⊛⊛⊛ Der soziokulturelle Komplex ⊛⊛⊛
Die 35. Elfenschrift widmete sich dem Thema "Zeitlos?!", und ich habe die Gelegenheit genutzt, mich einmal einer Zeiteinteilungsfrage zu widmen, die mich schon lange begleitet: Ich spüre den Wochentagsnamen nach und habe mich dabei besonders in das "Sams", den mutmaßlichen Taufpaten unseres Samstags, verbissen. Wie sagte schon Altmeister Tucholsky? "Das schönste am Sonntag ist der Samstagabend." Viel Spaß damit!
Zwischen Waschzuber und Wunschpunkten
„Am Sonntag schien die Sonne, und am Montag kam Herr Mon zu Besuch. Herr Taschenbier hatte am Dienstag Dienst, und am Mittwoch, wie immer, war Wochenmitte, Donnerstag donnerte es, und Freitag bekam Herr Taschenbier frei und mußte nicht arbeiten.
Und dann kam der Samstag und mit ihm das Sams.“1
Wer hat nicht versucht, sich die Namen der Wochentage so oder so ähnlich zu erklären? Tag des Mondes, Tag der Sonne, Mitte der Woche – das lässt sich kinderleicht und unmittelbar einsichtig herleiten. Was aber ist das vertrackte Sams, das uns den Samstag beschert hat? Ein kleines, schweineschnäuziges Wesen mit dem Gesicht voller Wunschpunkte, wie es der Kinderbuch-Autor Paul Maar schildert, wird doch wohl kaum als Taufpate zur Verfügung gestanden haben. Obwohl die Vorstellung durchaus etwas für sich hat ...
Tatsächlich war der Tag, den wir heute Samstag nennen, in der jüdischen Tradition der einzige Wochentag, der überhaupt einen Namen erhielt. In der Bibel wird er als siebter Tag hervorgehoben. Sechs Tage hatte Gott gearbeitet, hatte Licht, Land, Meer, Lebewesen und Menschen geschaffen und sah, dass es gut war. Dann aber der siebte Tag:
„Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.“2
Und in den zehn Geboten heißt es:
„Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“3
Das Wort „Sabbat“ lässt sich wohl von der Wurzel sbt herleiten, was soviel wie aufhören, ruhen oder feiern bedeutet. Einige Forscher vermuten auch eine Verbindung mit einem Vollmondfest.
Der Sabbat mit seinem rigorosen Arbeitsverbot wurde neben der Beschneidung zum bekanntesten Kennzeichen der jüdischen Religion. Kein Wunder, dass das Christentum, das sich von seinen jüdischen Wurzeln emanzipieren und „etwas eigenes“ haben wollte, bald den Sonntag als Tag der Auferstehung Jesu zum heiligen Tag erhob.
Gegenüber anderen Tagen verhielt sich das Judentum sehr distanziert. Während in Mesopotamien und Ägypten Wochentage nach diversen Gottheiten benannt wurden, sprachen die monotheistischen Juden einfach vom 1. Tag, 2. Tag, 3. Tag usw. Nur der Freitag wurde zum Erew Schabat, (Vor-)Abend des Sabbat. Ähnliches gibt es im Deutschen auch. Die norddeutsche Bezeichnung Sonnabend macht den Tag zum Vorabend des Sonntags, Heilig Abend ist der Tag vor dem ersten Weihnachtsfeiertag. Im Englischen bezeichnet Halloween (aus „All hallows eve“) den Vorabend von Allerheiligen.
Im alten Rom war es kein Problem, die aus dem Orient übernommene Wochentagseinteilung mit eigenen Götternamen zu füllen. Interessant ist die Namensgebung im Vergleich mit anderen Sprachen, in die die römische Woche exportiert wurde.
Der Montag als Tag des Mondes ließ sich ohne weiteres übertragen. Von der römischen Luna zeugen noch der italienische lunedi und der französische lundi, im germanischen Bereich wurden daraus z.B. der englische monday oder der dänische mandag.
Der dem Kriegsgott geweihte Mars-Tag (französisch mardi) wurde dem germanischen Tyr oder Tiu zugeschrieben (dänisch tyrsdag), allerdings wurde vor allem Wert auf seine Funktion als Vorsitzender des Gerichts gelegt, sodass unser Dienstag auf den „Mars thingsus“ zurückgeht.
Der deutsche Mittwoch verrät seinen heidnischen Ursprung nicht mehr. In Rom dem Merkur geweiht, lebt der Götterbote im französischen mercredi noch fort. Erst der Blick auf den englischen wednesday und den dänischen onsdag verrät, dass hier der germanische Hauptgott Wodan oder Odin gemeint gewesen ist. Die Zuordnung zeigt, dass zu der Zeit, als die Wochentage nach Nordeuropa kamen, Odin noch gar nicht der Götterkönig war. Er wurde, da er lesen und schreiben konnte und obendrein auch als Todesgott und Seelenbegleiter tätig war, von den Römern mit dem schillernden Kaufmanns-Diebes-Totenbegleiter-Botengott Merkur gleichgesetzt.
Den Platz als Entsprechung zum römischen Götterkönig, Himmelsgott und Donnerer erhielt der Donnergott Thor bzw. Donar (thursday, Donnerstag), während sich der Juppiterstag z. B. im französischen jeudi erhalten hat.
Die Liebesgöttin Venus ließ sich mit der germanischen Freya gleichsetzen, dem französischen vendredi steht der deutsche Freitag gegenüber.
Aufhorchen lässt der Sonntag. Während in den romanischen Sprachen der heilige Tag der Christen längst „getauft“ ist und als italienischer domenico oder französischer dimanche zum Tag des Herrn (Dominus), also des Christengottes, wurde, haben die germanischen Sprachen diese Umbenennung versäumt. Hier ist immer noch der heidnische Sonnengott Sol invictus herauszuhören, der noch über die Ära des Kaisers Konstantin hinaus verehrt wurde und teilweise mit dem christlich-jüdischen Heiland verschmolz.
Zurück zum Sabbat, Samstag oder Sonnabend. Ein jüdischer Feiertag im römisch-germanisch-christlichen Kalender eckt an. Er passt einfach nicht. Zwar gab es Christen, die den Sabbat dem Gebot getreu ehrten, doch es gab ebenso unter Heiden und Christen viel Hass gegen Israel.
Zum Teil erhielt sich der Name Sabbat, etwa im italienischen sabado. Im Griechischen wurde daraus sambaton, das sich im Deutschen zum Samstag abschliff. Die Römer setzten dafür den Namen des Saturn ein, den wir im englischen saturday oder im friesischen Satertag noch wiedererkennen.
Im germanischen Bereich gab es keine Gottheit, die man dem altitalischen Erntegott an die Seite stellen konnte. Allenfalls führte die Namensähnlichkeit dazu, ihn als „Satan“ anzusprechen. Nun hat der Satan zwar auch keine Entsprechung im germanischen Pantheon, aber einen Verräter gab es: So wurde Loki, der listige Gott des Feuers, Tages-Patron. Der schwedische lonsdag mag hieran erinnern. Oder man machte aus dem Tag der Juden kurzerhand etwas Praktisches und ernannte ihn zum „Waschtag“, wie im dänischen lørdag oder im altisländischen laugardagr.
Der Waschtag mag dazu gedient haben, sich auf den Sonntag vorzubereiten, sich selbst und die Kirche zu reinigen, vielleicht auch dazu, den heiligen Tag der Juden bewusst zu profanieren.
Erhalten hat sich der Waschtag noch Jahrhunderte später. Spuren davon finden sich auch in Boccaccios Novellensammlung „Decameron“ (1349-53): Zehn Personen halten sich zur Pestzeit in einer selbstgewählten Quarantäne auf, und an jedem Tag erzählt jeder eine Geschichte, sodass am Ende 100 Novellen erzählt sind. Nur dass die Geschichtenerzähler nicht 10 Tage beisammen sind, sondern 14. Neifile weist darauf hin, „daß der Freitag wegen der Leiden Dessen, der für unser Leben gestorben ist, der Erbauung dienen soll; darum würde ich es für recht und ziemlich erachten, wenn wir uns am Freitag zur größeren Ehre Gottes lieber mit Gebeten beschäftigen. Am Samstage haben es wieder die Frauen im Brauche, sich den Kopf zu waschen und ihn von allem Staub und Schmutze zu säubern [...], und gar viele pflegen auch aus Verehrung für die Heilige Jungfrau, die Mutter Gottes, zu fasten und schon, um den darauffolgenden Sonntag zu heiligen, alle Arbeit ruhen zu lassen [...].“4
Die Spur des Waschtags lässt sich bis über den Atlantik zu den nordamerikanischen Indianern verfolgen. Die Lakota (Sioux) übernahmen zum Beispiel von Einwanderern, die in der jüdisch-altchristlichen Scheu vor heidnischen Wochentags-Göttern standen, den Brauch, die Tage von Montag bis Freitag nur als „Tag 1“, „Tag 2“ usw. zu bezeichnen. Der Sonntag ist „Anpetu wakan“, der heilige Tag, während der Tag davor als „Owanka yujajapi“ bezeichnet wird, als Waschtag. Wobei das Wort Owanka soviel wie „Altar“ bedeutet, der Tag ist also ausdrücklich zum Reinigen der Kirche bestimmt.
1 Paul Maar: Am Samstag kam das Sams zurück. Hamburg, 1980. S. 6.
2 Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Mit Apokryphen. Stuttgart, 1999. S. 4. 1. Mose 2, 3.
3 Ebd. S. 78. 2. Mose 20. 8-11.
4 Giovanni Boccaccio: Das Dekameron. Deutsch von Albert Wesseliski.Frankfurt/M, 1972. S.224f.
Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Zwischen Waschzuber und Wunschpunkten. In: Elfenschrift. 35, September 2012, S. 12–14.
© Petra Hartmann
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Vincent Voss im Dark Flower zu Leipzig am 8. Januar 2026
Damit ist die Saison (für mich) eröffnet! Ein neues Jahr mit phantastischen Lesungen und Veranstaltungen wartet hoffentlich auf mich. Und das war gleich die erste.
Der Autor selbst hatte gar nicht mit einem „vollen Haus“ gerechnet, denn Lesungen im Januar stehen im Ruf, schlecht besucht zu werden.
Das Dark Flower, ein Musik-Club für die eher dunklen Töne, bietet allerdings auch nicht so viel Raum. Und der war dann aber gefüllt. Als ich auf den letzten Drücker ankam, musste ich schon schauen, wo noch ein Plätzchen auf den Bänken frei ist…
Das ist der Veranstalterin nur zu wünschen, dass das Leseformat nun im zweiten Jahr sich weiter etabliert und Bestand hat. Carolin Gmyrek hat wieder moderiert. Diesmal hatte sie sich gut auf das Thema vorbereitet – und dadurch vielleicht ein wenig zu viel erzählen können und auch selbst erzählt. Dabei hätte der Autor doch mehr zu Wort kommen sollen. Andererseits sollte neben der Lesung aus dem neuesten Horrorroman des Autors auch das Gespräch zum Thema „Was macht uns Angst? Psychologie des Schreckens in der Literatur“ stattfinden.
Das riesengroße Thema konnte natürlich nur angeschnitten werden und es belief sich auf Anekdoten der beiden, Autor und Moderatorin, wie sie erstmalig mit Horrorfilmen und -Literatur konfrontiert wurden, damit, was für sie Horror ist (sehr weites Feld), was ihnen Angst macht (Frage auch an das Publikum: Warum schaut oder lest Ihr Horror?) und Biografisches des Autors.
V.V. hatte schon mit jungen Jahren einen Zombiefilm gesehen, der ihn, so schätzt er es nun selbst ein, ziemlich verstört hatte. Man sollte damit sicher nicht so früh anfangen. Andererseits hatte er damit seine Leidenschaft für das Schaurige gefunden, wie es aussieht.
V.V. hat in einer Schüler-Punk-Band als Sänger und Texter gewirkt. Da hat er seine Leidenschaft für das Schreiben entdeckt. Die Texte, so Vincent, war manchmal Grund für Auftrittsverbote. Offensichtlich waren die auch schon ziemlich Horror-mäßig.
Im Horror muss für den Autor immer was Übernatürliches dabei sein. Allerdings gab er auch zu, dass dieser Horror dann schon fast „cosy“ wäre, da er weit genug von der Realität entfernt ist, die im Grunde so viel mehr Horror bietet, als er sich als Autor ausdenken kann. Na, da hat er wohl leider Recht.
Vincent Voss las aus seinem letzten Roman: „Seemannsgräber“.
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Er wählte recht unterschiedliche Teile dafür aus, zunächst eine richtig unheimliche Geisterbegegnung, dann eine Szene, die der Autor zum Tell selbst erlebte, in der eine Schulklasse bei einem Ausflug mit einem Schiff und beim Schau-Fisch-Fangen ein Zombie ins Netz geht und zum Schluss eine ziemlich heftige Splatterszene. Gerade die letzte Szene – muss ich, inzwischen wohl zum Sensibelchen mutierter, alter Sack mir eingestehen, sagt mir, dass ich gar kein Horror-Fan bin, zumindest nicht in dem Sinne, wie es dieser Body-Horror und Splatter beinhaltet. Im Grunde waren mir die unheimlichen Wesen aus dem All, die übermächtigen Entitäten des Kosmos, die mir ein Gefühl der Ohnmacht und des unpersönlichen Grauens vermitteln, näher als solche Schlacht-Szenen. Aber: Weites Feld.
Insgesamt war das ein toller, inspirierender Abend. So hat das Jahr gut begonnen; kann so weitergehen.
Das Foto: Im Dark Flower ist es immer sehr dunkel, viel dunkler, als das Foto vermuten lässt.
Ein Bild des Lesenden im Sessel - ohne das Licht - konnte nicht sinnvoll erstellt werden.
Der Autor hat sich beim letzten Lese-Teil mit Leselampe am Kopf unter das Publikum gemischt, um mit viel Verve, starker Betonung und quasi über die Schiffsbohlen marschierend die Zuhörerschaft zu beeindrucken:

Ich kenne nun schon ein paar Romane von Sven Haupt und stelle immer wieder fest, dass er die Fähigkeit besitzt, Personen, Gegenstände, Tiere, Metaphysisches und KIs auf eigenartige Weise zu verknüpfen. Heraus kommt ein Mischmasch der Dinge, das zwar nicht unbedingt glaubwürdig ist – die eigene Vorstellungskraft wird dabei manchmal arg strapaziert – trotzdem passt alles irgendwie zusammen.
"Der Himmel wird zur See" erschien im Juni 2025 im Eridanus Verlag, Bremen. Die Umschlagsgestaltung übernahm wieder Detlef Klewer.
Hannah Riley muss als Raumschiffpilotin zusammen mit dem Roboter Andy einen wichtigen Auftrag erledigen. Es geht, wie so oft, um das Überleben der Menschheit. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Die Hauptfigur erinnert mich stark an die in den anderen Romanen des Autors. Er wählt stets den unangepassten Typ, der massive eigene Probleme hat und dann noch mit Schwierigkeiten der besonderen Art zu kämpfen hat. Aber das macht ja die Quintessenz eines spannenden Romans aus.
Auch ist in den Werken immer jemand da, mit dem sich diese Figur einen verbalen oder gedanklichen Schlagabtausch liefert. Ich denke mal, das ist nötig, um den speziellen Humor (den ich mag) des Autors unterzubringen.
Alles in allem gefiel mir das Buch wieder gut.
Als Cover hätte ich wahrscheinlich keine Frau mit Waffe genommen; das impliziert für mich im ersten Moment nur pure Gewalt. Obwohl, wenn man den fast verträumten Blick der Frau näher betrachtet und die literarischen Sachen des Autors kennt, weiß man, der Roman wird anders sein als vermutet.
Weil dort drin auch Vampire auftauchen, hätte ich sicher einen bildlichen Hinweis dazu gegeben. Wenigstens einen klitzekleinen. Ein Vampirchen. Und wenn es nur in einer Ecke des Covers wäre.
Jeder 6. Mensch in Deutschland liest keine Bücher.
Das geht aus einer Umfrage (2024) hervor (DACH-Länder, Frankreich,Italien; 5000 Befragte) , die im Auftrag des Onlinebuchhändlers Galaxus in Auftrag erstellt und Anfang diesen Jahres veröffentlicht wurde .
Demnach kommen hierzulande 1/3 der Befragten auf 1-3 Bücher im Jahr. Nur die Hälfte will künftig mehr lesen – was den niedrigsten Wert darstellt. Ähnlich Lesefaul zeigt sich höchstens noch Frankreich.
Deutsche benutzen vergleichsweise häufiger ebooks (19%) - und Hörbücher (11%). Zur Lesefaulheit der Deutschen passt letzteres wiederum, dass sie im europäischen Vergleich die meisten Hörbücher konsumieren – jede zehnte Person in der Bundesrepublik lässt sich Bücher vorlesen.
Das Lieblingsgenre was Spekulative Fiction anbelangt ist bei Deutschen die Fantasy – Franzosen stehen eher auf Science-Fiction (s. 2. Grafik).
Frauen lesen dagegen häufiger Romane: in Deutschland beispielsweise 3 von 5 Frauen und nur 2 von 5 Männern.
Quelle:
https://www.galaxus....e-buecher-36136
bitte auf Grafiken klicken zum vergrössern:
Nur was endet, hat bekanntlich einen Sinn: Also ist es Zeit, dass auch dieser Vlog zu Ende geht – alles hat ein Ende, ergo auch das Ende. See you in a better place... ¯\_(ツ)_/¯
Die Leiden des jungen Verlegers
...
Ich bin mal wieder spät dran*, und tausche außerdem für diesen & den nächsten Eintrag die Neu-/Alt-Reihenfolge. Es handelt sich hier platzhaltend um ein Buch aus der Dr.-Seuss-Reihe, die in den 60ern die Vorgehensweise beim Lesen-Erlernen für Kinder revolutionierte. Außerdem hält sich das Buch an die Nonsens-Tradition von anderen Kinderbüchern seit Alice in Wonderland, was Kindern (& mir, übrigens) sicher so gut wie immer gefällt. (Und: Eine brandneue audiovisuelle Umsetzung erscheint heuer auf Netflix!)
Im Buch erscheint ein frecher Kleinling namens Sam-I-Am, auf einem hund-ähnlichen Wesen vorbei-reitend, der einen älteren, größeren Pelzherren mit hohem schwarzen Hut auf die Nerven geht. Dieser sagt öfter "I do not like", anfangs in Richtung Sam, aber kurz danach auch dem Gericht das ihm Sam unter die Nase hält - Schinken mit grünen Spiegeleiern! Als aber der Schwarzhütige dies das erste Mal nicht mag, schaltet der Rothütige schlauerweise auf die Logikschiene - mag der Ältere das Gericht vielleicht an einem anderen Ort? Denn schließlich isst das Hirn ja mit, und vielleicht fühlt der Andere sich anderswo wohl(gesinnt)er?
Lässt sich der junge bzw. sich nicht alt fühlende Leser darauf ein, ist klar womit das restliche Buch gefüllt wird - den absurdesten Orten & Vehikeln, wo Schinken mit solchen Spiegeleiern vielleicht doch schmecken könnte... Irgendwann gibt der inzwischen durchnässte Schwarzhütler auf - und dann geschieht noch ein kleines Wunder!
Seuss hat wohl damals die altmodischen "anspruchsvolleren" Kinderbücher - wie ev. auch Alice? - in die Ecke gepfeffert und mit jemandem eine Wette ausgemacht, dass er ein besseres erstes Lesebuch mit einem Vokabular von nur 50 Wörtern erstellen könnte. Ein Buch wie dieses locker gereimte war das Ergebnis. (Das hier ist neben dem früheren Cat in the Hat das bekannteste aus seiner langen Serie.
Es gibt endlose Marketingumsetzungen davon! Ich behaupte, dass auch Hip-Hopper Will-I-Am sich daraus hat inspirieren lassen.)
Was ich an den Seuss-Büchern so toll finde, ist dass nicht nur die Texte schnell ins Absurde kippen, sondern die Illustrationen das praktisch von Anfang an tun, mit wilderen Aufstellungen mit jeder Seite. Die Protagonisten sind meist Tiere, oft eher unidentifizierbar - aber definitiv "furry" - und die tanzen/schweben/schwimmen in der Weltgeschichte herum, meist irgendwas unmöglich balancierend, umgeben von staunenden - oder selbst irgendwelche Stunts ganz lässig durchführenden - Zuschauern. Seuss stellt seine Welten subversiv gaga dar. (Oder angemessen der Zeitperiode: Dada! Apropos: Ich finde lustig, wie dieses 1. Buch die klassisch-amerikanisch-kapitalistische Rolle des ewigen nie-aufgebenden Verkäufers parsifliert!)
Diese Idee des einfacheren Anfangslernen wurde kurz danach dann auch von Sesame Street im TV fortgesetzt, und von vielen anderen Einrichtungen im Westen angewandt. Die US-TV-Serie wird übrigens im November ein halbes Jahrhundert alt! ![]()
Fazit: Am besten VORM Schauen bei Netflix sich mindestens ein Buch aus der Reihe mal reinziehen! Nachher kann man es einer Lieblingsenkelin oder so schenken; wird bestimmt mit großem Dank entgegen genommen.
(* offiziell ist das hier der Juli-Beitrag!!)
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