Mark Brandis: Alarm für die Erde
Atomare Verseuchung, Erdbeben, Vulkanausbrüche und ein Commander, der an seiner Verantwortung fast zerbricht - der 12. Roman über die Abenteuer von Mark Brandis schenkt seinem Titelhelden nichts ...
„Alarm für die Erde“ heißt der 12. Band der Reihe „Mark Brandis“, der jetzt zeitgleich mit dem Abenteuer „Die Vollstrecker“ im Wurdackverlag erschienen ist. Ein Roman, der vor dem Hintergrund einer planetenweiten Katastrophe die nicht minder schrecklichen menschlichen Katastrophen zeigt und den Titelhelden an die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit führt - und darüber hinaus.
"Q-Papiere" unterscheiden Menschen erster, zweiter, dritter und vierter Klasse
Der Roman schließt nahtlos an die Handlung des Vorgängerbandes „Operation Sonnenfracht“ an: Der afrikanische Kontinent ist atomar verseucht, seit der Kilimandscharo sich in einen feuerspeienden Vulkan verwandelt und das an seinem Krater liegende Atommüllendlager in die Luft gesprengt hat. Die Evakuierung hat Raumschiffe und Personal der Organisation VEGA aufgerieben, doch die Gefahr ist noch immer nicht gebannt. Erdbeben und Strahlung bedrohen die anderen Kontinente. Faustrecht, Panik und bürgerkriegsähnliche Zustände brechen aus, als die Regierung „Q-Papiere“ einführt - Zertifikate, die über die Evakuierungswürdigkeit der einzelnen Bürger entscheiden und sie in Menschen erster, zweiter, dritter und vierter Klasse einteilen. In Malaga spielen sich schreckliche Szenen ab. Robert Monnier, der sein Raumschiff befehlswidrig nicht mit Q1-Passagieren, sondern mit Kindern belädt, muss mit ansehen, wie seine Najade von Soldaten gestürmt wird, die die Kinder in hohem Bogen aus dem Schiff hinauswerfen, um dann selbst deren Plätze einzunehmen. Eine winzige Hoffnung für den Planeten gibt es noch: Geologen glauben, dass eine gewaltige Explosion den Kilimandscharo wieder verschließen kann. Aber für die Sprengung müsste ein Raumschiff in den Krater hineingesteuert werden - ein Himmelfahrtskommando, fast das Todesurteil für die Besatzung ...
Ein Weltraumheld mit Angstzuständen und Depressionen
Mehr als jemals zuvor kratzt der Autor Nikolai von Michalewsky in diesem Roman am Bild des furchtlosen, ewig siegreichen Weltraumhelden. Mark Brandis, der als bester Mann von John Harris für dieses Unternehmen vorgesehen ist, bricht völlig zusammen, lässt sich krankschreiben, zeigt psychosomatische Ausfallerscheinungen und verfällt in schwere Depressionen. Nicht auskurierte Spätfolgen seines Absturzes mit einem „Kolibri“ machen ihm zu schaffen.
Faszinierende Sicherheit in der Charakterzeichnung
Es ist immer wieder faszinierend, mit welcher Sicherheit von Michalewsky seine Charaktere zeichnet. Er lässt den Leser in seine Helden hineinblicken, zeigt deren Zerrissenheit, aber auch die Momente, in denen ein Mensch über sich hinauswächst - und das alles ohne weinerliche oder weichliche Selbstfindungsszenen, sondern geprägt von einer sehr kritischen Distanz des Ich-Erzählers sich selbst gegenüber und immer wieder gebrochen durch einmontierte Dokumente und Berichte anderer Figuren. Trotz Raumschiff und KL-Waffen ist dieser Commander ein derart glaubwürdiger Charakter, dass man beim Lesen beinahe vergisst, dass er „nur“ eine Romanfigur ist ...
Fazit: Ein fesselnder Roman, reich an innerer und äußerer Dramatik. Unvergesslich.
Mark Brandis: Alarm für die Erde. Wurdack-Verlag, 2010. 168 S., Euro 12.
Weitere Besprechungen zu Mark-Brandis-Romanen:
Band 5: Vorstoß zum Uranus
Band 6: Die Vollstrecker
Band 11: Operation Sonnenfracht
Band 12: Alarm für die Erde
Band 13: Countdown für die Erde
Band 14: Kurier zum Mars
Band 15: Die lautlose Bombe
Band 16: Pilgrim 2000
Band 18: Sirius-Patrouille
Band 19: Astropolis
Band 20: Triton-Passage
Band 23: Vargo-Faktor
Band 24: Astronautensonne
Band 25: Planetaktion Z
© Petra Hartmann

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