Jahresrückblick 2025: Juli bis Oktober
Jahresrückblick
Hier kommt der dritte Teil meines Lese-Jahresrückblicks. Wie gewohnt, hat das dritte Quartal bei mir einen Monat mehr. Ihr werdet es verstehen, wenn Ihr den November seht ... Hier also meine Lesefrüchte der Monate Juli bis Oktober 2025.
Diesmal findet ihr einige Goslaria, also Texte von Autoren aus Goslar und Umgebung, und ein paar Indianerbücher. Wie gehabt auch ein paar abenteuerliche Comics - und ein sehr ernster. Zweimal Thomas Mann, das musste im Jubiläumsjahr einfach mal sein, etwas Römisches und wieder ein paar Kira-Hörspiele. Viel Spaß damit!
Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.
Juli
Hans-Martin Gutmann: Brauchen wir Demut? Über Maß, Macht und Menschlichkeit in unsicheren Zeiten
Der Autor ist gebürtiger Goslarer, daher habe ich sein Buch in der Goslarschen Zeitung vorgestellt. Ich schrieb Folgendes darüber:
Demut? Das ist eine Haltung, die ein bisschen aus der Mode gekommen scheint. Oder ist sie vielleicht nötiger denn je? Hans-Martin Gutmann, gebürtiger Goslarer und emeritierter Theologie-Professor, ist dieser Frage in seinem neuesten Buch nachgegangen.
„Brauchen wir mehr Demut?“, ist der Titel des Buches, und in ihm geht es um „Maß, Macht und Menschlichkeit in unsicheren Zeiten“, wie der Untertitel verrät. Gutmann stellt fest: „Wir leben in einem Zeitalter, in dem jede Demut verloren geht.“ Ob Fake-News oder Hass-Mails, manipulative Darstellungen in den „sozialen“ Netzwerken, menschenverachtende Handlungen eines Donald Trump oder Elon Musk – es ist eine Zeit der wirtschaftlichen Interessen, in der die „Mentalität des Siegen-Müssens“ herrscht – „eine Mentalität des Ausschaltens und Zunichtemachens, zumindest der Entwürdigung von Gegnern“, diagnostiziert der Theologe. Und dies alles soll eine Zeit sein, die mehr Demut braucht?
Gutmann unterscheidet in seiner Argumentation zwischen positiver und negativer Demut. Es geht ihm nicht darum, in Demütigung, Mobbing und Shitstorm mit einzustimmen, ganz im Gegenteil: Gutmann spricht von „heilsamer Demut“, die auf „Ich-Stärke“ beruht, den aufrechten Gang übt und „Klarheit und bisweilen Härte in Konflikten“ signalisiert. Gutmann stellt klar: „Demut im heilsamen Sinne ist keine Sache für Menschen mit verbogenem Rückgrat.“
Ja, es ist durchaus ein janusköpfiges Wort, diese Demut. Gutmann als protestantischer Theologe lotet die Bedeutungen und Konnotationen dieses Begriffs aus, interviewt Personen aus den unterschiedlichen Lebensbereichen zu ihren Erfahrungen und Meinungen und stellt klar, dass es ihm nicht um rückgratloses Kriechertum geht, wenn er von Demut spricht. Es geht ihm um etwas anderes. Um ein existenzielles Lebensgefühl, um die Ehrfurcht eines Musikers vor der Kunst singender Vögel, die Erfahrung, Vater zu werden, das Glücksgefühl, wenn die eigenen Kinder „aus brenzligen und manchmal lebensgefährlichen Situationen unbeschadet herauskommen“ oder auch die Erfahrung, eine schwere Krankheit überstanden zu haben. Es geht ihm um ein Gefühl der Selbstkritik, der Dankbarkeit, des Staunens, Zurücktretens und des Sich-selbst-nicht-so-wichtig-Nehmens. Diese Demut „wirkt wie ein stilles Gegengewicht zu Selbstüberschätzung, Allmachtsfantasien oder geistiger Trägheit“, meint Gutmann.
Das Buch besteht aus zwei Teilen. Während die erste Hälfte ein Essay ist, in der der Autor Betrachtungen über die Natur und vor allem die Notwendigkeit einer neuen Demut festhält, besteht der zweite Teil aus einer Reihe von „Meditationen“. Es sind Texte von unterschiedlicher Länge, in denen der Leser Ratschläge findet wie: „Lerne, ohne Scham unwichtig zu werden“ oder „Wenn du den ‚Augenblick der Dankbarkeit‘ spürst: Achte ihn“. In ruhigen melodischen Sätzen entfaltet der Autor seine „Anleitungen zur spirituellen Selbstreflexion“, wie er sie bezeichnet. Es empfiehlt sich, diese kürzeren Texte nicht am Stück hintereinander wegzulesen, sondern sie sich wirklich Abschnitt für Abschnitt vorzunehmen und sich danach Zeit zum Nachsinnen zu lassen.
Sehr geeignet scheint dieser Teil auch für die Produktion eines Hörbuchs, sodass man sich die kurzen Meditationen in ruhigen Momenten zusprechen lassen kann. Dass sich einiges wiederholt und manche Gedanken mehrfach anklingen, ist laut Aussage des Verfassers so gewollt beziehungsweise liegt in der Natur der Sache.
Insgesamt handelt es sich um ein angenehm zu lesendes Büchlein in eingängiger Sprache, das gut als Begleiter durch den Tag taugt. Gutmann hat einige interessante, nachdenkenswerte Betrachtungen zusammengetragen, und wenn er es auch mit seinem Essay nicht sofort schaffen wird, dass die Demut wieder in Mode kommt, so wird sicher der eine oder andere Leser ein wenig innehalten und Luft holen im täglichen Geschrei der Größten, Besten und Lautesten.
Fazit: Ein interessantes und kluges Buch über eine Haltung, die aus der Mode gekommen ist, aber dringend gebraucht wird. Lesenswert.
IljaTrojanow: Der Weltensammler
Roman über den britischen Entdecker und Offizier Richard Burton, der wie kaum ein anderer seiner Zeitgenossen in die Welt des Hinduismus und des Islam eintauchte. Der Roman besteht aus drei Teilen. Zunächst wird Burton gezeigt als Angehöriger der britischen Armee in Indien. Anders als die anderen Besatzer hat er den Ehrgeiz, die Sprachen und die Kulturen der von England unterworfenen Völker kennen zu lernen. Mehr noch: Er schafft es, derart tief in die indische Welt einzutauchen, dass die Hindus ihn für einen der Ihren halten. So perfekt ausgebildet, schlendert er durch Slums, spricht mit Gelehrten und Bettlern und gewinnt Informationen über Verschwörungen gegen die englischen Besatzer. Burton ist ein wertvoller Spion für die Briten. Aber sein Eintreten für die indische Bevölkerung und sein tiefes Verständnis für die von den Briten unterworfenen, unterdrückten und verachteten Inder machen ihm nicht nur Freunde. Offene Kritik an Vorgesetzten und Zweifel an seiner Loyalität gegenüber den Engländern sorgen dafür, dass Burton schließlich stürzt und das indische Abenteuer endet.
Ebenso intensiv dringt er in Arabien in die Welt des Islam ein. Wenn er sich als persischer Reisender ausgibt, ist er von einem echten Moslem nicht zu unterscheiden. In dieser Maske begibt er sich sogar auf die Hadsch, die Pilgerfahrt nach Mekka, die für einen Europäer - wir wissen es von Karl May - ein Wagnis ist, das mit dem Tod bestraft wird. Aber spielt Burton tatsächlich den Moslem? Oder ist er nicht vielmehr wirklich zu einem geworden? Er ließ sich sogar beschneiden. Als er zusammen mit einer Gruppe Moslems von den Briten festgesetzt wird und in einem üblen Gefängnis landet, gibt er sich nicht zu erkennen und durchleidet mit seinen Gefährten das, was Eingeborene in britischen Gefängnissen gewöhnlich erleidet. Schläge, Hunger, Krankheit - nichts kann ihn dazu bringen, sich als Brite zu offenbaren. Und als sein Diener ihn "verrät", um ihn herauszuholen, ziehen die Aufseher ihn einfach aus und inspizieren seinen Penis. Der Mann ist beschnitten, also muselmanisches Pack, kaum mehr wert als ein Tier, er bleibt im Knast ... Eine psychische und physische Grenzsituation.
Im dritten Teil schließlich erleben wir Burton als Expeditionsleiter in Afrika, auf der Suche nach den Quellen des Nils. Eine Reise, die ihn fast das Leben kostet. Und am Ende will sein Kompagnon auch noch den Ruhm allein absahnen.
Die Geschichte ist gleichermaßen abenteuerlich und literarisch, sprachlich anspruchsvoll und auch abwechslungsreich, da jeweils ein Diener Burtons neben den auktorialen Erzählpassagen als Ich-Erzähler über den "Weltensamnmler" berichtet. Da die Rahmenhandlung mit dem Tod Burtons einsetzt und von den Vorbereitungen für sein Begräbnis berichtet, schwebt auch eine gewisse Melancholie und Traurigkeit über der bunten Abenteuergeschichte. Ilja Trojanow hat hier ein kleines literarisches Meisterwerk geschaffen, indem er sich in die Welt Burtons mindestens so tief einfühlte, wie es sein Held in Indien, Arabien und Afrika tat. Das im Fischerverlag erschienene Büchlein gefällt auch durch seine Aufmachung und Ausstattung. Es ist ein kleines Hardcover im Hosentaschenformat und mit Lesebändchen, ausgestattet mit einem Nachwort, einem kleinen Lexikon fremdsprachlicher Begriffe und Zitate sowie einer Landkarte. Als es mir in der Buchhandlung in die Hände fiel, musste ich einfach zugreifen. Und es war ein Glücksgriff.
Lennardt M. Arndt: Die Buschklepper. Die Surehand-Story, Band II
August
Prinz Eisenherz Gesamtausgabe Band 13: Jahrgang 1961/1962
Der Band erzählt vom Zuwachs, den Prinz' Eisenherz' Familie erhält: Der Junge, über dessen Namen lange Zeit keine Entscheidung fällt, wird schließlich auf Arns Vorschlag auf den Namen Galan getauft. Wobei Arn gern der Thronfolge entsagen, die Last auf den jüngeren Bruder abwälzen und selbst ein Leben als abenteuernder Ritter führen will. Seltsam, einige Bände zuvor war Arn noch als ein stiller und nachdenklicher junger Mann charakterisiert worden, der in seiner Bedachtsamkeit geradezu prädestiniert für die Position eines Königs über das Volk von Thule ist. Nun also ein frecher, flinker junger Ritter-Anwärter mit einem sehr losen Mundwerk. Okay. Eisenherz pilgert ins Heilige Land (schon zum dritten Mal), nur diesmal in Begleitung seines Sohnes. Er ist als Handelsgesandter Aletas unterwegs und schließt viele gute Handelskontakte. Unterwegs begegnen wir einer geheimnisvollen Reiterin, die sich sehr gut mit Pferden auskennt, und einer inzwischen nicht mehr allzu ansehnlichen Frau, die noch immer für Eisenherz schwärmt. Eisenherz ist auch im Auftrag König Artus' unterwegs. Er soll Roms Unterstützung für den Bau einer Straße durch Gallien gewinnen, die Britannien mit der Heiligen Stadt verbindet, doch die Pläne versanden, der Kaiser in Rom fällt als Helfer aus. Ferner kehren Eisenherz und Arn in einem Kloster ein, das sich mit schauderhaften Gipsfiguren gegen marodierende Kriegstrupps schützt, und helfen einem jungen Herzog, sein Reich von einem grausamen Usurpator zurückzuholen. Es gibt ein Wiedersehen mit Eisenherz' Hengst Arvak und mit dem sumpfigen Fennland, außerdem mächtig Ärger mit einem christlichen Prediger, der dank seiner Zauberstimme die Herzen der Bevölkerung gewinnt, aber strunzdumm ist und alles predigt, was seine geldgeilen Berater ihm einfüstern.
Mein persönliches Highlight war die Episode, in der Aleta beim Schwimmen im Meer mit einem Otter Freundschaft schließt. Wunderschöne Farben, maritimes Flair, einfach etwas fürs Herz. Geärgert habe ich mich, dass Forster zu Beginn der Fennland-Episode wieder zu einer alten Kopiertechnik gegriffen hat und einfach Bilder aus den ersten Eisenherz-Abenteuern hineingeklebt hat. Ich mag das nicht, wenn einer mit altem Zeug Seiten schindet. Obwohl ich die alten Sumpf-Abenteuer sehr geliebt habe.
Christa Wolf: Kassandra
Der trojanische Krieg aus weiblicher Sicht. Kassandra, die Tochter des Königs Priamos, ist nun Gefangene des obersten Griechenheerführers Agamenon und erzählt ihre Version der Dinge, spricht über Vergewaltigung, Entrechtung, männliche Großmannssucht, erzählt von den Angehörigen des Königshauses und davon, wie einer nach dem anderen umkam. Von Achill spricht sie immer nur mit dem Zusatz: "das Vieh". Dass Kalchas trojanische Wurzeln haben soll, war mir neu, und ich habe es auch nirgends belegt gefunden. Ein wichtiges Buch und ganz große Literatur, aber ich komme mit Christa Wolfs Sprachrhythmus einfach nicht gut klar. Das ist eine Erfahrung, die ich schon bei mehreren anderen Romanen von ihr gemacht habe, ihre Texte laufen einfach in einem etwas unangenehmen Winkel zu meinem Lesegefühl. Egal, es war jedenfalls gut, das Buch zu lesen.
Marco Sonnleitner: Die drei ???: Das Geheimnis der sieben Palmen
Brita Rose-Billert: Indian Cowboy 4 - Auf Leben und Tod
Im Prinzip ein Fehlkauf. Ich hatte von der Autorin vor einiger Zeit die Romane "Der Tanz des Falken" und "Das Geheimnis des Falken" gelesen und gedacht, dies hier sei eine Fortsetzung. Nein, ist es nicht. Die Autorin hat die Bücher etwas überarbeitet (zum Beispiel heißt der Held Ryan nicht mehr Spirit Hawk, sondern Black Hawk), aber im Prinzip ist es der gleiche Zweiteiler, nun auf sechs Bände verteilt. Naja, da ich die Bücher schon mal angeschafft hatte, konnte ich sie auch lesen. Und spannend sind sie allemal.
Ryan, ehemaliger Airforce-Soldat, Extrem-Chauffeur seiner Offiziere, später Kopfgeldjäger und Rennfahrer, war im vergangenen Band mit seinem Rennwagen verunglückt, weil ihm jemand Kokain im Auto versteckt hatte, und dies durch die Lüftung in den Auto-Innenraum gelangt war. Ryan macht sich, unterstützt von seinem Freund, dem Mechaniker Baxter, auf die Jagd nach den Drogenhändlern. Es geht hart zur Sache, aber Ryan gibt nicht auf, und er hat gute Freunde, die ihm helfen. Schließlich kehrt er auf die Ranch seiner Familie zurück, um wieder zu sich selbst zu finden. Und es gibt eine neue Liebe für ihn. Allerdings, die junge Frau hat noch einen weiteren Mann ins ihr Herz geschlossen.
Art Spiegelmann: Maus
Der Holocaust als Tier-Comic. Die Juden sind Mäuse, die Deutschen Katzen, die Polen Schweine. Art Spiegelmann, der hier auch die eigene Familiengeschichte nachzeichnet, tritt im Buch als Comic-Zeichner auf, der seinen Vater Wladek Spiegelmann dessen Erlebnisse erzählen lässt. Wladek spricht vom Ghetto, von seiner ersten Frau, vom ersten gemeinsamen Sohn der beiden, Arts älterem Bruder, der getötet wurde, lange bevor Art geboren wurde. Wladek erzählt vom Überleben, vom Irgendwie-Durchkommen. Sein Talent, Kontakte zu knüpfen, Tauschgeschäfte zu machen, Handel auch in den unmöglichsten Situationen zu treiben, hilft ihm beim Überleben. Doch trotz aller Gewitztheit des Helden: Die Geschichte ist grausam, Wladek und seine Frau erleben Furchtbares. Morde, Leichenberge, zusehen müssen beim Tod von Freunden und Familienmitgliedern, die ständigen Todesbotschaften, der allgegenwärtige Hunger.
Dadurch, dass Spiegelmann die Helden als Comic-Tiere darstellt, ist der Anblick gerade noch erträglich. Doch dieser Comic ist alles andere als komisch, auch wenn es die Kunstform zunächst implizieren mag. Und durch die harten, klaren Schwarzweiß-Zeichnungen, die schroffe Verteilung von Licht und Schatten und die oft schrägen, verzogenen Perspektiven wirkt dieses Buch erst recht sehr hart. Nicht unangemessen hart, muss ich betonen. Es geht schließlich um eine furchtbare Geschichte.
Besonders hart und bitter ist, dass Wladek, obwohl dem KZ entkommen, dennoch nicht frei wurde und dass ihn die Erfahrung von Mangel und tödlicher Bedrohung nie wieder losgelassen hat. Ganz im Gegenteil: Jetzt, als alter Mann, im sicheren Amerika, als ein Mensch, der sich eigentlich um nichts sorgen müsste, hat die eigentlich überwundene Entbehrung den alten Mann vollkommen in ihrem Griff: Wladek kann nichts wegschmeißen, selbst der kleinste Bindfaden oder Draht wird aufgehoben. Wladek ist im Alter zu einem extremen Messie geworden, der sich von nichts trennen kann, gleichzeitig ist er furchtbar geizig, empfindet es beinahe als körperliche Bedrohung, wenn er Geld ausgeben soll. Hinzu kommt ein ungeheuer hohes Misstrauen gegenüber seiner zweiten Frau, die ihm nichts Recht machen kann, die ständig von ihm ausspioniert wird. Krieg und KZ haben Wladek gezeichnet, und je älter er wird, desto mehr greift diese Erfahrung nach seinem Verstand.
Ein sehr eindrucksvoller Comic, unheimlich gut. Das einzige, was mir missfallen hat, war die Darstellung der Polen als Schweine. Nein, da hätte es genug andere Tiere gegeben.
Bessy 28: Die geheimnisvolle Fracht
Andy erhält von seinen Eltern die Erlaubnis, mit einem Dampfschiff den Fluss entlang zu fahren. Er und seine Colliehündin Bessy gehen an Bord. Doch es wird nichts aus der entspannten Ferientour. Ein ziemlich fieser Kerl namens Campbell, der Tuchballen mit dem Schiff transportiert, traktiert den schwarzen Kellner und verfeindet sich auch mit Andy und Bessy, als die beiden dem Angegriffenen zur Hilfe kommen. Campbell will Bessy fangen, schlagen, erschießen, schließlich setzt er, unbemerkt von Kapitän und Mannschaft, nachts den gefesselten Andy in einem Beiboot aus. Bessy springt hinterher und nagt seine Fesseln durch. Allerdings ist Campbell auch dabei, einen Überfall auf das Schiff zu organisieren. Grund ist, dass er seine Baumwollballen an der nächsten Anlegestelle nicht legal an Land bringen kann, so bedrohen er und seine Kumpels die Mannschaft mit Pistolen und verladen die Ballen auf ein Boot. Andy, Bessy und ein befreundeter Trapper, der ebenfalls mit dem Dampfer fuhr, kommen den Banditen schließlich auf die Schliche. In den Tuchballen stecken Schusswaffen, die Campbell einer Gruppe abtrünniger Indianer vom Stamm der Biber verkaufen will. Die Rebellen überfallen jedoch das Boot, sodass die Banditen keines der als Tauschobjekte geforderten Felle erhalten. Als die ehemaligen Biber mit den neuen Waffen ihren Hauptstamm überfallen wollen, sind Andy, Bessy, der Trapper und seine Freunde zur Stelle und können die Angreifer vertreiben. Ende gut, alles gut, und Andy und Bessy können ihre abenteuerliche Flussschifffahrt fortsetzen. Ein sehr spannendes, actionreiches Abenteuer mit schönen Szenen auf dem Fluss und einer bösen Kampfszene zwischen Bessy und dem Wolfshund eines der abtrünnigen Biber. Eine schöne Kindheitserinnerung.
Wolf G. Winning: Pretty Nose und der rote Lakotamond
Hörspiel
Kira Kolumna 21: Urlaubschaos
Kira, Lars und Nele wollen in den Sommerferien am Wundersee zelten. Allerdings lässt der Campingplatz-Betreiber keine Minderjährigen ohne Erziehungsberechtigte auf sein Gelände. Zuerst sind die drei 16-Jährigen begeistert, als Laura sich anbietet, mitzukommen und die drei trotzdem "ihr Ding" machen zu lassen. Als Johannes davon hört, bietet er ebenfalls an mitzukommen. Eigentlich nett. Doch die beiden Elternteile entpuppen sich schnell als das, was Eltern eben für Jugendliche sind: megapeinlich. Vor allem als Kira, Lars und Nele sich mit drei 18-Jährigen anfreunden und mit ihnen baden, Beach-Volleyball spielen und auf Kanutour gehen wollen. Zudem haben die beiden Erwachsenen eine überkandidelte Küche im Zelt aufgebaut, Johannes hat sein japanisches Messerset dabei, und beide brabbeln nur noch in hochpoetischen Phrasen über Kochrezepte vor sich hin. Peinlichkeitsalarm hoch zehn. Dann brechen die sechs Jugendlichen zusammen zu einer nicht genehmigten Kanutour auf, entdecken eine verlassene Villa, in der es möglicherweise spukt, und müssen ein Gewitter überstehen. Am Ende gibt es eine große Versöhnung der Generationen und die totale Einigkeit, dazu einen eingängigen Sommersong. Alles in allem eine schöne, spannende und abenteuerliche Folge, die auch meiner Nichte (11) sehr gut gefallen hat. Allerdings, ein bisschen unlogisch ist die Sache mit dem Alter unserer Helden: Als Kira nach Südberg kam, war sie 16. Inzwischen hat sie zweimal Weihnachten in ihrer neuen Heimatstadt gefeiert und zweimal die Sommerferien mit Lars und Nele verbracht. Wie kann sie da immer noch 16 sein?
September
Bessy 84: Der Rächer
Geschichte eines Halbluts, das auf der Suche nach dem Mörder seiner Eltern ist. Der junge Halb-Kiowa Einsamer Wolf kommt in die Stadt Lodgeburg und wird dort von zwei weißen Cowboys angepöbelt. Er setzt sich tatkräftig zur Wehr. Als er nach einem Mann namens Brentham fragt, stellt sich heraus, dass diesem eine Ranch in der Nähe gehört und dass die beiden Männer für ihn arbeiten. Daraufhin legen sie ihm einen Hinterhalt. Doch er überlebt dank des Eingreifens von Andy und Bessy, die zufällig in der Nähe sind. Einsamer Wolf wird zunächst Mitarbeiter auf der Cayoon-Ranch, doch dann zieht er wieder los, um Erkundigungen einzuholen. Derweil hört Andy von befreundeten Kiowas die Geschichte von Weiße Lilie und John Carter, deren siebenjähriger Sohn ihre Ermordung mitansah. Die Geschichte ist etwas Besonderes, da auf den ersten Seiten lange die Geschichte des Einsamen Wolfs erzählt wird und Andy und Bessy erst sehr viel später auftauchen. Sehr schön und etwas komisch sind die Szenen, in denen Andy seinem neuen Freund das Schießen beibringt und fast immer Bessy etwas abbekommt. Ob das eine Kugel ist, die sich unplanmäßig in ihrer Nähe in den Sand bohrt oder Reste von kaputten Flaschen und anderen Zielen, die auf die Hündin niederprasseln, sie ist heilfroh, als der Krach endlich beendet ist. Außerdem gibt es einige nette Jagdszenen, in denen sie Kleintiere aufstöbert. Das Nachwort bietet Informationen über Ertugrul Edirne, neben Klaus Dill der wichtigste Cover-Künstler bei Bessy. Obwohl es natürlich keine Götter neben Dill geben kann ...
Martin Bolik: Der Junge, der die Zeit besiegte
Hörspiel
Kira Kolumna 22: Sturmfrei
Nele ist fasziniert von den großen Party-Events einer Influencerin. Wie gern würde sie selbst auch einmal eine Party organisieren. Aber: Warum eigentlich nicht? Spontan kündigt sie auf ihrem Social-Media-Account schon mal die "Südberg Summer Vibes" an. Eine "Location" dafür hat sie aber noch nicht. Und die alte Uhrenfabrik wäre zwar zu haben - aber nur gegen jede Menge Kohle. Schließlich erbarmt sich Kiras Vater und überlässt seiner Tochter und ihren Freunden die Wohnung. Die Regeln: Kein Alkohol, kein Stress mit den Nachbarn, Papas Zimmer ist tabu. Das lässt sich doch leicht einhalten, denken Kira, Nele und Lars. Doch als sich ein Regler am Gerät der DJane verklemmt, als sich die Nachbarn beschweren und eine Bande größerer Jungs auch noch das Zimmer von Kiras Vater in Beschlag nimmt und sein Saxophon ausprobiert, droht die Lage zu eskalieren. Nervziege Saskia, die live von der Party berichtet, trägt auch nicht gerade zur Entspannung bei. Eine Katastrophe bahnt sich an. Tolle, spannungsgeladene Folge, sehr gut gemacht.
Kira Kolumna: Reportage - "Machen Influencer immer Urlaub?"
Die erste Folge aus der Reportagen-Reihe, einer Art Spin-off zur Hörspielserie. Kira interviewt Leute zu für Jugendliche interessanten Themen. In der ersten Folge geht es um das Thema Influencer. Kira stellt fest, dass eine bekannte junge Influencerin direkt in der Nähe wohnt und verabredet einen Interview-Termin. Die junge Frau, die trotz des Erfolgs noch einen Brotjob im Solarium hat, gibt bereitwillig Auskunft und erzählt auch davon, dass das Influencer-Leben eben nicht nur eitel Sonnenschein ist, sondern auch harte, disziplinierte Arbeit erfordert. Besonders spannend fand ich die zweite Gesprächspartnerin Kiras: Die Reporterin interviewt eine Frau, deren Beruf es ist, Influencer zu betreuen und zu beraten. Gerade Jugendliche stolpern nämlich oft in Dinge rein, ohne sich rechtlich abzusichern, denken nicht daran, dass sie ihre Einnahmen auch versteuern müssen, und sind sehr unbedarft im Annehmen von "Geschenken" wie zum Beispiel teuren Klamotten, die sie auf ihren Accounts präsentieren. Nein, erfolgreiche Influencer machen mitnichten immer Urlaub.
Martin Bolik: Der Junge der die Zeit besiegte
Oktober
Fabia Waldner: Das Magnolienhaus
So geht sie also aus, die Trilogie um das „Magnolienhaus“. Die Hahnenkleer Autorin Fabia Waldner, mit bürgerlichem Namen Michael Schulz, hat ihre Familiensaga um die rheinländische Bau-Dynastie Eimermacher und vor allem die geflohene und verstoßene Tochter Caroline vollendet. Der dritte Band trägt den Titel „Hoffnung in stürmischer Zeit“ und ist, wie die beiden Vorgängerbände, als E-Book und Hörbuch im Aufbau-Verlag erschienen. Über eine Taschenbuchausgabe werde im Verlag noch diskutiert, so der Autor.
„Hoffnung in stürmischer Zeit“, das ist zunächst einmal ein sehr zurückhaltender Titel für die Monate vor dem sich zusammenbrauenden Ersten Weltkrieg und die darauf folgenden Schicksale der Familienmitglieder. Gerade für Caro, die im ersten Band eine „gute Partie“ ausgeschlagen hatte und aus der Familie geflüchtet war, hatte schon der zweite Band nach einer kurzen Phase in Glanz und Glamour doch einen Absturz und die Bekanntschaft mit Leid und Elend zu bieten. Im dritten Band haben das Schicksal und der Autor für Caro zwar tatsächlich die große Liebe und eine Verlobung zu bieten sowie ein bescheidenes Einkommen, aber bald auch die Einberufung ihres Partners zum Kriegsdienst, seinen Tod und das Dasein als alleinstehende Mutter ohne Einkünfte und mit einem unehelichen Kind.
Waldner verfolgt die über drei Generationen ausgesponnenen Erzählfäden weiter und beseitigt oder repariert einige Ungerechtigkeiten, die vor allem die weiblichen Personen der Familie erfahren hatten. Seitensprünge der Männer rächen sich. Die Generation der Großeltern segnet das Zeitliche. Und die vier Enkel des alten Familienpatriarchen „Kabänes“, die alle mehr oder weniger unter dem Regiment ihres Vaters Johannes zu leiden hatten, werden selbstbewusster und entschlossener und gehen nach und nach ihre eigenen Wege.
Vor allem Almut, Caros blasse und brave Schwester, kann, als ihr Edgar an die Front zieht, im Familienunternehmen ihren Mann stehen. Die sanfte Frau, die viel unter ihrem Mann zu leiden hatte, ist hier von einer ganz anderen Seite zu erleben. Entschlossen serviert sie ihre Nebenbuhlerin ab und übernimmt das Kommando in der Firma.
Sehr interessant ist auch die Art, wie Professor Johannes Eimermacher von seiner hintergangenen Frau dazu gebracht wird, Kontakt zu seinem unbekannten unehelichen Sohn aufzunehmen. Der geistig behinderte junge Mann lebt in einer Heilanstalt und lässt nur langsam die Annäherungsversuche seines Erzeugers zu.
Wenig erfährt man über die Entwicklung der jüngsten Tochter Marie, die doch die erfolgreichste der Eimermacher-Kinder wurde: Marie hat – gegen den ausdrücklichen Willen ihres Vaters – eine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen. Inspiriert von ihrer unbeugsamen großen Schwester Caro setzte sie sich durch gegen einen Vater, der Forschung und Lehre für unweiblich hält. Marie hat Erfolg, wurde berühmt und offenbar auch wohlhabend. Aber was genau erforschte sie? Wie war ihr Werdegang? Welche Leistungen und Entdeckungen werden ihr zugeschrieben? Das verrät der Autor nicht.
Die Erzählung spielt zeitlich, wie aus den beiden Vorgängerromanen bekannt, auf zwei Ebenen. Während die Rahmenhandlung von Caros Heimkehr aus Berlin nach Bonn im Jahr 1975 berichtet, dem Wiedersehen mit dem Magnolienhaus und dem Erbe ihrer jüngsten Schwester Marie, gibt es weitere Erzählstränge aus der Zeit zwischen 1914 und dem Kriegsende, schließlich, sehr gerafft, einen Rapport darüber, was in den Jahren danach passierte.
Ein wenig schade ist, dass der Autor im letzten Achtel des Romans einen solchen Parforceritt durch persönliche Schicksale und Weltgeschichte absolvieren muss. Was hier zusammengefasst wird, hätte bei der bisher gewohnten Detailgenauigkeit und Ausführlichkeit locker noch zwei Bände ergeben. Zumal das, was da erzählt wird, ja nicht ganz unerheblich für die Heldin ist. Zu den Themen der im Zeitraffer präsentierten 60 Jahre zählen unter anderem die Geburt einer Tochter und ihr Verschwinden, eine schwere Krankheit, der Tod der Freundin, der Zweite Weltkrieg und schließlich ein unverhofftes Wiederfinden eines Enkels, das an gewundene Handlungsführungen wie in Romanen der schwarzen Romantik oder in modernen Soap-Operas erinnert. Irgendwie steht man ein wenig ratlos vor diesem Zeitraffer-Abspann, der ein wenig wie die Abmoderation eines Dieter Thomas Heck wirkt, nur eben liebloser. Schade. Da wäre mehr drin gewesen.
Abgesehen davon: Ein spannend geschriebener, vielschichtiger Roman, der die Leser und vermutlich vorwiegend die Leserinnen mitnimmt in eine andere Zeit. Gut lesbar und reich an interessanten Ideen. Und der Erfolg hat sich bereits eingestellt: „Der Verlag war so begeistert von der Reihe, dass er mir eine neue Saga angeboten hat, und ich darf Ihnen bislang verraten, dass ich das Angebot angenommen habe“, sagt der Autor zufrieden. „Schon bald gibt es mehr dazu.“
50 Jahre Yps. Das Buch. Ohne Gimmick
Ja, klar, das musste ich mir unbedingt anschaffen. Ich bin Ypsianer aus den 70er Jahren, aber auf dem Grundschul-Pausenhof mit meinen Sammelkarten aus dem Tierlexikon angegeben, meine Eltern mit Agenten-Gimmicks bespitzelt, im Keller Austernpilze auf einer feuchten Klopapierrolle gezüchtet, Radios gebastelt, die bei mir zu Hause hinterm Berg gar nichts empfangen konnten, den Song von Mecki Spaghetti rauf und runter gedudelt, Urzeitkrebse gezüchtet, Solar-Zeppeline steigen lassen und in einem aufgeschnittenen Müllsack mit dem Aufdruck "Abenteuer-Zelt" den Sommer verbracht.
Das Jubiläums-Buch hat schöne Erinnerungen geweckt, allerdings hätte ich mir mehr zum Hintergrund versprochen, mehr Infos, mehr Material über die Gimmicks. Die Promis, die über ihre Jugend erzählen und dann eben auch das Yps-Heft erwähnen, hätte ich jetzt nicht gebraucht. Viele Seiten sind einfach nur durch wieder abgedruckte Comics gefüllt, die einen ja nichts kosten, man hat ja eh die Rechte. Ziemlich doof fand ich, dass die im Buch abgedruckte Pif-Geschichte über den "Tag der Musik" bereits im kurz zuvor erschienenen Jubiläumsheft 1284 (mit dem "Entscheidungsfinder") zu lesen war. Zweimal dasselbe innerhalb weniger Wochen? Als ob die Auswahl an Pif-Storys nicht groß genug wäre. Was soll die Mega-Verarsche? Insgesamt etwas lieblos, respektlos und wenig wertschätzend dem Leser gegenüber.
Gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Wangaroo, meiner absoluten Lieblingsserie. Abgedruckt wurde hier die Episode eins. Naja, die war auch schon vor ein paar Jahren im Yps-Magazin für inzwischen Erwachsene zum zweiten Mal abgedruckt gewesen. Ach ja, wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Ein nostalgisches Wangaroo-Album mit der kompletten Serie. Wie wärs, Egmont-Verlag?
Das Gespensterbuch. Teil III
Letzter Teil der von August Apel und Friedrich Laun herausgegebenen und größtenteils auch selbst geschriebenen Sammlung von Schauergeschichten. Wobei nur noch der erste der drei hier versammelten Bände von beiden gemeinsam gefüllt wurde, im zweiten Band sind es nur noch Laun-Texte, im Vorwort zum dritten Band kann Laun nur noch den Tod seines Kollegen betrauern. Als neue Beiträger sind Friedrich de la Motte Fouqué (im Inhaltsverzeichnis aus unerfindlichen Gründen als "Foqué" geführt) und Karl Borromäus von Miltitz mit dabei. Erneut eine sehr lesenswerte Sammlung von gruseligen Geschichten, manche in alten Zeiten spielend, manche zur Zeit der Verfasser, oft sind es Geschichten, bei denen der vermeintliche Spuk sich durch natürliche Ursachen erklären lässt, wie in der Geschichte "Der Schutzgeist", meiner Lieblingsgeschichte in dem Band. Dazu gibt es ein lesenswertes Nachwort des Herausgebers Felix Woitkowski, der unter anderem herausarbeitet, dass es sich bei dieser Sammlung um ein sehr "unentschlossenes" Gruselbuch handelt, da die Autoren sich manchmal dem aufklärerischen Credo verweigerten, alles vermeintlich durch Geister Verursachte auf eine natürliche Ursache zurückzuführen. Laun, Apel und ihre Gastautoren lassen die Frage manchmal bewusst offen, und oft bleibt die von vernünftigen Leuten geforderte vernünftige Erklärung des Spuks einfach aus. Eine schöne Sammlung, hat mir gefallen.
Thomas Mann: Deutsche Ansprache (Reclam)
Thomas Mann, der "Unpolitische", hält kurz vor dem Ende der Weimarer Republik eine Rede an die Nation und appelliert an die "Vernunft". Die Nazis haben bei den Reichstagswahlen im September 1930 rund 20 Prozent der Stimmen geholt und sind zweitstärkste Kraft geworden. Mann sieht die Katastrophe herannahen, Mann spricht vor rund 1000 Zuhörern im Beethovensaal der Berliner Philharmonie. Er spricht von Frieden, humanistischen Werten, von der Notwendigkeit eines Zusammenhalts der Demokraten gegen die Nazis. Diese haben durchaus auch Anhänger im Publikum, es gibt Zwischenrufe, Störungen, Proteste. Auch das Presseecho ist geteilt, je nach politischer Ausrichtung des Blattes. Die Rede selbst ist sehr klug und vernünftig, allerdings merkt man beim Lesen, dass Manns Stil "nicht gut gealtert" ist. Was in Romanen funktioniert, ist für den mündlichen Vortrag nicht immer gut geeignet, und dieses Stück rhetorischer Literatur ist zumindest für den heutigen Zuhörer schon ein wenig herausfordernd. Egal, der Mann hatte inhaltlich ja völlig recht.
Es gibt ein sehr erhellendes Nachwort und einige erklärende Endnoten, insgesamt macht der Anhang etwas mehr als die Hälfte des Büchleins aus. Sehr hilfreich, gut so.
Terenz: Der Eunuch (Reclam)
Ich hatte schon im vergangenen Jahr beschlossen, mich näher mit Terenz zu befassen, als ich las, wie Phillis Wheatly sich so positiv auf ihn bezog, als den ersten afrikanischen Dichter - und sie als zweite. Diesen Herbst habe ich mich also durch seine Komödien hindurchgelesen, der "Eunuch" machte den Anfang.
Als ich das Stück las, dachte ich immer wieder: Das kennst du doch. Ein Gefühl, das sich bei den meisten weiteren Terenz-Komödien einstellte. Und richtig: Dieses Werk basiert auf einer gleichnamigen Komödie von Menander, die Terenz übersetzt und bearbeitet hat.
Es geht um einen jungen Mann namens Phaedria, Sohn eines wohlhabenden Atheners, schwer verliebt in die Hetäre Thais. Es gibt einen Konkurrenten, einen Soldaten, der ein ziemlicher Prahlhans ist. Die beiden Männer versuchen, sich gegenseitig durch Geschenke an Thais zu überbieten. Der Soldat schenkt ihr ein junges Sklavenmädchen, von dem Thais glaubt, es sei ein Kind von Athener Bürgern, sie will das Mädchen haben, um ihm die Freiheit zu schenken und es der Familie zurückzugeben. Phaedria will seiner Thais einen Eunuchen schenken. Doch da sich sein Bruder Chaerea unsterblich in das besagte Mädchen verliebt hat, beschließen die Brüder, dass Chaerea statt des echten Eunuchen als Geschenk zu Thais gebracht wird, um der Geliebten nahe sein zu können. Es kommt zu einigen Verwicklungen und Verwechslungen, auch zu einer Vergewaltigung Pamphilas durch Chaerea, aber am Ende ist alles Friede, Freude, Eierkuchen, und es gibt eine Doppelhochzeit. Nicht ganz schlecht, zum Teil durchaus amüsant, eine nette, gefällige, in eleganter Sprache erzählte Verwechslungsgeschichte.
Brita Rose-Billert: Indian Cowboy: Alte Rechnungen
Ryan und Shayla sind ein Paar. Am Ende des vorigen Bandes hatte sie Ryan zu Tode verletzt durch die Bemerkung, es gebe noch einen weiteren Mann in ihrem Leben. Doch nun stellt sie ihm den besagten "Mann", nämlich ihren dreijährigen Sohn vor, den Ryan gleich mit adoptiert, als er Shayla geheiratet hat. Auch die Idee, eine Touristen-Ranch auf der Reservation zu betreiben und weiße Gäste für die Situation der Indianer zu sensibilisieren, gewinnt klarere Konturen. Und da Shayla die Nichte des Stammes-Chief Red Eagle ist, wird auch die alte Feindschaft zwischen Ryan und Red Eagle durch familiäre Bande gebändigt. Alles könnte so schön sein, doch dann taucht Craig Hunting Wolf auf. Der Bruder eines Mannes, für dessen Tod Ryan in seiner Zeit als Kopfgeldjäger verantwortlich wurde. Huntig Wolf will Rache. Es kommt zu einem gnadenlosen Duell in der Wildnis, und nur einer kann überleben.
Brita Rose-Billert: Indian Cowboy 6: Ungebrochen
Der letzte Band der Ryan-Black-Hawk-Saga. Eigentlich wollen Ryan und seine Familie nur an einem Rodeo teilnehmen. Doch als pöbelnde Weiße die Kinder und Jugendlichen aus Ryans Gruppe angreifen, kommt es zu einer Schlägerei, bei der ein Lakota-Junge stirbt. Preisfrage: Wen schnappt sich die Polizei - die bewaffneten Weißen oder die unbewaffneten minderjährigen Lakota und ihren Mentor Ryan? Genau. Ryan landet im Gefängnis. Während die anderen längst entlassen sind, gerät er an einen Indianerhasser, der ihn mit einem Elektroschocker foltert und ihm die Haare scheren lässt. Eigentlich will die Armee den Lakota ja zurückhaben, immerhin ist Ryan ein kostbarer Elitesoldat. Aber auf diese Weise gewinnt man natürlich keine engagierten Mitarbeiter. Schließlich können Baxter und Shayla Ryan aufspüren und befreien. Ryan ist erschöpft, verletzt und physisch fast am Ende - aber ungebrochen. Endlich kann er seinen Traum von der Touristen-Ranch im Reservat verwirklichen.
Ein spannender, hervorragend geschriebener Sechsteiler. Es war kein Schaden, ihn doppelt gelesen zu haben. Ein Hinweis im Klappentext oder Impressum wäre trotzdem anständig gewesen.
Weitere Jahresrückblicke
2025, 1. Teil: Januar bis März
2025, 2. Teil: April bis Juni
2025, 4. Teil: November
2025, 5. Teil: Dezember
© Petra Hartmann

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