Hendrik Thomsen: Irrlicht, Teil 1: Absturz
"Irrlicht" von Hendrik Thomsen ist eine Cyberpunk-Serie, deren erster Band jetzt unter dem Titel "Absturz" als epubli-Buch herauskam. Es handelt sich um das Debüt des Autors, weitere Folgen werden angekündigt.
Im Mittelpunkt des Romans steht die junge Trish, eine Orph, ein Waisenkind, das sich auf den Straßen einer futuristischen Großstadt durchschlagen muss. Trish und ihr Bruder leben von dem, was sie auf der Straße finden und verticken können, wobei ein Teil dieses "Einkommens" für synthetische Drogen draufgeht. Zu Beginn der Geschichte ist Trish auf der Jagd nach "Irrlichtern", kleinen, künstlichen, vielleicht lebendigen Wesen, die sie in einem Behälter sammelt und ihrem Bruder zum Geburtstag schenken will. Doch als ihr Weg den des flüchtenden Hackers Dreyfus kreuzt, wird ihr ohnehin täglich aufs Neue bedrohtes Leben noch um eine Zehnerpotenz todgefährlicher. Sie nimmt dem sterbenden Datendieb einen Speicherkristall ab, bevor seine Verfolger dies tun können. Ein böser Fehler. Denn der Kristall enthält Informationen über eine mächtige Firma, die über Leichen gehen wird, um ihn wieder zu bekommen.
Dramatischer Auftakt
Schon der Auftakt des Romans ist außerordentlich dramatisch. Der Leser erlebt die halsbrecherische Flucht des Dreyfus mit, der in einem SonJet mit riskanten Flugmanövern seinen Verfolgern zu entkommen sucht. Schnelle Schnitte zwischen Trishs Irrlichtjagd und Dreyfus' Flucht, spektakuläre Stunts, die man sich gut als Szenen eines Hollywood-High-Budget-Blockbusters vorstellen kann, sorgen für atemlose Spannung.
Hohes Erzähltempo
Thomsen hält das hohe Erzähltempo den gesamten Roman über durch. Trish ist auf der Flucht, sie und ihr Bruder geraten von einer Falle in die nächste und können sich nur durch irrsinnige Tricks und todesmutige Hechtsprünge immer wieder in kurzfristige vermeintliche Sicherheit bringen. Langjährige Freunde erweisen sich als Verräter, Partnerschaften und Geschäftsbeziehungen sind nichts mehr wert, wenn ein mächtiges Unternehmen hinter einem her ist.
Das Abenteuer ist rasant erzählt und reich an Action. Vielleicht hätten ein oder zwei Pausen dem Roman gut getan, in denen der Leser durchatmen und ein wenig den Blick in dieser Cyberwelt schweifen lassen könnte. Einige schöne Szenen sind dem Autor jedenfalls auch trotz der fast ununterbrochenen Hetzjagd gelungen. Eindrucksvoll und trotz ihrer Gefährlichkeit fast zauberhaft und poetisch wirkt die Situation, als Trish sich vor einer brutalen Jugendgang verstecken muss - und aus ihrer defekten Sammelbox steigen plötzlich lautlos in endloser Reihe die eingefangenen Irrlichter auf ... Ein kleiner Zauber in einer kalten High-Tech-Welt.
Fazit: Temporeicher Action-Thriller in einer Cyber-Zukunftswelt. Flüssig geschrieben und sehr spannend. Lesenswert.
Hendrik Thomsen: Irrlicht. Teil 1: Absturz. Berlin: epubli, 2025. 282 S., Euro 13,99.
© Petra Hartmann

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