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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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Hofmanns Sommerliche Leseliste

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 09 August 2023 · 1.034 Aufrufe
Christian Kracht, Ellen Norten und 1 weitere...

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Urlaubszeit = Lesezeit? Bei mir noch nie. Im Gegenteil, da fehlt mir die Muße. Noch sind wir halt im Urlaub mehr auf Achse und ich komme nur wenig zum Lesen. Ist aber okay; ich brauche den kulturellen und sonstigen Input unserer Reisen.
Ich finde, diesmal habe ich ein paar wichtige Bücher gelesen (den Oschmann, Krachts „1979“), mir ein paar neue Horizonte erschlossen („Die zerrissenen Zwanziger“, Dion Fortune), auch mal neue Bücher bewusst jetzt gelesen (und nicht erst auf den SUB gelegt und vor sich hinschimmeln lassen – „Jamila tanzt!“ und „Café Meyrink“) und begonnen, LBM-Eindrücke zu vertiefen ( „Wie die Fliegen“).

 

Christian Kracht: „1979“
Eigentlich wollte ich das Buch schon lange mal gelesen haben. Nun folgte ich einer direkten Empfehlung meines Sohns, der auf einmal Kracht-Fan ist. Na ja, keine schlechte Wahl.
Das Buch hat zwei Teile, in denen aber derselbe Protagonist zwei Stationen seiner Reise beschreibt. Einmal im Iran der Revolutionszeit. Dort verliert er seinen Freund an den Drogen. Der Wirrwarr um ihn herum wird eher wie eine Kulisse wahrgenommen; geht einen nicht so recht was an. Aber irgendwie wirkt diese Kulisse dennoch bedrohlich.
Im zweiten Teil geht es in den Tibet. Auch nicht besser. Mal abgesehen von dem religiösen Hintergrund (Berg umrunden) wird es auch hier sehr gefährlich. Der Protagonist wird von den chinesischen Behörden aufgegriffen und in ein Umerziehungslager gesteckt. Keine Ahnung, ob das westlichen Leuten wirklich passiert ist. Nach ihm fragt niemand, keiner scheint ihn zu vermissen. Und er? Er arrangiert sich mit diesem harten, quälenden Leben (oder Sterben) dort. Hätte ich so nie gedacht. Der Protagonist ist ein der Dekadenz verfallener westlicher bürgerlicher Schnösel, eher der feine Herr. Dass er da nicht sofort umkommt, ist schon ein Wunder. Aber er nimmt diese Strafe (wofür eigentlich?) und die Umerziehung zum strammen Maoisten (obwohl Mao gar nicht mehr da ist) an. Irritierend und beängstigend.
9 / 10 Punkte

 

Virginia Kidd (Hg.): „Futura“
Ein Heyne -Erzählungsband, den ich mir vor allem wegen einer Geschichte zugelegt habe. Darin ist nämlich der Kurzroman von…
Ursula K. LeGuin, „Das Auge des Reihers“, enthalten. Mit dem Text habe ich die Lektüre auch begonnen.
Ja, LeGuin ist wieder großartig! Hier geht es um einen Planeten, der von Menschen als Verbannungsort, als großes Gefängnis genutzt wird. Sozusagen ein planetares Australien. Die erste Gruppe waren tatsächlich Kriminelle, die zweite dann aber Pazifisten, die den öffentlichen Un-Frieden störten auf der Erde. Dort herrscht Krieg, sicher so eine Kalter-Kriegs-Fortsetzung zwischen den Weltsystemen. Pazifisten aller Länder hatten einen großen Marsch durch Europa durchgeführt und als sie auf den amerikanischen Kontinent übersetzten, wurden sie gefangen gesetzt. Sie wollten ihre eigene Stadt bauen, nun können sie das ja auf Victoria.
Die beiden Siedlergruppen sind nun auch in einer Art gegenseitiger Abhängigkeit und einem hierarchischen System verbunden. Die ersten sind die Herrscher, die Pazifisten werden von ihnen eher als Arbeitskräfte und vielleicht sogar Sklaven angesehen. Die Pazifisten leisten passiven Widerstand, suchen aber für sich auch Auswege aus dem Dilemma. Indem sie neue Landstriche als Siedlungsgrund suchen. Natürlich kommt es zu Konflikten.
LeGuin nutzt dies mal wieder, exzellent solche gesellschaftlichen Modelle und Konflikte darzustellen und auszumalen. Sie zeigt, wie mir das kaum irgendwo anders vorgekommen ist, wie pazifistischer, passiver Widerstand funktionieren kann (dann aber trotzdem an seine Grenzen gerät) und welchen Ausweg es geben kann. Man muss sich einig sein (wird hier auch ideologisch manifestiert; die Pazifisten sind es aus Überzeugung und sind bereit, für ihre Ideale einzustehen). Dann formuliert man konkrete Forderungen, die dem Gegner zwar Privilegien rauben, aber erfüllbar sind, deren Existenz halt auch nicht in Frage stellt und gibt bekannt, dass man so lange eigene Verpflichtungen (Arbeiten) nicht nachkommen wird, bis die Forderungen erfüllt sind. Man wird keine Waffen benutzen, keine Gewalt ausüben und wird auch Gewalt der Gegner aushalten. Ja, klingt hart, ist es auch…
10 / 10 Punkte
Aber es sind ja noch mehr Stories enthalten:
Cynthia Felice, „Keiner hat gesagt, es sei für immer“. Damit konnte ich nix anfangen. Ein Pärchen lebt sich auseinander, weil sie immer mal ihrer Jobs wegen in andere Orte versetzt werden und damit ihr Zusammenleben in Frage gestellt wird. Wer unterwirft sich wem? Vielleicht ist hier interessant, dass eben nicht vorausgesetzt wird, dass SIE sich IHM und seinen Job-Zwängen unterwirft. Zumal sie den besser dotierten, aber wohl nicht ganz ungefährlichen Job hat (abgelegenes Einsatzgebiet, wo die „bösen Russen“ sie bedrohen könnten, also irgendwas mit Spionage – wird aber nicht ausgeführt, und hat für die Story auch keine wirkliche Bedeutung). 4 / 10 Punkte
Auch die folgenden Stories gaben mir kaum was: Diana L. Paxon: „Das Heldenlied des N’Sardi-el“ – so eine Science-Fantasy-Sache mit Familienkonflikten im Weltall; Elisabeth A. Lynn: „Die Geschichte von Jubiläa“ – über sich selbst behauptende Frauen (hier hab ich mich gefragt, warum diese Story überhaupt ein SF-Gewand trägt, bzw. in einer SF-Anthologie enthalten ist). Sind ja 2 große Namen, aber mich haben ihre Stories nicht abgeholt.
Ganz gut fand ich „Mab Gallein, Bordarzt a.D.“ von Cherry Wilder. Eine Raumschiffärztin muss loslassen lernen. – Die vier Geschichten haben alle auch den Vorteil, kurz zu sein – falls sie einem (wie mir) nicht gefallen… Vielleicht ist das aber auch ein Nachteil, da die Geschichten sich nicht entwickeln konnten.
Das ist bei Joan D. Vinge, „Phönix aus der Asche“, dann schon anders. Anfangs kam ich schwer rein, aber es entwickelte sich und am Ende fand ich die Story recht gut.
Nach dem Untergang der Zivilisation leben die Leute auf dem nordamerikanischen Kontinent in so einer Art neuem Mittelalter. Aber aus Südamerika stoßen Flugmaschinen vor, die nach Bodenschätzen und Erdöl suchen; dort scheint sich die Zivilisation erhalten und weiterentwickelt zu haben. Ein Pilot aus Brasilien (der Hoffmann heißt) stürzt auf dem Feld eines solchen Mannes aus dem Norden ab. Dessen Tochter nimmt ihn auf und die beiden werden ein Paar. Klingt unspektakulär, aber das alles ist halt auch eine konfliktreiche Kontakt-Story – Kontakt zwischen verschiedenen Stufen menschlicher, ethischer Entwicklung. Schade nur, dass man bei dem Neubeginn nach dem großen Knall nicht auf das Unterdrückergehabe verzichten konnte (Quasi-Feudalwesen + Männermacho-Vormachtstellung). Alles widerholt sich? Aber das Paar findet sich, rauft sich zusammen und wird glücklich. Na schön.

 

Jung Wien 14: „Die zerrissenen Zwanziger“
Eine Anthologie aus dem Hause Brot und Spiele. Der Kurzgeschichtenverlag, 2022
Eine LBM-Entdeckung. Nachdem es den Aarachne-Verlag mit seinen Anthologien nicht mehr gibt, dachte ich, schau mal, was der österreichische Nachwuchs so macht. Na ja, lässt sich schlecht vergleichen. Einmal sind bei Aarachne ja gar nicht „nur“ Österreicher veröffentlicht worden und außerdem gabs bei Aarachne Phantastik. Bei Brot und Spiele eher nicht. Wobei dort auch Klassiker, wie Meyrink veröffentlicht werden.
Hier also eine Antho mit österr. Autoren und Autorimmen, die mir allesamt unbekannt waren. Dabei haben einige schon was veröffentlicht. Eine Autorin sogar Fantasy.
Die 20er sind hier einmal ein Abschnitt im Kalender – wobei die „goldenen“ 20er des 20. Jh. mit denen dieses Jahrhunderts vergleichen werden, aber die Protagonisten sind halt auch in dem Alter = 20er Jahre, bzw. erinnern sich an diese Zeit.
Corona spielt eine Rolle, als nur Bedrohung – sie wird tatsächlich in Beziehung zu alten Krankheitsbedrohungen gesetzt – zu AIDS, zu Cholera. Was machen die Umstände mit einem? Die jungen Leute (20er) werden durch Corona ausgebremst, aber damals halt auch schon.
Es sind sehr unterschiedliche Stimmen, von denen mir einige sehr gut gefielen. Die historische Erzählung des Herausgeber Max Haberich z.B., auch die Josephine-Baker-Story von Ida Leibetseder und die kurzen Texte = Prosa-Gedichte von Lorena Pircher u.a.
(Das Cover fehlt oben auf dem "Gabentisch" - weil ich das Buch zur Zeit verborgt habe. Dafür hier jetzt mit Link.)
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8 / 10 Punkte

 

Ellen Norten: „Jamila tanzt!“
„Magische Science Fiction“? So stehts als Untertitel auf dem Umschlag. Nun gut, ich würde es eher als Splatter-Märchen… Ach, das wäre sicher auch nicht korrekt. Also, es ist ein Märchen, von Flüchen, die Menschen heimsuchten und die sich von diesen zu befreien trachten. Es ist ein Märchen vom Kampf guter gegen böser Personen. Es gibt Tiermensch-Wesen und andere mythologisch anmutende Tiere, eine Hexe, und alles spielt im „Kleinen Muck“-Land, im arabisch anmutenden Orient. Wobei es weder eine zeitliche, noch eine geografische Einordnung gibt. Dafür gibt es poetische Weltraum-Beschreibungen Übergänge zu fremden Welten, aber all das bleibt im Märchen-Ton – unterbrochen wird der nur, wenn es zu harten Auseinandersetzungen kommt – und dann rollen Köpfe, Schädeldecken und Blut fließt. Wow! Also, eher kein Märchen für Kinder zur guten Nacht.
Der Roman ist rasant und unterhaltsam, spannend und hat auch ein gutes Ende (wie für Märchen ja wohl zu erwarten). Also, mir hat’s gefallen; im NEUEN STERN stelle ich ihn näher vor.
9 / 10 Punkte

 

Dirk Oschmann: „Der Osten: eine westdeutsche Erfindung“
Ja, darf der denn das? Seine (vor allem westlichen) Kollegen meinen: Nein.
Tja, was soll ich schreiben? Ich bin Ossi, und natürlich tut es mir weh, wie viele meiner „Landsleute“ so auf das Leben im vereinten Deutschland reagieren. Und ich war ja anfänglich, also zu Beginn der 90er auch sehr gegen diese Wiedervereinigung. Auch für mich war das ein Bruch in der Biografie (ziemlich harsch, aber wer weiß, wozu es gut war…) – übrigens haargenau so, wie Oschmann es in seinem Buch schreibt – nicht zuletzt DAS hat mich von dem Buch auch überzeugt. Und ich war sicher nicht immer ein „fairer“ Diskutant, wenn es um solche politischen Fragen ging. Aber ich habe mich eingefunden in dieses neue Land. Und nun schreibt jemand, dass viele Leute sich eben nicht da eingefunden haben—wobei er eben nicht nur die „Ossis“ meint, sondern halt auch die Westdeutschen.
Muss ich jetzt nicht weiterdiskutieren, aber muss auch gestehen, dass mir das Buch sehr viel brachte und ich aber vermute, dass es nur im Osten wahr genommen wird, als Bestätigung, als Erklärung. Wünsche mir, dass es im „Westen“ auch wahrgenommen wird und zum Nachdenken anregt.
(ohne Wertung)

 

Samuel Hamen: „Wie die Fliegen“
Nah-SF, Dystopie, für mich auch Nachbereitung der LBM 2023. (Autor auf Lesung von vier Luxemburger Autor*innen erlebt)
Die „Akademie“ (ziemlich mächtige Institution) schickt einen Ermittler in die Provinz, um das Verschwinden eines jungen Mannes aufzuklären. Was er dabei feststellt, ist, dass die Fliegen sich seltsam verhalten. Okay, das klingt schräg, oder?
Die Krimi-Handlung nimmt eine scharfe Wendung, ist aber auch sonst eher von sekundärer Wichtigkeit. Interessanter sind die gesellschaftlichen und anderen Auswirkungen der Klimaänderungen, die hier beschrieben, oftmals nur skizziert werden.
Migration ist täglich Brot, also, nicht nur aus „dem Süden“, sondern auch innerhalb Europas. Es gibt mehr oder wenige gut bewohnbare Zonen, die sich auch ändern können. Die Leute haben keine freie Bewegungsmöglichkeit mehr; alles wird dirigiert.
Widerstand gegen staatliche Überregulierung formiert sich in einer Art Jugend-Musik-Subkultur; Flucht, das Abseilen aus den Zwängen wird primäres und geheimes Ziel der Menschen.
Dazu kommt noch etwas Geheimnisvolles, eher irrational Erscheinendes: „die Materie“, die von einem „Institut“ verwaltet wird. Dieses Motiv mildert die Aussagekraft des Romans leider ab, obwohl es mir als Phantasten ja gefallen müsste. Aber der surrealistische Touch, den das Buch dadurch erhält, reduziert seine Aussage.
8 / 10 Punkte

 

Helge Lange: „Café Meyrink“
Eine schöne Dark-City-Variante – über die Unmöglichkeit eines Ortes und die Unmöglichkeit , ihn zu verlassen.
Da wacht jemand mit Kater in einem ihm unbekannten Kellerraum auf. Doch nicht nur der Keller, auch alles drum herum ist ihm unbekannt. Außerdem hat er eigentlich alles vergessen, einschließlich seines Namens. Was ihm dann aber schnell sehr komisch auffällt, ist der Umstand, dass er das Stadtviertel (er ihm unbekannten Stadt) nicht verlassen kann; sein Bewegungsradius ist enorm eingeschränkt.
Alle Versuche, diese seltsame Grenze zu überschreiten, schlagen fehl. Er gewinnt in seinem neuen Leben neue Freunde, die auch unter diesem Phänomen leiden – ohne es aber zuvor wahrgenommen zu haben.
Ansonsten bietet der Roman Freunden alternativer Musik (Metal, Gothic) viele emotionale Anknüpfungspunkte. Auch wenn es mitunter ins Surrealistische und Bizarre abdriftet, bleibt der Erzählstil realistisch. Nur das happy end erschien mir etwas erzwungen.
9 / 10 Punkte

 

Günter Schenk: “City-Trip Liverpool“
Zur Reisevorbereitung gelesen. Ja, ich führe hier auch mal so ein typisches Reisebuch auf. War nämlich gut, bot mir alles, was ich im Internet sonst mühselig zusammen suchen müsste. Plus Stadtplan, was will man mehr. Nur die App ist eigentlich irgendwie gar keine, sondern eine Webseite. Und wenn es Probleme mit der Erreichbarkeit gibt, nützt die nicht viel. Offline rules!
10 / 10 Punkte

 

Dion Fortune: „Glastonbury“
Jetzt wird’s esoterisch? Ja, ein bisschen, aber weniger als ich dachte. Eher historisch (wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob die historischen Angaben so auch stimmen). Auch das Buch diente mir zur Reisevorbereitung. Es bot aber eher eine Einstimmung auf diesen „mystischen“ Ort – „Das englische Jerusalem – Avalon und der heilige Gral“. Na ja, ich gebe es zu, das war so eine Art Sehnsuchtsort für mich. Mehr dazu in einem NEUEN STERN.
Ohne Wertung

 

Matthias Senkel: DUNKLE ZAHLEN
schon mal hier vorgestellt.
satte 10 / 10 Punkte




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Leseliste April bis Pfingsten 2023

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 28 Mai 2023 · 1.531 Aufrufe
Waldtraut Lewin, Alex Garland und 3 weitere...

Der Mai läuft noch, aber nur noch ein paar wenige Tage und außerdem ist Pfingsten eine schöne Zäsur. Daher hier meine nächste kleine Leseliste.
Stelle fest, dass ich einfach nicht schneller lese als manch andere*r Buchliebhaber*in, auch wenn ich es mir noch so sehr vornehme. Dennoch bin ich sowohl mit meinem Pensum, als auch inhaltlich sehr zufrieden.
Derzeit steht mein Lektüreplan im Zeichen einer bevorstehenden Veranstaltung des Freundeskreis SF Leipzig e.V., Ende Juni, da soll nämlich der Leipziger Ausnahme-Schriftsteller Matthias Senkel zu Gast sein. Ich merke, dass es sich echt lohnt, seine Bücher zu lesen - für den Phantastikfreund, als auch für den Liebhaber eher experimenteller Literatur. Sein Hauptwerk (aus meiner Sicht) hab ich noch in der Mache. Werde aber erst nach Pfingsten fertig damit - und dann geht's an die Vorbereitung, ich darf seine Lesung nämlich moderieren.
Der Knaller dieser kleinen Saison war aber der neueste Roman von Clemens J. Setz. Meine Entdeckung des Jahres (noch vor Senkel, der für mich ja auch neu und sehr überraschend ist). Ich weiß genau, das ich von ihm noch mehr lesen muss und werde (Bücher stehen schon bereit).

 

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Clemens J. Setz: „Monde vor der Landung“
Ein großartiges Buch! Bin ziemlich begeistert, auch weil es – entgegen meiner Erwartung – den Parawissenschaftler nicht vorführt und ihn nicht lächerlich macht. Die Gefahr besteht ja, und sicher kann man sich auch über die verrückte Theorie des Quasi-Privatgelehrten Peter Bender lustig amüsieren, der davon ausging, dass die Erdoberfläche, auf der wir herumlaufen, nicht die Außen- sondern die Innenseite einer Kugel darstellt. Schauen wir also hoch, zu den Sternen, sehen wir nicht nach außen, sondern ins Innere einer Kugel, die mit apfelsinengroßen Leuchtkörperchen gefüllt ist. Ja, klingt lustig.
Der Roman konzentriert sich auf diese Ideen, wenn er über die Ideenwelt des Peter Bender erzählt, aber der Mann war wohl noch so einige mehr. Und auch wenn reaktionäre Kräfte gern solche Ideen jenseits des etablierten Wissenschaftswege für sich aufgegriffen haben, um ihr eignes Weltbild zu komplettieren, so war Bender weit weg von der Nazi-Ideologie, auch entfernt von deren okkulten Wurzeln. Das sollte mal erwähnt sein, denn es gibt so ein paar Schlagzeilen im (virtuellen) Blätterwald, die etwas anderes suggerieren.
Mir wurde der „Verrückte“ sympathisch, trotz seiner ganzen Unzulänglichkeiten, denn die hatte er zur Genüge, war mitunter enervierend lebensuntauglich.
Jetzt (Anfang April 23) freue ich mich auf die Leipziger Buchmesse, Ende April, und die Lesung / Veranstaltung des Autors in der Nationalbibliothek in Leipzig. Plätze sind gesichert.
11 / 10 Punkte

 

Roger Zelazny: „Straße der Verdammnis“
Endlich mal den Film gesehen, also musste ich jetzt auch endlich mal den Roman lesen.
Also: Der Film = naja, so lala. Da hätte man auch schon damals mehr draus machen können. Wobei mir die „ruhige“, dadurch vielleicht realistischere Darstellung, gar nicht mal so sehr missfiel. Es gibt den Atomwaffenangriff auf die USA; der nicht vollständig abgewehrt werden kann und die Fahrt mit Spezialfahrzeugen durch eine atomar verseuchte und veränderte Landschaft und Natur – mit Riesenskorpionen, eindrucksvollen Himmelserscheinungen etc. Im Film muss ja eine Polverschiebdung, ausgelöst durch die Atombomben, bemüht werden, um die radikale Änderung der Natur zu erklären. Wobei die „Straße der Verdamnis“ durch genau dieselbe Wüstengegenden führt, in der wir 1000 Western schon gesehen haben.
Das Buch ist schon ziemlich anders – und vor allem so viel besser!
Hell Tanner ist ein echter Strauchdieb, nicht wie im Film, ein junger, etwas locker die Dachen angehender Typ, der höchsten den bad boy nach außen zur Schau stellt. Im Buch ist er einer, der letzte Rocker, ein erst mal ziemlich unsympathischer, egozentrischer, rücksichtsloser Raubmörder, wenn es sein muss.
Na ja, und was die Natur usw. anbelangt, ist sie im Roman auch eindrucksvoller beschrieben, auch die „Himmelserscheinungen“ (z.B. Regengüsse, bei denen gleich Fische, Haie mit vom Himmel fallen; steine usw. sowieso). Man kann sicher darüber wundern, ob das realistisch ist, dass nach einem Atomkrieg (der hier im Roman 30 Jahre zurück liegt und nur erwähnt wird) solche Mutationen (Riesenfledermäuse…) erzeugt werden könnten, aber wer weiß das schon; überprüfen können wir es ja nicht.
Der Roman ist eine runde Sache, die Sprache stimmt, es ist spannend, die Charaktere sind ambivalent, insbesondere der Protagonist. Der stammt mehr aus dem Team Clockwork Orange und endet als so etwas wie ein Held – ohne richtiges happy end (wie in dem Film, das war ja dann schon fast peinlich).
Buch: 10 / 10 Punkte

 

Matthias Senkel: „Winkel der Welt“
Ich habe Hausaufgaben aufbekommen. Der Freundeskreis SF Leipzig lädt zu seiner Juni-Veranstaltung (2023) den Leipziger Autor Matthias Senkel ein. Und da muss ja jemand moderieren. Man fragte mich. Leider kannte ich bis dato den Autor nicht. Eine sehr kurze Recherche ergab, dass mir die Sujets seiner Romane etc. durchaus interessieren. Ich sagte zu.
Nun, jetzt muss ich da durch! Ich fing mit dem Erzählungsband hier an. Er zeigt sicher schon recht gut Eindrücke vom Oeuvre des Autors. Mir haben die Stories zum Teil sehr gut gefallen, auch wenn sie mitunter nicht leicht konsumierbar sind. Oftmals sind es nur Bruchstücke, die aneinandergereiht werden. Man hat nicht immer einen geradlinigen Plot, manchmal lässt der Autor mich ratlos zurück. Okay, das kann natürlich eine gurte Grundlage für ein Gespräch mit dem Autor sein; aktuell weiß ich noch gar nicht, was ich ihn alles fragen soll; viel schwirrt mir im Kopf herum.
Im NEUEN STERN erzähle ich etwas mehr zu den Stories; die Romane sind auch schon auf der ToDo-Liste.
8 / 10 Punkte

 

Ben Bova: „Das Drogen-Paradies“
Der Titel, der sicher bekannter ist, lautet: „THX 1138“. Der Roman ist nach dem Film von George Lucas entstanden, auch 1971. Für mich war er richtig erhellend, den er beschreibt ausführlicher, als es der Film tut, was THX denkt, fühlt und für sich verarbeiten muss. Im Film spricht er ja oftmals nicht viel, man muss sich als Zuschauer viel dazu denken. Das ist legitim, hat mir den Film aber besser erschließen lassen. Das Buch war hier eine wohltuende Ergänzung. An manchen Stellen ist der Roman auch drastischer als der Film, z.B. was das Schicksal der Geliebten von THX anbelangt. Schlimme Sache…
Könnte die Geschichte zu den „großen Dystopien“ gezählt werden, in eine Reihe mit 1984, Schöne Neue Welt, Fahrenheit 451, Wir? Wahrscheinlich nicht, da es Elemente aus diesen aufgreift. Lucas hatte als Student noch an eine Kritik an damals gegenwärtige Zustände gedacht, die halt überspitzt dargestellt und extrapoliert werden sollten. Aber das macht ja jede Dystopie so. Und er war dabei, seine Bild- und Formensprache zu entwickeln. Das Visuelle steht sehr im Vordergrund. Auch okay und wichtig. Ein Roman nach einem Film kann halt auch nicht den gleichen Stellenwert wie ein originärer Roman, also z.B. wie der von Orwell, haben, auch einsehbar. Aber ansonsten besitzt die Geschichte sehr wichtige Gedanken über unsere Welt und wie sie mal aussehen könnte. Auch wenn wir uns dagegen sträuben, so diktatorisch und total überwacht, mit Konsum und Drogen „versorgt“ zu leben, so streng darauf geachtet, dass die menschliche Population nicht Überhand nimmt, weil eben die Ressourcen nicht reichen würden, so scheint es aber immer mehr eine realistischer Entwurf zu sein. Leider. Oder?
8 / 10 Punkte

 

Matthias Senkel: „Frühe Vögel“
Eine Alternativ-Historische Familiengeschichte des Raumflug-Wesens… na ja, nicht ganz. Ein Form-Experiment, das Gefahr läuft, den Inhalt zu verdecken… ja, aber das wäre auch nicht korrekt.
Der Roman ist in Form und Inhalt ungewöhnlich. Das „Experiment“, die Kapitel teilweise stückchenweise in einer nichtchronologischen Form abzudrucken und per „Sprungmarken“ dem Leser zu überlassen, die richtige Reihenfolge für sich wieder herzustellen, erschien mir dann doch halt etwas unnötig. Aber ich habe mich dran gewöhnt und hatte für ich beschlossen, mich davon nicht nerven zu lassen. Vielleicht kaschiert diese Form die tatsächlich fragmentarische Erzählweise, die die Geschichte quasi komprimiert. Es werden einfach Erklärungen weggelassen, die man sich aber als Leser selbst denken kann.
Dazu 100 Seiten Endnoten, ein Personenregister. Auch diese „Erklärungen“ sind keine, sondern erzählen etwas zu den Figuren hinzu. Amüsant ist das alles allemal!
Ansonsten verläuft die Geschichte der Entwicklung der Raumfahrt nicht so, wie wir sie kennen und greift auch in die Zukunft. Insofern ist es ein waschechter SF-Roman, was aber natürlich so nicht drauf steht.
8 / 10 Punkte

 

Alex Garland: „Manila“
Bin dabei, meine „Garland-Akte“ für den NEUEN STERN fortzuführen. Daher dieser Roman, der auch verfilmt wurde (The Tesseract). Eine schöne Studie in Sachen Blickwinkelbetrachtung und Synchronizität von Abläufen und Vorgängen, die sich dann – natürlich – überschneiden. Wobei das mehr auf den Film als auf das Buch zutrifft. Tatsächlich hat mir der Film, obwohl keine „große Produktion“, sogar besser als der Roman gefallen.
In der Hitze der Nacht in Manila (Film: Bangkok) gibt es eine Auseinandersetzung zwischen einem englischen Matrosen mit einem hiesigen Mafia-Boss, der sich auf krumme Geschäfte mit ihm eingelassen hat. Es kommt zu einer Schießerei, in die auch andere, eigentlich Unbeteiligte, hineingeraten.
Irgendwie gibt es einen philosophischen Überbau (Tesserakt), aber – ehrlich – ich habe das nicht verstanden
8 / 10 Punkte

 

Alex Garland: „Das Koma“
Thema: Was ist Traum, was Realität? Wobei, eigentlich steht das fest, aber dennoch will der Betroffene, einer der in der U-Bahn fürchterlich zusammen geschlagen wurde, aus dem Koma wieder erwachen. Er weiß, dass er träumt, und zwischendurch ist er sogar sich bewusst, dass er träumt, aber was er da träumt, gefällt ihm und also: Warum dann erwachen?
Eine hübsche Studie über den Sinn von Realität – und ein Wiederaufgreifen des Traum-Themas, dass er in „Manila“ auch schon aufgegriffen hatte. Da hatte ich es aber nicht verstanden, da der Traumsammler, ein reicher Mann, der so nebenbei auch Psychologe sein will, irgendwie wie das fünfte Rad am Wagen daherkam – also für die Story des Romans kaum was getan hatte.
9 / 10 Punkte

 

Waldtraut Lewin: „Der Sohn des Adlers…“
„…des Müllmanns und der häßlichsten Frau der Welt. Ein Märchen vom Eis und vom Feuer“
Bildungslücke geschlossen. Dieses „Märchenbuch“ meiner Lieblings-Autorin stand über 30 Jahre ungelesen im Regal. Ich mochte keine Märchen, die sich an Erwachsene richteten, aber im Ton halt Märchen (für Kinder?) waren. Aber jetzt bin ich ja alt genug für sowas…
Teilweise hat die komplexe, dichte, vollgestopfte Geschichte was von einer Fantasy-Vorstufe. Auf jeden Fall gibt es viel Wunderbares, phantastische Orte und Wesen, eine Helden-Reise, überhaupt einen Helden, nämlich den Sohn, der am Ende Feind und Freund zu einer Allianz zusammenschließt, mit der er dann große Dinge vollbringt.
8 / 10 Punkte

 

Waldtraut Lewin: „Kuckucksrufe und Ohrfeigen“
Kaum Phantastik, aber dennoch richtig gut. Zumindest zum Teil. Sogar mit einer dystopischen SF-Story („Das Karussell“), in der es um Umwelt-, speziell Luftverschmutzung geht. Die Story hat den Lewin’schen Ton ihrer Phantastik, ist aber „echte“ SF.
Den phantastischen Ton weisen auch andere Texte auf, sind aber primär Gegenwartserzählungen. U.a. auch die Story, aus der dann die Rockoper „Rosa Laub“ wurde.
8 / 10 Punkte

 

Ray Bradbury: „Der illustrierte Mann“
Auch hier: Endlich mal wieder gelesen, wollte ich schon lange mal. Und? Ja, war wieder großartig. Mir war gar nicht mehr bewusst, wie viele ikonische, wegweisende und so oft editierte Stories darin enthalten sind. Es gibt da so einige, die im Grunde in der Geschichte der Science Fiction x-mal kopiert wurden. Z.B. „Marionetten, e.V.“ – was macht „Surrogates“ (Comic, Film) anders oder gar besser?
Die Zukunft wird – traurig, sehnsuchtsvoll (habe immer noch – fast – Tränen in den Augen nach „Das Raumschiff“), tödlich – okay, das hat mich damals (las damals und las jetzt erneut die DDR-Ausgabe) vielleicht noch erschüttert, jetzt nicht mehr. Es kommt ja ohnehin nicht wirklich Gutes. Die Chancen hatten wir und dem Autor ist anzuerkennen, dass er damals im Golden Age der SF, als die Zukunft durchaus noch in die Gegenwart lockend strahlte, bereits ahnte, dass das alles gar nicht so toll wird: vollautomatische Häuser, Androiden, Raumfahrt, fremde Welten – alles ziemlich gefährlich…
10 / 10 Punkte




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Hofmanns Leseliste Februar & März 2023

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 02 April 2023 · 986 Aufrufe
Waldtraut Lewin, Strugazki und 2 weitere...

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Anne Harich: „Wenn ich das gewusst hätte… Erinnerungen an Wolfgang Harich“
Bin nicht so der Biografienleser. Doch dieser Mensch, Wolfgang Harich, hat mich nun doch ziemlich interessiert. Mein Urteil über das Buch fällt dann ziemlich euphorisch aus, aber ich muss gestehen, dass mir der Vergleich fehlt. Der Vergleich zu anderen Biografien. Verfasst wurde dies hier von der letzten Frau Harichs, die er kennen und lieben lernte, als er schon über 60 war. Sie war damals deutlich jünger als er. Ja, wo die Liebe hinfällt. Natürlich hat er sie irgendwann „allein gelassen“, das war absehbar.
Die Autorin ist sicher auch nicht objektiv, und sie schreibt sehr oft über ihre Liebe zum ihm usw., aber genau das ist ein Faktor für mich gewesen, das Buch mit großem Genuss zu lesen. Sie hat mir den als arroganten und streitsüchtigen und rechthaberischen „bildungs-bürgerlichen Philosophen“ sehr nahe gebracht.
Ich habe echt mitgelitten, denn W.H. wurde – sorry für den Ausdruck – auf ganzer Linie“ verarscht“. Alos, mehr als das. Wer Harich (und die Harich-Janka-Prozess-Sache) kennt, weiß ja, was ihm zustieß in den 50er Jahren. Danach kämpfte er um seine Reputation, war bei der Umweltbewegung / den (Wast-) Grünen aktiv, aber stieß fast überall auf Ablehnung und Ignoranz. In all seinen Kampffeldern war er meisten bis zum Ende allein. Ja, das ging mir echt an die Nerven. Dabei hielt er zur DDR und zum Sozialismus, obwohl er von dieser Seite am meisten betrogen und halt „verar…“ wurde.
Muss mal noch sein „Kommunismus ohne Wachstum“ lesen, unbedingt. Das ist ja heute aktueller denn je, auch wenn das mit dem „Kommunismus“ so nicht klingt.
Also, wenn man mich fragt, bin eher Team Harich, denn Team Janka. Iss so.
Begleitend gelesen: „Philosophische Gespräche 43. Ins Nichts mit ihm!...“ Das Heft des Helle Panke e.V. zur Nietzsche-Debatte in der DDR. Dass es die in der 2. Hälfte der 80er gab, das hatte ich damals schon sehr bewusst und staunend verfolgt, soweit das möglich war. Dass da viel mehr hätte los sein müssen, zeigt sich ja in dem Buch hier…
10 / 10 Punkte

 

Waldtraut Lewin: „FEDERICO“
Endlich! Lieblingsbuch wiedergelesen – Lieblingsbuch von 1983 (ca., weiß es nicht mehr 100%ig – war das noch als Schüler, oder schon als Student? Eher noch als Schüler)
Was habe ich in diesem dicken Roman geschwelgt. Was für eine Figur, dieser Stauferkaiser Friedrich II., Nachfahre Barbarossas, und Quasi-Vorläufer der Renaissance-Fürsten. Ich habe ihn geliebt und gehasst. Der Typ vereint Extreme, halt so ein Machtmensch, als Kind schon, ein Vergewaltiger und ein Universal-Wissen-Akkumulator. Kein typischer, des Schreibens unkundiger Feudalherr mit einem intellektuellen Horizont bis zum Rand seines Schilds. Dabei politisch zwischen allen Stühlen sitzend und am Ende scheiternd. Legt sich mit dem Papst an, verbündet sich mit den Sarazenen und Arabern Siziliens, sitzt mit „Ungläubigen“ aus dem „heiligen Land“ lieber an einem Tisch und diskutiert als dass er mit dem Schwert in der Hand das selbige erobert, was er ja eigentlich tun sollte.
Und dann die Erzählweise: Mit Elementen der Fantasy. Das hatte mich damals echt von Stuhl gehauen, denn die, die erzählt bzw. erzählen lässt (in einem Vorhof der Hölle), also zuhört, ist eine Unsterbliche, eine die durch die Zeiten reist – für mich als DDR-Menschen also sowas wie eine Verwandte der Digedags, aber eine, die mit dem Schwert umgehen kann.
Gut, das große Schwelgen, dessen Nachbeben ich in meiner Erinnerung noch 40 Jahre später spürte, ist etwas verklungen. Damals war das natürlich neu, also gerade auch der phantastische Aspekt in diesem historischen Gewand und der Stil der Autorin ist mir halt nunmehr vertraut – aber ich liebe den Roman noch immer, konnte ihn wieder genießen und in den Worten schwelgen.
10 / 10 Punkte

 

Arkadi & Boris Strugazki: „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“
Hierin soll es über das Einwirken Außerirdischer auf das Tun Leningrader Intellektueller gehen. Sie werden von „ihnen“ daran gehindert, ihre Forschungen in der Richtung weiter zu betreiben, wie sie wollen.
Aber wie schildert man so etwas? Und wie glaubwürdig ist es, wenn im sowjetischen Alltag, mitten im Sommer, in der Hitze, wo die Gedanken ohnehin schwer fließen, jemand auf solche Schlüsse kommt? Und dann, halt wohl doch typisch für russische Verhältnisse, das alles unter Alkoholeinfluss?
Die Schlussfolgerungen, die die hemdsärmeligen Wissenschaftler da ziehen, klingen mitunter doch etwas absurd und an den Haaren herbeigezogen. Ja, da scheint sich ein „Raketeningenieur“ scheinbar unmotiviert und überraschend selbst umzubringen. Ja, der ermittelnde Inspektor ist schon sehr seltsam – und klaut am Ende noch den Schnaps. Und alle Beteiligten sind mit etwas beschäftigt, das eher nach abstrakter Physik, nach Mathematik oder ziemlich weit von unmittelbarer praktischer Verwertbarkeit klingt. Sie können selbst nicht glauben, dass das, womit sie sich beschäftigen, von „höherer“, quasi kosmischer Bedeutung sei.
Also: Ein Komplott des Homöostatischen Universums (nein, nein, an Gott glauben die aufgeklärten sowjetischen Wissenschaftler ja nicht), oder gar das in seiner Motivation schwer erkennbare und durchschaubare Tun eine Superzivilisation? Oder doch nur zu viel Wodka?
Etwas ratlos lässt mich der Text – wieder einmal, hab’s ja schon mal gelesen – zurück.
8 / 10 Punkte

 

Emil Marius Requark: „Vor Troja nichts Neues“
Ohje, was für’n Murks. Auf der Suchen ach Gegenentwürfen zu „Im Westen nichts Neues“ von Remarque stieß ich auf diese „Satire“. Nee, war wohl nix. Aber damals, in den 30ern, wohl doch auch recht weit verbreitet. Heute kennt das keiner mehr – zu Recht.
Der Autor, der sich hinter einem Pseudonym verbirgt, dem aber genau zu entnehmen ist, gegen wen es hier geht, ist im Grunde feige – und neidisch. Feige, weil er seinen endlosen, sinnlosen, dreckigen Krieg ins Altertum verlegt. Nicht die Schützengräben des I. Weltkrieges, sondern die Mauern von Troja sind hier Schauplatz. Das ist dann eher unverfänglich. Und nicht Remarque ist der, gegen den es scheinbar geht, sondern Homer. Der kann sich nicht mehr wehren.
Aber man findet in dem Troja-Buch viele Sachen aus dem Remarque-Buch wieder und außerdem verwendet der Autor völlig unhistorisch „moderne“ Begriffe (z.B. Oberste Heeresleitung). Ansonsten macht er sich zwar auch über den Krieg als sinnfreie Aktion lustig; aber auch über allzu die schwere Sicht auf das Soldatenleben, das bei Remarque im Zentrum steht.
Neidisch? Ja, das kommt ziemlich oft in dieser Schrift zum Ausdruck; scheinbar war der Jurist, der sich hinter dem Pseudo verbirgt, neidisch auf den großen Erfolg des anderen Autors. Das schwingt sehr deutlich mit.
Insgesamt: Das war nix. 4 / 10 Punkte

 

Victor Klemperer: „LTI“
Das wurde jetzt aber mal Zeit. Den Klassiker hatte ich nie richtig vollständig gelesen, leider. Weiß nicht, war wohl damals als Jugendlicher, wo ich mit ihm konfrontiert wurde, nicht reif genug.
Aber zur Zeit suche ich Spuren in der Zeit, kann man sicher meiner Leseliste entnehmen. Und da stolperte ich auch über dieses Reclam-Bändchen im Bücherregal. Und? Na, jetzt weiß ich, was ich all die Jahre verpasst habe. Das ist wirklich großartig. Eine sehr persönliche Sicht auf das Leben eines jüdischen Intellektuellen im 3. Reich, der quasi Glück hatte, dass er mit einer nichtjüdischen Frau verheiratet war. Er konnte überleben und nach dem Krieg seine in der Nazizeit gemachten Tagebuchaufzeichnungen für dieses Buch verwenden.
Als Sprachwissenschaftlicher geht es ihm um Sprachanalyse, in erste Linie. Als Jude durfte er, das war mir bisher auch nicht so bekannt, keine nazistischen, also eigentlich überhaupt keine Bücher erwerben, ausleihen etc. Nur, was man in der eigenen Bibliothek hatte, und da eben auch nur jüdische Bücher, durfte man besitzen. Auch keine Zeitungen etc. Also war es im nur schwer möglich, seine Studien – hier: Wie funktioniert die Sprache des 3. Reichs – zu betreiben.
Aber neben dieser Passion, so will ich es fast beschreiben, denn es gehört sicher viel Überwindung dazu, die Sprache seiner Todfeinde auch noch unter die Lupe nehmen zu wollen, erfahre ich sehr viel über das alltägliche Leben im Nazi-Regime. Sehr konkret, sehr interessante Beispiele, sehr differenziert.
Und am Ende kamen auch noch weitere Anregungen für weitere Lektüren dabei heraus.
Trotz des scheinbar akademischen Anliegens ein spannendes Buch!
10 / 10 Punkte

 

Erich Maria Remarque: „Der Weg zurück“
Die Fortsetzung von „Im Westen nichts Neues“ – und auf jeden Fall genauso anrührend, relevant, menschlich spannend. Jetzt geht’s für die Frontsoldaten in den Frieden, nach Hause, was sie sich so sehnsüchtig gewünscht haben, wofür sie ums Überleben kämpften.
Und dann? Tiefes Loch! Na ja, inzwischen weiß man ja, wie sowas lief und läuft. Interessant für mich ist dabei, dass ich Leute kenne, die so eine psychische Belastung durch Krieg einfach leugnen, nicht wahr haben wollen, meinen, das wäre nur heutzutage so, wo alles übersensibel behandelt wird. „Damals gäbe es sowas nicht!“
Na ja, leider kannte ich z.B. dieses Buch noch nicht, als ich mal in so eine Diskussion verwickelt wurde. (Aber andere, z.B. Erfahrungsberichte sowjetischer Soldaten aus Afghanistan)
Remarque veranschaulicht so eindrucksvoll, was es für junge Männer, die nichts anderes „vom Leben“ kennen als die Front, das Töten und Sterben, den Dreck und Hunger, jetzt in ihr altes Leben zurück kehren zu müssen – das es aber eben genau so nicht mehr gibt. Und das Unverständnis und die Ignoranz ihrer Leute in der Heimat.
Mich hat das Buch sehr beeindruckt, schon wieder, wie bisher immer bei Remarque.
10 / 10 Punkte

 

Peter van Greenaway: „Bruder der Gorgonen”
Endlich habe ich den Roman zu einem meiner Lieblingsfilme (Schrecken der Medusa) gelesen. Den Film sah ich in den 80ern und kann behaupten, dass er mich prägte, meine Lust auf Phantastik anfeuerte. Dass es da einen Roman gibt, war mir bisher gar nicht bewusst; hatte mich aber auch nicht drum gekümmert.
Und? Ja, Roman ist auch supergut! Er hat natürlich weiterführende Elemente, die im Film nur angedeutet werden und ist noch viel politischer, bzw. in der politischen Aussage, die im Film ja auch deutlich wird, ausführlicher. Wer mehr von meiner Begeisterung dazu erfahren möchte, den verweise ich gern auf eine der nächsten Ausgaben des NEUN STERNs…
10 / 10 Punkte

 

Mamoru Oshii: „Blood. The Last Vampire. Die Nacht der Bestien”
Was für eine Enttäuschung! Das Buch wollte ich als Abschluss meines kleinen Oshii-Exkurses lesen, ein Roman zu einer Anime-Film-Reihe, in der der Meister (Ghost in the Shell) halt auch involviert ist. Aber was soll das am Ende sein? Ein Roman jedenfalls nicht. Eher so ein Gymnasiasten-Nachhilfe-Kurs in europäischer Kulturgeschichte, materialistischer Philosophiegeschichte und Evolutionstheorie. Die Vampirjägerin Saya kommt nur ganz am Rande vor und eher nur als Objekt, über dass sich seltsame, sich geheimnisvolle gebende alte Männer unterhalten. Nee, war gar nix.
3 / 10 Punkte




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Januar 2023

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 29 Januar 2023 · 1.134 Aufrufe
Strugazki, Franz Fühmann und 1 weitere...

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Ulrike Herrmann: „Das Ende des Kapitalismus“
Das Buch zum Zeitgeist. Oder auch nicht, eher dagegen. Ich nehme mal an, das, was die Autorin hier fordert – eigentlich nicht fordert, sondern als unausweichliche Notwendigkeit feststellt – wird nicht umgesetzt. Im Grunde ist es genau das Buch, das mir jetzt echt die gute Stimmung (falls überhaupt vorhanden) völlig verhagelt hat. Na ja, so kann das neue Jahr ja beginnen.
Klingt zynisch und apologetisch und depressiv? Na, dann lies mal selbst. Kann man natürlich alles leugnen und meinen, dass es keinen menschengemachten Klimawandel gibt, okay, ja, aber des interessiert das Klima nicht, vermute ich. Insofern: Kopf in Sand = die Leute haben es dann wahrscheinlich am besten, so rein mental. Ich bin kein „Klimaleugner“, vielleicht hat mir das Buch auch gar nicht so viel Neues gebracht, aber das alles nochmal so konzentriert zu lesen, war für mich schon der Hammer.
Der Titel des Buches weist darauf hin, dass die Autorin eine Kapitalismus-Gegnerin wäre. Ist sie nicht. Im ersten Teil erklärt sie, wie gut der Kapitalismus für die Entwicklung der Menschheit war. Damit geht sie ja d’accord mit Marx. Was sie dabei auch versucht, ist den Kapitalismus reinzuwaschen, indem sie z.B. meint, dass die Kapitalisten den Kapitalismus nicht verstanden hätten, und z.B. auf „Ausbeutung“ lieber verzichten sollten. Allerdings ist in ihrem Zusammenhang Ausbeutung nur die Ausbeutung von Sklaven. Das kenne ich u.a. von Marx her anders. Und die moderne Sklaverei wäre sogar rein kapitalistisch gerechnet ein Verlustgeschäft gewesen. Nebenbei natürlich auch ein Verbrechen. An der Stelle fand ich ihre Argumentation zu verkürzt.
Unterm Strich: Grünes Wachstum kann es nicht geben, die Lösung ist so eine ressourcenbasierte Wirtschaft, ohne Wachstum. Nur, wie kommen wir aus dem wachstumsverpflichteten Kapitalismus (der übrigens keine „Marktwirtschaft“ ist) dahin, ohne ins Chaos zu versinken? Ihr Master-Plan: Die britische Kriegswirtschaft. Wird allerdings auch recht kurz abgehandelt. Aber okay, klingt nach einem Plan. Meine Frage: Wer wird den durchsetzen?
8 / 10 Punkte

 

Wolfgang Harich: „Keine Schwierigkeiten mit der Wahrheit“
Die Anti-Schrift zu Jankas „Schwierigkeiten…“ – schon mit dem Titel macht Harich einen geschickten Schachzug, wie ich finde. Wenn sein Kontrahent seine Schwierigkeiten mit der Wahrheit hat, so hat er selbst keine. Harichs Buch ist umfangreicher und ausführlicher und behandelt nicht nur seinen Streit mit Janka. Ich las es in erster Linie wegen dieser Auseinandersetzung, sozusagen als eine Sicht auf den Polit-Krimi um die Harich-Janka-Gruppe von 1956.
Janka kommt nicht gut weg; ein paar Vorwürfe Harichs sind dann sicher zu arg, aber das, was Harich bringt, kann auch andere Leute, die Janka beschuldigt, wieder rehabilitieren (Anna Seghers, Helene Weigelt).
Nebenbei habe ich jetzt auch Lust, mich mehr mit dem Menschen und Philosophen Harich zu beschäftigen. Er war ja mehr als nur der verurteilte und reumütige (und feig wirkende) Dissident der 50er Jahre. Dass er auch für die Grünen in der BRD eine große Rollen spielte, bzw. hätte spielen können, war mir auch neu. Und sein Ideen über eine (kommunistische) Ökodiktatur sind leider jetzt sehr aktuell; so aktuell, dass es mir den Atem raubt.
Habe mir gleich noch das „Heft zur DDR-Geschichte 146“ von Guntolf Herzberg besorgt – mit den Vorträgen „W. Harich – eine philosophische Wiederentdeckung“ und „Walter Janka und die Gruppe Harich“ (Berlin, 2017)
10 / 10 Punkte

 

Franz Fühmann: „SAIÄNS-FIKTSCHEN“
Was wäre mit mir passiert, wenn ich dieses Büchlein schon vor der „Wende“ gelesen hätte? Ich weiß nicht mehr, wann ich es erworben habe, ich habe die 3. Auflage der Hardcoverausgabe vom Hinstorff-Verlag, aus dem Jahre 1987, aber ich denke, ich habe es erst später nach 1989 erworben und auch gelesen. Allerdings war der Inhalt dann, nach der DDR, kaum noch relevant für mich. Doch als Geschichtslehrerstudent in der DDR hätte mich das Buch, hätte ich es gelesen, vielleicht sogar aus der Bahn geworfen (?).
Aber jetzt las ich es voll bewusst und voller Staunen: Was denn: Das Buch konnte in der DDR erscheinen? Also, wenn das mal keine Abrechnung mit dem vermurksten Real-Sozialismus der DDR ist, mit Stasi-Gesinnungsschnüffelei und – Bestrafung, mit ideologischer Durchseuchung von allem, des gesamten Lebens, mit der lähmenden Dogmatik im Denken und Forschen, in Kunst und Kultur und Philosophie. Das System hat den Autor krank gemacht, das spiegelt sich in seinen Figuren dieser Geschichten wider.
F.F. mochte gar keine Science Fiction, deshalb schrieb er ja auch Saiäns-Fiktschen. Aber es ist SF, halt nur nach Fühmann‘scher Art.
„Die Ohnmacht“ – man kann einen kurzen Ausblick in die Zukunft machen. Die Frage ist, kann ich, wenn ich weiß, was angeblich in den nächsten zehn Minuten passiert, mich dann nicht doch anders entscheiden? Eine ziemlich typische SF-Frage mit weitreichenden philosophischen Konsequenzen und der hier Infragestellung des Historischen Determinismus. Für den Sozialismus nicht unbedeutend, da „wir“ ja schon wussten, wohin der Lauf der Geschichte gehen wird, diese sozusagen durch ihr Ende vorherbestimmt war.
„Der Haufen“ – eine philosophische Dystopie. Die Frage lautet: Ab wann ist ein Haufen ein Haufen? Also eine unbestimmte Menge von irgendetwas? Blöde Frage? Na ja, die stellen sich schon „die alten Griechen“. Hier, mit dem Marxismus-Leninismus, kann die Frage schnell und unkompliziert geklärt werden – oder? Auf jeden Fall hat die Frage eine realpolitische Auswirkung (wie ja alles, was es bei „uns“ gab): So ein Haufen, den man mengenmäßig nicht fassen kann, kann man dann wohl auch nicht beherrschen.
„Das Denkmal“ – ist eine große, tolle, moderne Fabrik im „Westen“, in der nix Vernünftiges hergestellt wird. Hier ist die Stoßrichtung also nicht Kritik am eigenen System, sondern an den „Gegnern“, die wohl ihre Möglichkeiten nicht vernünftig nutzen.
„Die Straße der Perversionen“ geht in eine ähnliche Richtung und setzt sich mit der freien Medienwelt des „Westens“ auseinander. „West“ und „Ost“ haben hier natürlich in der fernen Zukunft, nach 2 Atomkriegen, andere Namen, aber man weiß ja, was gemeint ist.
Jedenfalls geht der mediale Krach und deren Inhalte (gern auch bunter Sex and Crime) dem alter ego des Autors auf den Zeiger.
„Das Duell“ ist dann eine harsche Auseinandersetzung mit marxistisch-leninistischer Geschichtsauffassung. Auch gern nach dem Motto: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein, oder so. Und wenn doch? Und wenn dann sich herausstellt, dass der Historische Materialismus und die ML-Geschichtsschreibung doch irgendwie Recht behalten, aber eben nicht so, wie sie es gern hätten? Man kann als Geistesmensch drüber verzweifeln – und zum Alkoholiker werden; so erging es der Figur in der Geschichte, aber auch dem Autor.
„Bewusstseinserhebung“ – wow, deutlicher und eindeutiger kann man nicht gegen Stasi-Methoden und Gesinnungsschnüffelei anwettern, wie in dieser Story. Das ist 1984 pur.
„Pavlos Papierbuch“ ist ein rabenschwarzer Text, der anhand von drei Geschichten, die Pavlo in einem der sehr raren Papierbücher in dieser fernen Zukunft lesen kann, aufzeigt, zu welchen Untaten Menschen fähig sind. Hier artikuliert der Autor meiner Meinung nach seinen historischen Pessimismus, nachdem er selbst Faschismus, Stalinismus und den stagnierenden Real-Sozialismus der DDR miterlebte und teilweise sogar mitgetragen und mitgestaltet hatte und nun am Ende seines Lebens sieht, dass all das nur Irrwege waren.
Manchmal kompliziert zu lesen, bei Fühmann sitzt jedes Wort. Aber unendlich wertvoll!
11 / 10 Punkte

 

Franz Fühmann: „Die Sage von Trojas Fall“
Bin gerade voll im Fühmann-Fieber. Am 15.1.23 machte das WUK Theater Quartier in Halle einen Matinee anlässlich des 101. Geburtstages von Fühmann. Und jetzt lese ich auch noch die Sagenverarbeitungen des Meisters. Nun, muss aber gestehen, dass ich seinen Troja-Stoff dann doch etwas verknappt fand. Auch hier gilt: Bei Fühmann sitzt jedes Wort, doch hätte ich mir etwas mehr Ausschmückung gewünscht. So ist es fast einen Art Nachschlagewerk, man kann sich schnell über die Abläufe vor Troja informieren; wer mit wem und gegen wen…
8 / 10 Punkte

 

Kurt Andersen: „Fantasyland. 500 Jahre Realitätsverweigerung“
Dickes Buch, das ich bereits im letzten Jahr begonnen hatte. Ich konnte / wollte es auch nicht in einem Ritt durchlesen, aber bin froh, es gelesen zu haben.
Der Untertitel lautet noch: „Die Geschichte Amerikas neu erzählt“. Ja, stimmt. Es werden aber bestimmte Aspekte der (nord- und US-) amerikanischen Geschichte aus der Gesamtgeschichte herausgelöst und dargestellt, aber Elemente, die aus Sicht des Autors die Geschicke und vor allem Das Denken der Menschen der USA bis heute bestimmen.
Es geht um alle möglichen realitätsverbiegenden und -verweigernden Vorstellungen in Religion und Alltags-Philosophie (so will ich das mal nennen), mit Auswirkungen auf Pop-Kultur und Politik (und da wird es ja dann auch richtig ungemütlich). Der Autor, selber US-Bürger und jemand, der viel, von dem was er hier erzählt, mitmachte, miterlebte, hält keine großen Stücke auf das Volk seines Landes. Er zeigt auf, was dieser „amerikanische Traum“ ist – nämlich ein Traumgebilde, das mit der Realität oftmals nicht viel zu tun hat, aber das Verhalten der Menschen in dieser Realität bestimmt.
Als SF & Fantasy-Fan bin ich teilweise etwas geschockt. Und das, was für mich schon seit Jahren nun gilt, dass auch Parawissenschaften und Verschwörungstheorien ihren Charme für mich verloren haben – als gedankliche Spielfelder – da sie auch bei uns in der Realität, also im Mainstream angekommen sind, wird durch dieses Buch noch enorm verstärkt.
Für mich ein wichtiges Buch, vielleicht etwas zu umfangreich und sich selbst wiederholend, redundant. 700 Seiten hätten da nicht sein müssen.
9 / 10 Punkte

 

Arkadi und Boris Strugazki: „Hotel ‚Zum Verunglückten Bergsteiger‘“
Hatte nun endlich mal die Gelegenheit, den estnisch-sowjetischen SF-Film „Hotel ‚Zum verunglückten Alpinisten‘“ zu sehen. Hat immerhin über 30 Jahre gedauert… Dass es den Film gibt, erfuhr ich damals durch eine DDR-Film-Zeitschrift; den kurzen Artikel habe ich noch in meiner Sammlung. Gesehen hatte ich ihn nie, obwohl er mal im DDR-Fernsehen lief, ob im Kino auch, weiß ich gar nicht. Und auf Konserve konnte ich ihn bisher nicht bekommen. Jetzt gibt es ihn, aber sehr teuer, wie ich finde. Aber es gibt ihn – und ich konnte ihn sehen!
Sein Ruf eilte ihm voraus! So hatte ich inzwischen z.B. den Komponisten der Filmmusik, Sven Grünberg, kennen gelernt, bzw. dessen Musik. Ich finde diese faszinierend, auch was er neben diesem Projekt so machte. Dazu wird die Machart des Films oft positiv herausgestrichen. Und nach dem Sehen kann ich das auch bestätigen, er weist viele experimentelle, fast psychedelische Elemente auf. Die Schrägheit der Sturgazki’schen Figuren wird durchaus im Film getroffen, wenn auch nicht so, wie ich sie in dem Buch kennen- und lieben lernte.
Unterm Strich war das Buch – wie so oft – doch besser! Muss ich schon sagen. Die Handlung, die Motivationen der Figuren, die Gesamtkomposition waren im Buch einfach besser, stimmiger, schlüssiger. Der Film „behauptet“ viel. Man kann die Szenen aus dem Buch wiedererkennen, aber sie sind dort zum Teil unverständlich aneinandergereiht, wie ich finde. Wenn man wissen will, wer diese seltsamen Gäste in diesem Hotel mit dem seltsamen Namen sind, was sie wollen und wohin sie wollen, sollte das Buch lesen. Auch die Handlungsweise des Inspektors Glebski, also des Protagonisten des Buches und Films, wird im Buch besser dargestellt, vor allem zwiespältiger, komplexer.
Das Buch jedenfalls hat es mir echt angetan, nach so langer Zeit (hatte es ja auch schon mal vor mehr als 30 Jahren gelesen). Kurzweilig, spannend, nicht ganz so märchenhaft-abgefahren wie z.B. in „Der Montag fängt am Samstag an“, obwohl es da durchaus Gemeinsamkeiten gibt, die mich veranlassen zu glauben, dass diese Werke in einem Universum spielen.
Die Geschichte wird wie eine klassische Krimi-Detektiv-Geschichte aufgezogen, könnte vom Setting her sogar von Agatha Christie stammen – klar definierter Raum, exakt definierte Personengruppe, ein Mordopfer (vermeintlich) – also muss der Täter ja hier zu finden sein…
Dann bohren die Autoren den Plot auf, es kommen politische Verwerfungen hinzu, das Böse lauert im Großen und Ganzen hinter allem, das Böse in Form faschistischer Bedrohung, gepaart mit dem organisierten Verbrechen. Und dann die kosmische Dimension, die den rationalen, analytischen, aber auch etwas faulen Polizeiinspektor an den Rand seines Denk-Horizontes bringt und ihn am Ende leider nicht die richtigen Entscheidungen treffen lässt. Großes Theater auf kleiner Bühne. Hat mir echt gut gefallen!
10 / 10 Punkte

 

Anna Seghers: „Der Räuber Woynok. Sagen und Legenden“
Phantastik von Anna Seghers? Gibt’s! Und zwar recht gute, wie ich finde. Der letzte Text ist sogar „echte“ SF – mit Außerirdischen, die hier die „Unirdischen“ heißen.
„Die schönsten Sagen vom Räuber Woynok“ – der Eigenbrötler und Anarchist Woynok im Böhmischen geht lieber allein auf Raubzug. Es gibt da eine Bande, der er sich partout nicht anschließen will. Mitunter braucht er die Hilfe der Bande und der alte Bandenchef will ihn als seinen Nachfolger aufbauen. Aber am Ende bleibt Woynok sich treu, auch wenn er das mit seinem Leben bezahlt.
„Sagen von Artemis“ – aneinandergereihte Erzählungen in einem Stück über geheimnisvolle Frauen, die wohl Personifikationen der Göttin sind.
„Die drei Bäume“ – sagenhafte Mini-Texte – über einen Ritter, der in einem Baum Zuflucht fand, aber nicht mehr herauskam, über einen Propheten, der Angst hat, sich in einem Holzstapel versteckt, aber aus Angst dort nicht mehr rauskommt – und zersägt wird. Uhh… Und über Odysseus, der von seinen Irrfahren zurück kehrte und einen alten Baum, der ihm und den Seinen zur Heimstatt wurde, wiederfindet.
„Das Argonautenschiff“ habe ich jetzt 2-mal gelesen und wieder für supergut befunden. Über den alterslosen, aber desillusionierten Jason.
„Tuomas beschenkt die Halbinsel Sorsa“ – fast schon epische Fantasy. Kann Ort und Zeit gar nicht zuordnen, braucht man bei Fantasy ja auch nicht. Über einen Mann, der sich friedlich behauptet, auch wenn die Umstände widrig sind, und dabei auch immer wieder, bei allem Neid und Missgunst, auf gute Leute stößt, die ihm wohlgewogen sind.
„Sagen von Unirdischen“ – Humanoide Aliens besuchen die Erde, während der „Religionskriege“, also irgendwie zu Luthers Zeiten, dann noch mal im 30jährigen Krieg. Den Eindruck, den sie von „uns“ bekommen, ist nicht der beste. Aber sie lernen jeweils auch Künstler kennen, die etwas schaffen – kreativ, mit ihren Händen und ihrem Talent, etwas Unnützes, aber sehr Schönes, was es auf der fremden Heimatwelt nicht gibt. Sie sind also auch beeindruckt.
Eine schöne Sammlung, hat mir durchaus gefallen, auch wenn ich als SF- und Phantastik-Fan mir mitunter mehr spannende Plots gewünscht hätte, Knalleffekte und Pointen. Das macht die berühmte Realistin eher nicht so…
9 / 10 Punkte

 

Arkadi und Boris Strugazki: „Die gierigen Dinge des Jahrhunderts“
So war das gar nicht geplant! Jetzt wollte ich doch einfach mal die diversen, parallel begonnenen Bücher abschließen und da kam mir die Möglichkeit dazwischen, den Film „Hotel Zum verunglückten Bergsteiger“, nach der Erzählung der Strugazkis, zu sehen. Siehe oben. Und schon war ich drin, wieder einmal, im Strugazki-Fieber! Habe mir nach dem „Bergsteiger“ gleich den nächsten Kurzroman aus meinem Bücherregal gefischt. Auch das Buch hatte ich vor langer, langer Zeit gelesen. Hier weiß ich sogar ziemlich genau, wann. Denn das Buch hatte ich mir für das freie Thema zum Abschluss-Aufsatz (Prüfung) in der 10. Klasse gewählt. Hach, Schade, dass ich den Aufsatz nicht wiederbekommen habe; würde mich gerade sehr interessieren, was ich damals dazu geschrieben hatte…
Jetzt als ein Wiedersehen mit Shilin, Pek und Oscar. Ehrlich, an die Namen konnte ich mich auch nicht mehr erinnern. Und dass das Buch lose in die Zukunfts-Historie der Autoren reingehört, wusste ich damals sicher nicht.
Auch den Roman habe ich jetzt regelrecht verschlungen, voller Begeisterung. Wieder hat mich die ungewöhnliche Herangehens- und Sichtweise der Autoren fasziniert. So wie im „Bergsteiger“ der first contact mit Aliens mal komplett auf den Kopf gestellt wurde, indem die Aliens halt nicht in der Welthauptstadt landen, um dort diplomatische Beziehungen zur US-Regierung suchen, oder halt dort gleich mit Kampfhandlungen beginnen, sind sie bei den Strugazkis an einer sich menschenfreundlich gebenden Räuberbande mit Beziehungen zu faschistischen Kräften geraten.
Und hier? Hier räumen sie mal so nebenbei mit der Doktrin in der sozialistischen Phantastik auf, wonach hochentwickelte Technologie, Wissenschaft, vor allem auch Raumfahrt, nur in einer gesamtplanetarischen (terranischen) Zivilisation passieren kann, und die ist idealer Weise kommunistisch. Nö, bei den Strugazkis ist der junge Pek mit 18 erst Raumerkunder, mit 30 kämpft er als Soldat gegen faschistische Banden in seinem Land (welchem Land?). Um dann als Agent einer ihren eigenen Agenten wenig vertrauenden Geheimorganisation „für die gute Sache“ im kapitalistischen Ausland einer neuen, geheimnisvollen Droge nachzuforschen, ihr verfällt und daran zugrunde geht. Also keine geradlinige Entwicklung, weder beim einzelnen Menschen, noch gesamtgesellschaftlich. Ich weiß nicht, ob ich das damals auch so verstanden habe…
Shilin ist auch so ein ehemaliger Raumfahrer, der nun als Geheimagent in der verruchten, dekadenten, im Konsum-Überfluss erstickenden „West-Stadt“ nach dieser Droge und ihre Macher und Dealer forschen soll. Es ist irgendwas Psychotisches, was bei falschem Gebrauch zum Tod führen kann. Dabei lernen wir durch seine Brille diese dekadente Gesellschaft kennen. Ist die wirklich „der Westen“? Oder hat sie auch Züge der verfallenden sowjetischen Gesellschaft? Auf jeden Fall können wir hier sehen, wie es aussieht, wenn ein Ideal der utopischen Gesellschaft realisiert werden würde: Was, wenn der Mensch von der Arbeit befreit würde? Dann kommt die große Langeweile und die große seelische Leere. Ja, könnte sein…
Das Buch ist mal wieder absolut prophetisch, damit eventuelle auch ein Beitrag zum Thema BGE. (ich würde es trotzdem mal ausprobieren…). Was mit aber inzwischen auch stark auffällt, ist der Fixierung der Strugazkis auf das Thema „Faschismus“. Sie befürchten und prophezeien, dass der nicht weg ist, dass er wiederkommt, dabei durchaus fast moderat, aber immer auch mit seinen richtig gefährlichen und menschenfeindlichen Aspekten. Das steckt in den beiden Russen tief drin, das kann man im „Lahmen Schicksal“, im „Bergseiger“ und auch hier dezidiert nachlesen.
Hervorheben möchte ich auch ihr Plädoyer dafür, „Weltprobleme wie seine eigenen zu betrachten“ (S. 249); könnte heute ja nicht aktueller sein, diese Botschaft.
Okay, wieder satte 10 / 10 Punkte




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Mein Fazit zu meinem Lektürejahr 2022

Geschrieben von T.H. , in Statistik, Leseliste ab 2013 26 Dezember 2022 · 1.060 Aufrufe

Ein Fazit zu meinem Lektürejahr 2022
Ein paar schöne / interessante Lese-Projekte fortgeführt (Lupoff) und auch gestartet (russische SF u.a. Phantastik; Selby; Eando Binder; Vonnegut; Laurent Binet; Eric Maria Remarque; Wyndham), aber nicht zu Ende geführt; Rückblenden auf die (eigene) Vergangenheit zum Ende des Jahres, daher natürlich auch noch nicht abgeschlossen (DDR-Phantastik, Franz Fühmann, ganz zum Schluss die Sache Janka vs. Harich).
Meine Neuentdeckungen des Jahres sind Emma Braslavsky und Laurent Binet. Von ersterer habe ich anlässlich ihres Besuches auf dem ElsterCon in Leipzig im September vorab alles Phantastische gelesen, was nicht so viel ist. Und von der ich weiß, dass ich jetzt alles von ihr lesen werde, sobald es erschienen ist!
Ähnlich geht es mir mit Binet; von dem muss ich wohl auch alles lesen!
Vom Umgang her war ich im „normalen Bereich“ für meine Verhältnisse. Was soll’s, schneller und mehr lese ich halt nicht. Schön ist dabei immer, wenn etwas für unseren Rundbrief NEUER STERN abfällt.
Viel, von dem, was ich mir vorgenommen hatte, bleibt für das neue Jahr. Kann man doch als gute Sache sehen, oder? Die bange Frage bleibt mir nur: „Schaffe“ ich das alles überhaupt noch? …

 

Hier habe ich keine Wertung vorgenommen, weil ich involviert war (Illustrationen), oder es mir nicht getraute, zu bewerten:
Peter Schünemann „Nachtmahr“ Phantastik
Arkadi & Boris Strugazkij „Die Last des Bösen“ SF
Anthologie „Rückkehr nach Bleiwenheim“ Phantastik
Hubert Katzmarz „Garten der Ewigkeit“ Phantastik

 

Satte 11 von 10 Punkten (was es ja nicht gibt, aber ich dennoch geneigt bin zu vergeben)
Masha Geesen „Die Zukunft ist Geschichte“ Zeitgeschichte
Emma Braslavsky "Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“ SF
Daniel Kehlmann „F“ Zeitgeschichte
Gunnar Decker „Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns. Eine Biographie“ Zeitgeschichte

 

Sehr gute 10 v. 10 Punkte:
Walter Tevis „Spion aus dem All“ SF
Arkadi und Boris Strugazki „Das lahme Schicksal“ SF
John Wyndham „Die Kobaltblume“ SF
Emma Braslavsky „Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen“ SF
William F. Nolan & George Clayton Johnson „Logan’s Run Flucht ins 23. Jahrhundert“ SF
Kurt Vonnegut „Katzenwiege“ SF
Laurent Binet „Eroberung“ SF
Erich Maria Remarque „Im Westen nichts Neues“ History
Erich Maria Remarque „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ History
Franz Fühmann „Pavlos Papierbuch“ Zeitgeschichte

 

Auch noch sehr gute 9 v. 10:
Edmond Hamilton „Die besten Stories.“ SF
Hubert Selby „Requiem für einen Traum“ Zeitgeschichte
Dmitry Glukhovsky „Outpost“ SF
Vladimir Sorokin „23000“ SF
Jewgeni Samjatin Die Höhle / Der Norden History
Dimitry Glukhovsky „Text“ Zeitgeschichte
Hubert Selby „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ Zeitgeschichte
Arkadi und Boris Strugatzki „Die Schnecke am Hang“ SF
Vladimír Páral „Der junge Mann und der weiße Wal“ Zeitgeschichte
Anthologie „2029. Geschichten von morgen“ SF
Kurt Vonnegut „Das höllische System“ SF
Aiki Mira „Titans Kinder“ SF
Kurt Vonnegut „Geh zurück zu deiner lieben Frau und deinem Sohn“ Zeitgeschichte
Jasper Nicolaisen „Tiere, Pflanzen, Sensationen“ Phantastik
Erich Maria Remarque „Die Nacht von Lissabon“ History
Walter Janka „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ Zeitgeschichte

 

Gute 8 v. 9:
Kurt Vonnegut „Schlachthof 5“ SF
Vladimír Páral „Der Krieg mit dem Multitier“ SF
Dmitri Glukhovsky „Sumerki. Dämmerung“ SF
John Wyndham „Kolonie im Meer?“ SF
Dmitry Glukhovsky „Geschichten aus der Heimat“ Phantastik
Anthologie „Die Verbesserung des Menschen. Märchen“ Phantastik
Franz Fühmann „Den Katzartigen wollten wir verbrennen. Ein Lesebuch“ Zeitgeschichte

 

Ging noch so, 7 v. 10:
Cixin Liu „Die wandernde Erde“ SF
Eando Binder „Die neue Steinzeit“ SF
Elie Wiesel „Das Geheimnis des Golem“ History
Jewgeni Lukin „Unter dem Räubermond“ SF
Addison E. Steele = Richard A. Lupoff „Buck Rogers“ SF
Vladimir Sorokin „Die rote Pyramide“ Zeitgeschichte
Vladimir Sorokin „Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs“ SF
Albert Sánchez Piñol „Der Untergang Barcelonas“ History
Arkadi und Boris Strugazki „Der Montag fängt am Samstag an“ SF

 

Was ich dann noch so las...
Vladimír Páral „Die Messe der erfüllten Wünsche“ Zeitgeschichte 6 Punkte
einzlkind „Minsky“ Zeitgeschichte 5 Punkte
Eando Binder „Anton York der Unsterbliche“ SF 4 Punkte
Eando Binder „UFOs bedrohen die Welt“ SF 3 Punkte




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Das letzte Lese-Quartal 2022

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 10 Dezember 2022 · 920 Aufrufe
Franz Fühmann, Glukhovsky und 1 weitere...
Das letzte Lese-Quartal 2022

Endspurt. Auch das Lektürejahr 2022 geht seinem Ende entgegen; noch ist ein bisschen in der Pipeline, das Fazit des Jahres darf daher noch etwas auf sich warten. Aber in den letzten drei Monaten kam ich halt auch ein wenig zum lesen und das muss ich hier mal jetzt kundtun.
Inzwischen bin ich zum chaotischen Lesen zurück gekehrt, also immer so 3 bis 4 Bücher "gleichzeitig" (was natürlich nicht wirklich geht, bin ja nicht Data; also immer abwechselnd). Das geht recht gut, weil es sich jeweils auch um sehr unterschiedliche Dinge handelt - Remarque und Glukhovsky, Vonnegut und meine Jugend-"Liebe" Fühmann; die kann man schlecht miteinander verwechseln. Das geht gut so.
Ach so, das Bild? Das ist ein Ausschnitt aus einem S/W-Entwurf zu einem Farbbild zu einem Projekt, in dem ich dies Jahr involviert war - und das im kommenden Jahr dann das Licht der Öffentlichkeit erblicken wird.

 

Kurt Vonnegut: „Geh zurück zu deiner lieben Frau und deinem Sohn“
20 Erzählungen aus den 50ern und 60ern. Teilweise SF, aber nicht nur, aber ziemlich große Klasse! Habe sie parallel zu den kurzen Vorstellungstexten in der SF Personality (Nr. 17) zu Vonnegut, von Stefan Pinternagel, gelesen. Also erst die Story und dann das, was Stefan damals dazu schrieb. Nun ja, muss sagen, ich sehe da einige anders als er; manchmal sogar ganz anders. Sowohl was die Wertung, aber auch was den Inhalt anbelangt.
Zum (für mich und andere, die es wie ich brauchen) Erinnern ein paar Stichpunkte. In den Stories geht es um:

  • eine Zukunftsvision totaler Gleichheit, in der die Menschen abstumpft und gedankenlos dahinvegetieren (Dystopie aus dem Team „Clockwork Orange“)
  • eine rührende Liebesgeschichte, die im Laientheatermilieu spielt; erst in seiner Rolle kann der Mann auch wirklich Mensch sein
  • eine problematische Aussage: frigide Frauen werden durch Vergewaltigung darüber belehrt, dass Sex auch was Gutes sein kann. Oh ja, ich weiß nicht, ob die Story heute noch so gedruckt werden würde – geschrieben sicher nicht (die titelgebende Story der amerikan. Originalausgabe: „Willkommen im Affenhaus“)
  • noch eine rührende Liebesgeschichte, in der eine alte Freundschaft aus der Kinderzeit zur Liebe reift, was aber nicht so einfach ist und sogar den Mann zum Desertieren verleitet
  • über jemanden, der ein Riesenvermögen erbt, was er aber nicht brauchen kann, weil das seinen Lebensplan völlig durcheinander bringt
  • eine für meine Begriffe wundervolle Story über eine schöne Frau, die aufgrund ihrer Schönheit und scheinbaren Unnahbarkeit von einem Mann, der sich nicht traut, Frauen anzusprechen, weil er keinen Korb haben möchte, gemobbt wird. Irgendwie eine sehr aktuell wirkende Stories um einen Incel. Diese Form der Misogynie ist also keine Erfindung des Internets
  • über eine in Vergessenheit geratene Erfindung Edisons, die neben aufzeigte, dass Hunde die intelligenteren Wesen auf Erden sind
  • über einen Jungen, der einen Streit von Nachbar schlichten will, dabei meint, am Tod eines der Streitenden verantwortlich zu sein, aber am Ende wird alles gut
  • über eine konsumgläubige, aber ansonsten fast lebensuntüchtige Hausfrau
  • über den Urlaubsort der amerikan. Politiker
  • über einen schwarzen Jungen, der als Waise in der amerikan. Besatzungszone in Deutschland aufwächst und in einem US-Offizier seinen Vater vermutet; sehr rührend!
  • eine pazifistische, leider sehr phantastische, Utopie, in der besonders Begabte mit psychoenergetischer Kraft Waffen vernichten kann
  • in der kosmische Strahlung aus dem leeren Raum alles vergessen macht, niemand spürt mehr Schmerz etc.; leider macht es die Bestrahlten auch lebensuntüchtig
  • über den Wert einer guten, quasi bürgerlichen normalen Beziehung (die Titelstory)
  • eine großartige Story über die Bürokratie und Menschenfeindlichkeit großer Konzerne, die in ihrem Betriebsablauf keine Freiheit dulden
  • über einen reichen Förderer einer eliteschule, der fast seine eigenen gerechten Prämissen zu seinen Gunsten gebrochen hätte
  • über einen Systemsprenger (erziehungstechnisch)
  • über einen sich selbst bewusst werdenden Supercomputer, der aber dann doch zu Gunsten seines Programmierers ihm lieber zu Diensten ist
  • ein Briefwechsel zweiter Väter von Raumfahrern, die im Kalten Krieg geopfert wurden, einer aus der UdSSR, der andere aus den USA
  • über zukünftige totale Überbevölkerung, erzeugt durch Quasi-Unsterblichkeit, die aber keineswegs eine Verbesserung im Leben der Menschen darstellt.
Was vergessen? Natürlich bilden die Stichpunkte wirklich nur Facetten ab; die Stories sind m.M.n. mitunter sehr komplex und vielschichtig. Auch wenn Vonnegut mal nicht wie Vonnegut schrieb, mitunter hat er mich an Bradbury erinnert, finde ich ihn fast immer großartig; nur einige Texte waren ohne Spannung und für mich irrelevant, nur wenige…
9 / 10 Punkte

 

Erich Maria Remarque: „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“
Das ist also „Nichts Neues im… Osten“ im 2. Weltkrieg. Na ja, nicht ganz. Hier geht der Protagonist von der Ostfront auf Urlaub, kann dort über sich nachdenken, seine Eltern suchen, heiraten. Und wird genauso enden wie der Protagonist aus dem anderen Buch…
Den Plot kann man sicher noch etwas genauer beschreiben, aber auf jeden Fall schön zusammen fassen. Dennoch ist das Buch keinen Moment langweilig, sogar richtig spannend. Der Autor kann einfach großartig erzählen, trotz aller Relevanz und Schwere bei dem Thema ist es auch gute Unterhaltung.
Habe eine alte DDR-Ausgabe gelesen und nicht schlecht gestaunt, also der Protagonist ziemlich am Ende seine Unfreiheit und das Verbrecherische des Nazi-Staats beklagt und das mit dem Kommunismus, vergleicht. Da ist wohl den Zensoren was entgangen…
10 / 10 Punkte

 

Franz Fühmann: „Pavlos Papierbuch“
Ein erster kleiner Erzählungsband des Jubilaren. F.F. feierte 2022 seinen 100. Geburtstag, wenn er noch leben würde. Mir war gar nicht bewusst, dass er ja auch gar nicht alt geworden ist, schon 1984 gestorben.
F.F. gehörte zu meinem Lieblingsschriftstellern meiner Jugendzeit. Aufgrund seiner Mythennacherzählungen und wegen des faszinierenden Sprach-Buches „Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm zu Babel“. Und nun, nach Jahrzehnten, bin ich wieder im Fühmann-Fieber. Jetzt „erwachsen“ – also lese ich auch anderes von ihm.
Der kleine Band hier enthält einen schönen Überblick über sein Schaffen. Autobiografisch gefärbte Erzählungen aus der ersten Phase seines Lebens, als er jung und naiv und Nazi war. Auch das war mir damals als Jugendlicher Fan nicht bewusst. Dabei machte er nie ein Geheimnis drum, sondern hat sich seiner Fehlungen und Irrungen im Leben immer gestellt – auch das war mir nicht klar. Aber das macht ihn mir sehr sympathisch.
Es sind auch 2 der dystopischen SF-Erzählungen enthalten und Mythenverarbeitungen, die aber auch auf einem anderen Niveau als sein Prometheus oder seine Nibelungen, den ich als junger Mensch las - auch weil sie für ein jugendliches Publikum dargebracht wurden.
Weil man schlecht auch im Netz findet, wo welche Stories von ihm enthalten sind, liste ich die hier mal auf:

  • Der Jongleur im Kino oder Die Insel der Träume (verarbeitete Kindheits- u. Jugenderinnerungen, an seine frühe faschistische Zeit)
  • Der Jongleur im Kino
  • Indianergesang
  • Die Austreibung der Großmutter
  • Mein letzter Flug
  • Die Gewitterblume
  • Strelch (Ein Plädoyer für eine phantasievolle Kindererziehung)
  • Drei nackte Männer
  • Die Ohnmacht (eine physikalisch-philosophische Spielerei oder politische Kritik?)
  • Pavlos Papierbuch (nicht unbedingt nur ein unverhohlene Kritik an der Zensur in der DDR, sondern auch eine Anklage an die von Gewalt bestimmte Beziehung zwischen den Menschen)
  • Das Netz des Hephaistos
  • Der Geliebte der Morgenröte (2 Mythenverarbeitungen, in denen das „Thema Nr. 1“ im Mittelpunkt steht)
10 / 10 Punkte

 

Gunnar Decker: „Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns. Eine Biographie“
Neben Arnolt Bronnen habe ich also nun in Franz Fühmann, einen zweiten „persönlichen Geschichtszeugen“ für mich erschlossen. Dank dieser wunderbar geschriebenen Biografie! Zu kritisieren hätte ich hier nur, dass sie mitunter chronologisch etwas hin und her stolpert. Der Autor hat sich zwar an den zeitlichen Lebenslauf gehalten, aber auch thematisch sortiert. Aber okay, das passt schon. Und der Autor wendet eine ähnliche Sprache an, die auch Franz Fühmann verwandte. Das wirkt etwas gekünstelt und antiquiert. Aber was soll ich sagen: Ich mag’s!
Wie Bronnen hat Fühmann eine Geschichte. Beide deutschen Schriftsteller waren auch zum Teil damit beschäftigt, ihre eigenen Verwerfungen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts aufzuarbeiten. Sicherlich auf unterschiedlichem Wege, aber doch wieder sehr ähnlich. Man kann über Beide gern den Stab brechen, aber das wäre wenig hilfreich. Klar, sie waren Nazis, dann Kommunisten / Stalinisten, dann… also, Fühmann, der Jüngerer von Beiden und bis 1984 lebend, hat die DDR ja noch in vollen Zügen „genossen“ – und ist da quasi ein 2. Mal gesellschaftspolitisch gescheitert. Erst überzeugter Nazi, dann überzeugter Stalinist, dann halt von allem enttäuscht und desillusioniert.
Ich liebte seine Bücher in der Jugendzeit (ähnlich wie Bronnens Aisopos) und wusste so wenig über den Menschen. Dabei hatte Fühmann immer auch seine eigene Biografie in Frage gestellt und zur Disposition; nur leider hatte ich diese Texte von ihm halt nicht wahrgenommen.
Das Leben Fühmanns ist für mich überaus spannend, weil er so zwischen allen Stühlen saß, nie heimisch wurde, immer im Widerspruch lebte. Und dabei so tolle Sachen schuf. Ja, bin gerade voll im Fühmann-Fieber! (25.11.22)
11 / 10 Punkte

 

Dmitry Glukhovsky: „Geschichten aus der Heimat“
Eine Sammlung gar nicht so neuer Kurzgeschichten des METRO-2033-Autors. Den ich dies Jahr eher durch „Outpost“ für mich (wieder-) entdeckte. Damit hatte er mich wirklich überzeugt. Auf die Stories war ich dann sehr gespannt, da mir auch sein realistisches „Text“ gefiel. Der Autor hat sich als scharfer Kritiker der russischen Realpolitik erwiesen. Das machte die Storysammlung besonders interessant für mich.
Nun hatte ich tatsächlich eher realistische Stories erwartet – aber es sind zum Großteil waschechte Phantastik sogar SF. Aber immer mit sehr harscher, direkter wenig subtiler Kritik an der russischen Realität. Seine Fiktionen gehen direkt in die Magengrube; er lässt kaum ein gutes Haar an seiner Heimat und seinen Landsleuten, insbesondere, wenn sie eine Nähe zur Macht besitzen. Die üblichen Themen, könnte man meinen, aber wem das zu langweilig und oberflächlich erscheint, auf den ersten Blick, der sie gewarnt: Denn der Autor ist ein phantastischer.
8 / 10 Punkte

 

Jasper Nicolaisen: „Tiere, Pflanzen, Sensationen“
Der immer ironisch-sarkastische Wortakrobat Jasper Nicolaisen, oftmals mit Hang zum Phantastischen, ohne sich da vollends auszuagieren, also auch immer die Genregrenzen auslotend, bzw. sich um diese nicht scherend, hat mal so nebenbei ein kleines Hand-Buch auf den Markt geschmissen. Löblich auch, dass damit u.a. auch der eigentlich gerade geschlossene Ach je Verlag als Imprint des Amrum Verlages weiter existiert.
Der Form nach handelt es sich um eine Sammlung von Fabeln: Tierfabeln, aber auch Pflanzenfabeln, falls es so etwas überhaupt gibt. Aber warum nicht? Dass Tieren menschliche Verhaltensweisen zugeschrieben werden, ist ja auch nur reine Phantasie. Ob die Tiere und Pflanzen und „Sensationen“ entsprechend ihren „Eigenschaften“ in die komischen, absurden und menschliche Verhaltensweisen karikierenden Situationen entsprechen, mag dahingestellt sei. Mitunter erscheint mir der Einsatz der Tierarten bewusst konträr zur Aussage zu stehen. Aber was weiß ich schon, bin ja nicht Brehm.
Ich fand das Bändchen überaus amüsant; die richtige, weil sehr kurzweilige Straßenbahn-Lektüre.
9 / 10 Punkte

 

„Die Verbesserung des Menschen. Märchen von…*“
aus der DDR, hg. v. Horst Heidtmann, Sammlung Luchterhand 413, 1982
Insgesamt ein interessanter Ein- und Rückblick; die Kürze der Texte machen auch die aus meiner Sicht schwächeren Beiträge erträglich. Dabei sind auch richtige Perlen, die mich animieren, da am Ball zu bleiben.
Es sind Märchen für Erwachsene, so wohl der Anspruch, der zu dieser Anthologie führte, dabei sind die Autor*innen aus der DDR, auch wenn ein paar von ihnen dann schon gar nicht mehr in der DDR lebten. – Ausführlich im NEUEN STERN, in einer neuen Rubrik…
(* da folgen ganz viele, aber nicht alle Namen der vertretenen Autor*innen)
8 / 10 Punkte

 

Erich Maria Remarque: „Die Nacht von Lissabon“
Romanzeitung 345 12/78, ziemlich zerfledert…
Mein 3. Remarque. Diesmal geht es ins Emigranten-Milieu deutscher Flüchtlinge vor dem Naziregime. Und es ist eine Liebesgeschichte. Ein Flüchtling macht Bekanntschaft eines andere Flüchtlings, der ihm 2 Karten für eine Überfahrt von Lissabon in die USA verspricht, wenn er ihm zuhört. Was er sich da anhören muss – stellvertretend für die Leser – dauert etwas länger als eine Nacht. Es ist die Geschichte einer anderen Flucht, eines Mannes, der aus einem KZ geflohen ist, in die Schweiz und nach Frankreich, alles vor dem Krieg, dann aber zurückkehrt, um seine Ehefrau zu besuchen, die dann auch mit ihm kommt. Leider ist sie schwer krank und er verliert sie. Damit verliert der Mann auch sein Interesse, allein in die USA zu gehen.
Man kann zum Plot noch mehr erzählen, der durchaus spannend ist, mir aber auch viel aus dem Leben der Flüchtlinge beigebracht hat, die im Süden Frankreichs auch interniert wurden. Die Verhältnisse im Vichy-Frankreich waren schon verwirrend; den Deutschen in den dortigen Lagerns erging es auch nicht gut, dazu die Gefahr, doch noch von der Gestapo geschnappt zu werden.
9 / 10 Punkte

 

Walter Janka: „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“
Angeregt durch meine Fühmann-Lektüre nun noch etwas DDR-Aufarbeitung. Nüchtern betrachtet war es sehr interessant, aber irgendwie kann ich das nicht „nüchtern“ lesen. Auch nach so vielen Jahren herrscht entsetzen und bitte Enttäuschung über den großen Beschiss, der doch irgendwie meine Heimat war. Einzelne, kleine persönliche Schicksale werden auch angedeutet, und wer da „nüchtern“, unberührt bleiben kann, der hat kein Herz.
Immer mehr greift die Erkenntnis, dass „wir“ von Anfang an so ziemlich alles falsch gemacht haben. Schöner Mist. – Aber interessant, auch hier muss ich am Ball bleiben…
9 / 10 Punkte




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Leseliste September 22

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 03 Oktober 2022 · 845 Aufrufe
Remarque, Vonnegut, Kehlmann und 3 weitere...

Der September bescherte mir eine abwechslungsreiche Leseliste. Hier mein Fazit:

 

John Wyndham: „Kolonie im Meer?“
Nachdem ich durch seinen Erzählungsband „Die Kobaltblume“ Blut geleckt habe, ist jetzt auch mal massiv Wyndham dran. Ein Klassiker, den ich doch schon längst aufgearbeitet haben müsste, oder?
Dieses Werk ist ein typischer Wyndham, der ja für seine gemütlichen Apokalypsen bekannt ist. Die Welt kann gemächlich untergehen, dann aber auch richtig. Hier kommt die Gefahr aus dem All, aber die Aliens verziehen sich bei Ankunft auf der Erde gleich in die Tiefsee. Wir bekommen sie im Grunde nie zu Gesicht. Der andere Titel des Romans lautet auch „Wenn der Krake erwacht“. Dass es sich um krakenförmige Wesen handelt, wird zwar mal spekuliert, ist aber nicht durch direkte Beobachtung abgesichert.
In der Tiefsee sind die Aliens unantastbar. Sie versenken Schiffe und greifen Inseln und die Küsten weltweit an. Dazu nutzen sie schildkrötenförmige Amphibienfahrzeuge mit Tentakeln. Sie schnappen sich die Menschen; was mit denen passiert, wird nicht erklärt.
Für den Leser beobachtet ein frisch vermähltes Pärchen die ganze Geschichte. Sie sind Reporter und meistens immer vorne mit dabei. Am Ende kulminiert die Handlung auf den britischen Inseln. Die Aliens schmelzen das Eis an den Polkappen ab, es kommt zu Überschwemmungen, auch die britischen Inseln sind betroffen. Die Bevölkerung beträgt nur noch ein Zehntel. Dass das eigentlich ziemlich dramatisch ist, merkt man dem Roman kaum an. Am Ende scheint man sich – also, wer überlebt hat – ohnehin damit abgefunden zu haben, das die neuen Herrn der Erde die Aliens sind und man sich auf den Rest des Landes, der übrig blieb, irgendwie einrichten muss und das auch kann. Alles gut am Ende?
Der Roman ist kurzweilig, auch nicht zu lang. Wobei ich mal wieder nicht weiß, ob der auch vollständig vorliegt. Ich habe eine Hardcoverausgabe des Goldmannverlages von 1961, die auch nur diese standardisierten 180 Seiten hat, aber die neuere Ausgabe von Suhrkamp hat auch nicht mehr. Aber mehr braucht man zu dieser recht geradlinigen, wenig überraschenden UFO-Gefahr-Apokalypse auch gar nicht erzählen.
8/10 Punkte

 

Hubert Katzmarz: „Garten der Ewigkeit“
Erstaunlich, ein SF-Roman von Hubert Katzmarz? Ja, gibt es - bzw. wird es bald geben. Der wird nämlich aus seinem Nachlass demnächst veröffentlicht. Ich sag mal noch nix darüber...

 

Kurt Vonnegut: „Katzenwiege“
Im Grunde ist der Roman nicht rätselhaft, aber was der Titel mit dem Inhalt tatsächlich zu tun hat, hat sich mir nicht erschlossen. Eine Katzenwiege ist ein Fadenspiel, das man mit zwei Händen ausübt und halt so verschiedene Formen bildet.
Ansonsten geht es aber um eine neue Superwaffe, die einer der fiktiven Väter der Atombombe erfunden hat. Die nennt sich Eis 9 und kann folgendes – obwohl das wahrscheinlich physikalisch nicht geht – was wiederum gut ist: Es setzt den Gefrierpunkt von Wasser hoch, so um die 40 Grad. Also, was mit Eis 9 in Kontakt kommt, erfriert sofort. Ganz schön blöd für einen Planeten wie die Erde, dessen Oberfläche hauptsächlich aus Wasser besteht und Wasser für alles Lebenswichtige braucht – Wasser in flüssiger Form ...
Ein Journalist forscht dem Erfinder hinterher und will auch rauskriegen, wo diese Eis 9 hin ist. Und was das für ein Mensch war, der ein genialer Erfinder war, aber sich für das, was man mit seinen Erfindungen anstellen kann, nicht die Bohne interessierte.
Dabei kommt er in einen kleinen Inselstaat, so einer Bananenrepublik, im Schatten der USA: San Lorenzo. Dorthin haben sich die Erben des Erfinders verzogen. Das Land ist arm, die meisten Leute dort auch, dafür gibt es einen Diktator, der sich „Papa“ nennen lässt.
Die Story lebt von den skurrilen Figuren und Protagonisten und erfindet eine eigene Religion. Man denkt natürlich bei so einem südamerikan. Land gleich an Voodoo oder so, aber beim Lesen kam mir eher Rastafari in den Sinn. Auf jeden Fall bietet dies dem Autor, schön über religiöse “Wahrheiten“ abzulästern. Herrlich! Sie heißt Bokononismus. Eine ihrer grundsätzlichen Wahrheiten ist, dass Religion einen Lüge ist. Die Lüge heißt hier Foma, das macht sie aber auch nicht wahrer, ist aber hilfreich (wie Notlügen vielleicht).
Der Erfinder kommt übrigens auch aus Ilium (Player Piano), der Roman spielt aber hauptsächlich in San Lorenzo. Dort wird er durch seltsame Umstände sogar zum Präsidenten der Insel. Aber wie das gehen kann, verrate ich hier nicht. Ist jedenfalls eine tolle, schnurstracks-geradlinig erzählte Story, die im Fiasko endet. Ende der Welt und so.
Ich kann hier nur 10 / 10 Punkte geben, auch wenn der Stil – diese superkurzen Kapitel z.B. – irgendwie verknappt wirkt. Aber was soll’s? Alles auf den Punkt gebracht. Super!

 

Aiki Mira: „Titans Kinder“
Kurzweilige, spannende und diverse Weltraum-Abenteuer-Utopie. Ja, viele Adjektive und Zuschreibungen. Man staune, was alles so auf 180 Seiten passt. Auch wenn hier mitunter ziemlich durch den Plot und die Jahre gehetzt wird, dabei aber eine eigenständige Evolution des Lebens auf dem Jupitermond Titan beginnt, was mir dann doch eher unwahrscheinlich erschien, war der Roman für mich eine wahre Wohltat. Die Figuren sind interessant und teilweise echt liebenswert, auch vielleicht gerade wegen ihrer Diversität und ihrer Problematiken im Zusammenleben mit andere Menschen. Die Utopie darin (Untertitel lautet: „Eine Space-Utopie“) ist sicher nicht so leicht nachvollziehbar, denn die Umstände, mit denen die Protags zurechtkommen müssen, sind schon sehr bizarr und extrem. Aber auch hier findet „das Leben“ seinen Weg. Schön!
9 / 10 Punkte

 

Daniel Kehlmann: „F“
Hörbuch, gelesen von Burghart Klaußner (das macht er gut!)
Ein Wiedersehen mit einem guten, alten Bekannten. Das Buch las ich im Frühjahr 2015. Inhaltlich will ich gar nicht viel mehr hinzufügen. Siehe meinen Eintrag von damals.
Die Faszination ist auch immer noch / wieder da. Klasse Roman um eine kleine Familie und der Frage, was sie antreibt, was ihr Schicksal = F = Fatma – ist.
(keine neue Punktzahl, ich belasse es bei damals…)

 

Laurent Binet: „Eroberung“
Mein erster Binet und mit Sicherheit nicht mein letzter! Eine superinteressante und wundervoll erzählte Alternativ-Welt-Geschichte – wobei hier „Geschichte“ vielleicht mitunter etwas zu sehr als „Historie“ erklärt werden könnte. Gerade der Hauptteil, in dem die Inkas Europa „erobern“, ist historisch sehr genau. Um da alle Finessen mitzubekommen, müsste man sich schon ziemlich gut in der europäischen Geschichte des 16. Jahrhunderts auskennen. Aber dennoch macht die Lektüre Laune und alles wird sehr schlüssig und nachvollziehbar erklärt. Ja, so könnte es auch gelaufen sein, wenn nicht…
10 / 10 Punkte

 

Erich Maria Remarque: „Im Westen nichts Neues“
Ja, ich gebe es zu: 1. Ich habe bisher diesen Klassiker nicht gelesen und 2. Ja, die Ankündigung, dass es eine Neuverfilmung (bei Netflix) gibt, hat mich jetzt auch auf das Buch neugierig gemacht. Und es gibt sogar noch einen 3. Punkt, der hat aber was mit der Familie zu tun. – Unterm Strich ist es aber egal, warum ich das Buch jetzt las. In jedem Falle war es längst überfällig. Und ich habe gleich gemerkt, dass das auch nicht mein letzter Remarque bleiben darf.
Großartiges Buch, starke Sprache, starke Figuren. Grausam und gleichzeitig sogar spannend. Ich bin ziemlich begeistert.
10 / 10 Punkte




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Am Ende des Sommers - gelesen, Juni, Juli, August 2022

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 27 August 2022 · 1.323 Aufrufe
Strugazki, Wyndham, Vonnegut und 2 weitere...

Zeit für eine Abrechnung – meines Lektüre-Sommers. Es wird Herbst, das Wetter heute, am 27. August, in Halle a. d. Saale, ist schon sehr herbstlich. Ich finde das ja angenehm, nicht mehr heiß, nicht mehr trocken. Aber schon trübe, drückt ein bisschen aufs Gemüt.
Und heute ist hier Einschulung. Die Schule ging die Woche wieder los. Okay, tangiert mich persönlich auch nicht. Aber all das sind sichere Zeichen.
Meine letzte Leseliste ist von Pfingsten – hey, war das nicht erst gestern? Mal sehen, was da war inzwischen…

 

Vladimír Páral: „Der Krieg mit dem Multitier“
Das ist nun der Roman, an den ich mich erinnern wollte und der mich veranlasste, auch mal die anderen Sachen des Autors zu lesen, die es – entgegen meiner langjährigen Unkenntnis – auf Deutsch gibt. Der SF-Reißer war mir irgendwie in guter, spektakulärer Erinnerung geblieben, seit ich ihn in den 80er Jahren las. Hatte er wirklich so einen starken Bezug zur damals grassierenden Umweltverschmutzung, zum Waldsterben im Bergland zwischen der Tschechoslowakei, DDR und BRD etwa? Und wie „spektakulär“ ist der wirklich gewesen?
Nun, ich habe ihn heute mit großem Genuss gelesen. Nachdem ich aber die beiden Gegenwarteromane des Autors auch gelesen hatten, weiß ich, dass er auch hier seinem Metier treu geblieben ist. Es geht viel um Beziehungskisten.
Aber geprägt durch eine Stoff gewordene Rache der Natur gegen die Umweltverschmutzung – in Form braunen Regens, der zum Massit, zu angreifenden ekligen braunen, Umweltschmutz-Soldaten mutierte und dann zum „Multitier“ - einer parasitären Lebensform, die sich die Menschen wie eine Droge aneignen, um von dem Multitier übernommen werden zu können.
Ein recht dicker Roman (für den Autor), der sicher auch gekürzt werden könnte. Aber unterhaltsam. Und vielschichtig. Es geht auch um Konsumverhalten, Drogenmissbrauch, moralische Fragen und auch politische und ideologische Auseinandersetzung.
8 / 10 Punkte

 

Arkadi und Boris Strugazki: „Der Montag fängt am Samstag an“
Meine russische Phantastikphase ist noch immer nicht beendet, obwohl die Aelita-Hefte des Neuen Sterns bereits erschienen sind; ich also sowas nicht mehr lesen „muss“. Mach ich aber doch noch. Irgendwie verspüre ich Nachholbedarf.
Bei dem Buch ist es aber so, dass ich es – zumindest partiell – bereits gelesen hatte, kurz nachdem es erschien (1990) und von mir erworben wurde. Das Buch hat ja auch wieder so eine komplizierte Publikationsgeschichte. Insbesondere der vierte Teil, „Das Märchen von der Troika“, fiel lange Zeit der Zensur zum Opfer. Als es dann nach der „Wende“ auf Deutsch erschien (in Russisch wohl auch erstmals komplett?), war das natürlich ein Muss!
Zu meiner persönlichen Rezeptionsgeschichte des Buches sei nur angemerkt, dass ich mich so gut wie gar nicht mehr an das erinnere, was ich damals las und ich auch nicht mal mehr weiß, ob ich es überhaupt in Gänze las. Leider sagt das auch was aus – über das Buch, oder über mich? Ich muss gestehen, auch jetzt wird es nicht mein Lieblingsbuch von den Strugazkis.
Was ist das? Es geht um ein spezielles Institut, dass paranormale und randwissenschaftliche Phänomene aufspürt, analysiert, katalogisiert und – tja, was draus macht?
Ein bisschen wie die Men In Black, kommt mir das hier vor, durchaus auch witzig wie die Filme mit Will Smith, aber halt eine andere Form von Humor.
Wobei mir der erste Teil, wo der Ich-Erzähler dort ankommt, und quasi von der Straß0e weg rekrutiert wird, um dort mitzuarbeiten, noch am besten gefiel. Er ist Programmierer und daher sehr begehrt. Er wird auch gleich mit einem Ding konfrontiert, dass ihn ziemlich verunsichert – und den Leser auch. Sieht aus wie ein Canapé, aber man sollte doch lieber nicht drauf schlafen. Das Teil ist nämlich ein Translationskanapee aus der Zeit Rudolf II., also auch aus der Zeit Rabbi Löws.
Die Strugazkis packen gefühlt alles rein, was es an Märchen-, Sagen- und anderen phantastischen Figuren in der Welt-Literatur gibt. Vom Vampir bis zum UFO, oder auch einen vernunftbegabten Kraken, oder einen Außerirdischen, der auf der Erde notlanden musste, eigentlich nur seine Fliegende Untertasse reparieren möchte, sich aber den Fragen des Triumvirats für Rationalisierung und Utilisierung unterwerfen muss. Das berühmt-berüchtigte Triumvirat halt. Tritt auf wie eine ideologisch-dogmatische Parteileitung. Der STEMPEL (immer in Großbuchstaben) schwebt über allen „Vorgängen“ und ihr Urteil entscheidet über Wohl und Wehe, es stehen sogar Todesurteile zur Debatte. Da hört der Spaß dann auch auf.
Insgesamt passiert sehr viel, aber so richtig klar, wohin das Ganze steuert, wurde mir nicht. Das plätschert so dahin, es gibt tolle Passagen, Dialoge und kuriose Szenen, dann aber viel, was einfach überzogen und albern wirkt (auf mich). Die Satire ist so überzogen, weil sie vielleicht an der Zensur auf diesem Wege vorbei kommen wollte? Vielleicht hat die Darstellung absurder Inkompetenz und sinnloser Machtspielchen in dieser Form auch ihren Background verloren. Das ist ein Zeitdokument, damals wichtig, heute nicht mehr so relevant (aber, so ganz sicher bin ich mir da auch nicht…)
Für mich nur 7 / 10 Punkte

 

„Rückkehr nach Bleiwenheim“
(Arbeitstitel), demnächst hg. V. Ellen Norten und Andreas Fieberg
Sehnsucht nach Bleiwenheim

 

John Wyndham: „Die Kobaltblume“
Erzählungen, Suhrkamp 1988, aber jetzt erst gelesen (Juli 2022)
Na, bin ziemlich angetan von den Erzählungen. Obwohl sie wirklich nicht die SF oder Phantastik neu erfinden. Oder doch? Sie sind ja allesamt aus den 50ern und könnten theoretisch die Ideen damals das erste Mal enthalten haben. Vermag ich aber nicht nachzuvollziehen.
Es geht um einen Meteor, der in ländlicher (englischer, nicht amerikanischer) Gegend niedergeht und eigentlich aufgrund seiner Form (regelmäßige Eisenkugel, innen mit vielen kleinen Kammern durchsetzt) niemanden als ein natürlicher Meteorit erscheinen sollte.
Parallel dazu lesen wir von den Aliens, die ihren dem Untergang geweihten Planeten verlassen müssen und glauben, in der Erde eine neue Heimat gefunden zu haben.
Ja, total bekannter Topos, nix Neues, aber halt wunderbar erzählt
Mein Liebling ist „Wanderer auf dem Mars“, eine Story, die von Bradbury stammen könnte! Bradburys Marschroniken sind ja von 1950, da war er also sicher der Erste, oder? Melancholisch ist's (Erde ist kaputt, warum bleibt offen, Terraner auf dem Mars sind einfach nur Verlorene). Der Protagonist teilt nicht den herkömmlichen Rassismus gegenüber den scheinbar primitiven Marsianern. Und er liebt auch eine Marsianerin, bleibt aber nicht bei ihr, weil er sich nur durch das unstete Wandern über den roten Planeten nicht aufgibt und nur so leben kann. Am Ende scheint es aber auch so zu sein, dass die Beiden ein gemeinsames Kind haben.
Die Story brilliert für mich durch ihrer Sprache und traurige Grundstimmung. Wundervoll! Habe mir gleich eine Bemerkung in den Kalender gemacht, die muss ich bald wiederlesen.
Es gibt gespenstige Begegnungen mit Unbekannten in der kleinen Stadt auf dem Lande. Das bringt etwas Unruhe in die Beschaulichkeit. Es sind aber nie einfach nur olle engl. Gespenster, sondern Besucher aus der Zukunft oder aus Parallelwelten.
Und dann gibt es die Frage, was heißt es, wenn da jemand „verrückt“ ist und entsprechende Behandlung braucht. Ist es nur eine Drogenabhängigkeit, oder doch ein Entschlüpfen in eine Andere Welt? Wo der Patient übrigens glücklich sein kann. Es ist aber ganz anders: Er ist „Opfer“ eines Körpertauschexperimentes eines Mannes aus der Zukunft geworden, der wie seine Zeitgenossen alle, die noch Vernunft besitzen, ihr Leben dadurch verlängern, indem sie in die Körper Anderer schlüpfen, sie quasi übernehmen – wobei die bisherigen Opfer Menschen sind, die sich zurück entwickelt haben. Nun, eine ethisch nicht gerade einwandfreie Sache, aber unser Protagonist ist davon auch nicht angetan. Da er aber als vom Krieg Geschädigter (Bein verloren) sich in einem gesunden Körper wiederfindet, entbrennt ein Duell zw. den beiden Männern um diesen gesunden Körper.
Die Titelstory ist zwar sehr kurz, aber superschön – auch wenn die Aussage auch hier nicht so unbestritten ist (aus heutiger Sicht?). Aber die Story ist fast reine Poesie, eine Ode an die Kraft der Natur, an den Zustand zwischen Schlaf, Traum und Wachsein, und gegen die „kalte“, seelenlose Wissenschaft. – Die Kobaltblume ist eine neue Spezies, die nach Absturz eines Flugzeugs mit radioaktivem Kobalt an Bord, entstand. Ein Farmer merzt sie aus…
Insgesamt eine feine Sammlung; keine großen Sachen, den langjährigen SF-Leser wird da kaum was überraschen. Wyndham ist aber ein wundervoller Formulier-Künstler, mag auch an der Übersetzung liegen, die ich – als Ahnungsloser – nicht schlecht finde. Die Aussagen sind meist sehr humanistisch, was für einen Autor in einem gerade untergehenden Kolonialreich auch nicht so typisch sein mochte. Heute erscheint das auch nicht mehr originell, aber richtig. Hmm, ich glaube, ich muss mehr Wyndham lesen.
10 / 10 Punkte

 

Dmitri Glukhovsky: „Sumerki. Dämmerung“
Das ist eine Zweitlesung. Im Oktober 2010 habe ich es das erste Mal gelesen und mit 7 / 10 Punkten und ein paar kritischen Worten in meiner Leselistedamals aufgeführt.
Warum jetzt noch einmal? Na ja, irgendwie bin ich gerade irgendwie durch „Outpost“ und „Text“ doch noch zum Glukhovsky-Fan geworden, scheint’s mir. Und dann entdeckte ich das dicke TB in einem Antiquariat für 3 Euro; mein damaliges Exemplar hatte ich abgegeben, da das Buch ja mächtig aufgebläht, mit großer Schrift, dickem Papier viel zu viel Platz wegnimmt im Regal. Und hätte ich es denn noch mal lesen wollen? Damals habe ich mir die Frage mit „Nein“ beantwortet. Ja, so kann man sich irren.
Und irgendwie hatte ich das Ende des Buches vergessen; worum es vordergründig geht, wusste ich noch: Übersetzer in Russland erhält häppchenweise Auftrag zum Übersetzen eines Textes aus der Zeit der spanischen Conquista in Lateinamerika. Es geht um die „Mission“ des Diego de Landas, der im Auftrag der Krone und Inquisition alle Maya-Schriften sammeln und vernichten sollte, dann aber anderen Sinnes wurde und wichtige Schriften bewahrte, u.a. ja den bekannten Maya-Kalender mit der Weltuntergangsprophezeiung.
Das Buch erschien ja kurz vor 2012 und war damals quasi hochaktuell. Das war dann auch damals die Erwartungshaltung: Was macht der Autor mit dem Maya-Weltuntergang?
Damals war ich vom Ende enttäuscht, denn die Auflösung geht ja mächtig in Richtung „Matrix“. Das hatte ich übrigens tatsächlich vergessen. Und so richtig weiß ich nicht, ob dieses Matrix-Ding am Ende wirklich wirklich gemeint ist. Und: Gibt es denn nun den Weltuntergang?
Das Buch ist ein Kabinettstückchen. Alles dreht sich um den Protagonisten, den Übersetzer, was er mit dem Manuskript und so nebenbei erlebt. Dabei scheint sich alles – ja, die ganze Weltgeschichte? – auf ihn zu fokussieren. Das ist schon eine echte Last, unter der er auch leidet. Da will er natürlich wissen, wieso er und was das überhaupt alles soll. „Gott“ gibt ihm Auskunft. Aber stimmt das überhaupt?
Und dann bin ich ja jetzt auf der Suche nach politischen, gesellschaftlichen Ausführungen des Autors. Er ist ja eine im „Westen“ bekannte kritische Stimme zu dem, was gegenwärtig in Russland passiert. Und das, obwohl er ja „nur“ Unterhaltungsliteratur schreibt.
Auf die leider raren Stellen im Buch, die das Leben in Russland und Moskau um 2010 beleuchten, war ich besonders gespannt. Ein paar gibt es, so z.B. auch zur Frage, warum seine Zeitgenossen, allesamt vom Atheismus der Sowjetzeit mitgeprägt, jetzt wieder in die Kirche rennen, sogar in neue Riesenkirchen. Oder wie sich die Erinnerungskultur an den Großen Vaterländischen Krieg langsam wieder ändert – von „interessiert doch keinen mehr“ zum blanken Heroismus. DAS war dann schon ein Bausteinchen, das heute aufhorchen lässt…
Na ja, nach wie vor finde ich das Buch zu voluminös, hätte wirklich eine Straffung vertragen. Da finde ich, hat sich der Autor entwickelt; „Outpost“ fand ich in der Beziehung viel besser.
Über die Auflösung der Geheimnisse um das spanische Manuskript, die Zeichen für den Weltuntergang (Tsunamis, Erdbeben) und die Rolle des eigentlich von allem abseits lebenden Übersetzers, der von Maya-Götter-Monstern heimgesucht wird, weil er vielleicht etwas weiß, von dem er nichts weiß und deshalb zur Gefahr und Chance für – ja für was? – geworden ist – also, das Ende war dann wieder nicht so ganz richtig toll für mich.
Aber in meiner Gunst ist das Buch um 1 Punkt gestiegen: 8 / 10 Punkte.
PS. Ja, diese „Dass-Sätze“ des Manuskripts; nerven immer noch; deshalb habe ich hier ein paar „Und-Sätze“ geschrieben und hoffe, die nerven nicht so sehr.

 

Emma Braslavsky: „Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen“
Suhrkamp 2016, gelesen Juli 2022
Das ist fast eine Utopie. Die funktioniert natürlich auch nicht, hat nicht mal im Ansatz funktioniert. Es kam dann gar nicht mehr zum echten utopischen Versuch.
Es ist ein SF-Roman, der gar nicht aus der SF-Ecke kommt. Gibt es sowas? Na ja, ist mehr so eine Empfindung meinerseits. Natürlich, wenn die Geschichte in der Zukunft spielt, dabei etwas vorkommt, was es (noch) nicht gibt und vor allem, wenn gesellschaftliche, politische, wissenschaftliche Problematiken angesprochen werden – was soll es sonst sein, wenn nicht SF?
Da taucht nach einem Orkan eine bisher unbekannte, unentdeckte Insel auf.
Der Orkan heißt übrigens Frankenstorm Tony. Er wird hier wie eine eigenständige Persönlichkeit behandelt. Diese Art der Erzählung hat mich, was ihn betrifft, zunächst etwas abgelenkt – positiv gemeint! Das liest sich absolut stark – aber am Ende musste ich noch mal nachlesen, wie denn diese Insel in das allgemein-menschliche Bewusstsein kam. Ist ja heutzutage fast unmöglich anzunehmen, man würde noch nicht jeden Flecken Erde auf der Erde kennen.
Aber nehmen wir mal an, sowas passiert, was geschieht dann?
Die Autorin nutzt die Gelegenheit, die gutbürgerlichen Weltverbesserer und ihre (fiktiven) Weltverbesserer-Organisationen zu beleuchten, Leute, die durchaus verstanden haben, dass es so wie aktuell nicht weitergehen kann, vor allem vor dem Hintergrund er menschgemachten Klimaveränderungen.
Eine neue Gesellschaft muss her? Aber wie macht man das, frage ich mich, wenn man an den Grundpfeilern des gesellschaftlichen Zusammenlebens, vor allem am Wirtschaften, global gesehen, nicht rührt? Die Frage steht in dem Roman auch im Hintergrund. Aber die Autorin beleuchtet das alles eher psychologisch, zwischenmenschlich; zeigt auf, wie die Protagonisten und -innen miteinander agieren und dabei aufgrund ihrer Liebeleien, ihrer Promiskuität, ihrer persönlichen Lebensentwürfe und -ziele am „großen Ziel“ scheitern.
Dazu kommen die Realpolitik; welches Land kann Anspruch auf dieses neue Erdfleckchen erheben? Und: Ist es das neue Paradies? Kann man hier einen Neuanfang wagen? Und wenn ja: Wer darf und kann das?
Ein ziemlich großer Roman, mit ziemlich toll ausgearbeiteten Figuren, die mir echt ans Herz wuchsen, auch wenn sie nicht „perfekt“ sind, was sie mitunter sein wollen (Selbstverbesserung und so).
Starker Roman! Mit interessanten und abwechslungsreichen Stilistiken, liest sich nach hinten immer mehr wie ein Pageturner, sogar mit klassischen Cliffhängern, die man in einem „serösen Mainstreamroman“ gar nicht vermuten würde.
10 / 10 Punkte

 

William F. Nolan & George Clayton Johnson: „Logan’s Run – Flucht ins 23. Jahrhundert“
Meine Phase der Klassiker-Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen. Jetzt also Logan‘s Run. Habe Film mal wieder gesehen und nun auch das Buch erstmalig gelesen. Und? Ja, Buch ist sogar besser als der Film! (Mache im NEUEN STERN dann mal einen etwas längeren Vergleich.)
Vor allem hat mich das Buch stilistisch überzeugt. Der Stil ist irgendwie verknappt, aber so auf den Punkt geschrieben, hat mich echt angesprochen. Das baut auch eine starke Dynamik auf.
Logan, der Sandmann, ist am Ende seines Lebenszyklus (nur 21, statt wie im Film 30, Jahre) und schwankt nun zwischen dem Fluchtimpuls und der eingeimpften Pflichterfüllung.
„Peter Ustinov“ tritt im Buch nicht auf, aber Box (der Roboter – eigentlich eher ein Cyborg) und eine Menge anderer Nebenfiguren, die es im Film nicht gibt. Die Flucht ist im Buch auch viel länger und vielfältiger (Molly, die Unterwasserstadt, ein atomar verseuchtes Washington mit neuer Wildnis, die Eis-Tunnel gibt es auch, sind aber richtig stark besiedelt, von Leuten, deren Leben dort nicht einfach ist; Kämpfe mit Mad-Max-Typen, Bronzeadler und Tiger).
10 / 10 Punkte

 

Anthologie: „2029. Geschichten von morgen“
Darin die Erzählung von Emma Braslavsky: „Ich bin dein Mensch“, die Vorlage zum gleichnamigen Film. Und: Noch zwei weitere Erzählungen, die verfilmt wurden. Reiche Ausbeute! Allerdings ist das kein Wunder, denn die Herausgeber sind vom Fernsehen und suchten Stoffe für das Fernsehen. Man möchte die SF-Fernseh-Filmgeschichte bereichern, die in D dann doch etwas eingeschlafen ist. Dabei schaut man in die nahe Zukunft, will aktuelle Themen aufgreifen und umsetzen, dabei halt schon eine Nah-Zukunfts-SF schreiben, mit realistischen Ansätzen.
Und das scheint mir doch sehr gelungen zu sein. Namenhafte Autor*innen, tolle Stories; mehr dazu im NEUEN STERN.
9 / 10 Punkte

 

Emma Braslavsky: Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“
Klasseroman! Ein transhumanistisches Statement? Das muss ich die Autorin dann mal auf dem ElsterCon im September fragen. Mir erschien es so; die Hubots sind dann am Ende doch die besseren Menschen. Nur wollen sie halt erfahren, erkennen, was Menschsein ausmacht. Selten habe ich etwas in der SF gelesen, das dieser Frage so einfühlsam, überzeugend und stimmig nachgeht. Das ist en realistischer Roman über die nahe Zukunft.
Roberta, als neue KI-Kollegin auf Probe bei der Berliner Kripo. Sie soll Suizide aufklären. Dabei muss sie in erster Linie hausbekommen, wer für die Beerdigungskosten aufkommen kann. BTW lernt man – wenn man das will und aufmerksam verfolgt –, was alles bei so einem Akt beachtet werden muss, welche Behörden da drin hängen etc. Nun, ich denke, die Autorin hat dahingehend Recherche betreiben; oder ist das alles erdacht? Auch das kann ich sie ja dann fragen…
Ich mach mal hier kein weiteres Gewese, das Buch wurde ja im Mainstream-Feuilleton zur Genüge besprochen, zumal es im gleichen Universum / Berlin wie „Ich bin dein Mensch“ spielt.
11 / 10 Punkte

 

Kurt Vonnegut: „Das höllische System“ (Player Piano, auch: Utopie 14, 1952, dt. ab 1964)
Sein erster Roman! Ich habe leider nur die Kurzversion von 1964, 180 Seiten, die von 1988 hat 350. Aber ich denke, das Prinzip hab ich verstanden. Das ist ein prophetischer Roman! Wir erleben die 3. Industrielle Revolution – die auch das Denken, die Denk-Arbeit durch Maschinen ersetzen wird. Die große Langeweile der Nicht-Mehr-Beschäftigten wird zunehmen. Das System ist (frei nach Ford) auf totale Effizienz ausgerichtet. Alles muss stimmen, auch die persönliche Haltung zum System. Gerade die Leistungsträger und Stützen der Gesellschaft müssen mitmachen, sonst verlieren sie ihre Privilegien, z.B. tätig sein zu dürfen. Klingt komisch, ist aber durchaus vorstellbar heutzutage.
Ich muss unbedingt mehr von Vonnegut lesen! Dies Jahr wird er 100; dazu gibt es im NEUEN STERN (so der Plan) auch was zu berichten. Z.B eine ausführliche Meinungsabgabe zu dem Buch hier. Also, dort mehr, wer will.
9 / 10 Punkte




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Sehnsucht nach Bleiwenheim

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013, Meine Empfehlung, Subjektive Eindrücke 01 Juli 2022 · 2.036 Aufrufe
Katzmarz, Ellen Norten

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„Rückkehr nach Bleiwenheim“
(Arbeitstitel), erscheint demnächst, hg. V. Ellen Norten und Andreas Fieberg

 

Hubert Katzmarz, der in Phantastik-Fankreisen sicher nicht unbekannte Herausgeber (daedalus) und Autor, ist viel zu früh verstorben. Was hätte er noch alles machen, schreiben können? Einige Texte hat er begonnen, aber nicht fertig stellen können.
Aber wie lebt ein Schriftsteller weiter, wenn nicht in den Gedanken an ihn, in seinen Texten und dadurch, dass man ihn weiterhin liest? Dafür sorgen seine ehemalige Frau, Ellen Norten, und sein einstiger Mitstreiter, Andreas Fieberg. Sie bereiten eine Anthologie vor, die Texte von Hubert aufgreifen, vollenden und die in Andenken an ihn geschrieben wurden, seine Ideen aufgreifen und fortführen. Darunter sind illustre Namen, allesamt bekannt in der Phantastikszene.
Warum ich das schreibe, wo diese Anthologie noch gar nicht erschienen ist? Einfach, weil sie mich jetzt schon gepackt hat – ich darf nämlich ein paar Zeichnungen / Illustrationen dem Buch hinzufügen.
Es ist vor allem eine Erzählung von Hubert Katzmarz, die Anlass für die neuerliche Anthologie bot: „Willkommen in Bleiwenheim“, mit der der Medusenblut-Band, „Nachtwanderung“ von 2004 endete. Eine letzte Geschichte des Autors.
Sie wird auch noch mal in dem neuen Band enthalten sein, als Auftakt und Anknüpfungspunt; ich habe sie auch als erstes (noch einmal) gelesen – und war sofort verzaubert, gefangen in dieser Stadt, die wohl irgendwie an der Grenze zwischen unserer und einer anderen Welt ist. Wo? Weiß keiner. Man kann dann gern auch in einigen Geschichten lesen, wie erfolgreich die Suche nach Bleiwenheim sein wird. Und ob es überhaupt so gut ist, diese Stadt zu finden.
Bleiwenheim ist ein Ort des kosmischen Grauens – wobei, stopp, das kann in auf die falsche Fährte führen. Mit HPL und tentakligen Weltall-Monstern haben Bleiwenheim und Hubert Katzmarz nichts am Hut. Okay, das musste ich erst lernen, denn eine meiner Zeichnungen enthielt genau so ein tentakliges Zitat – und musste korrigiert werden. Hab ich aber gern gemacht – auch, weil es nicht wirklich sehr schwierig war, diesen „Fehler“ zu korrigieren.
Aber es hat was von kosmischer Größe, Bleiwenheim ist ein Grenzort, oder wie anders soll man solche wundervollen Sätze verstehen – ich wage mal zu zitieren, nur einen Fetzen, nicht den ganzen wundervollen Absatz: „...schloß die Augen, träumte von Sternen, die in dunklen Himmelspfützen hockten und der Sonne das Blut aussogen, Kameraden der Nacht…“
Auch wenn der Rahmen scheinbar eng vorgegeben ist, sind die Ergebnisse der Einlassungen der Autoren & Autorinnen doch sehr vielfältig. Ein paar werden mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben, denn sie haben quasi die Sehnsucht nach Bleiwenheim in mir entfacht. Klingt pathetisch? Soll es auch.
Ich verrate mal noch nicht mehr, auch nicht, wer da alles mitmacht; aber wie gesagt: Sind keine Unbekannten.
Gut, ich muss weitermachen, bin mittenmang beim Zeichnen; im Herbst wird das Werk wohl erscheinen, bei p.machinery. Bleibt wachsam, haltet Ausschau – nach Bleiwenheim.




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Leseliste - von Ostern bis Pfingsten 2022

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 04 Juni 2022 · 1.354 Aufrufe
Sorokin, Vonnegut, einzlkind und 2 weitere...

Eigentlich ist das ja eine schöne, erwartungsvolle Zeit - Frühling und so. Doch schön ist es halt nicht, was aktuell so abgeht. Außerdem war das jetzt auch für mich persönlich keine sooo schöne Zeit - Gesundheit und so.
Na ja, aber gelesen habe ich doch was - Literatur löst keine Probleme, rettet nicht die Welt - aber vielleicht die eigene Seele.
Der "Lektüreplan" stand zum großen Teil noch im Zeichen unserer Sonderhefte zu "100 Jahre Aelita"; bei Interesse bitte ich um Beachtung des Plakates hier. Aber nicht nur...

 

Vladimir Sorokin: „Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs“
Eine komische Dystopie, die aber ganz normal erzählt wird. Fast untypisch vor Sorokin, wobei die Ausgangsidee echt seltsam ist: In naher Zukunft werden keine Bücher mehr gedruckt. D.h. aber nicht - wie ich erst dachte - Bücher an sich wären verboten / verpönt / vergessen, es geht nur um auf Papier gedruckte Werke. Die alten, antiquarisch noch verfügbaren, werden jetzt als „Kohle“ für dekadente, superteure und quasi illegale „Kochshows“ verwendet.
Da 90 % aller Bücher (auf Papier) verschwunden sind, sollen die verbleibenden 10 % in Messen vor allem aufbewahrt bleiben, aber Kriminelle rauben die und verhökern die an diese Spezialköche. Der Protagonist ist so ein Koch der um die Welt jettet und bei der gut zahlenden bürgerlichen Kundschaft Abende veranstaltet, an denen Seite für Seite - hey, das ist eine Kunst! - ein Buch verbrennt und über diesem Feuer ein zauberhaftes Menü zubereitet.
Und das auf 250 Seiten. Da muss man durch. Ist eher nicht spannend. Interessant sind die in Nebensätzen eingestreuten Zukunftsprognosen. Wir leben in der 2. Hälfte des 21. JH, in einer Nachkriegszeit in Europa / auf der Welt. Russland, die EU sind zerfallen. Der Lack ist ab. Man spricht von neuem Mittelalter in manchen Regionen, bzw. dem Bestreben, dieses schon wieder zu beenden. Nehme an, dass der Roman in den Tulluria-Zyklus gehört. Aber so richtig kann ich das nicht verorten.
Weiß nicht, so ganz hat mich das Buch nicht überzeugt, ich vergebe mal 7 / 10 Punkten

 

Masha Geesen: „Die Zukunft ist Geschichte“
Nach soviel russischer SF nun noch etwas Aktuell-Historisches, um zu verstehen, was da „in Moskau“ los ist. Als ich das Buch in die Hand nahm - es liegt schon sehr lange auf dem SUB - ahnte ich nicht, dass es so viel birgt. So viel Neues, Erleuchtendes, Erklärendes. Was seine Wirkung anbelangt möchte ich es mit der Lektüre von „Das Ende eines Jahrhundertmythos“ von Michael Schneider, dass ich kurz nach der „Wende“ las und das für mich ein Augenöffner war.
So also auch dieses Buch über die neuere Geschichte Russlands (quasi ab 1990, aber auch etwas davor, bis ca. 2015), die anhand einiger Personen erzählt wird, die als so ca. Mitte der 80er Geborene den Untergang der SU und was danach kam miterlebten, miterleben mussten.
Das Buch raubt die letzten Illusionen, die man vielleicht über Russland und die Gesellschaft und Staat dort hatte. Die Autorin - bzw. ihre Interviewpartner/innen - zeigen eindringlich die „Traditionslinien“ auf. Und im Grunde braucht man sich über das, was gerade aktuell passiert, überhaupt nicht wundern. Hätte ich das Buch mal früher gelesen!
11 / 10 Punkte

 

Albert Sánchez Piñol „Der Untergang Barcelonas“
Mein 3. Piñol. Diesmal gar keine Phantastik, sondern eine Art historischer Schelmenroman. Na ja, Schelm - der Protagonist ist Festungsbau-Ingenieur / Architekt. Anhand seiner abenteuerlichen Biografie erlebt der Leser eine Stück Weltgeschichte um die Wende vom 17. zum 18. Jh. mit. Für mich durchaus interessant, weil ich über die Verhältnisse im nachkolumbianischen Spanien kaum was wusste, außer dass das Land die Welt-Geltung (Große geographische Entdeckungen - und Eroberungen) kontinuierlich verlor und in spätmittelalterlicher Inquisition verharrte. Dass es eine „Spanien“ lange so gar nicht gab, war mir zwar schon bekannt, aber nicht bewusst, was das auch bedeutet.
Der Roman spielt wohl heute für die Leute in Katalonien eine gewisse Rolle; jetzt ahne ich, warum.
Insgesamt hat mich der Roman nicht so gefesselt, wie seine phantastischen Geschichten.
7 / 10 Punkte

 

Kurt Vonnegut: „Schlachthof 5“
Hörbuch, gelesen von Jan Josef Liefers
Dies Jahr ist der 100. Geburtstag des Meisters. Jetzt endlich will ich ihn mal verstärkt lesen. Bisher bin ich über das Werk hier und einige Erzählungen nicht hinausgekommen. Und sein letztes Büchlein, „Mann ohne Land“, das ja so eine Art Zusammenfassung seiner Grundhaltung darstellt, habe ich gelesen.
Habe also mit dem Buch begonnen, dass ich eigentlich schon kannte, gelesen, als Hörspiel (glaube ich ich), als Film und vielleicht demnächst als Comic.
Der ziemlich kurze Roman hat es ja mächtig in sich, die verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen, persönliche historische Aufarbeitung und SF, Anti-Kriegsroman und Draufsicht auf den (Trivial-) Literaturbetrieb - was kann der Roman nicht? Das Teil kann man sich durchaus mehrmals „antun“.
8 / 10 Punkte

 

einzlkind: „Minsky“
Tja, was habe ich davon versprochen? Ein SF-Roman mit Anspruch, mit Antworten. Und? Ist dann doch nur so ein Zeitgeist-Roman mit hipper Sprache. Soll lustig sein. Fand ich aber nicht.
Dabei fing es sehr interessant an mit der weißhaarigen, asexuellen Wiedergeburt Gottes (?), Tochter einer Prostituierten, deren Vater unbekannt ist. Sie und ein Superwissenschaftler basteln - nein, keine künstliche - sondern die Intelligenz, bzw. eine. Denn es gibt noch andere. Z.B. Ada, die nach der Tochter Byrons benannt wurde. Minsky dürfte dann - das müsste man mal Dietmar Dath fragen - nach dem Intelligenzforscher gleichen Namens benannt sein.
Ansonsten ist das eine nicht wirklich unlustige Aufzählung von und Abrechnung mit den gegenwärtigen Zeitgeistthemen - FFF, Sprache, PC und sowas.
Der Grundgedanke: Wenn die Intelligenz (also schon die künstliche) das Ruder übernimmt, es eigentlich nur besser für die Menschen laufen könnte, fand ich ja gut. Aber Neues oder besonders interessant und plausibel Geschildertes zum Thema fand ich hier leider nicht.
5 / 10 Punkte

 

Hubert Selby: „Letzte Ausfahrt Brooklyn“
Uuuhhh, und weiter hinab in die Untiefen der amerikanischen Seele, in die dunklen Geheimnisse sozialer Unterschichten zu Beginn der 50er Jahre. Die Zeit: kurz nach dem 2. Weltkrieg und mitten im Koreakrieg - das spielt schon irgendwie eine Rolle, wenn da die Soldaten amüsiersüchtig und sexuell ausgehungert zu Opfern werden.
Ansonsten geht's um heftige soziale Verwahrlosung, sexuelle Fantasien und deren Unterdrückung und Ausleben in Form von mehr oder weniger Prostitution, und um Gewalt, Gewalt und Gewalt - gegen Frauen, gegen Homosexuelle, gegen Kinder, zwischen Kindern, zwischen Arbeitern und Soldaten, zwischen … allen. verbal und körperlich, erbarmungslos, im Vollrausch, einfach so und mit räuberischer Absicht. Gewalt scheint in den beschriebenen Milieus die einzige gängige Umgangsform zu sein. Ein finsteres Buch, tieftraurig. Konnte keine positive Figur darin ausmachen.
Der Film von Uli Edel (Regie) bringt das nicht wirklich rüber, was Selby schrieb. DAS hat man sich dann wohl doch nicht getraut. Da ist ja Harry Black, das kleine Streikführerlein, kommt im Film ja fast noch gut weg, besser als im Buch - usw.
Punkte für das Buch: 9 / 10

 

Arkadi und Boris Strugatzki: „Die Schnecke am Hang“
Endlich auch gelesen. Den einen Teil; „Der Wald“, also die Kandid-Kapitel, kannte ich ja schon aus der Anthologie „Die Rekonstruktion des Menschen“; ich las sie in den 80er Jahren. Aus der damaligen Lektüre war mir ein Gefühl für eine phantastische Welt des „Waldes“ geblieben, geprägt von wucherndem Leben, das aber für Menschen nicht einfach zu bewältigen ist. Mit blieben die Ameisen in Erinnerung, die offensichtlich Aufgaben für die Menschen im Wald erfüllen. So was halt.
Na ja, jetzt gibt es auch die anderen Kapitel, die in einer ominösen „Verwaltung“ spielen und in denen ein Herr Pfeffer der Protagonist ist.
Kandid, der im Wald Gestrandete, will zurück, oder in eine ominöse „Stadt, von der ihm aber keiner verbindlich sagen kann, wo die ist - oder ob die auch wirklich existiert. Und Pfeffer aus der Station, der Zivilisation, der will in den Wald. Ist aber auch nicht einfach.
Beide Handlungsstränge verbindet im Grunde wenig, aber das mindert für mich keineswegs den Lektürespaß. ich fand das Buch, auch wenn mehr Fragen gestellt als beantwortet werden, ziemlich toll.
9 / 10 Punkte

 

Vladimír Páral: „Der junge Mann und der weiße Wal“
Verlag Volk und Welt, DDR, 1976) Was ich in den 80er Jahren nicht hatte, war das Internet. Damals war der brisant-aktuelle SF-Schmöker des mir bis dato total unbekannten tschechischen Autor ein singuläres Ereignis. Dass mir der Namen sonst nicht aufgefallen war, lag einfach daran, dass es keine weiteren SF-Titel von ihm gab - auf Deutsch, muss ich heute hinzufügen. (Notiz an mich: Erst noch mal überprüfen - vielleicht ja doch?)
- dazu mehr in einem NEUEN STERN, später -
9 / 10 Punkte

 

Vladimár Páral: „Die Messe der erfüllten Wünsche“
Das ist der erste Roman des Autors, der unter seinem Namen erschienen ist. Das war 1964. Der Text ist also so alt wie ich - aber das nur am Rande. Zuvor erschien ein Roman von ihm unter dem Pseudonym Jan Laban, der meines Wissens nach nicht auf Deutsch vorliegt. Der Titel lautet, übersetzt in etwa „Sechs Nächte der Hölle“.
- dazu mehr in einem NEUEN STERN, später -
6 / 10 Punkte




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Kurz zum neuen FUTURE & FICTION Magazine. Deutsche Ausgabe 01/Feb22

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013, Meine Empfehlung, Subjektive Eindrücke 05 Mai 2022 · 1.036 Aufrufe
Future&Fiction, Steinmüller
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Meine zusammengefasste, total subjektive, kurze Meinung zum neuen SF-Magazine.
Hier im Forum wird es vorgestellt und auch ein bisschen diskutiert:
Ankündigung: Future Fiction Magazine (deutsche Ausgabe) - Kurzgeschichten, Anthologien & Magazine - SF-Netzwerk (scifinet.org)

Vorab war ich echt gespannt und hocherfreut! Ein neues SF-Magazin, das sich zudem den „Fragen der Zeit“ widmet. Mit europäischer Ausrichtung, und gar nicht teuer. Ich war sogleich Fan - der Idee.
Das Heft hat mich erst einmal optisch enttäuscht: Dieses book-on-demand-Produkt, obwohl so mies nicht, wie manch andere Produkte aus der Fabrik. Die Autorennamen zogen mich natürlich auch an: McDonald! Robert Corvus! Steinmüllers!
Aber dann der weitläufige Satz, die Seitenenden sind so zerfasert. Na ja, das kenne ich aus unserem NEUEN STERN auch, und ich kämpfe da immer mit - als Laie ohne richtiges Satz-Programm, aber hier enden ja teilweise nicht mal die Kolumnen auf einer Seite gleichmäßig.
Aber das sind Äußerlichkeiten! Und wenn mir die nicht gefallen, könnte ich das nächste Mal ja zum eBook greifen.

Die erste Story von Banga Fusco-Purpurea, „Algenbiographie“: Eine mexikanische Klangkünstlerin erzählt biografische Fragmente einer unter Depressionen leidenden Exobiologin? Ist die erste Story überhaupt eine Story? Oder der Versuch, die eigene Biografie und die Verarbeitung biografischer Fragen (Mutter-Tochter-Beziehung) mit der Idee einer Jupitermond-Expedition zu verknüpfen, die auf der Suche nach dem, was Leben ist (Übrigens total schöner Gedanke: Leben = „aktive Materie“ - war das die Idee von DeepL?)?
Ich weiß nicht, ob mir die Story wirklich gefallen hat. Auf jeden Fall war ich erstaunt, wie flüssig sie sich liest; dass hier ein Übersetzungsprogramm dran war, merke ich jedenfalls nicht. Was ich gut finde! Aber ich war dran, hat mich gefesselt und ich konnte viel lernen. Die Reigen der Assoziationen sprach mich an. Aber ist das überhaupt eine Story?

A&KH Steinmüller postulieren in ihrem Beitrag „Fallende Sterne“ die kommende anti-technologische Revolution in Form der totalen Abschaltung aller drahtlosen Datenübertragung. Das tut der Gesundheit gut, meinen pensionierte Aluhutträger im Altersheim.
Den Beitrag fand ich gut, wenn er mich auch in einer Frage etwas ratlos zurücklässt. Dass die exzessive Smartphone-Nutzung nüchtern betrachtet in unserer Realität auch dystopische Züge aufweist, sei unbestritten. Ich grüble aber noch darüber nach, wie die Steinmüllers ihre Story meinten: Satire oder nicht?

F. Verso postuliert und fordert in seinem Essay einen „Sense Of Wander“ - aktiv den Blick außerhalb der englisch-sprachigen SF zu richten. Denn dort kann man fündig werden†¦ und dann erklärt er, was wir dort suchen sollen und finden werden.
Wie schon Forums-Kollege lapismont meinte: Die Diskussion ist alt. (Auch wenn das nicht hilfreich ist, aber die literarische Mangelwirtschaft im Osten Deutschlands hat dazu geführt, dass dort - zumindest verhältnismäßig - viel in die nicht englischsprachigen Gefilde geschaut wurde; was aber für die interessierten Leser*innen mitunter auch nichts nützte, da sie nicht an die Bücklingsware rankamen; aber okay, das führt uns nur weg†¦)
Interessant fand ich den Gedanken, dass wir 2 Wellen der Eroberung des SF-Marktes durch englischsprachige Produkte erlebten, 1. aus USA und GB und 2. aus Kanada und Australien. Habe ich das richtig verstanden? Ich glaube, so richtig viel kommt doch von dort bei uns gar nicht an, oder?
Bei der Betrachtung der Film-Situation, die der Autor anspricht und die großen Player benennt, hat er meiner Meinung nach die Streamingdienste vergessen, die mittlerweile recht viel außerhalb der USA produzieren. Da ist das (auch SF&F-) Angebot durchaus internationaler geworden.
Aber unterm Strich kann ich ihm nur zustimmen.

„Moksha-Quest“ von Lvanya Lakshminarayan - eine Story von einer Autorin, die ich (wer noch?) überhaupt nicht kannte. Und dafür ist das Mag ja echt gut! Das wünsche ich mir! Also: Danke!
Allerdings brauchte ich zwei Anläufe, um in die Story reinzukommen. Zunächst war ich skeptisch, da sie von DeepL übersetzt wurde. Ob das was taugt? Na ja, muss gestehen: Bin beeindruckt. Es funktioniert. Stil und Wortwahl etc. haben mich überzeugt. Dabei sind ja auch „Fachwörter“ dabei, die sich vielleicht nicht so leicht übertragen ließen?
Aber dann das Sujet: Die Autorin ist Spieleentwicklerin in Indien; nach der Story kann man sie im Interview noch etwas besser kennenlernen. Nun sind aber PC-Spiele etc. nicht so mein Ding. Diese „Spiele-Sprache“ (Karmapunkte usw.) macht das Ganze für mich irrelevant. - Aber genau das ist ein Fehler, den ich schnell merkte. Denn es geht darum, dass ein Spiel mit humanistischem Anliegen mehr sein soll, als nur ein Spiel, es soll die Realität - Indien der nahen Zukunft („nach den Jahren der Pandemie“) mit seinen Kasten und Hierarchien, in denen die Protagonistin, eine begnadete virtuelle Spielerin, einem Job nachgeht, der so gar nicht humanistisch ist: hat was mit Immobilien zu tun - also, das Spiel soll in die Realität fließen und sie positiv verändern.
Das geht nicht ohne Widersprüche; geht es überhaupt? - Also, kann man echt gut lesen, hat mir sehr gut gefallen! Auch das mit dem virtuellen Spiel†¦

Robert Corvus hat auch eine Story beigetragen. Das freut mich! Und hat sie mir gefallen, die Story „Transfiguration“? Ja - und ein bisschen auch: nicht ganz. Das Thema ist natürlich sehr aktuell und wird kontrovers diskutiert. Und ich habe dazu auch eine Meinung, eher eine, die in der KI-Entwicklung eine Chance sieht.
In der Story geht es um die Frage, ob eine KI künstlerisch kreativ sein kann. Die Antwort, die der Autor gibt, verrate ich natürlich nicht. - Was ich nicht verstehe, ist die Personenaufstellung in der Story. Ich will ja nix hier verraten, was den eigenen Lesegenuss mindern könnte. Aber dann musste ich im einschlägigen Forum doch die Frage stellen, weil ich wissen will, warum er seine beiden Figuren so angelegt hat - dass man sie (ich) beide nicht mögen kann.
Der Autor hat sich auf meine Frage eingelassen. Kann man ab hier lesen.

Zu guter Letzt eine Story des bekannten Ian McDonald: „Die List“. Zuerst dachte ich: ach, ja, wieder so ein leicht rotzig erzählte Geschichte über das Kleinkunstgewerbe, über verkrachte Zauberkunststücke-Vorführer - die hier aber irgendwas mit einer KI am laufen haben. Aber das, was angekündigt wurde, wurde es dann auch: ein spannender End-Kampf zwischen Magier und Maschine.
Will man ja auch gern wissen: Wie funktioniert der Zaubertrick. Ja, will man das wirklich? Oder was macht so ein Magier auf der Bühne mit einem? Zaubert er oder verzaubert ein Einen? - Zunächst: DAS ist es, was die „Maschine“ (KI) wohl nie kapieren wird, und außerdem lässt sie sich am Ende wohl doch austricksen? Wer weiß? Wer es wissen will, mag die Story lesen, die ist nämlich echt gut.
Also, Heft hat mir dann doch ziemlich gut gefallen und so kann ich mich auf die neue Ausgabe im Sommer freuen.


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Gelesen bis kurz vor Ostern 2022

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 10 April 2022 · 1.246 Aufrufe
Samjatin, Lupoff, Glukhovsky und 3 weitere...

Zur Zeit lese ich viele Russen, irgendwie gegen den Zeitgeist? Nein, eigentlich nicht - mitunter erscheinen mir die Werke, die ich hier lesen durfte, als wohltuende Gegenstimme gegen das Unheil, das gerade so läuft. Es hat aber noch einen konkreten, triftigen Grund; dazu demnächst mehr. (Wobei: Wird ja in den einzelnen Texten zu den Büchern schon genannt; aber die "Ausbeute" für den speziellen Zweck ist interessanter Weise recht gering.)

 

Jewgeni Lukin: „Unter dem Räubermond“
Das Buch flog lange unter meinem Radar hinweg. Es erschien auf Deutsch 2013, stammt aber aus dem Jahre 1997. Der Autor ist kein ganz Unbekannter im Deutschen, es gibt vereinzelt Stories von ihm, bzw. ihnen (bis 1996 zusammen mit Ehefrau).
Der Roman scheint auf einem fremden Planeten zu spielen, einem Wüstenplaneten. Allerdings ist das nicht ganz korrekt, zum einen besteht der Planet nicht zur Gänze aus Wüste, obwohl die Handlung fast zu 100 % in der Wüste spielt, und dann ist das auch gar kein fremder Planet. Das weiß man aber nur, wenn man die beiden anderen Teile der Trilogie kennt, aus der der Roman stammt.
Da ich auch kein Russisch kann (so richtig) habe ich die Info auch nur aus 2., aber berufenem, Munde.
Wie auch immer. Es ist ein tolles Fantasy-Abenteuer, mit Kämpfen, Intrigen, einem angedeutetem SF-Hintergrund, tollen Figuren und einige hübschen Ideen. So wird die wüste z.B. von Schiffen durchfahren, die halt nicht im Wasser, sondern über Sand fahren. Usw. Wer mehr erfahren möchte den verweise ich gern auf einen kommenden NEUEN STERN, der anlässlich des 100. Geburtstages von Aelita erscheinen wird.
7 / 10 Punkte

 

Jewgeni Samjatin: Kleine Prosa 1 & 2
Die Höhle / Der Norden
„Wir“ kennt man ja, aber sonst? Doch, eine Geschichte hatte ich so 1990 rum gelesen: „Die Höhle“. Darin driftet eine Moskauer Wohnung im Nachkriegs- und Nachrevolutionswinter in die Eiszeit zurück, inklusive Mammuts, die da auftauchen. Das ist sicher keine „richtige“ Phantastik, aber voller wundervoller, eindringlicher phantastische Wortbilder und surrealistischer Ideen.
Da muss es doch mehr von geben? Ja - jetzt endlich mal die Lücke geschlossen.
Nicht alle Stories haben die Wucht, die mir von „Die Höhle“ in Erinnerung bleiben, aber einige schon. So diese seltsame Geschichte eines Mönchs, der in einem Kloster auf ein Zeichen wartet. Da sind dann auch einmal recht drastische, aber auch schwärmerische Sätze, die mich unabhängig von der Geschichte in ihren Bann zogen.
Oder „Die Augen“: Wir sehen die Welt durch die Augen eines Hundes, die aber irgendwie menschlich sind. Ja, so wie „Wir“ als Vorbild für „1984“ und „Schöne neue Welt“ gilt, erinnerte mich die Story an ein mögliches Vorbild für „Animal Farm“ - und vor allem auch für Bulgakows „Hundeherz“. Eindringlich, wundervoll geschrieben. - Dabei nutzt der Autor oftmals, meist zu Beginn, um die Ausgangsituation zu umreißen, ganz kurze Sätze, fast wie Regieanweisungen im Theater. Aber das reicht für das Kopfkino und dann kommt ja auch mehr†¦
Das Wiederlesen mit „Die Höhle“ gelang. Ja, sowas kann ja schnell daneben gehen, und man beraubt sich einer großartigen Erinnerung, indem man etwas nach langer Zeit noch einmal liest. Aber nein, war stark - mit Mammut und Über-Mammut.
Ähnlich stark ist auch „Mamai“. Ähnlich wie in „Die Höhle“ geht es um den Verlust der Zivilisation im nachrevolutionären Russland (Petersburg). Interessanter Weise spielt der Besitz von Büchern in beiden Texten eine gewisse Rolle, in „Mamai“ mehr natürlich.
Und ich lernte die „Große und Freie Kammer der Affen“ kennen und weiß, dass Samjatin wohl etwas für großen Busen übrighatte. Aber nein, frauenfeindlich oder so war er nicht, eher im Gegenteil, in seinen frühen Erzählungen ergreift er Partei für von patriarchalischen Verhältnissen unterdrückte Frauen, vor allem in der Dorfbevölkerung. Richtig starke Erzählung, hart, kompromisslos: „Der Bauch“ (einer Schwangeren†¦)
Usw. Insgesamt ein sehr kurzweiliges, überraschendes, kurioses, teilweise absurdes Leseerlebnis, anrührend und für mich fesselnd.
9 / 10 Punkte

 

Addison E. Steele: „Buck Rogers“
Was lese ich denn da? Ein Romänchen, nach einem Filmskript? Ja, ich muss quasi: Denn das Buch stammt aus der Feder von Richard A. Lupoff, und ich hatte mir ja eine Weltenreise durch die Zeiten mit den Romanen von Lupoff vorgenommen. Das ist kein Mega-Projekt, denn es gibt da nur 5 Romane, die für mich in Frage kommen, die es auf Deutsch gibt von dem Autor und keine Serienbeiträge sind.
Na ja, klar, der Roman gehört in eine Serie. Von Lupoff selbst gibt es sogar weitere Buck-Rogers-Bücher, aber nicht auf Deutsch.
Also, für mich ist das Roman Nr. 4 und ich bin jetzt im 25 Jh.
Und gefallen hat mir der Roman durchaus, fand ihn ansprechender als den Film, den ich mir auch gleich noch mal angesehen habe, seit den 80ern das erste Mal wieder.
Die Handlung ist fast mit der im Film identisch, was es an Unterschieden und aus meiner Sicht Bemerkenswertes zu berichten gibt, kann man dann gern im NEUEN STERN nachlesen.
7 / 10 Punkte

 

Dimitry Glukhovsky: „Text“
Keine Phantastik, der Roman spielt 2016 in Moskau und zeigt exemplarisch am Protagonisten, wie schnell man dort ins gesellschaftliche Abseits gerät. Am Rande interessant: Ist ja mein 2. Glukhovsky-Roman dies Jahr und in beiden spielt das Smartphone eine entscheidende Rolle; hier sogar mehr als in „Outpost“.
Über einen jungen Mann, der 7 Jahre zu Unrecht im Lager verbrachte, sich rächt und dann ein Weilchen ein „falsches Leben“ führt. Endet tragisch.
9 / 10 Punkte

 

Peter Schünemann: „Nachtmahr“
Manuskript. Erscheint in der Edition Dunkelgestirn von Eric Hantsch 2022.
Das Buch las ich aus gegebenem Anlass vorab. Es handelt sich um eine Sammlung Dunkler Phantastik, die eindeutig im Fahrwasser der Großen Alten von HPL & Co. schwimmt. Der Autor kleidet den Kosmischen Schrecken aber in das Hier und Heute, in die deutsche Gegenwart. Der fiktive Ort des Geschehens ist die Stadt Hallberg. Nun, Peter Schünemann wohnt in Halle an der Saale. Wer also aufgrund von Ortskenntnissen über die reale Stadt Halle sich bei den Schilderungen aus Hallberg an das Eine oder Anderer erinnert fühlt, ist das nocrmal. Mir, als Hallenser, ging es jedenfalls so.
Aber auch jenseits dieses Lokalkolorits bekommt der oder die Leser/in die volle Palette kosmischen, psychologischen und anderen Horrors geboten, stimmungsvolle Apokalypsen, Psychosen, blutige Rituale und, bei aller Finsternis, dennoch irgendwie erhabene, unfassbare Dimensionen, die sich da andeuten. Und das alles sozusagen aus der mitteldeutschen Nachbarschaft.
Ich nehme an, das Buch erscheint im vierten Quartal des Jahres, seit gespannt!
(ohne Wertung, aber im Grund gebe ich hier gerne 10 Punkte, bin aber nicht unvoreingenommen)

 

Vladimir Sorokin: „Die rote Pyramide“
Erzählungen
Wollte das Buch eigentlich in unserem Aelita-Spezial des Neuen Sterns besprechen. Doch wie soll ich das? Kann das überhaupt jemand?
Ist ja nicht wirklich Phantastik, obwohl verrückt und abgedreht und phantastisch genug, als dass es zu den „Grenzgängern“ passen würde, die wir im Neuen Stern ja gerne vorstellen. Aber was mein Problem ist: Ich verstehe - mal wieder - nicht wirklich, was der Autor hier erzählt.
Ein paar Geschichten sind durchaus eindringlich: Die bäuerliche Idylle, die nur durch die Nennung eines Datums am Ende das Ende dieser Idylle andeutet. Oder die Titelstory, über eine verfehlte Liebe, eine 08/15-Karriere in der Sowjetunion, die durch einen Herzschlag (nehme ich mal an) beendet wird, bei dem der Protagonist und Sterbende die „rote Pyramide“ endlich sieht, die den gesamten Roten Platz in Moskau bedeckt und das „rote Rauschen“ verbreitet. Aber wozu? Schon hier lässt mich der Autor im Regen stehen.
Es gibt viel Sex, meist in seltsamen Zusammenhängen geschildert. So z.B. parallel zur Schilderung der Wirkung von Superbomben, die im Meer gezündet enorme Sturmwellen erzeugen. Oder als frühes und wohl prägendes Pionierlagererlebnis in der Sowjetunion, das ein Junge beobachtet, der dann zum skrupellosen KGB-Agenten wird.
Es gibt wieder die für Sorokin typischen dadaistischen Ausführungen, denen zu folgen höchste Konzentration abfordert, die aber - so mein Eindruck - dann doch eher zu nix führen (oder?).
Es gibt Erzählungen, die fangen irgendwie an und enden völlig anders. Da einen Zusammenhang innerhalb der Geschichte zu finden, fiel mir auch schwer.
Also? empfehlen? Na ja, mal so richtig den Kopf frei kriegen und einfach nur Staunen über Unmögliches, dafür ist es gut. Zuviel brauche ich aber nicht davon.
7 / 10 Punkte

 

Arkadi & Boris Strugazkij: „Die Last des Bösen“
Eigentlich wollte ich das Buch ausführlich rezensieren, für den Aelita-Spezial-NEUEN-STERN. Aber nach der Lektüre mute ich mir das nicht zu, d.h., ich traue es mir nicht zu, das Werk adäquat besprechen zu können. Warum? Ich glaube, ich verstehe es nicht.
Es ist das letzte Gemeinschaftswerk und nach der „Wende“ erschienen. Was haben uns die großen SF-Heroen der UdSSR für die „neue Zeit“ mitzugeben? Ich finde ja, sie haben schon lange vorher sehr viel zu der Zeit, die wir jetzt erleben, geschrieben. Zuerst (Mittag, 22. Jh.) viel zu optimistisch, dann aber doch mit so starker Skepsis, was den „neuen Menschen“, den der Kommunismus hervorbringen sollte, anbelangt, gegenüber Bürokratie und unmenschlichen Auswüchsen der Staatsordnung etc. Hatte letztens in „Das lahme Schicksal“ diesbezüglich nicht schlecht gestaunt, insbesondere in den Teilen, die bereits in den 60er Jahren geschrieben wurden.
Und hier? Ach, ich weiß nicht. Ich komme nicht mit klar.
Ein interessanter Aspekt ist der der „Flora“-Kinder, also der Kommune der Jugendlichen Aussteiger vor den Toren der Stadt Taschlinsk (Strugazki-Fans kennen die sicher). Den „alten weißen Menschen“ der Stadt missfällt deren moralischer Verfall, der Drogenkonsum, die Arbeitsfaulheit etc. Sind halt Hippies, würde ich mal sagen. Und ein Dorn im Auge der Bürgerschaft. Die sollen weg.
Sie haben unter den Alten nur einen Führsprecher: G.A. Nossow. Über ihn wird auch viel erzählt, auch wenn am Ende man eigentlich zugeben muss, dass man nicht viel über ihn weiß. Aber wie der Konflikt dann endet (Pogrom oder nicht?), kann ich jetzt nicht mal sagen.
In den Überlegungen zu diesen Arbeitsverweigerern mischt sich ein Element, das ich auch schon im „Lahmen Schicksal“ wahrnehmen konnte. Die Autoren machen sich Gedanken über die Welt der Arbeit der Zukunft und meinen, dass durch zunehmende Automatisierung menschliche Arbeit obsolet wird. Insofern sind die „Flora“-Kinder nur Vorreiter einer ohnehin eintretenden gesellschaftlichen Entwicklung.
Parallel erscheint eine mythologische Gestalt: Ahasver. Seine Geschichte wird in Extrakapiteln erzählt - wohl anders, als sie in den christlichen Geschichten des Mittelalters zu finden ist. Hier ist es ein eher ungehobelter Kerl aus Galiläa, der dann die Identität eines Mannes namens Ahasver annimmt - und wohl auch dessen unheilige Rolle, durch die Zeiten zu wandern. Er hat es erst mal nicht leicht, aber die Erlebnisse läutern ihn wohl. Am Ende ist er ein geheimnisvoller, aber durchaus höflicher Mensch. Aber echt: Ich weiß nicht genau, was er in dem Plot für ein Funktion hat. Ist er der mythische Kosmokrat, der dann fast zum Schluss genannt wird, der „mythische Antichrist“?
Ja, vielleicht bin ich zu doof dafür, oder die Autoren haben sich hier verrannt?
Typisch für die komplizierteren Werke der SF-Brüder ist, dass sie aus 2 Bestandteilen zusammengesetzt wurden. Das ist beim „Lahmen Schicksal“ so, auch bei „Die Schnecke am Hang“, auch „Der Montag fängt am Samstag an“. Vielleicht ist das Teil des Problems; deshalb erscheinen sie so kompliziert, weil dem Leser die Herstellung des inneren Zusammenhangs der Teile misslingt (also mir).
Ein paar Sachen werden angesprochen, aber überhaupt nicht ausgeführt. So hätten mich die mehrmals erwähnten astronomischen Phänomen der „Sternenfriedhöfe“ näher interessiert. Oder was die Erwähnung eines Malers namens Adolf Schickelhuber zu bedeuten hat (und warum der dann nicht gleich Schickelgruber heißt).
Der Lehrer G.A. ist Leiter eine Schulform namens Lyzeen, die überall entstehen sollen. Aber leider scheitert das Projekt, eine „Elite-Förderung“ ist nicht gewünscht (im Sozialismus). Auch hier eine Parallele zum „Lahmen†¦“: Die im Volk verwurzelte Intellektuellen- und Bildungsfeindschaft.
Aber insgesamt: Viele Fragezeichen, daher auch keine Wertung; die maße ich mir nicht an.




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Von Golem und anderen Supermen - Hofmanns Leseliste im Februar/März 22

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 11 März 2022 · 840 Aufrufe
Sorokin, Strugazki, Eando Binder und 4 weitere...
Von Golem und anderen Supermen - Hofmanns Leseliste im Februar/März 22

Mal wieder Zeit, die Leseliste zu vervollständigen. So richtig im Monatsrhythmus wird's gerade nichts. Ist aber nicht schlimm, oder?
Ich mache noch etwas weiter mit den Heftromanen von Eando Binder (dahinter verbergen sich bis 1940 die Brüder Earl Andrew und Otto, danach hat Otto allein unter dem Pseudonym weitergeschrieben). Nun, ob ich den Plan, weitere Roman von ihnen bzw. ihm zu lesen, durchhalte?
Parallel bin ich nun dabei, für mich die Romane von Hubert Selby zu entdecken - keine einfache Lektüre. Und ich fange endlich mal damit an, den lange schon gehegten Plan, die auf Halde liegenden Russen zu lesen. Inzwischen kamen sogar ein paar dazu, so dass in Folge hier sogar für meine Verhältnisse recht aktuell wird. Na ja, ist ja derzeit ein wenig „lesen gegen den Strom“? Meine Worte hier in der Leseliste fallen etwas kurz aus, aber da wird dann mehr in einem der Neuen Sterne zu lesen sein.
Das Bild? Hat wieder nix mit dem Inhalt der gelesenen Bücher zu und, eher etwas mit meinem Gemütszustand, da könnte es derzeit besser gehen...
(alte Zeichnung von mir, Teil einer Collage)

 

Elie Wiesel: „Das Geheimnis des Golem“
Die Golem-Geschichte mal nicht von G. Meyrink. Der Autor ist ein big name, Friedensnobelpreisträger, Holocaust-Überlebender. Er ist seinem Volk und in seiner Religion sehr tief verbunden, so ist zumindest mein Eindruck nach der Lektüre dieses kleinen Büchleins.
Es ist sehr aufschlussreich und fasst die Legenden und Sagen, den Mythos um die zum Leben erweckte Lehm-Figur des Golems zusammen. So richtig spannend ist die Erzählung nicht. Was das Buch aber für mich so interessant gemacht hat, sind neben den hilfreichen Erklärungen die Zeichnungen von Mark Podwal! Feine, kleine Federzeichnungen die die Stimmung des leicht düsteren spätmittelalterlichen Prag wundervoll transportieren.
7 / 10 Punkte

 

Hubert Selby: „Requiem für einen Traum“
Obwohl ich Aronofsky zu meinen Lieblingsregisseuren zähle und seine Filme alle irgendwie zumindest besonders finde, war mir gar nicht bewusst, dass sein Film „Requiem For A Dream“ auf eine berühmte Romanvorlage beruht. Zumindest konnte ich das immer gut ignorieren, weil mich Geschichten über Drogenabhängige eher nicht so interessieren. Was der Autor der Romanvorlage noch so schrieb, hatte mich dementsprechend nicht interessiert.
Das änderte sich erst kürzlich, und jetzt bin ich halt dabei, eine Bildungslücke zu schließen.
Der Film von Aronofsky ist besonders, vor allem in seiner Erzählweise. Beeindruckt hatte er mich seinerzeit sehr, als ich ihn das erste Mal sah. Das Elend, das mit der Drogensucht verbunden ist, wird aber, so meine ich, in dem Film nicht wirklich greifbar. Erst zum Schluss, als die Protagonisten mit den Folgen ihrer Süchte konfrontiert werden und der Film ziemlich schlimme Bilder produziert, kann dem Zuschauer deutlich werden, was das bedeutet, abhängig zu sein. Wobei die hier geschilderten Folgen sehr drastisch sind. Ob das in jedem Falle so enden muss? Ich habe da gottseidank keine Erfahrungen.
Als ich die Lektüre begann, war ich erst mal etwas geschockt. Selby schreibt ja seitenweise ohne Absatz, ohne direkte Rede usw. Man muss ich reinlesen, aber das gelang mir schneller als ich dachte. Man wird schon gezwungen, genauer zu lesen, da man ja mitbekommen will, wer da z.B. gerade spricht usw. Und dann merkte ich bald, dass das Buch - wie so oft - mehr zu bieten hat als der Film. Die „Drogenkarriere“, bzw. „Sucht-Karrieren“ der Protagonisten (auch die Mutter ist ja süchtig, okay, das ist sicher bekannt) werden viel deutlicher sichtbar und erkennbar. Man kann eher nachvollziehen, wie sie in diesen Strudel hineingeraten. Auch das Einnehmen der Drogen wird anschaulicher dargestellt; Da bleibt der Film ja regelrecht surrealistisch.
Was das Buch auch mehr kann und macht:

  • die Süchtigen reden sich fast bis zum Schluss ein, dass sie gar nicht süchtig sind und immer und jederzeit aufhören können
  • der Südstaatenrassismus und die Feindschaft der Südstaaten-Rednecks gegen die „liberalen New Yorker und Junkies“, die auch der behandelnde Arzt teilt.
  • die Inkompetenz von Ärzten (nicht von allen!); hat man im Film auch, aber im Buch noch viel deutlicher; deren Mitschuld an den Suchtkrankheiten
  • der „Traum“, (dessen Requiem wir miterleben) der Protagonisten wird deutlicher; damit wird auch dessen Verlust stärker empfunden
Unterm Strich: Ein starker Auftakt meiner persönlichen Hubert-Selby-Lese-Runde.
Noch was: Ich las die DDR-Ausgabe (Aufbau-Verlag 1986); DAS war für mich auch ein kleiner Schock! Hätte nie gedacht, dass es da Buch bei „uns“ gab. Ich kannte es damals auch nicht.
9 / 10 Punkte

 

Eando Binder: „Anton York - der Unsterbliche“
TERRA ASTRA 5
Die 3 Teile, die das Heft enthält, erschienen im Original 1937-1940, auf Deutsch 1971. Ich denke mal, das war 1971 schon völlig veraltet und überholt.
Die Story hat mir so gar nicht gefallen. Es handelt sich im Grunde um ein Superhelden-Epos, das ähnlich der derzeit ohnehin massenhaft die Filme- und Comicwelt überflutenden Superheldengeschichten aufgebaut ist. Hier haben wir den titelgebenden Wissenschaftler, Sohn eines anderen Wissenschaftlers, der unverdient unbekannt blieb. Der Vater hat an seinem Sohn Ende 19. / Anfang 20. Jh. ein Experiment durchgenommen. Ja, sowas war damals noch möglich, als es noch den Beruf des mad scientist gab. Er gab dem Sohn ein Serum, das ihn für Krankheiten unempfänglich und damit quasi unsterblich, auf jeden Fall sehr langlebig machte.
Der Sohn, Anton, ist auch ein genialer Wissenschaftler. Er hat erst mal eine Wunderwaffe erfunden, die er aber keinem zeigt, weil er davon ausgeht, dass alle anderen Menschen sie missbrauchen würde. Na, so Unrecht hat er damit sicher nicht.
Und er baut ein Raumschiff, dass überlichtschnell fliegen kann. Seine Liebste „verwandelt“ er auch in eine Quasi-Unsterbliche und beide machen sich auf den Weg in die Unendlichkeit.
Im ersten Teil gibt es noch so einen Genius, der aber deutlich böser ist und halt die Weltherrschaft will. Das kann unser Anton verhindern, macht sich dann aber auf den Weg ins All.
In Teil 2 kommen die beiden Weltenraumbummler nach 2000 Jahren zurück auf die Erde. Dort haben sich „die Ewigen“, quasi die alten griechischen Götter auf dem Olymp, inzwischen so sehr gelangweilt, dass sie lieber ihr altes Atlantis wieder haben möchten, aber dafür halt die Erdbevölkerung ausrotten wollen. Auch das können Anton und seine Braut verhindern, wenn auch unter Opfern.
Am Ende - Riesenknall!!! - und Cliffhanger: Alle denken, Anton ist bei dem Zusammenprall seines Schiffes mit dem der Ewigen umgekommen. - Nein, issa nich.
Aber er geriet in ein Paralleluniversum, wo die Entropie langsamer verläuft. Hat seine Frau ausgemessen.
Dort treffen sie auf halbintelligente Hypnose-Bestien, die u.a. Erdmenschen in einer Art Versuchslabor quälen. Dahinter steckt ein anderes Volk, das ein Mittel gegen diese Hypnobestien finden will, seit Jahrtausenden. Aber jetzt ist ja unser Anton da und alles wird gut.
Also ehrlich, das Teil ist so primitiv, dass ich mich schon etwas quälen musste, weiterzulesen. Habe ich aber getan, der Erkenntnis zuliebe. Welche Erkenntnis? Na ja, dass SF mächtig trivial sein kann, wenn sie will.
4 / 10 Punkte

 

Dmitry Glukhovsky: „Outpost“
Ein Roman, der gerade irgendwie nahe an der Realität erinnern zu scheint. Hier haben wir ein dystopisches Russland - oder Rest-Russland, Moskowien genannt, regiert von einem „Imperator“ - das nach einem Bürgerkrieg in weiten Teilen unbewohnbar, vergiftet, zerstört wurde.
Das Rest-Imperium schickt sich - hier aber nur in der Nebenhandlung - an, die alte Herrlichkeit wiederherstellen zu wollen.
Der „Außenposten“ ist an der Wolga, jenseits davon ist jetzt verseuchtes, unbekanntes Gebiet. Keiner weiß, was da jetzt abgeht.
Die Handlung konzentriert sich auf diesen kleinen Ort und seine wenigen Bewohner. Das Ganze ist dabei recht spannend und die handelnden Figuren konnte mir der Autor nahebringen.
Und ob das am Ende „nur“ eine Art Zombieapokalypse ist, lasse ich hier mal offen und möchte das Buch lieber zur Lektüre empfehlen.
9 / 10 Punkte

 

Arkadi und Boris Strugazki: „Das lahme Schicksal“
Ein Wiederlesen, von dem ich aber gar nichts gemerkt habe. Das Buch erschien ja 1990 und damals muss ich es wohl gelesen haben (Markierungen im Buch weisen darauf hin), habe aber komplett vergessen, was und dass ich es überhaupt las.
Es gab viel für mich zu entdecken. Das Buch besteht aus 2 Bestandteilen, die kaum was miteinander zu tun haben. In beiden steht ein Schriftsteller im Mittelpunkt. So spielt der Banev-Teil in einer alternativ-historischen Realität. Es ist zwar Russland, aber mittlerweile regiert ein nationalistischer, sich patriotisch gebender „Präsident“. Es gibt nur noch die eine Partei. Das allein fand ich schon mal bemerkenswert, zumal die Autoren diesen Teil in den 60er Jahren schrieben.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht aber die stille Revolution der Wissensträger, einer neuen Art von Supermen, den von dem Volk und der nationalistischen Elite und Regierung gehassten „Näßlinge“. Wow, was die Strugazkis da alles reingeben - allein der Banev-Teil lohnt die Lektüre!
Der aus den 80ern ist der Sorokin-Teil (Funfact für mich: Damals kannte ich den realen Autor namens Sorokin noch gar nicht, inzwischen zählt der zu meinen Lieblingsautoren.). Das ist jetzt so der Nostalgie-Teil; Anfang der 90er war das ein Gegenwartsroman.
Hier verarbeiteten die Strugazkis auf Bulgakowsche Art ihre realen Erlebnisse als Schriftsteller, die sie mit Zensur, Leuten mit karierten Hosen und dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt hatten. Auch ein Funfact: Was wir heute unter „Arbeit 4.0“ und Digitalisierung diskutieren, wird in dem Roman vom Ende der 80er Jahre schon diskutiert.
Alle Achtung! Zweimal erweist sich der Doppelroman als überaus prophetisch, und liest sich zudem auch noch supergut. Manche meinen sicher, der wäre streckenweise langatmig. nee, fand ich nicht!
10 / 10 Punkte

 

Vladimir Sorokin: „23000“
Weil wir gerade Sorokin erwähnten…
Endlich den 3. Teil seiner Eis-Trilogie gelesen. Man kommt ja schnell wieder rein, denn, um ehrlich zu sein, irgendwie verausgabt hat der Autor sich bei Plot und Handlung der drei Romane nicht. Nach Lektüre von Teil 2 (Bro) hatte ich den Eindruck, den 1. Teil (Ljod) noch einmal gelesen zu haben.
Ganz so ist es diesmal nicht. Aber das Wesentliche wird dennoch wiederholt aus den ersten Teilen. Jetzt geht es in die Schlussphase, die 23000 Sektenmitglieder haben sich gefunden und wollen sich zusammenschließen und ins Licht eingehen, was immer das auch zu bedeuten hat.
Neben den Aktionen, die letzten Kandidaten zum „Aufklopfen“ mit dem Eishammer zu finden, die gerade zu Beginn des Romans als rasanter Action-Thriller geschildert werden (wow!) stehen aber diesmal Leute im Mittelpunkt, die das „Aufklopfen“ als „hohle Nuss“ erlebten - und überlebten. Bei den Versuchen der Bruderschaft des Licht, Brüder und Schwestern zu finden, gibt es genügend Fehlversuche, d.h. Leute, die eben doch nicht das Licht in sich tragen. Die überleben oftmals die brutale Prozedur nicht. Einige schon und die suchen Verbindung zueinander, um sich auszutauschen und ihr Trauma zu bewältigen.
Und das Ende? Verrate ich nicht; aber wer Sorokin kennt, kann sich ausmalen, wie es ist. Ich denke mal, seine Geschichten stehen nicht im Ruf, gute, runde Enden aufzuweisen†¦
9 / 10 Punkte

 

Eando Binder: „UFOs bedrohen die Welt“
TERRA ASTRA 47
Ohje, das wird leider nicht besser mit der Binder-SF. Dabei ist der Roman noch nicht mal so alt, wie er den Eindruck erweckt. Er wurde 1969 geschrieben, das deutsche Heft ist von 1972. Aber ehrlich: Da hätte ich schon was anderes erwartet.
Ein Schriftsteller, der nix von UFOs hält, erlebt in seiner Waldhütte genau solch eine Begegnung. Er sieht sogar 2 UFOS, die sich gegenseitig bekämpfen.
Als frischbekehrter Ufologe zieht er los, sucht andere Zeugen und will seine neuen Erkenntnisse publizieren. Es glaubt ihm aber niemand. Und dann gibt es noch die Men In Black - ja, da war ich erst einmal erstaunt und habe schnell recherchiert, ab wann es diesen Begriff gibt. Hat den eventuell das Autorenduo erfunden? Nein, leider nicht, den gab es wohl schon seit 1953.
Okay, die MIBs hier sind dann auch gar keine, sondern selber Aliens, und zwar die bösen. Gibt auch gute, die aber auch nicht wollen, dass die Erdlinge zu viel von ihnen erfahren. Unser „Held“ jedenfalls gerät mittenmang in den Jahrmillionen alten Konflikt der zig Millionen Außerirdischen, die sich u.a. auch um die Erde kloppen, ohne dass wir es groß mitbekommen.
Das „Werk“ strotz vor Klischees und simplen Fügungen. Ist fast nicht auszuhalten.
3 / 10 Punkte




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Das Lesejahr begann mit ollen Kamellen

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 03 Februar 2022 · 854 Aufrufe
Cixin Liu, Edmond Hamilton und 2 weitere...
Das Lesejahr begann mit ollen Kamellen Mein Lektüre-Jahr 2022 begann mit "ollen Kamellen", so wählte ich die Überschrift. Das stimmt auch, allerdings ist ein neueres Werk dabei, das mich allerdings oftmals an olle Kamellen erinnerte.
(das Bild: Hat soweit nichts mit dem Text zu tun, höchstens stimmungsmäßig. Ansonsten ist es auch eine "olle Kamelle", von mit)

Edmond Hamilton: „Die besten Stories.“
Aufgrund einer Empfehlung eine Bildungslücke geschlossen. So fängt das Jahr doch gut an.
Ein „Klassiker“ der SF, den jede/r kennt, aber auch gelesen hat? Na ja, sein Captain Future kannte ich sogar, aber zugegeben nur als japanische Zeichentrick-Serie. Die gefiel mir als Heranwachsender natürlich gut, jetzt sehe ich sie mit einem gewissen Befremden.
Aber in einer anderen Diskussion wurde mir aus berufenem Munde versichert, dass Hamilton nicht auf seine bekannteste Figur reduziert werden darf. Das wollte ich nun, da ich sowieso auf „alten Pfaden“ wandle, mal überprüfen. Da hilft so eine ausgewählte Sammlung, vom Playboy (hui, hui, aber es kommt ausgesprochen wenig Sex darin vor - eigentlich gar keiner!). Der Hamilton-Band ist sogar der erste der Playboy-Reihe. Und der scheint eine Originalzusammenstellung zu sein, die seine Frau, Leigh Brackett, besorgte und mit Vorwort versah.
Hamilton zeigt ein ziemlich weites Spektrum mit seinen Stories, weiter als seine space operas, die ihn berühmt machten, vermuten lässt.
Er schrieb auch viel für Weird Tales; gleich die allererste veröffentlichte Story von 1926 ist eine, die hätte auch HPL schreiben können: „Der Monstergott von Mamurth“, über einen Reisenden in fremden Wüsten, der auf eine alte Stadt stößt, in der halt so ein Monstergott haust. Natürlich kann der Reisende seine Story noch loswerden, verstirbt aber an den Folgen der Strapazen und Begegnungen, die er ertragen musste.
Was mir insgesamt auffiel, ohne jetzt auf alle Stories einzugehen:
  • Die Atomkraft wird angebetet. Wobei auch schon deren Missbraucht thematisiert wird, wenn die Erdlinge die „primitiven“ Stämme auf Mars und Jupiter mit A-Waffen bekriegen. Insofern auch interessant, weil ich ja vor kurzem erst die ersten Foundation-Romane von Asimov las, in denen die Atomkraft auch die entscheidende Kraft / Macht in der Galaxis darstellt, deren Beherrschung die Möglichkeit der galaktischen Reisen und Herrschaft ermöglicht. Auch bei Hamilton ist es die Atomkraft, die galaktische Reise etc. ermöglicht.
  • eine gewissen astronomische Naivität. Richtig albern wird es, wenn er die Planeten des Sonnensystems in Reh und Glied wie eine Pioniereisenbahn durch die Galaxis schickt, um eine neue Sonne zu suchen. Die „donnern“ durch das Universum, und das in durchaus nicht mal so langen Zeiträumen. Nicht jeder Stern eignet sich zur Ansiedlung neuer Planeten, da gibt es mitunter schon eifersüchtige Aliens, oder zu strake radioaktive Strahlung, oder der Stern droht selber zur Super Nova zu werden. Also „donnert“ man weiter, kein Problem†¦
  • eine Begeisterung für das Weltall. Diesen Sense Of Wonder beschwört Hamilton mit großem Vergnügen und kann diese Begeisterung auch an mich weitergeben. Das ist wirklich herrlich!
  • erste Zweifel an der glänzenden Welt der Raumfahrt. Da zeigt sich sogar ein „reifer“ Schriftsteller, der mehr kann, als nur glänzende Augen bei jugendlichen Fans erzeugen. Wenn da ein Mars-Astronaut die Hinterbliebenen seiner Kameraden besucht, um ihnen was vorzulügen, weil sie die bittere und harte Wahrheit des Lebens im Weltall und auf dem Mars nicht ertragen könnten.
  • so richtige mad scientists tummeln sich hier. Da gibt es den, der sich selbst einer künstlichen Evolution unterzieht und zum arroganten Supermenschen mutiert, um am Ende als Nur-Gehirn und ganz am Ende Protoplasma zu werden. Oder den Typen, der ein Miniaturuniversum schafft, um da nach Herzenslust Herumexperimentieren zu können, um dabei auch mal ganze Zivilisationen und Planetenbevölkerungen zu opfern.
Und am Ende eine Hommage an E.A.Poe, in der dem Ahnherr der Phantastik eine Dame aus der Zukunft offeriert, dass er, Poe, auch quasi eine Seele eines Zeitreisenden beherbergt und quasi Nachrichten aus der Zukunft niederschrieb - z.B. in seiner Story „Das Domizil von Arnheim“ und in dem Gedicht „Ulalume“ - ja, da muss ich gleich mal weiterlesen†¦
9 / 10 Punkte

Cixin Liu: „Die wandernde Erde“
Zu dem Erzählungsband habe ich sehr viel geschrieben. Ich wollte das ja erst hier reinsetzen, aber dann†¦ Es ist zu viel für den Blog und dafür ein Artikel für den NEUEN STERN geworden.
Hier nur: Sehr seltsamer Autor, mit einem sehr seltsamen Menschen-, Gesellschaft- und Weltbild. Ich war fasziniert und gleichzeitig abgestoßen von den „Aussagen“ einiger Erzählungen. Echt rabenschwarz, meistens.
Die Stories selbst sind mitunter echt crazy. Was für Ideen! Was für Gedankengänge! Sie wirken aber andererseits mitunter antiquiert und erinnerten mich an die amerikanischer Autoren der 40er und 50er Jahre - so unverstellt und unbekümmert erzählt er drauflos.
Punkte? Hach, schwer - ein paar echte 10er Momente sind dabei, dann wiederum spürte ich den Impuls, die Lektüre abzubrechen. Ich sag mal runde 7 / 10 Punkte

Walter Tevis: „Spion aus dem All“
Unter diesem Titel ist das Buch nicht populär geworden, aber unter dem hier: „Der Mann, der vom Himmel fiel“. Wobei sicher der Film mit David Bowie bekannter ist als die Romanvorlage.
Zu Unrecht! Mir hat das Buch jedenfalls, jetzt wo ich es gelesen habe, viel besser als der Film gefallen; den gucke ich mir aber auch gleich noch mal an.
Das Exemplar, das mir zur Verfügung stand, ist älter als ich. Und es zerfällt, wenn man es liest; fast fühle mich an die Bibliothek der Eloy in „Die Zeitmaschine“ erinnert. Aber selbst diese alten Ausgaben sind antiquarisch nicht gerade günstig zu bekommen.
Aber - sicher durch den Erfolg von „Damengambit“ als TV-Serie Ende 2020 - kommt nun was ins Rollen. Im Juni erscheint eine deutsche Neuauflage des Buches, es wird eine TV-Serie geben (von der ich bisher nicht vermag zu sagen, ob sie wirklich viel mit der Vorlage zu tun haben wird) und eine Comic-Adaption, die sich aber wohl mehr an den 1976er Film orientiert.
Also brauche ich hier gar nicht so viel zu erzählen, man wird im Jahre 2022 an dem Stoff nicht vorbeikommen. Gut so! Das Buch ist eine Wucht! Bin hellauf begeistert!
Der Autor erzählt nicht nur die spannende und anrührende Geschichte dieses Fremden auf einer fremden (unserer) Welt, sondern macht sich auch Gedanken über den Zustand unserer Gesellschaft und Zivilisation. Das alles großartig erzählt. Das Buch ist für meine Begriffe weit weniger sperrig und schärfer in der Aussage als der Film.
10 / 10 Punkte

Eando Binder: „Die neue Steinzeit“
Terra Nova 169
Ist ja nur ein Romanheft. Aber was soll man machen? Da bin ich durch eine Diskussion über Asimov und seine Roboter-Geschichten auf diesen Autor aufmerksam geworden. Der ikonische Titel „I, Robot“ geht, so konnte ich kürzlich lernen, auf Binder zurück. Der vorliegende Roman ist allerdings keine Robotergeschichte.
Der Autor scheint mal ziemlich populär und, wenn man in die isfdb schaut, auch ungemein produktiv gewesen zu sein. Im Deutschen gibt†˜s nur einen Bruchteil, aber immerhin doch einiges, meist aber in Romanheftform, was arge Kürzungen vermuten lässt. Gerade dieser Roman ist lt. genannter Datenbank im Englischen mit gut 200 Seiten in Buchform erschienen, hier nur noch 65†¦
Na ja, aber ich denke, man bekommt einen guten Eindruck.
Also, das Zeug ist uralt und angestaubt, keine Frage. Habe ich aber mit gerechnet und zur Zeit mag ich solche ollen Kamellen.
Ein in künstlichen Schlaf versetzter Mann des 20. Jahrhunderts wird im 50. Jahrhundert planmäßig geweckt. Laut „Plan“ wurde seine Schlafstätte beschriftet. Auf der Plakette stand, man möge ihn doch im Jahre 5000 wecken. - Auch wenn wir gleich sehen werden, dass die Menschen der fernen Zukunft, ihre Kultur und Sprache, kaum noch was mit uns zu tun haben, was ja durchaus nachvollziehbar ist, hat das geklappt.
Die Zukunft ist keine strahlende, kann man dem deutschen Titel ja schon entnehmen.
Ach, niedlich, wie die Zukünftigen auf uns Altvorderen zurücksehen, was sie noch von uns wissen: Eine berühmte Person, von der sie hörten, ist dieser Supreme, der fliegen und ganze Häuser hochheben kann. Und wir hatten da so ein Spiel: „Kapital und Arbeit“: Wer sich am wenigsten bewegt, hat gewonnen.
Nur in der Antarktis hat sich sowas wie eine etwas gehobenere Zivilisation entwickelt; nicht gehalten - denn nach dem totalen Ende von Öl, Kohle und Erzen fiel die Menschheit in die Barbarei zurück. In der Antarktis, wo es längst nicht mehr so kalt ist, hat sich eine neue Zivilisation entwickelt, die aber die Völker, die in die Steinzeit zurückgefallen sind, ausbeutet - Tribute in Form von Menschen (Arbeitskräfte) und Nahrungsmitteln müssen die seit Jahrhunderten entrichten.
Da kommt unser Mann aus dem 20. Jh. gerade recht - klar, der tritt einen Prozess los, der die Steinzeit beenden wird, auch wenn er dafür eingerostete Waffen aus den verlassenen Kellern von New York nutzen muss. Und dann darf er noch die Prinzessin heiraten. Hach†¦
Das Weltbild dieser Vorkriegs-Phantasie (1939 als Fortsetzungsroman in Argosy, das dt. Heft ist von 1971) ist fürchterlich (ein wenig klingt hier noch die Idee vom Krieg, der alle Kriege beenden kann, an; aber es muss halt Krieg sein, um einen Konflikt lösen zu können); der Plot ist nicht gerade originell (was vielleicht ungerecht ist, denn damals war sowas ja noch neu), die Erzählweise geradlinig und einfach gestrickt. Ich weiß nicht, ob ich SF-Fan geworden wäre, wenn ich das als erstes damals gelesen hätte†¦
7 / 10 Punkte


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Meine Lektürewertungsliste 2021

Geschrieben von T.H. , in Statistik, Leseliste ab 2013 01 Januar 2022 · 656 Aufrufe

… und die Gewinner sind …
Meine Jahresbesten in 2021. Mehr als die möglichen 10 Punkte
Ina Elbracht: „Pentimenti“, illustriert von Daniel Bechthold
Frank Herbert: „Der Wüstenplanet“
Steven Millhauser: „Zaubernacht“

 

Weitere Highlights meines Lektüre-Jahres. 10 von 10 Punkte
Arnolt Bronnen: „Film und Leben. Barbara La Marr“
Ina Elbracht: „Klub Tropikal“
Sebastian Guhr: „Mr. Lincoln & Mr. Thoreau“
Sven Haupt: „Stille zwischen den Sternen“
Adam Hülseweh: „Das Vexyr von Vettseiffen“
Daniel Kehlmann: „Beerholms Vorstellung“
George Langelaan: „Die Fliege. Erzählungen aus der phantastischen Wirklichkeit“
Ira Levin: „Rosmaries Baby“
Nils Wiesner: „Das Gralprogramm“
Nils Wiesner: „Das Haus der Lügen und Träume“

 

Richtig gut gefallen haben mir mit 9 von 10 Punkten:
Barbara Bronnen: „Das Monokel“
Gerd Frey: „OUTPOST. Dunkle Sonne 2“
Petra Hartmann: „Das Serum des Doctor Nikola“
L. Ron Hubbard: „Fear“ (Das Grauen, Opfer der Dämonen)
Ursula K. LeGuin: „Das zehnte Jahr“
Ursula K. LeGuin: „Rocannons Welt“
Waldtraut Lewin: „Artussagen“
Ira Levin: „Die Boys aus Brasilien“
„H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns“
Richard A. Lupoff: „Zirkumpolar“
Richard A. Lupoff: „Vorstoß in den Äther“
Richard A. Lupoff: „Der Dreifaltigkeitsmann“
Christa Wolf: „Was bleibt“

 

Gut lesbar, unterhaltsam, aber nicht überragend. 8 von 10 Punkte
Isaak Asimov: „Foundation und Imperium“ (Der galaktische General)
Isaak Asimov: „Zweite Foundation“ (Alle Wege führen nach Trantor)
Daniel Decker: „Dor“
L. Ron Hubbard: „Bote des Grauens“
L. Ron Hubbard: „Doktor Methusalem“
Sven Haupt: „Die Sprache der Blumen“
Bernhard Kempen: „ARKADIA. Ein Greedy-Roman aus dem Xenosys-Universum“
Stanislaw Lem: „Der Mensch vom Mars“
Ira Levin: „Der Kuss vor dem Tode“
Ira Levin: „Die Frauen von Stepford“
Ira Levin: „Rosemarys Sohn“
Ira Levin: „Die sanften Ungeheuer“
Carlos Suchowolski: „Elf künftige Zeiten“

 

Hat mir nicht so gut gefallen. 6 oder 7 von 10 Punkte
Anthologie „Der vierte Zeitsinn“
Anthologie „Die Lärm-Verschwörung“
Isaak Asimov: „Foundation“ (Der Tausendjahresplan)
Arnolt Bronnen: „Roßbach“ (4 / 10 Punkte)
William S. Burroughs: „Alis Smile & Naked Scientology“
Cixin Liu: „Jenseits der Zeit“
Thea Dorn: „Die Unglückseligen“
L. Ron Hubbard: „Versklavte Seelen“
Marc-Uwe Kling: „Qualityland“
Stanislaw Lem: „Eine Minute der Menschheit“
Frederik Pohl: „Donovans Traum“

 

Ein paar Bücher hat gar keine Wertung von mir erhalten. Das hat aber unterschiedliche Gründe. Mitunter haben mir die Sachen nicht so dolle gefallen, aber ich traue mir nicht zu, sie wirklich angemessen zu bewerten; da hatte ich schon das Gefühl, das es mir nicht zustünden, hier zu werten.
Andere, wie z.B. das Steinmüller-Buch, möchte ich nicht werten, weil ich involviert bin. Das hat mir z.B. sehr gut gefallen, aber es würde sicher jede/r denken, dass ich da voreingenommen bin.
Arnolt Bronnen: „O.S.“
Virginia Woolf: „Orlando“
Sibylle Berg, Dietmar Dath: „Zahlen sind Waffen. Gespräche über Zukunft“
Monika Maron: „Munin, oder Chaos im Kopf“

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: „Warmzeit“








Motto

„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 
Arno Schmidt
 
Er weiß nun auch, was er gegen die … lauernde Stupidität, die sich als Realismus ausgibt, zu tun hat: das Bild von Wirklichkeit eingrenzen, sie mit ästhetischem Maß und nur mit diesem messen, den Schritt in surreale Reiche wagen."
(aus: Gunnar Decker: Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns. Eine Biographie. S. 201)

 

 

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

Angehängtes Bild: Demiurg_g.jpg

© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

 

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

 

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.

 

 

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Archiv

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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
 Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990
 Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
 Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
  Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
 Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
 Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
 Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
 Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
 Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
 N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
 Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
 Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
 Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
 Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
 Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
 Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
 Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
 Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
 Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
 Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011
 A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
 Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016
 A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)
 Peter Schünemann, "Nachtmahr", Ed. Dunkelgestirn, 2023
 Andreas Fieberg & Ellen Norten (Hrsg.): RÜCKKEHR NACH BLEIWENHEIM, p.machinery, 2023

 "Angst im Empire", hg.v. Reinhard Klein-Arendt, Ed. Dunkelgestirn, 2024
 Jörg Weigand, "ISABELLA. Eine ganz besondere Liebe" p.machinery, 2025

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Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
 Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
 Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
 Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
 Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
 Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
 Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
 Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
 Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001
 Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
 C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
 Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
 Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
 Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
 Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
 Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
 Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
 G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
 M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
 Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
 Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
 Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
 Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
 Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
 Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
 Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
 Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
 Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
 Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
 Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
 Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
 Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
 Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012
 "Saramees Blut", Atlantis 2012
 M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013
 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
 Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
 Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
 Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017
 Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
 Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
 IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
 Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020
 Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften, Memoranda, 2020
 Fahrenheit 145, Buch zum 15. ElsterCon, 2020
♦ Angela & Karlheinz Steinmüller: Pulaster, Memoranda, 2021
♦ (N)IRGENDWO (N)IRGENDWANN. Utopie und Humor. Begleitband zum ElsterCon 2022
♦ Goblin Press. Die frühen Jahre: 1990 - 2004. Eine illustrierte Dokumentation von Uwe Voehl, Lindenstruth 2022
♦ Hubert Katzmarz: Im Garten der Ewigkeit, p.machinery, 2022

 Angela & Karlheinz Steinmüller: Computerdämmerung, Memoranda, 2023

 Andreas Fieberg (Hrsg.): ABSCHIED VON BLEIWENHEIM. In memoriam Hubert Katzmarz MMXXIII, p.machinery, 2023

 Hubert Katzmarz: EIN MEISTERWERK DER WELTLITERATUR, p.machinery, 2023
 

 
Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016
Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018
!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020
!Time Machine 4, Januar 2021
Der neue Pegasus Nr. 2, April 2021

!Time Machine 5, Oktober 2021
!Time Machine 6, Januar 2022
!Time Machine 7, Januar 2023

!Time Machine 8, Januar 2024
â– 
Fanzines
aktuell & laufend NEUER STERN, Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte
TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019
TERRAsse zum PentaCon 2021
REISSWOLF S5, 2024
â– 
CD-Cover
 The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
 Syngularity: The Four Horsemen; 2000
 Gothica: Within A Dream; 2000
 Gothica: Into The Mystic; 2000
 The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
 Gothica, Workbook 1995, 2003

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Telefon: o345 77 64o 72
E-Mail: sub.jekt @ arcor.de

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