Was ich vielleicht noch als Faktor mit hinzufügen würde, ist schlicht der Faktor Liebe, Seele oder Spirit – nennt es wie ihr wollt.
Ich finde, eine Kurzgeschichte kann immens davon zehren, wenn man merkt, dass in sie wirklich hineingeblutet wurde. Das hat für mich schon mittelmäßige Stories gut gemacht, und so manche "nur" gute exzellent. Und klar, jetzt wird man wahrscheinlich sagen, dass das jeder Autor und Autorin tut – insbesondere die schlechten. Aber ich denke wir alle hier können literarischer zwischen "Hat Feuer gefangen" und ehrlicher, organischer Ambition unterscheiden.
Im Bereich der Zeichnerei erkennt man das meist an den Augen und Blick. Zeichner mit Herz können immens viel mit lediglich damit transportieren, selbst wenn die Proportionen nicht stimmen, der Rest wackelig ist und die Schatten keine Plastizität annehmen. Aber ja, auch einfach schön gesetzte Lichtlinien (mit dunkler Zone nach dem Absetzen) sind meist ein guter Indikator für Seelenarbeit.
In der Literatur ... da ist es ein bisschen komplizierter. Aber aus meiner Sicht genauso angenehm.
Ein sehr interessanter Post. Vor allem den zweiten Absatz möchte ich herausheben. Es ist bei kurzen Storys sehr schwierig, ihnen eine Seele zu geben. Die Gratwanderung zwischen dem gewolltem, bei dem der Leser spürt, dass er an die Hand genommen wird, das er mit seinen Erwartungen bedient wird, und den Geschichten, die den aufmerksamen Leser sofort vergessen lassen, das es der Autor xy ist, dass es gleich gruselig, rührselig oder romantisch wird, diese unsichtbare Grenze ist zu überschreiten. Sie ist gut gesichert, es bedarf keiner Legitimation, keiner Kontrolle durch grimmig dreinschauende Wächter.
Es braucht viel Erfahrung, Mut und vielleicht auch ein Defizit, ein Mangel an Respekt oder eine zehrende Einsamkeit. Die Lebensgeschichten guter Autoren, nicht unbedingt der zeitgenössischen, sind oft von einschneidenden Erlebnissen oder Tragik geprägt. Mir fällt Philip K. Dick ein, der seine Wohnung nie verließ, der in jungen Jahren seine geliebte Schwester verlor und sich dafür verantwortlich fühlte.
Um wieder in die Realität und damit zu deinem Beitrag zurückzukehren: Ein erster Schritt ist die Erkenntnis. Deswegen finde ich deine Gedanken dazu so treffend.