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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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Leseliste 1.Mai bis Sommeranfang 2024

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 21 Juni 2024 · 405 Aufrufe
Leo Perutz, Team Feuerernte

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Emma Braslavsky: „Erdling“
Rekord: So schnell habe ich – als Erwachsener* – kein Buch wiederholt gelesen. Es ist kein halbes Jahr rum. Aber hier hatte ich natürlich einen Grund. Werde am 30. Mai eine Lesung der Autorin im Literaturhaus Leipzig, eingeladen vom Freundeskreis SF Leipzig moderieren / bzw. moderiert haben. Da muss ich mich doch vorbereiten. Ansonsten gilt, was ich damals geschrieben habe. Bin nach wie vor von dem Werk begeistert. Diesmal habe ich noch mehr auf die „Nebenfiguren“, also die ständigen und temporären Reisebegleiter von Emma Andreas geachtet. Wobei mir mehr als zuvor klar wurde, dass Hanns Heinz Ewers eigentlich keine Nebenfigur ist, sondern vielleicht sogar DIE Hauptfigur? Muss ich die Autorin mal fragen, warum sie denn nicht gleich eine Biografie des Schriftstellers geschrieben hat, der so viel mehr als „nur“ ein Schriftsteller war.
*) Als Jugendlicher hatte ich das schon drauf: Buch ausgelesen, umgedreht, gleich noch mal von vorn. Kam vor, ich erinnere mich da an einen Roman von Hugh Lofting über den mit den Tieren sprechenden Tierarzt Doolittle und an Fühmanns tolles Sprachbuch.

 

Leo Perutz:Der Meister des jüngsten Tages“
Endlich! So lange liegt er schon auf meinem SUB – und was habe ich da so lange verpasst! Das Buch ist einfach herrlich. Der Autor scheint insgesamt superinteressant, das wird hier garantiert nicht mein letzter Perutz gewesen sein!
Dabei habe ich ihn „nur“ gelesen, weil ich mich auf die Lektüre von „Drommetenrot“, einer Anthologie des „Teams Feuerernte“, vorbereiten wollte. Dazu dann gleich im Anschluss…
Was ist das für eine Geschichte? Ein Roman über Drogenmissbrauch? Die Erzählung eines „unzuverlässigen Erzählers? – Das wird oft kolportiert, aber ich muss gestehen, ich habe ihm, dem Baron, durchaus jedes Wort geglaubt. Als er dann wirklich abdrehte, war er ja nicht bei sich – um es mal so auszudrücken.
Oder ist es doch ein normaler Krimi und wir müssen herausbekommen, wer die vermeintlichen (?) Selbstmorde initiierte?
Den Inhalt käue ich hier nicht wider. Außerdem gibt es eine ziemlich gute Verfilmung, die übrigens vom Vater von Daniel Kehlmann stammt, der im Herbst ein Buch über den halbvergessenen Autor Leo Perutz veröffentlichen wird. Na, so ein Zufall! (Eine Nachricht, die meine Begeisterung über meine Entdeckung dieses Autors ins Unermessliche steigert und mich sehr auf den Herbst freuen lässt!)
Also, da gibt es eine Selbstmordrate, die den illustren, ansonsten gelangweilten Vor-Kriegs-Dekadenz-Zirkel in der K&K-monarchischen Idylle aufmischt. Es gibt Beschuldigungen und ein Geheimnis, das sich um einen Renaissance-Künstler, ein Buch aus der Zeit und ein geheimes Drogen-Rezept aus noch älterer Zeit dreht. Das Ganze ist spannend und flüssig erzählt, wirkt keineswegs angestaubt, aber auch nicht reißerisch. Bin begeistert, aber das sagte ich ja bereits.
11 / 10 Punkte

 

DROMMETENROT“, hg. v. Tobias Reckermann
Anthologie mit 3 Novellen und 1 Erzählung von
Christian Veit Eschenfelder, Felix Woitkowski, Tobias Reckermann & Erik R. Andara
Das Team Feuerernte. Da Gibt es noch mehr Anthologien, wobei die Zusammensetzung des Teams auch etwas wechselt. Dieser Band steht thematisch unter dem Einfluss des Romans von Leo Perutz, „Der Meister des jüngsten Tages“. Man sollte den Roman gelesen haben, sonst entgeht einem, was es mit diesem Rot-Ton auf sich hat.
Dieser Band ist, wie die anderen auch, im Blitz-Verlag erscheinen, allerdings in der Reihe „H.P.Lovecrafts Schriften des Grauens“. Warum? Keine Ahnung. Weiß auch nicht, warum dann nur dieser, die anderen aber nicht. So kommen wir aber in den zweifelhaften Genuss, dass in den ersten beiden Novellen zwischen den Absätzen das Portrait von Lovecraft erscheint. Warum nur bei den ersten beiden? Keine Ahnung. Zumal sie da für meine Begriffe am wenigsten passen, denn diese beiden Texte sind am weitesten vom „Geist HPLs“ entfernt – für meine Begriffe.
Die beiden ersten haben es mir als Leser auch nicht leicht gemacht. Hach, ich würde ja gern mehr zum Plot erzählen, möchte mich aber nicht outen als jemand, der den nicht so richtig verstanden hat.
Nee, die haben mir nicht gefallen. Und da ich Perutz noch so gut im Gedächtnis hatte, mich auch an seiner konkreten, fassbaren, spannenden Erzählweise erfreut hatte, konnte ich mit den kryptischen, fast experimentellen Texten weniger anfangen.
Felix Woitkowskis Story (mehr drei Stories in einer Novelle) war da noch am greifbarsten für mich. Sein Protagonist sucht und findet Geheimnisse in einer mysteriösen GaLerie (ja, mit großem Binnen-L), aber es geht nicht nur um die Wirkung von Bildern, sondern auch von Musik. Bei CVE ist es das Theater. Möglichweise das Dada-Theater? Weiß nicht…
Verwöhnt wurde ich dann durch den Beitrag des Herausgebers!
Das war stark! Dafür lohnt die Anschaffung dann durchaus. Formal lehnt sich seine Novelle, „Der Meister der Letzten Tage“, auch am meisten an Perutz an. Und holt den Stoff gekonnt in die Gegenwart, in die reale Welt eines bundesdeutschen Linken, dem eine Nähe zu terroristischen Kräften zum Verhängnis werden könnte. Der Protagonist ist so ein Mensch aus dem Kreuzberger Milieu. Seine Flucht, auf die er sich sicherheitshalber begibt, obwohl er eher nichts mit einem Anschlag auf ein Szene-Café zu tun hat (aber wer weiß – ist er der unzuverlässige Erzähler?) führt ihn über ein italienisches Kloster, das auch bei Perutz eine Rolle spielt, in die orientalische Wüste und eine Kommune, Sekte (?) von Kultur-Widerständlern, die sich dahin zurück gezogen haben, aber weiter aktiv bleiben, weltweit, mittels Hochtechnologie in Wüstenhöhlen. Sie kämpfen gegen die drohende Apokalypse, die ganz konkret und akut droht – gegen den sozialen und vor allem klimatischen Kollaps.
Ein Text, den ich zum Teil gleich mehrfach las. Großartige Formulierungen und Sprachbilder, die aber nicht vom Plot ablenken. So muss das! Ich bin ziemlich angetan.
Erik R. Andara hat den kürzesten Beitrag im Band. Macht aber nix. War eine sehr feine Erzählung! Über die Beziehung einer Entwurzelten zu einem apokalyptischen Gemälde in Drommetenrot. Sie ist die Erbin des Bildes und wir erleben, wie sie es wieder in ihren Besitz bringt – physisch und psychisch. Dies ist ihr persönlicher Reinigungsprozess – sowas wie eine positive Apokalypse?
Eines schafft der Band: Drommetenrot wird zum Symbol, Synonym für ein apokalyptisches Gefühl, einen besonderen Seelenzustand und im Grunde mit der „Blauen Blume“ der Frühromantiker vergleichbar. Sollte ich mir merken.
7 / 10 Punkte (für den gesamten Band; was mich nicht davon abhalten wird, auch die anderen Bände des Teams Feuerernte zu lesen – bald)

 

Johannes Weinberger: „Vérité“
Noch eine Zweitlesung. Hatte ich Anfang der Nullerjahre gelesen, als Geschenk von jemanden erhalten. Auch wenn ich nicht dachte, dass es „mein Thema“ ist – so war ich dann doch sehr überrascht. Fast würde ich schreiben, „freudig überrascht“ – nur kann man bei dem Stoff kaum wirklich Freude erfahren. Aber spannend, brillant geschrieben und am Ende und insgesamt sehr drastisch. Mehr Horror und auch Mystery, als man vermuten würde. Ist es aber.
Leier habe ich jetzt erst erfahren, dass der Autor 2022 verstorben ist. Geboren 1975 und jetzt schon tot! Ich wollte immer mal sehen, was er noch so… und nun das. Bin ziemlich erschüttert.
Deshalb habe ich das Büchlein aus dem Aarachne-Verlag (den es auch nicht mehr gibt) gelesen und war wieder ziemlich angetan. Schräge Sache, leider nicht komisch, wenn auch mitunter schwarzhumorig und mit einem Grinsen zu lesen, über so manche „komische“ Formulierung, aber nein, kein lustiges Buch, aber gut!
10 / 10 Punkte

 

Johannes Weinberger: „Aus dem Beinahe-Nichts“
Was ist das? Ein Prosagedicht? Eine Parabel-Reigen? Ein Märchen? Mich hat es dann doch nicht so überzeugt.
Der Wolf aus dem Beinahe-Nichts, einer Art Ur-Zeit-Welt, spielt eine viel zu kurze Rolle, finde ich. Es gibt ein paar dolle Bilder, die mit ihm zu tun haben. Das ja, aber am Ende ist das alles nur angedeutet. Es gibt auch andere Begegnungen, kaum mit „normalen“ Menschen. Den tieferen Sinn habe ich da nicht verstanden.
6 / 10 Punkte

 

Thomas Urban: „Lexikon für Putin-Versteher“
Eine LBM-Erinnerung. Ich war bei der Veranstaltung zum Buch und mit dem Autor in der „Runden Ecke“ während der Leipziger Buchmesse 2024. Und ich war recht beeindruckt von dem Journalisten, der viele Jahre u.a. auch in Russland verbrachte und das Land und sein politisches System quasi von innen kennen lernen durfte. Nun ist er sehr erpicht darauf, sein Wissen weiterzugeben.
Auch bei der Veranstaltung geizte er nicht mit seinem Wissen, mit Fakten und Hintergrundinfos, die man so kaum haben kann, ohne sich tiefer mit der Materie beschäftigt zu haben. Da knüpft diese Buch an. Es gibt vor, ein Lexikon zu sein und es enthält Artikel zu Stichpunkten, die alphabethisch geordnet sind. Ja, das schon, aber im Grunde nutzt der Autor solche Stichpunkte, um ein Thema und dessen Umfeld abzuklopfen. Die Informationsdichte ist dabei sehr hoch. Insofern ist es auch als Nachschlagewerk geeignet. Aber eines, das über den Inhalt zu vergleichbaren Schlagwörtern in der Wikipedia z.B., weit hinaus geht. Sehr erhellend. Vielleicht auch mit persönlicher politischer Sicht (die Ostpolitik der Sozialdemokratie gefällt dem Autor so gar nicht…), aber nach meinem Eindruck stark faktenbelegt.
Wertung gibt es hier nicht. Wie denn auch? Ob mir gefällt, was ich da lesen konnte? Das kann ja kaum ein Kriterium sein. Aber empfehlenswert ist es allemal aus meiner Sicht!

 

Leo Perutz: „Die dritte Kugel“
Wäre dies das erste Buch, dass ich von Perutz gelesen hätte, ich weiß nicht, ob ich Fan von ihm geworden wäre.
Dabei finde ich das Thema des Buches – die Eroberung Mexicos durch die Spanier unter Cortes – ziemlich spanend. Der Autor erweitert es noch durch einen ganz anderen Aspekt und verbiegt dabei die Geschichte ein wenig, opfert sie seinem Plot. (Möglicherweise ist das aber auch Stand der Geschichtsforschung der Zeit von Perutz?). Damit wird es quasi Alternativ-Historie – ein wenig zumindest. Hier ist der Knackpunkt der Tod des Montezuma.
Der zusätzliche Aspekt verhandelt das Schicksal deutscher, protestantischer Siedler auf dem Territorium des Aztekenreiches, die sogar – so der Autor – kurz vor der Ankunft des Cortez dort waren und sich friedlich mit den Azteken einigen konnten. Ihre Utopie von einem neuen Leben in der Neuen Welt haben die goldgierigen Spanier auch gleich noch mit zerstört. Und sie schwören Rache und dafür sollen die drei Kugeln dienen. Die „agieren“ dann aber anders, als gewünscht, weil sie verflucht wurden. Ach ja, der Teufel taucht (oder doch nur im Alkoholrausch?) auch als handelnde Person auf; aber mehr Phantastik ist nicht dabei…
Schwierig ist die Sprache, denn der Autor lehnt sie an die Sprache der Renaissance, des Frühbarock an. Das liest sich etwas kurios bis kompliziert. Aber ich konnte mich einlesen, bin aber nicht wirklich davon überzeugt.
8 / 10 Punkte

 

Julia A. Jorges: „Symbiose“
Das Buch liegt mir als Rezi-Exemplar für den NEUEN STERN vor. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich es auf diesem Wege kennen lernen durfte. Wahrscheinlich hätte es nicht gelesen. Aber das wäre ein ziemlicher Verlust gewesen.
Der Band enthält sechs Erzählungen der Autorin, die bereits an anderer Stelle publiziert wurden, allesamt in Zwielicht-Anthologien etc., hg. v. Michael Schmidt.
Die Geschichten sind Horror-Stories. Sie erfinden das Genre nicht neu. Im Vorwort der Autorin wird der Umstand hervorgehoben, dass es kaum Frauen im Horrorgenre gibt. Nun, ob die Stories hier eine „typisch weibliche“ Handschrift tragen? Kann ich nicht bestätigen; ist aber auch egal, wie ich finde.
Einige greifen recht tief in die Abgründe menschlicher Seelen; als Leser weiß ich nicht immer, ob das Geschilderte Erlebtes, Durchlittenes oder von den Protagonisten nur Erdachtes ist. Der Horror steckt halt in uns tief drin, unsere eigenen Ängste sind es, vor denen wir uns fürchten.
Ich war von dem Band recht angetan; mehr dazu in einem NEUEN STERN, wie schon erwähnt.
9 / 10 Punkte

 

Leo Perutz: „St. Petri Schnee“
Perutz ist Klasse! Hier wieder mehr als in dem historischen Roman über Cortez, bzw. über fiktive deutsche Gegner des Cortez im Aztekenreich. Der Roman war ja auch sein Erstling. Hier haben wir wieder so einen komplett unklaren, unzuverlässigen Erzähler, dem man nicht trauen darf und der uns dennoch so eine ziemlich verrückte Story erzählt.
St. Petri Schnee, was ist denn das? Wusste ich halt vorher nicht. Eine Bezeichnung für eine Getreidekrankheit, die auch viele andere Bezeichnungen weltweit hat. So infiziertes Getreide löst Wahnvorstellungen oder ähnliches aus. Also ein waschechtes Rauschgift. Ob das stimmt? Ich lass es mal so stehen.
Hier ist man sogar der Meinung, dass es den Glauben an Gott verstärkt, religiöse Gefühle (Wahn?) auslöst. Daher auch der andere Name dafür: Muttergottesbrand. Das kann – wie hier – durchaus erwünscht sein, allerdings geht ein damit durchgeführtes, geheimes Experiment etwas in die Hosen.
Oder auch nicht. Ob das alles überhaupt stattfand? Oder ob der Erzähler, der vorgibt, das erlebt zu haben, nicht doch die ganze Zeit ohnmächtig im Krankenhaus verbracht hat? Alles nur geträumt? Vo der großen Liebe, über das geheime Experiment?
Klingt ja kompliziert, ist es aber nicht. Der Roman liest sich flüssig und ist spannend. Ich bin mir nur nicht sicher, ob der Roman zum Entstehungszeitpunkt relevant für seine Zeit war, er liest sich wie aus der Zeit gefallen. Es klingt nach 19. Jahrhundert, vermeintlicher Landidylle, nicht nach Vorabend von Nazireich und 2. Weltkrieg. Oder doch?
Die Droge, die tiefe Religiosität erzeugen soll, erzeugt aber revolutionären Furor. Was steckt da für eine Aussage dahinter…
10 / 10 Punkte




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Eine rasante Reise, Literaturhaus Leipzig, 30. Mai 2024

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 01 Juni 2024 · 553 Aufrufe
Emma Braslavsky, FKSFL

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Fotounterschrift könnte lauten: Emma Braslavsky (links im Bild) ist voll in Fahrt; der Moderator (ich, rechts im Bild) lauscht gebannt (und kommt kaum mit). Bild © Volker Adam

 

An der Stelle erst einmal ein lautes: Wow! Für das Buch und vor allem für die Autorin!
Emma Braslavsky hat gut eineinhalb Stunden erzählt und gelesen aus ihrem Mega-Werk. Zusammen haben wir „herausgearbeitet“, dass das Buch sehr viele Ebenen besitzt. Ich darf mich mal aus meiner Moderation selbst zitieren; und die Autorin hat nicht widersprochen, eher im Gegenteil – es fehlen sogar noch Erklärungsebenen:

 

Ich weiß nach dem 2. Lesen von Erdling immer noch nicht, um was es sich genau bei diesem Buch handelt, ist es …

  • Roman oder ein als Roman getarntes Sachbuch über einen speziellen kulturhistorischen Aspekt der deutschen Literatur- und Ideengeschichte?
  • Krimi, Detektivgeschichte oder esoterische Weltraum-Reisebeschreibung?
  • Harte SF, Magischer Realismus oder Inner-Space-Selbstfindungs-Tripp?
  • Politische Satire?
Klar, ich wollte etwas provozieren, die Autorin herauslocken. Aber das brauchte ich gar nicht. Sie sprach sehr gern und ausführlich über ihre Beweggründe und über die ursprünglichen Anregungen, die zu diesem Parforce-Ritt durch den „deutschen Weltraum“ von der Kaiserzeit bis zum Heraufdämmern der faschistischen Diktatur führten.
Sie schwärmte von den farbigen, positiven utopischen Welten früher deutsch-sprachiger „Zukunftsromane“ und dem langsamen Abgleiten in Kriegs- und Untergangsphantasien; frühe (Gedanken-) Welten, erdacht von deutschen Autoren, die ein lichtes Bild auf den deutschen Geist werfen, im Gegensatz zu den späteren finsteren Entgleisungen.
Einer ihrer Begleiter („ihrer“ darf hier sehr wörtlich genommen werden, denn die Emma Andreas v. Erdling des Buches hat ja nicht rein zufällig einen Namen, der an die Autorin selbst erinnert) ist Hanns Heinz Ewers (ganz rechts im Bild – plus ein paar seiner Werke). Um den ging es mir in erster Linie, denn mir kam diese Nebenfigur im Roman fast wie ein Protagonist vor. Verdientermaßen, wenn es so wäre, denn der Mann bietet so viel für einen spannenden Abenteuerroman, den er selbst nicht geschrieben, aber gelebt hat.
Ja, wo bleibt der biografische HaHa. Ewers-Roman?, liebe Emma Braslavsky.
Wie und was und so weiter kann ich hier als Mitmachender nicht schreiben. Aber derzeit gibt es eine kleine Lese-Tour der Autorin. Bitte selber erleben!

 

Das war wieder einmal eine Veranstaltung des FKSFL.




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Hofmanns Leseliste von Ostern bis zum 1. Mai 2024

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 30 April 2024 · 368 Aufrufe
Michel Tournier, Gasbarra und 2 weitere...

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Michel Tournier: „Der Wind Paraklet“
Ein autobiografischer Versuch.
Endlich, meine Michel-Tournier-Lektürewiederholung (erweitert) beginnt! Habe ich die hinausgezögert. Warum? Weil ich mich etwas vor fürchtete, denn der Autor ist kein einfacher. Wer weiß, ob er mich noch oder wieder erreicht? Vielleicht finde ich ihn jetzt, nach all den Jahrzehnten, in denen ich ihn nicht gelesen habe, nur noch langweilig?
Ich kann mich beruhigen: Nein, ist nicht langweilig, sondern vielleicht sogar viel spannender als damals. Auf jeden Fall hat er mich wieder.
Ich lese ja gerade seinen Erzählungsband, den ich in den 80ern las. Parallel dazu seinen „autobiografischen Versuch“, den ich damals natürlich nicht zur Verfügung hatte.
M.T. steht ja, oder stand bei uns (DDR) im Rufer, ein Freund gewesen zu sein. Na ja, jetzt liest sich das etwas anders. Er war Freund alles Deutschen und „freute“ sich darüber, dass es nach 1945 zwei Mal Deutschland gibt. Ich nehme aber an, das war ironisch gemeint. In dem Buch hier zeigt er sich nicht unbedingt als Freund der sozialistischen Entwicklung dieses Teils Deutschlands, der seiner Meinung nach nur im drohenden Schatten der Roten Armee existiert (S. 113). Ja, das Buch erschien natürlich nicht in der DDR – andere schon.
Der Autor schreibt hier nicht nur über sich, sondern auch über seine Ansichten zu Gesellschaft, Literatur, Kunst, Sexualität auch. Und viel über den Entstehungsprozess und seine Gedanken, die ihn antrieben beim Schreiben seiner Romane und Erzählungen. Er liefert quasi Stoff zur Interpretation seiner Primärtexte. Find ich gut, war interessant. Wird mir vielleicht bei der Lektüre helfen.
Darüber hinaus schreibt er auch hier einfach sehr gut. Spannend, wohl formuliert, exakt und auf den Punkt, auch wenn seine philosophischen Themen zum Schwafeln einladen. Na, nicht alles war so interessant für mich, das meiste aber schon. Wieder so einer, dem man einfach gern „zuhört“, egal, worüber er erzählt / schreibt.
Natürlich war dieses Buch Inspirationsquelle für weitere. Es hört wohl nie auf…
10 / 10 Punkte

 

Claude Cueni: „Weißer Lärm“
Auf diese wohl komplett vergessene Dystopie hat mich ein Arbeitskollege aufmerksam gemacht. Ich war erst skeptisch; na ja, ich hatte nie von gehört und das, obwohl ich mich doch umfänglich in Sachen klassische Dystopien informiert fühlte. Aber vielleicht liegt es daran: Das ist keine Klassische, aber eine, die an einer bekannten Dystopie ansetzt – das ist eine Orwelliade, erschienen 1984. Sicher kein Zufall.
Es ist das Werk eines mir unbekannten Autors – der aber keineswegs so unbekannt ist. Der Mann schreibt Prosa, für das Theater, Hörspielen, Film- und Fernsehstücke. Das hier ist ein Frühwerk, da war er 24 Jahre jung – und hat so gelitten.
Sein Protagonist leidet unter Schmerzen. Hmm, wenn man auf Wikipedia schaut, kann man lesen, dass der Autor an Krebs erkrankt ist und damit laboriert; aber ob er das damals schon erahnen konnte? Ich habe mich beim Lesen gefragt, wieso ein so junger Mensch über ein Leben in Schmerz schreibt (schreiben muss)?
Aber nicht nur persönliche Leiden – Schmerz, Depression – ist das Thema und Problem des Protagonisten, der ein direkter Verwandter von Winston Smith ist. Die Gesellschaft hat sich in Westeuropa / BRD in Richtung Überwachungsstaat entwickelt. Ja, scheint dort auch denkbar gewesen zu sein. Nein, das beruhigt mich nicht. Viele Sachen, die man in den Buch lesen kann, erinnern tatsächlich an heute – zumindest an das, was möglich erscheint.
Allerdings wird die verdrehte westliche Welt auch mit Versatzstücken eines totalitären Staates – also entsprechende Behörden, Bürokratie etc. – gepaart. Der Protagonist glaubt, wenn er sich als IM rekrutieren lässt (nicht, dass man ihm da eine große Wahl gelassen hätte), könne er dem Druck und der Gefahr, selbst Opfer des Regimes zu werden, entgegen. Na ja, klappt so nicht.
Ist eine ziemlich trostlos-düstere Nah-Zukunfts-Vision, die gerade für einen nicht so erfolgreichen, einzelgängerischen, unter Krankheit und Schwerz Leidenden ein Leben bereithält, das kaum zu bewältigen ist.
Trotzdem liest sich das Buch flüssig. Der Autor hat sicher noch Reserven, aber die Dialoge, die unser Nicht-Held mit Vertretern der Behörden („Welche Behörde?“ – „Na, die zuständige Behörde!“) halten muss, sind einfach köstlich. Das hat auch viel von Kafka – na, passt ja in das Jahr.
8 / 10 Punkte

 

Michel Tournier: „Die Familie Adam“
Ein Wieder-Lesen nach über 30 Jahren. Ich hatte in den 80ern die DDR-Ausgabe gelesen und mir auch ein paar Stichpunkte zu den Erzählungen notiert. Dabei kann ich jetzt feststellen, dass in der DDR-Ausgabe ein paar Texte fehlten. Jetzt, nach dem erneuten und hier auch erstmaligen Lesen kann ich nicht mal sagen, warum die bei „uns“ fehlten. Vielleicht war es nur eine Lizenz- und Platzfrage? Eine Story jedenfalls, die nicht damals übernommen wurde, dreht sich um eine mehr oder weniger romantisch-melancholische Verklärung des Suizids; vielleicht war die zu heiß für die DDR-Zensoren, deren Staatslenker z.B. auch ungern über das Thema sprachen und keine Statistiken veröffentlichten; wenn ich das richtig erinnere.
Aber die Sammlung selbst ist so oder so großartig. Bizarre Texte, die oftmals zwischen Realität und Fantastik changieren, alte und neue Mythen erzählen und so wundervolle Passagen aufweisen. Deshalb gibt es auch eine ausführliche Buchvorstellung im NEUEN STERN, na klar, wo sonst.
10 / 10 Punkte

 

[E.D’M.A] KA-TZETNIK 135633: „SHIVITTI. Eine Vision“
Eine ganz besondere Form der persönlichen Trauma-Verarbeitung eines Auschwitz-Überlebenden. Er „reiste“ unter ärztlich verordneter und kontrollierter LSD-Einnahme zurück auf den „Planeten Auschwitz“. Ein brutaler Tripp, kann man wohl nicht anders sagen. Dem Autor und Patienten sollte es helfen. Half es? Wenn, dann nicht unmittelbar, denn es mussten erst noch einmal 10 Jahre vergehen, ehe er das Wieder-Erlebte als Text verarbeiten konnte.
Auch wenn es formal keine Phantastik ist, lasse ich mich im NEUEN STERN etwas darüber aus, unter einer neuen Spartenüberschrift: „Nachrichten aus dem Herzen der Finsternis“.
10 / 10 Punkte

 

Felix Gasbarra: „Schule der Planeten“
Ein Wieder-Lesen, sogar ein recht kurzfristiges. Hängt mit meiner Lektüre seiner Biografie zusammen. Unter dem Eindruck wollte ich mich selbst überprüfen, ob mit dem Wissen um die Person des Autors, die allein für einen Roman gut ist, sich auf meinen Eindruck zu dessen Roman auswirkt.
Ja, ein paar Bemerkungen im Roman verstehe ich erst jetzt. Z.B. gleich zu Beginn, wo Swift, sein Protagonist, „alle Setzer der Welt [mit] einem neuen schrecklichen Fluch belegen“ will (S.7). Das versteht man, wenn man weiß, wie sehr der Autor seien Job in Bozen hasste.
Oder Seite 17: „…war er nicht nur überzeugt, daß man aus Kochtöpfen mehr lernen könne als aus allen Büchern der Naturwissenschaft…“ – Er verbot seiner Tochter das Studieren…
Hier hatte ich kurz von meiner damaligen Lektüre berichtet:
Februar - alte (Lektüre-) Liebe aufgewärmt - SF-Netzwerk (scifinet.org)
Ausführlicher damals im Doppel-NEUEN STERN zu Jonathan Swift. Na ja, wer wissen will, was ich da… also, ich würde da jemanden kennen, der könnte… genug der Werbung.
Es bleibt bei 8 / 10 Punkten

 

Warren Ellis: „Gun Machine“
Noch ein Wider-Lesen! Auch kurzfristig. Was hat mich nur gepackt? Also hier hatte ich Sehnsucht nach New York, das man in dem Reißer auf verschiedenen Wegen „bereisen“ kann – auf den normalen, modernen Straßen, aber eben auch mit den Augen eines von amerikanischen Ureinwohner-Virus befallen Psychopathen, der die Wegen der Indigenen „sieht“ und ihnen folgen kann. Man lernt so nebenbei wie so oft bei dem Autor – viel über etwas – hier: über die Einwohner Manhattans vor der Ankunft der Europäer, bzw. während ihrer Invasion.
Die dritte Art von Wegen durch Manhattan ist die der Datenleitungen. Hier geht es nicht um Längen, Entfernungen in Metern, sondern um die Durchlaufgeschwindigkeit der elektronischen Daten, Informationen. Eine ganze andere Dimension, aber superwichtig für die kapitalistische markt-Stadt.
Auch der zynisch-abgeklärte, leider auch traumatisierte Detective hat es mir wieder angetan.
Hier mein kleine euphorische Replik dazu: Der Sommer ist vorbei in Hofmanns Leseliste - SF-Netzwerk (scifinet.org)
Na ja, so ganz euphorisch war ich diesmal nicht; dazu war mir der Inhalt doch noch zu gegenwärtig. Aber ich bleibe natürlich bei meiner Empfehlung und 10 / 10 Punkten

 

Ach so: Ohne weiteren Kommentar. Ist halt ... meine Leseliste. Diesmal viel Nostalgie.
Tournier soll mich noch weiter verfolgen - auch mit Büchern, die ich bisher gar nicht gelesen habe.
„Kaspar, Melchior und Balthasar“ dafür als (noch recht neues) Hörspiel genossen. Na, muss ich mich dann doch wieder im NEUEN STERN auslassen drüber...




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Jol Rosenberg zu Gast beim FKSFL

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 21 April 2024 · 594 Aufrufe
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Foto: Thomas Hofmann, zu sehen rechts im Bild: Jol Rosenberg, links: Moderator Volker Adam

 

Jol Rosenberg im Literaturhaus Leipzig, 18. April 2024
Eingeladen hat der FKSFL e.V., moderiert: Volker Adam

 

Auf diese Lesung war ich sehr gespannt. Warum? Aus zweierlei Gründen:
Zum einen vermutete ich Konfliktpotential. Jol ist – soweit ich es mitbekommen habe – aktives Mitglied der „progressiven Phantastik“-Bewegung. Nun, vielleicht sehe ich da einfach zu viel „Aktivität“ und die Autor*innen sind dann doch keine eingeschworene Gruppe im Kampf um Gender-Gleichberechtigung, um Wahrnehmung ihrer Identität, um Sprach-Gerechtigkeit.
In Diskussionen zu diesen Thematiken gibt es mitunter harsche Auseinandersetzungen und eine gewisse Verbissenheit wird an den Tag gelegt. – All das, möchte ich betonen, ist mein Vor-Urteil. Bin mit der Erwartung nach Leipzig gefahren, dass es eventuell zu Spannungen kommen könnte – zwischen der Autor*in und dem Publikum.
Mit dem Moderator, Volker Adam, nicht, das wusste ich! Er ist übrigens der zweite Grund, weshalb ich auf die Lesung so neugierig war. Volker ist ja Mitglied im ANDROEMDA SF Club Halle, Autor im NEUEN STERN und einfach ein Freund, wenn ich das mal so sagen darf. Er hat das erste Mal für den FKSFL moderiert. Aufgrund lokalpatriotischer Verbundenheit musste ich da hin. Er hatte sich bereit erklärt (breitschlagen lassen? Nein, nein, das will ich so nicht sagen), als aus Leipzig die Frage kam, ob jemand Lust hat, Jols Lesung zu moderieren. Nun, wer den NEUEN STERN liest, dem wird sicher nicht entgangen sein, dass Volker ein großes Interesse an feministischer SF und an Gender-Fragen in der Phantastik hat. Wer, wenn nicht er, kann diese Lesung moderieren?
In einem der nächsten NEUEN STERNE gibt es dann auch eine Rezi von ihm zu einem Werk der Autor*in – so, genug der „Schleichwerbung“ für unseren Rundbrief.
Die Lesung wurde leider nicht gut besucht; viel zu wenige kamen. Schade! Aber trotzdem haben die beiden ihres Sache sehr gut gemacht. Jol, wenn ich das so schreiben darf, hat mich absolut positiv überrascht. Da war nichts Verbissenes, nichts Aktivistenmäßiges, was unter Umständen unangenehm auffallen könnte. Diese ganzen Identitätsfragen spielten so gut wie keine Rolle. Sie und der Moderator sprachen konkret über die Werke, vielleicht mitunter zu intensiv, zu kleinteilig. Als jemand, der die Bücher nicht kennt, konnte ich da nicht immer folgen.
Die vorgetragenen Passagen waren kurz, prägnant und ab dem 2. Teil für mich auch sehr gut fassbar, boten einen interessanten Einblick in die Schreibe der Autor*in.
Jol ist berufstätige Psychologin und das merkt man ihren Figuren an. Das macht sie interessant. Da hätte ich mir sogar mehr Textbeispiele gewünscht.
Jol Rosenberg kam absolut sympathisch rüber; der Abend war kurzweilig und ich wünsche ihr und ihrem Werk mehr Aufmerksamkeit, als sie an diesem Abend erfahren hat.




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100 NEUE STERNE. Und noch einer.

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 05 April 2024 · 560 Aufrufe

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Nachrichten aus dem Tal der Ahnungslosen

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 29 Mrz 2024 · 694 Aufrufe
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Uwe Salzbrenner zu Gast in Leipzig – in kürzester Zeit das zweite Mal übrigens. Das erste Mal, zur Leipziger Buchmesse 2024, also ca. vor einer Woche, habe ich ihn nicht erlebt. Ich kann mir gut vorstellen, dass da ein paar Zuhörer & Zuhörerinnen mehr da waren als jetzt – am 28. März 2024, im Literaturhaus Leipzig, bei Freundeskreis SF Leipzig.
Die erste Frage, die mich beschäftigte: Woher kenne ich Uwe Salzbrenner? Als er dann erzählte, dass er für ALIEN CONTACT Rezensionen schrieb und vor allem, dass er sich zum Schreiben eigener SF-Stories vor allem durch die Geschichten von Barry N. Malzberg inspirieren ließ, ist bei mir der Groschen gefallen. Ja, ich saß mit ihm schon mal bei einem SF-Con in Hoyerswerda am Lagerfeuer. Damals, in den 90ern, gäbe es solche lockeren, fannischen Cons. Und da gab es jemanden, der erzählte mir damals auch schon von Malzberg…
Also, vor 30 Jahren war das. Und heute? Ist er Journalist und schreibt auch Bücher nebenbei.
Leider war die Lesung nicht gut besucht – um es mal euphemistisch positiv auszudrücken. Ich war schon etwas entsetzt, denn wir waren zusammen, also mit Autor und Moderator, 10 Leute. Da lohnt der Aufwand gar nicht, Schade, dass die Veranstaltungen des Clubs, also des FKSFL, nicht mal die eigenen Club-Mitglieder hintern Ofen hervorlocken können.
Über die Gründe des Publikumsversagens kann man ja orakeln. Sicher gehört dazu, dass gerade die Buchmesse war und die Literaturinteressierten jetzt erst mal satt sind. Aber für den Autor war das echt Schade, fand ich.
Aber er hat seine Sache durchgezogen, hat gelesen und erzählt.
Sein Roman, „Die Talente“, klingt echt interessant.
Wir kommen in ein alternativ-historisches Dresden, in dem die neueste Geschichte etwas anders abgelaufen ist, als uns bekannt und wir werden mit einem Phänomen konfrontiert, das dafür sorgt, dass ein Teil der Stadt von jeglichen Funkwellen und Strahlen verschont bleibt. Also, kein Handy-Starren mehr, aber dafür entwickeln die dortigen Bewohner halt besondere Talente.
Uwe macht kein Hehl draus, dass er Strugazki-Fan ist und das merkt man dem Roman auch an, der eine Gruppe Forscher in diese „Zone“ vordringen lässt.
Dem Autor liegt, so mein Eindruck, sehr viel an den gesellschaftlichen und anderen Ideen, die ihm bei der Konzipierung seiner Geschichte in den Kopf kamen. Die Lesung konnte das nicht ganz rüberbringen und nur davon zu erzählen, reicht eben auch nicht. Das muss man selber lese, vermute ich.
Der Autor hat sich dann auch erst mal warmlesen müssen. Nun sagt ja auch niemand – aber irgendwie wird da immer stillschweigend vorausgesetzt – dass der Schriftsteller auch gleichzeitig ein Interpret seiner Texte sein muss, der quasi-schauspielerische Qualitäten besitzt. Viele können das und das ist dann auch recht gut. Aber hier war noch „Luft nach oben“, fand ich. Ich kam dadurch auch nur schwer rein. In den Text.
Ach ja nach dem „Tal der Ahnungslosen“ (*) wurde natürlich gefragt, aber der Autor meint, das spielte bei der Konzeption der Geschichte für ihn keine Rolle.
Ein kurzer Abend, der mich doch mit gemischten Gefühlen zurückließ.
Uwe Salzbrenner will sich um sein neues Buch jedenfalls mehr kümmern als er es für das vorherige getan hat. Ist ja nicht sein erstes. Ich drücke die Daumen und bin gespannt, wie es in der SF-Szene aufgenommen wird.

 

(*) Diese Zuweisung für Dresden stammt aus der DDR-Zeit, als man dort aufgrund der geografischen Lage keine West-Sender (TV, Radio) empfangen konnte. Im Rest der DDR hieß es dann, dass die Dresdner halt im "Tal der Ahnungslosen" lebten.




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Hofmann las bis kurz vor Ostern (2024)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 28 Mrz 2024 · 708 Aufrufe
Gasbarra

Was, schon Ostern? Und im Grunde noch keine „richtige“ Leseliste vom Hofmann? Hat das überhaupt jemand gemerkt? Ach, egal, jetzt halt etwas massiver. Obwohl ja schon ein paar erste Bücher erwähnt wurden, jetzt hat sich doch was angesammelt; nur gut, dass ich gar nicht so schnell & viel lese.
Viele komische Sachen dabei – auch Kritik, die vielleicht ärgern wird? Siehe dazu meine Worte zu „Poor Things“ (das ich nicht gelesen, aber gesehen habe). Na, man (ich) kann ja nicht alles gut finden.
Also, hier mein Lektüresammelsurium:

 

Georgi Demidow: „Fone Kwas oder Der Idiot“
Harter Stoff aus Russland. Ein Buch, das lange nicht veröffentlicht wurde, weder auf Russisch, noch auf Deutsch. Auf Russisch nicht, weil es eine realistische Darstellung der „Haftbedingungen“ zur Zeit der „Großen Säuberungen“ um 1937 unter Stalin ist, die man auch nach Stalin nicht unbedingt so der sowjetischen Leserschaft zumuten wollte. Also, das ist ironisch…
Das Buch soll was Kafkaeskes haben. Ja, hat es, denn der Beschuldigte und Inhaftierte weiß, dass er unschuldig ist, weiß lange nicht, wessen man ihn beschuldigt und muss sich dann selbst eine Strategie überlegen, wie er sich selbst einer Straftat beschuldigt und die ermittelnden Behörden so lenken kann, damit sie a) ihm seine Strafe möglichst milde gestalten (was eigentlich sehr illusorisch ist), oder b), wenn das nicht klappt, ihm sein Leiden in der U-Haft abkürzt, die Folter beendet – Lagerhaft wäre in jedem Falle diesen viehisch-unmenschlichen Bedingungen in der U-Haft vorzuziehen, und c) seine Familie, Verwandten und Freunde nicht mit belastet werden (auch illusorisch). Man kann sich vielleicht seine eigenen Bedingungen etwas abmildern, wenn man andre verrät, damit die Behörden weiter was zu tun haben. Ja, das ist kafkaesk.
Was man hier liest, ist unglaublich. Ich weiß, ich würde das keine 24 Stunden aushalten. Und dabei ist alles so dermaßen sinnlos. Okay, kann jetzt um so mehr verstehen, dass Leute den Sozialismus abgrundtief hassen, wenn das Sozialismus sein soll. (War es aber nicht, hatte aber das Etikett, bezeichnete sich selbst so, und damit… Na ja, Schei#@e)
„Fone Kwas“ sind Idioten – die Ermittler sind welche. Warum sie es sind, kann man hier gut nachlesen. Das Buch wird durch eine kleine Biografie des Autors abgerundet (plus Nachwort), aus der hervorgeht, dass er selbst Lagerhaft erdulden musste, danach aber seine Biografie aufschrieb, weitere Lagerprosa, irgendwann hat man ihm seine Manuskripte abgenommen, was ihn in tiefe Verzweiflung stürzte. Soll er alles noch einmal aufschreiben? Erst seine Tochter konnte die Rückgabe und die Veröffentlichung erwirken.
10 / 10 Härtepunkte

 

„Kolonialgeschichten“ – Arbeitstitel, Manuskript in der Edition Dunkelgestirn
Das Buch ist noch nicht erschienen, wenn ich diese Zeilen schreibe. Wird noch etwas dauern, mindestens so lange, bis ich ein paar Zeichnungen dazu angefertigt habe. Das kann dauern, das weiß ich aus Erfahrung…
Aber ich kann das Buch schon mal wärmstens empfehlen! Ich war ja skeptisch: Ob das nicht irgendwelche Kolonalmacht-verherrlichende Machwerke sind? In denen die unterdrückten Völker auch noch verunglimpft werden und deren Unterwerfung irgendwie gerechtfertigt. Na ja, sicher kommen die Texte nicht ohne den Point Of View des Erzählers, also des Vertreters des Volkes, das hier ein anderes kolonial unterjocht hat, aus. Aber weit weniger, als ich dachte, oder herauslesen konnte. Mitunter nimmt der Erzähler die Position des „Eingeborenen“, gerade was alte Traditionen und Glaubensinhalte anbelangt, die gegen die allzu rationale und damit oberflächlich- arrogante Haltung der Europäer zu verteidigen sind.
Es geht viel um Gespenster, Rache aus dem Totenreich, unheimliche Begegnungen. Wir haben ein paar Krimis, ein wenig Archäologie-Abenteuer, viel Wüste und Wildnis. Dabei alles in einem meist flotten, modern anmutenden Ton erzählt. Ob das an den Übersetzungen liegt? Mir hat es jedenfalls großartig gefallen. Motive zum Zeichnen habe ich auch gefunden.
Satte 10 / 10 Punkte

 

Abbruch des Monats:
Alasdair Gray: „Einer, der Geschichte macht“
Ich habe „Poor Things“ lesen wollen. Der Film ist in aller Munde – also, zumindest in aller Munde von Leuten, die die gleichen kulturellen und künstlerischen Vorlieben mit mir teilen, also z.B. SF- & Phantastik-Fans. Inzwischen ist der Film auch beim Mainstream-Publikum und -Preis-Jurys angekommen. Bevor ich den Film sah, erfuhr ich, dass es sich um eine Romanverfilmung handelt. Die Vorlage gab es auf Deutsch, ist aber (immer noch) nicht zu bekommen (Stand: 24.02.24)
Aber was ich über den Autor und sein Werk las, machte mich neugierig, also las ich dieses Buch hier. Das ist sogar SF. Zumindest spielt es in der Zukunft, in Schottland, wo der Autor auch herkommt. Dass es SF ist, merkt man aber beim Lesen kaum. Im Grunde wird so eine alte schottische Stammesgeschichte erzählt. Mit Stammesfehden, Liebelein usw. Wobei der „Krieg“ und der Kampf zwischen den Stämmen nach festen Regeln ausgeführt werden muss (die man halt aber auch brechen kann), die im Grunde so einen Krieg ad absurdum führen.
Eigentlich leben die Menschen in dieser ländlichen Idylle in einem Utopie. Ominöse Pflanzen ermöglichen im Grunde ein sorgenfreies Leben, weil für die Befriedigung aller Grundbedürfnisse gesorgt ist. Es gibt keinen Grund für Zwist, so kommt es mir vor – und leider auch dafür, überhaupt so ein Buch zu schreiben. Für mich blieb es, so lange ich durchhielt, komplett irrelevant.
Wie der Film! Ja, liebe Leute, bitte mir nicht böse sein, aber ich kann in die allgemeine Euphorie über den Film „Poor Things“ nicht einstimmen. Das Setting, die Art des Erzählens ist mir nicht neu, ist halt so was zwischen Neil Gaiman, Terry Gillian, Wes Anderson. Ich mag die alle, aber auch hier müssen sie, für meine Begriffe, darauf achten, dass sie sich nicht immerzu selbst kopieren (die TV-Filme von Anderson, die es im Streaming derzeit gibt, konnten mich auch nicht mehr abholen, trotz der tollen Schauspieler, die da mitmachen).
Die Grund-Aussage von „Poor Things“, die auch so abgefeiert wird, kann ich auch nicht recht nachvollziehen. Die Protagonistin ist im Grunde sozial und gesellschaftlich unbedarft, muss alles lernen. Das ist okay. Sie geht mit einer Naivität an die Dinge heran und nimmt sie, wie sie sind, pur, ohne Kompromisse und Hintergedanken, auch Sex z.B. Alles okay. Aber diese naive Weltsicht hat mir schon in „Forrest Gump“ nicht gefallen. Ja, da hab ich meine Grenzen, sorry.
Die Protagonistin in „Poor Things“ wird als feministische Ikone stilisiert – habe ich das richtig verstanden? Aber wenn das so ist, muss dann ihre Emanzipation u.a. darin bestehen, dass sie sich prostituiert? Ich weiß, dieses Gewerbe kämpft darum, als normales Gewerbe anerkannt zu werden, und die sich Prosituierenden darum, nicht als halbkriminell und gesellschaftlich verachtenswert dazustehen. Aber ist die Prostitution wirklich ein „normales Geschäft“? Ist es Ausdruck von Emanzipation, also Befreiung, wenn man sich als Frau prostituiert? Vielleicht bin ich da konservativ, ich kann dem nichts abgewinnen.
Jetzt steht hier mehr zum Film als zum Buch – das ich aber auch nicht zu Ende las, weil es mir auch nichts gab. Keine Wertung.

 

John Higgs: „Einstein, Freud & Sgt. Pepper“
Hörbuch, gelesen von Frank Arnold (der das hervorragend machte!)
Das ist die Geschichte des 20. Jahrhunderts, wie ich sie tatsächlich noch nicht gehört / gelesen habe. Echt großartig. Vielleicht rümpft so der eine oder die andere Historiker*in die Nase über die „Erzählweise“ und vielleicht auch über die Sichtweise, die sehr speziell ist, mich aber absolut abholt und überzeugt.
Es ist eine eher kulturgeschichtliche Herangehensweise, keine alltagspolitische. Damit lässt sich ein größerer Rahmen ziehen, aber dennoch wird der Autor „persönlich“, macht das Große auch am Einzelnen fest, bzw. zeigt auf, warum Einzelne, Persönlichkeiten so agierten und argumentierten – bzw. warum sie vielleicht auch einfach zur rechten Zeit da waren.
Z.B. das Heranziehen von Leuten wie Aleister Crowley und Ayn Rand als Stichwortgeber für den Drang nach persönlicher Freiheit in der (Klassen-) Gesellschaft, also einem hohen Ideal und Wert eines Teils der Gesellschaft(en) der Welt. Ja, so kann man das halt auch sehen.
Usw., hier kommt keine Rezi. Dafür aber satte 10 / 10 Punkte

 

Friedrich Nietzsche: „Ecce Homo“
Hörbuch, gelesen von Konstantin Graudus
Mit Nietzsche habe ich es schon des Öfteren versucht. Kam nie weit, muss ich mal zugeben. Aber bei dem (gekürzten) Hörbuch konnte ich es ja noch mal versuchen, oder?
Ja, klappte. Fand es gut. Und überraschend. Warum, weiß ich nicht, dachte ich lange, N. wäre eher die Misanthrop. Nee, ist er nicht. Seine Kraft durch eigenes Leiden hat mich sogar angesprochen. Seine Zuwendung zum Leben! Und seine Kritik an (er schimpft eher ausgiebig auf) Deutschland fand ich auch überraschend. Für Deutschnationale bietet er aber wenige Anknüpfungspunkte, um es mal so auszudrücken.
Im 2. Teil nervte mich ein wenig sein permanentes Selbstlob. Aber ein paar Grundgedanken seines Schaffens und Denkens hat er mir durch seine Selbstdarstellung (Autorbiografie wäre zu hoch gegriffen) durchaus näher
8 / 10 Punkte

 

Jan Weiss: „Das Haus der tausend Stockwerke“
Faszinierendes Zeugnis früher tschechischer SF, die mal nicht von Capek stammt. In Tschechien muss der Autor durchaus eine größerer Rolle spielen, gilt als Begründer der tschechischen SF. Auf Deutsch gibt es kaum etwas. Aber dieses Buch, das in der DDR-Ausgabe erschien und der der damaligen (70er Jahre) Ausgabe in der CSSR gleicht. Das Buch ist ein Kleinod, ein ästhetisches Fest. Schon das macht Laune. Aber auch inhaltlich ist es interessant. Ich möchte es als märchenhafte Dystopie bezeichnen. Irgendwie gehört es in eine Reihe mit den großen Dystopien, von Samjatin bis Orwell.
Aber – wohl typisch für den Autor Weiss, der einst in russischer Kriegsgefangenschaft seit 1915 fast an Typhus starb und im Delirium wild träumte – dominieren seine Erzählungen Träume und traumatische Erlebnisse. So auch in diesem Roman, der vieles unwirklich, unlogisch, konstruiert wirken lässt.
Das Haus wurde von einem Multimillionär gegründet, der seinen Reichtum auf ein spezielles Material begründet, das er entdeckte, das fester als Beton und leichter als Luft ist. Das Zeug ist sehr kostbar und er hat Tonnen davon.
Der Mullerton ist eine Welt für sich – damit eine Metapher für die Welt, für eine geschlossene Gesellschaft, die durch Ausbeutung und Unterdrückung geprägt ist. Muller ist auch sowas wie der Vorläufer des Großen Bruders.
In diese Welt gerät – wie weiß er selbst nicht – der Privatdetektiv Brok, der Muller stellen will, den Revolutionären und einer von Muller entführten Prinzessin helfen möchte. Eine wilde Queste durch die 1000 Stockwerke beginnt und endet… im Traum?
Interessantes und tolles Buch – ich gebe mal 9 / 10 Punkte

 

Constantin Dupien: „Der Spuk auf Lakewood Manor“
Ein handmade-book aus dem Hause KOVD (Novella), persönlich beim Autor nach seiner Lesung im Haus des Buches Leipzig am 15. Februar erworben. Seine Lesung und sein Auftritt waren mir Motivation genug, das kleine Büchlein zu erwerben und zu lesen. Und? Ja, hat sich gelohnt!
Eine fast schon klassisch anmutenden, britisch wirkende, geradlinig erzählte Gruselstory – die es am Ende offen lässt, ob es sich hier um ein psychologisches oder doch um ein metaphysisches Problem handelt.
Wir haben ein typisches Ermittlerpaar, das natürlich an Holmes und Watson erinnert, mich aber mehr noch an die „Denkmaschine“ Professor van Dusen und seinen Begleiter, der ähnlich wie Watson bei Sherlock Holmes, von den Großtaten des Meisters berichtet, Hutchinson Hatch – zumal das Wort „Denkmaschine“ tatsächlich im hier vorliegenden Text auftaucht!
Unser Meisterdetektiv hier heißt Preston Lennox und der „Schriftführer“ John Denton.
Ob es noch mehr Abenteuer von den beiden gibt, geben wird?
Diesmal müssen sie dem Hilferuf eines entnervten Adligen nachgehen, in dessen Villa es spukt. Es gibt dann sogar einen Toten, ehe der Meisterdetektiv dann doch recht schnell – eventuell aber nur vermeintlich – den Fall löst.
Für Stimmung, kurzweilige Unterhaltung und eine Story, die nicht so super tief in die Tiefe geht: 8 / 10 Punkte

 

László F. Földényi: „Die Orte des lebenden Todes“
Kafka, Chirico und die anderen, Fröhliche Wissenschaft 102 aus dem Hause Matthes & Seitz Berlin
Ich verzettle mich, aber was soll’s: Es gibt so viel zu entdecken. Zu diesem Essayisten habe ich mich regelrecht „hintreiben“ lassen – die Assoziationskette erspare ich mir und Euch hier. Mir macht solche Erkundungstour in der Regel immer wieder mal großen Spaß, aber leider komme ich da selber dann nicht mehr hinterher. Mal sehen, wie weit ich hier komme.
Es geht um traurige Orte, auf Bildern und im Leben von traurigen Schriftstellern. Kann man da so sagen? Ja, weiß nicht, ich habe den Eindruck, dass der Autor sich auch gern „treiben“ lässt und seinen eigenem assoziativem Gedränge* folgt.
Stellenweise klingen seine Sätze einfach toll, aber nicht immer kann ich ihm folgen. Er ermuntert mich auf jeden Fall, Gemälde mir wieder genauer zu betrachten. Dafür 7 / 10 Punkte
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*) das ist ein Begriff, der mir sehr gefällt, den ich aber auch nur geklaut habe. Er stammt von Ernst Petz, den er für eine Essay-Buchreihe aus seiner Feder einst fand.

 

Gabriel Heim: „Wer sind Sie denn wirklich, Herr Gasbarra?“
Mein Lieblingsthema? Ja, muss wohl. Felix Gasbarra ist ein inzwischen eher vergessener Autor, vor allem von Theaterstücken. Aber auch von Artikeln, Gedichten – und einem Roman: Den hatte ich mal im Zusammenhang mit unserem Neuer-Stern-Projekt zu J. Swift gelesen: „Schule der Planeten“ – und den ich nach der Lektüre dieses Buches hier noch einmal lesen werde.
Wer war Felix Gasbarra? Die Frage stellte sich mir damals auch und ich fand auch was Faszinierendes, denn er changierte zwischen den politischen Systemen und Ideologien des 20. Jahrhunderts. Damit stelle ich ihn in eine Reihe mit Arnolt Bronnen und auch Franz Fühmann. Sie sind nicht direkt vergleichbar, aber was die Knicke in ihren Lebensläufen anbelangt durchaus. Und genau das ist sehr interessant für mich, daher habe ich diese Biografie des Sohns von Gasbarra mit großem Interesse gelesen.
Helm ist der uneheliche Sohn Gasbarras, der ihn auch nie richtig kennen lernen konnte. Gasbarra war nicht so der Familienmensch, um es mal so auszudrücken.
Er kam aus wohlhabender Familien, die mit und nach dem 1. Weltkrieg in die Armut schlitterte. G. musste sich dann als Handwerker verdingen, lernte die linke, kommunistische Bohme und Theaterszene in den 20er Jahren kennen. U.a. Brecht, aber vor allem Erwin Piscator.
Er war der elegante und lebenslustige kommunistische Propagandist – ehe er 1933, komplett von der linken Szene desillusioniert, auf die Gegenseite wechselte. Allerdings ging er nach Rom und schrieb u.a. für Mussolini die Reden.
Also so einer war das. Um 1944 wechselte er zu den Alliierten und war in Bozen / Tirol Pressezensor. Und Burgherr. Seinen Lebenslauf musste der Autor, sein Sohn, erst mühsam rekonstruieren, vor allem anhand der Aufzeichnungen der Ehefrau Gasbarras, Doris Hohmann, eine expressionistische Künstlerin, die in Südamerika landete.
Das Buch wäre sicher spektakulärer, wenn Gasbarra bekannter wäre – heute. Aber für sich genommen ist das ein Lebens-Polit-Krimi erster Klasse.
10 / 10 Punkte




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LBM2024 Nietzsches Badehose* und Horror in den Pittlerwerken

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei... 24 Mrz 2024 · 747 Aufrufe
LBM2024, Elmar Schenkel und 1 weitere...

Samstag. Auf der Messe ist das der Großkampftag. Das vermeide ich dann doch lieber. Aber „Leipzig liest“ ja überall…
…z.B. im Hugendubel. Das Haus wurde gerade frisch renoviert. Dort werden im Halbstundentakt in der Reihe „Sächsische Büchermenschen stellen sich vor“ Veranstaltungen abgehalten. Mich interessierte hier einer von diesen „Büchermenschen“. Ein anderer hätte mich auch interessiert, aber den sollte ich eigentlich abends noch einmal erleben. Daher verzichtete ich hier, was sich dann als Fehler herausstellte. Ach, und Volly Tanner, der mich kürzlich für die Andromeda Nachrichten interviewte, konnte ich auch kurz die Hand drücken. (Beste Grüße!)

 

Jetzt aber erst einmal: Elmar Schenkel, der ein Büchlein im Tauchaer Verlag rausbrachte, in dem er „Wahre Geschichten um Friedrich Nietzsche“ zusammentrug.
(Auf dem Foto links von ihm sein Verleger beim Tauchaer Verl., Herr Müller)

 

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War wieder ein Fest. Der emeritierte Professor für Anglistik kann – so mein Eindruck – über alles faszinierend sprechen. Aus der Kalten, einfach so. Und jetzt hat er auch wieder mehr Zeit, sich seinen zahlreichen literarischen, philosophischen u.a. Interessen zu widmen, u.a. seiner lang gepflegten großen Liebe Nietzsche.
Er brach gleich eine Lanze für die Nietzsche-Gedenkstätte in Röcken / Lützen, nahe Leipzig, wo N. geboren wurde und verstarb. Dort ist auch sein Grab. Ich glaube, da müssen wir vom ASFC Halle auch mal hin, natürlich mit Führung durch Herrn Schenkel! (das macht er nämlich)

 

Abends sollte es noch mal morbid werden.

 

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Die Lokation war es schon mal: Die Pittlerwerke, eine Industriebrache, die nun auch kulturell genutzt wird. Dort gibt es die „Galerie Analog Art Photography“, in deren schönen, mit Fotos verzierten Räumlichkeiten die Lesung stattfinden konnte.
Der Ort faszinierte mich und ich werde wohl in Zukunft mehr Ausschau halten nach kulturellen Events an diesem Ort. Zumal der Ort an der Ausfahrt Leipzigs Richtung Halle liegt; also, besser könnte ich es gar nicht haben.
„Berlin morbid“ ist der dritte Teil der „Lokalen Horror-Reihe“ im Lychatz-Verlag. Es gab schon Leipzig und Wien; jetzt also Berlin. Uwe Schimunek versammelt darin Autoren und Autorinnen, die sich etwas Grusliges zu den jeweiligen Städten einfielen ließen. Eine schöne Reihe, wie ich finde. Zu Leipzig morbid siehe hier.
Angekündigt war allerdings u.a. Roman Israel. Ich finde den ja richtig gut, vor allem als Vorleser, Interpret seiner eigenen Texte. (Selbst gelesen habe ich noch nicht so viel von ihm.) Leider kam er aber gar nicht. Das war für mich, wie oben angedeutet auch doppelt „tragisch“, weil ich ja, na ja, steht ja oben…
Fünf Leutchen lasen dafür. Sehr unterschiedliche Sachen. Zwei Krimiautorinnen, Zwei (auch-) Krimiautoren und ein Märchenerzähler und Gundermann-Archiv-Verwalter aus Hoyerswerda mit Künstlernamen Pfeffi. Na ja, um ehrlich zu sein, hat mir dieser Beitrag am wenigsten gefallen. Er hat seinen sehr langen Text auch nur partiell gelesen. Was dazwischen geschah, hat er dann immer kurz zusammen gefasst. Der märchenhaft-antiquierte Ton hatte ja was für sich, in so einer modernen Gruselstory – wenn man sich dran gewöhnt hat. Außerdem kamen schön Spitzen und ironische Bemerkungen zu Ereignissen der Gegenwart. Aber die Vortragsweise war nicht optimal.

 

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Uwe Schimunek hatte den Reigen angeführt und auch immer mal was zu seinen Kolleg*innen erzählt. Sein Beitrag war der deftigste; hatte extra gefragt, ob niemand unter 18 dabei wäre.
Der beste Betrag kam nach meinem Dafürhalten von Wolfgang Schüler, einem schreibenden Rechtsanwalt. Seine ziemlich menschlich-persönliche Geistergeschichte, die natürlich etwas an „The sixth Sence“ erinnerte, hat mich gerührt zurück gelassen.
Also, ein schöner LBM-Tag, mit „alten Bekannten“ und neuen, tollen Eindrücken. So muss LBM (für mich)!

 

*) Nietzsches Badehose? Was das heißt, weiß Herr Schenkel…




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LBM2024, der FKSFL & ein Anthologieprojekt - mein Messetag 22.März

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei... 23 Mrz 2024 · 846 Aufrufe
LBM2024, FKSFL

LBM2024 & FKSFL am Freitag, 22. März

 

Der Freundeskreis SF Leipzig lud – auch schon wie gewohnt für die Messezeit – ins Ambrosia, in der Prager Straße, zur Lesung ein. Diesmal stand eine neue Anthologie aus dem Hirnkost-Verlag im Zentrum der Aufmerksamkeit:

 

„Strandgut“. Eine SF-Anthologie, die sich um das Thema Migration, Flucht etc. dreht.
Hier im SF-Netzwerk gibt es bereits einen Diskussionsfaden. Da geht es u.a. auch um das Titelbild, das nicht bei allen gut ankommt. Nun, ich muss gestehen, bei mir auch nicht. Es wird ein bekanntes Motiv verwendet, das quasi zum Meme für das Elend der Migration geworden ist – das tote Kind am Strand.
Ich finde es etwas pietätlos, das Bild hier so zu verwenden. Es wird vor eine fiktive, moderne, städtische Kulisse / Skyline gesetzt, die wohl den SF-Bezug darstellen soll.
Ich habe die Anthologie nicht gelesen, werde es wohl auch nicht. Das Thema ist mir einfach noch zu nahe, zu akut. Vor dem Hintergrund der Diskussionen um korrekte Sprache und korrektes Denken und Handeln, um kulturelle Aneignung, von Wahrnehmung und Wahrung von Identitäten finde ich es z.B. komisch, dass hier ausschließlich "wohlstandsdeutsche"* SF- und Phantastikautor*innen zu Wort kommen. Warum keine Betroffenen? Und würden sie ihre Geschichten auch in ein fiktives Umfeld setzen wollen / gesetzt sehen wollen?

 

Aiki Mira und Vincent Voss haben aus ihren Beiträgen zur Anthologie gelesen. Beide haben mich nicht wirklich überzeugen können. Lesungen sind nicht leicht zu bewältigen, wie ich immer mehr erkennen muss. Beide können ihre Texte durchaus sehr schön, flüssig, mit Verve interpretieren. Aber eignen sich die Texte zum Vor-Lesen? Kam mir bei beiden nicht so vor.
Bei Aiki Miras Text kommt es, glaube ich, auf die Zwischentöne an. Ansonsten ist es eine Migrant*innen-Liebesgeschichte. Zum Schluss spürte ich die Sehnsucht der Protagonistin nach ihrer Liebe, aber das hat echt gedauert, bis ich mich da einhören konnte.
Die Geschichte von Vincent Voss war zum Vortragen einfach zu lang. Sie besteht auch aus erkennbar drei Teilen, wobei wir zum dritten Tell nicht mehr kamen. Die Teile driften dermaßen auseinander, dass ich erst mal dachte, das wären völlig unterschiedliche Stories, die er da liest. Auch hier nützt es mehr, wenn man sie selber liest, denke ich.
Beiden Lesenden kann man aber bescheinigen, dass sie durchaus „bei sich blieben“. So hat Aiki Mira ihre Protas bewusst queer angelegt und Vincent Voss hat beruflich mit Migrations-Hilfe zu tun, er weiß also durchaus, wovon er schreibt. Das „mindert“ meine oben gemachte Kritik etwa.
Wer wird diese Anthologie lesen? Leute, die man vielleicht davon überzeugen möchte, mehr Empathie für die Problematik und vor allem für die betroffenen Menschen zu wecken? Das wurde so in etwa in der kurzen anschließenden Diskussion zum Ausdruck gebracht. Aber wird man die erreichen, die dem Thema Migration skeptisch bis feindlich gegen über stehen? Glaube ich nicht. Es sei denn, es handelt sich um SF-Fans, die ein Faible für toll aufgemachte und teure SF-Anthologien haben. Die mag es geben. Ich wünsche es dem Buch sehr, habe aber so meine Zweifel.
Die Veranstaltung war leider nicht gut besucht. Dafür waren mit dem Verleger und den beiden Lesenden insgesamt fünf an der Antho Beteiligte vor Ort.
Ansonsten hatte ich mich etwas in der Zeit vertan, war im Grunde zu früh da; ärgerlich nur, dass im offiziellen „Leipzig liest“-Programm auch 18 Uhr als Startzeit stand, aber auf der FKSFL-Seite 19 Uhr. So was sollte man vielleicht in Zukunft vermeiden.

 

Handyfoto von mir: links Vincent Voss und rechts im Bild Aiki Mira

 

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*) man möge mir den sarkastischen Ausdruck verzeihen, zumal ich ja gar nicht alle Autor*innen kenne, schon gar nicht, in welchen Lebensumständen sie sich befinden. Aber nach dem Inhaltsverzeichnis auf der Verlagsseite (click) sind keine Migrant*innen dabei, oder?




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LBM2024 - der Donnerstag

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei... 22 Mrz 2024 · 621 Aufrufe
LBM2024

Donnerstag, 21. März – der Messetag

 

Donnerstag ist bei uns – also im familiären Rahmen – immer DER Messetag. Da gehen wir auf die Messe, klappern die Stände ab. Ich weiß, das ist immer so bei vielen meiner SF-Freunde und -Bekannten die Gelegenheit, sich dort zu treffen. Na ja ich habe das auch schon mal in all den Jahren mitunter versucht. Aber das ist immer ein logistisches Problem, denn man muss sich ja auf einen Tag einigen, den Ort und Zeitpunkt absprechen. Das ist mir zu mühselig und – klingt zwar echt doof in dem Zusammenhang – auch zu ineffektiv. Man kann sich in dem Trubel nicht wirklich gut unterhalten, so meine Erfahrung – die aber auch durch wirklich schöne und auch intensive Treffen in der Vergangenheit relativiert wurde. Das auf jeden Fall.
Doch wir haben unseren „Plan“ und zu dem gehört halt der halbe Tag auf dem Messegelände und dann der Besuch von Veranstaltungen, die uns interessieren; gern auch schon auf dem Messegelände.
Trotzdem kam es zu einem spontanen Treffen, mit einer SF-Stammtisch-Bekannten aus Halle, die mich auch zu den Ständen von zwei Verlagen mitnahm, wo sie Veröffentlichungen hat. Einer davon ist ein recht neuer Verlag, der für uns Phantasten sicher in Zukunft einiges bereithält: WaterProofCoast Verlag (ja ja, aus Deutschland, auf Deutsch…). Wir wohnten einer frischen Vertragsunterzeichnung mit einem jungen Autor bei; war ja irgendwie spannend. Ich drücke dem Verlag für die Zukunft alle verfügbaren Daumen!
Auch wenn man nur einfach so durch die Gänge schlendert, sich von – vor allem – Kleinverlegern ansprechen lässt, in den Büchern blättert und an den Ständen nach Interessantem und Inspirierendem Ausschau hält, vergeht die Zeit wie im Fluge.

 

Ach, beim kul-ja! Publishing Verlag von Julia Kulewatz wollte ich ja noch vorbei. Musste etwas suchen, ehe ich den Stand fand und dann traf ich sie gar nicht an. Aber die Leute vom Verlag waren sehr freundlich und das gerade frisch herausgekommene Fortsetzungsbuch ihrer dystopischen Trilogie, „Disfunctional“, konnte ich dort erwerben. Musste sein.

 

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Eine schöne Lesung hatte ich dann dort noch: Am Stand des Tschechischen Staates. Dort stellten (v.l.n.r.) eine die Passagen aus dem Roman lesende Schauspielerin, Steffi Böttger, die Autorin Markéta Pilátova und ihr Übersetzer Mirko Kraetsch das neue Buch „Die dunkle Seite“ vor.
Ein paranormaler Thriller – sozusagen. Der tschechische Titel lautet „Senzibil“ – ein Wort, so der Übersetzer, das man nicht ins Deutsche übersetzen kann, auch nicht ins Polnische z.B., nur ins Italienische. Die Person, die damit bezeichnet wird, besitzt verschiedene Eingeschalten, für die es Entsprechungen im Deutschen gibt, aber wohl nicht in der Gesamtheit.
Im Verlag hatte man gegrübelt, wie man den Roman im Deutschen betitelt. Also, so aus meiner Sicht: Man hätte ruhig den Titel so belassen können. Klingt doch gut, oder?
Es geht also um Leute, die sozusagen paranormale, parapsychologische Eigenschaften haben. Sie können Wasseradern finden, haben aber auch ein Faible für Geister. Interessant fand ich den Hinweis, dass es in der sozialistischen CSSR mal ein paranormales Institut gab, das für den Geheimdienst gearbeitet hat. Also die X-Akten? Wow!*

 

Nachmittags gings dann noch in die „Runde Ecke“, dem Stasi-Museum, in dessen altem Kinosaal ja auch immer Klasse-Veranstaltungen zur LBM stattfinden. Natürlich meist eher politischer Natur.
Ich lernte dort Thomas Urban kennen – einen Kenner der osteuropäischen Politik und Gesellschaften, seit den 80ern, bis vor kurzem wohl. Er war in Warschau und Moskau und anderswo als „leitender Journalist“ – und der Mann hat Ahnung, echt.
Sein Buch heißt – etwas ironisch: „Lexikon für Putinversteher“. Habe es mir im Anschluss gleich gekauft – und signieren lassen, klar.
Er hat Insiderwissen und einen interessante und klare Sicht auf die Verhältnisse in Russland. War erfrischend und erhellend. Tolle Veranstaltung!

 

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Moderator R. Bohse und der Autor

 

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*) Und wenn man danach im Netz sucht, stößt man auf eine ganz frische TV-Serie, eine Koproduktion des tschech. Fernsehens und des ZDF: „To se vysvětlí, soudruzi!“ (Wir sind dran, Genossen! ) eine Mystery-Comedy-Fernsehserie, laut tschech.- Wikipedia. Noch ein Wow! Will ich sehen? Wo kann man? - Läuft wohl erst einmal im tschechischen TV. Wohl leider kein Erfolg, wie es scheint (Info auf der tschech. Wikipedia-Seite)… Schade.




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Liebes Messetagebuch - LBM2024 - 20.März

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le..., Ich war dabei... 21 Mrz 2024 · 599 Aufrufe
LBM2024

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Was für eine tolle Bühne!

 

Kaum zu glauben, dass die Leipziger Buchmesse drei Jahre lang nicht stattgefunden hatte. Inzwischen ist es nach Corona das zweite Mal, dass sie wieder durchgeführt wird – und es fühlt sich so normal an.
Als im Gewandhaus noch die große Eröffnung stattfand, gab es schon erste Veranstaltungen. Das Programm von „Leipzig liest“ ist so übervoll, dass man da nicht erst am Donnerstag mit anfangen kann. Gut so.
Also, Mittwoch, 20. März, 19 Uhr, im Lindenfels:

 

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v.l.n.r.: Die Vorleserin Jasmin Galonski, Lisa Weeda, Dimitrij Kapitelman und Moderatorin Bettina Baltschev

 

Tanz, tanz, Revolution! – eigentlich läuft im Lindenfels alles zu Flandern & Niederlande, aber die Beiden - Lisa Weeda und Dimitrij Kapitelman - haben ukrainische Wurzeln und genau das spielt in den Büchern, die sie hier vorstellen, die Hauptrolle. Aber egal, war trotzdem sehr interessant – wahrscheinlich genau wegen des Themas.
Warum ich es aber auch noch mal extra hier in dem Blog Phantastische Ansichten erwähne? Ja, ich hätte es in jeden Fall erwähnt, aber wie der Zufall es will – und ich wusste es vorher nicht – ist das Buch, das der Veranstaltung den Namen gab, von Lisa Weeda, so ganz nebenbei auch ein phantastisches!
Ich weiß nicht, jetzt, wo ich davon so viel gehört habe, ob diese Art der Herangehensweise dem Thema – Krieg in der Ukraine – angemessen ist.
Es geht erst einmal gar nicht wirklich um die Ukraine, sondern um ein fiktives osteuropä. Land, das von einem großen Nachbarn überfallen wird.
Das Phantastische daran: Die Toten des Krieges werden von einem mystischen Wesen in die Bade- und Schlafzimmer anderer Länder, in denen Frieden ist, verbracht. Dort können die Bewohner der Häuser, die die Toten bei sich vorfinden, sie zum Leben zurücktanzen. Ja, so verrückt, wie das klingt, ist es auch. Na ja und ich weiß nicht, ob … aber interessant ist es allemal. Und die beiden Autor*innen haben ihre Sache ohnehin sehr gut gemacht. Das waren eineinhalb spannende Stunden über das Leben als und mit osteuropäischen Bürgern im Westen – in Holland und in Deutschland (Kapitelman – als Kind aus der Ukraine nach D. gekommen, lange Zeit in Leipzig, hier bei uns im Grunde aufgewachsen – aber nie richtig angekommen.)

 

Okay, heute geht es auf die Messe selbst, rein ins Getümmel. Ich lass mal wieder alles auf mich wirken und vielleicht lass ich mich auch inspirieren…




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Der 99. NEUE STERN - für die Frauen in der SF

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 13 Mrz 2024 · 736 Aufrufe

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In den AN 284 schreibt Sabine Seyfarth über den „NEUEN STERN für die Götter“, also unsere 87. Ausgabe. Dafür ihr einen großen Dank! Sehr positiv, sehr umfangreich – was will das Doppelherz des Redaktions-Aliens mehr! Bin glücklich, wenn unser „Rundbrief“ so gut ankommt.
Sie merkt an, dass an einer Stelle, wo Fanzines aufgezählt werden, der NEUE STERN nicht erwähnt wir. Hmm, na ja, vielleicht habe ich das ja selbst provoziert, indem ich immer schreibe, dass es sich nur um einen Rundbrief handelt nicht um ein richtiges Fanzine. Irgendwie möchte ich dabei bleiben, aber natürlich ist es ein Fan-Zine, im besten Sinne des Wortes.
Und trotz niedriger Latte, die damit gehängt ist, geben wir uns alle Mühe und ich hoffe vor allem, dass die Lust & Laune, die wir beim Verfassen der Beiträge haben, gut rüberkommen. Das ist die Hauptsache.
Nun also die 99. Ausgabe. Hier haben wir dann sogar so viel Material zusammen getragen, dass es für 2 Hefte reicht. Insgesamt satte 100 Seiten.
Wir widmen uns dem Thema „Frauen in der SF“ – sicher nicht vollumfänglich, aber mit ganzem Herzen. Unser Frauentags-Spezial zum 8. März 2024.

 

Inhaltsverzeichnis:
FRAUEN 1
Editorial - Thomas Hofmann - Cover innen
Ina Elbracht: "The Shape of Murder", Story - S. 3
Ina Elbracht: Portrait - S. 7
Sabine Seyfarth über Pia Biundo: „Alle Zeit der Welt“ - S. 9
Thomas Hofmann über Emma Braslavsky: "Erdling" - S. 12
Volker Adam über Rochelle Singer: „Die Demeter Blume“ - S. 17
Volker Adam über Gerd Brantenberg: „Die Töchter Egalias“ - S. 19
Peter Schünemann über Nancy Farmer: „Drachenmeer“ - S. 24
Peter Schünemann über Nancy Farmer: „Elfenfluch“ - S. 25
Peter Schünemann über Nancy Farmer: „Nebelrache“ - S. 27
Volker Adam über Kurzgeschichten von Autorinnen in der Sammlung Luchterhand - S. 29
Volker Adam über Karen Duve: Macht - S. 33
Peter Schünemann über Stephen King: Holly - S. 37
Aus alten Bücherschränken - S. 40
Bernd Wiese über
... Friedrich Freksa: Das Geheimnis des Inders Praschna
... Robert Kraft: „Im Aeroplan um die Erde“
... Die letzte Macht: eine Utopie aus unserer Zeit von Paul G. Ehrhardt
Grenzgänger. Französische Häuser - S. 50
Thomas Hofmann über
... Roland Topor: "Der Mieter"
... Jean Pierre Andrevon & Philippe Cousin: "Das Haus gegenüber"
FRAUEN 2
Thomas Hofmann über Julia Kulewatz: „Dysfunctional Woman“ - S. 57
Interview mit Julia Kulewatz, geführt von Thomas Hofmann - S. 61
Julia Kulewatz: "Dysfunctional. Prolog" -S. 68
Julia Kulewatz, Portrait - S. 70
Peter Schünemann über Ursula K. Le Guin: "Das Wunschtal" - S. 72
Peter Schünemann über"Grenzflächen" - S. 74
Sarah Miriam Lutzemann: Aktuelle Science-Fiction – Diversity in Space oder Patriarchat im Weltall - S. 77
Sarah Miriam Lutzemann, Portrait - S. 81
Volker Adam über Dorothy Bryant: "Die Insel der Ata" - S. 82
Volker Adam über Wera Wendnagel: "Mama Moneta oder die Frauenfolge" - S. 86
Volker Adam über Marockh Lautenschlag: "Sweet America" - S. 88
Peter Schünemann über Nancy Kress: "Verico Target" - S. 93
Volker Adam über Phyllis Gotlieb: „Die Geissel des Lichts“ - S. 94
Volker Adam über Phyllis Gotlieb: "Oh, Meister Caliban!" -S. 97
Bernd Wiese über „Das Tier im Walde“. Seltsame Geschichten von L. Andro - S. 100




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Constantin Dupien zu Gast beim Freundeskreis SF Leipzig e.V.

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013, Phantastisches Halle & Le..., Ich war dabei... 18 Februar 2024 · 783 Aufrufe
FKSFL

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Foto © Volker Adam. Rechts zu sehen: Constantin Dupien, links der Moderator

 

Constantin Dupien zu Gast beim Freundeskreis SF Leipzig e.V.
Im Literaturhaus Leipzig
Am 15.02.2024

Moderation: ich – daher hier nur ein kleiner Report.

 

Wie das so ist, wenn man selbst mitmacht, kann man sich hinterher nicht so über eine Veranstaltung auslassen, als würde man nur zuhören und Notizen machen.
Notizen habe ich ja, aber da stehen Fragen drauf und das, was ich sagen wollte. In den 1,5 Stunden kam ich nicht zu all den Stichworten, die ich mir notiert hatte. So was ist aus meiner Sicht immer ein gutes Zeichen, denn das heißt, es lief gut: der Autor gab alles, erzählte viel, so dass ich gar nicht so viel fragen musste. Das Publikum hat auch prima mitgemacht. Ca. 30 Leute kamen ins Literatur-Café, immerhin (es gab schon Veranstaltungen des SF-Clubs mit weniger Beteiligung).
Constantin macht seine Sache aber auch wirklich gut, er ist sehr unterhaltsam, eloquent und erteilt gern Auskünfte über sich und sein Schreiben. Ein paar „Geheimnisse“ konnte ich ihm entlocken – wir wissen jetzt, wie sein richtiger Namen lautet, denn „Dupien" ist nicht rein zufällig der Name des Detektives bei E.A. Poe, den der Autor sich ja sehr zum Vorbild nahm und den er verehrt.
Wir wissen auch, wer welche Teile in der Horrornovelle „Das Vermächtnis“ geschrieben hat – siehe meinen kurzen Leselisteneintrag in Folge.
Wir wissen nun auch, wie die erweiterte und aktuelle Version dieser Novelle zustande, bzw. vollendet wurde. Hat mit einem Kind zu tun, wenn auch auf anderer Art als man vielleicht denken könnte.
Nein, ich verrate dies alles hier nicht, sondern empfehle, ruhig mal eine Lesung des Autors zu besuchen, oder mein Tipp an die SF- u.a. Literaturclub: Einladen, selber ausfragen.

 

Gelesen hat er:
Story aus dem „Best Of” der MÄNGELEXEMPLARE. Das Familienvermächtnis - „Uroma Klaras Veranda“ und aus „Das Vermächtnis. Ruf der Dunkelheit“ – zusammen mit Vincent Voss geschrieben, der übrigens am 22. März zu Gast beim FKSFL sein wird (u.a.)

 

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Leselistenauszug
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Vincent Voss und Constantin Dupien: « Das Vermächtnis: Ruf der Dunkelheit“
In Vorbereitung zu seiner – Constantin Dupiens – Lesung beim FKSFL im Februar, die ich ja moderieren soll, las ich endlich mal auch etwas von ihm. Sein Name war mir natürlich bekannt. Auch, dass er mit der MÄNGELEXEMPLARE-Reihe zu tun hat.
Diese Horror-Novelle erzählt von einem unheimlichen Erbe, das jemand antritt, von Tagebuchaufzeichnungen aus dem I. Weltkrieg. Ist dieser Krieg schon schlimm genug, so sucht etwas Unheimliches, Unnennbares aus einem finsteren Loch inmitten der Schützengräben die deutschen und englischen Soldaten heim. Dieses böse Etwas stört dann auch die historisch verbriefte gemeinsame Weihnachtsfeier der Verfeindeten.
Mich haben die Schilderungen der Erlebnisse in diesem fürchterlichen Krieg durchaus beeindruckt; für meine Begriffe hätte es des zusätzlichen übernatürlichen Gruselfaktors benötigt. Der konnte eigentlich das Unheilgar nicht verstärken. Aber als „Erbe“ ist es vielleicht greifbarerer, als das viel beschworene historische Erbe, dass eine Gesellschaft mit sich herumträgt und auch bis in die Gegenwart wirkt – ob wir das wollen oder nicht.
9 / 10 Punkte

 

Anthologie: „Mängelexemplare 5. Am Ende der Zeit“
Hier begann ich zu lesen mit dem Beitrag von Constantin Dupien. „Sechsunddreißig Stunden am Arsch“. Da lernte ich gleich das Dimensionstor des mad scientist Professor Groll kennen, dessen Erfindung / Entdeckung und Person die Rahmenhandlung füllt. Der schickt jemanden durch das Tor, hier auf eine Welt im Arsch. Die war nicht immer so, im Gegenteil. Einst fast das Paradies, denn alle uns bekannten sozialen und auch Klima-Probleme waren im Griff. Aber die Gegenwart der Fremden aus dem Dimensionstor hat das alles ins Ungleichgewicht gestoßen. Hmm, weiß nicht, ob das eine Metapher – für was? – sein kann? Ich fand die Begründung, dass die Herrschenden sich von den Leuten aus andren Dimensionen verunsichern ließen, etwas mager. Es wird aber auch noch ein handfesterer Grund für den Zerfall des Paradieses genannt. Aber nur am Rande.
Gefallen hat mir die Story von Vincent Voss noch sehr gut gefallen. Auch wenn sie klischeehaft beginnt: Ein Pärchen muss nach einer Art Zombieapokalypse überleben. Zombies gibt es zwar nicht, aber ähnliches: Alphas, Betas, Aliens, die Alphas ernsten, Plünderer. Die Dynamik ist ähnlich wie in 08/15-Zombie-Settings. Aber trotzdem vermochte der Autor mich mitzureißen. Ich habe mit den beiden mitgefiebert. Ein happy end gibt es obendrauf nicht.
Die Beiträge fand ich durchwachsen, auch bei der Prof.-Groll-Rahmenhandlung hätte man mehr machen können. Wobei hier Ideen der Stories zum Teil aufgegriffen und forterzählt wurden Was war gut. Viele Erzählungen hatten keinen wirklichen Bezug zu Grolls Dimensionstor. So auch der Beitrag von Arthur Gordon Wolf, dessen Story in seinem UMC-Universum spielte. Was mich daran erinnerte, dass ich mich mit diesem mal auch näher befassen muss.
Auf jeden Fall habe ich nun Stoff für das Gespräch mit dem Autor am 15.2. im Haus des Buches Leipzig. Bin gespannt und vergebe hier meine 8 / 10 Punkte.




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Im 12. Jahr des NEUEN STERNS

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern, Phantastische Grafik, Sternensplitter 27 Januar 2024 · 898 Aufrufe
Franz Fühmann

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Das neue Jahr in der Redaktion des NEUEN STERNs hat begonnen. Et voilà! Das sind sie – ja, „sie“, denn es sind gleich zu Beginn zwei Hefte, der NEUE STERN 98 und der STERNENSPLITTER 3, in dem (vor allem) ich einer literarischen Obsession nachgehe. Dort werde ich aber, wie immer im STERNENSPLITTER, tatkräftig unterstützt: Von Peter Schünemann, Volker Adam & Katharina Möbius.
Ich finde ja, die Hefte sehen wunderschön aus. Das Coverbild der 98 ist von Lina Marie Dragomirescu. 1000 Dank an Dich, liebe Lina!
Das griechisch-sagenhafte Cover auf SP3 ist von mir – mit Goldtalern? Nein, das ist der Schild des Helden…

 

Inhalte
STERNENESPLITTER 3
Franz Fühmann
Tagebuch einer Besessenheit, von Thomas Hofmann - S. 2
Mein unbekannter Fühmann, von Thomas Hofmann - S. 4
Franz Fühmann: SAIÄNS-FIKTSCHEN, von Peter Schünemann & Thomas Hofmann - S. 8
7860. sysiphosgedicht, von Peter Schünemann - S. 25
Mega.Mythen.Block, von Thomas Hofmann - S. 26
Der letzte Traum, von Thomas Hofmann - S. 33
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Fundstücke, von Katharina Möbius - S. 41
über "Versunkende Kontinente" von L.S.de Camp, von Thomas Hofmann - S. 44
Eine denkwürdige Geburtstagsfeier oder warum sich manche Wappen ändern, von Volker Adam - S. 46

 

Grafiken von Thomas Hofmann
Der gespaltene Fühmann in seinem gespaltenen Jahrhundert mit Prometheus, Adler, Liebe & Tod (Collage) - S. 1
Galerie der ursprünglichen Alternativen - S. 14, 16, 18, 20
Träume / Alpträume - S. 34, 36, 38

 

NEUER STERN 98
Editorial von Thomas - S. 1
Rezi zu "Zeitgestrüpp" von Thomas - S. 2
Drei im Herbst v. Holger Marks - S. 7
...E.St.J. Mandel: Das Meer der endlosen Ruhe
...J.O.Morgan: Der Apparat
...Ilja Trojanow: Tausend und ein Morgen
Kurz zur Sache v. Thomas - S. 13
...SCHUND, Höreth: Denton
...SFN 666
Peter Schünemann: Die Flüsterlinge, Story - S. 16
Aus alten Bücherschränken v. Bernd Wiese - S. 25
...A.M. Frey: Das Haupt der Gorgo
...A. Machen: Ein Fragment des Lebens
...A. Machen: Der Schrecken
...Martin Atlas: Titan
...Abseits der Geographie
Grenzgänger - S. 35
...Peter über H. James: Schraubendrehungen
...Peter über Dieter Kühn: N
...Thomas über M. Senkel: Dunkle Zahlen
Volker Adam über N.K. Jemisin: Die Wächterinnen von New York - S. 44
Bernd Wiese über R. Marasco: Burnt Offerings. Das Haus der toten Seelen - S 47
Bernd Wiese über Dean Koontz: Qhinn Quicksilver - S. 49
Peter Schünemann über C.R. Zafon: Der Friedhof der vergessenen Bücher - S. 50

 

___________
Referenz: Lina ist bei Insta: Lina Marie Dragomirescu (@tintenfabrik.illustration) • Instagram-Fotos und -Videos

 

PS. Huch, da hatte ich mich bei dem Titel hier geirrt, wir sind ja seit 2013 dabei und daher im 12. Jahr.




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Was mir "Erdling" empfahl - 1/2: Yvan Goll

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 25 Januar 2024 · 554 Aufrufe
Emma Braslavsky, Yvan Goll

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Yvan Goll: „Sodom und Berlin“
Zu diesem Roman griff ich aufgrund der dringenden Empfehlung, die Emma Braslavsky mit der Stimme von „Erdling“ gab, also ihrer Stimme, denn Erdling heißt auch Emma und außerdem gibt es sogar für mich erkennbare biografische Übereinstimmungen zwischen den beiden Emmas (der echten und ihrem fiktiven alter ego).
Also, ich meine: Den Namen des Autors habe ich ihrem Roman „Erdling“ entnommen. Dort taucht er als Nebenfigur auf und vor allem auch so ein Intellektuellen- und Boheme- und Lebemenschen-Salon in den „goldenen“ 20ern in Berlin, der in dem Roman von Yvan Goll beschrieben und auch im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.
Ein wunderbarer kleiner Roman, sicher mit vielen Schwächen was Plot und Figurenzeichnung anbelangt, aber so wundervoll, dynamisch, reizvoll, blumig, expressiv formuliert. In der Kürze des Textes absolut gut verträglich und begeisternd.
Der Protagonist ist sowas wie die Verkörperung der Genration, die die Zwischenkriegszeit so in vollen Zügen miterlebte und mittrug. Er war vor dem Krieg in einer Schlagenden Vereinigung, hat seine Schmisse von einem von Thun und Taxis; später von den dämlichen Studentenvereinigten enttäuscht, wandet er sich einem Menschen zu, der ihn in mittelalterliche Mysterien einweihte, seinem Denken und Fühlen damit mehr Tiefe verlieh. Dann der Krieg und die Nachkriegszeit, die Revolution. Unser „Held“ wäre fast Minister geworden, hat dann eine Art Dachverein für alle obskuren und esoterischen Organisationen der Weimarer Zeit gegründet. Ein buntes (bis schwarz-braunes) Sammelsurium obskurer Gestalten und Ideen.
Durch die Inflation zu seltsamen Reichtum gekommen, inklusive eigener Insel und Adelstitel, was aber alles nix brachte. Insgesamt eine sicher unausgegorene „Geschichte“, aber ein absolut faszinierender Einblick in einen funkelnden und sprühenden und gefährlich brennenden Abschnitt deutscher Geschichte.
Für mich Anlass genug, mehr von Goll lesen zu wollen. Das Bild zeigt, dass dieses Buch Teil meiner kleinen Inspirationskette ist, die mit „Erdling“ begann.
10 / 10 Punkte + 1 Extra-Punkt für das wunderschöne Cover








Motto

„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 
Arno Schmidt
 
Er weiß nun auch, was er gegen die … lauernde Stupidität, die sich als Realismus ausgibt, zu tun hat: das Bild von Wirklichkeit eingrenzen, sie mit ästhetischem Maß und nur mit diesem messen, den Schritt in surreale Reiche wagen."
(aus: Gunnar Decker: Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns. Eine Biographie. S. 201)

 

 

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

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© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

 

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

 

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.

 

 

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Neueste Kommentare

Archiv

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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
 Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990
 Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
 Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
  Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
 Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
 Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
 Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
 Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
 Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
 N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
 Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
 Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
 Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
 Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
 Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
 Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
 Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
 Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
 Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
 Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011
 A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
 Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016
 A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)
 Peter Schünemann, "Nachtmahr", Ed. Dunkelgestirn, 2023
 Andreas Fieberg & Ellen Norten (Hrsg.): RÜCKKEHR NACH BLEIWENHEIM, p.machinery, 2023

â– 
Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
 Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
 Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
 Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
 Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
 Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
 Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
 Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
 Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001
 Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
 C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
 Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
 Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
 Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
 Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
 G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
 M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
 Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
 Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
 Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
 Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
 Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
 Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
 Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
 Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
 Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
 Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
 Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
 Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
 Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
 Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012
 "Saramees Blut", Atlantis 2012
 M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013
 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
 Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
 Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017
 Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
 Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
 IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
 Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften, Memoranda, 2020
 Fahrenheit 145, Buch zum 15. ElsterCon, 2020
♦ Angela & Karlheinz Steinmüller: Pulaster, Memoranda, 2021
♦ (N)IRGENDWO (N)IRGENDWANN. Utopie und Humor. Begleitband zum ElsterCon 2022
♦ Goblin Press. Die frühen Jahre: 1990 - 2004. Eine illustrierte Dokumentation von Uwe Voehl, Lindenstruth 2022
♦ Hubert Katzmarz: Im Garten der Ewigkeit, p.machinery, 2022

 Angela & Karlheinz Steinmüller: Computerdämmerung, Memoranda, 2023

 Andreas Fieberg (Hrsg.): ABSCHIED VON BLEIWENHEIM. In memoriam Hubert Katzmarz MMXXIII, p.machinery, 2023

 Hubert Katzmarz: EIN MEISTERWERK DER WELTLITERATUR, p.machinery, 2023
 

 
Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016
Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018
!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020
!Time Machine 4, Januar 2021
Der neue Pegasus Nr. 2, April 2021

!Time Machine 5, Oktober 2021
!Time Machine 6, Januar 2022
!Time Machine 7, Januar 2023

!Time Machine 8, Januar 2024
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Fanzines
aktuell & laufend NEUER STERN, Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte
TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019
TERRAsse zum PentaCon 2021
REISSWOLF S5, 2024
â– 
CD-Cover
 The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
 Syngularity: The Four Horsemen; 2000
 Gothica: Within A Dream; 2000
 Gothica: Into The Mystic; 2000
 The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
 Gothica, Workbook 1995, 2003

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