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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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So'ne freche Göre: Courtney Crumrin

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2011 05 Juni 2011 · 1.219 Aufrufe

Ted Naifeh: "Courtney Crumrin und die Wesen der Nacht"
Modern Tales / Eidalon

Kinderkram? Vielleicht.
Auf dem Comic-Frühlingsfest, neulich in Dresden, war auch ein Stand des Eidalon-Verlages. Da musste ich doch mal "Guten Tag" sagen, denn die "Verlagsvertreter" waren Bekannte aus Leipzig... Und dann kann man ja nicht einfach so wieder abziehen, also habe ich etwas Geld da gelassen. Die Serie fiel mir schon mal ins Auge. Denn der Stil des Zeichners erinnert sehr in seiner Minimalistik an Mignola. Die Gesichter sind rundlicher, vielleicht auch kindlicher, aber einige Zeichnungen erinnern absolut an den Hellboy-Erfinder.
Inhaltlich zeigt es übrigens auch eine Nähe zu Hellboy...
Der Band ist der erste von derzeit vier; wie es aussieht, muss ich mir alle vier auch zulege; der zweite ist mal schon bestellt. Ich bin also angefixt; insofern war bei mir die Comicmesse ein Erfolg...
Also, worum geht's?
Da zieht ein 11-jähriges Mädchen mit ihren karrieregeilen und mit Standesdünkel belasteten Eltern aufs Land zu einem Verwandten. Der hat nämlich ein großes Haus, eine Villa, fast schon ein Schloss, in dem sie alle gut wohnen können - natürlich standesgemäß und auch preiswert...
Die Eltern gehen der Kleinen auf die Nerven mit ihrem bürgerlichen Gehabe. Das Kind ist ihnen eher eine Last, da es auch nicht ihre Erwartungen erfüllt. Courtney macht den Zirkus von "immer schön Lächeln" und gucken wie man mit dem Podex an die goldene Wand kommt, nicht mit.
Der Onkel in dem Schloss ist eher eine Gruselgestalt und das Haus eher ein verwunschenes Schloss. Tatsächlich leben da auch Dämonen und halt andere Wesen der Nacht. Wie sich bald herausstellt, kann der Onkel sehr gut mit denen umgehen; und Courtny lernt das auch.
Was sie nicht in die Reihe kriegt, ist es Freunde in der neuen Schule zu finden, sich in das soziale Leben zu integrieren, was sie eigentlich auch nur ankotzt. So ein Plot mag die Vorlage für Klischees sein, aber so schön erzählt habe ich so eine Coming of Age-Geschichte selten gelesen.
Dazu gibt es manigfältige phantastische und gruslige Begebenheiten, wie Wechselbälger, einen Zauber, der die Sympathie auf einen zieht, Kobolde, menschenkinderfressende, aber bezwingbare Dämonen.
Und alles wird mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt, aus der Sicht des Mädchens, die davon zwar beeindruckt ist, aber frech und unkompliziert damit umzugehen lernt.
Ich fand es einfach köstlich!


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Neue Horizonte für den "Großstadtraubmenschen"

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2011 03 Juni 2011 · 1.156 Aufrufe

Thor Kunkel: „Subs“, Heyne Hardcore, 2011

Na, ich denke, hierüber kann man wieder trefflich diskutieren, sich regelrecht streiten und die Haare gegenseitig ausreißen. Man kann das natürlich auch lassen und das Buch einfach nur lesen, sich darüber amüsieren, aber auch das eine oder andere daraus lernen.
Der Roman muss als Satire begriffen werden. Das Absurde, Ironische und der kulturpessimistische Sarkasmus kulminieren in einer Art Utopie. Allerdings ist das nur dann eine Utopie, wenn man sich von der Idee der geradlinigen evolutionären / revolutionären Verbesserung der Lebensumstände in der menschlichen Gesellschaft trennen will. Also: Wenn ich davon ausgehe, dass der Mensch so ist wie er sich derzeit darstellt, dann ist das, was hier beschrieben wird, so absurd es klingen mag, vielleicht sogar wirklich denkbar.
Ich - lesendes Individuum und mal schon irgendwie sozialisiert und „eingestellt“ - scheue mich vor diesem Gedanken. Trotzdem konnte ich das Buch mit Genuss und Gewinn lesen.
Wie in einer richtige Utopie geht der Autor von einer Analyse des Zustanden aus - des Zustandes der westlichen Zivilisation und ihrer Potentaten (also uns!?) und dreht an den Schrauben.
Dann kommt das dabei raus.
Keine Bange, Sozialutopien sind in literarischer Form meist tot-sterbenslangweilig (in realer Form ausprobiert oftmals ziemlich verhauen und mit großer Blutschuld beendet; haben aber immer was hinterlassen und - mal so gesamt-historisch gesehen - nicht unbedingt nur Übles). Das braucht man aber von einem Kunkel-Buch schon mal nicht zu befürchten.
Jetzt mal etwas konkreter:
Thor Kunkel knüpft an Szenarien an, die man aus Stücken wie „Die Katze auf dem heißen Dach“ und „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ kennt: Eine bürgerliche Welt, die längst ihren Zenit überschritten hat und dem moralischen und generellen Zerfall entgegen strebt. Bei Kunkel ist es ein kinderloses Ehepaar, sie ist Anwältin, er ist Chirurg, der schön verdient mit Schönheitsoperationen.
Der Autor nutzt diese Personen und ihr Umfeld, um mitunter sehr böse Hiebe gegen die gute bürgerliche Gesellschaft auszuteilen. Es sind „Großstadt-Raub-Menschen“, Egoisten, denen der Zustand der Welt so was von egal ist und die nur ihr persönliches Wohlergehen interessiert. Dass sie sich dabei selbst verlieren und im Grunde unglücklich sind, ist fast nur noch ein Nebeneffekt. Was wirklich vor die Hunde geht, ist die Welt. Obwohl sie es könnten und müssten, kümmern sie sich um nichts mehr; der Autor wirft ihnen Gesellschaftsflucht vor, die mit Schönrederei und einer Kopf-in-den-Sand-Politik Probleme nicht sehen und daher auch nicht lösen. Das gilt dann auch für die ausgemachten Politiker.
Dabei kommen Zweifel an dem Wert der Demokratie und dem Wert der Freiheit auf. Daher ist es folgerichtig, dass eine eher originell und nicht so ernst gemeinte Annonce des männlichen Protagonisten, in der er im Grunde eine Haushaltshilfe sucht, die Keimzelle einer neuen (alten) Gesellschaftsordnung entstehen lässt. Er schreibt nämlich was von einer „Sklavin“ - und war bass erstaunt, als sich wirklich eine Sklavin vorstellt. Und nicht nur eine.
Nun, wie ernst soll man so ein Szenarium nehmen? Der Autor argumentiert - lässt argumentieren: Demokratie und Kapitalismus, Konsumverheißungen und Leistungsdruck, Neoliberalismus, mafiöse Strukturen, Korruption auf der einen Seite und „klare Verhältnisse“ der Unterordnung und Hierarchie in einem Haus, wo Sklaven und ihre Herrschaft unter einem Dach leben, wo die Aufgaben klar getrennt und definiert sind, wo sich alle Beteiligten in ihren Rollen wiederfinden und gesetzt sehen. Dabei werden Facetten aus der Geschichte aufgeblendet, die zeigen, dass eine Sklavereigesellschaft nicht unbedingt als übel von den Beteiligten angesehen wurde. Andererseits wurden durch (fiktive?) Zeitungsausschnitte und Wertungen im Text klar gestellt, dass von der vielgepriesenen Freiheit der Menschen in der Schönen Neuen Welt nicht viel über bleibt und viele Leute ohnehin in „sklavereiähnlichen Verhältnissen“ leben. Dabei schaut der Autor in die riesigen Randzonen der globalisierten Welt, aber auch auf die „Hartzer“ in Brandenburg.
Exkurs: Mein persönlicher Erkenntnisweg führte mich dazu zu sehen, dass die „Befreiung“ der Schwarzen im US-amerikanischen Bürgerkrieg nicht in jedem Falle eine Verbesserung ihre Lage mit sich brachte. Letztens führte mich ein Artikel über das heutige Liberia auch auf die Entstehungsgeschichte dieses Landes, die zeigte, dass hier ein philanthropisches Experiment als ordentlich misslungen angesehen werden kann.
Zurück zum Buch.
So wie es der Autor darstellt, ist es wahrscheinlich eher nicht. Er treibt es auf die Spitze, das darf er in einer „Satire“. Sollte dies eine tiefgründige und allumfassende Gesellschaftsanalyse sein, sind einfach zu viele Angriffspunkte vorhanden, an denen Kritiker sich festbeißen können. Was mir mal so nebenbei unmittelbar auffiel war die Absicht, das Verhältnis zwischen Sklave und Herr als ein harmonisches darstellen zu wollen. Nun ja, vielleicht ist das ja die Utopie. Ansonsten verstehe ich nicht, wie es in der Geschichte immer wieder zu Sklavenaufständen gekommen ist. Aber man muss differenzieren, das ist klar. Als Haussklave lebte es sich sicher besser als auf den Feldern.
Übrigens birgt das Verhältnis zwischen den Protagonisten auch genügend Konfliktpunkte und es ist bei weitem nicht alles Eitelsonnenschein.
Man kann Thor Kunkel bestimmt viel vorwerfen (wurde ja auch gemacht), aber dass er sich keinen Kopf über die Welt macht, in der wir leben, nicht. Was er hier als „Lösung“ anbietet, ist dann hoffentlich wirklich nur satirisch gemeint und im Grunde eine heftige Form des Zynismus. So gesehen wird es ja langsam Zeit für eine richtige Utopie aus der Feder von Thor Kunkel!

Anmerkung:
Der Begriff „Subs“ wird ja, wie ich schnell raus bekam, aber vorher nicht wusste, in der SM-Szene verwendet. Darauf nimmt der Autor auch Bezug. Ansonsten wäre mir neu, dass dies das gängige Wort für Sklave im Englischen sei.
Kurz vor der Lektüre hatte ich eine Story von Brian W. Aldiss gelesen: „Vorsicht! Religion!“ aus dem Jahre 1969, in der „Subs“ für Sklaven steht. Ob Thor Kunkel die Geschichte kennt?


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Lesung & Veranstaltung mit sehr langem Titel

Geschrieben von T.H. , 26 Mai 2011 · 434 Aufrufe
und 1 weitere...
Geladen wurde Ruth Nestvold. Geladen hat der Freundeskreis SF Leipzig. Moderiert hat Sabine Seyfarth, Geladen wurde ins Haus des Buches, am 24. Mai 2011.
Nun der versprochene Titel: „Re-Visionen: Frauenfiguren in Fantasy und Science Fiction. Lesung aus „Flamme und Harfe“ und Gespräch mit Ruth Nestvold über die Rolle der Geschlechter in Fantasy und Science Fiction“

Es kamen immerhin 18 Gäste, fast vor Ende der Veranstaltung noch 2, die dann wohl auch beim gemütlichen Beisammensein im Anschluss teilnahmen. Nun, ich hoffe dies zumindest, ansonsten hätte es sich für die Beiden kaum gelohnt.
Hat es sich ansonsten gelohnt? Was passierte?
Sabine wählte einen persönlichen Einstieg: Sie lernte die amerikanische Autorin, die seit längerem in Deutschland lebt (Schwarzwald, man hört es; sehr charmant!) auf einem Con kennen. Dort unterhielten sich die Damen über die Gender-Thematik in SF&F, Sabine stellte fest, dass Ruth lauter lachen kann als sie und dass beide „Die Nebel von Avalon“ nicht mögen.
Ruth Nestvold spricht inzwischen so gut Deutsch, dass ich erst gar nicht glauben konnte, dass sie eigentlich Amerikanerin ist. Doch sie schreibt weiterhin in Englisch. Das sprachliche Rüstzeug ist ihr sehr wichtig, und im Deutschen fühlt sie sich nach wie vor nicht ausreichend gerüstet. Allerdings konnte sie die Frage, wie ihr denn die deutsche Übersetzung gefalle, sehr kompetent beantworten, denn so gut kennt sie sich auf jeden Fall aus. Nun, sie meint, ihr Roman wurde sehr gut übersetzt, besser als so manch anderer, den sie kennt.
Bisher wurde auch nur ein Roman ins Deutsche übertragen, den sie dem Publikum vorstellte. Die Moderatorin ging allerdings auch immer wieder auf ihre Kurzgeschichten ein, die wohl insgesamt mehr zur eigentlichen Thema des Abends beitragen könnten.
In dem Roman erzählt sie die klassische Sage von Tristan und Isolde neu. Dabei hat sie in die Trickkiste irischer Folklore und Sagen gegriffen. Ausgehend von der Idee, dass Isolde irgendwie aus Irland stammt, hat sie in den irischen Sagen nach taffen Frauengestalten gesucht und welche gefunden, die sie mit Isolde identifizierte.
Ihre Isolde ist eine ideale Frau. Sie verkörpert viele Eigenschaften, die gemäß der Meinung der Autorin eine emanzipierte Frau haben sollte. Allerdings ist es kein „Emanzenroman“, wenn ich das mal so salopp beschreiben darf, auch wenn das Motto des Abends dies suggeriert. Es kam dennoch eine rege Diskussion mit dem Publikum auf, in der der Frage nachgegangen wurde, in wie weit Ruth Nestvolds Isolde eine „emanzipierte Frau“ ist, warum die Autorin die Fantasy und SF bemüht, um ihre Themen zu transportieren. Wie gesagt, dieser Roman stellt das Thema der emanzipierten Frau gar nicht so sehr in den Vordergrund, dennoch musste die Autorin sich diese Fragen gefalle lassen.
Unterm Strich lief es darauf hinaus, dass die Autorin in einem realistischen Gegenwartsroman dieses Thema nicht ausreichend gestalten kann oder dies will, da eben die Emanzipation nicht so weit entwickelt ist, dass ihre Ideal-Frau realistisch erscheine.

Ich fand die Diskussion interessant, auch wenn die Problematik nicht wirklich vertieft wurde. Ein wenig tat mir die Autorin leid; sie sprach lieber über ihre Recherchen in der irischen Sagenwelt. Die Frage - ja, sie kam wirklich!!!! - was sie denn zum Schreiben bewege („Woher nehmen Sie Ihre Ideen?“) beantwortete sie sehr ausführlich. Mitunter sind dies nur einzelne Wörter, die zur Story ausgebaut werden.
Es wurde auch ihre Internetseite http://www.ruthnestvold.com/ vorgestellt, in der sie ihre „Hyper-Fiction“ publizierte, also Literatur, die aktiv das Element des Hyperlinks nutzt und diese sozusagen zum literarischen Hauptmittel stilisiert.
Die Lesung... hmm, nun ja, ich werde wohl danach auch kein Fantasy-Fan. Im ersten gelesenen Satz wird ein „Mädchen, so schön wie der Mond“ vorgestellt. Ach ja...
Mein Fazit:Es war ein gelungener, interessanter Abend, der nicht alle Fragen klären konnte.


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Deutsche Ms. Smith als apokalyptische Agentin Brown†™scher Prägung

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2011 13 Mai 2011 · 1.040 Aufrufe

„Fräulein Schmidt und die Maske der Mona Lisa“
von Wilko Müller jr.

Manchmal ist es schön, einen Autor persönlich zu kennen, mit dem man auch ein Bierchen zusammen trinken kann und mit dem man sich regelmäßig zum SF-Stammtisch trifft. Wilko Müller jr. ist einer der Gründer und Chef des ASFC - das ist keine Geheimorganisation, sondern der ortsansässige SF-Club in Halle / Saale.
Wilko schreibt noch immer, auch wenn er zwischenzeitlich ernste Zweifel äußerte, ob das so gut sei, da er es als deutscher Autor nicht so leicht hat, seine Werke in Verlagen unterzubringen. Inzwischen arbeitet er selber in einem Verlag und betreut dort u.a. auch die SF- und andere Phantastikbücher. Dadurch ist es sicher nicht wirklich einfacher, das eigene Buch unterzubringen, aber mit der vorliegenden Erzählung hat er es gewagt, geschafft. Nach dem Lesen will ich mal behaupten: Mit Fug und Recht kann diese Erzählung ein größeres Publikum vertragen. Das kleine Buch ist ein Hit.
Der Titel des Buches provoziert zu Spekulationen. So habe ich ihn bei der Buchübergabe gefragt, ob es denn ein lustiges Buch sein. „Na ja†¦“, war die Antwort. Nun, so richtig lustig ist es nicht, dem Thema angemessen vielleicht mitunter kurios, aber es geht schließlich um nicht mehr und nicht weniger als den bevorstehenden Weltuntergang, denn wir schreiben das Jahr 2012.
Was wurde darüber nicht alles schon geschrieben! Verschwörungstheorien, Apokalyptik, die Mayas und die Außerirdischen. Wilko hat seinen Brown gelesen, hat natürlich „2012“ von Emmerich gesehen, und verschweigt dies auch nicht. Für den Fan solcher Stoffe ist das Buch schon daher ein Fest, denn es gibt zahlreiche Bezüge und Erwähnungen.
Das titelgebende Fräulein Schmidt assoziierte ich während des Lesens mit dem Film „Mr. und Ms. Smith“ von 2005; vielleicht ist das ja auch kein Zufall. Auf alle Fälle ist die Dame in dem Buch bei weitem nicht so harmlos und mauerblümchenhaft wie ihr Allerweltname suggeriert.
Held der Geschichte ist ein Antiquar mittleren Alters, so ein richtig schön verschrobener, etwas weltfremder, bewusst weltabgewandt denkender und lebender Mann.
Dass er zum Mittelpunkt einer quasi göttlichen, metaphysischen Verschwörung und die Antwort auf die Frage, ob die Welt nun dem Untergang geweiht sei, wird, hätte er sich nie erträumt.
Der Plot erinnert natürlich an die Referenzliteratur und -Filme; es werden alte Prophezeiungen, Schriften und Mächte bemüht. So nebenbei bekommt der Leser eine hervorragende Zusammenfassung des (nicht mehr) arkanen Wissens zum Thema Weltverschwörung, Freimaurer, Mayakalender etc., das seit „Sakrileg“, „Da Vince Code“ und „2012“ zur Popkultur gehört, geboten. Schon für die Recherche und Aufbereitung in einer spannenden Handlung gebührt dem Autor Dank.
Nun, mir hat die kurzweilige Lektüre Laune gemacht! Meine Empfehlung.


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Warlord 3: "Erwarte immer das Unerwartete"

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2011 01 Mai 2011 · 855 Aufrufe

Mike Grell: The Warlord 3: Odyssee
Cross Cult, 2011

Mehr als sonst gilt hier - sozusagen als Motto vom Ganzen - „Erwarte immer das Unerwartete!“ In einigen Geschichten werden bekannte phantastische Topoi regelrecht umgekehrt. Auch hier wird bei der Lektüre keine intellektuelle Brillanz vorausgesetzt. Die Stories sind wieder richtig schöne Hau-Drauf-Geschichten im Stile alten phantastischen Abenteuergarns der Pulp-Ära.
Ich habe in letzter Zeit ein wenig Robert E. Howard genossen und viel darin wieder gefunden, was Grells Warlord, Travis Morgan, so alles erlebt und durchmacht.
Als Referenz für die Figur fällt mit auch Royce aus „Predators“ ein, ein tatsächlich, auch charakterliches Ebenbild Morgans.
Von wem ich hier schreibe? Nun, da war einst ein amerikanischer Pilot auf Spionagemission und wurde über dem Nordpol abgeschossen. Er konnte notlanden, allerdings verschlug es ihn ins Innere der Erde. Dort hat sich in der Hohlwelt eine urtümliche Flora und Fauna erhalten, neben Saurier, klassischen Märchendrachen begegnen wir auch Eiszeit-Kreaturen. Dort leben auch Menschen, Nachkommen der atlantischen Zivilisation. Die Regeln des Zusammenleben sind ebenso archaisch wie ihre Umwelt, es geht rau und grausam zu. Irgendwie steckte was in dem Piloten Travis Morgan drin, denn er passte sich schnell an und wurde zum †¦ WARLORD!
Der Autor wird nicht müde, die besondere Charaktertemperatur seines Helden zu beschreiben, der sich der Tragik seines Handelns (erst mal Kopp ab, dann drüber nachdenken), seiner Blutgier und Mordlust bewusst ist, aber auch nichts dagegen unternimmt. Er wird oft genug zum Berserker, aber auch zum Rächer und Beschützer, also so ein bisschen Robin Hood-mäßig.
Bei den Auseinandersetzungen verlor er dann auch seinen Sohn, den er selbst umbrachte. Das nun warf ihn aus der Bahn. Gerade hier in den vorliegenden Stories bedrückt ihn dies enorm; Todessehnsucht bricht durch.
Grell konfrontiert seinen Superhelden weder mit diversen Supermonstern, die aber mitunter (Erwarte immer das Unerwartete) sozusagen im Schafspelz daherkommen.
So will er einer von Soldaten verfolgten Schönen helfen, die sich als Werwolf entpuppt. Eloy-gleiche Geschöpfe werden von den unterirdisch lebenden, Neandertalern und den Wells'schen Morlocks gleichenden Wilden bedroht, aber die „Eloy“ entpuppen sich als Kannibalen.
Der Warlord irrt durch die unterirdische, ständig von einem Zentralgestirn erhellte Welt; seine Geliebte verfolgt ihn in Träumen und Gedanken. Er flüchtet sich in Kämpfe z.B. mit Piraten und Fischmenschen.
Neben den erdigen, geradlinigen Kampfstories gibt es aber auch eine interessante - tja, wie kann man es nennen - Traumstory, in der Morgan in die Vergangenheit geschleudert wird. Eigentlich wollte er einen Chance für einen Neubeginn bekommen, um z.B. Den Totschlag an seinen eigenen Sohn rückgängig zu machen. Doch er wird in seine Inkarnationen in der Menschheitsgeschichte zurück geschleudert. Nun, da schimmert sicher etwas Moorcock durch, Elric ist mit Sicherheit neben Conan auch ein Ahne Morgans. Die Zeitreise beginnt in der Eiszeit, zeigt den Untergang von Atlantis. Dann ist er auch mal D'Artagnan - na bitte... Aber der „Ausflug“ bringt nichts, dem Leser nur die Antwort auf die Frage, weshalb Atlantis in der Urzeit eine so hohe Zivilisation haben konnte und warum es unterging. Das erledigt der Autor auf wenigen Seiten, knackig und nicht mal unklug. Hat mit gefallen.
Insgesamt hat mir der Band wieder gefallen, auch wenn er diesmal etwas weniger Seiten waren und als Schmankerl einfach nur der Rest des Interviews mit dem Autor angeheftet wurde.
Ist damit die Serie passé? Wir finden auch ein paar Bilder aus der neuen Serie; ja, der Warlord erfreute sich wohl einer Wiedergeburt in 2009/2010. Das wäre doch mal was!

(Rezi für buchrezicenter.de)


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Gelesen im April 2011

Geschrieben von T.H. , 30 April 2011 · 909 Aufrufe
Meine Leseliste 2011
Michael Tillmann: „Ein Gänsekiel aus Schwermetall“, Medusenblut, 2010
Wurde hier ein neues Genre erfunden? Nun, das wäre sicher zu weit gegriffen. Aber so wie die Gothic-Literatur sich irgendwie - im besten Falle - im Gothic-Rock wiederfindet, so zieht Michael Tillmann die harten und lauten Klänge des Metal in die Phantastik rein. Die geschilderten Typen sind Metal-Heads, handfeste Arbeiter, die aber mitunter raus wollen aus dem Milieu. Dazu gibt es Horror, etwas Splatter, stimmungsvolle Geistergeschichten...
Die Sammlung ist abwechslungsreich. Es beginnt mit einer japanischen Geistergeschichte. Fast scheint es, als wäre es die Story zum Zeitgeschehen. Die Rahmenerzählung gibt ein Gespräch zwischen einem Deutschen und einem Japaner wider, der gerade in Deutschland weilt. Es geht auch im „typisch Japanisches“, was großartig zur gegenwärtigen Diskussion über das Japan passt. Das ist aber eher ein Zufall. Es wird dabei auch ein Klischee hinterfragt.
Einige Stories waren für meine Begriffe gar keinen richtigen, denn in ihnen hat meiner Meinung nach der Autor den Plot etwas vernachlässigt. Es sind daher eher Momentaufnahmen, über einen Zombiejäger, oder einen Arbeiter, dessen Horrorträume völlig weiß sind und der aus der Enge seines Lebens ausbrechen will; es gibt eine Godzillajade, für die das Titelbild mit den Teufeln im Stahlwerk Pate stand; über die Qualen ganz finsterer Metals-Heads, die vom Geist eines christlichen Mönchs besessen sind. Eine ländliche Hexengeschichte, bis hin zu einem experimentellen Text über Spiegelflächen, die alles sind, auch Gott.
8 / 10 Punkte
Meine Rezi dazu in CTHULHU LIBRIA 32 / April 2011

Elliott Hall: „Den ersten Stein“
Toller, dystopischer Krimi. siehe mehr dazu hier.
10 / 10 Punkte

„Hiroshima soll leben“
Die schönsten Alternativwelt-Geschichte hg. v. Karl Michael Armer
Der Titel klingt zwar sehr aktuell, aber das Buch stammt aus dem Jahre 1990. Ich kann auch nur beteuern, das ich mich nicht durch den Aufmerksamkeitsschub in Sachen A-Kraft derzeit animiert sah, das Buch zu lesen. Mir stand der Sinn - mal wieder - nach alternative history. Kam voll auf meine Kosten, wenn auch nicht bei allen Stories.
Kim Stanley Robinson: „Lucky Strike“
So hieß das Flugzeug, das die erste Atombombe über Japan abwarf, nicht etwa Enola Gay. Hier erfährt man auch, warum die Enoly Gay nicht flog. Das nur nebenbei. Es geht um ein Besatzungsmitglied des Flugzeugs, der ahnte, was er da zu tun hatte und einen Weg suchte, den Befehl nicht auszuführen und damit zum Massenmörder zu werden. Die Story hat kein happy end, aber es gibt trotzdem Hoffnung Absolut stark!
George Alec Effinger: „Ziel: Berlin!“
Ach na ja, verrückte Sache, das.. Also, der 2 Weltkrieg fand nicht in den 40ern statt, wurde dann aber von den Nazi-Opas am Ende des XX. Jh. ausgelöst.
Harry Turtledove: „Das letzte Gebot“
Der Autor ist interessant. Wenn man nach alternative history sucht, stößt man unweigerlich auf diesen Namen. Der Mann scheint nichts anderes zu tun, als die menschliche Geschichte umzuschreiben. Dass so wenig ins Deutsche übersetzt wurde, liegt wohl daran, dass er die Deutschen nicht mag. Ob das stimmt?
Die Story war gut. Die Deutschen haben die UdSSR, England auch besiegt und marschieren jetzt in Indien ein. Ihnen stellt sich Gandhi entgegen und versucht durch passiven Widerstand den Eroberungswillen der Nazis zu brechen. Konsequenter Weise scheitert er.
Kate Wilhelm: „Das Dorf“
Hmm, konnte auch mit dem Roman, „Hier sangen früher Vögel“, nichts anfingen; die Story erschloss sich mir auch nicht so recht. OK, muss wohl um eine Ruflektion des Vietnamkrieges gehen, die Autorin schildert eine US-amerikanische Kleinstadtidylle, die von fremden, brutalen Invasoren heimgesucht wird.
Somtow Suchartikul: „Aquila“
Die Römer haben die Dampfmaschine erfunden und Amerika entdeckt. Indianer helfen dann auch bei den Kämpfen der Römer gegen die Parther. Sehr stimmig und eindrucksvoll, aber nicht so überraschend...
George R. R. Martin: „Belagert“
Das war nun wieder richtig gut! Per Zeitreise soll in bestimmten Schlüsselsituationen der Geschichte eingegriffen werden, um den Lauf derselben zu ändern. Hier nimmt man sich einen Russisch-Schwedischen Krieg vom Beginn des 19. Jahrhunderts vor. Verhindern will man die Dominanz der Russen in der eigenen Gegenwart.
Brian W. Aldiss: „Vorsicht! Religion!“
Da werden Leute verschiedener Realitäten in ein England geholt, in dem es Sklaverei gibt. Die Welten liegen in einer Matrix und man kann zwischen ihnen wechseln, wenn man kann.
Diese Story scheint die älteste (1969) der hier versammelten zu sein. Mitunter brilliert sie durch eine tolle Sprache, auch die Ideen sind großartig, aber der eigentliche Plot it mitunter etwas an den Haaren herbeigezogen; so macht man das heute nicht mehr...
Nebenbei bin ich hier dem Begriff „Subs“ für Sklaven begegnet. Sonst finde ich den Begriff im NETZ immer nur in einem anderen, eher sexuellen Zusammenhang. Mir war er bis dato nicht geläufig; da muss ich doch mal Thor Kunkel fragen, wie er auf den Begriff kam; etwa durch diese Story?
Joe R. Lansdales Story ist die kürzeste, trägt aber den längsten Titel. Die Indianer haben sich gegen die Weißen durchsetzen können, nun haben sie in Nordamerika ziemlich harsche Regimes errichtet, dass mit Andersfarbigen (Schwarzen und Weißen) nicht gut umgeht...
Was will Herr Lansdale damit sagen: Liegt Rassismus in der Luft in Nordamerika?
Stefano Tuvo: „Die wunderbaren Welten des Casy Deiss“
Äh, habe nicht verstanden.
William Gibson: „Das Gernsback-Kontinuum“
Eine Hommage an ein Zeitalter, ganz wunderbar! Der Cyberpunker schwelgt im Art Deco, im optimistischen Futurismus, in einer Welt, wie sie die ersten SF-Autoren der 20er/30er Jahre erträumten.
Lewis Shiner: „Zeit des Zwielichts“
Strafgefangene werden missbraucht für Zeitreiseexperimente. Wichtig ist es, dass man stark emotional an eine Situation gebunden ist, um in der Zeit zurück reisen zu können. Hier reist der Protagonist in seine Kindheit zurück, USA, 50er Jahre. Komischer Weise ist es aber wie eine SF-Variante, wie in einem SF-Movie der 50er Jahre. Und was er dort am Ende veranlasst, hat tatsächlich Einfluss auf seine Gegenwart und zwar zum Guten, denn, wie der Leser erfahren muss, herrscht in den USA eine Art Superpolizei.
Shiner spielt mit den Topoi der trivialen SF seiner eigenen Jugend, aber so toll und spannend; eines der Highlights des Bandes!
Connie Willis: „Chancen“
Genauso langweilig wie ihre Romane. Da geht†™s wieder nur um eine kleine Kleinigkeit, die lang und für mich absolut wenig inspirierend ausgewalzt wird. Was finden die Leute nur an dieser Autorin?
8 / 10 Punkte (wobei einige Stories die 10 voll erreicht haben!)

Robert E. Howard: „Unter schwarzer Flagge“
Untertitel: Abenteuer in der Karibik. In Wirklichkeit sind es 2 Stories: „Die Rote Bruderschaft“ (Swords if the Red Brotherhood) und „Black Vulmeas Rache“ (Black Vulmeas Vengeance)

Eine fast kindliche Freude überfällt mich, wenn ich an diese reißerischen Piratenstories denke. Vielleicht ist das ja ein erster Schritt in die Alters-Infantilität (gibt†™s so was?), jedenfalls habe ich mich beim Lesen in letzter Zeit so wohl gefühlt. Woran liegt das? Hmm, da sind sicher erst einmal die Ingredienzien: Ruchlose Gestalten, Piraten, Bukanier, mit und ohne Kaperbrief aus dem 17. Jh., die sich alle nichts nehmen. Also, so richtig positive Helden gibt es hier gar nicht, auch Black Vulmea ist nicht wirklich ein Engel, dazu Schätze unglaublichen Ausmaßes, Indianer und andere Wilde, die hier in sicher politisch inkorrekter Weise präsentiert werden, aber immer sehr starke und ernst zu nehmende Gegner der weißen Piraten sind, hinreichend exotische Kulissen mit Ruinen und Überresten uralter Kulturen.
Insgesamt hatte ich oft genug Johnny Depp als angetrunkenen Jack Sparrow vor Augen, als ich es las. Ich glaube nicht, dass die Macher des Filmes die Stories von Howard im Sinn hatten, wahrscheinlicher ist, dass Howard hier perfekt den Stil der Abenteuergeschichten aufgriff, die zu seiner Zeit halt in waren und die dann tatsächlich auch zu den Ahnen der „Pirates Of The Carribian“ wurden. Die Vulmea-Stories kommen weitestgehend ohne übernatürliche Elemente aus, aber da die antiken und archaischen Wurzeln allgegenwärtig sind, passen sie trotzdem in den Reigen der phantastischen Welten des Autors.
In der ersten Story ist ein französischer Adliger mit Familie, Hofstaat und Untertanen in die Karibik geflohen. Dort haben sie sich an einer wilden Küste angesiedelt und eine kleine Festung gebaut, die ihnen Schutz vor den Indianer bieten soll. Vor wem er da geflohen ist, ist zunächst ein Geheimnis, aber es dürfte klar sein, dass ihn dieses Geheimnis einholen wird. Allerdings in einer äußerst dramatischen Situation, da der Ort seiner Zuflucht nicht ganz zufällig in der Nähe eines sagenhaften Schatzes liegt, auf die französische und englische Piraten abgesehen haben. Die Indianer lassen auch nicht auf sich warten.
In Story No. 2 wird Vulmea und seine Mannschaft von einem Briten gestellt; die Piratenmannschaft liegt besoffen in den Seilen...
Vulmea kann sich dem Tod durch den Strang nur durch eine Lüge entziehen. Er behauptet, einen Schatzhort zu kennen und den loyalen, aber nicht wohlhabenden Untertanen seiner Majestät dorthin zu führen. Es wird wieder haarig, Eingeborene und entlaufene, schwarze Sklaven sind ihre Gegner.
Für Vulmea wird die Auseinandersetzung mit dem englischen Kapitän auch zu einer Frage der Vergangenheitsbewältigung, daher der Titel „Black Vulmea's Rache“. Doch die Rache fällt anders aus, als es zunächst den Anschein hat.
Howard kann sehr plastisch erzählen, seinen Kampfschilderungen folge ich gerne, seine Personenbeschreibungen sind eindringlich. Mitunter hatte ich wirklich den Eindruck, er schreibt hier für Filme (oder von Filmen ab), was natürlich Unsinn ist; umgedreht wird eher 'n Schuh draus.
9 / 10 Punkte


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Hard Boiled in Zeiten fundamentalistischer Alpträume

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 16 April 2011 · 1.429 Aufrufe
Subjektive Eindrücke zur Lektüre
Elliott Hall: „Den ersten Stein“

So ganz nebenher, fast unbemerkt, erschien bei DTV premium eine astreine Anti-Utopie. Wie üblich heutzutage unter dem Deckmantel „Thriller“. Ist schon ok, Hauptsache, man erkennt seine Pappenheimer.
Der „Kampf gegen den Terror“ zeigt erste Blüten: Eine Atombombe hat Houston ausradiert. Dafür haben die USA im Iran interveniert und Teheran auch mit einer Bombe beglückt, allerdings eine, die wohl die Gebäude weitestgehend verschonte, dafür schön dreckig die Leute killte, sie in eine Geisterstadt verwandelt. Leider auch die eigenen Soldaten.
Felix Strange ist einer von ihnen gewesen, der seitdem schwer krank ist. Um zu überleben, braucht er Medikamente, die er legal nicht bekommt, nur auf dem Schwarzmarkt, für teuer Geld. Das bekommt er für seinen Job als Privatdetektiv.
In den USA hat ein christlicher Fundamentalist die letzte Präsidentenwahl gewonnen. Die „letzte“ kann man hier wörtlich nehmen, denn Wahlen wurden abgeschafft. Dafür gibt es Organisationen und ihre Quasi-Polizei-Milizen. Mit einer Mischung aus religiösem Eifer, Messianismus, karitativer Tätigkeit und viel Terror, Einschüchterung und religiöser Intoleranz verwandeln ein „Komitee für Kinderschutz“, angeführt von einem undemokratischen Ältestenrat, in Konkurrenz zu einer religiös-militanten Bürgerbewegung, dem „Kreuzzug“, die USA in einen totalitären Staat. Der Kreuzzug wird als eine Mischung aus Erweckungsbewegung und Inquisition beschrieben.
Auch wenn Hall kein US-Bürger, sondern Kanadier, ist, so scheint er seine Pappenheimer auf jeden Fall zu kennen und aus dem Erfahrungsschatz amerikanischer Wirklichkeit zu schöpfen.
Die Krimihandlung wird ausgelöst mit einem Mord an einem Potentaten des Kinderschutzkomitees, den unser Privatdetektiv im Auftrag eines Chefs des Kreuzzugs aufdecken soll. Also, aufdecken soll er nichts, eher die Aufmerksamkeit auf sich lenken, vorbei an offiziellen Ermittlungsbehörden, wie den FBI, den es durchaus noch gibt und der sich mehr schlecht als recht in das neuen Machtgefüge einzusortieren sucht.
Strange ist ein Spielball, der das aber erkennt, tatsächlich alles aufklärt, nicht ohne Hilfe einer schönen, geheimnisvollen Dame und eines FBI-Agenten, der ihm danach nichts mehr schuldet.
Stilistisch setzt Hall beim Hard Boiled an. Zynismus und Ehrlichkeit bis zum Rand der Selbstaufgabe dominieren die Dialoge und Handlungen unseres Helden. Hall hat damit das Genre nicht neu erfunden, aber richtig toll aufgegriffen und eingesetzt. Das Buch ist für mich eine perfekte Mischung aus zwei Genres, ist damit unterhaltsam und warnt, wie es gute dystopische SF tun soll.
Vielleicht ist die eigentliche Krimihandlung noch nicht mal so wichtig. Wichtiger ist der Background, und da gibt es einige Bezugspunkte zum Hier und Heute. So finden wir z.B. Bücherverbrennungen, die beim Vormarsch der „Bewegung“ an der Tagesordnung sind. Na, kennt man ja. „...unpatriotische und wissenschaftliche“ Bücher werden verbrannt, genauso wie „Geschichten von jungen Zauberern oder von Geistern und allem anderen Übernatürlichen, das nicht von Gott sanktioniert war.“ (S. 218) Keine gute Zeit für Harry Potter und Fantasy-Fans.
Bundesdeutsche Wirklichkeit habe ich auch wiedergefunden, die aber in den USA wahrscheinlich genauso vorhanden ist, wenn nämlich der Schutz von Jugendlichen vor Schmutz und Dreck im Internet und der virtuelle Kampf gegen „spirituelle Terroristen“ (S. 104) für die Installation einer Zensur missbraucht wird (was ja Datenschützer auch jetzt schon befürchten), wobei auch in dieser dystopischen nahen Zukunft es den Jugendlichen nicht wirklich schwer fällt, die Sperren zu umgehen.
Also, für mich eine echte Überraschung; freue mich schon auf den nächsten Fall von Felix Strange, „Böses mit Bösem“.


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März 2011

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2011 31 März 2011 · 746 Aufrufe
Meine Leseliste 2011
Stéphane Hessel: "Empört Euch!" - netto nur 20 Seiten. Darüber spricht ganz Frankreich? Nun, warum, verstehe ich nach der Lektüre nicht so richtig. Klar, der Mann ist sozusagen Geschichte, er hat das moralische Recht, so zu sprechen. Ist auch gut so, doch ich habe mir Konkreteres versprochen.

Andrej Gelassimow: "Durst" - wieder ein russischer Roman über einen Kriegsveteran. Langsam muss man sich wohl daran gewöhnen, dass in Russland sogar mehr als in den USA ein Thema immer wieder angesprochen wird, einfach weil es allgegenwärtig geworden ist...
Hier geht es um einen jungen Mann, der in Tschetschenien im Gesicht durch eine Brandbombe entstellt wurde. Zuhause flüchtet er sich in den Suff. Aber er bekommt sich in den Griff, dabei - und das ist mir als passionierter Hobbyzeichner sehr sympathisch - hilft ihm sein zeichnerisches Talent.
8 / 10 Punkte

Brian Keene: "Kill Whitey"
Eine einfache Geschichte, einfach erzählt. Für meinen Geschmack etwas ernüchternd einfach. Nun ist Keene sicher kein großer Stilist und Wortakrobat, sondern immer auf eine knackige Story, auf den Plot fixiert. Ist auch gut so; so mag ich ihn! Hier kommt aber für meinen Geschmack etwas zu wenig rüber...
Zunächst der Protagonist: Ein Proletarier, übrigens mit Klassenbewusstsein, so ein bisschen wenigstens. Wo gibt es so was noch? Wahrscheinlich nur im Arbeitermilieu einer Industriestadt in den USA? Keene bezieht an ein paar raren Stellen Postion, hat mir imponiert!
Der Held ist einer wider Willen, und Sch*#@...gesteuert. Na gut, darf er auch. Wenn eine Horrorstory aber eine Botschaft hat, dann ist die hier: Hände weg von leichten Mädchen mit russischem Akzent! Ihr Zuhälter ist nämlich ein zumindest mysteriöses, unkaputtbares Überwesen mit historisch berühmt-berüchtigter Verwandtschaft. Nein, nicht Dracula diesmal, sondern Rasputin. Ja, dieser Scharlatan am Hofe des letzten russischen Zaren.
Hmm, die Amis entdecken den Horror russischer Folklore - hab ich ja schon wohlwollend bei HELLBOY beobachten können.
In irgendwelchen Rezensionen wurde die Härte des Buches warnend erwähnt. Na, konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Vielleicht bin ich einfach schon abgestumpft! Will's mal nicht hoffen... Keene hat einen plastischen, direkten Erzählstil. Da kann es natürlich sein, dass seine splattrigen Schilderungen anatomischer Verwerfungen aufgrund handfester Auseinandersetzungen, nicht nur mit Schusswaffen, eben so kühl und unmittelbar rüber kommen, dass der Schockeffekt flöten geht; wenn er denn beabsichtigt war.
Der Roman war spannend, es gibt viele Opfer, aber auch so etwas wie ein happy end. Ich fühlte mich hinreichend unterhalten, aber nicht nachhaltig hingerichtet... äh, nee, also, es handelt sich aus meiner Sicht nicht um einen Meilenstein der Horrorliteratur.
6,5 / 10 Punkte

Jörg Kleudgen: „Stella Maris“, Goblin Press 2011
Eine „Heimat-Horror-Story“ von der Nordseeküste. Ein Wissenschaftler, der nach einem missglückten Experiment mit einer unheimlicher Substanz aus der Tiefsee in die Einsamkeit eine Küstendorfes flieht, wird mit einem uralten Mythos konfrontiert. Eine schöne Frau, die irgendwie ähnlich einsam und verloren in der Welt wirkt wie er, steht in einer uralten Tradition, die sich alle 30 Jahre in einer Hochzeit mit dem Meer erfüllt. Leider erfüllt sich dadurch nicht seine Liebe zu ihr.
Das Buch ist ein kleines Meisterwerk in interessanter Handarbeit gefertigt, erscheinen in der vor 6 Jahren eingestellten Goblin Press. Demnächst ist mehr aus der Richtung zu erwarten!
7 / 10 Punkte

Jussi Adler-Olsen: "Schändung"
Mein 2. Adler-Olsen! Na ja, mehr gibts ja noch gar nicht. Auch nach dem Band werde ich wohl bei der Stange bleiben, denn es hat mir wieder gefallen.
Zum Titel: Im Dänischen besteht er diesmal auch nur aus einem Wort, das aber wörtlich übersetzt "Fasanenmörder" heißt. "Schändung" klingt ja bestialischer, reißerischer, aber irgendwie austauschbarer. Beide Titel passen durchaus für das Buch.
Diesmal geht es um eine Clique reicher Schnösel, die alle eine Eliteschule besucht haben und schon als Jugendliche in ihrer Freizeit gerne Leute quälten und umbrachten. Unser Team - Dezernat Q - um den etwas aufs Abstellgleis verschobenen Carl Moerck und dessen syrischen Assistenten und eine Neue, eine forsche, unbequeme Dame, sollen sich um ungelöste Fälle kümmern. Hier geht es um einen Mord, der 20 Jahre zurück liegt. Interessanter Weise wurde jemand dafür eingesperrt, aber es gibt Zweifel...
Und natürlich sind diese menschlichen Bestien noch am Wirken...
Nun ja, Adler-Olsen verbindet seinen Krimi mit - sozusagen - Vulgär-Gesellschaftskritik, denn diese unympathischen Mörder gehören zur High Society der Dänischen, bürgerlichen Gesellschaft. Sollten solche Verhaltensweisen, die diese Leute an den Tag legen, stimmen, kann einem Angst und Bange werden. Vielleicht ist das etwas dick aufgetragen, zumal der Umstand, dass die Jahrzehnte unbehelligt so agieren können, nicht sehr glaubhaft ist. Hätte man da nicht längst ganz anders gefahndet?
Nebenbei veranstalten diese Schnösel private Jagden, auf exotische Tiere, oder auch mal auf einen tollwütigen Fuchs, der mit Armbrüste geschossen werden muss, ohne dass man sich von ihm beißen lässt.
8 / 10 Punkte

von Aster / Koch / Hoffmann: "Weihnachten im Stirnhirnhinterzimmer. Bedingt besinnliche Geschichten"
Jau, der Titel sagt das Meiste! Kuriose, schwarze, kurzweilige Unterhaltung - für mich vor allem bei Straßenbahnfahrten. Sicherlich ist es noch amüsanter, die Herren im auch titelgebenden Lokal ihre Geschichten vortragen zu hören, aber so in dieser Buchform war es auch sehr schön. Kann gar nicht sagen, welche Story mir am besten gefiel. Christian v. Aster brilliert wie immer mit angewanntem Wortwitz und skurrilen Ideen, Boris Koch widmet sich dafür intensiver seinen Charakteren und Markloff Hoffmann bringt eine fast ernste Note mit ins Spiel. Eine schöne Sammlung grusliger Bonbons.
8 / 10 Punkte


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CTHULHU LIBRIA im März | "Stella Maris" Rezension

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2011 26 März 2011 · 817 Aufrufe
News
Freue mich: Die neue Ausgabe von Cthulhu Libria ist erschienen. Diesmal als PDF-Zine, etwas erweitert. Zu den "Erweiterungen" gehören ein paar Rezensionen, auch eine von mir zu dem neuen Goblin Press Buch. Da muss ich doch mal drauf aufmerksam machen, also, vor allem auf das Buch!

Mein Beitrag geht so los:
Welch Überraschung: Die GOBLIN PRESS lebt! Als ich das hörte, machte ich einen Luftsprung. Die Geschichte dieses kleinen Verlages ist eng mit der Geschichte der Horrorliteratur in Deutschland verbunden. Ich muss lange nachdenken, damit mir Beispiele deutschsprachiger Horrorbücher vor 1990 einfallen. Natürlich gibt es die großen Namen, angefangen mit Hoffmann, über Meyrink, Ewers und die 20er Jahre. Doch in der modernen Unterhaltungsliteratur dominierten die anglo-amerikanischen Importe, mehr noch als in der SciFi. D.h., stimmt nicht ganz, denn es gab ja die Heftromane. Und es entwickelte sich ein Fandom. Es gab Fanzines. Im Westen Deutschlands existierte wohl bereits eine kleine Gemeinde der Liebhaber grusliger Unterhaltung, im Osten fand so etwas so gut wie gar nicht statt. Meine persönliche Bekanntschaft mit dem Genre, Anfang der 90er Jahre, fiel zusammen mit einem enormen Aufschwung, der im Fandom mit diversen Publikationen begann und sicher mit dazu beitrug, dass mittlerweile auch ernst zu nehmende und relativ gut verkaufte Bücher deutschsprachiger Autoren auf diesem Sektor erscheinen. Einige von ihnen lernte ich in der GOBLIN PRESS kennen und schätzen. Stella Maris von Jörg Kleudgen ist das erste Büchlein seit ca. knapp 6 Jahren, nachdem der kleine Verlag sehr abrupt und ohne Vorwarnung seine Pforten schloss, und es soll keine Eintagsfliege bleiben. ...

Weiter geht es hier, bitte ... "downloaden" stand da... geht aber nicht mehr...

Daher hier der Rest der Rezi:

Jörg Kleudgen: „Stella Maris“, Goblin Press 2011

....Es handelt sich um eine längere Erzählung, eine Novelle, die in sich abgeschlossen ist. Ich möchte sie als mythische Liebesgeschichte bezeichnen.
Ein nach Erholung, Abgelegenheit und Ruhe Suchender fährt an die See. Dem Kontext, vor allem dem angedeuteten Dialekt der Einheimischen des kleinen Küstendorfes kann man entnehmen, dass es sich wohl um die Nordsee handelt. Doch genau definiert wird dies nicht.
Überhaupt ist der Stil, die Erzählweise von Jörg meistens unbestimmt, unzeitgemäß, nicht zeitgebunden, damit auf eine überzeugende Art zeit- und raumlos allgemeingültig. Die Flucht der Hauptfigur vor den Unbilden seines Lebens wird zur Flucht vor der Moderne.
Der Protagonist trifft eine geheimnisvolle Frau, die von einem Mythos geplagt und unterworfen ist. Doch weil sie wie er einsam in dem Ort und in der Welt ist, kann er sich nur in sie verlieben.
Es geschehen seltsame Dinge, Geschichten werden angedeutet, auch die Umstände, die den jungen Mann an die Küste trieben und die mit einem missglückten chemischen Experiment zu tun haben, in dem eine mysteriöse Substanz aus den Tiefen des Meeres eine Rolle spielt. Doch das alles ist nicht wichtig, denn die traumhaften Ereignisse um eine alte Tradition, ein altes, nur alle 30 Jahre stattfindenden Fest - die Hochzeit mit dem Meer - nehmen die Aufmerksamkeit des Mannes und des Lesers in Beschlag.
Die Geschichte endet... tragisch? Vorherbestimmt? So wie die gesamte Geschichte eine physisch fühlbare Melancholie durchweht, so endet sie auch.
Immer wieder hat der Leser von Jörgs Geschichten den Eindruck, er erzählt von sich. Zu diesem Eindruck führt auch der Umstand, dass er seine eigenen Reiseerlebnisse und alltäglichen
Beobachtungen bewusst einfließen lässt. Mitunter tragen seine Erzählungen tatsächlich Reisetagebuchcharakter; ob es sich dabei nun um Venedig, die Nordsee, oder das nicht existierende Cathay handelt.
Jörg verleiht dem Alltag, der offensichtlich wahrzunehmenden Umwelt einen mythischen, von Geschichte und Geheimnis erfüllten Sinn, damit Tiefe. Ein Nebeneffekt des Lesens Kleudgen'scher Texte kann es sein, dass man sein eigenes Umfeld, sein eigenes Leben dadurch anders sieht. Das klingt überzogen, pathetisch? Nun, ja, man möge es ausprobieren.
Traum und Wirklichkeit sind verwoben und deren Unterscheidung spielt in den geschilderten Verwicklungen keine nennenswerte Rolle. Hier steht Jörg in der Tradition, in der die gesamte Goblin Press stand: Von E.A. Poe und Lovecraft. Wie meinte Poe in seinem berühmten Gedicht:„Is all that we see or seem | But a dream within a dream?“
Die Erzählung steht voll in der Tradition der weird tales (so auch der Untertitel des allerersten Goblin Press Heftes „R'lyeh“ von 1990). Dies äußerst sich auch in Versatzstücken, die wir bei den amerikanischen Vorbildern auch finden, so z.B. eine Bibliothek geheimnisvoller Bücher, zum Teil realer, zum Teil erfundener, die allein durch ihre Nennung eine Atmosphäre des Gefährlich-Mysteriösen erzeugen. Jörg nutzt dieses Element, um auf Werke seiner Autorenkollegen aufmerksam zu machen: Michael Knoke, Uwe Voehl und Tobias Bachmann, was für den Kenner natürlich ein besonderes Bonbon darstellt.
Wichtiger ist aber, dass der Leser nicht damit rechnen darf, die letzten Geheimnisse enthüllt zu bekommen. Sicher nicht gerade fortschrittlich, aber mitunter richtig erscheinend ist die Grundthese der unheimlichen Phantastik, dass es besser ist, nicht alles zu wissen.
Wenn ich über das neue Goblin Press Buch spreche, so muss ich auch dessen Gestaltung erwähnen, die alles andere als üblich ist. Auch hier greift Jörg auf Ursprüngliches zurück. Das Buch entstand durch Handarbeit. Es besteht aus gefalteten, einseitig bedruckten Seiten, die gefaltet zusammengeheftet wurden mittels einer stabilen Rückenklammer. Die Seiten erscheinen dadurch dick und fest. Eingeschlagen wurde das Buch in schwarzem Karton und wurde mit einem illustrierten Umschlag versehen. Die Seiten sind nicht nummeriert und der Autor hat einige Illustrationen beigesteuert, die - nehme ich an - durch hohen Kontrast verfremdete Photos sind.
Allein diese etwas unhandliche Art der Herstellung sorgt dafür, dass die Auflage sehr klein blieb. Es gehört sicher keine große prophetische Gabe dazu, wenn man hier ein zukünftiges Sammlerstück vermutet.


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L.E. DYSTOPIA. Der Cyberpunk-Gipfel, oder: Frick im Frack

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 21 März 2011 · 820 Aufrufe

„Leipzig liest“ ist inzwischen ein Großevent. Für den Phantastikfreund bietet diese Riesenleseparty auch recht viel, so viel, dass die Auswahl schon schwer fällt. Natürlich boomt auch hier die Fantasy und diverse große Namen der deutschsprachigen Fantasy-Zunft sind allgegenwärtig. Die SF macht sich da etwas rarer†¦
Umso erfreuter war ich, als ich im Online-Tagebuch von KNF (soll heißen; Klaus N. Frick), ENDPUNKT, von einer Veranstaltung las, auf der einige SF-Akteure zu Worte kommen sollten. Da musste ich hin!
Mit mir waren es allerdings nicht wirklich viele Leute, die sich in die kleine Kneipe, der Stötterizer Margerite, einfanden. Dies soll aber kaum verwundern: a) liefen parallel eine Unzahl anderer Lesungen in der Stadt, 'b) auch einiges in Sachen Phantastik und c) diese Lokation war schon etwas außerhalb†¦
Aber gemütlich war es, Getränke sehr preiswert und schön warm in der Stube.
An dieser Stelle mag ich gleich mal dem rührigen Organisator einen Dank aussprechen: Uwe Schimunek. Die Veranstaltung muss wohl mit einem ähnlichen Autorenkreis in ähnlicher Form woanders stattgefunden haben. Hat sich bewährt, wurde in Leipzig angesetzt und wie es klingt, wird es bei der nächsten Buchmesse zu Leipzig auch wieder stattfinden. Gut so!
Die Sache war recht professionell; es gab eine erhöhte Bühne, die Akteure standen hinter einem Notenständer mit Mikro und es gab einen Moderator, der die Autoren sogar siezte.
Das Thema war laut Flyer die Dystopie, die böse Schwester der Utopie.
Der Gastgeber, Uwe Schimunek, eröffnete den Reigen und unterhielt vortrefflich mit einer Short Story über die Erkundung eines vermeintlichen Kindes in dessen verwüsteter Heimat, der Erdoberfläche. Unheimlicher als das, was es dort oben vorfand, war, was das „Kind“ über sich herausfand†¦
Danach hob Klaus N. Frick an. Zunächst reflektierte er über sein Outfit, das halt seiner Profession als Perry Rhodan-Redakteur auf dem Messestand geschuldet war; daher auch mein kleiner Reim in der Überschrift. Seine Story über ein verwüstetes, winterliches Nordschwarzwaldgebiet fing vielversprechend an, wurde dann aber nicht beendet, nur angerissen. War ein bisschen Schade. Dafür unterhielt er mit einer kleinen Anekdote über das technische Geschick von SF-Autoren beim Öffnen von Saftflaschen.
Frank Hebben hat auch nur einen Teil seiner Story vorgelesen. Allerdings waren seine Ausschnitte sehr eindringlich und gaben einen guten Eindruck von dem Werk; das machte mich sehr neugierig auf den Text! In seiner Alternativwelt ging der Erste fließend in den Zweiten Weltkrieg über; neben A-Bomben tauchen auch die hakenkreuzbeflaggte „Werwölfe“ mit ihrem „neuen Kaiser“ auf†¦
Christian Günther hatte sich einst einer „Storybattle“ gestellt, für die es eine Vorgabe gab: Ein Rosa Einhorn. Na, hat seine Aufgabe mit Bravour erfüllt; sehr eindrucksvoll!
Niklas Peinecke war für mich die Überraschung des Abends. In trocken-verhaltener Form brachte er seinen Text zu Gehör. Der entpuppte sich als tolle schwarzhumorige Geschichte über die Offenbarung des Neuesten Testaments in unserer Zeit, dargebracht von - tja, wie lautet die Mehrzahl von Jesus? †¦. Cooler Vortrag, urkomisch!
Thorsten Küper trug seine Story mit viel Verve vor. Er wirkte ein wenig mafiös, wenn ich das mal so ausrücken kann; war gut!
Michael Iwoleit hatte seinem Text etwas Pech. Zum einen war es wiederum nur ein Ausschnitt, der für sich genommen für meine Begriffe zu wenig preis gab vom der Story über die Degeneration menschlicher Beziehungen zum Datenstromaustausch; zum anderen hatte er Probleme mit seiner Stimme, was das Zuhören nicht einfacher machte. War aber schön, das „Urgestein“ der SF-Szene mal live zu erleben! Seinem Wunsch, ihn mit Papier zu beschmeißen, wenn es zu lange dauerte, kamen wir nicht nach; er hörte freiwillig auf und außerdem gab es dazu wahrlich keinen Anlass!
Zur Guten Nacht las Ine Dippmann aus einem Text von Ralph Doege.
Also, wenn nichts dazwischen kommt: Ich bin bestimmt nächsten Jahr wieder da!


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Lese-Februar 2011

Geschrieben von T.H. , 27 Februar 2011 · 1.074 Aufrufe
Meine Leseliste 2011
Arjen A. Lucassen & Wilko Müller jr.: "Die Reise ins Elektrische Schloss" - philosophisch-psychedeische Reise, das Buch zur Musik - ein paar Worte dazu -
8 / 10 Punkte

Joe R. Lansdale: „Kahlschlag“ - Golkonda Verlag
Tatsächlich! Ein großartiger Roman! Wie hat im Horror-Forum jemand so treffend formuliert: Ein reifes Werk des Autors! Dem muss ich mich anschließen. Habe selten so einfühlsam und präzise Personen beschrieben vorgefunden. Und zwar fast alle, auch die Nebenpersonen sind so ausgearbeitet, dass sich mir sozusagen ihre Bilder aufdrängen. Ich bin sehr begeistert, habe mitgefiebert.
Was ich einfach auch mal erwähnen möchte, weil es vielleicht mitunter heute schon fast ein Manko darstellt: Lansdale bezieht Position für die Unterdrückten, für die Frauen, für die Schwarzen. Das mag zwar „politisch korrekt“ sein, was ja mitunter wieder als Schimpfwort gebraucht wird, ist aber vielleicht sogar etwas mutig in dieser Eindringlichkeit für einen Texaner. Na, ich weiß nicht, wie die Leute heute da insgesamt so ticken. In den Zeit der Großen Depression war es aber ein Thema, offensichtlich. Interessant, wie das wohl funktionierte: Die Weißen, auch die Unterprivilegierten, nutzen den alltäglichen Rassismus, um sich einzurichten. Sie hinterfragen ihn nicht, weil es ihnen gut damit geht. Ja, das mag ein Allgemeinplatz sein, aber wo wie es der Autor hier zur Sprache bringt, wird dieser Mechanismus deutlich. Er zeigt auch, wie die Schwarzen darunter leiden, denn sie müssen sich ständig vorsehen, anpassen, ducken, verstellen. Wie kann man so normal leben?
Es fängt ja gleich mit einem Paukenschlag an: Während eines Wirbelsturms versucht ein Mann seine Ehefrau zu vergewaltigen und verprügelt sie. Sie erschießt ihn. Da der Mann der amtierende Constable war, gibt es nun keinen Gesetzesvertreter in dem Dorf. Da schlägt die Mutter des Erschossenen die „Mörderin“ als neuen Constable vor. So viele Tabubrüche auf einen Haufen. Das muss man erst mal verarbeiten...
Es gibt dann noch einen anderen Doppelmord und einen Komplott aufzudecken. Dabei wird die politisch-kriminelle Kaste dieses hinterwäldlerischen Ortes auf den Kopf gestellt - allerdings nicht die politisch Grundordnung; Lansdale hat ja keine Utopie geschrieben, nur einen „Gesellschaftskrimi“.
Dazu: Ein toll gestaltetes Paperback, das rein äußerlich was her macht. Unbedingte Empfehlung!!!
10 / 10 Punkte

Hellboy 11: Der Krumme von Mignola, Corben u.a.
Großartig, wie eigentlich immer. Diesmal einzelne Stories, von verschiedenen Zeichnern. - ein paar Worte dazu -
10 / 10 Punkte

Carlton Mellick III: "Die Kannibalen von Candyland"
Festa, 2010, 158 rosa Seiten, Lesebändchen, Hardcover in Bonbonfarben und Duftstoff.Rubbelfläche
Hach, was für ein Buch! Selbst wenn es einem nicht gefällt, braucht man es nicht in die Ecke zu werfen, da kurz und knackig. Das hat man schnell durch. Wenn man dem Nachwort des Autors trauen kann, erging es ihm beim Schreiben ähnlich. Na gut, dass er damit keinen großen Aufwand hatte.
Nun, inhaltlich ist es nicht überragend, wie ich finde. Eigentlich ist es eine 08/15-Story über ein armes Würstchen, das mit seiner Frau und seinem Leben nicht klar kommt. Selbst die Jungs auf dem Hof machen sich über ihn lustig und er steht allem ohnmächtig gegenüber.
Was das Buch zum kleinen Lesefest macht, ist das Drumherum, die Gestaltung, Aufmachung, aber auch die absurden Bilder, die es durch einfache Sätze im Kopf erzeugt. Diese Mischung aus ekligem Zuckerguss und kannibalistischem Splatter. Aber alles ist simpel aufgeschrieben, so dass man sich beim Lesen kaum wirklich ekeln oder gruseln muss.
Ich fand die Grundidee witzig, doch wenn man erst mal mitbekommt, wohin die Reise geht, kann es schnell langweilig werden, da erweist es sich als gut, dass es nicht so ausufert. Daher von mir 8 von 10 Punkte, ich fühlte mich gut unterhalten und bin durchaus auf weitere Mellicks gespannt!
PS. Habt Ihr bemerkt, wie ich kein einhiges Mal den Begriff bizarr(o) verwendet habe...
8 / 10 Punkte

Martin Cruz-Smith: „Der andere Sieger“
Den Autor kennt wahrscheinlich jeder („Gorki Park“), aber auch dieses kleine Buch? Als Fan alternativer Geschichtsverläufe bin ich darauf gestoßen. Die Indianer Nordamerikas konnten nach ihrem Sieg in der Schlacht am Little Big Horn gegen General Custer am Ball bleiben. Sie haben sich vereinigt, Waffen aus Europa und Kanada bekommen, auch Kanonen und moderne Gewehre und konnten ihre personelle Überlegenheit (jeder Mann war ein Krieger) ausnutzen und sich einen großen Happen Steppe im Herzen Nordamerikas sichern.
Dadurch verläuft die Geschichte der USA etwas anders (Kolonien, Vietnam), was in einer 2. Handlungsebene angedeutet wird; im 20. Jh. ist leider das Verhältnis zwischen den USA und den Ureinwohnern immer noch nicht besser, sogar schlechter als in der realen USA.
9 / 10 Punkte


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Wann geht der "Biokrieg" los?

Geschrieben von T.H. , 17 Februar 2011 · 1.147 Aufrufe
Subjektive Eindrücke zur Lektüre
Das Jahr droht bei mir zum Jahr der Leseabbrüche zu werden. Ist ja nicht aller Tage Ende, aber bisher sind es drei Bücher, die ich nicht zu ende lesen konnte. Hier wieder so eines.

Ein paar unmaßgebliche Gedanken zu Prolo Bacigalupi: „Biokrieg“

1. Das Cover. Beim interessierten Publikum fiel das Cover der deutschen (Heyne) Ausgabe durch - weitestgehend. Nun, ehe mich der Ruf des Buches ereilte, hat mich das Cover auf es aufmerksam gemacht. Dafür gebührt ihm Anerkennung. Ja, mir gefällt es, und es hat auch einen Bezug zum Inhalt, auch wenn der sich nicht gleich offenbart, so wie das naturalistische Umschlagbild der Originalausgabe, das ich allerdings kaum als innovativ bezeichnen kann.
2. Ich habe nur gut 170 Seiten geschafft, dann noch etwas quergelesen. Insofern bin ich zu einem abschließenden Urteil nicht fähig. Aber es ging nicht. Was das Buch auch alles sei, auf mich wirkte es einfach langweilig! Sorry an alle, die es mögen.
Auf diesen 170 Seiten passiert im Grunde Zweierlei. Zum einen findet ein Mann auf einem Jahrmarkt eine Frucht, die ihn in höchste Euphorie versetzt. Zum anderen überfällt eine militante, halbstaatliche Eingreiftruppe einen Luftschiffshafen und beschlagnahmen eine komplette Luftschiff-Lieferung.
Der Leser lernt dabei diese Welt der nahen Zukunft kennen (Komisch, in einer Rezension las ich, das würde in einer fernen Zukunft spielen...). Die ökologische Krise schlägt voll durch, Klimaerwärmung, Überschwemmungen, einige küstennahe Städte sind überflutet.
Das Öl ist alle. Das ist das faszinierendste für mich an dem Buch: Es wird eine Welt ohne Öl beschrieben. Auch wenn es vieles nicht mehr gibt, was wir gewohnt sind, so ist zivilisiertes Leben in dieser Welt möglich. Was aber als Folge auf alle Fälle registriert werden muss: Die Globalisierung hat ein Ende. Ohne Öl scheint der Welthandel zusammengebrochen, auch Fernreisen sind nicht mehr so einfach und schnell zu bewerkstelligen. Das Ende der Globalisierung wird hier als die Zeit nach der Expansion beschrieben. Statt Flugzeuge gibt es gemächliche Luftschiffe, statt Motoren Muskelkraft genetisch veränderter Riesenelefanten. Das ist phantastisch! Das hat mir gefallen.
3. In der schon erwähnten Rezension hat der Rezensent das Buch daher übrigens als Steampunk klassifiziert. Nun, andererseits fand man den Titel Biopunk dafür. Das trifft es auf alle Fälle eher, denn die beschriebene Welt ist keine viktorianische. Ob es aber „Punk“ ist, wage ich auch zu bezweifeln. Warum kann es nicht ganz einfach SF sein? - Doch, eine Bezeichnung fällt mir noch ein: Kapitalistischer Produktionsroman. Irgendwie geht es dialoglastig, seitenweise um Lebensmittelprodukte. Ist ja konsequent, denn Kalorien, also Lebens-Energie ist der Dreh- und Angelpunkt der neuen Welt, mehr noch als heute (was er aber vielleicht sein sollte, nicht das Öl...). Neue biologische, genetische Fallstricke hält das Leben bereit und dagegen anzukämpfen ist das Ziel vieler Protagonisten. Ist schon ok, aber ich fand genau das dann langweilig.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Roman seine Fans hat, ich erkenne das Potential, das Buch ist gute Literatur (Intention, Sprache). Ich finde nur, dass es einfach zu viel des Guten hat. Muss man jeden Gedanken so auswalzen? Als Kontrast fällt mir Alfred Bester ein, dessen „Demolition Man“ vor Ideen sprüht, die aber oft nur angerissen werden. Reicht aber. Bacigalupi hat dafür die Handlung geopfert (zumindest bis Seite 170).

OK, kann mich jemand davon überzeugen, das Buch weiterzulesen?


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„Vermutlich haben die meisten Leute diese Hellboy-Geschichte nie zu Gesicht bekommen.“

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2011 12 Februar 2011 · 1.407 Aufrufe
Hellboy;, Mignola;
Hellboy 11: Der Krumme
von Duncan Fegredo, Mike Mignola, Richard Corben
A5, Hardcover, vierfarbig,192 Seiten
ISBN 978-3-941248-78-6
www.cross-cult.de

„Vermutlich haben die meisten Leute diese Hellboy-Geschichte nie zu Gesicht bekommen.“ Schöner Satz, irgendwie. Wenn der auch zu einer der Stories des Bandes ausgeführt wurde, so denke ich, dass er - so formuliert - auf alle Stories zutrifft. Ist aber nicht schlimm, denn so gänzlich unpopulär ist der Rote lange nicht mehr!

Wurde bis Band 10 (der deutschen Ausgabe) die Story um Hellboy vorangetrieben, lässt der 11. Band etwas Ruhe eintreten. Die hier versammelten Erzählungen boten in erster Linie anderen Zeichner als dem derzeitigen Stamm-Zeichner die Möglichkeit, sich im HB-Universum auszutoben. Allerdings gibt sich der Meister - Mike Mignola - auch die Ehre. So befindet sich hier also die derzeit letzte Story, die Mignola auch gezeichnet hat.
Die Erzählungen setzen irgendwie auch in der Meta-Geschichte an, sind aber zum Teil den Ereignissen des vorherigen Bandes vorangesetzt, erklären ein paar Figuren. Insofern ist das, was hier erzählt wird, auch wichtig für den Fortgang des Mythos um den Höllenjungen.
Ich fange mal von hinten an.
„Wie Koschej unsterblich wurde“ und „Baba Jagas Festmahl“ greifen wieder einmal in die Schatzkiste russischer Folklore und Märchen, wo sich Mignola ja schon des öfteren bediente. Dies kann man nicht oft genug hervorheben, meine ich, denn es ist sicher nicht alltäglich, dass ein US-Amerikaner auf russische Motive zurückgreift, um diese auch in ihrer Exotik und bizarren Wirkung voll zur Geltung kommen zu lassen. Da ist mehr als nur der „böse Russe“ als Feind ehrenwerter westlicher Geheimagenten oder so.
Mignola sucht auf der ganzen Welt nach Sagen, Märchen, Legenden, die er verwenden kann; er hat daran ein echtes Interesse und präsentiert sie hier einem interessierten Publikum. Das macht neugierig.
Hmm, nun kam mir bei der Lektüre ein - wahrscheinlich abwegiger - Gedanke: Sein Interesse Russland und der Name „Hellboy“: Ob - vielleicht - Mignola die russische-sowjetischen Schriftsteller Boris und Arkadi Strugazki kennt? Erschienen sind sie ja auch in den USA. Das gibt es so eine Erzählung, auf Deutsch: „Der Junge aus der Hölle“. Klar, hat mit der Figur des Hellboy reinweg gar nichts zu tun. Und soweit ich es finden konnte, war der amerikanische Titel: „The Kid from Hell“ (erschienen 1982 in dem Band „Escape Attempt“, im Macmillan Verlag). Na ja, aber es könnte ja sein...
Die Geschichte um den unsterblichen Krieger Koschej, der HB in Band 10 das Leben schwer machte, kommt gänzlich ohne HB aus. Es wird seine Biografie beleuchtet. Er war nicht immer der Bösling, wurde aber betrogen und halbtot von einem Drachen adoptiert. Das hat so sein Vorzüge, aber auch Nachteile.
Ebenso in der Short-Story um die Hexe Baba Jaga. Sie wird von einem ihrer Opfer ordentlich geleimt. Ist ein bisschen makaber...
Die längste Geschichte ist einem Weird Tales Autor gewidmet, der etwas in Vergessenheit und in den Schatten der Großen des Genres geraten ist: Manly Wade Wellman. Wie man schnell herausbekommt, ist durchaus auch im Deutschen einiges von ihm erschienen. Allerdings hat sich da im literarischen Gedächtnis nicht viel festgesetzt zu haben. Schön, dass er hier ausführlichst in einem Nachwort vorgestellt wird.
Er widmete sich unter anderem verstärkt der Mythologie der Apalachen. Die Wälder verbergen so einige dunkle Geheimnisse. Auch hier lohnt es sich, mal nachzuforschen, denn es ist schon interessant, wie sich im Grunde in kurzer historischer Zeit eigenständige Kulturen abgelegener, isolierter Menschengruppen herausgebildet haben, die auch von den Kreuzungen und Begegnungen europäischer Siedler und amerikanischer Ureinwohner ableitete. So werden hier z.B. die Melungeous erwähnt, von denen ich zuvor nie was gehört hatte.
Die lange Titelstory wurde von Richard Corben gezeichnet. Ich muss gestehen, dass mir sein Stil am Ende doch nicht so gut gefällt. Ich kenne ihn als Autor / Zeichner leicht frivoler Fantasy-Geschichten, in den großbusige Damen die Hauptrolle spielen. Das kann er. Nun ja, da guckt man auch gerne hin. In die unheimlichen Gefilde der Hinterwäldler passt er m.M.n nicht so sehr, denn seine Horrorfratzen wirken durch die runden Grundformen, die Corben gerne verwendet, auf mich eher lustig. Allerdings kann er sehr schön mit Schatten spielen, was durchaus eine gruslige Wirkung erzielt.
„Der Krumme“ spielt 1958, aber es könnte auch 1858 sein. Der Krumme ist so eine Figur aus den Wäldern der Apalachen, auch Mr. Witkins genannt. Er ist ein Unruhestifter, so etwas wie die böse, dunkle Kehrseite des Amerikanischen Traums. Er war einer der ersten weißen Siedler. Er heizte den Zwist zwischen den Siedler und den Indianern an, um daraus seinen Profit zu ziehen. Er war im Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der englischen Krone, spielte im Bürgerkrieg einen Doppelrolle. Irgendwann wurde er ob seiner Verbrechen gehängt, aber der Teufel schickte ihn auf die Erde zurück, um nun statt Gold Seelen zu sammeln.
Er ist in der Story der Anführer von Hexen. Wie hier Hexen dargestellt werden, habe ich bis dato selten so dezidiert und speziell vorgeführt gesehen. Das allein macht die Story sehr lesenswert!
Ein junger Mann versucht des Fluches des Krummen zu erwehren, den er sich als junger Hexer einfing. Hellboy hilft dabei, aber im Grunde kommt die Geschichte fast ohne Zutun des Roten aus.
Mein Favorit in dem Band ist „Die in Schiffen übers Meer fahren“. Hier lernte ich den Grafiker Jason Shawn Alexander. Der Mann hat's drauf, alle Wetter! Wenn ich das richtig recherchiert habe, dann ist er auch sonst als ernsthafter Grafiker, Künstler unterwegs, also nicht nur als Comic-Zeichner, wobei ich diese Zunft keineswegs abwerten möchte.
Es geht um den Schädel des Piraten Blackbeard, der zum verfaulten Körper findet. Hier hat HB ordentlich was dreinzukloppen.
Auch wieder was gelernt: „Mr. Scratch“ ist der Teufel in frühen amerikanischen Volkssagen. Na ja, das muss man ja wissen, wenn man The Simpson sieht...
„Die Kapelle von Moloch“ - Mignolas aktuelle HB-Story (als Zeichner). Er erfindet einen Ritterorden (um sich nicht vorwerfen zu lassen, dass er nicht historisch korrekt sei, wenn er auf reale Figuren zurückgreift) und leistet by the way eine Hommage an den Künstler des Unheimlichen, Goya. Sehr fein!
Nun, auch wenn ich mich inhaltlich etwas ausgebremst fühle, da die großen, unheilvollen Entwicklungen,die Mignola in Band 10 ankündige, kein Stück vorwärts gekommen sind, so ist der Band aber sehr schön, abwechslungsreich, lehrsam, wie man lesen konnte. Insofern eine Empfehlung!


- geschrieben für buchrezicenter.de -


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Prog Rock Future Psychedelic Reise im Kleinformat

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2011 04 Februar 2011 · 964 Aufrufe

Arjen A. Lucassen & Wilko Müller jr.
"Die Reise ins Elektrische Schloss"

Lyrik in Prosa umzusetzen ist wohl nicht so einfach. Wilko Müller jr. hat es versucht. Das Ergebnis: Das Experiment ist gelungen!
Zunächst die Form: Das Buch hat die Bezeichnung „Taschenbuch“ wahrlich verdient; was ansonsten so als TB angeboten wird, passt allenfalls in einen geräumigen Rucksack. Dieses kleine Büchlein kann man aber bequem in jede Jackentasche stecken.
Das Buch umfasst knapp 50 Seiten. Damit bietet es Platz für eine Erzählung, die der geübte Leser während der Straßenbahnfahrt zur und von der Arbeit schafft. Ich denke, man braucht nicht länger als das Doppelalbum Laufzeit hat; wahrscheinlich sogar weniger.
Das Coverbild von „radu-jm“ ist toll; allerdings könnte es den Leser in die Irre führen, denn es erinnert eher an ein Fantasy-Sujet. Es lehnt sich aber an die Covergestaltung von Jef Bertels des Musik-Albums an, auf dessen Grundlage die Erzählung entstand. Auch darauf ist das „elektrische Schloss“ kein hypermodernes Raumschiff.
Wilko hat die Texte und die Idee des Prog Rock Konzeptalbums des Musikprojektes AYREON, „Into The Electric Castle“, zur Vorlage für eine philosophische SF-Story genommen. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich mich - trotzdem ich das Album mehrmals mit Begeisterung hörte - mich nie mit dem Inhalt befasst habe. Doch scheint dem Schöpfer, Arjen A. Lucassen, sehr viel an der Aussage seiner Lieder gelegen zu sein.
Was ist das nun für eine Story?
Da werden also Leute verschiedener Zeitalter in ein „elektrisches Schloss“ entführt. Das Schloss ist wohl eher was Futuristisches, nur können es der Ritter, der Römer, die Indianerin, die Ägypterin kaum als solches erkennen. Der Hippie wohl auch nicht, da er ohnehin bis zum Schluss glaubt, er habe einen Drogentraum, der ihn eine Inner Space Reise machen lässt. Wobei dies auch nicht so verkehrt ist.
Am Ende werden sie über den Sinn ihrer Entführung und eines gewaltigen Experiments aufgeklärt.
Ich kann das kleine Büchlein nur sehr empfehlen. Es ist etwas Besonderes, ein Kleinod. Wer die Musik Ayreons mag, MUSS es ohnehin haben. Nur darf man nicht zu viel an Action erwarten, da bleibt die Erzählung etwas zaghaft. Es sind mehr die verwunderten Gedanken der Protags, dann ihre philosophischen Überlegungen und Gedankensplitter und die schöne Message am Ende, die die Erzählung tragen. Der Text bleibt für meinen Geschmack etwas zu kurz; man kann kaum mit den Personen warm werden. Doch mag dies an der Art der Vorlage liegen. Nun, Lucassen hat damit die SF nicht neu erfunden; man fühlt sich sofort an „Flusswelt“ erinnert.
Was hat es mir gebracht? Na, habe sofort weiderholt das Album laufen und höre mehr auf den Text.


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Januar 2011

Geschrieben von T.H. , 28 Januar 2011 · 1.264 Aufrufe
Meine Leseliste 2011
Walker Percy: „Das Thanatos-Syndrom“ - Nach William Gay nun noch einer aus der Liste der Südstaaten-Autoren, die man findet, wenn man nach southern gothic sucht. Entgegen Gay ist Percy allerdings weniger pathetisch, weniger melancholisch. Dafür nimmt er mehr Bezug auf Traditionalismus, betont den Süden als besonderes Umfeld, wenn auch nicht immer das beste, in diesem speziellen Fall ist sogar ein etwas verrücktes. Allerdings scheint diese Mischung verschiedener Nationalitäten und Mentalitäten ein spezifisches Problem Louisianas zu sein.
Na, mir hat es großartig gefallen!
Als Köder steht auf dem Cover: „Eine Mischung aus James Bond, Sherlock Holmes und Father Brown“. Nun, wer sich davon anlocken lässt, hat ein Problem, denn von keinem Genannten hat meiner Meinung nach Dr. Tom More auch nur ein Stückchen. Ach ja, der Name: Es soll ein Verwandter des bekannten Sir Thomas Morus sein; vielleicht hat er sogar etwas und nomen est omen, aber nicht unmittelbar. Der Doc ist ein aufgeklärter und abgebrühter Zeitgenosse in den 80er Jahren. Damit eckt er mitunter an, nicht nur bei den traditioneller Eingestellten, sondern auch bei skrupellosen Fortschrittsgläubigen.
Nach einer Haft von 2 Jahren wegen illegalem Drogenhandels führt er seine psychiatrische Praxis weiter. Das ist nicht einfach, denn er muss sich ja bewähren. Er stellt Seltsames fest: Seine Patienten heilen komischer Weise. Sie zeigen aber abnorme Verhaltensweise, sind super-schlau, reagieren aber wie Computer und fallen in sexueller und verbaler Hinsicht auf. Es gibt eine örtliche Verschwörung. Weltanschauung, Ethik, Religion insbesondere, spielen eine große Rolle, es wird Bezug genommen auf die Psychiatrie vor dem 3. Reich. Na, ich befürchte, hätte dies so ein deutscher Autor geschrieben, müsste er sich sicher den Vorwurf der Relativierung der Nazi-Diktatur erwehren. Doch Percy zeigt eigentlich nur, wie anfällig man in seiner Gesellschaft für ähnliche Gedanken ist. - Ein tolles Buch, sicher etwas geschwätzig, auf alle Fälle überaus unterhaltsam.
9 / 10 Punkte

Robert E. Howard: „Rächer der Verdammten. Die Abenteuer des Solomon Kane“ Terra Fantasy, Bd. 17. Mich dürstete es nach „puritanischer Fantasy“. Den relativ aktuellen Film „Solomon Kane“ habe ich noch nicht gesehen, aber ehe ich ihn mir ansehe, wollte ich mal was darüber lesen. Auch mit dem Comic liebäugle ich. Nun ist es aber gar nicht so einfach, die ollen Kamellen zu bekommen, teilweise sind die ja richtig teuer... Ein Buch habe ich aber mir zugelegt.
Eine erste Überraschung: Der Übersetzer war Eduard Lukschandl! Der Mann macht ja (wie ich jetzt auch wieder) bei der APA F.A.N. mit! Das wusste ich gar nicht, dass er einst auch übersetzte; das Buch erschien bei Bastei 1968.
Das Buch? Also, sind vier Stories, davon eine sehr kurze über eine rächende Hand. Ein zu Tode Verurteilter wollte, dass ihm vorher die Hand abgeschlagen wird, die sich dann a la eiskaltes Händchen auf den Weg der Rache begibt.
Die wichtigste Story ist „Königreich des Schreckens“, in der der gerechte Puritaner aus dem England des 16. Jh. in Afrika die Tochter einer reichen Familie sucht und bei einer vampirsken Königin mit Weltmacht-Allüren findet. Die hätte Kane zwar auch geheiratet, aber unser Held ist da unbestechlich. Wie wohl des öfteren bei Howard spielt hier das Erbe von Atlantis eine große Rolle, Kane begegnet dem allerletzten Atlantiden.
Die 3. Story heißt „Schwarze Schwingen“; darin wird Kane mit bösartigen Vogelmenschen auch in Afrika konfrontiert.
Zum Schluss wird der Leser ins mittelalterliche Schottland versetzt; also, ich glaube es ist Schottland. Es tummeln sich da eine Menge Typen verschiedener nordischer Herkunft, Wikinger, Dänen etc. Eine kleine Statue aus der Zeit der Pikten beschwört altertümliches Unheil herauf.
Es wird insgesamt viel gehauen und gestochen. Howard in der Übersetzung) hat eine schöne, ausgefeilte Sprache. Das ist eine wahre Lese-Freude! Insgesamt konnte mich das Ganze aber inhaltlich nicht so völlig überzeugen, zu wenige sense o wonder, zu wenig Relevanz. Nur dieses Herüberdämmern des Uralten verleiht den Stories etwas Tiefe.
7 / 10 Punkte

Axel Hacke & Giovanni Di Lorenzo: „Wofür stehst du?“
„Was in unserem Leben wichtig ist - eine Sucht“ heißt der Untertitel. Die beiden prominenten Autoren sind etwas älter als ich, aber dennoch bin ich wohl in dem Alter, wo so eine Frage sozusagen in der Luft steht. Irrungen und Wirrungen haben die Beiden also auch hinter sich. Ob das Resultat der Entwicklung zufriedenstellend ist, darf ruhig in Frage gestellt werden. Ja, ich erkenne mich in Vielem wieder. Dies macht die Lektüre wertvoll. Darüber hinaus sind die Kindheits- und Jugenderinnerungen insgesamt sicher nicht so spannend, dass sie für sich genommen so interessant sein könnten. Nee, das nicht. Aber ich konnte viel darin anstreichen und nachdenken; insofern...
9 / 10 Punkte

Otto Basil: "Wenn das der Führer wüsste" - recht gute Alternativ-Geschichte und SF-Satire
8 / 10 Punkte

..nur angefangen, erst mal weggelegt:
Volkmar Weiss: "Das Reich Artam"
- keine Wertung - aber bisher nicht so dolle.. -

...noch ein Abbrecher: W. Kotzwinkle: "Filmriss" - Ich wollte das Buch in Zuge meiner "Nazis in der Phantastik"-Lesetour lesen. Aber irgendwie hat es der Autor wieder nicht geschafft, mich in seine Bann zu ziehen. Die beschriebenen Typen gingen mich einfach nichts an. Das passiert mir nun schon das dritte Mal bei Kotzwinkle; also, das ich's nicht versucht hätte, kann man mir nicht vorwerfen.
- keine Wertung -

Jack Ketchum: "Die Schwestern" - ein Horror Western, so bezeichnet es der Autor selbst, der Nachwortautor besteht auf der Bezeichnung Weird Western. Nun ja, ich denke, Horror passt besser. Oder auch nicht, denn es ist vom Sujet her ein Western, der teilweise recht gewaltsam gestaltet ist. Unheimlich wirkt das Ganze auf mich nicht, und wenn man unter Horror die expliziete Beschreibung von Gewaltszenen versteht, na gut, dann ist das eben Horror...
Ist aber egal; die Novelle ist großartig, sehr eindrucksvoll! Interessant, dass hier Frauen im Mittelpunkt stehen, die sich der allgegenwärtigen Gewalt erwehren wollen, ähnlich wie in dem Buch, dass ich im Anschluss lese: Lansdales "Kahlschlag"; na ja, muss wohl ein wichtiges Thema sein in dieser Gegend.
Ach ja, dann war da noch die Assoziation mit McCarthys "Abendröte im Westen"... spielt etwas zur gleichen Zeit, also nach dem amerikanisch-mexikanischen Krieg.
9 / 10 Punkte


Auch wenn der Januar noch nicht ganz vorbei ist, so mache ich hier den Sack schon mal zu, denn das Buch, das ich gerade in der Mangel habe, wird mich noch über die Monatsgrenze hinaus beschäftigen. Und das wird dann auch mal wieder richtig gut, vermute ich...






Motto

„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 
Arno Schmidt
 
Er weiß nun auch, was er gegen die … lauernde Stupidität, die sich als Realismus ausgibt, zu tun hat: das Bild von Wirklichkeit eingrenzen, sie mit ästhetischem Maß und nur mit diesem messen, den Schritt in surreale Reiche wagen."
(aus: Gunnar Decker: Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns. Eine Biographie. S. 201)

 

 

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

Angehängtes Bild: Demiurg_g.jpg

© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

 

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

 

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.

 

 

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Neueste Kommentare

Archiv

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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
 Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990
 Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
 Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
  Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
 Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
 Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
 Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
 Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
 Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
 N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
 Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
 Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
 Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
 Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
 Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
 Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
 Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
 Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
 Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
 Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011
 A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
 Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016
 A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)
 Peter Schünemann, "Nachtmahr", Ed. Dunkelgestirn, 2023
 Andreas Fieberg & Ellen Norten (Hrsg.): RÜCKKEHR NACH BLEIWENHEIM, p.machinery, 2023

 "Angst im Empire", hg.v. Reinhard Klein-Arendt, Ed. Dunkelgestirn, 2024
 Jörg Weigand, "ISABELLA. Eine ganz besondere Liebe" p.machinery, 2025

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Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
 Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
 Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
 Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
 Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
 Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
 Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
 Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
 Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001
 Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
 C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
 Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
 Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
 Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
 Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
 G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
 M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
 Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
 Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
 Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
 Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
 Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
 Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
 Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
 Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
 Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
 Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
 Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
 Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
 Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
 Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012
 "Saramees Blut", Atlantis 2012
 M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013
 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
 Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
 Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017
 Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
 Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
 IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
 Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften, Memoranda, 2020
 Fahrenheit 145, Buch zum 15. ElsterCon, 2020
♦ Angela & Karlheinz Steinmüller: Pulaster, Memoranda, 2021
♦ (N)IRGENDWO (N)IRGENDWANN. Utopie und Humor. Begleitband zum ElsterCon 2022
♦ Goblin Press. Die frühen Jahre: 1990 - 2004. Eine illustrierte Dokumentation von Uwe Voehl, Lindenstruth 2022
♦ Hubert Katzmarz: Im Garten der Ewigkeit, p.machinery, 2022

 Angela & Karlheinz Steinmüller: Computerdämmerung, Memoranda, 2023

 Andreas Fieberg (Hrsg.): ABSCHIED VON BLEIWENHEIM. In memoriam Hubert Katzmarz MMXXIII, p.machinery, 2023

 Hubert Katzmarz: EIN MEISTERWERK DER WELTLITERATUR, p.machinery, 2023
 

 
Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016
Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018
!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020
!Time Machine 4, Januar 2021
Der neue Pegasus Nr. 2, April 2021

!Time Machine 5, Oktober 2021
!Time Machine 6, Januar 2022
!Time Machine 7, Januar 2023

!Time Machine 8, Januar 2024
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Fanzines
aktuell & laufend NEUER STERN, Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte
TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019
TERRAsse zum PentaCon 2021
REISSWOLF S5, 2024
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CD-Cover
 The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
 Syngularity: The Four Horsemen; 2000
 Gothica: Within A Dream; 2000
 Gothica: Into The Mystic; 2000
 The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
 Gothica, Workbook 1995, 2003

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