Abenteuer & Wissen: Kleopatra - Königin von Ägypten
Sach-Hörbücher Kleopatra Antike Ägypten Berit Hempel
Kleopatra: legendäre Herrscherin, sagenhafte Schönheit, hochgebildete Frau und kluge Staatenlenkerin - oder doch nur perfides Flittchen, das sich an den jeweils mächtigsten Mann heranschmiss und ihn verführte, um ihre eigene Macht zu festigen? Berit Hempel zeichnet in ihrem neuen Hörspiel aus der Reihe "Abenteuer & Wissen" den Weg der berühmten letzten Pharaonin Ägyptens nach. Pardon: Nicht Pharaonin, der Titel lautete einfach Pharao, wie wir erfahren. Kleopatra, letzter Pharao von Ägypten also.
Das Hörspiel setzt ein mit einer berühmt gewordenen Aktion der Protagonistin: Kleopatra steigt in einen Sack und lässt sich wie eine Ladung Obst von ihrem Diener in den Palast der Feldherrn Gaius Julius Caesar tragen, des mächtigsten Mannes der Römer - und damit der ganzen Welt. Das Husarenstück der von ihrem Bruder ausgebooteten und kaltgestellten Herrscherin, die sich auf diese Weise eine Audienz - und auch einen Platz in seinem Bett - verschafft, ist ebenso legendär wie erfolgreich: Kleopatra wird ihren Bruder los, wird unangefochtene Nummer zwei in Ägypten nach dem römischen Kriegsherrn und hat ihr Land und ihre Herrschaft vor der römischen Annexion gerettet. Vorerst.
Wissen und Wissenslücken
War es so? Oder hat sich Kleopatra in einen Teppich eingerollt zu Cäsar tragen lassen, wie eine andere Version der Geschichte behauptet? Viele Details über Kleopatra und ihr Leben kennt man heute nicht mehr, wie Autorin Berit Hempel deutlich macht. Und das wenige, was über sie überliefert wurde, stammt aus den Schriften römischer Autoren, die kein gutes Haar an ihr ließen und sie nur allzugern als verruchte Verführerin, als "femme fatale" darstellten. Die Römer haben sie, von Cäsar und Marc Antonius ausgenommen, offenbar nicht geliebt. Hempel erzählt, was sich nachweisen lässt, und bietet Möglichkeiten an, wo Daten und Fakten unbekannt sind. Wobei sie die Wissenslücken deutlich als solche benennt.
Familienverhältnisse und der Kampf um die Macht
Der Zuhörer erfährt etwas zur Dynastie der Ptolemäer, der Kleopatra entstammte, über ihren Vater Ptolemäus XII. und seine romfreundliche Politik, die zwar die Selbstständigkeit des Landes erhielt, aber auch zu höherer Steuerlast für die Ägypter führte, was den Pharao beinahe den Thron gekostet hätte. Hempel zeigt aber auch, wie geschickt Pharao Kleopatra mit dem Gesetz umging, das bestimmte, dass eine weibliche Herrscherin einen männlichen Mit-Regenten haben musste. Mit dem ihr zur Seite gestellten jüngeren Bruder Ptolemaios XIII. konnte sie dank Cäsars fertig werden. Nach dem Tod des ersten Bruders setzte sie den noch wesentlich jüngeren Bruder Ptolemaios XIV. als Mitregenten ein, schließlich, als auch dieser beseitigt werden musste, war ihr und Cäsars Sohn Ptolemaios XV. Kaisar, auch bekannt als Cäsarion, der Vorzeige-Mann auf dem Thron, ein Kleinkind, das der Mutter wohl kaum Widerstand entgegen gesetzt hat.
Für heutige Zuhörer mag es bestürzend klingen, mit welcher Selbstverständlichkeit Kleopatra, ihr Vater und ihre Geschwister die Familienmitglieder über die Klinge springen lassen. Die älteste Schwester Berenike etwa, die während der Abwesenheit ihres Vaters die Macht über Ägypten an sich reißen will und nach seiner Rückkehr dafür hingerichtet wird. Die beiden Brüder namens Ptolemaios, erst Mitregenten, dann Konkurrenten und schließlich Todesopfer. Die Schwester Arsinoe, die sich gegen Kleopatra auflehnt und schließlich auf Befehl von Marcus Antonius hingerichtet wird. Das Familienleben war völlig anders damals, ist aus dem Hörspiel zu erfahren. Aufgezogen von einer Amme, oft fernab der Eltern, aufgewachsen in dem Bewusstsein, dass Geschwister nicht Freunde und Vertraute sind, sondern Konkurrenten im blutigen Kampf um die Macht ... Andere haben zu der Zeit auch so gehandelt und ihre Familienmitglieder beseitigt, versucht Historiker Lars Börner, der in diesem Hörspiel als Experte und Gesprächspartner zur Verfügung steht, Kleopatras Handeln einzuordnen. Wer ihr diese Hinrichtungen vorwirft, der müsse mit anderen (männlichen) Herrschern dieser Zeit genau so ins Gericht gehen. Nett war es freilich trotzdem nicht.
Die Liebe zu Marcus Antonius
Sehr nett und liebenswürdig dagegen wird die Beziehung geschildert, die Kleopatra nach Cäsars Tod mit dem deutlich älteren Marcus Antonius eingeht. Klar, auch hier stand zunächst der Zweck im Vordergrund, wie auch in den Gesprächen der Ägypterin mit ihren beiden Beraterinnen deutlich wird. Und doch scheint es tatsächlich auch so etwas wie Liebe gewesen sein, das Pharao Kleopatra und den (vermeintlich) mächtigsten Mann Roms zusammenband. Schön die Anekdote, die beide beim gemeinsamen Angeln zeigt, wobei Humor und gegenseitige Neckerei das Herrscherpaar ausgesprochen menschlich und in freundschaftlicher Verbundenheit zeigt. Und sehr beeindruckend die Analyse eines Doppelbildnisses, das Marcus Antonius und Pharao Kleopatra auf den beiden Seiten einer ägyptischen Münze zeigt: Den Römer als starken, muskulösen Mann - die Ägypterin als kraftvollen Zwilling des Römers, allenfalls durch die Kleidung von ihm unterschieden. Ein Doppelporträt, das Einigkeit und Zusammengehörigkeit signalisieren sollte - und statt der sprichwörtlichen Schönheit der Herrscherin Macht und physische Kraft ausstrahlte. Eine beeindruckende Aussage für den, der Münzen zu lesen versteht.
Aufs falsche Pferd gesetzt
Allerdings: Kleopatra hatte aufs falsche Pferd gesetzt. Hätte sie den "Milchbubi" Octavian nicht unterschätzt und sich ihm rechtzeitig an den Hals geworfen, die Geschichte wäre womöglich anders verlaufen. Als die Heere des Cäsar-Erben beinahe schon vor den Palasttoren stehen und der unterlegene Marcus Antonius kurz davor steht, sich in sein Schwert zu stürzen, versucht Kleopatra eine letzte 180-Grad-Wende und dient sich dem neuen Stern am Himmel Roms an. Vergebens. So bleibt ihr am Ende nur noch der Selbstmord, wenn sie nicht in Ketten nach Rom gebracht und im Triumphzug durch die Stadt geführt werden will.
Berit Hempel ist mit "Kleopatra. Königin von Ägypten" ein spannendes und sehr lebendiges Hörspiel gelungen. In Dialogen und Spielszenen, aber auch im Gespräch mit dem Experten Lars Börner zeigt die Autorin eingängig und ohne langweiliges Dozieren, was man heute noch weiß über Kleopatra - aber auch, wo die Lücken in ihrer Biografie liegen und was im Dunkel der Geschichte verloren ging. Dabei schafft sie es, obwohl die geschilderten Ereignisse über 2000 Jahre zurückliegen, ein sehr persönliches Bild von der Herrscherin und Frau zu zeichnen und sie auch heutigen Menschen nahe zu bringen. Abenteuer, Wissen und sehr viel Leben, verpackt in 74 ausgesprochen anschauliche Minuten, mehr kann man von einem Hörspiel doch gar nicht erwarten.
Fazit: Gut gemachte Hörspielfolge einer ohnehin empfehlenswerten Reihe. Spannend, lebendig, anschaulich und lehrreich. Hörenswert.
Berit Hempel: Abenteuer & Wissen: Kleopatra. Königin von Ägypten. Hörspiel. München: Headroom, 2026. 74 Minuten.
Weitere Hörbücher aus der Reihe "Abenteuer & Wissen"
Daniela Wakonnig: Johann Wolfgang von Goethe
Sandra Pfitzner: Sophie Scholl
Sandra Pfitzner: Maria Sibylla Merian
Maja Nielsen: Titanic
© Petra Hartmann

Benutzerdefiniertes Design erstellen












