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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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Leseliste März 2020 - blöde Zeit, aber gute Bücher

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 28 März 2020 · 1.218 Aufrufe
Sebastian Guhr, Mark Fisher und 1 weitere...
Der Monat war - was die Lektüre anbelangt, the rest is a nightmare - ergiebig und gut für mich. Ohne Schnörkel, hier also einfach meine Leseliste für März:

10 - Adrian Tchaikovsky: „Die Kinder der Zeit“
Nach den eher destillierten, komprimierten, aber absolut fantastischen Romanen von Sebastian Guhr, auch nach den durchaus auch konzentriert erzählten - zu heute vergleichsweise kurzen - Romanen von Michael Moorcock wollte ich doch mal wieder zum Ausgleich einen schönen, dicken SF-Schmöker konsumieren.
Okay, reicht dann auch mal wieder. Irgendwie bin ich wohl inzwischen durch meine übrige Lektüre „verdorben“: Ehe ich kurz zusammenfasse, dass der Roman gar nicht schlecht ist, muss ich als erstes einfach loswerden: Der ist zu dick, zu ausufernd, zu redundant, zu†¦ dick.
Die Ideen sind schon großartig. Dabei holt der Autor auch recht weit aus, was bei der Dicke des Buches sicher angemessen ist.
Die Menschheit hat sich zu den Sternen aufgemacht, aber auch selbst vernichtet und ein Erbe auf der Erde hinterlassen, dass es den Überlebenden, die eine neue Zivilisation gründen, unmöglich macht, auf der Erde zu bleiben. Also werden Archen entsandt, auf einer davon finden wir uns als Leser wieder.
Parallel wird - konsequent Kapitel für Kapitel alternierend zum Archen-Plot - von einer wunderbaren, superinteressanten Evolution auf einer fremden Welt erzählt. Es wurden nämlich von der alten Erde initiierte Terraforming-Programme auf fremden Welten angestoßen. U.a. wurden modifizierte Viren ausgesetzt, die bei extra eingeführten Tieren eine beschleunigte Evolution initiieren sollen. In unserem Fall waren aber keine Affen oder andere Säuger die Empfänger des Virus, sondern Spinnen und Insekten.
Deren Evolution zu vernunftbegabten Wesen, die eine Zivilisation aufbauen, verlief dann auch ganz anders als bei uns Säugern. Da der Autor u.a. auch Biologe ist, kann man sicher davon ausgehen, dass das Geschilderte Hand und Fuß hat - bei aller großartigen, phantasievollen Beschreibung.
Irgendwie darf ich nicht zu viel verraten, damit potentiellen Lesern der Spaß nicht genommen wird; ich hör schön auf, ist gut.
Aber natürlich treffen die hochentwickelten Spinnen am Ende, die gerade dabei sind, auf ihren Seidenfäden den nahen Weltraum zu erobern, mit den Menschen der Arche zusammen, denen der Po auf Grundeis geht, weil ihr Schiff nun schon Jahrtausende unterwegs ist, langsam zerbröselt und sie wohl endlich irgendwo ankommen müssen, wenn sie nicht alle umkommen wollen.
Es gibt so viele interessante Aspekte: Z.B. die Rolle der Ameisen u.a. Insekten auf der Spinnenwelt, oder wie das mit dem Alter der Archen-Menschen ist, die immer mal „aufgetaut“ werden, um was zu machen, dann aber partiell wieder in Hyperschlaf versetzt werden, Jahrhunderte später wieder aufwachen. Man kommt da schon etwas durcheinander.
Der menschliche Plot überzeugte mich dabei nicht so wie der mit den Spinnen. Was bei der Spinnenerzählung allerdings komisch war, waren die Namen: Bianca, Viola, Fabian - sie sind so anders als wir Menschen und haben solche Namen?
Auch die Art und Weise der Wissensvermittlung bei den Spinnen ist interessant, da der Autor ja davon ausgeht, dass Spinnen keine Brutpflege betreiben, also sowas wie Schulen eher nicht erfunden werden.
Und am Ende gibt es zwar eine Endschlacht, wo ich schon dachte: Okay, jetzt machen wir hier wieder die 08/15-Krieg-der-Welten-Show, aber am Ende gibt es ein versöhnliches, utopisches Ende. Vielleicht nicht unumstritten, denn im Hintergrund schwebt die Grundfrage: Was ist entscheidend im Zusammenleben vernunftbegabter Wesen: Sozialisierung oder Vererbung?
Wenn das Ganze nicht so ausufernd, mitunter schon etwas zäh und zu ausführlich, bis fast langweilig erzählt gewesen wäre, wären es satte 10 Punkte, so aber „nur“:
7 / 10 Punkte

11 - Mark Fisher: „Gespenster meines Lebens“
Weiter auf meinem Pfad der „Ich lese alles von Mark Fisher“-Challange. Oh, nee, das klingt zu†¦ modern. Außerdem gibt es so viel auf Deutsch auch gar nicht, als dass dies eine Herausforderung wäre.
Das Buch fasst seine Essays zur Musik zusammen, vor allem zur Musik, aber nicht nur. Nun hat er durchaus einen anderen Musikgeschmack als ich, aber das macht die Lektüre nicht schlechter. Fast im Gegenteil: Ich habe ein paar Sachen kennen gelernt, die mir vorher nicht bekannt waren - und die ich durchaus mögen könnte.
Das Stück „Ghosts“ von Japan z.B. - sicher eines der für die Essaysammlung titelgebende Inspiration: Ich kann es zurzeit täglich mehrere Male hören. Großartig. Hatte ich, obwohl ein „Kind der 80er“ damals gar nicht wahrgenommen; oder es ist nicht haften geblieben.
So eine Entdeckung befeuert natürlich auch weitere Recherchen. David Sylivan und seine Kooperationen, die durchaus später sehr schnulzig wurden, haben es mir nun auch angetan.
Schwieriger ist es mit dem, was aus Rave und Hip-Hop wurde. Das sind nicht unbedingt meine Musik-Felder - obwohl, so ganz stimmt das auch schon lange nicht mehr. Trip-Hop von U.N.K.L.E, Massive Attack und Archive gehören nun schon seit Jahren zu meinem Repertoire.
Aber Fisher meint noch was anderes. Na ja, BURIAL kannte ich vorher auch nicht, jetzt schon. Ist interessant, aber ob ich es in meinen persönlichen Kanon übernehme? Oder die Arbeiten des Labels Ghost Box - das ist dann auch Zeug, das man absolut nicht einfach mal so hört, oder hören kann. Und es ist auch das, was Hauntology am Ehesten meint.
Auf alle Fälle schreibt Fisher nur selten einfach so über Musik, seine Eindrücke, journalistisches Beiwerk dazu. Er ordnet ein, seine Sicht auf die Welt, auf die neoliberale Gesellschaft sind omnipräsent - das reicht allemal für mich, um „mit dem Textmarker zu lesen“.
Er entwickelt, na ja, skizziert zumindest (könnte für meinen Geschmack ausführlicher und begründeter erzählt werden) seine besondere Sicht auf die (Musik-) Kultur der 90er, Nuller und 10er Jahre, die mehr aus der Vergangenheit recycelt und damit Gespenster weckt und wach hält - was da passiert, nennt er, anknüpfend an andere Philosophen; Hauntology. Und so ist auch der Untertitel: „Depression, Hauntology und die verlorene Zukunft“. (So nebenbei liefert er auch die Begründung dafür, dass wir als Elterngeneration gar nicht mal mehr „abgeschreckt“ sind von der Musik unserer Kinder. Das ist ja ein Umstand, der neu ist in der Moderne. Pop und Rock waren für meine Eltern jedenfalls noch ein Unding. - Interessant wäre die Frage, wie „die Jugend“ von heute damit umgehen kann, denn sie können sich schwerer von den „Alten“ abgrenzen.)
Okay, ein Buch voller Inspirationen, Anregungen - zum Denken, Nachschlagen, Weiterrecherchieren, Einordnen. Und wieder: Schade, dass es ihn nicht mehr gibt!
9 / 10 Punkte

12 - Sebastian Guhr: „Philpots Reise“
Jetzt also doch gelesen! Das war ja dann so ein toller Zufall - der ja nicht wirklich ein Zufall war, wenn man anerkennt, dass das SF- und Phantastik-Fandom einfach mal nicht so riesig ist, und ich das Buch unter den Angeboten eines Mitgliedes dieses Forums hier in einer Buchverkaufsplattform im Netz fand. Dabei gilt: Das Buch ist schwer zu bekommen.
Ich hatte schon gedacht, dass der gelernte Philosoph Sebastian Guhr diese Swift-Gulliver-Hommage „philosophischer“ ausnutzt. Ich hatte das sogar befürchtet: Würde ich da überhaupt alle Anspielungen verstehen? Wäre das Ganze am Ende zu akademisch? Aber nein, diese Befürchtung hat sich nicht bestätigt, das Buch ist eher eine locker erzählte Geschichte, die ihre Komik aus den Situationen bezieht, die nun mal entstehen, wenn so ein Winzling in die Welt seiner einst angebeteten Riesen gerät, die sich als gar nicht so überlegen und göttlich erweisen.
Mehr dazu dann im NEUEN STERN, wie so oft 😊
7 / 10 Punkte

13 - Mark Fischer: „Das Seltsame und das Gespenstische“
Spätestens jetzt hätte mich der Autor voll auf seiner Seite. Hier widmet sich Mark Fisher vor allem phantastischen Werken (Literatur, Film) und seine Auswahl - so ein Zufall - trifft bei mir voll ins Schwarze! Bei dem Thema fängt er natürlich bei Lovecraft an. Der Essayband ist diesmal offensichtlich als solcher konzipiert gewesen; sonst werden ja eher thematisch passende Artikel von ihm zusammengestellt. Hier scheinen sie originär für den Band geschrieben worden zu sein, oder wurden von ihm zumindest noch mal angepasst. Er beginnt daher mit einer Einführung, in der er auf die Begrifflichkeiten eingeht, also auf das Seltsame und das Gespenstische. Nun ja, muss man vielleicht nicht unbedingt haben, schon gar nicht so eine dezidierte Unterscheidung dieser Begriffe und deren Wiederspiegelung in den Werken. Dazu überschneiden sie sich inhaltlich zu sehr, finde ich. Allerdings hat er mich mit seinen Worten, was denn nun „gespenstisch“ ist, bzw. was eine Situation zu einer gespenstischen macht, für sich gewonnen. Auf den Punkt gebracht (nee, verrate ich hier nicht).
Aber die Auswahl! Ich war schon etwas sehr erstaunt, wie weit ich mit meinen Vorlieben auf dem Gebiet der Phantastik mich bei ihm wiederfinden kann.
Da nennt er z.B. H.G. Wells - eine Erzählung - und zwar eine, die ich schon vor 30 Jahren las und die ich seitdem zu einer meiner Lieblingsstories überhaupt zähle; und genau die wählt er aus: „Die Tür in der Mauer“!
Dann: China Miéville! Christopher Priest! Tim Powers! P.K. Dick sowieso. Daphne du Mauriers „Vögel“ und „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (letzteres insbesondere). Aber auch Sachen, die ich nicht so im Fokus hatte, die mir aber Inspiration sein sollen: M.R. James (zu meiner Schande muss ich dies gestehen), die Quatermass-Filme, D.M. Thomas†˜ „Das weiße Hotel“. Andere haben mich weniger abgeholt: David Lynch, The Fall (einer der wenigen Musik-Aspekte in dem Buch, der andere beschäftigt sich mit Brian Eno - das hatte mich dann wieder mehr interessiert), Fassbinder („Welt am Draht“), Alan Garner (doch, interessant, aber wird mich nicht animieren, ihn zu lesen), M. Atwood (ja, okay, hat mich angestachelt, nun doch die Serie „Report einer Magd“ zu sehen - und die ist sooo gut, bedrückend†¦). Tolles, kurzweiliges Buch, wieder voller Inspirationen.
Also: 11 / 10 Punkte!

14 - Max Franz Johann Schnetker: „Transhumanistische Mythologie“
Ein Buch, das ich las, weil mich a) das Thema sowieso interessiert und b) weil mich Titel und Untertitel provozierten. Der Untertitel lautet: „Rechte Utopien einer technologischen Erlösung durch künstliche Intelligenz“. - Echt? Transhumanismus ist „rechts“? Ich fühlte mich ertappt, denn ich liebäugle mit deren Ideen.
Im Buch wird durchaus plausibel und nachvollziehbar (mit Abstrichen) nachgewiesen, dass es im TH durchaus diese Tendenz gibt. Vor allem ist es eine Kollektivistische Ausformung des TH, die unter diesen Verdacht fällt, die aber auch im „Mutterland“ des TH eine große Rolle spielt, im Silicon Valley, bei den Machern der Zukunft. Insofern ist diese Tendenz nicht zu unterschätzen. Es sind dann durchaus den Menschen als Individuum und Person negierende Tendenzen, richtig ekelhaft sozialdarwinistische Gedanken etc., die auch für mich nachvollziehbar diese Idee in die rechte Ecke stellt. Der Autor hat aber nach meinem Eindruck schon ein Problem mit dem Gedanken, dass Interessen der Menschheit, also des Kollektivs, über die des Individuums gestellt werden. Angesichts globaler und alle Menschen bedrohender Gefahren scheint es aus meiner Sicht aber diskussionswürdig zu sein, über Problemlösungen nachzudenken, die eben nur durch und im Kollektiv möglich sind. Und da bietet der TH ziemlich verrückte, utopische, futuristische Lösungen an - die aber, durchaus Hand und Fuß haben; finde ich†¦
Okay, dem Buch widme ich mich mal wieder im NEUEN STERN und auch in der APA FAN. Meinen APA-Beitrag kann man auch gern als PDF kostenlos und frei Haus elektronisch von mir bekommen, falls Interesse besteht - das lädt dann natürlich auch zur Diskussion ein!
7 / 10 Punkte

15 - Christopher Priest: „Die Stadt“
Dieser Roman von Mr. Priest erschien kürzlich auf Deutsch zum X-ten Male. Komischer Weise unter einem „neuen“ Titel; so, dass ich erst mal dachte: Hey, endlich mal was Neues vom Meister! Aber Pustekuchen. „Die Stadt“ ist gleich „Der steile Horizont“ ist gleich „Inversion“. Der „neueste“ Titel kommt dem Originaltitel „Inverted World“ am nächsten, aber auch die anderen passen inhaltlich.
Eigentlich scheint das ein „normaler“ Roman zu sein, völlig untypisch für Chris Priest? Wir sind da auch einer fremden Welt, irdische Kolonisten steuern ein Riesengefährt, genannt die Stadt „Erde“, auf Schienen, die ständig verlegt werden müssen, durch einen ihnen fremde Landschaft. Irgendwie haben sie vergessen, wieso sie das machen, und die Gesellschaft ist in eine so quasi postfeudalistische Stände-Republik zurückgefallen. Gilden bestimmen, wer was machen und wer was wissen darf.
Verrückt wird es aber dann doch noch. Wenn der Protagonist in die Richtung reist, aus der die Stadt kommt, verschiebt sich zumindest in seiner Wahrnehmung die Landschaft ins Bizarre. Hier wären mathematische Kenntnisse hilfreich; ich musste mein Vorstellungsvermögen ziemlich strapazieren. Grundsätzlich habe ich es schon verstanden, aber so richtig schlüssig und überzeugend fand ich diese „Verwerfungen“ nicht.
Am Ende sind sie es auch nicht, wie sich herausstellt. Der Roman zielt dann auch nur noch auf die Auflösung des Rätsels um die Kolonisten, ihre Stadt und ihre Mission, und um die Plausibilität der Physik und Mathematik, die hier verwendet werden. Fand ich als Inhalt fast schon etwas dürftig; andere Romane des Meisters sind für meine Begriffe geheimnisvoller, psychologisch interessanter. Vielleicht auch deswegen, weil sie weniger erklären als er es hier tut. Erzählen kann der Autor aber, das beweist er hier auch, es gibt hinreichend interessante menschliche Konflikte, zwei verunglückte Liebesgeschichten und einen bizarr-interessanten Weltenentwurf.
8 / 10 Punkte


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Der Februar in der Leseliste: da lacht das Alien (und tanzt natürlich)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 28 Februar 2020 · 2.025 Aufrufe
Mark Fisher, Ellen Norten
Im Februar scheinbar nicht viel gelesen, aber die Wahrheit ist, ich lese gerade noch an drei Büchern, von denen zwei kurz vor dem Abschluss stehen. Und ich lese gerade viel "Drumherum" - weil mich ein neuer Themenkomplex gerade dolle fasziniert. Das fing an mit einem Artikel, den mir ein Freund empfahl und der eine philosophische Denkrichtung, die ich zuvor nur am Rande wahrnahm, unter dem Aspekt beleuchtet, inwieweit diese Denke Fuß in rechter Ideologie gefasst hat. Es geht um den Akzelerationismus (siehe unten). Interessant ist sie, weil sie u. a. auch direkt an Science Fiction anknüpft. Was nun dran ist, was draus wurde und wie sie heute dasteht, ist ein weites Feld.
Neben akzelerationistischen Texten und Artikeln waren es dann weitere Referenzen, die mich an den leider schon verstorbenen Mark Fisher "verwiesen". Und das war dann schon eine ganz wunderbare Erfahrung für mich! Ist so schade, dass ich auf ihn so spät aufmerksam wurde und noch sehr viel mehr schade, dass es ihn nicht mehr gibt...

Aber erst mal was erfreuliches. Sehr aufmunternde und empfehlenswerte Lektüre:

Eingefügtes Bild

Ellen Norten (Hrsg.): „Das Alien tanzt Polka“
Jetzt war ich doch mal neugierig. Ich weiß ja, dass Ellen bei einigen Plattformen mitmischt, auf denen Geschichten erzählt werden. Dabei nicht nur Phantastik und SF.
Das hier ist aber eine astreine SF-Anthologie, Teil einer Serie, die fortgesetzt wird - wie lange eigentlich? Ich glaube, derzeit ist man im Hause p.machnery beim 3. Band.
Lohnt sich das denn nun, so eine SF-Anthologie? Ich denke, nur dann, wenn sie ein „Alleinstellungsmerkmal“ aufweist. Hier ist es der Humor! Das ist echt wohltuend bei der doch überwiegend miesepetrigen Zukunftsschau, die uns so oft zwischen den Buchdeckeln erwartet; Dystopie rules, immer noch.
Mit dem Humor ist es aber auch so eine Sache; um es zusammen zu fassen: Mir haben nicht alle Geschichten wirklich gefallen. Mitunter war es halt so ein Schenkelklopferhumor, oder wenn man SF-mäßig Alltagssituationen von heute in eine fremde, Alien-Welt projiziert oder in die Zukunft. Ja, das ist auch durchaus komisch, holt mich aber nicht immer ab.
Eine andere Gruppe der Stories, die ich für mich beim Lesen ausgemacht habe, ist die, die irgendwie an bekannte Film-Geschichten erinnern.
Und es gibt dann noch die, die - für meine Begriffe - eine gute Idee umsetzen und daraus Witz und Humor ziehen, und / oder mit Witz davon erzählen.
Ein Autor hat mich dabei richtig überrascht - ich denke mal, von ihm wurden sogar zwei Erzählungen untergebracht, eine halt unter Pseudonym geschrieben? Hubert Katzmarz. Er hat da eine tolle Zeitreisestory hinterlassen. Ja, klar, auch die verweist auf längst Erzähltes, aber sehr kurzweilig und konsequent.
Also, wer ist dieser Herr Eberhard Entensterz? Der Mann kann doch unmöglich so heißen, oder? Sein Beitrag war auch ein Fest für mich. Das Ganze war so eine Art Raumfahrtstory-LARP-Fantasy-Verarsche. Eigentlich ohne tieferen Sinn. Okay, erinnert dann auch an bestimmte Filmvorlagen, hat mir aber sehr gefallen.
Es wären noch viele andere zu nennen, aber das wird dann langweilig. Ich darf das Buch auf jeden Fall empfehlen. Habe hinreichend oft gelacht, geschmunzelt und wirklich nur so ca. 2 Stories überblättert. Reiche Ernte, finde ich.
8 / 10 Punkte

Armen Avanessian (Hrsg.): #Akzeleration
Gar keine SF. Oder doch? Auf jeden Fall bin ich über einen Artikel, der SF mit dieser - tja, was ist das eigentlich? - gesellschaftswissenschaftlichen, sozial-philosophischen Denkweise, Weltanschauung verbindet. SF als Quelle für ein Weltbild, das auf Beschleunigung beruht, diese befördert und fordert.
In dem besagten Artikel konzentriert sich der Autor auf einen Protagonisten dieser Lehre: Nick Land. Der Mann erscheint mir durchaus interessant, verrückt genug, was er in den 90ern angestellt hat. Allerdings findet der Artikel-Autor - und ich auch - dass Land inzwischen den progressiven Pfad verlassen hat.
Auf jeden Fall war meine Neugier geweckt und ich wollte mich einfach mal mit Akzeleration - im gesellschaftswissenschaftlichen Sinne - befassen. Leider bot mir der kleine Band nicht wirklich tiefen Einblick. Das Grundprinzip habe ich erfasst, denke ich. Es ist ein Appell an die (intellektuelle) Linke, sich dem Fortschrift, vor allem in Wiss. u. Fortschritt, nicht zu verschließen, sich nicht in lokale und irgendwelche Retro-Strategien zu verlieren. Aber das „Wie“ ist hier für meine Begriffe nach wie vor unklar†¦ Aber das nur am Rande.
7 / 10 Punkte

Mark Fisher: „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“
DAS ist nun aber wirklich ein Autor, den ich bei meiner Recherche zum Thema Akzelerationismus für mich entdeckt habe, worüber ich sehr, sehr froh bin! Leider, wie ich dann schnell feststellen musste, lebt er nicht mehr. Er ist in etwa der gleiche Jahrgang wie ich, aber schon tot - durch Selbstmord, wegen Depression.
Das Tema Depression spielt auch in diesem kleinen Buch - einer „Flugschrift“ - eine gewissen Rolle. Er findet für dieses psychologische Phänomen gesellschaftlich Ursachen.
Seine Bücher öffnen mir neue Welten - der Welt-Betrachtung. Ich bin absolut beeindruckt. So wie er dann auch Filme, Musik etc. rezensiert, möchte ich es auch können! Er erkennt gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen in Werken der Popkultur, zeigt auf, was da wie zusammenhängt und zusammengehört. Für mich ziemlich überzeugend, überraschend, faszinierend. Na ja, und großartig formulieren kann er auch noch.
Mark Fisher - sollte es eigentlich schon lange sein, ist es aber erst jetzt für mich - eine faszinierende Inspirationsquelle.
12 / 10 Punkte


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NEUE STERNE, NEUE STERNE!

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 21 Februar 2020 · 1.939 Aufrufe
Ulf Fildebrandt, Ellen Norten und 2 weitere...
NEUE STERNE, NEUE STERNE! Ein neues Jahr hat auch für den NEUEN STERN begonnen. D.h., es ist schon im vollen Gange und vom ersten Heft des Jahres - im Bild links, ohne Farbcover (aber mit Farbinnenteil) - sind nur noch ein paar Exemplare verfügbar. Und: Aufgrund gewisser neuer Umstände bei der handwerklichen Herstellung des Heftes haben 2 Exemplare dieses Heftes eine kleine Macke: Der farbige Innenteil liegt nur lose bei. Aber dafür gibt es dieses Mängelexemplar für etwas weniger, wie ich hörte (vielleicht mal nachfragen, falls man mal reinschnuppern will).
Inhalt? Oh ja, haben die Hefte auch (je 48 Seiten):
57
Liebe Planetenbewohner! - Thomas Hofmann
Ulf Fildebrandt: Das Rätsel der Qualia (Story)
Fragen an den Autor Ulf Fildebrandt
Nach-Gedanken zu Jack Parsons
...China Miéville: „Die letzten Tage von Neu-Paris“, Rezi v. Thomas Hofmann
...Ergänzungen zu Parsons von Arnold Drabek
Magisches Island. Teil 4 - Peter Schünemann
Aus alten Bücherschränken - Bernd Wiese & Gast
...Mihaly Babits: Der Storchkalif
...Der Zusammenbruch: die Seeschlacht zwischen Borkum und Helgoland
...P. Hans-Fried Braun: Die Expedition der Senta II
...Romain Rolland / Frans Masereel: Die Revolte der Maschinen
...Kim Roy - der neueste Held - Ekkehardt Brux
Ellen Norten: Molar (Story)
Grenzgänger
...Ingo Scharnewski bei TES - Thomas Hofmann
...Sachbuch über Computer in der DDR - Dietmar Sievers
...Christoph Ecker: Der Bahnhof von Plön - Bernd Wiese
...Ulf Torreck: Fest der Finsternis - Arnold Drabek

58
Liebe Leute, Editorial von Thomas Hofmann
Peter Schünemann, Freunde der Erde (Story)
Rolf Kauka und seine „SF-Romane“, Beitrag von Thomas Hofmann
Aus alten Bücherschränken von Bernd Wiese
...Arthur Opree: Unter glühender Doppelsonne
...Robert Kraft: Im Panzerautomobil um die Erde
...Jesco von Puttkamer: Im Panzer-Automobil
...Hanns von Zobeltitz: Die Jagd um den Erdball
Aus neuen Bücherschränken
...Anna Hildebrandt: UAIOM Gruß eines Fremden, Rezi von Sabine Seyfarth
...Rolf Krohn: Der Stern von Granada, Rezi von Bernd Wiese
...Hans Frey: Fortschritt und Fiasko, Rezi von Bernd Wiese


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LBM20.1.FKSFL.12.März

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 13 Februar 2020 · 1.034 Aufrufe
LBM20
LBM20.1.FKSFL.12.März Ein erster Aufschlag zur Leipziger Buchmesse 2020 - aus Leipzig. (Natürlich gibt es schon eine Reihe anderer, auch sehr interessanter und vielversprechender Meldungen für Phantasten.)
Hier möchte ich auf die Veranstaltung des Freundeskreis SF Leipzig aufmerksam machen, organisiert von Sabine Seyfarth.


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Erste Bücher in 2020 gelesen

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 31 Januar 2020 · 1.562 Aufrufe
Michael Moorcock, Moorcock und 1 weitere...
Erste Bücher in 2020 gelesen 2020
Das Lesejahr beginnt abwechslungsreich - also, wenn man unter Abwechslung versteht, dass 2 Autoren sich gegenseitig abwechseln. Ich mache weiter mit meiner Moorcock-Komplett-Lesung (ja, das ist jetzt zu hoch gestochen, niemals schaffe ich da alles von ihm...) und einer absolut faszinierenden Neuentdeckung für mich: Sebastian Guhr! Hier im Forum tauchte der Name bereits auf (und eigentlich hätte ich ihn längt "kennen" müssen - siehe hier), aber jetzt erst weiß ich, was ich bisher verpasst habe.

1 - Michael Moorcock: „Die goldene Barke“
Laut eigenem Vorwort ist das der erste vollendete Roman des Autors, geschrieben 1958. Erschienen ist er aber erst Mitte der 70er. Warum der so lange in der Schublade lag, weiß ich nicht, kann ich nach der Lektüre auch nicht sagen. Denn der ist nicht schlecht. Vielleicht noch etwas ungelenk? Aber nicht ungelenker als z.B. „Der schwarze Korridor“.
Interessant, dass es in der Ende der 60er erschienenen Storysammlung „Die Zeitbewohner“ (siehe meine Leseliste vom Vorjahr) eine gleichnamige Geschichte gab. Dies scheint ja der Meister des Öfteren gemacht zu haben: Stoffe mehrmals, sogar unter gleichem Titel, veröffentlicht.
Bleibt der Hintergrund in der Kurzgeschichte noch weitestgehend unbestimmt, hat sich der Autor im Roman schon mehr ausgelassen, aber so richtig kann man weder Zeit noch Raum bestimmen.
Ein paar Namen erinnern an spätere Ortsnamen, z.B. gibt es eine Stadt namens Melnibone.
In beiden, Story und Roman, begibt sich der Protagonist auf eine Bootsreise. Er sah eine goldene Barke vorbeifahren und meint ihr folgen zu müssen. Grund, Motivation bleiben völlig im Unklaren, werden aber besonders im Roman stark thematisiert: Dem „Helden“ ist selbst unklar, was ihn antreibt, aber der Trieb ist enorm. Er geht dabei auch über Leichen, wenn es sein muss. Die goldene Barke ist sicherlich so etwas wie die blaue Blume der Romantiker.
Also, man kann da sicher viel aus Moorcocks späteren Werken, gerade um den Ewigen Helden, heraus lesen. Am meisten wird der Protagonist hier noch mit dem späteren Cornelius zu tun haben. (Das muss ich aber erst noch mal selbst „herausbekommen“; mal sehen, ob ich diesmal länger durchhalte, denn die Cornelius-Sachen habe ich schon mehrmals begonnen und abgebrochen).
Schön ist, dass im Roman eine Karte vorhanden ist, an der man die Reise des Jephraim Tallow verfolgen kann. Alle relevanten Orte sind eingezeichnet.
Eine wichtige Station ist seine Begegnung mit der Superfrau Miranda. Das ist ja auch Hauptthema der Short Story gleichen Titels. Im Roman ist seine Beziehung zu ihr aber weit weniger devot. Seine Emanzipation von ihr gelingt ihm viel einfacher und am Ende auch sehr viel „konsequenter“ (tödlich), als in der Story. Dabei ist sie so eine tolle Frau, gutmütig, wohlwollend, unterhaltsam, sexy, gutaussehend. Eine wahre Traumfrau. Und Tallow ist bei weitem kein Traummann. Er ist wohl eher hässlich, kleinwüchsig und seelisch arm - unterkühlt, unempathisch, in sich gekehrt. - Nun ja, irgendwie erinnerte er mich auch so ein wenig David Bowie in „Der Mann, der vom Himmel fiel“ - gleiche Zeit, gleicher Zeitgeist†¦
Ihre Liebe zu ihm engt ihn aber ein - das ist ja auch das Thema der kurzen Geschichte. Im Roman erweitert Moorcock die Aussage, Tallow fühlt sich von Wohlmeinenden und Wohltätern, als auch von der anhänglichen Miranda in seiner Freiheit eingeschränkt.
Der Roman ist wie ein klassischer Fantasyroman aufgebaut: Eine Quest, mit verschiedenen Stationen, auch mal wechselnden Begleitern (weniger) und Abenteuern. Da gibt es den seltsamen, verfolgen und angebeteten Prediger Ophum Mesmers, ein gefundenes Baby, das Tallow aber schnell wieder loswerden will, halbverhungerte Bewohner verbrannter Dörfer, Revolutionäre, denen er sich zwangsweise anschließt. Er wird inhaftiert, leider auch mal gefoltert. Und immer glaubt man ihm nicht. Die goldene Barke scheint nur er zu sehen. Nur ganz zum Schluss gelangt er auf eine Insel, auf der auch andere Sucher nach der goldenen Barke gestrandet sind. Auch sie begegnen ihm feindlich. Denn sie scheinen neidisch zu sein, dass er seinen Enthusiasmus bewahrt, seine Suche noch nicht aufgegeben hat, wie sie.
Interessant sind dann noch die Hüter - offensichtlich menschliche Wesen einer anderen Dimension, später würde Moorcock sie in seinem Multiversum einsortieren.
Mit diesem kleinen Roman hat Moorcock mir mal wieder sehr eindrucksvoll bewiesen, dass er mehr ist als „nur“ der Schwert&Zauberei-Onkel (der er ja nicht wirklich jemals nur war)!
Das Jahr beginnt sehr gut mir satten 9 / 10 Punkten.

2 - Sebastian Guhr: „Die langen Arme“
Großartige Ode an die Andersartigkeit, zeigt aber auch, wie problematisch so ein anderes Leben ist - in der absterbenden DDR, aber auch in der „neuen“ Gesellschaft. Ein traurig-schönes Buch, sehr kurzweilig und humoristisch, trotz der Dramatik. Ausführlich dazu, auch wenn es gar keine SF ist, nicht mal wirklich Phantastik, im NEUEN STERN.
10 / 10 Punkte

3 - Michael Moorcock: „Eiszeit 4000“
Ich glaube, Moorcocks Jahr 1969 ist „mein Moorcock-Jahr“! Da erscheinen drei Romane, die ich inzwischen als faszinierend und großartig empfinde: "I.N.R.I oder Die Reise mit der Zeitmaschine", "Der schwarze Korridor" und der hier kurz zu besprechende. Auf Deutsch erschienen sie natürlich etwas später. Ach, und die Storysammlung „Die Zeitbewohner“ erschien da auch im Original. Wow! Geht noch mehr? Na ja, auf dem Fantasysektor ist es „nur“ das 4. Runenstab-Buch. Ich denke mal, da durfte der Meister sich mal den ihm wirklich am Herzen liegenden Stoffen zuwenden. Es wird ja oft kolportiert, dass er zum Broterwerb Elric & Konsorten erfand und schrieb, um die New Wave SF fördern zu können.
„Eiszeit 4000“ ist allerdings kein New Wave Stoff. Eher ein handwerklich einwandfreier, vielleicht etwas geradliniger und damit schmalspuriger Abenteuer-Garn. Aber es liest sich ausgenommen flüssig, flüssiger als „Der schwarze Korridor“.
Also die ferne Zukunft der Erde. Es gab den großen Knall und danach eine neue Eiszeit, die wohl mehr oder weniger die ganze Erde heimsuchte, d.h., fast alles ist mit dickem Eis überzogen. Die menschliche Zivilisation konnte sich erhalten, fiel aber in so eine Art Postdoomsday-Mittelalter zurück. Die Beschreibung der gesellschaftlichen Strukturen, des vorindustriellen Niveaus des Handwerks, der Kleidung, des Weltbildes der Menschen erinnert an das europäische Spätmittelalter / Beginn der Neuzeit.
Der „Broterwerb“ der Menschen wird vor allem durch Walfang realisiert. Wale sind nunmehr Land- bzw. Eisflächenbewohner. Dass sie sich so schnell dahin entwickeln konnten, wie andere Tiere auch, wird irgendwann mal kurz im Nebensatz begründet. Immerhin: Moorcock hat das nicht vergessen und suggeriert uns nicht, dass jetzt mal auf die Schnelle natürliche Evolution dafür verantwortlich sei.
„Große“ Familien bestimmen das Geschehen der 8 Städte in der Region. Die Städte selbst sind sich untereinander nicht wirklich grün und konkurrieren vor allem um die Jagdgründe. Der Walfänger an sich ist der Mann der Stunde.
Aber es gibt Gerüchte, dass es im Süden wärmer wird und die Wale wandern.
Die Geschichte steigt in einen Moment ein, wo ein hochangesehener Kapitän der Flotte der einen Stadt einen hohen Potentaten einer verfeindeten Stadt Friesgalt sterbend auf dem Eis findet und ihm das Leben rettet. Der Mann lebt immerhin so lange, bis er ihm, seinem Retter, ein Erbe vermacht: Das beste Schiff aus seinem Haus und die Aufgabe, New York zu finden.
Ah, New York! - Ist nur noch eine Legende, der Hort, wo die Mutter des Eises thront. Die Religion, der Glaube an das einst alles auslöschende Eis, beherrscht das Denken der Leute.
Konrad Arflane nimmt das Erbe an, verliebt sich in die Frau eines Angehörigen des gerade Verstorbenen, was aber nicht der einzige Konflikt-Anlass sein wird. Er sucht sich eine Walfänger-Mannschaft zusammen, u.a. ein ganz besonders großartiges Exemplar dieser Gilde.
Arflane wird - so habe ich das zumindest gelesen - nicht unbedingt als Sympath vorgestellt. Er ist reaktionär, haarscharf am religiösen Fanatismus vorbei glaubend (härter drauf ist nur sein Super-Walfänger-Kollege). Mit der leicht dekadenten, aber weltoffenen Haltung des friesgaltischen Adels, die wissenschaftliche Erkenntnisse vom langsamen Erwärmen nicht einfach vom Tisch wedeln und dadurch Zweifel an der Lehre der Mutter des Eises zum Ausdruck bringen, kann er nichts anfangen. Er ist dann auch mal unleidlich, als Kapitän fast unzumutbar zu seinen Untergebenen. Der Autor macht es dem Leser nicht leicht, mit seinem Helden warm zu werden.
Die Fahrt nach New York ist dann eine 08/15-Abenteuer-Reise, mit Konflikten zwischen den Besatzungsmitgliedern des ICE SHOONER, Angriffen von Barbaren, widrigen Wetterwendungen, Spalten im Eis und am Ende mit einer SF-lastigen Auflösung, die aber noch sehr an die Frühzeit der SF erinnert, auch wie sie der Autor abhandelt: Man findet da jemanden, der einem alles fein erklärt.
9 / 10 Punkte

4 - Sebastian Guhr: „Die Selbstlosen“
Ein Frühwerk des Autors, sozusagen. Ein kurzer Roman voller Ideen und mit vielen Genre-Andockungsversuchen. Das ist ein bisschen aus SF, Krimi, Mystery, viel Familiendrama und Psycho-Zeug. Für mich war es zu gedrängt und zu wenig ausgeführt, manches mutete mir an, als hätte ich es mit einem Exposé zu tun, das erst noch ausgeschrieben werden muss.
Der Stil mundete mir diesmal auch nicht, zu viel Schachtelsatz.
Die Ausgangsidee: In naher Zukunft gibt es keine Tierhaltung mehr, dafür einen Menschenzoo, in dem sich Menschen in Tierkostümen gegen Eintrittsgeld anschauen lassen. Aber das ist wirklich nur ein kleiner Aspekt, ansonsten geht es um eine fast mafiöse Familiengeschichte, Mord und Totschlag; und der Teufel mischt auch mit.
6 / 10 Punkte

5 - Michael Moorcock: „Rituale der Unendlichkeit“
Ein SF-Roman aus dem Jahre 1967 (also 2 Jahre vor „seinem“ großen Jahr, siehe weiter oben). Ich würde ihn als „klassischen“ SF-Roman bezeichnen, also eher keine New Wave. Obwohl, es gibt da so ein paar surrealistische Anstriche, die an Verrücktheiten seiner Jerry Cornelius und Endzeit-Romane erinnern (sind die allergings New Wave?).
Diesmal hat mich der gute Mr. Moorcock nicht 100%ig überzeugt. Die Personage ist recht überschaubar, und das bei so einem weltenüberspannenden Thema! Das ist schon mal was, was ich für unglaubwürdig halte und erinnert eher an naive Superhelden-Stoffe: Eine Handvoll Guter und Böser entscheidet über Wohl und Wehe ganzer Welten - hier: Erden. Ja, Mehrzahl. Also, es gibt sie, die gute alte Mutter Erde, in vielfacher Ausführung. Dem Protagonisten, unserem guten Helden, Professor Faustaff, sind so ca. 16 bekannt. Später erfahren er und die Leser, dass es davon 1000 gab. Ein Agent der Bösen - na ja, ist er denn überhaupt böse? - verplappert sich und nennt diese Erd-Variationen aus den Parallel-Realitäten „Simulationen“.
Faustaff? Erinnert an Faust? Das mag kein Zufall sein. Der Roman erschein unter zwei verschiedenen Titeln, sowohl im Englischen, als auch im Deutschen: The Wrecks of Time / The Rituals of Infinity (Zerschellt in der Zeit / Rituale der Unendlichkeit). Der ganze Titel lautete sogar: „Zerschellt in der Zeit - Die neuen Abenteuer des Doktor Faustus“. Nun, hat er was mit DEM Faust zu tun? Würde ich jetzt so nicht wirklich behaupten. Jedenfalls schließt er keinen Pakt mit Mephisto (oder einer SF-Variante dessen) ab. Im Gegenteil, er ist tatsächlich ein Guter, er begibt sich nicht auf Glatteis, bei aller Neugier und Forscherdrang, er bleibt standhaft, auch angesichts der wahren Strippenzieher, die natürlich hinter all dem stecken.
Was all das nun ist? Kurz: Faustaff ist der Sohn eines Forschers, der auf die Spur der verschiedenen Parallel-Erden kam und ein Team von Erden-Rettern gründete, weil er - und Faustaff später auch - erfahren mussten, dass diese Erden in ihrer Existenz gefährdet sind.
Ihre Gegenspieler und offensichtliche Weltenvernichter sind das Z-Schwadron und dann auch spezielle Agenten einer fremden Macht, die Falstaff umbringen wollen. Um ihn am Weltenretten zu hindern.
Was das alles soll, und wie es endet? Verrate ich hier nicht. Ist aber tatsächlich eben keine so große Überraschung. Es endet halt sehr „klassisch“ - eher einfallslos: Man begegnet Ihnen und Sie verraten dann alles. Es geht um ein großes utopisches Experiment. Nur sind die „Götter“ auch nicht perfekt und von daher müssen fehlerhafte Ergebnisse auch mal beseitigt werden†¦
Lange habe ich mich gefragt, was das nun mit den titelgebenden Ritualen zu tun hat. Tatsächlich kommt der Autor noch darauf zu sprechen. Zwar nicht sehr plausibel, aber Rituale sollen helfen, eine neue Erde zu etablieren. Auch wenn das so nicht im Text gesagt wird, kommt es mir so vor, als würden dadurch sozusagen Mythen für die neuen Bewohner der jeweiligen Erde geschaffen-.
Bei der Beschreibung dieser Rituale gibt Moorcock erzählerisch Gas. Das wirkt alles wie in verrückter Alb-Traum. Auch die Schilderung dessen, was auf so einer gerade neu simulierten Erde sich vorfindet, wird bewusst un- oder über-realistisch geschildert.
Insgesamt ist es ein mäßig spannender und wenig innovativer Roman, mit ein ganz wenig Tiefgang (wenn über Sinn und Unsinn des Lebens orakelt wird, z.B. - die Frage diskutiert Faust(aff) mit einem Androiden).
7 / 10 Punkte

6 - Sebastian Guhr: „Die Verbesserung unserer Träume“
Das Sahnestück aus meiner Guhr-Lektüre. Also, neben „Die langen Arme“ eigentlich gleich oben auf, aber da „echte“ SF, ein Ticken besser für mich.
Im 26. Jh. haben irdische Siedler auf dem Planten Rheit eine Stadt gegründet. Wir sehen, wie ihre Nachkommen so 200 Jahre später ihre Zivilisation verlieren. Grund dafür sind rätselhafte Träume. Wobei es fraglich ist, ob das, was sie sich als Zivilisation aufgebaut haben, Wert ist zu erhalten. Einiges ist tatsächlich utopisch, aber am Ende ergeben sie sich einem sinnenleerten Alltag, in dem sie sich lediglich selbst optimieren wollen und sollen. Das macht sie nicht gerade fit für die ansonsten unwirtlichen Lebensbedingungen auf diesem Planeten, der so viele Geheimnisse und Mysterien birgt.
So, nun habe ich versucht, ganz kurz was zum Inhalt zu schreiben. Ich denke mal, das dürfte weitestgehend unverständlich sein. Mehr dazu schrieb ich im NEUEN STERN, aber ob das dann verständlicher wird? kann man ja ausprobieren†¦
Der Roman ist jedenfalls großartig.
11 / 10 Punkte


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...und Schluss mit 2019 (Lese-Liste)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 29 Dezember 2019 · 1.337 Aufrufe
Rolf Kauka, Rolf Krohn, Granada

Abschluss meiner Leseliste 2019.
Diesmal - zufällig - 3 x Historisches. Wobei 1 Buch ja SF ist, aber es spielt aus heutiger Sicht in der Vergangenheit.
(Damit würde es sich ja für die Lese-Challange 2020 hier im Forum (Punkt 5) qualifizieren; na ja, habe ich ja nun schon weg...)

 

47 - Rolf Kauka: „Roter Samstag, oder: Der Dritte Weltkrieg findet nicht statt“
Na ja, der Untertitel verspricht ja fast so etwas wie eine gute Botschaft. Sollte man die von dem Erfinder so lustiger Comicfiguren wie Fix & Foxi und dem Bussibär nicht auch erwarten? Also, ich lass mich hier nicht über dieses „Werk“ aus, dafür im NEUEN STERN ausführlich, auch zu dem nächsten Buch von ihm†¦
4 / 10 Punkte

 

48 - Rolf Kauka: „Luzifer. Roman einer Seelenwanderung“
War weitaus weniger schlecht als der andere Roman von ihm. Eine esoterisch bemäntelte Sammlung historischer Erzählungen. Mit nur (aus meiner Sicht) wenigen bedenklichen Aussagen (der Mensch hat sich aus dem Tierreich dadurch erhoben, dass er in der Lage war, seinesgleichen zu töten†¦). Ansonsten sind die Stories interessant, spannend, regen zum Weiterlesen (recherchieren) an. Auch die Erzählweise und Stilistik ist wesentlich besser als beim „Roten Samstag“.
8 / 10 Punkte

 

49 - Rolf Krohn: „Der Stern von Granada“
Zum Schluss noch ein richtiger Hit! Sehr empfehlenswert! Für Phantasten - ein bisschen - und für Geschichts-Fans - ziemlich viel. Rolf Krohn war ja schon immer ein Wanderer zwischen den Welten, und historische Stoffe sozusagen sein erstes Standbein. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat er bisher auch keinen SF-Roman (1), aber dafür halt Historische Romane geschrieben. Allerdings gönnt der Autor sich in seinen historischen Erzählungen und Romanen gern auch eine Portion Spekulation, d.h., er denkt laut - schreibend - darüber nach, wie es hätte sein und kommen können, oder wie es hätte gewesen sein können. Dabei sind seine Hintergründe hervorragend recherchiert, so dass der „reine“ Historienfreund voll auf seine Kosten kommt.
So auch hier: Wir werden ins maurische Spanien des 14. Jh. entführt. Der muslimische Herrschaftsbereich (Andalusien) sieht sich dem Vordringen der christlichen Reconquista (vornehmlich Kastilien) ausgesetzt.
Das fällt beim Lesen als Erstes auf: Der Autor hat ganz genau recherchiert und darüber nachgedacht, wie das damals funktioniert hat - also sozusagen alles. Alltägliche Dinge in Seefahrt, am Hofe des Sultans, im Denken der Menschen etc. werden sehr genau beschrieben. Es scheint dem Autor augenscheinlich großen Spaß gemacht zu haben, diese Welt vor seinem und des Lesers geistigem Auge wieder auferstehen zu lassen.
Und bei aller Präzession und Genauigkeit der historischen Schilderung spekuliert der Autor: Was wäre, wenn da nur eine Kleinigkeit anders gelaufen wäre? Wäre es denkbar, dass die muslimische Hochkultur sich hätte behaupten können gegen die Ungläubigen und Barbaren, die die Christen ja in den Augen der Muslimischen Hochschicht waren? Was hätte passieren müssen? Nun, Rolf Krohn dreht nur an scheinbar kleinen Drehschaltern. Da kommen bei einem Attentat, das es wirklich gegeben hat, nicht nur der Sultan von Granada um, sondern auch die Söhne, die ihm - in unserer Realität - auf den Thron folgten. Dafür kommt ein fernerer Verwandter auf diesen „Posten“.
Und der ist eben nicht der schwache, wenn auch kulturell und künstlerisch Interessierte (wie in der Realität), sondern der weiterdenkende, weise Herrscher. Er kann sich eines kriegerischen Angriffs der Christen erwehren und mit juristischen Reformen das Reich stabilisieren. Und er fördert die Seefahrt - was hier nur am Rande angedeutet wird, hat Riesen-Auswüchse, die der Autor in einem kleinen Ausblick darstellt; Stichwort „Amerika“ (das dann natürlich nicht so heißt).
Ach ja, der „Stern von Granada“: Ein Meteorit, der die Erde streift und von den Protagonisten als himmlisches Zeichen gewertet wird. Sie handeln nach der Sichtung anders als sie es zuvor wollten. Das reicht dann schon (fast). Das Potential, wenn ich den Autor richtig verstehe, war sozusagen vorhanden.
Interessant auch, dass durch dieses „himmlische Zeichen“ die Inquisition in Kastilien früher eingeführt wurde. Die hat dann auch schön dafür gesorgt, dass das Land geschwächt wurde - durch die Angst und den Terror, den sie verbreitete und durch Flucht der Leute aus dem Land, die dann sogar lieber in den muslimischen Teil Spaniens wechselten, also sich diesen Teufeln auszusetzen.
Wie liest sich das Buch? Nun, der Autor passt sich etwas einer altertümlichen Erzählweise an. Ich brauchte etwas, um mich daran zu gewöhnen. Seine Sprache ist oftmals metaphorisch, bildgewaltig und bildhaft, zum Teil einfach wunderschön. Wenn man sich eingelesen hat, macht es großen Spaß. Vielleicht hätte die Erzählung mehr gerafft werden können, wie schon angedeutet: Der Autor hat sichtlich Freude am Schwelgen in der Historie.
Also, für mich ein sehr guter Abschluss des Lesejahres.
9 / 10 Punkte

 

Infos zum Buch von Rolf Krohn bei TES: https://tes-erfurt.jimdofree.com/

 

(1) Rolf Krohn hat meinen Blog-Eintrag entdeckt, was mich natürlich auch freute. Und er wies darauf hin, dass er sehr wohl schon einen SF-Roman veröffentlichte. Habe ich glatt unterschlagen, obwohl ich den Roman sogar einst las: "Das dunkle Bild der Liebe". Ich kann mich aber rausreden: Zum einen ist es ein Weilchen her und in meiner Erinnerung war es in erster Linie ein Krimi, in dem dann auch noch sehr stark das Thema Stasi / DDR-Vergangenheit eine Rolle spielt. Vor dem Hintergrund der Biografie des Autors fand ich damals, und heute auch noch, sehr staunenswert, dass er einen Menschen mit Stasi-Vergangenheit nicht einfach pauschal abkanzelt und verurteilt. - Aber ja, es war ein SF-Roman.




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Mein Lese-Jahr 2019

Geschrieben von T.H. , in Statistik, Leseliste ab 2013 28 Dezember 2019 · 1.423 Aufrufe
2019

So eine Rückschau ist was Feines. Letztens meinte ich noch so: Dies Jahr war ja irgendwie gar kein Rausreißer bei „meinen“ Büchern dabei. Tja, dann habe ich mal in die von mir selbst erstellte Leseliste geschaut und war echt überrascht: Ach ja, das habe ich dies Jahr auch gelesen. Klar, das war großartig!
Also, es gab da schon so ein paar echte Glanzlichter für mich! Hier ist die Liste.
Und ich konnte noch einmal Revue passieren lassen, welche Themen mich so faszinierten. Da gab es ja auch einiges:
Einmal meine „Lanze für Christopfer Priest“, die ich für ihn vor allem im NEUEN STERN brach - was mich nun daran erinnert, dass hier noch ein paar Bücher von ihm darauf warten, von mir gelesen zu werden.
Oder meine Bulgakow-Lesereihe; dann das, was ich für unser E.A.Poe-Spezial-Heft gelesen habe; oder das, was ich als Anregung aus der Musik vom Claypool Lennon Delirium entnahm, vornehmlich zu Jack Parsons.
Auch ein Schwerpunkt für mich war das Werk und Leben von Arnolt Bronnen. Dazu sollte es ja ein Spezialheft geben, also, nicht nur zu ihm, aber das hat Zeit …
Und zu guter Letzt, auch noch nicht „abgeschlossen“, meine Obsession für Michael Moorcock.
Okay, jetzt aber die Liste:

 

Überragende 11 von 10 Punkte
Christopher Priest: „Der weiße Raum“
Christopher Priest: „Der Traumarchipel“

 

Großartige 10 von 10 Punkte
Adam Hülseweh: „KLUNGA und die Ghule / Köln“
Arnolt Bronnen: „Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll“
Christopher Priest: „Das Kabinett des Magiers“
Michael Moorcock: „Der schwarze Korridor“
Michael Moorcock: „Der Zeitbewohner“
Michael Moorcock: „Die ewige Schlacht“
Michael Moorcock: „Tochter der Traumdiebe“

 

Sehr Gutes mit 9 von 10 Punkten
Albert Sánchez Piñol: „Im Rausch der Stille“
Albert Sánchez Piñol: „Pandora im Kongo“
Christoph Hein: „Gegenlauschangriff“
Christopher Priest: „Der schöne Schein“
Christopher Priest: „Die stille Frau“
Erik R. Andara: „Im Garten Numen“
Joel Rose: „Kein Rabe so schwarz“
John Carter: „Raumfahrt, Sex und Rituale“
Max Czollek: „Desintegriert Euch!“
Michael Bulgakow: „Arztgeschichten“
Michael Moorcock & Rodney Matthews: "Elric am Ende der Zeit"
Michael Moorcock: „Das ewige Schwert“
Michael Moorcock: „Der Phönix im Obsidian“
Michael Moorcock: „Die See des Schicksals“
Michael Moorcock: „Elric von Melniboné“
Philip K. Dick: „Ubik“
Rolf Krohn: „Der Stern von Granada“

 

Faszinierend, gut zu lesen etc., 8 von 10 Punkte
Kersten Knipp: „Die Kommune der Faschisten“
Alan Dean Foster: „Die denkenden Wälder“
Angela & Karlheinz Steinmüller: „Traummeister“
Arnolt Bronnen: „Aisopos“
Jack Williamson: „Geschöpfe der Nacht“
Jonathan Littell: „Die Wohlgesinnten“
Martin Amis: „Im Vulkan“ Essays, hg. v. Daniel Kehlmann
Michael Bulgakow: „Hundeherz“
Rolf Kauka: „Luzifer. Roman einer Seelenwanderung“
W. H. Pugmire: „Der dunkle Fremde“

 

Nicht mehr ganz so überragende 7 von 10 Punkte
Rudy Rucker: „Hohlwelt“
China Miéville: „Die letzten Tage von Neu-Paris“
Dan Abnett: „Doctor Who - und stumme Sterne ziehn vorüber“
Ingo Scharnewski bei TES
Michael Bulgakow: „Die verfluchten Eier“
Michael Moorcock: „Das Bordell in der Rosengasse“
Sybille Berg: GRM“

 

Was mir dann nicht mehr dolle gefiel …
Helmut Krausser: „Geschehnisse während der Weltmeisterschaft“
Louis-Ferdinand Céline: „Reise ans Ende der Nacht“
Rolf Kauka: „Roter Samstag, oder: Der Dritte Weltkrieg findet nicht statt“

 

… und wo ich aus Gründen keine Wertung gab:
Christopher Priest: „Schwarze Explosion“ - ohne Wertung, weil thematisch †¦seltsam†¦
Hermann Dreßler: „Die Künste des Doktor Incubus“ - ohne Wertung, weil das Buch erst noch kommt, ich las das Manuskript - das fand ich übrigens super!




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NEUER STERN 2019

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 12 Dezember 2019 · 1.171 Aufrufe

NEUER STERN 2019 Da sind sie also wieder komplett: Die NEUEN STERNE aus 2019. Diesmal doch nicht 12 geworden, aber fast. Ich kann wieder nur beteuern, dass das nicht beabsichtigt war - die NEUEN STERNE fallen halt, wie sie fallen... oder so...

"Ein NEUER STERN für das Fest der Liebe" rundet das Jahr ab, das ist sowas ähnliches wie eine Weihnachtsausgabe.
Mit folgendem Inhalt:
Editorial, Thomas Hofmann
Sneshana Taschewa: Der Mann. Eine Gebrauchsanweisung, Übers. aus dem Bulgarischen von Erik Simon
M.Z. Bradley: Die Claire-Moffat-Geschichten, Rezi v. Peter Schünemann
Nils Wiesner: Das Liebessleben der Kieselsteine in einem Bergbach an einem Frühlingsmorgen
Curt Corrinth: Mo Marova, Rezi v. Bernd Wiese
Ellen Norten: Bizarre Leidenschaft
Alien Eroticon, Rezi v. Sabine Seyfarth
Sex im 21. Jahrhundert, Rezi v. Michael Baumgartner
Der Worldcon in Irland, Bericht v. Sabine Seyfarth
Das 3. Robert-Kraft-Symposium, Bericht v. Thomas Hofmann
Colson Whitehead: Zone One, Rezi v. Volker Adam
A. v. Sternberg: Das stille Haus, Rezi v. Bernd Wiese


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Moorcocklastige Leseliste, die Ewige Fortsetzung

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 05 Dezember 2019 · 1.224 Aufrufe
Michael Moorcock, Moorcock
44 - Michael Moorcock: „Der Zeitbewohner“
Luchterhand hat mal eine echt interessante Reihe - Sammlung Luchterhand - herausgebracht, in der echt interessante SF-Titel erschienen sind. Ich hatte ja schon die Traumarchipel-Stories von Chris Priest entdecken dürfen, und jetzt halt die kleine Story-Sammlung von Moorcock.
„Der Zeitbewohner“ und „Flucht aus dem Abend“ gehören direkt zusammen. Sie spielen am Ende der Zeit, haben zwar unterschiedliche Protagonisten, doch taucht z.B. der Protagonist der ersten als Nebenfigur in der zweiten Story auf, ebenso andere Figuren.
Es geht in Moorcocks bizarrer Endzeitwelt, einer Ebene seines Multiversums, um das Phänomen Zeit und wie der Mensch allgemein eventuell außerhalb der Welt, die ja für ihn immer lebensuntauglicher wird, weiterleben kann. Dabei entwickelt Moorcock einen absolut interessanten kosmologisch-physikalisch-philosophischen Gedanken. Insgesamt haben mir die beiden Zeit-Ende-Stories großartig gefallen.
„Der große Fix“ ist eine richtige Inner -Space-New-Wave-Story. Die Welt gerät in den Strudel des Wahnsinns. Drogen, bewusstseinsmanipulierende Maschinen - all das deutet schon in eine spezielle Richtung: Was der Protagonist da erlebt, erträumt er wohl nur.
Mit „Die goldene Barke“ geht†™s weiter in die verrückteren, wenig greifbaren Welten des Herrn Moorcock. Auch wenn der Titel gern auch für eine Elric-Story passen würde, sind wir hier wieder voll in einer nicht näher bezeichneten, völlig unbestimmten Welt. Der Held der Stunde folgt besagter Barke und wird auf seiner Queste von einer verführerischen Dame aufgehalten. Die schafft es aber am Ende nicht, ihn von seiner Mission abzuhalten.
„Verzehrleidenschaft“ - in der Ich-Form verfasstes Bekenntnis eines Pyromanen. Der kann dann sogar Feuer per Gedankenkraft (im Zorn) erzeugen und fühlt sich übermächtig. Geht natürlich schief, als er sich selbst entzündet.
„Der Lustgarten des Felipe Sagittarius“ - Na, das ist ja mal eine verrückte Alternativ-Welt-Geschichte. Ein Krimi. Ein Toter im Garten des Polizeichefs von Berlin, Otto v. Bismarck. Berlin ist übrigens eine Ruinenstadt - wobei mir unklar bliebt, wer oder was das bewirkt hat.
„Der Berg“ ist der Ort, an dem der Mensch zu sich findet, endlich eins ist mit dem Universum. Also, Moorcock kann das viel, viel schöner formulieren. Die Story ist ein Fest - aber auch gleichzeitig todtraurig, denn sie spielt nach dem Atomkrieg, der die Menschheit ausgerottet hat.
10 / 10 Punkte

45 - Michael Moorcock: „Der schwarze Korridor“
Der Roman hat mal gerade so 120 Seiten, ist aber so vollgepackt, als hätte er 800. Es beginnt wie klassische SF: Ein Raumschiff ist auf dem Weg durch das unendliche und finstere Universum. An Bord schläft die Besatzung im Tiefschlaf, nur einer wacht. Er überwacht die Konsolen und füttert den Computer mit Berichten, der Computer ihn mit immer den gleichen Analysen. Der Tagesablauf des Wachhabenden ist weitestgehend ereignislos. Nur Drogen lassen ihn zur Ruhe kommen, schlafen, dann wieder wach und aufmerksam sein. Aber dazwischen träumt und erinnert er sich - und halluziniert.
Die öde Raumfahrt wird durch Erinnerungsfetzen die Erzählung, wie die Besatzung des Raumschiffs überhaupt zu ihrer Reise gekommen ist, ergänzt.
10 / 10 Punkte.

Beide Bücher haben es mir dolle angetan: meine Moorcock-Begeisterung reißt nicht ab. Ich muss mich da ausführlicher zu äußern, auch zu den politisch-gesellschaftlichen Gedanken, die M. gerade hier in „Der schwarze Korridor“ anspricht. Aber das mache ich dann - mal wieder - im NEUEN STERN.

46 - Michael Moorcock: „Tochter der Traumdiebe“
Was ist denn das? Ein Fantasy-Opus mit schwertschwingenden Anti-Helden oder ein historischer Roman? Eine Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus oder die Liebeserklärung eines Briten an die humanistische Tradition der deutschen Kultur? Ist das E oder U? - Die Antwort fällt leicht: Alles zusammen.
Ich bin schlicht begeistert von diesem Spätwerk des Meisters! Fängt schon gut an, weil einer deren von Bek die Hauptfigur ist, eher nicht Elric, obwohl das Buch zur neuen Elric-Saga zählt. Von dieser Trilogie gibt es auf Deutsch nur diesen einen Band. Warum denn das?
Also, Ulric v. Bek, sächsischer Adliger, lebt sein Denker- und Philosophenleben im Deutschland des gerade an die Macht gekommenen Faschismus. Ein naher Verwandter und Großkopf aus dem fiktiven mitteleuropäischen Mirenburg (siehe „Das Bordell in der Rosengasse“) hat sich opportunistischer Weise den Nazis an den Hals geworfen und sieht seine große Stunde kommen. Dazu braucht er aber das Schwert „Rabenbrand“ aus dem Hause Bek und den Gral. Dann könnte es mit der Weltherrschaft losgehen. Ulric will aber all das nicht hergeben, den Gral hat er sowieso nicht, denkt er. Seine Haltung führt ihn ins KZ der Nazis.
Wir Leser erfahren viel von der Haltung und Liebe zum Vaterland derer von Bek, von seiner tiefen Abneigung gegen die neuen unmenschlichen Machthaber und sehen gleichzeitig, dass er versteht, wie es dazu kommen konnte, aber doch nur traurig darüber ist.
Ehe er sich zum aktiven Kämpfer gegen das Naziregime aufraffen kann, muss er erst noch durch die Hölle. Die Verquickung okkulter Anliegen mit der realen Geschichte Deutschlands führt u.a. dazu, dass andere Kräfte anderer Ebenen des Multiversums aufmerksam werden und eingreifen.
Elric ist so etwas wie eine andere Form des Ewigen Helden (wissen wir ja) und damit ein alter ego Ulrics, aber eben auch charakterlich völlig anders.
Zudem gerät der Kampf zwischen Ordnung und Chaos aus dem Ruder, denn die Vertreter der Ordnung werden wahnsinnig. Das ist dann auch ein interessanter Aspekt, denn das Nazi-Regime stellt sich sozusagen als Vertretung der Ordnung dar, aber eben welcher Ordnung†¦
Alles schon sehr komplex und gleichzeitig spannend. Klar, es bleibt Kolportage, und vieles scheint mir nur „behauptet“. Leider leidet auch die Handlung unter der quasi-philosophischen Überfrachtung gerade im Fantasy-Mittelteil (ein Reich unter der Erde). Da wird zum 100sten Male erklärt, wie das mit dem Multiversum funktioniert, mit Chaos und Ordnung, mit dem Ewigen Helden. Die Passagen, die in der uns real erscheinenden Welt der 30er Jahre des 20. Jh, in D. spielen, fand ich stringenter und griffiger.
Elric und Ulric sind dann auch mal Eins, dann wieder zwei Personen. Auf jeden Fall kann sich ab einem bestimmten Zeitpunkt Ulric daran erinnern, was er als Elric getan und gefühlt hat. Die Erzählperspektive ändert sich auch dadurch im Buch, wobei das dann ja auch keine Rolle mehr spielt, da beide Eins sind/waren. So erfahren wir auch, dass der deutsche Buchtitel doch gar nicht so falsch ist, wie viele Rezensenten meinten: Da steht ja Tochter der Traumdiebe, sie meinten: Es müsse heißen, Tochter der Traumdiebin. Ja, wäre nicht falsch, aber es wird im Buch erklärt, dass auch Elric ein Traumdieb ist, insofern†¦
Es ließe sich noch so viel über dieses vielschichtige Buch sagen, und vielleicht mache ich das auch noch, aber dann nicht hier†¦ (Ihr wisst schon, wo).
10 / 10 Punkte


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Rolf Krohn liest in Halle aus "Der Stern von Granada"

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 23 November 2019 · 1.207 Aufrufe
Rolf Krohn
Rolf Krohn liest in Halle aus "Der Stern von Granada" + + + Eilmeldung + + +
Am kommenden Montag, den 25.11., liest Rolf Krohn. Das muss ich jetzt noch mal schnell loswerden (für Leute aus der Gegend vielleicht ein Tipp).


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Der 9. November beim NEUEN STERN

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 23 November 2019 · 1.111 Aufrufe
Uchronie
Der 9. November beim NEUEN STERN Der 9. November ist ein sehr geschichtsträchtiger Tag für die Deutschen. Viel ist da in verschiedenen Jahren passiert; zuletzt - dessen wurde ja nun in diesem Jahr ausgiebig gedacht - 1989. Solche Tage sind für SF-Fans durchaus auch von großem Interesse. Denn anhand konkreter historischer Ereignisse kann man sich gedankenspielerisch fragen was wäre, wenn - es anders gekommen wäre als es gekommen ist.
Diese Spielart der Phantastik nennt man auch Uchronie, ein nicht so geläufiger Begriff. Dachte ich zumindest†¦ Aber letztens, beim PentaCon, Anfang November, hat Karlheinz Steinmüller genau darüber einen Vortrag gehalten.
Na ja, jetzt kann ich ja viel behaupten, ob man es mir glaubt? Aber es ist wahr: Wir - die Leute vom NEUEN STERN, hatten es uns schon ganz lange vorgenommen, zu diesem Tag ein Themenheft zur Alternativen Geschichte, zur Uchronie also, zusammen zu stellen.
Das Heft ist dann auch pünktlich zum 9.11.19 erschienen und sieht so wie auf dem Bild erkennbar aus. Na bitte.
Neben dem Uchronie-Anteil gibt es noch eine längere Erzählung, die ich - falls es dieses Subgenre überhaupt gibt - als Mythische Phantastik bezeichnen möchte.



Im Einzelnen findet man auf 48 Seiten:
Editorial - Thomas Hofmann
Nils Wiesner: Stadtführer Utz Bruckner führt durch die Stadt
Nils Wiesner: Das Gralprogramm, Rezi von Bernd Wiese
Der „berühmte“ Blitz, von Peter Schünemann
Alexanders langes Leben..., Rezi von Bernd Wiese
Otto Emersleben: An jenem 31. April, Rezi von Peter Schünemann
Andreas Eschbach: NSA, Rezi von Sabine Seyfarth
Christian von Ditfurth: Die Mauer steht am Rhein, Rezi von Peter Schünemann
Frank January, Xavier März, Doppelrezi von Peter Schünemann
Thomas Ziegler: Stimmen der Nacht, Rezi von Holger Marks
Peter Budjonny: Das Ritual der Liebe und der notwendigen Verwandlung




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Noch mehr Fanzines

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 09 November 2019 · 1.362 Aufrufe
BWA, SFN
Noch mehr Fanzines Eigentlich†¦ Eigentlich wollte ich einen PentaCon-Bericht schreiben, aber inzwischen gibt es ja schon welche. Ich darf mal stellvertretend auf den sehr schönen von Norbert Fiks hinweisen. Der Titel seines Blog-Eintrages weist darauf hin, dass das Fandom bereits eine lange Geschichte hat, sogar in der DDR. Ja, da gab es sowas ja auch schon, sogar vor meiner Zeit. Vielleicht ist das ja alles zu rückwärtsgewandt gewesen, aber selbst (ich) kommt man ja in das Alter, wo man sich halt auch gern erinnert. Und tatsächlich hat der Bericht von Wolfgang Both über die SF-Clubs in Dresden und Ilmenau, Berlin auch, für mich einiges Neues bereit gehalten. Na ja, wobei das alles sicher auch in der Monografie „Berichte aus der Parallelwelt“ steht, aber ist schon wieder ein Weilchen her, dass ich die gelesen habe. Da kam die Auffrischung gerade recht. Sie zeigte mir auch eindringlich auf, dass ich zu einer Zeit ins SF-Fandom kam, als die großen Verwerfungen und Schockwellen vorüber waren. Was in den 70ern die Fans so erleben mussten, ist ja alles andere als schön. Dass sie danach überhaupt noch ihr Interesse bewahren konnten, ist ja fast ein Wunder.
Und es gab zum 11. PentaCon wie gewohnt eine Ausgabe der TERRAsse. Die darf ich gleich mal erwähnen. Ist leider sehr dünn ausgefallen. Sie enthält dafür den Artikel zum Vortrag von Karlheinz Steinmüller. Darin (Vortrag) ging es, bzw. darin (Artikel) geht es um Alternativweltgeschichte. Siehe Foto unten.
Hey, das passt ja wie die Faust aufs Auge! Denn: Unser kleiner Rundbrief - der NEUE STERN, oben nicht im Bild - widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe auch diesem Thema. Also, so ganz allgemein, und im Speziellen durchaus auch der Frage, wie es mit der DDR hätte weitergehen können. Aber so wie bei Herrn Steinmüller werden auch bei uns mehr Themen angesprochen als nur dieses eine.
Der zweite größere Beitrag in der TERRAsse ist eine Story von Rolf Krohn. Sie trägt den Titel „Atlantis“ - also, das Thema kenne ich doch auch irgendwoher†¦
Ansonsten sind mir letztens noch ein paar Fanzines ins Haus geflattert.
Nachdem ich mal SF-Notizen als Austausch für den NEUEN STERN erhielt, danach nach der Möglichkeit eines regelmäßigen Bezuges keine Antwort erhielt, kam nun überraschend und sozusagen ungefragt, ein kleiner Stapel an. Dabei ein besonderes Heft, das ich mit großem Interesse und sehr aufmerksam las.
In der 778. Ausgabe (wow!) hat Kurt S. Denkena die Fandom-Geschichte um die AST und die Redaktion der SF Times zusammengefasst. Das liest sich ja wie ein Thriller! Illustre Namen tauchen da auf und ich staune, wie lange da schon einige Leutchen „dabei“ sind, also beim Fandom. Einige Leute haben - wenn ich das mal so aus meiner persönlichen Sicht äußern darf - seltsame Wendungen durchgemacht. Aber gut, alles fließt, alles entwickelt sich (ich hoffe, ich auch).
Gefreut habe ich mich sehr über die historische Begegnung mit Gerd Maximovic, der in den ideologischen, politischen Auseinandersetzungen damals sehr aktiv war. Ich „kenne“ ihn ja als Mitstreiter in der APA F.A.N. und nun auch als LoC-Schreiber in der Baden-Württemberg Aktuell. Seine Beiträge dort sind voller historischer, esoterischer, philosophischer Inhalte, um Politik etc. geht es ihm heute eher nicht. Ich war also erstaunt und finde das übrigens nicht nur spannend, sondern auch richtig gut: Der Mann hat seine Geschichte! - Also, diese Ausgabe der SFN hat es auf jeden Fall in sich. Vielleicht lohnt es sich, Kurt deshalb anzuschreiben?
Ach ja, das SF-Fandom hatte also damals seine politischen Ausreißer, war eben auch politisch. Es ging auch damals um Themen, die heute wieder oder immer noch aktuell sind.
Ansonsten lese ich weiter die BWA-Aktuell-Ausgaben. Gerade die vom Mai 2019. In der finde ich so btw meinen Leserkommentar, den ich hier im Blöggchen auch schon eingestellt hatte, wieder. Hat mich gefreut, dass die Macher des Fanzines meine Reaktion zur Kenntnis nehmen und Platz im Heft opfern. Was mich dann noch mehr freute, war, dass meine Replik auf Ekkehardt Brux†˜ Ausführungen zu den 3 Hl. Königen und den Roman von Michel Tournier (den ich immer noch nicht wiederglesen habe, wie ich es mir eigentlich vorgenommen hatte) selbigen dazu animierte, das Buch zu lesen und in der Juni-Ausgabe dann auch darüber zu reflektieren. Na ja, so gefällt mir fannische Kommunikation!
Inzwischen hat der gute Ekkehardt sich auch schon mit Beiträgen am NEUEN STERN beteiligt, was mich sehr freut. Dieser Austausch ist, was Fandom für mich ausmacht, u.a.
Bleiben wir aber mal in der April-Ausgabe, der Nr. 428- Ekkehard setzt da seine Lektüre der Rohr-Romane fort. Das scheint er ja unermüdlich zu sein. Ähm, lieber Ekkehard, falls du das hier liest: Also, wenn du mal den Autor so allgemein und insgesamt im NEUEN STERN vorstellen willst. Also, ich kenne da jemanden, der nix dagegen hätte.
Uwe Lammers erfreut mit langen Rezis. U.a. einen herzhaften Verriss eines Holmes-Pastiche, die wohl - seiner Lesart nach - völlig danebengeriet, sowohl stilistisch, also auch inhaltlich; als hätte der Autor dieses Buches nicht viel Ahnung von Holmes & Watson.
Dafür ist seine Rezi zu dem Sammelband „Die Gehäuse der Zeit“ eine wahre Einladung, das Buch zu lesen. Werde ich wohl mal machen. Sein wie gewohnt umfangreiches Editorial regt dafür zum Widerspruch an. Man könnte eine Diskussion lostreten, so ein bisschen APA-mäßig. Es geht ihm anfänglich um die Frage, welche Zukunftsvoraussagen der SF eingetreten sind. Die Auswahl der Beispiele und wie er sie bewertet, fand ich persönlich nicht stimmig. So halte ich es z.B. für wenig sinnvoll, den Umstand zu erwähnen, dass wir noch keine Monolithen von Aliens auf dem Mond entdeckt haben (2001). Auch das Ausbleiben von industriell verarbeitetem Menschenfleisch wir in Soylent Green ist nach meinem Dafürhalten kein Indiz dafür, dass dystopische Zukunftsaussagen nicht eingetroffen sind. Die Frage, die mit dieser Story auf die polemische Spitze getrieben wurde, ist doch m.M.n. die nach dem Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen auf der enger werdenden Erde. Die Frage steht nach wie vor und auch durchaus zugespitzt im Raum, oder?
Alexandra Trinley, die ich als Story-Autorin in der BWA bereits kennen lernen durfte, erfreut mit einer Terra-Mythos-Fan-Story, also einer Geschichte, die einen alten irdischen Mythos aufgreift, in der Welt, in der Perry Rhodan, die Erde etc. verbotene, hinter vorgehaltener Hand erzählte Lügengeschichten geworden sind. Das ist wohl die Welt nach Band 3000 von Perry Rhodan (man verzeihe mir meine Unkenntnis). So liest sich für mich PR wieder interessant.
Das Heft enthält noch mehr, ein Interview mit Kris Brynn etwa. Es ist insgesamt recht umfangreich geworden. Vielleicht ein guter Einstieg in die Fan-Welt der Baden-Württemberger (auch wenn der Name des Fanzines einen kleinen Fehler enthält; was mich fast beruhigt, denn ich muss zugegebenermaßen auch immer wieder nachschlagen, wie das Bundesland geschrieben wird†¦).

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Karlheinz Steinmüller beginnt seinen Vortrag beim 11. PentaCon, Desden, 1.-3.11.2019; neben ihm der Veranstalter Ralf P. Krämer


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(nix SF) Gestern lernte ich die Oma von Eugen Ruge kennen

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei... 30 Oktober 2019 · 1.448 Aufrufe
Ruge, Eugen Ruge
(nix SF) Gestern lernte ich die Oma von Eugen Ruge kennen †¦und dafür bin ich sehr dankbar. Warum? Das müsste ich jetzt hier ziemlich ausführlich beantworten. Nur gut, dass es sich um eine SF-Forum handelt, da habe ich eine gute Ausrede dafür, dass ich her keinen langen historischen Exkurs starte.
Es ist nur so, dass man als im Osten sozialisierter, an Geschichte Interessierter kaum an dem Name Ruge vorbeikommt. Einst, als ich das Fach mal studierte, an der MLU in Halle, lief mir der Name selbstverständlich über den Weg: Wolfgang Ruge.
Jetzt ist sein Sohn in aller Munde: Nach seinem fulminanten familiären Aufarbeitungsroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Gelesen habe ich es nicht, aber den Film und das Theaterstück (am neuen theater zu Halle) gesehen. Den Film fand ich besser als die Theater-Adaption. (Letzterer hat aber den Vorteil, dass sie umsetze vom Roman als der Film, der sich ja auf die Geburtstagsfeier konzentriert.)
Nun bleibt der Autor Eugen Ruge seiner Familiengeschichte treu, greift etwas weiter zurück, in die 30er Jahre des 20. Jh. Er musste dabei wohl auf Entdeckungsreise gehen, d.h. hart recherchieren, da er einem Tabu-Thema auf der Spur war, dass eben seine Oma u.a. Familienangehörige lieber aussparten. Da war - trotz des Historiker-Hintergrunds - nicht viel mit Aufarbeitung.
Es geht also um die Stalinschen Säuberungen und Schauprozesse um 1937. Seine Oma, als in die SU immigrierte Kommunistin, war davon betroffen.
Ihr Enkel wollte für sich die Frage beantwortet haben: Wie kann man bei diesem Wahnsinn, dieser tödlichen Absurdität an den kommunistischen (sogar stalinistischen) Idealen festhalten?
Die Beispiele, die er aus seinem Buch „Metropol“ las, lassen genau diese Frage in einem entstehen. Ich denke mal da hat der Autor seine selbstgestellte Aufgabe mit Bravour gelöst. Ich war ergriffen, echt.
Die Fotos:
Einmal der Autor mit dem Porträt seiner Großmutter, die als Muster für die Protagonistin im Roman Pate stand. Das 2. Foto: Er und das Hotel Metropol, wo Emigranten auf ihre Abholung „warteten“.

29.10.2019, Haus des Buches, Leipzig


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Herbstliche Leseliste, etwas ausführlicher

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 29 Oktober 2019 · 1.348 Aufrufe
Moorcock, Michael Moorcock und 2 weitere...
Achtung, Achtung jetzt kommt viel Text. Hat sich so angesammelt. Muss jetzt mal raus.

32 - China Miéville: „Die letzten Tage von Neu-Paris“
Lanng erwartet, ersehnt sogar! Als ich dann noch mitbekam, dass Jack Parsons eine der Figuren in dem Roman ist, war ich noch gespannter. Ja, genau der Jack Parsons aus „Raumfahrt, Sex und Rituale“, auch besungen vom The Lennon Claypool Delirium. Das muss doch was sein!
Nun ja, so richtig zünden wollte der Roman bei mir nicht. Die Idee, dass durch ein Ereignis, an dem besagter Jack Parsons maßgeblich mitschuldig war und das die ganzen Kreaturen und phantastischen Gegenstände der surrealistischen Kunstwerke zum Leben erweckte, und das Paris der 40er und 50er Jahre unsicher machen, ist recht amüsant. Auch vermag der Autor das hervorragend und sprachgewaltig umzusetzen, aber auf Dauer trägt das nicht. Mir wurde es da schnell langweilig. Auch ärgerte es mich, dass der Autor diesen surrealistischen Manifestationen ausschließlich aggressives Verhalten unterstellt.
In dem alternativ-historischen Paris sitzen die Nazis 1950 immer noch in Paris. Die Résistance kämpft gegen sie, aber auch gegen die Manifestationen.
Interessanter empfand ich die Kapitel, die 1941 spielen und aufzeigen, wie es dazu kam und welche Rolle Parsons dabei spielt.
7 / 10 Punkte

Eigentlich wollte ich endlich meinen „Russen-Block“ abarbeiten. Der liegt geschlossen seit Weihnachten 2018 auf dem SUB, ziemlich weit oben. Ein Paar Bücher, im Grunde ein ziemlicher Brocken, auf den ich mich aber freute und immer noch freue. Aber vor dem ich mich auch etwas fürchte, denn die Bücher erwarten von mir, dem Phantastik-Fan, viel Ausdauer im Reich der Un-Phantastik. - Na ja, jetzt könnte ich noch lang & breit ausführen, wieso jetzt eben noch nicht die Zeit für meinen literarischen Ausflug nach Russland gekommen ist, sondern doch erst mal ins Moorcock†™sche Multiversum, aber wer will das denn schon wissen? Moorcock war aber auch schon lange mal (wieder) auf meiner Lektüre-Wunschliste. Mal sehen, wie die alten Geschichten so munden†¦

33 - Michael Moorcock: „Elric von Melniboné“
Elric ist der letzte der Herrscher über die Träumende Stadt. Er hat keine Lust auf Politik und aufs Herrschen. Er grübelt lieber - d.h., er grübelt, aber auch das tut er wohl nicht gerne.
Er ist kränklich und schwach; nur Drogen halten in aufrecht, später sein Schwert Sturmbringer (dessen Zwilllingsschwert wir auch kennen lernen und das von Elrics Erzfeind geführt wird).
Freunde hat er auch kaum, nur den Lord der Drachenhöhlen, Dyvim Tvar und Großadmiral Magum Colim. Und natürlich seine Cousine und Geliebte Cymoril, deren Bruder, Yykoon, Elric den Thron streitig macht.
Darum geht es auch primär in dem ersten Buch, um den Streit zwischen Elric und Tyrkoon um den Rubinthron. Elric löst den Streit salomonisch und weicht einer endgültigen Entscheidung durch Flucht aus - indem er sich auf Weltreise begibt, was den Leser natürlich freut, da man die bunte, gefährliche Welt um das Inselreich Melniboné kennen lernen kann.
Irgendwie kam ich früher nicht so richtig an diese Fantasy-Saga heran. Immer nur kleine Portionen. Jetzt will ich mit mal den großen Zusammenhang erarbeiten (mal sehen, wie lange ich das durchhalte). So punktuell (zuletzt 2011!) fand ich das auch richtig gut. Aber†¦
Elric fetzt! Er muss so oft irgendetwas, auch wenn er nicht will. Das bringt ihn einem näher. Er ist schwach und stark zugleich. Er hat Macht zur Verfügung, die ihn zum Monster macht, aber eben auch seine Schwäche überwinden lässt. Will man das für sich selbst auch? Ja und nein, oder?

34 - Michael Moorcock: „Die See des Schicksals“
Elric ist unterwegs. Er will die Jungen Königreiche, die dem alten Melniboné den Schneid abkaufen wollen, erforschen. Vielleicht kann er von den Jungspunden was lernen, was seiner dekadenten und dem Untergang geweihten Heimat Inspiration sein könnte. Ja, das gute alte Melniboné - 10.000 Jahre alt. Das muss man erst mal schaffen - die Römer haben nur 1000 Jahre durchgehalten. Kann das jemand überbieten?

„Fahrt in die Zukunft“ - Vier Inkanationen des Ewigen Helden werden zusammengerufen, um einer außerirdischen Bedrohung Herr zu werden: Elric, Hawkmoon, Erekosë und Corum, dazu ein paar Neben-Helden. Es geht gegen Agak und Gagak, die irgendwie in einer zerstörten Variation von Tarnelon leben, eigentlich DEM Ziel vieler „Ewiger Helden“. Das Abenteuer ist ziemlich psychodelisch.

„Fahrt in die Gegenwart“ - Elric muss mit seinem neuen Kumpel und Reisegefährten (natürlich wider Willen), Graf Smiorgan Kahlschädel von den Purpurnen Städten einen historischen Streit um eine Dame zweier Edelleute aus einer vorherigen Epoche schlichten. Einer der eifersüchtigen Streithähne ist auch aus Melniboné, was durchaus ungewöhnlich ist, da diese dekadenten Faulpelze überhaupt nicht gerne reisen: Saxif D†™Aan. Das mit den Zeiten löst Moorcock durch die verschiedenen Ebenen der Welt. Hier ist man in einer, in der die Sonne blau scheint.
Interessantes Detail (für mich): Es gibt da eine Stelle, in der Elric auf einen Trupp verwegen-verlorener Söldner stößt, die alle aus verschiedenen Epochen stammen. Es sind nur die Epochenbezeichnungen, die genannt werden, die aber allein durch ihre Nennung so viel mitschwingen lassen:
Lomyrische Republik (vor 200 Jahren - aus Elrics Sicht, versunken), Chalaliten (etwa zeitgleich zu Elric), Ilmioranier (letztes Jahrhundert), Filkharier, Tarkeshiten, Shazarier, Vilmirier.

„Fahrt in die Vergangenheit“ - Ein Herzog Avan nimmt die beiden, Elric und Smiorgan auf seinem Schiff mit, er will sie wieder in ihre Welt-Ebene bringen, wer sie ihm helfen, die mythische Urstadt der Melnibonéer im Westen, R†™lin K†™ren A†™a zu finden. Dort soll es Schätze geben. Elric glaubt nicht mal, dass es sie überhaupt je gab, geschweige denn, dass sie noch zu finden sei. Immerhin ist es 10.000 Jahre her, dass seine Urahnen die Stadt verlassen haben sollen. Und seitdem soll die Stadt auch nie wieder bewohnt gewesen sein.
Nun, zum Teil stimmt das auch. Das fremde Land ist von undurchdringlichem Dschungel bewachsen. Es gibt dort keinerlei Fauna, keine Menschen. Aber eine sehr aggressive und fast unbesiegbare Reptilien-Armee, und einen Unsterblichen Ureinwohner der Stadt, der nichts mehr ersehnt, als seinen Tod. Das Abenteuer wird mit vielen Menschenleben bezahlt. Der Chaos-Gott Arioch ist auch keine große Hoffnung, Sturmbringer zeigt sich nicht von seiner besten Seite, denn es frisst auch befreundete Seelen.

35 - Hermann Dreßler: „Die Künste des Doktor Incubus“
Ein verschollener Klassiker, neu für die interessierte Phantastikszene entdeckt von Lars Dangel. Ich las das Manuskript des im Privatdruck entstehenden Buches - und bin recht angetan davon.
Es ist eine faustische Geschichte, die so zwischen Renaissance und Barock in Amsterdam spielt. Ein Student der Naturwissenschaften lernt einen „mad scientist“ kennen, der ihn in seine Geheimnisse einweiht. Unser Student ist zudem dolle verknallt in eine Nachbarstochter. Beides - die unbändige Liebe und die Macht der Naturwissenschaften - bilden eine unheilige Allianz.
Mehr verrate ich mal noch nicht. Und eine Wertung gibt es auch nicht (würde aber ziemlich hoch ausfallen†¦).

36 - Michael Moorcock: „Das Bordell in der Rosengasse“
Da dachte ich doch mal, nach der Lektüre von „Die Kriegsmeute“, es gäbe keine weiteren Bek-Romane auf Deutsch. Na, was weiß ich schon von Moorcock!? Also, es gibt da durchaus mehr auf Deutsch. U.a. diesen Roman, der im Grunde - fast - keine Phantastik ist. Der Roman kommt ohne phantastische Elemente aus, spielt aber in einem fiktiven mitteleuropäischen Land, vor dem 1. Weltkrieg. Wäldenstein mit seiner Hauptstadt Mürenburg, liegt zwischen Deutschland, Österreich, Böhmen. Irgendwie so richtig mittendrin. Damit muss es sich auch mit den imperialen Gelüsten und Anfeindungen der Großmächte auseinandersetzen. Es kann aber - noch - seine Unabhängigkeit bewahren und gilt als Oase für Dissidenten, Künstler, Kulturschaffende und Lebemänner und -Frauen aus ganz Europa.
Zentrum dieses illustren, leicht - bis schwer - dekadenten Kulminationspunktes ist das im Titel benannte Bordell. Da geht halt die feine und halbseidene Gesellschaft ein und aus.
Unser Herr von Bek (Richard) ist liiert mit einer Sechzehnjährigen. Nun, das schrammt hart am ethisch Zulässigen. Dem ist sich v. Bek auch bewusst und verheimlicht seine Liebschaft so ein bisschen. Es geht in dem Roman um viel Sex, wobei es jetzt kein Porno-Roman ist. Sexuelle Praktiken, auch mit anderen Huren aus dem Bordell, werden aber durchaus verbal ausgemalt.
Aber alles, der Sex, aber auch die Politik, der Bürgerkrieg, der ausbricht, zwischen der prodeutschen und proösterreichischen Fraktion der Bürgerschaft und ihrer adligen Anführer, bleibt so ein wenig im Nur-Angedeuteten. Irgendwie ist der ganze Roman weder Fisch noch Fleisch.
Zudem ist er formal schwierig: Der Text sind kaum durch Absätze gegliedert. Innerhalb eines Mega-Absatzes kommt es zu mehreren Zeitsprüngen. Die Story wird nämlich vom inzwischen am Bett gefesselten v. Bek als Erinnerung, Memoiren aufgeschrieben und damit uns erzählt. Dass es sich hier um verschieden Zeitebenen handelt, habe ich tatsächlich erst richtig nach ca. 50 Seiten überhaupt kapiert. Aber mal liest sich ein und es liest sich so weg - wobei ich mich bis zum Schluss fragte, was der Dichter mir damit sagen wollte.
7 / 10 Punkte

Die folgenden Romane habe ich in Form des Sammelbands von Michael Moorcock: „Der ewige Held“ gelesen:

38 - Michael Moorcock: „Die ewige Schlacht“
Das Buch (also der Sammelband mit 3 Romanen um den ewigen Helden Erekosë / John Daker (mit bürgerlichem Namen) liegt schon so lange auf meinem SUB. Immer, wenn ich mal in Moorcock-Laune war, habe es aber doch immer wieder gekonnt ignoriert. Ist ja auch fetter Brocken. Nun aber†¦
Und? Ja, ist ein dicker Brocken, liest sich aber weg wir nix. Das erste Buch ist einfach großartig - bin schlichtweg begeistert. Es ist episch, spannend, wortgewandt, tragisch, melancholisch.
Den Intellektuellen, bescheiden lebende John Daker aus London, 20. Jh. (geb. 1941), verschlägt es - wie, wird gar nicht weiter ausgeführt, seine Reise gleicht eher einem traumatischen Erlebnis - in eine fremde Welt. Wenn man es mit der irdischen - hier sollte man vielleicht besser von der gegenwärtigen, bekannten - Zivilisation vergleicht, dann befinden sich die Menschen im Zustand des Spätmittelalters: Ritterrüstungen und eher primitive Kanonen gibt es da (mit Alltags-Beschreibungen hält Moorcock sich ja nicht gerade auf.) Aber ist das überhaupt die Erde? Irgendwie erscheint sie im Laufe des Buches wie ein Ort des Multiversums. Aber am Schluss richtet unser Held sein Wort direkt an seine zukünftigen Leser, also an uns / mich. Also ist die Welt, in die es ihn verschlug, irgendein vorzeitlicher Zustand unserer Erde?
Die Menschheit ist nicht die einzige vernunftbegabte Art auf dieser Erde, da gibt es noch die Alten. Wer zuerst da war? Das wird diskutiert, aber bleibt im Unklaren. Sie werden von den Menschen als Bestien beschrieben, die nur eines wollen: die Menschen vernichten. Dazu wenden sie auch List und Betrug an. Erekosë wird von dem König der Menschen beschworen, denn er hatte bereits mal den Krieg gegen die Alten entschieden, aber nicht zu Ende geführt. Die Menschen fühlen sich weiterhin bedroht und wollen die Fremden endgültig auslöschen. Erekosë ist ihre Geheimwaffe. Erekosë kann sich nur sehr langsam und unvollständig an seine frühere Helden-Existenz erinnern, von seiner anderen Identität, John Daker, ist nicht sehr viel da, aber die kann er dann doch schnell in den Hintergrund drängen, denn sie wäre ja dieser kriegerischen, archaischen Welt überhaupt nicht gewachsen.
Na ja, im Grunde skizziert Moorcock hier eine Art Proto-Faschismus, der auf einem extremen Rassismus beruht. Das zu lesen ist sehr befremdlich. Interessanter Weise ist Erekosë ja der Held der Menschen und so versteht er sich auch. Aber was Moorcock da beschreibt, stößt mich zumindest gleich ab. Und natürlich stellt sich heraus, dass die Alten gar nicht die Monster sind, für die die Menschen sie hinstellen. Eher im Gegenteil: Sie sind die Zivilisierteren, die Frieden wollen, ohne die andere Rasse vernichten zu wollen. Sie sind auch einfach die schöneren Wesen, eher feengleich, würde ich mal sagen. Vor meinem geistigen Auge sehe da immer Tolkien†™sche Elben†¦
Apropos: Halblinge gibt es hier auch: Das sind Humanoide aus einer anderen Parallelwelt des Multiversums - hier: die Geisterwelten -, die immer mal durch eine magische, aber nur temporäre Verbindung her gelangen. Sie kämpfen auf der Seite der Alten. Außerdem haben die Alten noch ein Arsenal alter Waffen, die sie unter Verschluss halten, weil sie einfach zu mörderisch sind und aus moralischen Gründen von den Alten nicht mehr genutzt werden sollen. Es kommt aber anders, dank Erekosë. Die Waffen muten in diesem quasi mittelalterlichen Ambiente futuristisch an, sogar wenn man unseren gegenwärtigen Stand der Technologie als Maßstab ansetzt (Strahlenkanonen). Ja, die Welt dreht sich im Kreise†¦
Erekosë wird da hineingeworfen, verführt von beiden Seiten, vor allem durch die Frauen, in die er sich verliebt. Und jeweils in der Phase des Krieges, in der er sich für eine der beiden Seiten entschied, sorgt er als unbesiegbarer ewiger, unsterblicher Held mit Superschwert für genozidgartigen Kahlschlag unter der jeweils gegnerischen Partei. Und er leidet darunter.
Überhaupt plagen ihn Albträume, in denen er mit der Tatsache konfrontiert wird, dass er eine Inkarnation des Ewigen Helden ist und im Grunde viele Personen auf vielen Welten ist, oder sein könnte†¦ Eine Erklärung findet er nicht, und er fühlt sich getrieben und erstickt seine Depressionen in Aggressionen. Am Ende entscheidet er sich für die Alten und gegen die Menschen. Er erkannt, dass die Welt nur Frieden hat, wenn es keine Menschen gibt. Hmm, eine schlimme Schlussfolgerung --- für uns.
10 / 10 Punkte

39 - Michael Moorcock: „Der Phönix im Obsidian“
Erekosë lebt nun im Paradies, bei seinen Alten, den elfengleichen Ur-Menschen, die vor dem barbarischen Homo Sapiens diese eine Erde bewohnten und nun wieder, dank Erekosë, beherrschen. Es könnte also alles gut sein, aber†¦
Erekosë wird in die nächste Welt gezerrt. Seine Träume vom Ewigen Helden kehren zurück, andere Zeichen mehren sich. Die Alten, seine neuen Freunde, wissen, dass er gehen muss.
Er wacht in einem Eismeer auf einem Wagen, gezogen von Eisbären, auf. Und nun weiß ich auch, dass das Cover des Buches kein einfach so mal hergenommenes Bild ist, sondern wirklich den Helden dieses 2. Buches des Ewigen Helden darstellt.
Erekosë ist nun Urlik Skarsol und soll mal wieder hier eine Menschheit retten.
Das Muster ist allerdings ähnlich wie in dem 1. Buch.
Die Erde ist hier am Ende der Zeit. Die Sonne wird kleiner und kälter. Das Meer ist so voller Salz, dass es schon zähflüssig wird. Das macht die Schifffahrt dann auch „spannend“ (eher ein Gleiten, denn ein Schwimmen).
Die Einwohner von Rowenarc sind völlig dekadent, geben sich sinnlosen Orgien und Gelagen hin. Sie wissen, dass die Erde nur noch wenig Zeit hat, ehe sie völlig unbewohnbar ist. Also, was sollen sie sich kümmern? Moorcock beschreibt die Dekadenz relativ ausführlich (also, für meinen Geschmack hätte er das nur ausführlicher tun können). Auch die Bedrohung durch die Silbernen Krieger stört die Leute nicht.
Auf einer Jagd nach einem seltsamen Meeresmonster wird unser Held ausgetrickst. Der fette Priesterherrscher, Belphig, lässt Urlik auf der Insel des Monsters allein zurück, in der Hoffnung, dass er dort umkommt. Aber doch nicht unser Held!
Urlik, den das Ganze überhaupt nicht schmeckt, der auch wieder bös träumt und dem dauernd anheimgestellt wird, das Schwarze Schwert, auch das Kalte Schwert, an sich zu nehmen, um die Feinde der Menschen, die Silbernen Krieger zu schlagen, will das einfach nicht. Er will Frieden, keinen Krieg. Aber wenn er das Schwert führt, lacht er und der Blutzoll†¦ Ja, das kennen wir ja schon.
Apropos „Blutzoll“ - das ist diesmal sogar wörtlich gemeint. Denn es gibt eine Intrige, und die Silbernen Krieger sind nicht so böse, wie sie dem Helden und dem Leser vorgestellt wurden. Alles hängt mit einer gefangenen Königin, einem Rufenden Kelch und der Verquickung aller mit dem Schwarzen Schwert und sicher auch mit den Mächten des Chaos zusammen.
Am Ende gibt es mehr Opfer, als es für ein happy end gut wäre, aber unser Held wird aus seinen Verpflichtungen erst einmal entlassen.
Irgendwie ist Urlik noch einen Zacken trauriger und tragischer als Erekosë. Hat mir wieder auf seine ganz spezielle Weise gefallen!
9 / 10 Punkte

40 - Michael Moorcock: „Das ewige Schwert“
Der dickste Roman aus der Trilogie. Leider auch der streckenweise drögeste. Das war dann etwas viel schicksalhafte Schwurbelei. Jetzt ist ja echt langsam klar, was und wer alles der Ewige Held ist!
Hier gerät Daker in einen Teil des Multiversums, das Maaschanheem heißt, Dort trifft er zuerst mal Ulrich von Bek, was mich überaus freute! Und das war auch der Grund - ich wusste das ja, dass der da mitspielt - dass ich mir den dicken Wälzer genau jetzt zu Gemüte führte. Die beiden finden in Freundschaft zueinander und begeben sich infolge auch auf die Suche nach Artefakten, die jeweils nur sie auch nutzen können: Daker sein ewiges Schwert und von Bek den Heiligen Gral. Des einen Gabe nützt dem anderen.
Maaschanheem heißt auch Mittelmark. Das Land wird von riesigen fahrenden Städten beherrscht und durchfahren. Oha, das kennen wir doch irgendwoher. Aber Moorcock ist sicher nicht derjenige, der abgeschrieben hat.
Von Bek entfloh übrigens aus einem Nazi-KZ. In der Mittelmark geraten sie auf so einen Riesendampfer. Dort herrscht eine Art Diktatur und es ist wenig gemütlich. Der Dampfer ist auf dem Weg zu einem Treffen der sechs Reiche, wo man sich nach langen Kriegen endlich friedlich zu Handel und Verhandlungen trifft. Der Frieden der sechs Reiche ist labil. Der Herrscher der Mittelmark erkennt in Daker den Prinzen eines anderen Reiches, Flamadin und hofft, dass der ihm nun beisteht. Daker weiß von nix.
Also Intrigen und Verwechslungen. Außerdem träumt Daker wieder viel, u.a., dass man ihn in Form einer Frau ruft - die Zwillingsschwester Flamadin: Sharadim.
Sharadim ist aber eher eine Hexe, die sich mit dem Chaos gegen die sechs Reiche verbündet. Da Ihr Zwillingsbruder - im Umkehrschluss - dem Ewigen Helden ähnelt, hofft sie, dass der das Ewige Schwert führen kann - eine Art Superwaffe. Allerdings hatte sie ihn, als den echten Flamadin, kurz zuvor umgebracht. Okay, nichts ist so endgültig wie der Tod, insofern†¦
Bei dem großen Treffen der sechs Reiche werden Daker die Geisterfrauen vorgestellt. Sie sind übrigens Verwandte der Alten, also seiner Liebsten die er nun zurücklassen musste. Eine davon ähnelt seiner Geliebten so sehr, dass er mitunter in Eifersucht verfällt, wenn diese seinem Freund von Bek zugeneigt ist. Die Alten sind ja - wenn ich das richtig verstanden habe - die Melnibonéer. Sie haben ihn jedenfalls durch Raum & Zeit gerufen, denn sie sind im falschen Reich, wollen zurück und nur der Ewige Held kann das Tor öffnen, dazu braucht er das Schwert.
Die Queste führt dann Daker, von Bek und Gefährten u.a. auch ins Nazi-Reich, in die geheimen Gewölbe unter der Nürnberger Burg, wo Hitler, Göring und Göbbels ihrerseits finstere Mächte beschwören. Dort kann ihnen noch mal gerade so der Hl. Gral entwendet werden. Wer weiß, wie der Lauf der Geschichte†¦ Allerdings entnehmen die Nazis den Zeichen, die sie da erkennen wollen, dass sie ihre Eroberung gen Osten führen müssen†¦ Auch nicht besser. Daker kann von Bek beruhigen, insofern, dass er ihm sagt, dass die Nazis besiegt werden. Er weiß es, denn er ist ja auf der Erde 1941 geboren worden.
Daker kann mit dem Schwert einen Riss im Raum-Zeit-Gefüge öffnen und mit den beschworenen Armeen vom Abgrund der Zeit die Armeen des Chaosfürsten Balarizaaf besiegen.
Bei den Geisterfrauen zerbricht der Ewige Held das Schwert und daraus entschlüpft eine Drächin, die den Frauen den Weg in ihre alte Heimat zeigt.
Daker kann auf dem Schwarzen Schiff in seine Heimat, nach London zurück.
Mächtig gewaltig das alles. Fast ein wenig zu viel und unübersichtlich. Aber dann am Ende doch großartiger Stoff.
9/10 Punkte

Ich schreibe das alles nur, um mich vielleicht selbst später besser erinnern zu können. Ich befürchte, man (ich) vergisst einfach zu viel von den Details dieses Epos, wenn man die Erinnerung daran nicht ständig frisch hält. Die Wirkung der Meta-Story, die Moorcock da schuf, lebt nun mal von den vielen Verwicklungen seiner Helden untereinander, von dem riesigen, schier unendlichen Reich der Phantasie, das er da entfaltet. Irgendwie hat er es echt geschafft, dass man nicht genug davon kriegen kann - so geht es mir gerade damit†¦

41 - Christoph Hein: „Gegenlauschangriff“
Nach einer Radiosendung mit dem Autor über dieses Buch war ich neugierig. Bei einem SF-Stammtisch kam ich mit einem SF-Fan darüber ins Gespräch, der das Buch gelesen hatte. Er borgte es mir aus. Also las ich mein erste Christoph-Hein-Buch.
Im Grunde sollte ich ruhig mehr Hein lesen, warum auch nicht? Wer wie ich an der Geschichte Europas im 20. Jh. interessiert ist, sollte Heins Bücher zur Illustrierung auf jeden Fall wahrnehmen.
Das kleine Büchlein geht aber als Einstieg und Kurz-Form des Lebens des Herrn Hein im Deutschland des Kalten Krieges durchaus sehr gut. Die superkurzen Texte sind wie Extrakte. Sie bestätigten mir viel, gaben aber auch neue Eindrücke (z.B. die ostdeutsche Politik unter Ulbricht bis 1951, der gern die von Polen besetzten deutschen Gebiete zurück haben wollte; oder dass der Film „Das Leben der Anderen“ Bruchstücke aus Heins Leben verwertete, sie aber so dramaturgisch „bearbeitet“, dass Hein sich dagegen verwahrte und diesen dazu bewog, den Film richtig schlecht und historisch für völlig falsch zu halten - das fand ich dann sehr bemerkenswert†¦).
9 / 10 Punkte

42 - Max Czollek: „Desintegriert Euch!“
Eine politische Kampfschrift. Ja, sehr kämpferisch formuliert. Es geht um die Frage, inwieweit sollen und können „die Juden“ sich in D integrieren - vor dem Hintergrund der Shoa. Das dass das Thema nicht vom Tisch ist, wie dieses Integrationsidee suggeriert, beweist der wieder auflodernde Antisemitismus in D. - Halt, ich mache gerade den Fehler, den der Autor dem hiesigen Integrationstheater zuschanzt: Der Gedanke, dass die Shoa „vom Tisch“ sei, weist er nämlich strickt zurück. Und er lässt sich das auch nicht einreden, von niemanden - und daher ist die geforderte, gewünschte, erhoffte „Integration“ nicht möglich - und aus seiner Sicht auch nicht nötig.
Was sie - und da fühle ich mich auch direkt angesprochen - ebenso unmöglich macht, ist die Frage, worin man sich denn als benannter Fremder integrieren soll. Die Frage steht ja vor jedem Menschen, der in unsere Gesellschaft hineingerät, also auch für Migranten*innen (Ich nehme mal seine Schreibweise, die er übrigens im Buch argumentativ begründet). Da sind wir beim Leitbild etc. Spätestens da muss ich ihm zustimmen: Was dem einen ein Leitbild, ist dem anderen ein Leid-Bild. Es sind dann wohl eher konservative Kräfte, die solche für die gesamte Gesellschaft geltenden Leitbilder entwerfen und den anderen oktroyieren wollen. Da muss ich sagen: Das ist auch nicht mein Ding.
Nicht nur deshalb war das Buch für mich ein Gewinn. Es liest sich nebenbei auch sehr gut, da es eben keinen politisierenden Duktus hat und mit gewundenen Sätzen langweilt. Das Buch hat der Autor mit Verve und Wut im Herzen geschrieben.
9 / 10 Punkte

43 - Michael Moorcock & Rodney Matthews: "Elric am Ende der Zeit"
Weiter mit Moorcock, hab ihn mir noch nicht übergelesen†¦ Zur Auffrischung der Eindrücke lese ich das hier ein 2. Mal. Das erste Mal 2011. Damals schrieb ich schon was für meinen Blog. Als ich jetzt noch mal meine Worte las, merkte ich, dass sich mein damaliger Eindruck zu 100 % heute bestätigt. Also, was soll†™s, hier noch mal (leicht überarbeitet) meine Worte von damals:

„Es sollte nicht lustig, sondern bedeutungsvoll werden“ (S. 115) beschwert sich eine Figur fast am Ende des Abenteuers. Das deckt sich mit meinem Eindruck: Die Elric-Stories, die ich bis dato las, sind eher episch, halt „bedeutungsvoll“; hier kommt ein deutlich ironischer Ton dazu. Das Ganze wird nicht ernst genommen vom Autor, so auch nicht vom Leser. Das kulminiert darin, dass zum Schluss den Helden ein wenig die Erinnerung an das Geschehen genommen wird; Elric soll sich nur im Traum daran erinnern, ohne ausdrücken zu können, was da passierte. Dies ist allerdings für ihn nicht wirklich ungewöhnlich, da er ohnehin seine Abenteuer und Erlebnisse beim Wechsel zwischen den Ebenen des Multiversums, und Wechsel der Inkarnationen des Ewigen Helden immer sehr viel vergisst, sich nur noch in Träumen daran erinnern kann.
Verrückte Geschichte, die mit deutlichem Hinweis vor der Trilogie unter dem dt. Titel „Am Ende der Zeit“ angesiedelt ist.
Schon allein die Namen der Protags sprechen Bände: Werther de Goethe (der schlechteste Dichter aller Zeiten, der letzte Romantiker), Mistress Christia, der goldhaarige Graf vom weinenden Pferd, Herzog von Queens (ok, das geht ja noch). Auch Arioch hat einen Auftritt, d.h., eigentlich doch nicht... Die Rahmenerzählung beschreibt einen Einsatz einer Agentin des Städtischen Zeitzentrums, Mrs. Persson, die eine Störung im Megafluss registriert und deren Ursache aufspüren und beseitigen soll. Die Störung heißt dann wohl Elric, der aber für nix kann, außer dass er in echter Bredouille steckt und mit Hilfe seines Stormbringers und einer Anbetung Ariochs daraus entfliegen möchte.
Elric wird in eine Zeitebene, ganz am Ende der Zeiten versetzt. Verantwortlich dafür ist Una Persson (aus dem Jerry Cornelius-Universum), die Elric als Chaoskönigin Xiombarg identifiziert. Irgendwie soll er dafür sorgen, dass das Universum fortbesteht. Die anderen Typen (dekadent bis über beide Ohren) sind nur an Abwechslung interessiert, auch wenn Elric von ihnen meint, sie seien Chaoslords. Elric will nur wieder zurück. Irgendwie geht das gut aus, mit etwas Hokuspokus...
Es ist nur eine Erzählung, reich illustriert. Der Grafiker hat auch andere Moorcock-Bücher mit Covern versorgt. Sei Elric auf diesem Cover entspricht zu 100% der Moorcock'schen Beschreibung. Ansonsten sind die Zeichnungen sehr rund, fast zu „lustig“ für meinen Geschmack; andererseits entspricht ihr Charakter in diesem Falle am ehesten dem Inhalt.
9 / 10 Punkte


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Fanzine-Austausch - die Fortsetzung

Geschrieben von T.H. , in Meine Empfehlung, Subjektive Eindrücke 19 Oktober 2019 · 1.917 Aufrufe

Fanzine-Austausch - die Fortsetzung Das gilt immer noch: Als Macher eines Fanzines (oder Fast-Fanzines, nämlich des „Rundbriefs an die Freunde des ASFC Halle“) bin ich am Austausch mit anderen Fanzine-Machern interessiert. Ich finde Fanzines nämlich immer noch gut, so als Medium des SF-Fandoms (und anderer Sparten).
Die Kolleginnen & Kollegen des SF-Club Baden-Württemberg sind zuverlässig fleißig und rührig in Sachen Fanzine-Machen. Ihr BWA Aktuell ist im September 2019 bereits zum 432. Mal erschienen. Und inzwischen lese ich das BWA Aktuell ja regelmäßig. Also fast regelmäßig. Seit dem Frühjahr war da für mich etwas Ruhe, dann erhielt ich jetzt aber gleich einen ganzen Stapel Hefte.
Na, da kommt doch Freude auf! Dafür geht der NEUE STERN in den Süden Deutschlands (leider kriegen wir das gerade nicht allmonatlich hin - auch 2018 hatten wir das nicht, obwohl dann am Ende tatsächlich 12 Hefte erschienen sind. Mal sehen, wie die Bilanz dieses Jahr ausfällt).

Der April, BWA 427 - eine kurze Vorstellung, ein paar Gedanken
Im Vorwort von Uwe Lammers findet er positive Worte zum neuen Doctor, also zur Doktorin. Das liest man ja sonst eher selten, die Meinungen zeigen mehr mit dem Daumen nach unten. Nicht so bei Uwe. Da ich die Serie noch nicht gesehen habe, hat Uwe mir damit Lust auf sie gemacht. Danke dafür!
Gerd Maximovic greift in seinem LoC ein Thema vom vorherigen Heft auf: Homunkulus. Er macht das historisch, wie man von ihm ja gewohnt ist. War sehr erbaulich und enthielt für mich auch viele neue Hinweise zu diesem Thema. Danke dafür! Nur mit seinen Ableitungen komme ich wieder nicht so klar: Spuren in der Literatur sind m.M.n. noch keine Beweise für die wahre Existenz von Homunkuli. Und eine „Erschaffung aus dem Nichts“ stellt so eine Homunkulus-Herstellung auch nicht dar.
Die Buchrezis verlassen oft den Rahmen eines SF & F - Fanzines. Uwe widmet sich mal wieder der Erotik - also, in Buchform: „Shades Of Grey, 3. Teil“ - Na, ich war ja schon mal erstaunt, dass es da drei Teile gibt.
Seine Rezi über „Pandoras Pakt“ machte mich erst neugierig - Thema ist für mich auch interessant: Alexander der Große, Parallel- bzw. Alternativwelt-Historie - aber dann scheint der Roman an sich nichts zu taugen. Also: Danke für Die Warnung!
Ekkehardt Brux ist auch wieder mit von der Partie, mit einer Rezi zu einem alten Roman von W. D. Rohr. Er nutzt den eher unbedeutenden Roman für Ausführungen zur Rolle von „Amateur-Astronomen“, so will ich sie mal bezeichnen. Wobei ja selbst ein Keppler ein Amateur war, da er seine Brötchen mit etwas anderem verdienen musste. Sehr interessant; vielen Dank!
Sehr schick auch die Rezi von Michael Baumgartner über Sex im 21. Jahrhundert. Nein, nein, auch hier „nur“ als Buch†¦ Aber diesmal ist es sogar SF, auch alte, denn es enthält Klassiker der SF und erschien in den 80ern. Mal sehen, vielleicht kann ich ihn überreden und der Artikel kommt noch mal im NEUEN STERN, der zum Jahresende sich „dem“ Thema widmen will.
Dazu gibt es noch mehr (Perry, inkl. eines Romanauszuges; echt; ich verstand kein Wort als Nicht-Rhodanier, Kurz-Rezis von Angelika Herzog, wie ich sie ähnlich schon aus der APA kenne, sehr erfrischend!) Heft hat 52 Seiten, ist von A4 auf A5 runterkopiert (?) - dadurch ist die Schrift oft ziemlich klein. Aber man kann†™s lesen, geht schon (beim NEUEN STERN bleib ich aber beim 1:1-Ausdruck eines als A5-gesetztes Heft).






Motto

„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 
Arno Schmidt
 
Er weiß nun auch, was er gegen die … lauernde Stupidität, die sich als Realismus ausgibt, zu tun hat: das Bild von Wirklichkeit eingrenzen, sie mit ästhetischem Maß und nur mit diesem messen, den Schritt in surreale Reiche wagen."
(aus: Gunnar Decker: Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns. Eine Biographie. S. 201)

 

 

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

Angehängtes Bild: Demiurg_g.jpg

© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

 

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

 

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.

 

 

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Archiv

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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
 Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990
 Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
 Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
  Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
 Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
 Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
 Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
 Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
 Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
 N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
 Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
 Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
 Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
 Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
 Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
 Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
 Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
 Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
 Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
 Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011
 A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
 Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016
 A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)
 Peter Schünemann, "Nachtmahr", Ed. Dunkelgestirn, 2023
 Andreas Fieberg & Ellen Norten (Hrsg.): RÜCKKEHR NACH BLEIWENHEIM, p.machinery, 2023

 "Angst im Empire", hg.v. Reinhard Klein-Arendt, Ed. Dunkelgestirn, 2024
 Jörg Weigand, "ISABELLA. Eine ganz besondere Liebe", p.machinery, 2025

 Thomas Hofmann und Petra Hartmann: "Das intergalaktische Bestiarium", Ed. Dunkelgestirn, 2025

â– 
Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
 Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
 Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
 Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
 Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
 Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
 Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
 Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
 Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001
 Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
 C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
 Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
 Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
 Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
 Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
 G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
 M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
 Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
 Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
 Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
 Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
 Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
 Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
 Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
 Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
 Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
 Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
 Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
 Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
 Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
 Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012
 "Saramees Blut", Atlantis 2012
 M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013
 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
 Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
 Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017
 Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
 Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
 IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
 Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften, Memoranda, 2020
 Fahrenheit 145, Buch zum 15. ElsterCon, 2020
♦ Angela & Karlheinz Steinmüller: Pulaster, Memoranda, 2021
♦ (N)IRGENDWO (N)IRGENDWANN. Utopie und Humor. Begleitband zum ElsterCon 2022
♦ Goblin Press. Die frühen Jahre: 1990 - 2004. Eine illustrierte Dokumentation von Uwe Voehl, Lindenstruth 2022
♦ Hubert Katzmarz: Im Garten der Ewigkeit, p.machinery, 2022

 Angela & Karlheinz Steinmüller: Computerdämmerung, Memoranda, 2023

 Andreas Fieberg (Hrsg.): ABSCHIED VON BLEIWENHEIM. In memoriam Hubert Katzmarz MMXXIII, p.machinery, 2023

 Hubert Katzmarz: EIN MEISTERWERK DER WELTLITERATUR, p.machinery, 2023
 

 
Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016
Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018
!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020
!Time Machine 4, Januar 2021
Der neue Pegasus Nr. 2, April 2021

!Time Machine 5, Oktober 2021
!Time Machine 6, Januar 2022
!Time Machine 7, Januar 2023

!Time Machine 8, Januar 2024
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Fanzines
aktuell & laufend NEUER STERN, Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte
TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019
TERRAsse zum PentaCon 2021
REISSWOLF S5, 2024

SF-Notizen Kalender August 2025 bis Dezember 2026
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CD-Cover
 The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
 Syngularity: The Four Horsemen; 2000
 Gothica: Within A Dream; 2000
 Gothica: Into The Mystic; 2000
 The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
 Gothica, Workbook 1995, 2003

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