Thorgal 43: Die Rache der Göttin Skædhi
Comics Thorgal Yann Fred Vignaux
Im neuen Thorgal-Album "Die Rache der Göttin Skaedhi" geht es um den Gesteinsbrocken, den Thorgal im Band "Tausend Augen" ans Tageslicht gefördert hat. Aniel, der Sohn von Thorgal und Kriss de Valnor will dem Rätsel der seltsamen "Augen" auf die Spur kommen, die als Einsprengsel im Fels zu finden sind.
Außer um naturwissenschaftliche und alchimistische Forschungen geht es in diesem Band jedoch vor allem um das Aufeinandertreffen einer großen Zahl von Frauen, die mit mehr oder weniger lauteren Mitteln ihre Ziele erreichen wollen. Außer der skrupellosen Kriss de Valnor tritt die Chemikerin und Giftmischerin Dame Pallas auf, und auch Jolans neue außerirdische Partnerin Borealis mischt kräftig mit, wobei wir an dem bisher ziemlich hilflosen blauäugigen Blondchen einige interessante neue Fähigkeiten entdecken. Schließlich meldet sich noch eine alte, längst totgeglaubte Bekannte zu Wort.
Atlantidin auf der Flucht
Der neue Band setzt da ein, wo "Özurr der Waräger" endete: Borealis ist aus Thorgals Haus davongelaufen, weil sie mit den Familienmitgliedern nicht klarkam. Die in einer außerirdischen, technisch überlegenen Hochzivilisation aufgewachsene junge Frau ist zu ungeschickt für die einfachsten Verrichtungen im Haushalt und lässt als Retourkutsche ihre naturwissenschaftliche Bildung heraushängen. Es kommt zum Knall, und Borealis läuft weg, irrt allein durch die Wildnis.
Als sie von Wölfen bedroht wird und in eine Fallgrube stürzt, wird sie von Jägern gerettet. Wobei "gerettet" bei dem schwanzgesteuerten Pack nicht unbedingt das richtige Wort ist. Der Anführer der Bande will sie vergewaltigen, doch hat er die Rechnung ohne die (bisher nicht erwähnte) kampfsportliche Ausbildung der jungen Atlantidin gemacht, die ihn kurzerhand tötet. Unterstützt von Thorgal, der sich inzwischen auf die Suche nach der Geflüchteten gemacht hat, kann sie der Bande eine Zeitlang Paroli bieten, dann aber werden beide überwältigt und zur Festung des Herrschers gebracht. Zu Aniels Festung, wie sich herausstellt. Thorgals Hoffnung, als Vater Aniels bald freigelassen zu werden, erfüllt sich jedoch nicht. Im Gegenteil: Aniels Statthalter Rolf hat großes Interesse daran, sowohl Thorgal als auch Aniel zu ermorden und selbst die Herrschaft an sich zu reißen.
Orientalische Gelehrte erforschen Skaedhis Augen
Aniel ist derweil mit seinen Gedanken anderswo. Er hat eine Schar der größten Gelehrten seiner Zeit um sich versammelt, um dem Geheimnis der "Augen" im Skaedhi-Felsbocken auf die Spur zu kommen. Allerdings bislang erfolglos. Vielleicht könnte ihm die Dame Pallas dabei helfen. Aber die bornierten alten orientalischen Männer wollen keine Frau in ihre Runde einlassen. Pallas, die Aniel im Band "Tausend Augen" ja den Felsen überhaupt erst verschafft hat, arbeitet derweil mit allen Tricks. Dazu gehört auch, dass sie Aniel mit einem aphrodisierenden Trank feuchte Träume beschert. Am Ende ist es allerdings nicht Pallas, die den Felsen zu einer sehr überraschenden Reaktion bewegt.
Optisch ist das Album durch den sehr groben Zeichenstil nicht unbedingt herausragend. Immerhin setzt die Spielerei mit dem "Augen"-Thema einige Akzente. Aniels rote Iriden, die in Bedrohungssituationen hellblau leuchtenden Augen der Außerirdischen Borealis, schließlich die geweiteten Pupillen des unter Drogen stehenden Rolf, das sind in Zusammenhang mit dem seltsamen Gestein und seiner Dynamik nette Details. Auch die Idee, Aaricia als Mordopfer auszuerkiesen, hat etwas. Weniger gelungen ist die Art, wie die Autoren den guten alten Thorgal erneut im Conan-Stil toben, schreien und gegen die Tür seiner Zelle bollern lassen. Schon im Neokora-Album hatte er sich auf diese Höhlenmenschen-Art aufgeführt, die seinem Charakter eigentlich vollkommen fremd war. Durchaus interessant dagegen das allerletzte Bild des Albums. Sehr vielversprechend. Vor allem in Kombination mit der Dame Pallas, von der man gern mehr hören möchte.
Fazit: Ein Abenteuer mit überraschend viel Frauenpower und sehr unterschiedlichen Heroinen. Die Geschichte selbst ist ganz okay, der Zeichenstil etwas grob. Ein interessantes Ende, das für das nächste Album einiges verspricht. Kann man lesen.
Thorgal 43: Die Rache der Göttin Skædhi. Text: Yann. Zeichnungen: Fred Vignaux. Bielefeld: Splitter, 2026. 48 S., Euro 18.
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© Petra Hartmann

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