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Einstieg Science-Fiction-Roman Mater Terra

Leseprobe Science-Fiction

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5 Antworten in diesem Thema

#1 IngoKohlschein

IngoKohlschein

    Limonaut

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Geschrieben 10 Februar 2024 - 12:11

Hallo zusammen,

letztes Jahr hatte ich in diesem Forum angekündigt, einen Science-Fiction-Roman zu schreiben. Seit einigen Wochen ist die Rohfassung fertig, Umfang rund 112.500 Wörter. Das Manuskript liegt beim Lektor.

Es ist mir eine Freude, euch den Einstieg ins Buch vorzustellen. Euer Feedback ist willkommen.

 

--- Beginn Leseprobe
Ohrenbetäubend laut schrillte der hohe Ton durch die unterirdischen Wohnquartiere der Marskolonie in Hebes Chasma. Es folgten fünf Sekunden Pause, dann abermals der Alarm. Apoll presste sich die Hände auf die Ohren. Immer wieder erklang das durchdringende Geräusch. »Nicht die nächste Strafwoche. Ich habe es satt.« Apolls Messager an seinem Handgelenk zeigte 3:37 AM. Er rieb sich mit den schwieligen Händen die Müdigkeit aus den Augen. »Nur drei Stunden Schlaf, verdammt.«

 

Er sprang von der abgenutzten Pritsche, die er sich mit einem Kollegen aus der Bergbaumine teilte und zog seine Stiefel an. Wie fast alles in der Marskolonie waren sie mit rotem Staub bedeckt. Er schüttelte sich, um die Müdigkeit loszuwerden, und rannte zur Tür des Schlafsaals. Hunderte mehrstöckige Feldbetten reihten sich in dem großen Raum aneinander. Am Ausgang des Saals drängten sich viele Männer. Die meisten waren ähnlich muskulös, schmutzig und verschwitzt wie Apoll. Viele hielten sich die Ohren zu, um sie vor dem Signalton zu schützen. Apolls Freund Merkur eilte heran.

 

»Welcher Idiot ist diesmal schuld?«, rief Merkur. »Ich jedenfalls nicht«, fügte er mit mürrischem Gesichtsausdruck hinzu. Zusammen mit Tausenden anderer Männer bahnten sich Apoll und Merkur ihren Weg aus den Schlafsälen durch den schwach beleuchteten Gang zur Hauptröhre. Dort standen Wächter und brüllten. »Schneller, beeilt euch, schneller, schneller, los!« Mit Stöcken schlugen sie auf die Männer ein.

 

In der Hauptröhre warfen sich Apoll und Merkur mit den Anderen auf das Transportband aus schwarzem Gummi, das sich mit hohem Tempo am Boden der Röhre bewegte. Aus allen zehn Wohnquartieren der Kolonie stürzten sich Männer auf das Band. Sie stießen gegen andere, rempelten einander beiseite, traten und schlugen um sich und schrien: »Macht Platz!«, »Zur Seite!«, »Rückt endlich zusammen!« Apoll stöhnte vor Schmerz auf, als ein Mann mit voller Wucht auf seinen Beinen landete. Er und Merkur kauerten sich zusammen ein. Das band lief mit einer Geschwindigkeit wie ein schneller Dauerlauf. Das Aufspringen glich einer Mutprobe. Apoll hatte etliche Male blaue Flecken, Prellungen und Schürfwunden davon erlitten. Aber niemand wollte zu spät in die Arena kommen. Das würde alles nur schlimmer machen. Die fünf Strafen reichten. Sie hatten ab dem Moment, als der Alarm das erste Mal erklungen war, genau eine Stunde Zeit, bis der Countdown ablief.

 

Nach wenigen Minuten Fahrt auf dem Band rutschten Apoll und Merkur ruckartig nach vorn und prallten gegen die anderen Männer. Das Band senkte sich spürbar nach unten und führte in einem dunklen Schlund. Während Apoll nach den Beinen über sich griff, um Halt zu bekommen, sah er, wie ein Mann vom Band herunterflog und an die Wand der Röhre krachte. »Hoffentlich überlebt er den Abgang«, rief Merkur durch das brummende Geräusch des Transportbands. Apoll sah seinen Freund an, den er in dem schwachen rötlichen Licht kaum erkennen konnte, und nickte. Alle fünf Sekunden ertönte der Signalton durch die Röhre. Apoll kniff die Augen vor Schmerz zusammen.

 

Nach 25 Minuten endete die Tortur. Die Röhre mündete in eine große Halle mit drei hohen Toren an der gegenüberliegenden Stirnseite. Im Notfall würden diese Tore luftdicht verschlossen, um das Innere der Marskolonie vor einem Druckverlust zu schützen. Das Förderband verschwand in der Mitte der Transferhalle einfach im Boden. Apoll und Merkur rollten sich seitlich herunter und schlitterten durch den Staub. Alle rappelten sich so schnell wie möglich auf, um von dem Transportband wegzukommen. Ein Schrei drang durch die Halle. Apoll und Merkur blickten zurück. Zwei Männer rissen einen jungen Kerl von der Stelle fort, an der das schwarze Gummiband vom Boden der Halle verschluckt wurde. Panisch blickte er auf seinen rechten Arm, der in einem unnatürlichen Winkel zur Seite stand. »Oh nein, der ist mit seinem Arm in die Umlenkrolle geraten«, sagte Merkur mit einem Kopfschütteln. »Immerhin ist der Arm noch dran.« Unterhalb der Walzen verrotteten in der Dunkelheit abgetrennte Finger und Hände von Männern, die den richtigen Zeitpunkt zum Abrollen verpasst hatten. Da es in der ganzen Marssiedlung furchtbar stank, fiel der Geruch des verwesenden Fleischs nicht weiter auf.

 

Durch die offenen Tore der Transferhalle fielen erste Lichtstrahlen der aufgehenden Sonne. Jedes Mal war Apoll aufs Neue beeindruckt, wenn er durch eines der Tore trat. Wie hatten ihre Vorgänger diese Atmosphärenhülle bauen können? Sie bestand aus einem riesigen, transparenten Dach, das im Osten und Westen von hohen Wänden aus demselben durchsichtigen Material begrenzt war. Im Süden hinter der Transferhalle ragte der felsige Steilhang des Tafelbergs empor. Durch diesen Berg waren sie gerade mit dem Förderband rund 2.000 Meter in die Tiefe hinabgerast. Das nördliche Ende des Daches ließ sich mit dem bloßen Auge kaum ausmachen, denn es zog sich in schier endloser Länge über einen flach ansteigenden Hang hin, auf dem Vieh weidete und Gemüse und Getreide wuchsen. Vor diesem Anstieg lag ein weiteres Wunderwerk der ehemaligen Ingenieurinnen und Ingenieure: Ein großer See breitete sich in halbrunder Form unterhalb des Hangs aus. Das trübe Wasser schimmerte rötlich. Seine Oberfläche war glatt wie ein Spiegel, denn in der Halle rührte sich kein Wind und Fische lebten nicht in dem Gewässer. An seinem Ufer erhob sich die Arena mit ihren 100.000 Sitzplätzen.

 

---- Ende Leseprobe.

 

Wer mehr vom Texteinstieg lesen möchte, findet die vollständigen Szenen 1 und 2 hier: https://www.materter...pace/leseprobe/ - auch als Hörprobe und Youtube-Video. Ich bin sehr gespannt, ob diese audiovisuellen Angebote auch Interessenten anlocken...

 

Herzliche Grüße und danke für euer Interesse

Ingo

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#2 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

    Yvonne

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Geschrieben 11 Februar 2024 - 07:52

**** Disclaimer: Es folgt eine extrem subjektive Einschätzung! ***

 

 

Sehr Mainstream. Ich wäre hier weg:

 


 

Ohrenbetäubend laut schrillte der hohe Ton durch die unterirdischen Wohnquartiere der Marskolonie in Hebes Chasma. Es folgten fünf Sekunden Pause, dann abermals der Alarm. Apoll presste sich die Hände auf die Ohren. 

 

 

Alleine schon Ohrenbetäubend laut schritte der hohe Ton ...  

Die Formulierungen sind eben sehr mainstream, schon oft so gelesen, auch die Reaktionen der Figuren darauf sind uninteressant und stereotyp. Wenn ich so weiter querlese, fairerweise, weil du das hier mit uns teilst, finde ich dafür andere Beispiele.

 

 

Aber es gibt genügend Lesende, die total darauf stehen, daher ist es ja Mainstream (eine große Zielgruppe), daher muss ich da jetzt kein Maßstab sein. Ich bin eine Viellesende, die gern Page-Hugging betreibt, also immer auf der Suche nach richtig guten Büchern ist, die ich dann gern mehrmals mit großem Genuss lese. Irre viele Bücher werden von mir abgebrochen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mir weder sprachlich, noch intellektuell noch emotional irgendeine neue Erfahrung versprechen. "Mehr vom Gleichen" lese ich nicht, und ich habe den Eindruck, das ist das, was die Leseprobe mir hier verspricht. Plus, viel Action mit wenig Innensicht, das ist auch nicht meins.


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#3 rostig

rostig

    Temponaut

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Geschrieben 11 Februar 2024 - 09:16

Ich möchte mich dem anschließen: stilistisch und thematisch sehr konventionell, könnte mit etwas Überarbeitung aber für YA geeignet sein. In der o.g. weitergehenden Leseprobe folgt dann sehr viel Erklärbär und meine Reaktion war sofort Ablehnung: erst mit einer Aktionsequenz teasern und dann zulabern. Einzig die angedeuteten Herrscher "Gyne" wecken Interesse weiter zu lesen. Das würde mir aber nicht reichen, das Buch zu erwerben.



#4 IngoKohlschein

IngoKohlschein

    Limonaut

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  • 13 Beiträge

Geschrieben 11 Februar 2024 - 12:38

**** Disclaimer: Es folgt eine extrem subjektive Einschätzung! ***

 

 

Sehr Mainstream. Ich wäre hier weg:

 

 

 

Alleine schon Ohrenbetäubend laut schritte der hohe Ton ...  

Die Formulierungen sind eben sehr mainstream, schon oft so gelesen, auch die Reaktionen der Figuren darauf sind uninteressant und stereotyp. Wenn ich so weiter querlese, fairerweise, weil du das hier mit uns teilst, finde ich dafür andere Beispiele.

 

 

Aber es gibt genügend Lesende, die total darauf stehen, daher ist es ja Mainstream (eine große Zielgruppe), daher muss ich da jetzt kein Maßstab sein. Ich bin eine Viellesende, die gern Page-Hugging betreibt, also immer auf der Suche nach richtig guten Büchern ist, die ich dann gern mehrmals mit großem Genuss lese. Irre viele Bücher werden von mir abgebrochen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mir weder sprachlich, noch intellektuell noch emotional irgendeine neue Erfahrung versprechen. "Mehr vom Gleichen" lese ich nicht, und ich habe den Eindruck, das ist das, was die Leseprobe mir hier verspricht. Plus, viel Action mit wenig Innensicht, das ist auch nicht meins.

Hallo Yvonne,

 

deine Einschätzungen kann ich nachvollziehen, sicher ist das Buch als Mainstream angelegt. Die Handlung ist im weiteren Verlauf recht Action-lastig, das hast du richtig eingeschätzt. Sicher ein Buch eher für eine andere Zielgruppe als wahre Pagehugger... eher Pageturner... :happy:

 

Beste Grüße

Ingo


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#5 Kai Brassel

Kai Brassel

    Limonaut

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Geschrieben Gestern, 09:30

Dann gebe ich auch mal meinen Senf dazu. Für mich ist ein wichtiges Kriterium, ob und welche Spuren ein Text auch nach einigen Tagen noch in meinem Kopf hinterlassen hat. Heute Morgen waren mir von deinem Bucheinstieg noch einige Dinge präsent, was erst mal eine gute Nachricht ist:

  1. Ein Gefühl für die riesigen Räume (Kuppel, Arena) samt der Menschenmassen, die sich darin bewegen. Das kommt bei mir etwas von der Ästhetik eines Monumentalfilms rüber, was man nicht mögen muss, bei mir aber eigentlich immer eine positive, erhabene Stimmung erzeugt. (Vielleicht kommt es manchmal doch einfach auf die Größe an. Als Teenager war ich z. B. von der schieren Größe arkonidischer Kugelraumschiffe geradezu hingerissen – im Unterschied zu den mickrigen Raketen, mit denen Perry Rhodan unterwegs war).
  2. Für meinen Geschmack etwas zu grelle Beschreibungen (erster Satz, abgewinkelte Gliedmaßen). Ich merke, dass ich im Alter – bin jetzt über sechzig – immer geräuschempfindlicher werde. Ich will auch von einem Text nicht »angeschrien« werden, wie es z. B. In Fernsehen und Radio laufend passiert.
  3. Die Namensgebung nach griechischen Göttern hat mich irritiert. Sie wird hinterher erklärt, aber die Erklärung habe ich schon wieder vergessen (da war irgendetwas mit einem Nummernsystem …)
Damit kommen wir zum großen Problem, dem ich als Neu-Autor auch immer wieder gegenüberstehe, dem Infodump. Die Profis hier kennen bestimmt eine Menge Tricks, um die nötigen Informationen besser in die Geschichte einzubauen, als sie einfach nur zu berichten. Die würde ich auch gerne kennen ;-).
 
Ich komme ja aus der Softwareentwicklung. Und da ist eine der für Anfänger oft irritierende Einsicht: Die besten Programmzeilen sind die, die man nicht schreibt. Man denkt, man wäre produktiv, wenn man viele Programmzeilen schreibt. Meist ist aber das Gegenteil der Fall, denn jede geschriebene Programmzeile erhöht die kognitive Last der Leserschaft – ja, Programme werden auch für Menschen geschrieben – und verkompliziert Architektur, Test und die Wartung der Software. Entsprechend versuche ich in meinen Texten nur die Informationen unterzubringen, die inhaltlich oder atmosphärisch für die Geschichte wichtig sind. Beispielsweise habe ich noch die elaborierten Regeln des Punktesystems zu Bestrafung im Kopf, die aber wahrscheinlich in diesem Detail später keine Rolle mehr spielen werden. Als Autor befriedigt es meine kreative Ader, wenn ich solche Details ausarbeite, aber diese verstellen m. E. oft den Blick auf das große Ganze.

Nichts ist praktischer als eine gute Theorie.

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#6 Rezensionsnerdista

Rezensionsnerdista

    Yvonne

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Geschrieben Gestern, 09:43

 

Damit kommen wir zum großen Problem, dem ich als Neu-Autor auch immer wieder gegenüberstehe, dem Infodump. Die Profis hier kennen bestimmt eine Menge Tricks, um die nötigen Informationen besser in die Geschichte einzubauen, als sie einfach nur zu berichten. Die würde ich auch gerne kennen ;-).
 
 

 

 

Wäre sicher auch einen extra Thread wert (in der Autorenwerkstatt vielleicht), die Autorin Mary Robinette Kowal hat beim MetropolCon einen Vortrag dazu gehalten "Hide information in plain side" oder so, war sehr cool. 

 

Ich bin im Team "die meisten Informationen brauchen die Lesenden eh nicht" :-). Aber lass uns das gern auslagern, wenn du Lust hast.


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