
Schaumschwester -- SF-Roman von Thor Kunkel
#121
Geschrieben 31 Mai 2010 - 14:40
MOLOSOVSKY IST DERZEIT IN DIESEM FORUM NICHT AKTIV: STAND 13. JANUAR 2013.
Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
#122
Geschrieben 31 Mai 2010 - 14:45
Ach ja: das von Dir geschilderte Problem, dass Menschenekel als ›links‹ gibt und gewisse Leut darüber ins Esoterische (und wohin nicht noch) abgedriftet sind, kenne ich und bin da regelmäßig verwirrt. Da ich selbst zur Ratlosigkeitsfraktion gehöre, wundere ich mich, wenn andere sehr selbstsicher behaupten, sie hätten klügere Lösungen oder Ansätze. †” Um auf Schaumschwestern zu kommen: ich habe aus dem ganzen Buch eher herausgelesen, dass Kunkel eine ganze Reihe ideologischer Irrwege aufs Korn nimmt. Was eben z.B. rauskomme, wenn Sozialdarwinismus, Transhumanismus und religiöser Vorhersehungsglaube sich im Darkroom miteinander schnackseln.
Grüße
Alex / molo
Theoretisch ist das natürlich wirklich interessant, sich diesen ganzen kram vorzunehmen und boshaft durch den Mixer zu drehen ... kann ja auch sein, dass das in dem Buch doch irgendwie geleistet wird. Vielleicht lese ich noch mal den Epilog, um das Bild noch ein bisschen mehr abzurunden. Aber den rest werd ich mir wohl nicht zumuten können, dafür ist mein Widerwille gegen den ganzen Tonfall einfach zu groß. Das weiß ich ja auch schon aus der Story "Plasmasymphonie", durch die ich mich mit langen Zähnen durchgequält habe ...
R. Scott Bakker
"We have failed to uphold Brannigan's Law. However I did make it with a hot alien babe. And in the end, is that not what man has dreamt of since first he looked up at the stars?" - Zapp Brannigan in Futurama
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#123
Geschrieben 31 Mai 2010 - 15:07
Im Gegensatz zu Lapismont klingelts da sofort bei mir, und das ginge tatsächlich in die von a3 befürchtete Richtunges ist einfach öde, dieser reaktionär gewendete Post-68er-Zivilisationspessimismus.

Wenn das die Perspektive des Buchs selbst ist - und nicht nur eine einzelne Stimme in einem Werk mit an sich etwas weiterem Blickwinkel -, dann wäre das in der Tat auch für mich allein schon ein Grund, mir das nicht auch noch in Romanform anzutun (denn im Real Life bekommt man so was ja ohnehin überall um die Ohren gehauen).
So eine Haltung kann einem ja selbst gerechtfertigte und anderweitig originelle kritische Betrachtungen vergällen ...
#124
Geschrieben 31 Mai 2010 - 16:08
... "nach drei Seiten angekotzt", ... Die diffus faschistische Rhetorik...
Gut ist, das du es wenigstens versucht hast - das Buch zu lesen. Macht ja nicht jeder...
Dein persönlicher Rezeptions-Hintergrund - wenn ich das mal so betiteln darf - ist durchaus interessant und stimmig (also das mit der verquasten 68er linken bis esoterischen Menschheitskritik). Mein Eindruck bei Kunkel ist komischer Weise derselbe: Dass er mit seiner Meinung und seiner Schreibe genau das Gleiche angreift und in Frage stellt und hinterfragt, was dir auch auf den Senkel geht. Hmm, wie auch immer...
Das mit der diffus faschistischen Rhetorik find eich allerdings deplatziert. Soll er mit aller Macht in die ultrarechte Ecke gestellt werden? I
Phantastische Grüße,
Thomas
...meine "Phantastischen Ansichten" gibt's hier.
Auf FB zu finden unter phantasticus
(Hinweis: Derzeit keine Internetrepräsentanz meiner Bilder; schade eigentlich...)
#125
Geschrieben 31 Mai 2010 - 16:53
Das mit der diffus faschistischen Rhetorik find eich allerdings deplatziert. Soll er mit aller Macht in die ultrarechte Ecke gestellt werden? I
Ne, ums in Ecken stellen gings mir nicht, auch wenn das vielleicht so klang. Es gibt auch von mir hochverehrte Autoren, in deren Romanen sozusagen "Motive des Faschismus" auftauchen, und bei denen ich finde, dass damit etwas interessantes und kritisches gemacht wird (Scott Bakkers Fantasy fällt mir dazu immer als Erstes ein, da muss man ganz schön schlucken, und am Ende kommt für mich doch durch, dass es da eigentlich um ein Gedankenspiel geht, dass den kritischen Horizont erweitert. Oder Frank Herbert). Oft findet man da in den Büchern auch nicht die saubere Abgrenzung und kann deshalb auch zu recht sehr geteilter Meinung sein.
Nur die Kombination von Motiven, Sprachduktus und dem Gefühl, dass alles etwas dezenter formuliert schon tausendmal gehört und gelesen zu haben, ist es hier eben, die mich spontan nervt ...
R. Scott Bakker
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#126 Gast_Frank W. Haubold_*
Geschrieben 31 Mai 2010 - 20:29
Das mit der diffus faschistischen Rhetorik find eich allerdings deplatziert. Soll er mit aller Macht in die ultrarechte Ecke gestellt werden? I
Mach es wie ich bzw. Karl Valentin: nicht einmal ignorieren.
FWH
#127
Geschrieben 06 Juni 2010 - 09:25
Bearbeitet von ChristianW, 06 Juni 2010 - 09:26.
Mein Blog: Schreibkram & Bücherwelten
#128
Geschrieben 06 Juni 2010 - 10:16
Was meinen Blick auf das Buch momentan einfärbt, sind zwei Dinge: Ein Kommentar in Kunkels Blog über japanische Sexpuppen ("Wie krank muß ein technophiles Menschentier sein, daß es daran denkt sich mit einem Silikonding zu paaren?") und zum Zweiten ein älteres Interview, das ich gerade auf Youtube gesehen habe, indem er über "deutsche Kultur" labert, als hätte das Wort "deutsch" irgendeine besondere Bedeutung (genaugenommen lamentierte er über die schwindende Bedeutung des Wortes).
Zum ersten Kommentar: Wie verbohrt muss man sein, Leute als "krank" zu bezeichnen, die nicht in sein eigenes Schema passen?
Ich glaube, der Mann hat mir ein viel zu langweilig-düsteres Weltbild. "Düster" kann jeder, habe ich lange genug gemacht.
Dennoch werde ich mal versuchen, weiter zu lesen ...
ChristianW
(wobei das Buch mit ca. 18 x 9 cm schon ein recht ungewöhnliches Format hat - ist das bei diesem Verlag so üblich?)
Nein, aber es ist jetzt eine Reihe erschienen (2 Bände zumindest ... http://www.matthes-s...ID=11/index.php ), die dieses Format hat; und zuvor gab es schon in der Philosophie eine Reihe, die ein ähnliches Format hat ( http://www.matthes-s...?ID=5/index.php ).
Bearbeitet von eRDe7, 06 Juni 2010 - 10:18.
R. C. Doege: Ende der Nacht. Erzählungen (2010)
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#129
Geschrieben 06 Juni 2010 - 17:40
Hm, in der SF machen eher düstere Szenarien wohl deutlich die Mehrheit aus. Man hofft ja, es kommt nicht so schlimm, aber aus Paradies und Schlaraffenland lässt sich halt nicht so viel Spannendes basteln.Ich glaube, der Mann hat mir ein viel zu langweilig-düsteres Weltbild. "Düster" kann jeder, habe ich lange genug gemacht.

Mein Blog: Schreibkram & Bücherwelten
#130
Geschrieben 06 Juni 2010 - 17:54
Phantastische Grüße,
Thomas
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#131
Geschrieben 06 Juni 2010 - 21:06
Ich weiß es ja noch nicht: Meint er seine "Untergang des Abendlandes"-Äußerungen nicht ernst?
Ist aus seiner Sicht nicht die Bedeutung der deutschen Kultur am Schwinden und er bedauert das (wie in dem Interview auf Youtube)? Hält er Sex mit Puppen oder Androiden nicht für "krank"?
Sollte dem doch so sein: Mir geht einfach seit einiger Zeit so ein negativer Blickwinkel auf den Senkel.
Interessant wäre es viel eher zu sagen: Die Welt dreht sich weiter, alles verändert sich. Wenn nichts Wichtiges mehr aus Deutschland kommt für Europa - so what? Wen interessiert es denn, ob es aus Deutschland oder Portugal kommt?
Und wenn Leute ihren Spaß mit Puppen haben, warum nicht? Solange sie sich damit besser fühlen als ohne?
Ich werfe statt eines "verachtenden" Blicks lieber einen "liebenden" auf die Menschen - oder versuche es zumindest. Ja, das klingt nach Blümchenesoterik, denn soweit hat "uns" der ewige Sarkasmus und Zynismus schon gebracht: Man kommt sich seltsam vor, wenn man was "Positives" sagt.

Aber wir kommen hier zu weit vom Buch weg, denke ich.
Weiterlesen konnte ich auch noch nicht, da mir nun Suehiro Maruo mit annähernd seinem Gesamtwerk dazwischen kam. Oh Mann, die Tage sind zu kurz.
T.H.:
Wo ich dem Roman schon Recht gebe, ist der Gedanke, dass wir in unserem gesellschaftlichen Miteinander Formen gefunden haben, uns aus dem Wege zu gehen, zu vereinzeln, obwohl wir "Gesellschaftstiere" sind.
Vielleicht WAREN wir auch nur Gesellschaftstiere. Wir würden uns ja nicht aus dem Weg gehen, wenn wir unsere Gesellschafft wöllten. (Wo ist mein Lektor, ist der Konjunktiv so richtig?) Vielmehr scheint mir, dass "wir" (oder so) einfach andere Gesellschaft wollen. Zum Beispiel die "unkomplizierte" von Puppen/Androiden. Das Leben ist ja mit all seinen gesellschaftlichen Zwängen schon kompliziert genug.
@ChristianW:
Gegen düstere Szenarien ist ja nichts zu sagen, nur kann man damit unterschiedliche Signale aussenden. Entweder: Die Menschen sind der Schimmel der Welt und gehören ausgelöscht, weil sie völlig pervertiert sind und Sex mit Puppen haben; oder: man fragt sich, woher eigentlich solch seltsame Bewertungen und Moralvorstellungen kommen (wer entscheidet nochmal und auf welchen Grundlagen, was "krank" ist? Oder "pervers"?) ... Okay, ich quäle euch.
Oder aber so eine Weltsicht:
(Warnung: J-Pop!!!)

Nochmal verkürzt: Das Leben wird nicht besser durch das Mantra "alles ist Scheiße", selbst wenn man es so empfindet. Es wird besser, wenn man statt das Negative zu betonen, etwas Positives tut. Wie heisst es doch so blöde: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. - schüttel - Aber im Endeffekt ist es so. Die Welt wird nicht besser dadurch, dass man zynisch durch die Gegend rennt und den Leuten erzählt, wie schlimm doch alles ist.
Okay, das wird hier zur Selbsthilfegruppe oder so. Sorry.

Leute, habt mehr Sex mit Puppen! (Jenen mit oder ohne Herz ...)
Bearbeitet von eRDe7, 06 Juni 2010 - 21:41.
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#132
Geschrieben 07 Juni 2010 - 07:06
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Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
#133
Geschrieben 07 Juni 2010 - 07:18
/KB
Yay! KI-generiertes SF-Zitat Ende November...
"In the sprawling city forums of the galaxy, where chaos reigns and time flows differently, true power is found not in dominance, but in moderation. The wise use their influence to temper ambition with reason, and chaos with order."
(auf Bing.de generierter Monolog von der Copilot-S/W - die ich hiermit NICHT bewerbe! - nach Aufforderung nach einem "s.f. quote" mit einem bestimmten Wort darin; ich ersetzte nur das 4. Wort mit "city forums")
#134
Geschrieben 07 Juni 2010 - 07:33
Bearbeitet von eRDe7, 07 Juni 2010 - 07:47.
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#135 Gast_Frank Böhmert_*
Geschrieben 07 Juni 2010 - 08:59
Sekundiere das. (Oder wie das heißtWenn ein freundlicher Blick als naiv betrachtet wird, bin ich gerne naiv.

Irgendwie geraten mir gerade die beiden Kunkelzitate durcheinander, Hilfe!Nebenbei bemerkt, wäre es nicht um Puppen gegangen, sondern um irgendetwas anderes und hätte er zum Beispiel geschrieben: "Wie krank muss man sein, um Kaffee zu trinken", wäre meine Reaktion genauso ausgefallen. Es ging mir um seine verallgemeinernde Beschimpfung von Menschen als "krank", die irgendetwas tun, das nicht in seinen moral-philosphischen Kontext passt.


#136
Geschrieben 07 Juni 2010 - 09:40
MOLOSOVSKY IST DERZEIT IN DIESEM FORUM NICHT AKTIV: STAND 13. JANUAR 2013.
Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
#137
Geschrieben 07 Juni 2010 - 09:52
Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.
Moderator im Unterforum Fantasyguide
Fantasyguide
Saramee
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#138
Geschrieben 07 Juni 2010 - 09:56
Molo, ich denke, Du vereinfachst hier ein wenig. Ich meine, nur weil Männer eine rechte (und linke) Hand haben, heißt das nicht, dass alle Männer nicht mehr nach Frauen suchen. Und so eine Puppe scheint in sexueller Hinsicht ja eher eine "Erweiterung" oder "Verbesserung" der Hand zu sein.
In anderer Hinsicht: Wenn einer - aus welchem Grund auch immer - keinen Bock auf Menschen hat oder nicht mit anderen Menschen kann, so soll er sein Glück halt auf andere Art verwirklichen, wenn es ihm hilft. Ich meine, was bringt es, sich dem gegenüber zu stellen und zu sagen: Alter, du bist krank! Renn lieber Frauen hinterher, vielleicht bist du eines Tages doch mal schneller als sie ...
Letztendlich sage ich ja nur: Jeder soll nach seinen Möglichkeiten "glücklich" werden, ohne deswegen als krank, pervers oder doof bezeichnet zu werden.
Grüße,
Ralph - der heute endlich mal Hirokazu Koreedas AIR DOLL schauen sollte ...
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#139
Geschrieben 07 Juni 2010 - 10:45
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#140
Geschrieben 07 Juni 2010 - 11:25
Zu den Puppen eine kurze Doku: http://www.dokublog....lieben/#more-68
Molo, ich denke, Du vereinfachst hier ein wenig. Ich meine, nur weil Männer eine rechte (und linke) Hand haben, heißt das nicht, dass alle Männer nicht mehr nach Frauen suchen. Und so eine Puppe scheint in sexueller Hinsicht ja eher eine "Erweiterung" oder "Verbesserung" der Hand zu sein.
In anderer Hinsicht: Wenn einer - aus welchem Grund auch immer - keinen Bock auf Menschen hat oder nicht mit anderen Menschen kann, so soll er sein Glück halt auf andere Art verwirklichen, wenn es ihm hilft. Ich meine, was bringt es, sich dem gegenüber zu stellen und zu sagen: Alter, du bist krank! Renn lieber Frauen hinterher, vielleicht bist du eines Tages doch mal schneller als sie ...
Letztendlich sage ich ja nur: Jeder soll nach seinen Möglichkeiten "glücklich" werden, ohne deswegen als krank, pervers oder doof bezeichnet zu werden.
Erstens: genau,
und zweitens macht man sich sicher schwer was vor, wenn man denkt, dass Sexualität beim Menschen nicht auch immer etwas mit Fetischisierung zu tun hat und teilweise über Dinge oder nicht unmittelbar sexuelle Handlungen vermittelt ist. Wenn einer Liebesgedichte schreibt, sagst man ihm ja normalerweise auch nicht: Mensch, was machst du da in deiner Vereinsamung, geh doch lieber mal biologisch poppen, wie der herrgott es gewollt hat!
Aber das ist eben so ein Ding mit dem Kulturpessimismus der dumpferen Variante: Man empfindet ein unbehagen an irgendwas, an diesen Sexpuppen oder diesem komischen Sprachduktus, oder man hat das unbestimmte Gefühl, irgendwelche Sachen über Deutschland "nicht sagen zu dürfen" (obwohl man es die ganze Zeit laut und vernehmlich tut und damit auch noch Erfolg hat) - und anstatt sich mal zu fragen, ob das eigene Unbehhagen nicht vielleicht eine Abwehrreaktion gegen Sachen ist, die das eigene Selbstbild infrage stellen, geht man lieber davon aus, dass mit einem selbst ja schon alles in bester Ordnung sein wird, nur der Rest der Welt geht den Bach runter, die ganze Kultur ist im Arsch, das merkt man ja schon so vom Bauchgefühl her. Und dann kann man sich gleich als mutiger Querkopf fühlen, weil man eben besonders laut das rausblökt, was so diffus im Bauch rumbrodelt und was ja alle anderen auch schon immer mal sagen wollten und sich nicht trauen, weil sie dann von allen anderen (sind das jetzt die selben alle anderen? Na egal ...) gebrandmarkt, diskriminert und pc-terrorisiert werden. Jaspers dankenswerte recherche bestätigt dieses Bild leider nur ...
R. Scott Bakker
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#141 Gast_Frank Böhmert_*
Geschrieben 07 Juni 2010 - 12:13
Zumal wenn man mehrere Monate intensiver Arbeit damit zubringt, das Ganze zu erzählen, möchte ich ergänzen.Man empfindet ein unbehagen an irgendwas, [...] und anstatt sich mal zu fragen, ob das eigene Unbehhagen nicht vielleicht eine Abwehrreaktion gegen Sachen ist, die das eigene Selbstbild infrage stellen
Was ich einen Jammer finde: SCHAUMSCHWESTER ist so ein schöner Titel und das Thema ja durchaus spannend -- jedenfalls erweckt Molo bei mir immer wieder diesen Eindruck --, da hätte ich mir doch erhofft, dass der Autor uns auch mal erzählt, wie (in diesem Zusammenhang passt es ja) geil das alles auch ist!
Die bisherigen positiven Äußerungen hier vermitteln mir diesen Eindruck nicht.*)
Damit scheint mir die Lektüre nicht so schmerzhaft und (böses Hippiewort, aber hier sitze ich und will nicht anders) bewusstseinserweiternd zu sein, wie sie sein könnte.
Um mal ein paar Marken zu setzen: Ich liebe Borat und die Monty-Python-Truppe, ich schätze William S. Burroughs, und ich respektiere de Sade. Die scheinen mir aber alle von einem ganz anderen Kaliber zu sein
-----
*) Oder kommt dieser Eindruck nur durch den Diskussionsverlauf zustande?
Bearbeitet von Frank Böhmert, 07 Juni 2010 - 15:04.
#142
Geschrieben 07 Juni 2010 - 12:32
*) Oder kommt dieser Eindruck nur durch den Diskussionsverlauf zustande?
Ich muss ja weiterhin gestehen, noch nicht viel von dem Buch gelesen zu haben, deshalb will ich meine Tiraden vorerst als Reaktion auf das Blogüberfleigen verstanden wissen. Wer weiß, ich muss ja immer noch die Chance einer Möglichkeit einräumen, dass das Buch ganz toll ist. Schließlich liebe ich auch Lovecaft oder China Mieville, auch wenn deren Ansichten und Haltungen mir teilweise zuwider sind ...
R. Scott Bakker
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#143
Geschrieben 07 Juni 2010 - 13:29
An sich ohnehin für mich die bisher beste Umsetzung des Themas Androiden als Partner: CHOBITS
Allerdings bevorzuge ich die Anime-Version gegenüber dem Manga, auch wenn die Anime-Serie ein wenig "aufgebläht" wurde und die "eigentliche" Handlung nicht voran kommt.
Mal noch was zum Buch. Ich finde das Format und die Aufmachung ziemlich gelungen.
Der Stil ist bis jetzt meistens gut, in seltenen Fällen etwas bemüht originell.
Bearbeitet von eRDe7, 07 Juni 2010 - 13:38.
R. C. Doege: Ende der Nacht. Erzählungen (2010)
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#144
Geschrieben 07 Juni 2010 - 14:53
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Ich weiß es im Moment schlicht nicht besser.
#145
Geschrieben 07 Juni 2010 - 15:05
... Da werden mir Facetten meines eigenen Empfindens und Meinens klarer...
Da ist was dran! Geht mir ähnlich. Bin ja grundsätzlich Pro-Kunkel, aber die Aspekte seines Denkens und Schreibens, die hier aus einer skeptischen Sicht beleuchtet werden, finde ich sehr interessant.
So z.B. deine Verteidigung der Puppen-Liebe (du hast da ja noch einen besseren Ausdruck gefunden, liebe/r eRDe7 zeigt, dass man da gar nicht so pessimistisch reagieren muss.
Was das Gesellschaftstier anbelangt, so ist das bisher ja nicht so eine Frage des Wollens, sondern des Müssens: Wir sind ja das was wir sind, weil wir zusammenarbeiten - können... Aber die SF zeigte ja schon immer, wo es hin gehen kann - und da sind Szenerien der individuellen Isolation ja nichts Neues - und oft auch nicht mal so übel gezeichnet (aber meistens schon, oder?).
Ob Thor Kunkel nun so der Verteidiger des (deutschen) Abendlandes ist, wage ich weiterhin zu bezweifeln. Es ist halt so, dass er seit "Endstufe" von einem politisch korrekten (vermeintlichen?) Standpunkt aus angefeindet wurde, und dies eben nicht gerade zach. Vieler seiner Äußerungen werte ich als Selbstverteidigung. Die Polemik gegen Littell fand ich damals aber auch daneben und klang etwas nach Futterneid.
Bearbeitet von T.H., 07 Juni 2010 - 19:21.
Phantastische Grüße,
Thomas
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#146 Gast_Frank W. Haubold_*
Geschrieben 07 Juni 2010 - 18:40
Ob Futterneid oder nicht, ich bin der Auffassung, daß Herr Littell und sein Machwerk jede Polemik verdienen, auch wenn sie den einschlägigen "Stellensuchern" noch so mißfällt. Dagegen ist die "Schaumschwester" regelrecht Hochliteratur.Die Polemik gegen Littel fand ich damals aber auch daneben und klang etwas nach Futterneid.
FWH
#147
Geschrieben 07 Juni 2010 - 19:07
Ach herrje, jetzt hab ich doch Kunkels Website angesehen, und das reicht mir alles schon. In einer Rezension von "Ökonomie der Zerstörung" von Adam Tooze heißt es gleich:
"Tooze gelingt es dabei hinlänglich bekannte geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen aus einer neuen ideologiefreien Perspektive zu betrachten. Der Holocaust ist in diesem Zusammenhang nicht mehr als ein Nebenkriegsschauplatz: (Im Vergleich mit 19 Millionen gefallener sowjetischer Soldaten und den insgesamt weit über 50 Millionen Toten des II. Weltkriegs, ist er das auch.) [...] Wer glaubt KZ-Folklore und ewiges Wiederkäuen längst bekannter Fakten, genüge das III. Reich zu erklären, der möge die Finger von diesem Buch lassen."
Kunkels "Rezension" ist wohl eine Einzelmeinung ... die Fakten scheinen ganz im Gegenteil nur mangelhaft bekannt zu sein: Habe just heute von Jürgen Rüttgers' pädagogischem Projekt gelesen, jedem Schüler in Deutschland einen Besuch der Gedankstätte Auschwitz zu ermöglichen.
http://www.welt.de/p...z-besuchen.html
http://www.juergen-r...ach-halten.html
(bitte diesen Link nicht falsch verstehen, das ist sicherlich mein erster und letzter Link auf seine "persönliche Homepage"...

@Jasper: danke schonmal für die sehr aufschlussreiche "Stellensuche"

- alles sehr prägnant und nachvollziehbar
Bearbeitet von UdoTascher, 07 Juni 2010 - 19:28.
#148 Gast_Frank Böhmert_*
Geschrieben 07 Juni 2010 - 20:12
Na, er hat ja auch einiges abgekriegt, unter anderem in Cicero, meinem Leib-und-Magen-Monatsmagazin. Der Artikel ist leider nicht online zu finden, nur ein Anreißer:Ob Futterneid oder nicht, ich bin der Auffassung, daß Herr Littell und sein Machwerk jede Polemik verdienen, auch wenn sie den einschlägigen "Stellensuchern" noch so mißfällt.
Ein scheußliches Buch
Durs Grünbein
Jonathan Littells Roman „Die Wohlgesinnten“ bewegt die literarische Debatte. Auch der Schriftsteller Durs Grünbein hat das Buch gelesen, sein Urteil: Littell sei ein Stück Antiliteratur, und trotz des Grauens „bierernste Bürokratenprosa“ -
Ansonsten ist das Bonmot mit dem Stellensuchen schon pfiffig; allein wird sich zwischen den Polen Aussagenbelegen und Stellensuchen eine subtropische Dunstzone befinden, in der jeder Kritiker der Kritiker auch Gefahr läuft, zum Stellensucher zu werden

Bearbeitet von Frank Böhmert, 08 Juni 2010 - 11:21.
#149 Gast_Frank W. Haubold_*
Geschrieben 07 Juni 2010 - 20:40
Och, dieses Risiko halte ich für hinnehmbar.Ansonsten ist das Bonmot mit dem Stellensuchen schon pfiffig; allein wird sich zwischen den Polen Aussagenbelegen und Stellensuchen eine subtropische Dunstzone befinden, in der jeder Kritiker der Kritiker auch Gefahr läuft, zum Stellensucher zu werden

Und außerdem kritisiere ich die "Kritiker" (wobei ich eine andere Bezeichnung wählen würde) inzwischen auch nicht mehr, weil es schade um die Zeit ist.
Gruß
FWH
#150
Geschrieben 08 Juni 2010 - 09:38
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