Technologie, Energie und Verderben und es kommt zu einer von Godzilla und anderen Giganten inspirierten Schlacht, an deren Ende

Spoiler

 

In dieser umgekehrten lockeren Allegorie auf die kapitalistische Kultur der Gegenwart und dystopischen Zukunft im mit SF-Elementen dekorierten Yòrubá-Gewand 

Spoiler
Ob das wirklich tröstlich ist und eine optimistische Zukunftsvision darstellt, wage ich ein wenig zu bezweifeln.

 

Die Übersetzung finde ich im Großen Ganzen gelungen. Der eine Satz in nigerianischem Pidgin English ist gut übertragen und paraphrasiert worden. Manches hätte ich etwas anders formuliert. Ein paar Beispiele:

Spoiler

 

Ich freue mich über Austausch, Fragen und Kommentare, gerne auch von Hannu Afere und den Herausgeberi, hier im Forum, per PN oder unter chrshrn@christianhornstein.de

 



#43 Jol Rosenberg

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Geschrieben 01 Mai 2024 - 09:05

Danke Christian, wie konnte ich das übersehen? Danke fürs nochmalige Einstellen.


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#44 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 03 Mai 2024 - 09:57

Gerne geschehen. :)

Ich bin gespannt, was Du zu dem Text meinst.



#45 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 04 Mai 2024 - 10:30

Ein Mangel an Haien

von Kelsea Yu

 

Die flüssig erzählte Geschichte war für mich leider nicht ganz so spannend, weil ich dummerweise von Anfang an erraten habe, aus welcher Richtung die Komplikationen kommen werden und etwa nach zwei Dritteln des Textes ahnte, wie er enden würde. Es lag zum einen an der geschilderten Situation, die nach einer ganz bestimmten Art von Problemen quasi schreit, aber auch an allzu deutlichen Hinweisen

Spoiler
. Hinzu kommen die vielen Kommentare, zum Artensterben, zu den Bemühungen und zum Anliegen des Teams, die zu viel ermahnen, erklären und klagen.

Schließlich ist die beschriebene Technologie aus meiner Sicht nicht plausibel. Wenn es darum gehen sollte, ein leistungsfähiges und lebensnahes Gefährt zur Exploration der Spezies samt Ökosystem zu bauen, wäre ein rein technisches Produkt sicher einfacher und nachhaltiger gewesen als die Wiederverwertung eines Kadavers. Aber vielleicht habe ich den Zweck des Apparates auch nicht verstanden.

Die Prämisse
Spoiler
. Das ist an sich nicht verkehrt, wenn wir den ethischen Kontext bedenken,
Spoiler
, aber eine solche Geschichte muss dann auch so erzählt werden, dass wir Leseri uns emotional beteiligen können. Wir müssen die Leidenschaft für die Aufgabe nachvollziehen können, die Tragik der Situation und der Heldenfigur menschlich nahekommen, sie am besten ins Herz schließen, damit es uns berührt, wenn ihr etwas geschieht. All das gelingt hier nicht so gut, zum einen, weil es mir (und wahrscheinlich auch vielen anderen Menschen) leichter fällt, mich mit Primaten und ihrem Schicksal zu identifizieren als mit weißen Haien. Kelsea Yu schafft es nicht, mir ihre Zuneigung und Faszination für diese Tiere zu vermitteln. Gewiss, es ist wohl keine leichte Aufgabe, aber wenn man sie annimmt, muss man ihr auch gerecht werden. Merkwürdigerweise bietet uns die Autorin mehr Stoff zum Anknüpfen an, wenn es um Callistas Liebe zu Haien geht (Seite 94), auch wenn der emotionale Mitnahmeeffekt hier ebenfalls schwächelt. Überhaupt bleiben alle Figuren relativ blass. Das liegt an den fehlenden Anknüpfungspunkten. Wenn z.B. die Beziehung zu Deng angeleuchtet wird, bekommen wir Leseri nur kurz ein Klischee präsentiert (er hat der Liebe abgeschworen, was tragischerweise einer gelebten Liebesbeziehung zwischen ihm und der Hauptfigur im Weg gestanden hat – und 
Spoiler
wieder ein Hinweis auf das Ende der Geschichte).

 

Ich freue mich über Austausch, Fragen und Kommentare, gerne auch von Kelsea Yu und den Herausgeberi, hier im Forum, per PN oder unter chrshrn@christianhornstein.de


Bearbeitet von Christian Hornstein, 05 Mai 2024 - 10:46.


#46 Mammut

Mammut

    DerErnstFall Michael Schmidt

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Geschrieben 17 Mai 2024 - 10:40

So, mein Magazin kam gestern und ich habe gleich losgelesen.

 

Joshua Tree: Mensch/Nicht

 

Die Zutaten zu dieser Geschichte sind altbekannt: Ein weitgehend isoliert arbeitender weißer Mann entdeckt ein Artefakt und lässt sein Team hinter sich, um einen Erstkontakt zu wagen. Dazu benutzt er ein Tauchboot, das ihn allein zu dem Alien bringt.

Tree schafft es, die Unternehmung sehr stimmungsvoll zu schildern und er hat auch eine eigene Sprache, die die Handlung gut trägt. Für mich wirkt sie allerdings an vielen Stellen etwas zu umständlich, die vielen Vergleiche, die auch teilweise sehr bekannte Bilder zeichnen, haben für meinen Geschmack den Lesefluss irgendwann zu sehr gebremst. Auch die autoritäre Hauptfigur, die ihrem Ziel nachgeht, weil sie es kann, ist für mich nicht mehr wirklich spannend, da zu oft gelesen. Ich habe einige Stellen mehrfach gelesen, weil ich annahm, mir seien die genauen Motive der Hauptfigur und die der begleitenden Crew entgangen, aber mir scheint, Tree bleibt hier wirklich vage. Das empfinde ich als unbefriedigend, denn warum ist das Boot denn dort unterwegs? Und wieso schmuggelt er denn da nun Plutonium? Auch wenn eine Bedrohung der Erde durch ein zweites Alien im All konstatiert wird, kommt bei mir nicht recht Spannung auf. Was haben denn die beiden nun miteinander zu tun? Was sind ihre Motive? Was sind es für Wesen?

Der Text gipfelt in einer Unterhaltung mit dem Alien, die philosophisch daherkommt, für mich aber auch so vage bleibt, dass ich ihr nicht wirklich folgen kann. Was bekommt der Kapitän geschenkt? Was berührt das in ihm? Was macht das mit ihm?

Alles in allem bleibt das für mich eine rein schreibtechnisch solide Geschichte, der aber die wirkliche Geschichte fehlt. Auch einen positiven Zukunftsausblick kann ich darin nicht entdecken.

 

Nun habe ich auch gelesen, was du dazu meintest, Christian, und bin etwas beruhigt, dass du auch viele Lücken gefunden hast.

 

Eine Geschichte im Hollywood Stil. Viel Brimborium und ´sehr schnoddrig erzählt. Ich fand auch, die Geschichte hätte etwas fokussierter erzählt werden können, sie schweift immer ein wenig ab. Während der Großteil sich darauf konzentriert, die typische Spionage/Military Szenerie aus einem Hollywood Film zu transportieren, Details beschränken sich eher auf die Hauptperson und ihr agieren mit den anderen Leuten (wie zu erwarten sehr großkotzig), driftet das Finale ins Esoterische und wo vorher klar die Muskeln im Vordergrund stehen, wird auf einmal einen auf Buddha gemacht. 

War ganz unterhaltsam zu lesen, für meinen Geschmack zu langatmig, zu viel Nebensächliches und das Finale muss natürlich direkt die ganze Welt erklären.

Tja, man sieht einerseits, warum der Autor beliebt ist, aber gleichzeitig ist es ein Paradebeispiel für Literatur, die ich nicht lesen will. Eine klischeebeladene Wortstrecke.

 

Das klingt jetzt übrigens negativer als ich es meine. Unterhaltsam war die Geschichte, es ist nur nicht meine Richtung.


Bearbeitet von Mammut, 17 Mai 2024 - 10:43.


#47 Mammut

Mammut

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Geschrieben 18 Mai 2024 - 08:03

Tais Teng: Auf dem Wasser gehen

 

Nach einem leichtem Einstieg hatte ich meine Mühe mit dem Text, der so dahinplätschert, ohne Spannung aufzubauen. Gerade, als ich mit der Hauptfigur warm geworden war, macht der Text einen Zeitsprung und mit einer anderen Figur weiter. Auch sprachlich war ich zwar immer wieder eingenommen, dann holperte es aber und ich kam nicht recht darauf, warum. Wahrscheinlich liegt es an der Übersetzung und ich wäre neugierig auf das Original (in der Hoffnung, dass es englisch ist). Auch wimmelt der Text von interessanten Weltbeschreibungen, kleine Details, die nicht immer der heutigen Physik entsprechen, aber wirklich viel bieten.

Insgesamt fand ich den Text interessant zu lesen, er ergibt für mich aber kein rundes Ganzes. Die einzelnen Teile fallen für mich auseinander. Besonders schade fand ich, dass mir die Figuren fern blieben.

 

Eine Geschichte die im südöstlichen Asien beginnt und in Nordholland endet. Sprachlich, so empfand ich es auch, holpert es ein wenig und da die Personen nicht so wirklich mit Leben gefüllt werden, verwischen sie ein wenig, vor allem, da manche mal männlich, mal weiblich dargestellt werden (ich denke, das ist ein Übersetzungfehler, oder?).

Insgesamt hätte man die Geschichte ausführlicher erzählen können. Aber ich fand es sehr exotisch/mystisch, auch Amal und sein Wandel, der war mir sehr ans Herz gewachsen. Eine ruhige, emotionale Geschichte, die mich gepackt hat und die mich als Leser durch eine Zukunft geführt hat, die von Überschwemmungen  dominiert wird, in der aber nie die Hoffnung verloren geht. Der Enkel am Ende opfert sich eigentlich nicht, sondern geht in das Wasserwesen auf, auch weil er es so will.



#48 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 18 Mai 2024 - 11:45

Eine Geschichte die im südöstlichen Asien beginnt und in Nordholland endet. Sprachlich, so empfand ich es auch, holpert es ein wenig und da die Personen nicht so wirklich mit Leben gefüllt werden, verwischen sie ein wenig, vor allem, da manche mal männlich, mal weiblich dargestellt werden (ich denke, das ist ein Übersetzungfehler, oder?).

Insgesamt hätte man die Geschichte ausführlicher erzählen können. Aber ich fand es sehr exotisch/mystisch, auch Amal und sein Wandel, der war mir sehr ans Herz gewachsen. Eine ruhige, emotionale Geschichte, die mich gepackt hat und die mich als Leser durch eine Zukunft geführt hat, die von Überschwemmungen  dominiert wird, in der aber nie die Hoffnung verloren geht. Der Enkel am Ende opfert sich eigentlich nicht, sondern geht in das Wasserwesen auf, auch weil er es so will.

 
Das ist ja interessant. Mir ist nur eine Stelle bekannt, bei der es besser Statusinhaberin geheißen hätte statt der männlichen Variante. Welche Personen sind denn an welcher Stelle umgegendert worden?

 

Deine Interpretation, Thomas opfere sich nicht, sondern beginne ein neues Leben, indem er im Nanitenkollektiv aufginge, ist eine schöne Idee, aber ich fürchte, der Autor wollte uns etwas anderes nahelegen, wenn ich mir den Text ansehe. Zum einen lässt Thomas Agatha und seine Familie zurück, was einen erheblichen Verlust darstellt. Zum anderen ist nicht damit zu rechnen, dass sein Bewusstsein, seine Persönlichkeit ansatzweise erhalten bleiben, denn Thomas beschreibt das Kollektiv auf Seite 30 so: "Es gibt nur ein Wesen." Außerdem meint das Kollektiv auf Seite 31 zu Thomas banger Frage, ob es ihn durch die Zerlegung töten würde, der Versuch einer Rekonstruktion des Dijkgraafs wäre "als würde man ein Rührei rekonstruieren und wieder in die Schale zurücklegen wollen." Ein neues Leben klingt anders. Es scheint eher, dass das Wesen Thomases elementare Bausteine ins Kollektiv aufnehmen wird wie ein Mensch Nahrung aufnimmt, um aus ihnen eigene Strukturen aufzubauen, und die Information aus der Analyse seiner ursprünglichen Beschaffenheit als menschliches Wesen verwenden wird, um eine Art Drohne in Menschengestalt zu bauen, die über Land gehen kann, denn "wir wollen wie ihr durch die Trockengebiete wandern" (Seite 30).


Bearbeitet von Christian Hornstein, 18 Mai 2024 - 11:57.


#49 Mammut

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Geschrieben 18 Mai 2024 - 13:00

 
Das ist ja interessant. Mir ist nur eine Stelle bekannt, bei der es besser Statusinhaberin geheißen hätte statt der männlichen Variante. Welche Personen sind denn an welcher Stelle umgegendert worden?

 

Deine Interpretation, Thomas opfere sich nicht, sondern beginne ein neues Leben, indem er im Nanitenkollektiv aufginge, ist eine schöne Idee, aber ich fürchte, der Autor wollte uns etwas anderes nahelegen, wenn ich mir den Text ansehe. Zum einen lässt Thomas Agatha und seine Familie zurück, was einen erheblichen Verlust darstellt. Zum anderen ist nicht damit zu rechnen, dass sein Bewusstsein, seine Persönlichkeit ansatzweise erhalten bleiben, denn Thomas beschreibt das Kollektiv auf Seite 30 so: "Es gibt nur ein Wesen." Außerdem meint das Kollektiv auf Seite 31 zu Thomas banger Frage, ob es ihn durch die Zerlegung töten würde, der Versuch einer Rekonstruktion des Dijkgraafs wäre "als würde man ein Rührei rekonstruieren und wieder in die Schale zurücklegen wollen." Ein neues Leben klingt anders. Es scheint eher, dass das Wesen Thomases elementare Bausteine ins Kollektiv aufnehmen wird wie ein Mensch Nahrung aufnimmt, um aus ihnen eigene Strukturen aufzubauen, und die Information aus der Analyse seiner ursprünglichen Beschaffenheit als menschliches Wesen verwenden wird, um eine Art Drohne in Menschengestalt zu bauen, die über Land gehen kann, denn "wir wollen wie ihr durch die Trockengebiete wandern" (Seite 30).

 

Hm, das ist reine Interpretationssache. Die von dir zitierten Stellen helfen uns da nicht weiter. Sie beschreiben ja nur die Konsequenz. Im Text steht nirgendwo direkt aus welcher Motivation er den Schritt geht. Einzig dieser Satz steht da:

Thomas war der Sohn eines Dijkgraafs. "Wenn es das ist, was nötig ist."

Das spricht für eure Interpretation des Opfern, auch der Großvater spricht am Ende vom Menschenopfer. Diese beiden Hinweise belegen eure Sichtweise.

Dass er unwiderruflich zerlegt wird und in das Kollektiv aufgeht (klar ist er dann Teil eines Wesens, nicht ein Teil mehrerer Wesen), mit dem Bewusstsein geht er ja den Schritt. Hat er Angst? Warum verlässt er seine Familie? Das steht da ja nicht im Details drin. Er kennt das Wesen aber näher, hat sich mit ihm beschäftigt, kann es kontaktieren und ich interpretiere das für mich so, er will das auch tun. In das Wesen aufgehen. Das steht da nicht direkt, es ist eher das, was im Text fehlt, wenn man so einen gewaltigen Schritt macht, was man da fühlt und wie man mit sich ringt.

Für mich war das kein Opfer.

Der über dem Meer gehende Thomas war dann der Messiahs, der Holland vor dem Untergang rettet.

 

Zu den Textfragen:

Seite 21 unten steht: Zweifellos Geschenke von Alex und ihrer großen Schwester (muss seiner großen heißen, oder Alexa)

Seite 24 Zeile 9: Während Farah mit seinem E-Bike hin radelte...(Farah ist doch eine Frau, also mit ihrem. Oder es muss Amal heißen)

 

Das Interview mit dem Autor habe ich gerne gelesen. Sehr unterhaltsam.


Bearbeitet von Mammut, 18 Mai 2024 - 13:05.


#50 Jol Rosenberg

Jol Rosenberg

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Geschrieben 18 Mai 2024 - 13:11

Ich finde seine Motivation implizit ziemlich klar: Welt retten. Ist ja auch ein Klassiker. Da vorher beschrieben wird, dass es seinen Tod bedeutet, ist es für mich eindeutig ein Opfer. Klar könnte er irgendwie hoffen, dass es bei ihm anders ist als bei anderen Wesen, aber ein Anhaltspunkt dafür liefert der Text für mich nicht.


Ernsthafte Textarbeit gefällig? https://www.federteufel.de/

 

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#51 Mammut

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Geschrieben 18 Mai 2024 - 13:33

Ich finde seine Motivation implizit ziemlich klar: Welt retten. Ist ja auch ein Klassiker. Da vorher beschrieben wird, dass es seinen Tod bedeutet, ist es für mich eindeutig ein Opfer. Klar könnte er irgendwie hoffen, dass es bei ihm anders ist als bei anderen Wesen, aber ein Anhaltspunkt dafür liefert der Text für mich nicht.

 

Wenn man die Jesus Analogie nimmt, der hat sich natürlich auch für die Menschheit geopfert. Aber auch da war der Tod ja nicht das Ende sondern der Anfang.



#52 Christian Hornstein

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Geschrieben 19 Mai 2024 - 06:00

Hm, das ist reine Interpretationssache. Die von dir zitierten Stellen helfen uns da nicht weiter. Sie beschreiben ja nur die Konsequenz. Im Text steht nirgendwo direkt aus welcher Motivation er den Schritt geht. Einzig dieser Satz steht da:

Thomas war der Sohn eines Dijkgraafs. "Wenn es das ist, was nötig ist."

Das spricht für eure Interpretation des Opfern, auch der Großvater spricht am Ende vom Menschenopfer. Diese beiden Hinweise belegen eure Sichtweise.

Dass er unwiderruflich zerlegt wird und in das Kollektiv aufgeht (klar ist er dann Teil eines Wesens, nicht ein Teil mehrerer Wesen), mit dem Bewusstsein geht er ja den Schritt. Hat er Angst? Warum verlässt er seine Familie? Das steht da ja nicht im Details drin. Er kennt das Wesen aber näher, hat sich mit ihm beschäftigt, kann es kontaktieren und ich interpretiere das für mich so, er will das auch tun. In das Wesen aufgehen. Das steht da nicht direkt, es ist eher das, was im Text fehlt, wenn man so einen gewaltigen Schritt macht, was man da fühlt und wie man mit sich ringt.

Für mich war das kein Opfer.

Der über dem Meer gehende Thomas war dann der Messiahs, der Holland vor dem Untergang rettet.

 

Zu den Textfragen:

Seite 21 unten steht: Zweifellos Geschenke von Alex und ihrer großen Schwester (muss seiner großen heißen, oder Alexa)

Seite 24 Zeile 9: Während Farah mit seinem E-Bike hin radelte...(Farah ist doch eine Frau, also mit ihrem. Oder es muss Amal heißen)

 

Das Interview mit dem Autor habe ich gerne gelesen. Sehr unterhaltsam.

 

Ich glaube, auf Seite 21 bezieht sich "ihrer" nicht auf Alex, sondern auf Farah, die Geschenke erhalten hat von Alex und dessen zukünftiger Frau, Sayla, die ja Farahs große Schwester ist.

Auf Seite 24 habe ich das so aufgefasst, dass Farah Alex E-Bike nutzt.

 

Wenn man die Jesus Analogie nimmt, der hat sich natürlich auch für die Menschheit geopfert. Aber auch da war der Tod ja nicht das Ende sondern der Anfang.

 
Ich glaube, wir sind uns dann doch einig, dass Thomas sich opfert, denn opfern bedeutet, etwas wertvolles hingeben, und das tut Thomas, und zwar gibt er nicht nur sein Leben, sondern "sich", also die Person, denn wie gesagt ist nicht zu erwarten, dass seine Persönlichkeit überlebt, im Gegensatz zu Jesus. Klar ist sein Opfer der Beginn von etwas, nicht zuletzt der Rettung seines Landes, aber für ihn als Person ist alles zu Ende oder was schwebt Dir da vor?


Bearbeitet von Christian Hornstein, 19 Mai 2024 - 06:01.


#53 Mammut

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Geschrieben 19 Mai 2024 - 08:11

Na, er geht wie Jesus in Gott auf, also in dieses Wesen. Auch wenn er dann kein Individuum ist, ist das kein Ende. Für Jesus war das ja auch nicht das Ende, wenn man die christliche Lehre als Vergleich ranzieht.

#54 Christian Hornstein

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Geschrieben 20 Mai 2024 - 10:09

Na, er geht wie Jesus in Gott auf, also in dieses Wesen. Auch wenn er dann kein Individuum ist, ist das kein Ende. Für Jesus war das ja auch nicht das Ende, wenn man die christliche Lehre als Vergleich ranzieht.

 
Wenn Du mit "aufgehen" meinst, mit etwas eins werden oder sich auflösen, dann passt das nicht recht zu Jesus, denn in der christlichen Lehre ist Gott dreifaltig und Jesus ist ein distinkter Teil dieser Trinität. Er verschwindet nicht als Jesus. Ihn gab es laut Bibel auch schon lange bevor er die Gestalt des bekannten Propheten annahm und als er die Menschen verabschiedet hat, nach seiner Auferstehung, strahlte er als dieselbe Instanz in der Trinität, die er auch schon vorher war.

Thomas hingegen wird in der Geschichte als gewöhnlicher Mensch dargestellt. Es wird nicht einmal angesprochen, ob er eine Seele hat. Er spricht explizit von "auseinandernehmen" und das Wesen sagt explizit, dass es keine Rekonstruktion geben wird. Die geplante Drohne wird also nicht einmal seine Gestalt oder seinen Geist nachahmen. Nicht Thomas wird Teil des Wesens, sondern seine Atome, bestenfalls Moleküle. Er geht im Wesen auf wie ein Ei in Dir aufgeht, nachdem Du es zum Frühstück verspeist hast, also nicht wie Jesus, der zu Gott seinem Vater zurückkehrt und wieder seinen Platz im Dreier-Team aus Vater, Sohn und Heiligem Geist einnimmt.

Aber klar, die Atome, aus denen Thomas bestand, bleiben erhalten. Für sie ist das kein Ende. Wenn Du das so grundsätzlich siehst, gibt es eigentlich nie ein Opfer, denn wir können davon ausgehen, dass jeder Mensch, wenn er stirbt, seine Atome hinterlässt, die dann Teil anderer Lebewesen werden. Vielleicht ist das für manche tröstlich. Was mich angeht, sehe ich aber schon den Verlust, der damit verbunden ist, weshalb ich die freiwillige Aufgabe dessen für ein bestimmtes Ziel schon als Opfer bezeichnen würde.

 

Das Ende der Geschichte würde auch erheblich an Dramatik verlieren, wenn es sich gar nicht um ein Opfer handeln, Thomas gar nichts aufgeben und niemand um ihn trauern würde.


Bearbeitet von Christian Hornstein, 20 Mai 2024 - 10:15.


#55 Mammut

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Geschrieben 21 Mai 2024 - 08:05

 
Wenn Du mit "aufgehen" meinst, mit etwas eins werden oder sich auflösen, dann passt das nicht recht zu Jesus, denn in der christlichen Lehre ist Gott dreifaltig und Jesus ist ein distinkter Teil dieser Trinität. Er verschwindet nicht als Jesus. Ihn gab es laut Bibel auch schon lange bevor er die Gestalt des bekannten Propheten annahm und als er die Menschen verabschiedet hat, nach seiner Auferstehung, strahlte er als dieselbe Instanz in der Trinität, die er auch schon vorher war.
 

 

Dreifaltigkeit heißt, es sind drei Entinitäten, die gleichzeitig eins sind:

https://www.ekd.de/D... (siehe unten).

 

Das Wort versucht, das scheinbar Unmögliche auszudrücken, nämlich dass Gott gleichzeitig drei und einer ist. 

 

Da Thomas über das Wasser geht wie Jesus und dann in diesem Wesen aufgeht, finde ich die Analogie schon passend. Er stirbt nicht im herkömmlichen Sinne. Rein von der physikalischen Betrachtungsweise hast du natürlich Recht. Die Seele und das Leben nach dem Tod ist nirgendwo wissenschaftlich nachweisbar, trotzdem scheint ein nicht zu vernachlässigender Teil der Menschheit dran zu glauben. 

Und der Autor nimmt sich dieses Thema in der Geschichte an, zumindest interpretiere ich das so. Es sind auf jeden Fall genug Hinweise in der Geschichte, dass man das so sehen kann.



#56 Christian Hornstein

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Geschrieben 23 Mai 2024 - 10:31

Dreifaltigkeit heißt, es sind drei Entinitäten, die gleichzeitig eins sind:

https://www.ekd.de/D... (siehe unten).

 

Das Wort versucht, das scheinbar Unmögliche auszudrücken, nämlich dass Gott gleichzeitig drei und einer ist. 

 

Da Thomas über das Wasser geht wie Jesus und dann in diesem Wesen aufgeht, finde ich die Analogie schon passend. Er stirbt nicht im herkömmlichen Sinne. Rein von der physikalischen Betrachtungsweise hast du natürlich Recht. Die Seele und das Leben nach dem Tod ist nirgendwo wissenschaftlich nachweisbar, trotzdem scheint ein nicht zu vernachlässigender Teil der Menschheit dran zu glauben. 

Und der Autor nimmt sich dieses Thema in der Geschichte an, zumindest interpretiere ich das so. Es sind auf jeden Fall genug Hinweise in der Geschichte, dass man das so sehen kann.

 
Ja, das stimmt. In der Geschichte bietet sich der Vergleich mit Jesus, der auch auf dem Wasser geht, an. In der Bibel ist der Gang über das Wasser ein Anlass für die Prüfung von Petruses Glaube und Vertrauen, dass alles gut gehen wird. Auch eine Parallele zur Geschichte. Was Du über die Trinität schreibst, stimmt auch. Jesus ist dort aber eben auch eine eigene Entität, was bei Thomas nicht so klar ist. Falls Tais Teng Deine Interpretation im Sinn hatte, wäre es sinnvoll gewesen, sie deutlicher zu zeichnen und die Elemente, die ich nannte, und die etwas anderes nahelegen, anders darzustellen oder wegzulassen.



#57 Christian Hornstein

Christian Hornstein

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Geschrieben 23 Mai 2024 - 10:51

Illustrationen

 

Auch die Promptographie ist durchaus eine Fertigkeit, die es zu erlernen gilt. Wer die graphischen Assistenzen richtig zu instruieren weiß, bekommt auch bessere Ergebnisse. Die Beherrschung dieser Kunst setzt unter anderem voraus, dass die Promptografikeri wissen, was sie wollen, und ihre Vorstellung genau beschreiben können, sowohl in Bezug auf visuelle Elemente als auch auf stilistische und technische Merkmale. Der Versuch, Kreativität an die Assistenz zu delegieren, geht bei heutigen Modellen regelmäßig schief.

Ein Beispiel: Der Zeppelin auf Seite 22 sieht aus, als wäre er ein einfaches Zeppelinmodell, auf dem Decals oder Sticker mit etwas wahllosen Mustern aufgebracht wurden, die zum großen Teil nichtssagend sind. Das erinnert ein wenig an das Vorgehen bei der Konstruktion von Raumschiffmodellen für SF-Filme in den 1980ern, z.B. bei den ersten Star Wars Filmen, wo die Rümpfe von Modellraumschiffen aufgewertet wurden und an Realismus gewinnen sollten, indem eine Vielzahl kleiner technisch anmutender Details aufgeklebt wurde, die teilweise etwas absonderliche Ursprünge hatten. Allerdings wussten die Modellbauer von damals, was sie taten, denn von weitem sah das Ganze plausibel aus. Das ist beim hier vorliegenden Zeppelin nicht der Fall.

Die Bild-Trias ab Seite 4 wirkt auf mich so, als habe jemand mit einer graphischen Assistenz drei Bilder generiert, die im Rahmen eines ähnlichen Settings drei verschiedene Motive integrieren sollten, ähnlich den Haibildern ab Seite 88, einmal ein komplett gerendertes Haimodell, dann ein halb gerendertes und schließlich ein reines Meshbild … wisst Ihr, wie oft das schon gemacht worden ist, ich meine nicht nur das mit der Trias (dann auch gleich zweimal in derselben Ausgabe), sondern vor allem das mit dem Mesh? Okay, die Zahl der Sterne im Universum ist noch größer, aber ihr wisst, was ich meine.

Auch einfache digitale Collagen mit Einsatz gängiger Filter und dergleichen (Cut-and-Paste-Grafiken) mit geringer Schöpfungstiefe führen meist nicht zu überzeugenden Ergebnissen. Ein Beispiel, bei dem offenbar lediglich ein simpler Filter auf ein Foto angewandt wurde, sehen wir auf Seite 68. Das finde ich einfach zu lieblos. Das ist fast schon eine Gebrauchsgraphik und wird einem FFM eigentlich nicht gerecht.

Zeitgenössische Landschaftsbilder wie auf Seite 36 können durchaus reizvoll sein, aber zur Illustration einer SF-Geschichte fehlt dann doch oft das fantastische Element. Das gleiche gilt für die bronzenen Figuren ab Seite 74, wo doch Eweka genug Inspiration geboten hätte. Dafür sind die Bilder von Modupe H. Ayinde gut gelungen, vor allem das Porträt auf Seite 87.

Bei den vier Bildern, die Tais Tengs Geschichte illustrieren, kann ich nur zwei mit dem Text in Verbindung bringen. Von den zwei anderen kann ich das eine vielleicht deshalb nicht recht deuten (sieht aus wie eine von Lichtprotuberanzen umgebene Befestigung). Beim anderen sind auf dem Druck die Details der Lebensform im Hintergrund kaum erkennbar und die Umgebung besteht aus Blobjects im Stil von Chrome Art, graphische Formen, die in den 1960ern erstmals entworfen und in den 1990ern mit dem Aufkommen des 3D-Renderings populär wurden. Sie sind also wenig originell und in Bezug auf die darstellerische Funktion im Bild rätselhaft.

Die Bilder aus dem Interview mit Tais Teng auf Seite 34 und 35 wirken wie aus einem Computerspiel aus den 1990ern, d.h. etwas altmodisch, die einzelnen Komponenten wie Sprites aufeinandergesetzt und auf Seite 34 die eine Seite zur anderen hin platt vertikal gespiegelt. Da wirkt das Bild auf Seite 32 wesentlich besser mit seiner Weite und dem Zusammenspiel von Windrädern und den riesigen, exotischen Bäumen, die den Baobab nachempfunden sind. Was das Kreuzfahrtschiff in der Ebene zu suchen hat, erschließt sich mir allerdings nicht.

Die Illustrationen für Einen Gott töten erinnern mich an abstrakte afrikanische Pop-Art Motive, nur weniger strukturiert, erratischer, nicht so prägnant, als hätte man eine graphische Assistenz etwas vage anvisiert, diesen Stil nachzuahmen. Es mag allerdings auch durch den SW-Druck so wirken.

 

Das Cover von Dominique van Velsen ist vom Stil her eigentlich ganz ansprechend, nur tauchen darin Elemente auf, die irgendwie deplaziert wirken. Vielleicht bin ich schon übersensibilisiert, aber da denke ich wieder an Artefakte einer Graphikassistenz.

Auf Seite 56 finde ich die Abbildung eines dieser Produkte, die ich auf einer guten SF-Convention erwarten würde. Der schwarze Humor in Kombination mit dem veganen Kontext macht die Ironie rund. Die Darstellung der Speisen hätte ruhig etwas besser in Szene gesetzt werden können (Inspiration aus guten Kochbüchern holen ;) ).


Fazit zu den Illustrationen

 

Die Graphiken wirken oft nicht so professionell, wie ich es in einem FFM erwarten würde, zumal sie mit 60 € honoriert wurden. Für diesen Preis bekommt man z.B. auch handgemalte Pop-Art Ölgemälde, vergleichbar mit der hier vorliegenden Qualitätsklasse und besser. Auch die Originalität könnte größer und die Passung zu den Geschichten zuweilen stringenter sein.


Bearbeitet von Christian Hornstein, 23 Mai 2024 - 12:01.


#58 Christian Hornstein

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Geschrieben 23 Mai 2024 - 10:56

Fazit zu den Geschichten

 

Das FFM möchte bessere Zukünfte erzählerisch vermitteln, was ein begrüßenswerter Ansatz ist. Die Handlungen der Geschichten sollten sich auch nicht allzu weit in der Zukunft entfalten, sondern im Near Future, d.h. maximal ein paar Dekaden in der Zukunft. Wenn ich mir die vorliegenden Geschichten ansehe, finde ich diesen Anspruch nicht überzeugend erfüllt. Bei zwei Geschichten (Mensch/Nicht; Ein Mangel an Haien) ist für mich unklar, worin die positive Vision genau bestehen soll. Bei einer (Einen Gott töten) finde ich es sogar fraglich, ob sie überhaupt positiv ist. Bei zwei Geschichten (Auf dem Wasser gehen; Die Mauern von Benin City) ist die Vision zwar zum Teil positiv, aber so fantastisch oder entrückt, dass sie eher eskapistisch als hoffnungsstiftend wirkt. Bei einer anderen Geschichte (Glitch im Rapid) nimmt die Handlung in einer bestimmten Situation am Ende zwar eine positive Wendung, aber nicht durch etwas spezifisches, was in der Zukunft anders ist und dazu beitragen könnte, sondern durch Umstände, die bereits heute in vielen Situationen realisiert sind. Bei dreien bin ich auch nicht sicher, ob ich noch von Near Future sprechen würde (Einen Gott töten; Auf dem Wasser gehen; Die Mauern von Benin City), weil sie Umwälzungen und Technologien implizieren, die zwar schon heute angelegt sind, aber wahrscheinlich mehr als nur ein paar Dekaden brauchen werden bis sie den Reifegrad erreicht haben, den die Geschichten schildern.

Die Herausgeberi haben 40 Texte in Betracht gezogen und eine Auswahl getroffen. Wenn ich die Zahlen zugrundlege, die im Verlagswesen immer wieder genannt werden, wenn es um den Proporz von Gesamtanzahl an Zusendungen und verwertbarem Material geht, dann entsprechen 6 Texte von 40 in etwa diesem Verhältnis, sind sogar tendenziell günstiger. Die vorliegenden Texte sind auch trotz mancher Schwächen relativ gelungen, doch in Bezug auf die Darstellung hoffnungsgebender Zukünfte ist das Ergebnis durchwachsen. Anhand all dessen wird deutlich, wie schwierig es offenbar ist, für das FFM ausreichend passendes Material für zwei Ausgaben pro Jahr zusammen zu bekommen, obwohl es sich um ein preisgekröntes Magazin handelt, das Zusendungen vermutlich anzieht. Wir brauchen offenbar wirklich wesentlich mehr optimistisch-realistische Erzählungen guter Qualität über unsere Zukunft.


Bearbeitet von Christian Hornstein, 23 Mai 2024 - 11:56.


#59 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 23 Mai 2024 - 11:13

Über das Thema Qualität der Einsendungen, oder Einhaltung des Scope habe ich gerade heute mit Uwe in der neuen Podcast-Folge gesprochen. Ich denke, die kommt wahrscheinlich morgen raus oder schlimmstenfalls nächste Woche. Und ja, ich teile deine Auffassung da, Christian. 

 

Es bleibt schwierig, aber auch Lösungen sind angedacht.


Podcast: Literatunnat

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#60 Jol Rosenberg

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Geschrieben 23 Mai 2024 - 14:11

Ich tue mich etwas schwer mit meinen Gedanken zum Interview mit Tais Teng. Da musste ich meine Aufregung erst einmal ein wenig setzen lassen, bevor ich mich hier äußere. Also, das wird jetzt lang:

 

Das Interview mit Teng liest sich im wesentlichen wie eine Werbeveranstaltung für den von ihm und Jaap Boekestein erfunden „Ziltpunk: großartige Science-Fiction-Ideen gemischt mit unverfälschter holländischer Herrlichkeit und dem Handelsinstinkt der alten Vereinigten Ostindischen Kompanie.“

Als ich das las, musste ich mich erst einmal setzen. Ich konnte nicht glauben, dass ein Magazin, das ich sehr schätze, solchen positiven Bezügen auf Verbrechen von (in diesem Fall niederländischen) Vorfahren nicht nur Raum gibt, sondern sie auch noch in Fettdruck hervorhebt. Um herauszuarbeiten, was ich daran schwierig finde, habe ich den schwierigen Part hier zitiert. Um ihn einzuordnen folgt ein historischer Exkurs:

Die Vereinigte Ostindische Handelskompagnie (kurz VOC nach dem niederländischen Namen), war zwischen 1602 und ihrer Auflösung 1799 einer der weltweit einflussreichsten Handelsgesellschaften und das erste Unternehmen von dem jede Person Aktien kaufen konnte. Sie erzeugte ein beträchtliches Vermögen mit dem Handel mit asiatischen Handelsgütern (Gewürze, Tee, Stoffe) und Sklaven. Der VOC hatten die Niederlande zu einem großen Teil ihre ausgedehnten Kolonien zu verdanken, Kolonien, die ohne rassistisch begründete gewaltsame und systematische Ausbeutung von Land und Menschen nicht denkbar wären. Der im obigen Zitat in die Zukunft projizierte „Handelsinstinkt“ besteht also in einer völligen Ignoranz der Menschenrechte nicht nur der rassifizierten kolonialisierten Personen, sondern im Falle der VOC auch der eigenen Mitarbeiter*innen: In den fast 200 Jahren der Handelstätigkeit überlebten von fast einer Millionen Personen fast zwei Drittel die Mitarbeit nicht. Um die eigenen Ausbreitungsinteressen zu vertreten, stand der VOC ein eigenes Heer zur Verfügung, das auch brutal eingesetzt wurde. Mehrere Massenmorde sind zu erwähnen, unter anderem auf den Banda-Inseln. Aber auch die Geschichte Südafrikas mit ihrem Apartheidregime und der systematischen Vertreibung der Khoikhoi ist eng mit der VOC verwoben. Die zitierte Äußerung stellt also eine Verherrlichung kolonialistischer Verbrechen dar.

Im zitierten Manifest ist von Instinkt die Rede, als sei der Wille, andere Menschen bis aufs Äußerste auszubeuten, angeboren. Und von „holländischer Herrlichkeit“, die „unverfälscht“ sein soll.

Ich weiß nicht, welches Verständnis Teng und Boekestein von Utopie haben. Und ich weiß auch nicht, welches Verständnis die Herausgeber*innen des Future Fiction Magazin haben, wenn sie so ein Manifest abdrucken. Es unterscheidet sich auf jeden Fall massiv von meinen Ideen, in denen weder „unverfälschte Nationen“, noch rücksichtslose Ausbeutung von Naturressourcen, noch Sklaverei vorkommen.

 

Aber auch jenseits dieser kritischen Anmerkungen wundert mich das Interview, betont Teng doch immer wieder, wie wichtig ihm Hard Scifi (also wissenschaftlich fundierte SF) und eine gute Geschichte seien. Angesichts des abgedruckten Textes des Autors, der weder einen Spannungsbogen bietet, noch selbst mit viel Fantasie als hard SciFi gelten kann, bin ich doch etwas verwundert. Noch mehr wundert es mich, dass der Autor sich nicht zu fein ist, eine arg verkürzte Kritik an der Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke zu geben und andere Autor*innen und deren dystopische Texte als „ekelhaftes Opferdenken und feige Verzweiflung“ zu diskreditieren. Das empfinde ich als so entwertend, dass jeder Respekt für andere Meinungen und Vorlieben fehlt. Und auch hier frage ich mich, warum das so abgedruckt wurde.

Insgesamt überzeugt mich Zilt-Punk als Genre nicht: Sicher können SF-Geschichten mit niederländischem Lokalkolorit interessant sein – aber wo ist der namensgebende Punk, die Infragestellung des Status Quo? Im Interview scheint es eher, als habe Teng sich nicht die Mühe gemacht, sich mit der Geschichte des eigenen Landes auch nur ansatzweise kritisch beschäftigen. Diese kritische Beschäftigung mit Vergangenheit und Gegenwart ist meines Erachtens aber das Fundament guter SF. Anders ist das Entwickeln wirklich utopischer Gedanken nicht möglich.

 

 

Mit diesen Gedanken im Hintergrund lese ich auch den Text anders, denn er beginnt ja in einem Land mit vage asiatisch-muslimischem Hintergrund, das natürlich eine Ehe für die Tochter vorsieht. Ich dachte zunächst, das wirkt vielleicht klischeehaft auf mich, aber sei own voice. Nachdem ich den Autor nun gegoogelt habe: nope. Das ist nicht sein Hintergrund. Und dann stellt sich mir schon die Frage, warum da eine muslimisch gelesene Frau so dargestellt wird, dass sie mit einer Flucht in die Niederlande einer Ehe entgeht. Das ist leider ein antimuslimisches Klischee. Wie ich es dann lesen soll, dass das Textende sich auf einen christlichen Mythos bezieht ... keine Ahnung. Ganz wohl ist mir dabei nicht.

 

Hannu Afere: Einen Gott töten (Nigeria)

 

Mit diesem Text hatte ich meine Mühe. Es kommen unzählige Figuren vor, ein mir unverständlich bleibender Weltenbau wird angerissen und dazu gibt es noch zwei Geschichtenebenen, deren Verflechtung mir wenig gelungen scheint: eine Figur erzählt in einer Bar eine Geschichte. Ein Spannungsbogen ist für mich nicht erkennbar, dazu fehlt eine wirkliche Hauptfigur, alle Figuren bleiben blass und nicht fassbar. Zu allem Überfluss geht der Text in der zweiten Hälfte in reinen Splatter über, was meinem Geschmack gar nicht entspricht.

Dabei greift der Text eine für mich enorm spannende Thematik auf: Afere geht der Frage nach, was wohl geschehen würde, wenn in einer westafrikanischen Großstadt wie Lagos eine technische Entwicklung geschähe, die den Rest der Welt abhängte. In seiner Geschichte verwandelt er die Òrìṣàs in KIs und lässt die KI-Götter aus Europa und Asien gegen den Wohlstand von Lagos ankämpfen. Wer gewinnt, habe ich leider nicht verstanden, mir scheint, erst die eine Partei und dann die andere, sodass letztlich alle verlieren.

Auch dieser Text kann für mich mit seinen Verweisen auf Kriminalität und Mord nicht als utopisch gelten. Verwundert bin ich über seine Platzierung direkt hinter dem Kolonialismus verherrlichenden Interview von Teng, setzt doch Afere mit seiner Kritik an der aktuellen weltpolitischen Lage den direkten Gegenpol. In mir wirft das die Frage auf, ob ihm wohl bewusst war, in welchem Umfeld sein Text abgedruckt wird.

 

Bettina Wurche: Future Food. Wie realistisch sind Speisen der Zukunft in Science Fiction-Szenarien? (Essay)

 

Dieser Essay wirkt auf mich zusammengestückelt: Er benennt verschiedene Science-Fiction-Szenarien, vor allem Filmwelten, und was dort gegessen wird. Die in der Überschrift gestellte Frage nach der Tragfähigkeit der gezeigten Ernährung wird jedoch nicht beantwortet. Interessant sind für mich die Überlegungen zu Ernährung und Essen als Kulturinhalt, diese sind aber wenig ausgeführt.

 

Mit den Illustrationen geht es mir auch nicht besonders gut. Das Titelbild ist toll, aber der Rest wirkt auf mich auch etwas lieblos und vor allem unterkühlt. Da ich von Grafik keine Ahnung habe, nahm ich an, das treffe einfach nicht meinen Geschmack.


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