Zine-Report 2026 – 5. BAWUEMANIA 15. Zeitschrift für Phantastik. September 2025
BWA
Einst, vor kurzem sozusagen, war ich noch Leser des Fanzines BWA – Baden-Württemberg Aktuell. Allerdings auch nur einen recht kurzen Zeitraum lang, gemessen am sehr langen Bestehen des Clubs und des Fanzines. Daher kannte ich diese Magazin-Reihe gar nicht, die hier mit der Ausgabe 15 nach langer Zeit fortgesetzt wird.
Das „Heft“ ist schon gar keines mehr, eher ein richtiges Paperback, gebunden, mit über 150 Seiten. Schon eindrucksvoll. Das Titelbild hat mir auch erst mal gleich gefallen. Allerdings, obwohl es wie eine Zeichnung aussieht, ist es leider doch nur so ein KI-Dingens. Na ja, immerhin: Was die schon alles kann.
Insgesamt findet man im Buch weitere KI-Bilder. Das gefällt mir nicht, aber was hab ich schon zu sagen. Die Texte sind jedenfalls kein AI-Slop! Neben einigen Stories, sind es auch Artikel, Rezis, Essays, die mir vor allem auch deshalb gefielen, weil sie oft sehr persönliche Statements darstellen und subjektive Eindrücke widerspiegeln.
Unter den Autorennamen findet man gleich ein paar bekannte. Uwe Hermann beginnt den Reigen mit einem „Reisebericht“. Da stützt der Erzähler durch Zeiten und Räume. Das erinnerte mich sogleich an den Film „Everything Everywhere All at Once“, nur leider ohne Action. Der Perspektivwechsel zum Schluss ist dann auch nicht so dolle überraschend. Die Story erschien mir fast wie eine Fingerübung, die man auch beliebig erweitern könnte. Und – was sonst eher nicht meine Art ist – muss ich besserwisserisch anmerken, dass m.M.n. auch so ein paar kleine Logikfehler enthalten sind. Das ist z.B. ein warmer Regen erfrischend. Naja, kann ja sein, kommt ja drauf an, wie warm es sonst ist? Und: Der Protagonist ist als Pragmatiker nur an Lösungen interessiert, nicht an der Suche nach den Ursachen; ein paar Zeilen weiter möchte er aber doch wissen, was da „der Auslöser“ ist.
Martin Eisele setzt fort, mit der überarbeiteten Version einer Story die schon mal im EXODUS 26 stand. Der Aktualisierung tut der Story gut, man wird komplett in der Gegenwart abgeholt, obwohl wir in die nahe Zukunft entführt werden. Die Schreibweise erinnert mich an Cyberpunk, ist auf jedenfalls dystopisch. Insgesamt recht distanziert und kühl im Stil. Na ja, angemessen dem Inhalt und der Aussage. Und dem Zeitgeist entsprechend – leider. Ich kam etwas schwer rein in den Text und er erschien mir auch inhaltlich mitunter etwas überstreckt (als wäre er der Beginn eines längeren Werkes, das dann irgendwann alles Angesprochene zusammenfügt).
Michael Sagenhorn setzt mit einer astreinen Urbanen Dark Fantasy fort: „Schwarzblut“. In naher Zukunft ist die Ozonschicht im Eimer. Das verursacht aber nicht nur den Menschen, sondern auch anderen Wesen großes Ungemach. Und so müssen Menschen und Vampire nach einer Lösung suchen, denn unter letzteren versuchen die neuen Licht-Umwelt-Verhältnisse eine verehrende Seuche. Um das Problem anzugehen, wird so ein „Schwarzblut“ als Proband benötigt. Jo, hat mir gefallen.
Gerhard Huber bietet eine lustige Mensch-Maschine-Beziehungskiste an, die mich in die 60er zurückversetzt, als es sowas auch schon gab, also lange bevor „KI“ noch kein Mainstreambegriff war. Jetzt ist das, was wir da lesen können, sogar wahrscheinlicher als damals.
Michael Baumgartner hat auch eine Story beigesteuert. Er erzählt uns einen Near-Future-Krimi aus London. Er könnte aber auch in Berlin, oder Stuttgart spielen – oder? Es geht um Mietwucher, Wohnungsknappheit und die Tricks und Betrügereien, die sich darum entspinnen können. Und außerdem hat jede Wohnung dann auch eine KI, die so ihr eigenes Ethos hat. Gut geschrieben, mit menschelnden Accessoires.
Der Titel von Martin H. Schmitts „Im Schatten von Beteigeuze“ führte mich erst mal auf die falsche Spur. Es geht nicht ins All. Es ist eine tottraurige, trotz ihrer Kürze (ca. 2 Seiten) mich doch anrührende literarische Skizze über die Zeit nach dem Ukrainekrieg, die am Ende auch eine Vorgeschichte zur ukrain. Variante von „Metro 2033“ sein könnte.
Noch eine Kürzeststory, von Natalie Tricarico: „Nichts bleibt ewig“. (Ja, wir wahr.) Ist eine Tierphantasie über das Leben, Hoffen und Sterben von Spinnen.
Jetzt kommt der Sekundärteil. Uwe Lammers beginnt. Er hat ein tolles Buch über Frank L. Baum gelesen (hab mal nachgesehen, das könnte man erwerben, ist aber nicht ganz billig) und fast dessen Aussage mit eigenen Lektüreerfahrungen zu Baums Oz-Büchern zusammen. Sehr interessant!
Uwe meint eingangs, der „Wizard…“ würde oft in Kreisen der Phantastik-Fans gering geschätzt. Die Bücher-Serie würde doch mehr enthalten, was man nur erkennt, wenn man sie genauer liest.
Weiter unten meint Uwe noch, dass der „detaillierte Inhalt den meisten Lesern vermutlich weitgehend unbekannt“ sei (S. 91). Seite 94 kommt noch die Aussage, dass Baums Geschichten in Deutschland nicht so bekannt sind (wie in Amerika; was sicher auch stimmt).
Das alles lässt meiner Meinung nach etwas außer Acht: Vielleicht ist das unter den Lesern der ehemaligen DDR doch noch etwas anders. Allerdings hatten wir nicht die Originale von Frank L. Baum, sondern die Adaption von Alexander Wolkow, der (und andere) die Reihe auf eigenen Wegen fortsetzte. Und diese Bücher waren auf alle Fälle bei „uns“ sehr populär!
Das 1. Buch (Zauberer von Oz) ist ziemlich identisch; und ich behaupte daher, dass ein Teil der deutschen Leserschaft das Buch doch ziemlich genau kennt und es auch liebt! (ich kenne jedenfalls niemanden, der dieses Buch gering geschätzt hätte.)
Uwe weist auch darauf hin, dass das Buch damals, zur Entstehungszeit, anders gelesen wurde als heute, weil es damals aktuelle Bezüge hat, die heute eher keine Rolle mehr spielen. Ja, das war mir auch bekannt – und rätselhaft. Aber selbst David Graeber hat in seinem Buch „Schulden. Die ersten 5000 Jahre“, in dem es um die „Erfindung“ des Geldes etc. geht, auf Baums „Wizard…“ hingewiesen. Baum war politisch interessiert und hat mit seinem vermeintlichen Kinderbuch so ein bisschen „politische Aufklärung“ betrieben.
Dass man ihm aber „sozialistische Umtriebe“ in der McCarthy-Zeit vorwarf, ist dann echt schon ziemlich absurd, oder? (Graeber sagt da eher das Gegenteil) – Danke, lieber Uwe, für die interessanten Einblicke und Anregungen!
Jürgen Thomann schreibt! Hey, das ist Klasse – und lange her, als er sein Fanzine rausbrachte. Jetzt also über Ph. K. Dick. Sehr persönliche Leserfahrungen die er da auffrischt und uns präsentiert. (Eins muss ich aber erwähnen: Der Film „Die Körperfresser kommen“ und entsprechende Nachfolger basieren auf einem Roman von Jack Finney, da dürfte Dick eher keine Rolle gespielt haben. (Oder gibt es da doch eine Verbindung – so nebenbei?)
Hat mir jedenfalls sehr gefallen, wie Jürgen über die Wirkung des Gelesenen auf sich schreibt.
Dann: 2 x über Comics von Hofmann – also, von Armin Hofmann (mit dem ich – Thomas Hofmann – nicht verwandt bin), dem Bruder von Matthias Hofmann, der bekanntermaßen sehr viel mit Comics zu tun hat. Aber Armin schreibt auch sehr interessant über seine Lektüreerfahrungen. Bei der Bio-Graphic-Novel über George Lucas erzählt er sehr persönlich über seine Sicht auf STAR WARS. Und seine Rezi über „Die Gesellschaft der Tiere“ hat mich sogleich dazu animiert, mir auch den ersten Band zu ordern.
In den Film-Rezis geht es vor allem um Seherlebnisse und -erfahrungen aus der eigenen Jungendzeit der Rezensenten. Demnach kann ich davon ausgehen, dass ich ähnlich alt bin wie sie – aber eben auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs gelebt habe. Die Filme kenne ich alle inzwischen auch, aber damals konnte ich sie nicht im Kino sehen. Hatte es mir aber immer vorgestellt und auch gewünscht. Ein wenig kann ich ihre Nostalgie nachvollziehen und auch gut verstehen.
Um mich zu wiederholen: Bin recht angetan von den vor allem persönlich gehaltenen Sichten auf die geliebten Phantasie-Welten; hat mir großen Spaß gemacht!
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