Reimer Boy Eilers: Mit Magellan 4: Das große Wasser
Helgoland Reimer Boy Eilers Magellan
Mit Magellan um die Welt: Der Helgoländer Pay Edel befindet sich unfreiwillig an Bord und erlebt die erste Weltumseglung mit. Aus diesem Stoff wob Schriftsteller Reimer Boy Eilers seine Pentalogie "Mit Magellan". Inzwischen liegt der vierte Teil vor. Er schildert die Fahrt von Feuerland bis zu den Diebsinseln und trägt den Titel: "Das große Wasser".
Ein Titel, der nicht nur geografisch durchaus zutreffend ist, sondern auch bereits darauf hinweist, dass die Weltumsegler nun einen Streckenabschnitt zurückzulegen haben, der wesentlich länger und fordernder ist als die Fahrt über den Atlantik. Ein Großteil des Romans spielt darum auf dem Meer - ohne Landsicht, ohne Inseln, ohne irgendwelche Kontakte mit einer "Außenwelt". Lebten die Vorgängerbände von immer wieder neuen Begegnungen mit fremden Völkern und Kulturen, von feindlichen Auseinandersetzungen und vom Freundschaft-Schließen, so ist es hier die große Leere, die die Schiffsbesatzung vor Herausforderungen stellt. Herausforderungen, die härter und gefährlicher sind als manches kriegerische Aufeinandertreffen mit Eingeborenen Südamerikas.
Hunger und Skorbut an Bord
Die lange Reise über den Pazifik - für die Männer an Bord bedeutet das vor allem: Hunger. Die Vorräte schwinden, Nahrungsmittel und Wasser werden knapp. Tage und Wochen des Hungers, die die Fantasie der Seeleute die Gegenstände um sie herum nur noch in zwei Klassen einteilen lässt: essbar oder nicht essbar. Wer noch eine Ratte fangen kann, ist glücklich. Lederne Segelschoner werden gekocht, lederne Bucheinbände werden zum Festmahl, der Koch mischt Sägespäne in die täglichen Mahlzeiten, die zwar keinen ordentlichen Nährwert haben, aber die Mägen füllen. Und es ist Zeit, von einem liebgewordenen Freund Abschied zu nehmen, denn der treue Nimmersatt, der Pay bislang auf seiner Reise begleitete, wird ein Opfer der hungrigen Schiffsleute. Auf dem Schiff wütet auch der Scharbock (Skorbut). Blutungen, Knochenschmerzen, Muskelschwund, offene Wunden, Zahnfleischbluten und Zahnausfall machen der Mannschaft zu schaffen. Einzig der arabische Kosmologe Al Gharb hat vorgesorgt und hilft Pay und dem Eskimo Qitvitoq mit täglichen Mini-Rationen seiner wundersamen Orangenmarmelade aus.
Informationen über den jungen Magellan
Reimer Boy Eilers nutzt die lange Reise, auf der recht wenig passiert, außer dass die Menschen an Hunger, Durst und Verzweiflung leiden, um Pay und mit ihm die Leser über die Vorgeschichte ihres Kommandanten aufzuklären. In Gesprächen mit Al Gharb, aber auch mit anderen Mannschaftsmitgliedern, wird die Geschichte des jungen Magellan erzählt. So erfährt man mehr über die Eroberung Malakkas und das Engagement der verschiedenen europäischen Mächte in Südostasien, aber auch über Magellans Charakter, seine Freunde und seine Feinde.
Schließlich erreicht die Expedition tatsächlich wieder Land und trifft auf Menschen. Doch die Begegnung ist alles andere als erfreulich ...
Reich an historischen Details
Eilers gelingt es auch im vierten Teil seiner Pentalogie, eine spannende und gut recherchierte Geschichte zu erzählen. Der Roman punktet durch zahlreiche historische Details, die der Autor geschickt in die Handlung einfließen lässt, und nimmt den Leser mit in die Welt und Gedankenwelt des 16. Jahrhunderts. Historische Texte, die der Autor in die Geschichte einmontiert hat, und die vielen zeitgenössichen Illustrationen werten den Roman zusätzlich auf. Eine interessante Sammlung, die gleichzeitig als Roman und als historische Dokumentation durchgehen kann.
Sehr schön und dicht ist die "Chemie" an Bord geschildert. Feindschaften, Freundschaften, Rivalitäten und blanker Hass treten zutage, und die multinationale Crew mit ihren unterschiedlichen sozialen und religiösen Prägungen muss schon einiges an Spannungen aushalten. Strenger Katholizismus mit der Macht der spanischen Inquisition auf der einen Seite, Volksfrömmigkeit und Seefahreraberglaube auf der anderen, hinzu kommen der Dämonenglaube der entführten getauften Südamerikaner. Und Pay als Helgoländer, der an der Klabautermann glaubt, trifft manchmal auch auf Misstrauen. Dass er beinahe schamanistische Fähigkeiten entwickelt, als er seinen Hund rächt, beeindruckt den Grönländer Qivitoq zutiefst.
Hungerfantasien und Poesie, hartes Bordleben, exotische Schauplätze, akribische Recherche und eine gute Portion Humor machen diesen Roman zu einem besonderen Stück Literatur, das den Leser mitnimmt auf eine Reise rund um die Welt. Der Band lässt sich trotz seines Umfangs zügig lesen, es bleibt am Ende nur eine Frage offen: Werden Pay und seine Freunde heil zurück nach Hause kommen? Eine Frage, die erst der fünfte und letzte Band beantworten wird.
Fazit: Spannender, gut recherchierter und detailreicher Roman mit vielen historischem Text- und Bildmaterial. Lehrreich und lesenswert.
Reimer Boy Eilers: Mit Magellan 4: Das große Wasser. Von Feuerland bis zu den Diebsinseln. Ochsenfurth: Kulturmaschinen Verlag, 2026. 409 S., Euro 20.
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© Petra Hartmann

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