Anthony Sonnabend: Vogonische Gedichte!
Vogonische Lyrik auf dem deutschen Markt - ja, welche Sicherheitsbehörde hat denn da geschlampt? Zum Erwerb des soeben erschienenen eBooks "Vogonische Gedichte!" von Anthony Sonnabend benötigt man offenbar tatsächlich keinen Waffenschein, ein eBookreader reicht vollkommen aus.
Douglas Adams' Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" zufolge, ist die vogonische Dichtkunst die drittschlechteste des Universums, und wer weiß, wo sein Handtuch hängt, wird sich angesichts der Ankündigung, erstmals eine Anthologie mit Werken der fünf bedeutendsten Lyriker von Vogsphäre für Erdlinge herauszubringen, eines leichten Grauens nicht erwehren können.
Über den Einsatz derartiger Verse in der Folterpraxis und über die Reaktionen von in "Poesiewürdigungsstühlen" festgeschnallten Zuhörern informiert denn auch das Vorwort der Herausgeber ausgiebig.
Als Verantwortliche für diese Sammlung zeichnen Folmarnnik B. Tranddury, Professor für vogonische Literatur an der kürzlich zur schlechtesten Hochschule des Universums gekürten Nebeluniversität von Vogsphäre, sowie der irdische Privatgelehrte und Spezialist für außerirdische Literatur Anthony Sonnabend, der auch als Übersetzer tätig wurde.
In diesem Buch versammelt sind Gedichte von fünf vogonischen Lyrikern. Neben dem aus der Anhalter-Trilogie bereits hinlänglich bekannten Bauflottenkommandeur Prostetnik Vogon Jeltz sind das der durch seine "Planetenbeschimpfungen" bekannt gewordene Prolimos der Zornige, ferner der hauptberuflich als Hausmeister eines Bauflottenschiffs tätige Troy Moschtaffka, der wichtigste Vertreter der Körperlandschaftslyrik Tanddi al Wasch sowie Travihron Betel Wollenkrrantz, ein bedeutender Autor der So-long-Periode, der kürzlich als Amöbe reinkarnierte.
Die Gedichte selbst sind gar nicht so schlecht uninteressant ... Wer einmal selbst versucht hat, absichtlich schlechte Gedichte zu verfassen, wird die Gratwanderung des Autors zu würdigen wissen. Manches grenzt an lorioteskes "Krawehl-Krawehl", etwa wenn Prostetnik Vogon Jeltz dichtet: "Ich grimpfe durch Gält / Gält grimpft mich / Gält, Gält / Das Ichmich // Es grimpft / in Melanehsien quer - ach Sterne!" Dann gibt es Badewannengedanken mit Blick aus dem Bordfenster wie "Ich sollte endlich einen Antrag stellen, / dass jemand losgeschickt wird, / um diese Sterne da draußen aufzuräumen." Manches hat tatsächlich beinahe Haiku-Charakter: "Ich saß eine Stunde lang neben einem Huluvu / und fühlte mich blau und leer. // Das ist alles."
Dabei hat jeder der fünf Dichter durchaus seine eigene Stimme. Prolimos der Zornige etwa, der in seinen Planetenbeschimpfungen unter anderem die Erde aufs Korn nimmt ("Blauer Planet, dass ich nicht lache!") und auch darüber berichtet, wie er von Bewohnern des von ihm beschimpften Planeten Broxitrahl eine Tracht Prügel bezog. Oder Travihron Betel Wollenkrrantz, der mit seinen "Unsichtbaren Gedichten" geradezu dadaistische Qualitäten erreicht.
Sehr viel Spaß machen die Dichterbiographien, auch hier hat man sich bemüht, jedem der fünf Dichter ein eigenständiges Profil zu verleihen. Weniger gelungen erscheinen dagegen die Geleitworte einiger vogonischer Großkopferter, die dieser Sammlung beigegeben sind. Die meisten klingen einfach zu freundlich und verbindlich. Schon die Anrede "Liebe Erdlinge" ist eigentlich ein Stilbruch. Einzig die Präsidentin des vogonischen Parlaments weist eine gewisse Vogonität auf. Sie schreibt: "Irgendein Idiot hat mir gesagt, dass ich ein Grußwort an euch schreiben soll (...). Soll ich euch was sagen? Das interessiert mich nicht die Bohne! Macht doch, was ihr wollt! Muss ich denn zu jedem Scheiß meinen Senf dazugeben?"
Fazit: Insgesamt eine sehr schöne Sammlung voller Literatur- und Editionsparodie, die beim Lesen viel Spaß macht. Auf jeden Fall der Beweis, dass man auch aus der drittschlechtetesten Lyrik des Universums noch einen ganz akzeptablen Gedichtband machen kann. Der Preis von 4,99 Euro ist allerdings für den geringen Umfang zu hoch (zugegeben: Ich habe zugegriffen als er bei Null Euro lag). Hier scheint den Autor der gefräßige Plapperkäfer von Traal gebissen zu haben ...
Anthony Sonnabend: Vogonische Gedichte! Kindle-Edition, 2014. ca. 54 S., Euro 4,99.
© Petra Hartmann

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