Spätsommerliche Leselistenfortsetzung (08 & 09 / 2026)
Edwin Erich Dwinger Franz Fühmann Helmut Hirsch Eilverse Prag Klaus Mann

Das hab ich also nach dem Sommerurlaub gelesen. Ein Buch als "Beute" aus dem Urlaub, ein Buch als "Vorbereitung" zum ElsterCon, zwei Bücher im Zuge der Vorbereitungen für ein Themenheft des NEUEN STERNS, ein paar Bücher, die mir auf meiner Suche nach Wahrheiten weiterhelfen sollten und ein Buch, dass mich echt sehr positiv überrascht und unterhalten hat.
Edwin Erich Dwinger: „Sibirisches Tagebuch. Armee hinter Stacheldraht“
Der Band enthält 2 Romane des Autors:
„Armee hinter Stacheldraht“ und „Zwischen Weiß und Rot“
Habe erst einmal das erste Buch gelesen, das zweite begonnen, weiß aber nicht, ob ich die Lektüre fortführe. Warum? Ich glaube, da muss ich mehr als einen Satz zu loswerden.
Das Buch habe ich gekauft und begonnen zu lesen, weil ich ein anderes Buch von ihm auf dem SUB habe, das SF ist. Ich wollte jetzt mal schauen, wie doch relativ berühmte Autoren, deren SF eher unbekannt ist, SF schreiben.
Dwinger ist berühmt oder besser: Er war es. In den 20er und 30er Jahren war er ein viel gelesener Autor. Er gehört sicher nicht zur progressiven Fraktion, aber er wurde sowohl von Konservativen, Rechten und Linken gelesen. In diesen beiden Büchern verarbeitete er – sehr unmittelbar, halt tagebuchartig – seine Erlebnisse in russischer Gefangenschaft, in die er als sehr junger Soldat im 1. Weltkrieg geriet. Groß zum Kämpfen kam er nicht, wurde als Fahnenjunker einer berittenen Einheit sehr schnell von Kosaken geschnappt und begann eine „Karriere“ in russischen Gefangenenlagern. Auch über die Zeit der russischen Revolution (Februar- und Novemberrevolution 1917) hinweg.
Was er da erzählt, ist absolut spannend und sehr interessant, aber auch hart, harsch und brutal. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund.
Generell muss man ihm auch bescheinigen, dass er zwar zu den Kriegsfreiwilligen und Kaisertreuen gehörte, aber im Laufe seiner Gefangenschaft mit Argumenten gegen das Kaiser-Regime und die Kriegsbegeisterung konfrontiert wurde und selbst Zweifel äußerte. Meiner Meinung nach positioniert er sich nicht eindeutig, aber er beschönigt auch nichts: Was die Umstände der Gefangenschaft anbelangt, aber auch die Haltung seiner „Kameraden“, denen er grundsätzlich positiv gegenübergestimmt ist, aber auch ihre Grenzen, Schwächen und Bösartigkeiten erkannte.
Die Umstände der Gefangenschaft: Krankheiten, Hunger, Folterungen, aber auch Homosexualität unter den Gefangenen, schildert er freimütig und anschaulich. Mitunter dann eben auch drastisch.
Im Zuge der Revolutionsunruhen kommt er zu weißgardistischen Truppen. Dadurch kann er zwar dem Gefangenenlager entkommen, hat aber neue „Probleme“. Ich kam beim Lesen bis zu seinem Eintritt in die Weiße Garde, aber habe dann etwas das Interesse verloren. Das Buch hat keine „echten“ Höhepunkte, wie ein Roman, ist ja ein Tagebuch. Daher hatte ich irgendwann gedacht, dass er mir jetzt nichts Neues mehr erzählen kann. Aber vielleicht irre ich mich? Und ich lese doch noch weiter?
Die Grausamkeiten wurden von allen Seiten angewandt und ausgeübt. Das schildert der Autor auch eindringlich, ist also kein antikommunistisches Machwerk. Jedenfalls nicht nur …
Der Autor war bei den Nazis recht gut angesehen, hat sogar einen Literaturpreis erhalten (der frisch gegründet wurde und den er als erster erhält). So richtig kann ich es – noch, nach 1 + einviertel Buch – nicht einschätzen, ob die Nazis sich da nicht geirrt hätten. Der deutsch Nationalismus kommt eigentlich nicht so gut weg, zumal der Autor auch russischen Ahnen hatte und schon deshalb so zwischen den Stühlen lebte und dachte.
Insgesamt sehr interessant und überraschend gut geschrieben. Bin jetzt dann doch mal auf sein SF-Buch gespannt, dass er nach dem 2. WK schrieb. Kann aber noch etwas dauern …
8 / 10 Punkte
Franz Fühmann: „Barlach in Güstrow“
Nur eine Erzählung, aber als Extrabuch erschienen, Reclam Leipzig. Für mich gerade ein „aktuelles“ Buch. Dazu vielleicht später etwas mehr. Mal sehen. Mir hat das Buch auf jeden Fall, trotz der schweren, exakten, metaphernreichen Sprache sehr gefallen! Ein herausforderndes Lektüreerlebnis. Und es hat mir den Künstler Barlach nähergebracht, was ich gar nicht vermutet hätte, denn den hatte ich nie so auf der Agenda, war mir nicht wichtig. Habe das Büchlein wegen Fühmann, nicht wegen Barlach, gelesen. Aber es hat sich gelohnt!
9 / 10 Punkte
Alexander Raschle: „Réduit“
orte Verlag, 2026
Wenn man schon mal ein paar Urlaubstage in Basel verbringt, muss man doch auch schauen, ob es da tolle Bücher gibt, die es in deutschen Buchläden nicht gibt. Allerdings sollte man nicht so genau hinschauen, wenn man sich die gute Laune nicht verderben lassen möchte. Die Preise …
Aber ich war neugierig auf diesen (mir) neuen Namen (und es ist ja auch noch ein sehr neuer Name) und auf das Buch. Den Begriff, den das Buch als Titel trägt, kannte ich nicht. Na, kann man ja nachschlagen. Ist ein schweizerischer Begriff und beschreibt genau den Ort des Geschehens in dem Roman: Ein Rückzugsort, quasi eine Rückzugsfestung für den Fall eines Angriffs im 2. Weltkrieg. Dorthin werden Rekruten hinbeordert, die ihren „Wiederholungsdienst“ absolvieren sollen.
Die Zeit, wann das spielt, wird auch genannt, zumindest auf dem Buchumschlag: Kalter Krieg – oder doch 90er Jahre?
Diese Bergfestung bietet in ihrer Abgeschiedenheit die richtige Brutstätte für Psychosen und den Ausbruch psychologischer Konflikte zwischen den Soldaten. Genau das passiert, exemplarisch anhand von vier Protagonisten. Die haben alle ihre „Leichen“ im Keller und wenn sie sich gegenseitig genug löchern, kommen die alle zutage.
Aber irgendwie habe ich dann doch – trotz der Kürze des Textes – den Faden verloren. Gibt es da einen „Ernstfall“, der dazu führt, dass die Rekruten nicht wie vorgesehen ihren Dienst beenden können und daher weiterhin in dem Bunker verweilen müssen? Was ist passiert? Wird m.M.n nicht erläutert. Dafür gibt es Sachen, die aber irgendwie auch wieder nicht geschehen sind (Flucht eines Protags z.B.) – bin mir aber unsicher. Das alles ist auch psychotisch aufgeladen. Darum geht es wohl auch. Muss aber gestehen, dass mich das Ganze nicht so richtig packte.
7 / 10 Punkte
Jan Robert Weber: „Sklavenjagd und Menschenhandel“
Europa und Afrika im Bann des Minotaurus. Fröhliche Wissenschaft 268. Matthes & Seitz Berlin 2026
Zwei Trigger haben mich animiert, zu dem Buch zu greifen. Da war zum einen ein kleines Video, in dem der Autor über das Thema einführte und sein Buch anpries. Das machte er für mich sehr überzeugend und anregend. Dann las ich (Punkt 2) den Untertitel. Und der regte auch sofort meine Phantasie und Neugier an: Ein seriöser Historiker greift zu so einer Metapher, die ja einem Surrealisten sogleich ins Auge und Gemüt fallen muss! (Er erklärt diese Metapher natürlich.)
Also, er hatte meine Aufmerksamkeit und ich kaufte und las das Buch sofort – was für mich sehr ungewöhnlich ist (eher wächst bei so einer Aktion mein SUB).
Und? Ich war keineswegs enttäuscht. Der Autor entführt in das Dunkle Zeitalter, das Frühmittelalter Europas. Und hier habe ich das erste Mal begriffen, warum es so finster war und so finster geworden ist, also den Glanz der Antike verloren hatte und auch für eine gewisse Zeit sich nicht entwickeln konnte.
Erst dachte ich, das ist eine zu monothematische Sichtweise: Sklavenhandel – am Ende, nach der Antike, also der klassischen Sklavenhaltergesellschaft? Und das soll so ein großes Ding in Europa des Frankenreichs gewesen sein? Echt? – Der Autor: Ja! – War für mich neu. Sklaverei und vor allem die Jagd auf Menschen in Europa, in Bereichen des und der Frankenreiche (vor allem Ostfrankenreich, also der Vorläufer Deutschlands) führte zu einem echten Ausbluten des Landes und der Menschen, die hier lebten.
Das schildert der Autor sprachlich ansprechend und mitreißen. Klar, viel Redundanz dabei, aber das störte mich keineswegs, denn so hämmerte sich der Gedanke besser ein.
Er vergleicht die Entwicklung des großangelegten Sklavenhandels im Frühmittelalter also so 8. Bis 10. Jahrhundert, in Europa, Mittelmeerraum und Afrika miteinander. In Europa gelangt nach einer sehr finsteren, bösen Zeit, das „Problem“ zu lösen, in Afrika nicht. In Europa war es dann gut ein Jahrhundert, in Afrika ein Jahrtausend, in dem große Gebiete, auch entwickelte, aber ohnmächtige Zivilisationen, sog. slaving zones wurden, Quellgebiet für Menschen als Ware – und das im ganz großen Stil! Das war wohl kein Nebenverdienst bei den Wikingern z.B., sondern deren Hauptziel und Erwerbsquelle.
Für mich, der ich mich schon fragte, warum denn nach dem Untergang des Römischen Reiches so viel verschütt ging, hat sich hier einiges geklärt. Danke dafür!
10 / 10 Punkte
Theresa Hannig: „Parts Per Million“
Eine Autobiografie? Ein Roman in der Ich-Form, erzählt von einer Radikalisierung bei der Suche nach einem neuen Romanstoff, den die Schriftstellerin umsetzen möchte. Na, ich denke mal nicht – also, dass es hier autobiografisch zugeht. Aber der Plot ist schon mal sehr raffiniert angelegt.
Vielleicht hilft diese Form der Identifikation von Autorin und Protagonistin ja, das Thema unmittelbarer auf sich, als Leser, wirken zu lassen. Bei mir hat es auf jeden Fall so gewirkt. Ich war von der ersten bis letzten Zeile gefesselt. Das Thema finde ich ohnehin relevant und bin ähnlich desillusioniert und enttäuscht von der Politik, wie es den Protagonisten geht. Bei mir hat der Roman alles Nerven erfasst. Glatte 10 / 10 Punkte
Volin: „Der Aufstand von Kronstadt“
Es gibt scheinbar nicht viele Bücher über den Matrosenaufstand von Kronstadt 1921, „der Volin“ dürfte da ziemlich allein dastehen, oder? Nachdem ich „Kronstadt“ als Synonym für das Umdenken linker Leute in Bezug auf die Sowjetunion und Bolschewiki bei Arthur Koestler u.a. kennen gelernt habe, wollte ich nun endlich mal etwas Fundiertes dazu lesen. Leider hat mich diese Aneinanderreihung von Dokumenten und wenigen nüchternen Erzählungen dazwischen nicht abgeholt. Das Büchlein hat im Grunde mein Verständnis dieses Ereignisses nicht wirklich bereichert – in dem Sinne, dass ich mehr darüber erfahren konnte, als ich zuvor durchaus schon wusste.
Ich lasse hier aber mal eine Wertung weg, die wäre ungerecht.
Helmut Hirsch: "Die Eilverse-Verschwörung"
Edition SOLAR-X, 2024
Sehr amüsante Fast-First-Contact-Story aus dem hannoveranischen Hinterland. Der Autor verarbeitet Sagen und die Geschichte des Ortes Eilverse in diversen kurzen Romanen, von denen es inzwischen bei der Ed. SX drei gibt. Ich bin da neugierig geworden, und habe mit der Reihe vorn angefangen; der Rest kommt auch noch dran, denn die Lektüre hat mir echt große Laune gemacht.
Ausgangspunkt ist ein Eintrag in der mittelalterlichen Ortschronik, die eventuell auf einen Absturz von Außerirdischen schließen lässt. In der Gegenwart könnten sie wiederkommen, oder? Auf jeden Fall kollidiert diese Idee mit dem Plan, im Ort eine Photovoltaik-Anlage zu bauen. Diverse Gruppen werden auf den Plan gerufen und steigern sich in den Gedanken, gleich mit Aliens Kontakt haben zu können, hinein. Ob das mal gut geht?
10 / 10 Punkte
Michal Ajvaz: „Die andere Stadt“
Allee Verlag 2025, übersetzt von Veronika Siska (das muss eine schwere und daher Meisterarbeit gewesen sein)
Ein mir komplett neuer Autor, der aber wie ein Geheimtipp wirkt, und das schon seit den 90ern. Warum ist der an mir so gänzlich vorbeigegangen? Dabei trifft das Sujet, dem er sich widmet, den phantastischen Geheimnissen unserer vermeintlich bekannten Welt, also ein eher surrealistisches Setting, so ganz meinen Geschmack. Ich dachte, ich müsse ihn mögen und las voller Vorfreude und Erwartungen.
Leider wurde ich enttäuscht. Ich lass mich dazu länger in dem NEUEN STERN aus, der sich der tschechischen Phantastik widmen wird. Aber so viel will ich sagen: Das ist ein phantasmagorisches Geschlinge, es könnte so großartig sein. Ich las auch voller Enthusiasmus und mit staunenden Augen los. Aber irgendwie kam es zu keinem richtigen Plot – oder der ging in dem sehr phantasievollen Wust einfach unter. Das ist so Schade, finde ich – für mich zumindest. Er wird oft enthusiastisch gefeiert, wenn er erwähnt wird, leider hat es bei mir nicht gezündet.
Keine Punkte
Auguste Hauschner: „Der Tod des Löwen“
Homunculus Verlag, 2019
„Der vergessene Prag-Roman“ steht da auf dem toll gestalteten Cover als Untertitel. Das Caver zeigt einen liegenden Löwen, der Titel ist in Gold geprägt. Ein schönes Buch! Und tatsächlich auch viel besser in meinen Augen, als das, was ich davor gelesen habe.
Es geht um die letzten Lebenstage des seltsamen, irgendwie geheimnisvollen und vielseitig interessierten Kaisers Rudolf II., der aber politisch, staatsmännisch eher nicht so pralle war. Dafür hat er alle möglichen Wissenschaftler und Alchimisten um sich geschart, was ich sehr interessant finde, und womit ich mich ohnehin noch mal näher beschäftigen möchte.
In dem Roman wird der Kaiser allerdings in kein gutes Licht getaucht. OB das so stimmt? War er so herrisch, so ungerecht, so launisch? Und am Ende, als alter Mann, inmitten vieler schwerer politischer Konflikte, krank und schon paranoid, auch noch in ein minderjähriges Mädchen verknallt.
Das alles muss ja schiefgehen. Und wie es schiefgeht, erzählt die Autorin in einer sehr schönen, natürlich antiquierten, aber dadurch durchaus passenden Sprache. Hat mit gefallen!
8 / 10 Punkte
Omar El Akkad: „American War“
Die USA leiden unter dem Klimawandel. Küstenstädte sind vom Meer überspült, lösen Binnenmigration aus. Um dem Klimawandel entgegenzutreten, vielleicht auch, weil die Ressourcen einfach mal zu Ende gehen, wird die Nutzung der fossilen Brennstoffe verboten. Das wollen die „Freien Südstaaten“ nicht mitmachen. Ähnlich wie beim ersten Bürgerkrieg entsteht , wie mir scheint, das Rebellentum, der verständliche Widerstand gegen Bevormundung, aufgrund enes eher reaktionären Grundes. Wie auch immer, wir haben also 2075 den 2. Bürgerkrieg, der 20 Jahre dauert und mit einer Riesenepidemie, dem letzten Akt des Krieges, enden wird.
Im Zentrum der Geschichte steht ein Mädchen, später junge Frau und gesuchte Terroristin. Anhand ihres Werdegangs erlebt der Leser, was aus der tiefen Spaltung der US-Gesellschaft so werden kann. Das Buch ist spannend und teilweise echt ergreifend. „Gefallen“ kann es aber kaum.
Für den Roman an sich gebe ich 8 / 10 Punkte.
Franz Fühmann: „Der Sturz des Engels. Erfahrungen mit Dichtung“
Dtv 1985
Das Buch, bzw. der Text, geistert wohl auch in anderer Form in der Buchwelt herum. Ich habe hier also die „West-Ausgabe“ und weitestgehend ohne die Gedichte von Trakl. Allerdings sind im Anhang doch einige davon enthalten. Aber es gibt dann ja noch die zweibändige Ausgabe, primär also ein Gedichtband von Trakl und dazu dieses sehr lange Nachwort von Fühmann.
Ein bisschen habe ich mich gequält, weil ich dann doch nicht so der supergroße Trakl-Fan und schon gar nicht -Kener bin. A konnte ich Fühmann nicht immer so ganz folgen. Für mich wurde es dann am interessantesten, wenn Fühmann über sich schreibt, denn seine Trakl-Liebe ist ganz stark mit seiner eigenen Biografie verbunden, die ihn durch die ideologischen Wirrungen und persönlichen Lebenssituationen führte. Das ist einfach großartig, geht (mir) echt nahe!
Und die biografischen Infos zu Trakl selbst, die lesen sich auch sehr gut und flüssig. Insgesamt habe ich das Buch sehr stark häppchenweise gelesen, über Monate hinweg. Mich immer mal drin verloren, bis ich merkte, dass mein Aufnahmehorizont erreicht ist. Das ist schon ganz große Literatur!
Punkte? Ist eigentlich vermessen, wenn ich mir hier eine Wertung anmaße, daher mache ich mal 10 / 10.
Klaus Mann: „Alexander. Roman der Utopie“
2017 schon mal gelesen. Jetzt, animiert durch den Film „Vaterland“, in dem von der Reise von Thomas Mann (und historisch nicht ganz korrekt, von Erika Mann) 1949 durch „beide Deutschlands“ um 2 Goethepreise in Empfang zu nehmen, erzählt wird, in dem Klaus Mann eine sehr eindrucksvolle Szene bekam, wollte ich wieder etwas von Klaus Mann lesen. Seinen Alexander-Roman hatte ich noch in guter Erinnerung, aber auch, dass ich am Ende nicht wirklich so 100%ig zufrieden damit war. Ich lebte die ganze Zeit mit dem Gedanken, den Roman damals zu schnell, zu unaufmerksam und damit nicht genussvoll genug gelesen zu haben. Na ja, diesmal gelang es mir besser, glaube ich.
Der Roman ist kurz und daher gut zu bewältigen. Der Autor verdichtet enorm und fordert dadurch stark die Aufmerksamkeit des Lesers. Die hatte er diesmal von mir auch bekommen.
Mir ging es auch noch mal darum, zu erkennen, wie das mit dem Untertitel gemeint ist und inwiefern der Text diesem überhaupt gerecht wird., Da hatte ich nach dem ersten Lesen auch so ein Gefühl, dass nicht …
Die Utopie einer geeinten Welt, der damit verbundene Wissenszuwachs, wird als – nicht klar formuliertes – Programm von Olympia, Alexanders Mutter, vorgegeben. Alexander, ausgebildet von dem Philosophen Nr. 1 seiner Zeit, Aristoteles, der hier bei Klaus Mann auch nicht so sonderlich gut wegkommt, kann Alex‘ Fragen auch nicht alle zufriedenstellend beantworten.
Dass Alexander zum despotischen, größenwahnsinnigen Gewaltherrscher wird und im Grunde dem Wahnsinn anheimfällt, ist dann die historische Tragik, die Klaus Mann sehr eindringlich beschreibt. Diese Utopie kann am Ende eben doch nicht erfüllt werden.
Hier noch mal mein alter Eindruck: Februar - alte (Lektüre-) Liebe aufgewärmt - SF-Netzwerk
Heute gebe ich 10 / 10 Punkte.

Benutzerdefiniertes Design erstellen


