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PetraHartmann



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Unter der Eiche von Dodona

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 22 Januar 2026 · 20 Aufrufe
Elfenschrift, Dodona, Eiche und 1 weitere...

"Der Zauber von Pflanzen und Bäumen" lautete das Motto der 31. Elfenschrift. Ich beteiligte mich mit einem Artikel über einen ganz besonderen Baum. Es ging um die prophetische Eiche des Zeus im antiken Dodona, das älteste und nach Delphi bedeutendste Orakel Griechenlands. Viel Spaß beim (Wieder)Lesen!

 

Unter der Eiche von Dodona

 

Blätterrauschen, das Säuseln des Windes in der Baumkrone, mächtige, weit ausladende Äste, ein knorriger, ehrfurchtgebietender Stamm: Die Eiche von Dodona gilt als das älteste Orakel Griechenlands. Und aus dem Rauschen des geheimnisvollen, dem Göttervater Zeus geheiligten Baumes deuteten Priester über ein Jahrtausend lang die Zukunft.
Vieles, was das alte Heiligtum betrifft, liegt im Dunkeln. Dodona ist längst nicht so gut erforscht, wie die bekanntere Wahrsagestätte in Delphi, wo der Gott Apoll den Sterblichen seine oft rätselhaften Andeutungen und Wahrsprüche verkünden ließ. Die Ausgrabungen förderten an Tempelbauten nur wenige Mauerreste zu Tage. Dies mag damit zu tun haben, dass sich der Kult weniger in Tempelanlagen und anderen Gebäuden abspielte, sondern dass das Herzstück des Orakels ein Baum, eben die berühmte dodonäische Eiche, war.
Umso beredter sprudeln die literarischen Quellen. Schon in der Ilias Homers, der den Kultort Delphi noch nicht kennt, betet Achill zum Gott Dodonas:

 

„Zeus, pelasgischer, weitab wohnender, Herr von Dodona,
Wo der Winter so rauh. Dort lagern am Boden die Selloi,
Deine Seher, um dich mit niegewaschenen Füßen.“1

 

Barfüßige Priester mit ungewaschenen Füßen waren im alten Griechenland nicht gerade üblich. Vermutlich sollte hierdurch eine besondere Beziehung zum heiligen Mutterboden dargestellt werden. Dazu passt auch die Vorstellung, dass die dodonäischen Priester auch im rauhen Winter auf dem nackten Erdboden schliefen.
Auch in der Odyssee spielt das Orakel eine Rolle. Der in Verkleidung heimgekehrte Odysseus berichtet zweimal über seinen angeblichen Gang zum Zeus-Heiligtum:

 

„Nach Dodona, sagte er, ging er, um aus des Gottes
Hochbelaubter Eiche den Rat des Zeus zu vernehmen,
Wie er am besten ins reiche Land von Ithaka käme,
Da er so lang schon fern, ob öffentlich oder verborgen.“2

 

Noch Sokrates wird später seinen Schüler Phaidros ironisch belehren: „Mein Freund, im Heiligtum des Zeus zu Dodona sagten die Menschen, die ersten Weissagungen seien von einer Eiche ausgegangen. Ihnen, weil sie keine Weisen waren, wie ihr Jünglinge heute, genügte es in ihrer Einfalt, der Eiche und dem Stein zuzuhören, wenn sie nur die Wahrheit sagten.“3
Außer dem Blätterrauschen scheint auch das Gurren der im Baumwipfel sitzenden Tauben zum Orakel gedient zu haben. Dies könnte unter anderem durch ein Fragment aus dem Frauenkatalog des Dichters Hesiod belegt werden: „Und sie (die Tauben) wohnten im Stamm der Eiche. / Von dort holen die Sterblichen Erdbewohner / All die Arten von Sprüchen.“4
Woher die Tauben von Dodona kommen, dazu überliefert Herodot, der Vater der Geschichtsschreibung, eine alte Sage. Demnach seien einst zwei schwarze Tauben aus dem ägyptischen Theben losgeflogen, die eine landete in Libyen, die andere in Dodona. Beide hätten an ihrer jeweiligen Landestelle den Einwohnern befohlen, ein Zeus-Orakel zu gründen, woraufhin das libysche Heiligtum des Zeus-Ammon und die Stätte in Dodona entstanden seien. Herodot, der gern solche alten Sagen rationalistisch interpretierte, versuchte die Geschichte als einen historischen Frauenraub zu deuten. Damals seien zwei ägyptische Priesterinnen von Phöniziern entführt worden, wobei die eine nach Libyen, die andere nach Griechenland verkauft worden sei, übersetzt er es sich in sein vernünftiges Weltbild:

 

„Tauben aber sind die Frauen [...] von den Dodonern genannt worden, weil sie doch fremdsprachig waren und bei ihnen den Eindruck erweckten, daß sie wie Vögel zwitscherten. Nach einiger Zeit aber hat ‚die Taube‘ mit Menschenstimme gesprochen [...]. Dass sie aber sagen, die Taube sei schwarz gewesen, damit deuten sie an, daß die Frau aus Ägypten war.“5

 

Auch der späte griechische Epiker, Apollonios von Rhodos, berichtet von der Wahrsagekraft der Zeuseiche. In seinem Argonautenepos ist es jedoch nicht das Blätterrauschen des Baumes, sondern es ist ein Stück Holz aus dem Stamm der göttlichen Eiche, das sich im Wunderschiff Argo sehr lautstark zu Worte meldet:

 

„Gewaltig schrie der Pagaseïsche Hafen auf und auch die Pelische Argo selbst und spornte sie an, abzufahren“, erzählt der Dichter. „Denn in sie war ein göttlicher Stamm gefügt, den Athene in der Mitte des Vorderstevens aus der Dodonischen Eiche eingepasst hatte.“6

 

Hier ist nicht die Rede von irgendeinem Blätterrauschen, das der Priester erst noch zu deuten hat. Das Holzstück redet unbarmherzig Klartext und setzt der Mannschaft nach einem Verbrechen gehörig den Kopf zurecht. Sturm, Wellen und Riffe setzen der Argo zu.

 

„Und gleich ertönte plötzlich, mitten im Dahinlaufen, in menschlichem Klang der mit Sprache begabte Balken des gewölbten Schiffs, den ja Athene in der Mitte des Vorderstevens aus Dodonischer Eiche eingepasst hatte. Die aber ergriff verhängnisvolle Furcht, als sie mittendrin die Stimme der Argo und den schweren Zorn des Zeus vernahmen. Denn jene sagte, sie würden weder den Mühsalen der langen Salzflut noch den widrigen Wirbelwinden entrinnen, wenn nicht Kirke den erbarmungslosen Mord an Apsyrtos von ihnen abwüsche.“7

 

Klarheit und deutliche Sprache – das wird dem Orakel aus Blätterrauschen und Taubengurren oft von den griechischen Tragödiendichtern bescheinigt. Vielleicht ist hiermit auch eine Spitze gegen das manchmal etwas zweideutige „Konkurrenzorakel“ zu Delphi angedeutet. Man erinnere sich nur an Apollons bekannten Spruch an Krösus, er werde, wenn er den Fluss Halys überschreite, ein großes Reich zerstören. Krösus hielt dies für eine glückverheißende Prophezeiung – doch das Reich, das er durch den Kriegszug zerstörte, war sein eigenes.
Solche dunklen Sprüche scheinen die Priester und Priesterinnen in Dodona nicht verkündet zu haben. So wird im Gefesselten Prometheus des Aischylos erzählt, wie Inachos Boten nach Delphi und Dodona gesandt und zunächst „undurchsichtigen / Bescheid, schillernde Worte, nicht zu deutende“8 als Antwort erhalten habe, dann aber einen klaren, unzweideutigen Spruch. Ein wahres Wunder vollzieht sich an seiner Tochter Io:

 

„Denn als du kamest auf Molosserboden, in
Die Nähe von Dodonas steilem Rücken, wo
Der Sitz des weissagenden Thesproter-Zeus
Und ein unglaublich Wunder, Eichen, redende,
Von denen wurdest du deutlich, nicht mit Rätselwort,
Begrüßt als die Erwählte, der bestimmt ist, Zeus‘
Gemahl zu werden.“9

 

Auch Herakles in den Trachinierinnen des Sophokles weiß aus Dodona ganz genau, was ihm bevorsteht: „Das sei der alten Eiche zu Dodona Spruch“, berichtet seine Frau Deianeira,
„den er aus zweier Priesterinnen Mund gehört.
Und dieses Spruchs Unfehlbarkeit zielt auf die Zeit
die eben jetzt ist, daß er sich erfüllen muß [...]“.10

 

Auch Herakles selbst berichtet von seiner dodonäischen Weissagung, diesmal allerdings mit Hinweis auf eine eigene Fehlinterpretation des Spruchs:

 

„Als ich ins Heiligtum der bergbewohnenden,
auf bloßer Erde schlafenden Seller kam, schrieb ich
mir ein, was mit viel Zungen Vaters Eiche sprach.
Zu der jetzt lebenden, gegenwärtigen Zeit, hieß es,
werde der Plagen, die antreten gegen mich,
Kette sich lösen. Und ich deutete es auf Glück,
doch war nichts andres also als mein Tod gemeint.“11

 

Das Christentum machte schließlich der weit über tausendjährigen Orakelpraxis ein Ende. 391 oder 392 nach Christus wurde sogar die heilige Eiche gefällt – ähnlich wie das Fällen der Donarseiche in Germanien der Todesstoß für den heidnischen Kult. 30 Jahre zuvor, im Jahr 362, hatte der römische Kaiser Julian, dem die Christen wegen seiner Rückkehr zu den „alten“ Göttern den Beinamen „Apostata“, der Abtrünnige, gaben, noch ein letzte Mal versucht, das Orakel zu befragen. Er hatte Boten zum delphischen Apollon-Heiligtum und zum Zeus von Dodona entsandt. Aus Delphi ist als letzter Orakelspruch folgende Botschaft an den Kaiser überliefert:

 

„Saget dem Herrscher, zerstört liegt die kunstgesegnete Stätte,
Phoibos besitzt kein Dach mehr und keinen prophetischen Lorbeer;
Verstummt ist der sprechende Quell, es schweigt das murmelnde Wasser.“12

 

In Dodona schwieg das Orakel. Die Eiche des Zeus war für immer verstummt.

 

1 Homer: Ilias. Übersetzung, Nachwort und Register von Roland Hampe. Stuttgart: Reclam, 1979. XVII, 233-235. S. 328.

 

2 Homer: Odyssee. Übersetzt von Roland Hampe. Stuttgart: Reclam, 1979. XIV, 327-330. S. 234. Ähnlich XIX, 296-299, S. 322.

 

3 Platon: Phaidros oder Vom Schönen. Übertragen und eingeleitet von Kurt Hildebrandt. Stuttgart: Reclam, 1979. 275B. S. 87.

 

4 Hesiod Fragment 134 (Rzach). Zit. n. Martina Dieterle: Dodona: Religionsgeschichtliche und historische Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung des Zeus-Heiligtums. Hildesheim: Olms, 2007. S. 283.

 

5 Herodot: Historien. I-V. Übersetzt von Walter Marg. München: DTV, 1991. II, 54-57. S. 151f.

 

6 Apollonios von Rhodos: Die Fahrt der Argonauten. Griechisch/Deutsch. Hrsg., übersetzt und kommentiert von Paul Dräger. Stuttgart: Reclam, 2002. I 524-527. S. 43.

 

7 Ebd. IV, 580-588. S. 333.

 

8 Aischylos: Der gefesselte Prometheus. Übersetzung und Nachwort von Walther Kraus. Stuttgart: Reclam, 1965. V. 661f. S. 27.

 

9 Ebd. V. 829-835. S. 33.

 

10 Sophokles: Die Trachinierinnen. Übersetzung und Nachwort von Walther Kraus. Stuttgart: Reclam, 1989. V. 169-174. S. 10.

 

11 Ebd. V. 1166-1172. S.48.

 

12 Zit. n.: Das Orakel von Delphi. Geschichte und Texte. Griechisch/Deutsch. Von Marion Giebel. Stuttgart: Reclam, 2001. S. 111

 

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Unter der Eiche von Dodona. In: Elfenschrift. 31, September 2011, S. 10–12.

 

© Petra Hartmann

 

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Unter der Eiche von Dodona
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Kleine Zombie-Kunde

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 21 Januar 2026 · 36 Aufrufe
Elfenschrift, Zombies, Voodoo

Mit Zombies habe ich eigentlich nicht viel am Hut. Keine Identität, kein Ich, keine interessanten Gedanken oder sprachliche Qualitäten. Aber als Ulrike Stegemann für die 27. Elfenschrift das Thema "Zombies und Dämonen" ausrief, da konnte ich mich ja nicht drücken. Hier noch einmal meine Notizen über diese bemerkenswerten Wesen. Viel Spaß damit!

 

 

Kleine Zombie-Kunde

 

Schlurfende Schritte, ein Körper, der bereits Zeichen der Verwesung zeigt, leere Augen – kein Zweifel, ein Zombie. Die Untoten, die Voodoozauber zu neuem, unheiligem Leben erweckte und die als Arbeitssklaven ihres Meisters dienen, sind dem Freund von Gruselliteratur und Horrorfilmen vertraut und haben auf Halloween-Partys ihren festen Platz. Und doch nehmen die lebenden Toten eine Sonderrolle in der Welt des Horrors ein, sind sie doch eine der wenigen Schauergestalten, die nicht europäischen Ursprungs sind. Aus Europa kamen kopflose Ritter und Schlossgespenster, aus Europa stammen Werwölfe und Vampire, Frankenstein ist ein klassischer europäischer Gelehrter vom Typ eines Dr. Faustus, und auch schauerromantische Motive wie das Doppelgängermotiv in der Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde oder im Bildnis des Dorian Gray sind der europäischen Literatur und Weltsicht entsprungen. Zombies dagegen sind Kinder der haitianischen Kultur, sie haben ihre Wurzeln im Milieu der schwarzen Sklaven auf der Insel, die sich aus afrikanischen Göttern und Riten und christlich-katholischen Glaubenslehren eine neue Religion schufen: Voodoo.
Zombies unterscheiden sich vor allem dadurch von ihren europäischen Verwandten, dass sie keinen Willen, keine Ziele, kein Bewusstsein haben. Stellt man einen haitianischen Zombie und einen transsilvanischen Vampir nebeneinander, sollte man kaum für möglich halten, dass beide unter dem Gattungsbegriff „Untote“ geführt werden. Auch der Vampir hat Leben und Seele verloren, doch zeichnet er sich aus durch klare Ziele, einen scharfen Verstand und festen Willen, durch Machtstreben und die Fähigkeit, Menschen seinem Willen zu unterwerfen. Ähnlich verhält es sich mit anderen Wesen der europäischen Schauerromantik, die den adligen oder bürgerlichen Idealen ihrer Zeit folgend gefälligst ein Ziel haben mussten und dies auch mit all ihren Körper- und Geistesgaben zu verfolgen hatten.
Zombies sind anders. Typisch „westliche“ Wesenszüge wie Bewusstsein und Individualität, sind ihnen fremd. Als eher passive, dumpfe, pflanzenartige Existenzen mit Sklaven- oder moderner gesprochen: Unterschichten-Mentalität haben sie keinerlei eigene Interessen, sieht man einmal vom Trieb nach Nahrungsaufnahme ab, der in modernen Zombie-Geschichten gewöhnlich durch Fressen von Menschen befriedigt wird.
Das Wort „Zombie“ oder „zumbi“ stammt dem „Metzler-Lexikon Religion“ zufolge aus den afrikanischen Bantusprachen, wo es soviel bedeutet wie „versklavter Geist“1, das Internet-Lexikon Wikipedia leitet es aus der nord-angolanischen Bantusprache Kimbundu ab, wo das Wort „nzùmbe“ einen Totengeist bezeichnet.2 „Zombis sind Personen, deren Tod amtlich bestätigt ist, die vor den Augen und mit Wissen aller beerdigt wurden und die man dann einige Jahre später bei einem boko [Schwarzmagier] im Zustand eines Idioten wiedersieht“3, definierte Alfred Métraux.
Außerhalb des afro-karibischen Sprachraums bekannt wurde das Wort einer breiten Öffentlichkeit erst im 20. Jahrhundert, vor allem die US-amerikanische Besatzungszeit auf Haiti (1915-1934) spielte eine bedeutende Rolle. Eine wichtige Quelle war das Buch „Magic Island” (1929) des amerikanischen Künstlers, Schriftstellers und Reisenden William Seabrook. Seabrook berichtete von Hexerei, Menschenopfern, Totenbeschwörungen – und eben auch von Zombies: „I did see walking dead man … It was in broad daylight … the three supposed zombies … were plodding like automatons … slowly stood erect … The eyes were in truth like the eyes of a dead man … staring, unfocused, unseeing. The whole face … was vacant, as if there was nothing behind it.”4
Seabrooks Berichte waren Ursache oder zumindest Mit-Ursache, dass das Wort in den allgemeinen Sprachgebrauch überging, vor allem aber lieferten sie den Stoff für den Film „White Zombie“ (1932) von Victor Halperin. Auf diesen ersten Zombiefilm folgte eine Flut von Streifen, in denen die Untoten vor malerischer Kulisse und mit dramatischer Trommeluntermalung über die Leinwand schlurften. Filme, Comics und Romane sorgten dafür, dass die lebenden Toten in einem wahren Siegeszug in die Populärkultur einzogen.
Über die magische Praxis der Zombifizierung ist wenig bekannt. Ursache kann ein Fluch sein, oft heißt es auch, hierzu werde ein Zauberpulver benutzt. Eine Methode wäre, dem Opfer das Zauberpulver vermengt mit Juckpulver zu verabreichen: Beim Kratzen an den juckenden Stellen würden kleine Wunden entstehen, durch die das Gift in die Blutbahn gelangt. Als mögliches Gift wird Atropin genannt. Der Forscher Wade Davis, der 1982 Haiti bereiste, berichtete davon, dass auf der Insel Kugelfischgift als Zombiepulver im Umlauf sei. Jedenfalls wird das Opfer in eine Art Scheintod versetzt und muss nach der Beerdigung von seinem Meister wieder ausgegraben werden.
Im Voodoo wird wie bereits in westafrikanischen Religionen unterschieden in eine Vitalseele (Kreolisch: bon gros ange) und eine Schattenseele (petit bon ange). Ein Zauberer, der einen Menschen zum Sklaven machen möchte, trennt – durch welche Praxis auch immer - die Schattenseele vom Körper, sodass die Charaktereigenschaften und das Unterscheidungsvermögen zwischen Gut und Böse verlorengehen.5
Jenseits der religiösen und abergläubischen Vorstellungen kann es ganz handfest und real zugegangen sein: Der Zombie-Macher gräbt den in Scheintod versetzten Menschen aus, dessen Bewusstsein durch das Gift gedämpft oder ausgeschaltet ist, und lässt ihn durch Gehilfen derart zusammenschlagen, bis ihm klar ist, wer ab jetzt das Sagen hat. So in die Rolle des Dieners gezwungen, wird der Betreffende an Körper und Geist gebrochen und nicht mehr aufmucken. Man erhält einen willigen Arbeitssklaven, der sich auf Plantagen auf anderen Inseln verkaufen lässt. Es darf nicht vergessen, dass Voodoo aus der Erfahrung der Plantagensklaven entstand. Aber auch die afrikanischen Wurzeln scheinen eine Rolle zu spielen: So war es in West-und Zentralafrika laut den Anthropologen Wolf-Dieter Storl möglich, dass Kriminelle mithilfe von Atropin in einen Zustand der Hilflosigkeit versetzt und unschädlich gemacht wurden.
Oft zitiert wird, dass es im haitianischen Recht sogar ein Verbot des Zombie-Machens gibt. Das ist jedoch nicht der Fall. Doch merkt Métraux an: „Der Artikel 246 des alten Strafgesetzbuches bezieht sich auf die zombi: ‚Es wird auch als Anschlag auf das Leben einer Person durch Vergiften gewertet, wenn Substanzen gegen sie verwendet werden, die nicht den Tod verursachen, aber einen lethargischen Zustand […]. Wenn die Person als Folge dieses lethargischen Zustands beerdigt wird, wird der Anschlag als Mord gewertet.‘“6
Wer verhindern will, dass jemand als Zombie wieder aufwacht, tut gut daran, Leichname für Schwarzmagier unbrauchbar zu machen. So war es üblich, Tote ein zweites Mal zu töten, um sicherzugehen, dass es sich nicht um einen Scheintod handelt. Auch werden Gräber bewacht und Leichen die Ohren verstopft, damit sie nicht auf den Ruf ihres Meisters hören. Hinterbliebene legen wohl auch noch heute eine Nadel ohne Nadelöhr in den Sarg des Toten – er wird es nicht schaffen, den Faden einzufädeln, und ist so beschäftigt, dass er den Ruf des Meisters nicht folgen kann – oder streuen Sesamkörner hinein, die der Tote zu zählen beginnt, wodurch er die Wiederauferstehung versäumt.
Moderne Zombie-Romane setzen gewöhnlich auf Schnelligkeit und Gewalt, wenn es gilt, den Scharen von Untoten zu entkommen. Es gibt auch humorvolle Überlebenshandbücher wie „The Zombie Survival Guide“ von Max Brooks. Ein Geheimrezept verrät Métraux: „Sie sind absolut gehorsam, vorausgesetzt, daß man ihnen kein Salz reicht. Bekommen sie aus Versehen eine gesalzene Speise gereicht, werden sie auf einmal ganz klar im Kopf und erkennen ihr schreckliches Sklavendasein. […] Sie stürzen sich auf ihren Herrn, töten ihn, verwüsten seinen Besitz und machen sich dann auf den Weg, um ihr Grab zu suchen.“7 Es empfiehlt sich also, in Zombie-Gegenden, immer eine Prise Salz bei sich zu führen.

 

1 Claudio Mattes: Zombie. In: Metzler-Lexikon Religion. Stuttgart, Weimar, 2001. Bd. 3, S. 725.

 

2 http://de.wikipedia.org/wiki/Zombie, 30.06.2010.

 

3 Alfred Métraux: Voodoo in Haiti. Deutsch von Isotta Meyer. Gifkendorf, 1994. S. 324.

 

4 Zit. n. Ulrike Sulikowski: Hollywoodzombie: Vodou and the Caribbean in Mainstream Cinema. In: Manfred Kremser (Hrsg.): Ay BoBo. Afro-Karibische Religionen. Teil 2: Voodoo. Wien, 1996. S. 82.

 

5 Vgl. Mattes: A.a.O. S. 726.

 

6 Alfred Métraux: A.a.O. S.324f.

 

7 Ebd. S. 326.

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Kleine Zombie-Kunde. In: Elfenschrift. 27, September 2010, S. 14–16.

 

© Petra Hartmann

 

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Liebesspielverderberin

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 20 Januar 2026 · 41 Aufrufe
Elfenschrift, Hexen

"Hexenliebe" lautete das Motto der 24. "Elfenschrift", und ich habe mich dem Thema Liebe und Hexerei auf etwas ungewöhnliche Weise genähert. Nein, es ging nicht um Liebeszauber. In meinem Aufsatz "Liebesspielverderberin" widmete ich mich der historischen "Hexe" Sidonia von Borcke, die ein komplettes Herzogsgeschlecht mit Unfruchtbarkeit geschlagen und ausgerottet haben soll, und einer besonderen Knotentechnik. Vielleicht wäre es ja einmal ein Thema für einen Roman?

 

 

Liebesspielverderberin

 

„Rothaarig ist sie [...], die Leidenschaft soll schon von außen sichtbar sein; ihr Haar, von einem Netz gehalten, aber nicht mit einer Haube unsichtbar gemacht. Ein weißes Unterkleid, auf dem sich ein Überwurf aus dunklen Schnüren gut abhebt: Spinnennetz? Verknotungen? Schlangen?“1
So beschreibt Heidi Staschen ein Bild der als „Klosterhexe“ verschrienen Sidonia von Borck (1548 - 1620). Eine Frau, die wusste, was sie wollte, die liebte, die für eine Frau ihrer Zeit erstaunlich viel Durchsetzungswillen und Energie besaß und dafür als Zweiundsiebzigjährige auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Ein Netz aus dunklen Schnüren mit Verknotungen – der englische Maler Edward Burne-Jones, der im 19. Jahrhundert ein Porträt der Frau schuf, die einst die schönste und reichste adelige Jungfer von ganz Pommern gewesen sein soll, „wollte mit diesem Bild auf das hinweisen, was man ihr zeit ihres Lebens [...] nachsagte: das Nestelknüpfen. Es war eine magische Handlung: der geknüpfte Knoten soll die ‚Manneskraft’ (den Penis) schwächen. Je mehr Knoten, je weniger erotische Freuden.“2
Wer einen Liebestrank benötigte, um einen geliebten Menschen für sich zu gewinnen, ging oft zur Hexe. Doch auch wer Liebe verhindern wollte, konnte nach frühneuzeitlichem Glauben mit Magie dazwischenfunken. „Hexereiverdächtig waren [...]: Impotenz bei Männern, Unfruchtbarkeit bei Frauen“.3 Wenn die Frau einen Mann einfach nicht erhörte, wenn ein Ehemann fremd ging, wenn ein Mann oder eine Frau in der Produktion von Nachwuchs versagte, so war es Dank der Inquisition möglich, jemand anderen dafür verantwortlich zu machen und zu verbrennen.
Das Nestelknüpfen „auch Senkelknüpfen, Schloßschließen, Binden [...] ist“, laut Handwörterbuch des Aberglaubens, „ein berüchtigter, weitverbreiteter und gefürchteter Bindebrauch [...], der als abergläubische Entsprechung gewisser Fruchtbarkeitsriten anläßlich einer Trauung vielmehr dahin wirken sollte, den Bräutigam impotent zu machen und dies bei Neurasthenikern auch zweifellos oft erreicht hat.“4
Wer den Bräutigam in dieser Art „binden“ will, knüpft einen Knoten oder drückt ein Schloss zu, meist während der Trauung, und wirft Knoten oder Schloss anschließend ins Wasser, damit sie nicht gefunden werden können. Mit vermutlich leichtem Amüsement notiert das Handwörterbuch, dass der Brauch noch 1922, also rund ein Jahrzehnt vor Erscheinen des Artikels allgemein bekannt gewesen sein muss, in dem Jahr hatte es ein Lustspieldichter benutzt, „ohne fürchten zu müssen, unverstanden zu bleiben.“5
In der Antike, aber auch in Griechenland und Süditalien des 20. Jahrhunderts, in der Türkei, bei Südslaven, Magyaren und Russen sei der Zauber erwähnt und benutzt worden, auch das indische Atharvaveda spielt darauf an. Marcellus Empiricus (um 400 n. Chr.) notierte, zur Lähmung der Manneskraft müsse man dem Betreffenden eine „bekränzte Mörserkeule“ unters Bett legen. In der „Lex Salica“, dem alten Volksrecht des Salfranken aus dem 6. Jahrhundert, ist es vorausgesetzt, und auch die Kirche befasste sich auf zwei Synoden 1298 und 1446 mit den fiesen Knoten und verbot sie. Doch noch im 17. Jahrhundert finden sich Notizen dazu in sächsischen Visitationsakten.
Als Gegenmittel wird dem Ehemann geraten, drei Morgen durch den Ehering zu urinieren, ein verschlossenes Schloss in der Tasche zu tragen oder bei der Trauung den Trauring nur bis zum zweiten Fingergelenk zu schieben, was einen nicht vollständig vollzogenen Geschlechtsakt symbolisieren soll.
Sidonia, die „Klosterhexe“, soll solche Knoten geknüpft, solche Schlösser geschlossen haben. Die pommersche Adlige geriet den Macht- und Dynastienplänen der Herzöge von Stettin in die Quere, die ihr verboten, „den Mann ihrer Liebe, Herzog Ernst zu ehelichen.“6
Sidonia ging in ein Stift, eine damals übliche „Entsorgungsform“ für unverheiratete adlige Frauen, Ernst wurde mit einer anderen verheiratet. Sidonia hat diesen Schmerz nie vergessen. Sie suchte nach einer Möglichkeit der Rache, lernte „hexen“, genoss die Furcht und die Verehrung ihrer Mitmenschen, stieg gar zur Unterpriorin des Klosters Marienfließ auf. Sie soll bei Zigeunerinnen gelernt haben, traf sich mit der Wahrsagerin Wolde Albrecht, lernte Kräuter und Gifte kennen. „Todesfälle in der Umgebung ließen den Verdacht immer mehr auf sie fallen. [...] Und da absehbar war, daß das Geschlecht der pommerschen Herzöge bald aussterben würde, war natürlich auch sie daran schuld ...“7
Aberglaube und Machtstreben auf beiden Seiten: Das Hofgericht Stettin fand in ihr eine mustergültige Hexe. Und Sidonia? „Vielleicht sonnte sie sich zu sehr im Glanz, mit Magie umgehen zu können, über Tod und Leben zu entscheiden zu können, über Manneskraft und damit Mannesmacht“, vermutet Heidi Staschen. „Sidonia, die Macht wollte, die Magie betrieb, weil sie die Welt nach ihrem Bilde formen wollte, die Wut und Trauer in sich hatte und viel Rache für ihre unerfüllte Liebe und ihre Enttäuschungen. Rache – da wollte sie Hexe sein ...“8 Allerdings: Was Sidonia im Verlauf des Prozesses gestand, hätte vor keinem modernen Gericht Bestand. Die Verbrechen, die sie zugab, gestand sie unter der Folter.
Sidonia hat zahlreiche Autoren fasziniert. So erschien 1847 der Roman „Sidonia von Bork, die Klosterhexe“, das besonders in der englischen Übersetzung großen Erfolg hatte und den Maler Edward Burne-Jones zum eingangs beschriebenen Bild inspirierte. 1910 erschien „Die Klosterhexe von Marienfließ und der Untergang des Pommerschen Herzogsgeschlechts“ von Ludwig Hamann.
Auch Theodor Fontane befasste sich intensiv mit ihr. Das zwischen 1879 und 1882 entstandene Fragment kam jedoch über das Stadium der Skizzensammlung nicht hinaus. Fontane studierte Quellen, war vor Ort, fertigt Grundrisse an, notierte die ihr zur Last gelegten Todes- und Krankheitsfälle und den Vorwurf: „Den jetzigen Pastor in Büche fecisse impotentem“9. Allerdings glaubt er als Kind des aufgeklärten 19. Jahrhunderts nicht, dass sie „Tod oder Unfruchtbarkeit aller Mitglieder der herzoglichen Familie veranlaßt haben sollte. Aber es lag einfach an ihrem [der Herzöge] wüsten Leben: vor allem maßloses Trinken brachte sie vor der Zeit ins Grab.“10
Dass es in seiner Novelle ums „Schloss-Schließen“ gehen würde, zeigt bereits eine Gesprächsnotiz Fontanes, eine Anekdote, die Senator Bremer erzählte: „Bei der Trauung sitzt der Büdners Sohn hinter dem Brautpaar und in dem Augenblick, wo der Geistliche die Kopulationsformel spricht [...] schließt er, der Büdnerssohn, ein Vorhängeschloß zu, daß es knapst, und wirft das Schloß in einen Ziehbrunnen. Wenn man das tut, würde die Ehe unfruchtbar.“11
Fontane kennt auch die zweite Variante des Schlosszaubers: „Sidonie muß das Schloß aufschließen und aufreißen und in einen Brunnen werfen, um dadurch eine Trennung von Herzog und Herzogin herbeizuführen.“12
Welche Rolle Sidonias Höllengeist „Chim“ gespielt hätte, der in den Prozessakten auftauchte, geht aus Fontanes Aufzeichnungen nicht hervor. Walter Keitel erinnert jedenfalls an eine nach der Hinrichtung aufgekommene Sage: „Sidonia soll das Gnadenangebot von Herzog Franz unter der Bedingung, daß sie die restlichen pommerschen Fürsten vom Tod rette, abgelehnt haben: ‚das Hängeschloß, in welches sie den Unsegen geknüpft, könne auch ihr Chim nicht aus den Tiefen des Sees bei Marienfließ hervorholen.’“13
Das schreckliche Ende Sidonies hat das Herzogsgeschlecht nur um 17 Jahre überlebt, 1637 war das Aussterben der „Greifen“ besiegelt. Was bleibt ist die Erinnerung an eine Frau, die Züge einer antiken Medea trägt und als ein weibliches „Kraftgenie“ für eine Tragödie des Sturm und Drangs hätte herhalten können. Fontane: „Sidonie war stolz, kühn und böse, und eigensinnig, neugierig, im Aberglauben ersoffen und gewohnt von niemandem Gutes zu sprechen. [...] Es schmeichelte ihrem Hochmut, wenn alles vor ihr kroch und bebte. [...] Sie ist durch und durch bös aristokratisch, mit Lastern gesättigt, aber kühn, mutig, frei trotz allem Aberglauben und nicht ohne eine gewisse Großartigkeit.“14

 

1 Heidi Staschen: Verraten, verteufelt, verbrannt. Hexenleben. Reinbek bei Hamburg, 1990. S. 87f.

 

2 Ebd. S. 88.

 

3 Wolfgang Tarnowski: Hexen und Hexenwahn. Nürnberg, 1994. S. 20.

 

4 Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hrsg. v. Hanns Bächthold-Stäubli. Berlin u. Leipzig, 1934/1935. Bd. VI, Sp. 1014.

 

5 Ebd. Sp. 1015.

 

6 Heidi Stasch: A. a.O. S. 88.

 

7 Ebd. S.88f.

 

8 Ebd.

 

9 Theodor Fontane: Zwei Fragmente. „Sidonie von Borcke“ und „Storch von Adebar“. Bearbeitetet von Walter Keitel. Potsdam, o.J. (1968), S. 10.

 

10 Ebd. S. 15.

 

11 Ebd. S. 7.

 

12 Ebd.

 

13 Ebd. Einleitung, S. 5f.

 

14 Ebd. S. 11.

 

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Liebesspielverderberin. In: Elfenschrift. 24, Dezember 2009, S. 6–8.

 

© Petra Hartmann

 

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Hippalektryon - Ein Fabeltier ohne Fabel
Eier vom Osterfuchs
Geisterstunde auf Helgoland
Warum Mondmenschen kein Klo brauchen
Mephistopheles - ein tragischer Teufel
Die ältesten Träume
Schattenseele - Seelenschatten
Von Alfen, Elfen und Elben
Liebesspielverderberin
Kleine Zombie-Kunde
Unter der Eiche von Dodona
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Von Alfen, Elfen und Elben

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 19 Januar 2026 · 53 Aufrufe
Elfenschrift, Elfen, Elben, Alben

Mit Elfen habe ich es ja nicht so. Und mit Legolas und seinen Klonen könnt ihr mich eigentlich jagen. Aber als Ulrike Stegemann 2009 für ihr Magazin Elfenschrift das Thema "Elfenstaub und Märchenzauber" festlegte, habe ich mir die spitzohigen Wesen dann doch einmal näher angesehen und versucht, auf 8000 Zeichen etwas über ihre Herkunft und über markante moderne Vertreter zu erzählen. Mein Liebling war damals Holly Short aus der Artemis-Fowl-Serie.
Viel Spaß damit.

 

 

Von Alfen, Elfen und Elben

 

Spitze Ohren, lange Haare, blasser Teint, oft etwas hochnäsig – in dieser Gestalt haben Elben ihren festen Platz in der Fantasy erobert. Doch woher kommen diese Naturwesen mit dem nie fehlgehenden Bogen?
Als Alfen sind sie bereits in der Edda erwähnt. Man erfährt nur wenig über Aussehen und Lebensweise, doch fällt auf, dass sie fast stets im Zusammenhang mit dem Göttergeschlecht der Asen genannt werden. Vermutlich ist das dem gleichen Anfangsbuchstaben zu verdanken, der Stabreim „Asen und Alfen“ dürfte den alten isländischen Dichtern ähnlich leicht von den Lippen geflossen sein wie heutigen Poeten die Reimworte „Herz“ und „Schmerz“. So sitzen sie im Lied Ägirs Gelage einträchtig im Saal des Meeresgottes:
„Von Waffen reden und ruhmvollen Kämpfen
Der Sieggötter Söhne.
Asen und Alfen, die hier innen sind“1
Erwähnt wird ein Land in der Götterwelt Asgard, in dem die Alfen leben. Im Grimnirsmal gibt der Götterkönig Odin eine Übersicht über die zwölf Götterburgen, die oft als eine Art astrologisches System gedeutet werden. Im Anschluss an die Schilderung von Thors Feste Thrudheim folgen die Verse:
„Ydalir heißt es, wo Uller hat
Den Saal sich erbaut.
Alfheim gaben dem Freyr die Götter im Anfang
Der Zeiten als Zahngebinde.
Die dritte Halle hebt sich, wo die heitern Götter
Den Saal mit Silber deckten. Walaskialf heißt sie, die sich erwählte
Der Ase in alter Zeit.“2
Alfheim, das Reich des Fruchtbarkeitsgottes Freyr gilt nicht als Götterburg, ist aber dennoch Teil Asgards. Auffallend ist, dass Alfheim in der Aufzählung zwar erwähnt wird, doch nur zwischen Position zwei und drei als Einschub, es erhält keine „laufende Nummer“. Sollten die alten Germanen hier an eine Art Schalttage gedacht haben?
In einigen Liedern wird unterschieden zwischen wohlgestalten, guten Lichtalfen und hässlichen, im Dunkel der Nacht agierenden Schwarzalfen, doch von Taten der Alfen wird so gut wie nichts berichtet.
Genau beobachtet ein Edda-Dichter die Ausdrucksweise der einzelnen Völker: Im Alvismal gibt es einen ausführlichen Vergleich des Vokabulars von Asen- und Wanengöttern, Riesen, Zwergen, Menschen, Unterweltsbewohnern und Alfen. So antwortet der Zwerg Alwis auf die Frage, wie man den Himmel in den einzelnen Welten nennt:
„Himmel den Menschen, Dach heißt er den Göttern,
Windweber Wanen,
Riesen Überwelt, Alfen Glanzhelm,
Zwergen Träufeltor.“3
Manchmal wird eine Verwandtschaft zu den Zwergen angenommen. Darauf könnten auch Namen wie Alberich (Zwergenkönig aus der Siegfriedsage) hindeuten. Das englische Wort „Dwarf“ für Zwerg stammt von „Dwarftalb“ – Schwarzalb.
Nach der Christianisierung wurden im Volksglauben Alfen zu dämonischen, bösen Mächten. So machte man sie verantwortlich für den Hexenschuss, der ursprünglich Albenschuss hieß. Auch heute ist noch das Wort „Alptraum“ geläufig, das seit der Rechtschreibreform als „Albtraum“ wieder seine elbische Herkunft ins Bewusstsein rückt.
Die moderne Fantasy verdankt ihr Elbenbild John Ronald Reul Tolkien. Er schilderte Wesen, die er „elves“ nannte. Doch war er selbst mit dem Wort nicht glücklich. Für die deutsche Übersetzung wünschte er sich daher, dass sie als „Alben“ oder „Elben“ bezeichnet werden. Sind sie im Buch vom Hobbit noch eher blasse Gestalten, die durch Baumwipfel fliegen und närrische Lieder singen, so mausern sie sich in der Trilogie Der Herr der Ringe zum Edelsten, was die Fantasy aufzubieten hat.
Über ihr Äußeres wird wenig berichtet. Im Rat bei Elrond heißt es, dass Legolas’ Gesicht schön sei. Er ist in Grün und Braun gekleidet, mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Die Elben, denen die Gefährten in Lothlórien begegnen, tragen graue Kleidung, leben in den Baumwipfeln und bewegen sich geräuschlos durchs Laub. Sie singen und lachen gern, doch sprechen sie auch mit befehlsgewohnter Stimme. Einmal wird erwähnt, das Haar eines Elben schimmere wie Gold in der Morgensonne. Tolkien hält sich mit Beschreibungen zurück. Doch als Frodo die Augenbinde abgenommen wird, erlebt er das Land so:
„Er sah keine Farben außer denen, die er kannte, Gold und Weiß und Blau und Grün, aber sie waren frisch und strahlend, als nehme er sie in diesem Augenblick zum ersten Mal wahr und erfinde neue und wunderbare Namen für sie. Hier konnte im Winter kein Herz um Sommer oder Frühling trauern. Kein Makel, kein Gebrechen, keine Mißbildung ließ sich an irgend etwas entdecken, das auf der Erde wuchs. Kein Fehl war am Lande Lórien.“4
Erst als die Gefährten zum Herrscherpaar geführt werden, gibt es eine Beschreibung. Doch auch hier beschränkt sich Tolkien auf wenige Merkmale, nennt Haarfarbe, Farbe der Kleidung und die ausdrucksstarken Augen:
„Sehr groß waren sie, und die Herrin nicht weniger groß als der Herr; und sie waren ernst und schön. Sie waren ganz in Weiß gekleidet; Frau Galadriels Haar war tiefgolden, und das Haar des Herrn Celeborn war silbern, lang und leuchtend; aber kein Zeichen des Alters war an ihnen, es sei denn in den Tiefen ihrer Augen; denn ihre Augen waren scharf wie Lanzen im Sternenlicht, und doch tiefgründig, die Bronnen alter Erinnerung.“5
In Tolkiens Welt erscheinen Elben als übersteigerte Menschen. Sie sind bedingt unsterblich, makellos und haben ihre Wurzeln außer in der nordischen Mythologie auch in theologisch-philosophischen Überlegungen zur Frage: Was wäre aus der Menschheit ohne den Sündenfall geworden? Kleine, kindliche Blumenelfen, die erst in moderner Zeit entstanden lehnte Tolkien jedenfalls ab und wollte mit dieser Verniedlichung nichts zu tun haben.
Einen eigenwilligen Umgang mit den Alfen-Nachfahren findet man in Wolfgang und Heike Hohlbeins Roman Elfentanz: Hier existiere Elfen und Elben nebeneinander als völlig verschiedene Völker. Die erste Elfe, die der junge Timo sieht, ist eine „wunderschöne, goldhaarige Frau in einem fließenden, silbernen Gewand, zartgliedrig und so blaß, dass ihre Hände und Füße im Sonnenlicht beinahe durchsichtig wirkten.“6 Ihre Stimme hat „einen wunderschönen Klang, als striche warmer Sonmmerwind durch ein Feld gläserner Blumen.“7 Es ist ein zierliches, verletzliches Wesen, das aber über starke magische Kräfte verfügt.
Elben dagegen sind Krieger. Ein Volk mit großer Vergangenheit, von der nicht viel blieb. „Einst waren sie ein mächtiges und stolzes Volk, das die Welt von einem Horizont bis zum anderen beherrschte. Aber diese Zeiten liegen so lange zurück, wie die Berge alt sind, und heute gibt es nicht mehr viele Elben“, heißt es.8 Die ersten Elben, denen Timo begegnet sind breitschultrige, hellgekleidete Krieger mit mächtigen Langbogen. Sie strahlen Ruhe und Gelassenheit, Friedfertigkeit und Weisheit aus. Zum Schluss wird sich das Volk in ein dezimiertes Häuflein verwandeln. Timo sieht heimatlose Elbinnen und Schwerverletzte, die sich auf den Kampf gegen den bösen Ahriman vorbereiten.
Eine eigenständige Schöpfung stellen die Hauselfen in Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Romanen dar. Die dienstbaren Geister mit dem uneingeschränkten Willen zum Dienen und zur Unterwerfung sind eher tragische Geschöpfe und haben nichts mit den Elbenkriegern Mittelerdes gemein. Sie weisen eine Verwandtschaft mit englischen Brownies auf und einige Ähnlichkeit mit Heinzelmännchen, doch fehlt ihnen der Zorn und die Bereitschaft zum Weggehen, wenn Menschen sie nicht gut behandeln, oder wenn ihre Arbeit erledigt ist.
Mit Eoin Colfers „Artemis Fowl“ zog High Tech im Elfenreich ein. Die Zentrale Untergrund Polizei, vertreten durch die draufgängerische Elfe – der Autor verwendet den Gattungsbegriff „an elf“ – Holly Short, verfügt über ein Waffenarsenal aus futuristischen Laserstrahlern, Raumschiffen, Zeitfeldern und Bomben, die gefährlicher sind als Atomsprengköpfe. Colfer erklärte augenzwinkernd, Artemis Fowl sei eine Art „Die Hard mit Elfen“.
Seit der TV-Serie Alf wurde das ursprüngliche Wort für Elfenwesen selten. Wer schlanke, schöne Bogenschützen schildert, will sicher nicht, dass der Leser an einen schweren, behaarten Außerirdischen denkt, der aussieht wie eine Kreuzung zwischen einem Känguruh und einem Erdferkel.

 

1 Die Edda. Germanische Göttersagen aus erster Hand. Nach der Übersetzung von Karl Simrock neu hrsg., bearbeitet und kommentiert von Walter Hansen. Wien, Heidelberg, 1981. S. 117.

 

2 Ebd. S. 141.

 

3 Ebd. S. 135.

 

4 John Ronald Reul Tolkien: Der Herr der Ringe. Band I: Die Gefährten. Aus dem Englischen übersetzt von Margaret Carroux. Stuttgart, 1972. S. 423.

 

5 Ebd. S. 428.

 

6 Wolfgang und Heike Hohlbein: Elfentanz. Eine phantastische Geschichte. Wien, Heidelberg, 1984. S. 94.

 

7 Ebd. S.100.

 

8 Ebd.S. 138f.

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Von Alfen, Elfen und Elben. In: Elfenschrift. 21, März 2009, S. 10–12.

 

© Petra Hartmann

 

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Schattenseele - Seelenschatten

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 18 Januar 2026 · 56 Aufrufe
Elfenschrift, Schatten und 2 weitere...

Das Thema "Schatten" hat mich - nicht nur als Peter-Schlemihl-Fan - immer mal wieder beschäftigt. Meine erste Movenna-Geschichte, "König Subolds Grab" etwa entstand zur ersten Storyolmpiade, die unter dem Motto "Tanz der Schatten" stand. Als Ulrike Stegemann im Jahr 2008 für die September-Elfenschrift das Thema "Schatten" ausrief, war ich natürlich mit dabei und habe mir über den Zusammenhang von Schatten, Seele und Persönlichkeit Gedanken gemacht. Viel Spaß beim (Wieder)Lesen!

 

 

Schattenseele – Seelenschatten

 

Unheimlich, dieser dunkle Begleiter, der einem Menschen nicht von den Fersen weicht, nicht wahr? Kein Wunder, dass der Schatten im Glauben und Aberglauben vieler Kulturkreise eine bedeutende, gespenstische Rolle spielt. Seine Ähnlichkeit mit der zugehörigen Person rückten den düsteren Doppelgänger oft in den Bereich der Seele oder der Persönlichkeit, als deren sichtbares, mit eigentümlicher Magie begabtes Abbild er galt. Mal erscheint er als blasse, wenig mächtige Kopie des Originals, oft auch als starke und dunkle Macht, die schweren Schaden verursachen konnte.
Im Schöpfungsbericht des 1. Buches Moses heißt es in der Luther-Übersetzung, Gott habe den Menschen als „ein Bild, das uns gleich sei“ und „zu seinem Bilde“ geschaffen1. Doch das hebräische Wort „bezalmenu“ lässt sich ohne Weiteres auch übersetzen als „in unserem Schatten“, und fort ist die stolze Gottesebenbildlichkeit des Menschen, des schwachen, unvollkommenen und unmächtigen Schattenbildes.
Seltsam ambivalent sind die Vorstellungen über den Schatten Gottes. In einer Wüsten- und Steppenkultur wie dem alten Judentum war der Schatten zunächst Schutz vor der tödlichen, sengenden Sonne und ein Lebensspender. Daher heißt es auch im Psalm 121: „Der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.“2 Und im Neuen Testament wird der jungfräulichen Maria angekündigt: „Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“3. Doch nicht nur die Zeugung des Messias soll auf diesen Schatten Gottes zurückgehen: Einer bulgarischen Sage zufolge entstand auch der Teufel aus Gottes Schatten.4
Andere Vorstellungen besagen, Gott habe – als Wesen der höchsten Vollkommenheit und frei von irdischer Stofflichkeit – überhaupt keinen Schatten. Eine Vorstellung, die sich in vielen Religionen findet: So hieß es, die Heiligen der Perser seien so rein, dass sie keinen Schatten würfen, und im arabischen Raum wird von der Schattenlosigkeit des Leibes Mohammeds berichtet. Ähnliches wurde über das Abbaton des griechischen Gottes Zeus auf dem Lykaion erzählt: Wer dort eingetreten sei, habe keinen Schatten geworfen, wohl weil die Wohnung des Gottes als Quelle allen Lichtes galt. Ein Schatten sei dort ebenso undenkbar wie die Vorstellung, dass die Sonne einen Schatten habe.
In der griechischen Welt glaubte man, dass die Toten als Schatten im Hades, der Unterwelt, weiterlebten. Hier liegen die Vorstellung von Schatten und Seele sehr eng beisammen, und der Schatten ist im Jenseits Träger der Identität und der charakteristischen Persönlichkeit des Verstorbenen. Als Odysseus auf der Heimfahrt von Troja die Totenwelt besucht, bietet sich ihm ein trauriges Bild der ehemals so herrlichen Helden. Schwache Schattenbilder scharen sich um das Opferblut, das er für sie fließen lässt, trinken gierig, und selbst der dort unten hochgeehrte Heros Achill vertraut dem einstigen Kampfgefährten an: „Lieber wollt ich als Tagelöhner den Acker bestellen/ Bei einem armen Mann, der nicht viel hat an Besitztum,/ Als über alle die Toten, die hingeschwundenen herrschen.“5
Auch im späteren christlichen Abendland tritt der Schatten oft als seelenhaftes oder seelenähnliches Wesen auf. Ähnlich dem Teufelspakt Fausts wird von Gelehrten berichtet, die dem Satan zwar nicht ihrer Seele, wohl aber ihren Schatten überschrieben, um Wissen und Wahrheit zu erlangen. So heißt es, der Isländer Saemundr habe in Paris beim Teufel studiert und ihm als Honorar seinen Schatten gegeben. Ähnliches wird aus Löwen von einem schattenlosen Professor erzählt, auch aus Deutschland, Siebenbürgen und Spanien gibt es solche Sagen, und in Schottland hieß es, die besten Zauberer seien diejenigen, die keinen Schatten hätten.
Die Idee, den Schatten als minderes Tauschobjekt für Leib oder Seele einzusetzen, spiegelt sich auch in Sagen wider, in denen der Teufel „geprellt“ wird. So erzählt eine Legende von einer Teufelsschule, in der der Teufel als Lohn für seinen Unterricht denjenigen als Opfer verlangt habe, der als letzter die Schule verlasse. Der Verlierer des Wettlaufs deutete darauf gelassen hinter sich auf seinen Schatten, den der betrogene Teufel daraufhin packte und mit sich nahm.
Eine ähnliche Vorstellung mag zugrunde gelegen haben, als sich der Brauch des „Bauopfers“ nach und nach humanisierte. Hatte man in alten Zeiten noch „etwas Lebendiges“6 mit eingemauert, um einer Festung oder einer Kirche Beständigkeit zu verleihen, so ging man dazu über, statt eines gekauften Kindes oder eines verurteilten Schwerverbrechers nur den Schatten eines Menschen mit einzumauern – auch wenn es hieß, dass derjenige sein Leben wegen dieses Verlustes bald verlieren sollte.
Auch im Bereich der Rechtsprechung schlug sich die Annahme nieder, der Schatten sei ein minderwertiger Stellvertreter der Person. So wurde in einigen Gegenden die „Schattenbuße“ praktiziert: Ein Angehöriger der unteren Volksschichten durfte, wenn er einen Prozess gegen einen Adligen gewonnen haben sollte, dessen Schatten einen oder mehrere Schläge versetzen. Der Prozessgegner selbst war für ihn tabu, einzig der Schatten sei ihm als gleichberechtigtes Gegenüber satisfaktionsfähig, denn das Volk stehe unter dem Adel ebenso tief wie der Schatten unter dem Menschen stehe.
In der Literatur des 19. Jahrhunderts verliert sich die Seelenbedeutung des Schattens zunehmend. Der dunkle Doppelgänger wird eher zum gesellschaftlichen Phänomen, sein Fehlen ist nicht unbedingt Sünde, macht den Betroffenen aber doch zum Außenseiter. Ein Teufelspakt, bei dem der Böse zunächst den Schatten – und eben nicht die Seele des Helden – fordert, findet sich in Adelbert von Chamissos „Peter Schlemihl“. Der Titelheld bekommt zum Tausch ein unerschöpfliches Geldsäcklein, doch trotz seines neuen Reichtums verliert Schlemihl alles – gesellschaftliche Stellung, Freunde, sogar die Geliebte – , als offenbar wird, dass er keinen Schatten hat. Erst jetzt kommt die Seele ins Spiel, als der Versucher ihm ein neues Geschäft anbietet: Die Rückgabe des Schattens im Tausch gegen die Seele. Doch Schlemihl schlägt aus und wählt bewusst das Leben als einsamer Naturforscher. Gott selbst gibt offenbar seinen Segen dazu, indem er oder andere freundliche Mächte dem Schattenlosen ein paar Siebenmeilenstiefel zukommen lassen: So büßt der Held eben nicht Seele, Lebenskraft und Gottesnähe ein, sondern nur ein simples gesellschaftliches Attribut und Statussymbol, auf das ein Romantiker ohnehin verzichten konnte. Schlemihls Lebensfazit lautet: „Du aber, mein Freund, willst du unter den Menschen leben, so lerne verehren zuvörderst den Schatten, sodann das Geld. Willst du nur dir und deinem bessern Selbst leben, oh, so brauchst du keinen Rat.“7
Noch einen Schritt weiter geht Hans Christian Andersen in seinem sehr bösen Märchen „Der Schatten“. Ein redlicher, etwas weltfremder Gelehrter ist neugierig, wer im Haus gegenüber wohnt, und macht seinem Schatten scherzhaft den Vorschlag, er könne einmal hinübergleiten und nachschauen. Doch der Schatten gerät ins Haus der Poesie, durch deren Zauber er zum richtigen Menschen wird, zu einem äußerst unerfreulichen Zeitgenossen obendrein, der durch dunkle Geschäfte und Erpressungen zu Geld kommt. Nach Jahren kehrt er zurück und schlägt dem armen Gelehrten vor, dieser könne nun ihm für Geld als Schatten dienen. Der Pakt zerbricht, als der Schatten auch noch eine Prinzessin heiraten will. Der Gelehrte beschließt: Das sei nicht in Ordnung, nun müsse er verraten, dass der vornehme Herr nichts als ein Schatten ist. Der Schatten fackelt nicht lange, er lässt sein Original verhaften. Am Tag der Hochzeit wird der Gelehrte hingerichtet, der Schatten übernimmt die Macht im Reich. Offenbar war zu dieser Zeit Schattenlosigkeit bereits kein Karrierehindernis mehr. Skrupellos, seelenlos, gottähnlich schattenlos setzt sich die Kopie an Stelle des Originals. Eine sehr böse Geschichte.

 

 

1 Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Stuttgart, 1985. 1. Mose, 1, 26 und 27.

 

2 Ebd. Psalm 121, 5-6.

 

3 Ebd. Lukas 1, 35.

 

4 Dieses und die folgenden Beispiele aus: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hrsg. v. Hanns Bächtold-Stäubl. Band IX. Berlin, 1938/41.

 

5 Homer: Odyssee. Übersetzt von Roland Hampe. Stuttgart, 1979. XI, 489-491.

 

6 Erinnerungen daran spiegeln sich noch in Theodor Storms „Schimmelreiter“ wieder, als Hauke Haien verhindert, dass beim Deichbau ein junger Hund geopfert wird, und später mitsamt seiner Familie in die Fluten stürzt, um das Bauwerk zu erhalten.

 

7 Adelbert von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte. Stuttgart, 1980. S. 78f.

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Schattenseele – Seelenschatten. In: Elfenschrift. 5. Jahrgang, September 2008, S. 10–12.

 

© Petra Hartmann

 

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Die ältesten Träume

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 17 Januar 2026 · 83 Aufrufe
Elfenschrift, Bibel, Homer und 2 weitere...

Alles nur geträumt? Ich habe ja oft sehr bunte und spannende, manchmal ziemlich absurde Träume. Darum war ich mit Begeisterung dabei, als Ulrike Stegemann für die 18. Elfenschrift das Thema "Träume und Vorahnungen" auf die Agenda setzte. Ich habe mir für das Heft mal die klassische Literatur angeschaut und abgeklopft, wie Träume in den jeweiligen Geschichten funktionieren. Eigentlich eine unmögliche Aufgabe: Wie packt man das Gilgamesch-Epos, die Ilias und die biblische Josephsgeschichte in 8000 Zeichen? Ich hab's halt versucht ... Viel Spaß damit.

 

 

Die ältesten Träume

 

Träume gehören zu den Urerfahrungen der Menschen. Als Götter-Botschaft und Ankündigung drohender Verhängnisse nahmen sie in der alten Literatur eine zentrale Stelle ein. Hier möchte ich drei der frühesten Traum-Berichte vorstellen.

 

1. Gilgameschs Traum von Enkidu
Die ältesten Berichte über Gilgamesch, den König von Uruk, stammen aus der Zeit von 2110 bis 2003 v. Chr. Als Gilgamesch-Epos ist eine akkadisch-ninivetische Fassung (um 1200), überliefert. Gilgameschs Lebensfrage ist die uralte Menschheitssehnsucht nach Unsterblichkeit. Als sein Freund Enkidu stirbt, ist der König erschüttert und bricht auf zur Suche nach dem ewigen Leben.
Die Ankunft Enkidus wird dem König in zwei Träumen oder einem Doppeltraum angekündigt. Eine Waffe des Himmelsgottes sei auf ihn gestürzt, erzählt er der Mutter:
„Heben wollt’ ich’s, da war sie mir zu schwer,
Bewegen wollt’ ich’s und konnt’s nicht bewegen!
[...] Die Mannen küßten die Füße ihm;
Da lehnt’ ich mich dagegen, sie standen mir bei,
Ich hob sie auf und trug’s hin zu dir." (1)
Die Mutter deutet: Das Heer wird den Ankömmling verehren, Gilgamesch ihn umarmen und ihn zu ihr führen (Adoption). Seine Stärke gleiche der des Himmels. Auch die sexuelle Beziehung der beiden kann die Mutter herauslesen: „Wie über einem Weibe hast du über ihm geraunt“.
Dass er einen Geliebten finden werde, gefällt dem König offenbar so gut, dass er im zweiten Traum die Beziehung zu Enkidu ausdrücklich bejaht. Eine Axt, erzählt er, habe er auf der Straße gesehen:
„Da ich sie nun erblickte, wurde ich froh,
Gewann sie lieb; wie über einem Weib
Raune ich über ihr.
Ich nahm sie und legte meine Seite an sie an.“ (2)
Auch später spielen Träume eine große Rolle. So legt sich auf der Abenteuerfahrt zum Libanon Gilgamesch zum Träumen hin, um den Weg und den Gegner zu sehen. Hier zeigt sich Enkidu als ähnlich kluger Deuter wie die Mutter. Und nach dem Sieg über den Himmelsstier ist es Enkidu vergönnt, im Traum die Versammlung der Götter zu belauschen, in der sein Todesurteil gefällt wird. Schließlich haucht er in einer letzten großartigen Vision der Unterwelt sein Leben aus.
Es ist bezeichnend, dass Gilgamesch auf der Suche nach Unsterblichkeit nur noch ein einziges Mal träumt: von einem Mann, der eine Axt an der Seite trägt – eine Erinnerung an Enkidu. Als Gilgamesch endlich seinen vergöttlichten Ahnherrn Utnapischtim findet, stellt der ihm als Preis für die Unsterblichkeit die Aufgabe, sieben Tage und sieben Nächte zu wachen. Gilgamesch versagt: Nach der anstrengenden Reise sinkt er in tiefen, traumlosen Schlaf. Der König hat ausgeträumt.

 

2. Agamemnon träumt vom Sieg
Träume bei Gilgamesch waren zum Teil erfreulich, zum Teil erschreckend, doch stets waren sie wahr. Raum für Zweifel gab es bei den alten Keilschrift-Dichtern nicht. Doch schon in der ältesten Urkunde griechischer Kultur, in der Mitte des achten Jahrhunderts v. Chr., blitzt eine Warnung auf. Lange bevor die Vorsokratiker erste kritische Fragen stellten, überlegt Homer bereits, wie verlässlich Träume sind.
Der Beginn der Ilias: Achill ist zu Tode beleidigt durch den obersten Heerführer Agamemnon und zieht sich vom Kampf um Troja zurück. Nur die Entschuldigung Agamemnons könnte seine Ehre wieder herstellen. Achills Mutter, die Göttin Thetis ringt dem Göttervater Zeus das Versprechen ab, dass die Griechen blutige Niederlagen erleiden, bis sie Achill versöhnt haben.
Zeus beruft einen Trugtraum zur bewussten Falschinformation:
„Gehe hinein in das Zelt des Atreussohns Agamemnon,
Und verkünde ihm alles genau, was ich dir gebiete.
Rüsten soll er mit Macht die Achäer im Schmucke des Haupthaars;
Denn jetzt nähme er leicht der Troer Stadt mit den breiten
Straßen; denn nicht mehr zwiefachen Sinnes seien die Götter,
Die den Olympos bewohnen; Hera stimmte sie nämlich
Alle mit Bitten um; den Troern sind Leiden beschieden." (3)
Zeus, Beschützer der Eide, lässt die Griechen gezielt ins Verderben laufen. Der Traum, der wohl als dienstbarer Geist auf dem Olymp lebte, fliegt ins Griechenlager. Um vertrauenswürdig zu erscheinen, nimmt er die Gestalt des alten Nestor an. Er plustert sich mächtig auf:
„Schläfst du, Sohn des Atreus, des kundigen Rossebezähmers?
Nicht die ganze Nacht durch schlafen sollte ein Kriegsherr,
Dem die Truppen sind anvertraut und dem so viel obliegt“,
spricht er ihn an. Und am Schluss mahnt er:
„Du halte das fest, damit nicht Vergessen
Dich ergreift, wenn der honigsüße Schlummer dich losläßt.“ (4)
Die Traumerzählung ist der Auftakt des zweiten Ilias-Gesangs und wirkt zugleich sehr modern durch ihre Traumkritik und sehr archaisch durch ihre Form. Dreimal wird aus verschiedener Perspektive dasselbe erzählt. Der Traum gibt Zeus’ Botschaft wörtlich an Agamemnon weiter, und der hat nichts Eiligeres zu tun, als den Kriegsrat einzuberufen und die Rede zu wiederholen.
Der Ausgang ist bekannt: Agamemnon führt das Heer in eine der verlustreichsten Schlachten des Krieges. Endlich sind die Griechen aufgerieben, sodass an der Versöhnung mit Achill kein Weg mehr vorbeiführt. Der Trugtraum hat seine Mission erfüllt.

 

3. Joseph – eine Traumkarriere
Der berühmteste Traumdeuter der Bibel: Joseph rettet Ägypten durch Auslegung eines Traumes. Doch begonnen hatte die Geschichte unter denkbar ungünstigen Vorzeichen. Der junge Joseph, der verzogene Lieblingssohn, ist die Geißel seiner Brüder. 17 Jahre ist er alt, kräftig am Pubertieren, obendrein eine Petze: Er „brachte es vor ihren Vater, wenn etwas Schlechtes über sie geredet wurde." (5)
Gerade hat er vom Vater ein teures Gewand erhalten und hält sich für etwas Besseres. Entsprechend sind seine Träume, die er prahlend den Brüdern erzählt:
„Siehe, wir banden Garben auf dem Felde, und meine Garbe richtete sich auf und stand; aber eure Garben stellten sich ringsumher und neigten sich vor meiner Garbe.“ (6)
Sie begreifen sofort: „Willst du unser König werden und über uns herrschen?“, fragen sie drohend. Joseph setzt noch einen drauf: Elf Sterne hätten sich vor ihm verneigt und sogar Sonne und Mond: die Brüder, sogar die Eltern sollen ihm dienen. Die Brüder ergreifen ein drastisches Disziplinierungsmittel. Der Gernegroß wird verprügelt und nach Ägypten verkauft.
Dass Träume von Gott kommen, mag der Autor gemeint haben. Doch lange vor Freud und der „Erfindung“ der Psychoanalyse sah er auch, dass die Quelle der Träume im Inneren des Träumers liegt. Deutlich wird es in der Begegnung Josephs mit zwei gefangenen Beamten. Der Ober-Mundschenk träumt von drei Weinreben, die er auspresst und dem Pharao zu trinken gibt. Ein ehrlicher Schenkentraum, in dem kein Schuldgefühl spukt. Joseph ist Psychologe genug, um zu erkennen, dass der Mann ein reines Gewissen hat. Nun der Bäcker: Drei Körbe trägt er im Traum, im oberen Gebäck für den Pharao. Vögel fressen es auf. Joseph sieht das Schuldbekenntnis, das der Mann in Worten nie abgelegt hätte. So weissagt er dem Schenken Freiheit, dem Bäcker den Tod.
Sehr anders träumt der Pharao einen Doppeltraum: Sieben fette Kühe entsteigen dem Nil und werden von sieben mageren verschlungen. Er erwacht, schläft weiter und sieht sieben dicke Ähren, die von sieben dürren verschlungen werden. Er merkt, „dass es ein Traum war.“ (7)
In der Übersetzung geht unter, wie der hebräische Text mit Einzahl und Mehrzahl spielt, um die Unfähigkeit der Traumdeuter zu zeigen: Der König erzählt ihnen seinen Traum, doch sie können sie nicht deuten. Erst Joseph bewährt sich vor Pharao, da er von einer Botschaft spricht: Gott kündige sieben fette und sieben magere Jahre an.
Anders als Träume, die nur Unheil verkünden, ist dies eine Chance, für Joseph sogar ein Karrieresprungbrett. Kornspeicher sollen gebaut, Steuern erhoben werden für die Not, rät er und fügt listig hinzu: „Nun sehe Pharao nach einem verständigen und weisen Mann, den er über Ägyptenland setze“. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Joseph erhält eine einmalige Machtstellung, schöpft allen Reichtum ab und kann nach sieben Jahren aus vollen Speichern austeilen. Eine traumhafte Karriere, ganz wie im ersten Traum prophezeit.

 

 

1 Das Gilgamesch-Epos. Übersetzt von Albert Schott. Neu hrsg. v. Wolfram von Soden. Stuttgart, 1982. S. 23.

 

2. ebd. S. 24.

 

3 Homer: Ilias. Neue Übersetzung, Nachwort und Register von Roland Hampe. Stuttgart, 1979. S. 22.

 

4 ebd.

 

5 Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Mit Apokryphen. Stuttgart, 1999. S. 41.

 

6 ebd.

 

7 ebd. S. 45.

 

© Petra Hartmann

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Die ältesten Träume. In: Elfenschrift. 5. Jahrgang, Juni 2008, S. 6–8.

 

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Mephistopheles - ein tragischer Teufel

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 11 Januar 2026 · 473 Aufrufe
Elfenschrift, Goethe, Faust und 3 weitere...

Eigentlich tut mir Mephisto leid. Ein armer Teufel, der sich abrackert und schuftet, um am Ende doch nur die Sache Gottes zu betreiben. Für meine Magisterarbeit über den Faust-Stoff habe ich mich unter anderem an Goethes Faust abgearbeitet. Und als Herausgeberin Ulrike Stegemann für die Elfenschrift das Thema "Engel und Teufel" ausrief, war klar, dass ich unbedingt einen Aufsatz über meinen Freund Mephistopheles schreiben musste. Lange her, aber ich mag ihn immer noch irgendwie. Ich stelle den Text hier noch einmal ein - für Freunde des teuflischen, tragischen Tausendsassas. Viel Vergnügen damit!

 

 

Mephistopheles – ein tragischer Teufel

 

Er ist einer der berühmtesten Teufel der Welt: Mephistopheles, auch kurz Mephisto genannt, der Höllengeist an Fausts Seite. Wie Goethe ihn gestaltet hat – welterfahren, zynisch und durch seine realistischen Kommentare zu Fausts Schwärmereien auch für viele Lacher gut – ist er seit 200 Jahren für viele Literaturfreunde der Teufel schlechthin.
Bereits in der ältesten Erzählung der Faustsage, der „Historia von D. Johann Fausten“ von 1587, ist der Name von Fausts höllischem Begleiter „Mephistophiles“. Er beschreibt seine Funktion selbst als: „Jch bin ein Geist / vnnd ein fliegender Geist / vnter dem Himmel regierendt.“1 Unklar ist allerdings, woher der Teufel seinen Namen hat. Manche leiten ihn von den hebräischen Wörtern „mephir“ und „tophel“ ab, was soviel wie lügen und betrügen bedeutet. Auch vom griechischen „me phos philes“ (einer, der das Licht nicht liebt) könnte der Name stammen, gedacht wurde auch an „me Faust philes“ (der den Faust nicht liebt). Möglicherweise besteht eine Verwandtschaft zur altitalischen Göttin Mefitis, der die aus der Unterwelt aufsteigenden üblen Gerüche heilig waren. Auch eine etymologische Verwandtschaft mit dem griechischen Verb opheleo (nutzen) wurde vermutet, Mephistopheles wäre dann ein Nichtsnutz, beziehungsweise jemand, der dem Faust nichts nützt. Eindeutig klären lassen wird sich die Frage wohl nie.
In den Schriften, die sich, nach dem Verkaufserfolg der „Historia“ ebenfalls dem Faust-Thema widmeten, eroberte sich auch Mephisto seinen Platz in der Literatur. Und als Christopher Marlowe sein Faust-Drama schuf, das 1604 erstmals im Druck erschien, begann für den Teufel die Theaterkarriere. Doch stand der Höllengeist meist nicht allein: So gibt es bei Marlowe an höllischem Personal auch Luzifer, Beelzebub, den bösen Engel, die sieben Todsünden und weitere Teufel. Noch im alten von Karl Simrock herausgegebenen Puppenspiel (eines der zahlreichen Dramen in der Nachfolge Marlowes) kämpfen die Geister Auerhahn, Astarot, Megära, Haribax, Polümor, Asmodeus, Vitzliputzli und Xerxes um den Rang des Schnellsten, bis Mephisto die Auseinandersetzung zu seinen Gunsten entscheidet.2 Im Faust-Drama von Maler Müller (1778) wetteifert Mephisto mit den Teufeln Berlicki, Vitzliputzli, Pferdtoll, Mogol, Cacal, Atoti, Babillo und Satan um die Gunst Lucifers. Einzig bei Friedrich Maximilian Klinger (1794) ist es Leviathan, der aus der Versammlung der Höllenfürsten von Satan zu Faust emporgesandt wird – wider Willen, denn er hat von Deutschland die Nase voll.
Als der junge Goethe sich an sein Faust-Drama heranmachte – eine Arbeit, die ihn 60 Jahre lang beschäftigte – fand er eine rund zwei Jahrhunderte währende Tradition von Mephisto-Gestalten wieder. Eine Tradition allerdings, von der er vieles nicht verwenden konnte. Schaut man sich seine Vorläufer und Zeitgenossen an, fällt auf, dass sie an eine psychologische, charakterliche Gestaltung des Höllengeistes so gut wie gar keine Energie verwandten. Mephisto ist Verkörperung des Bösen, Gesandter der Hölle, aber damit ist auch bereits alles gesagt. Individuelle Züge und ein Eigenleben als gleichberechtigter Widerpart des Helden blieben dem berühmten Teufel versagt.
Einzig eine Einordnung in die höllische Hierarchie wird gewöhnlich vorgenommen. So tritt er in der „Historia“ als Diener Lucifers auf, eines gefallenen Erzengels, der den östlichen Teil des Acheron beherrscht, wobei Süden, Westen und Norden von Belial, Astaroth und Beelzebub regiert werden. Auch in anderen Bearbeitungen ist Mephisto meist eine Kreatur von niederem Rang. Bei Marlowe sagt er: „Ich bin ein Knecht des großen Lucifer / und darf dir nur, wenn er’s gestattet, folgen / und nur, was er befiehlt, nicht mehr! vollbringen.“3 Bei Müller weist ihn sein König Lucifer sogar zurecht: „eures Gleichen nehmen sich gerne viel heraus; merk dir daß ich König bin.“4 Allerdings ist Mephisto hier offenbar von höherem Range, er hat sieben Höllengeister unter seinem Befehl, die ihm bei der Verführung Fausts zu Diensten sind.
Goethe verwirft diese Höllenhierarchie. Die Frage, ob es über Mephisto noch einen Fürsten gibt, wird fast vollständig ausgeklammert. Dieser Teufel tritt auf als souveräner, freier Gesprächspartner. Er kommt in niemands Auftrag zu Faust, wird auch nicht von dem Gelehrten mit einer Beschwörung herbeigezwungen.
Mephisto erscheint im Kreis der Erzengel vor Gott und ist selbstbewusst genug, dem Herrn nach einem freundschaftlichen Disput über den Wert der Menschheit eine Wette anzubieten. Der Herr wettet nicht mit Engeln oder Teufeln. Und doch wird aus dem Gespräch nicht nur eine gewisse Sympathie zwischen beiden deutlich, sondern es entsteht auch die Spannung und Bewegung, die Gott mit den ewig verehrenden, anbetenden Erzengeln niemals erleben könnte. Der Platz des Teufels ist in der Schöpfung daher nicht nur von Gott vorgesehen, sondern auch als positiv wirkende Kraft erwünscht und notwendig. Der Herr erteilt ihm sogar ausdrücklich seinen Segen und die Handlungsvollmacht: „Des Menschen Tätigkeit kann allzuleicht erschlaffe, / Er liebt sich bald die unbedingte Ruh; / Drum geb‘ ich gern ihm den Gesellen zu, / Der reizt und wirkt, und muß, als Teufel, schaffen.“5
Damit ist nicht nur Mephistos Stellung im Weltgefüge definiert und legitimiert, es wird auch der Grundstein gelegt für eine Tragödie ganz eigener Art. Mag auch Faust im Mittelpunkt stehen und alle Freuden und Leiden des Menschenlebens auskosten, die wahre tragische Gestalt bleibt doch Mephisto. Als Teufel vollkommen negativ eingestellt, die Menschen verachtend, zynisch, brutal, über Leichen gehend, ist es doch sein Schicksal, die Menschheit zum Besseren zu bewegen, zur Tätigkeit anzustacheln und ungewollt an der Veredelung Fausts mitzuarbeiten. Mephisto „muß (…) schaffen“, obwohl dies seinem innersten Wesen „als Teufel“ völlig zuwiderläuft. Der destruktive Geist wird Ursache aller schöpferischen Produktivität der Menschen – eine wahre Höllenstrafe. Sein Scheitern ist vorprogrammiert. Wenn es keine Gotteslästerung wäre, könnte man sagen, der Herr habe sich mit Mephistopheles einen makaberen Scherz erlaubt.
Zum Teil ist der Teufel sich dieses Umstands durchaus bewusst. Er sei „Ein Teil von jener Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ 6, stellt er sich Faust vor. Doch entfaltet er gleich darauf stolz sein Programm: „Ich bin der Geist, der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist wert daß es zu Grunde geht“7. Er sei schon vor Gottes Schöpfungsruf „Es werde Licht“ dagewesen, deutet er an: „Ich bin ein Teil des Teils, der Anfangs Alles war, / Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar“8
Faust erkennt sofort das beschränkte Wesen seines Gegenübers. „Du kannst im Großen nichts vernichten / Und fängst es nun im Kleinen an“9, stellt er fest und sagt ihm auf den Kopf zu: „So setzest du der ewig regen, / Der heilsam schaffenden Gewalt / Die kalte Teufelsfaust entgegen, / Die sich vergebens tückisch ballt!“10
Insofern ist es nur schlüssig, dass Faust, der bis ans Ende seiner Tage ein unbefriedigt Strebender blieb, von rettenden Engeln in den Himmel getragen wird. Mephisto, der ihn über 12111 Verse in Bewegung hielt, ihn durch Mittelalter, Antike und in die Neuzeit führte, ist der Betrogene. Aber dazu wurde er ja geschaffen.

 

1 Historia von D. Johann Fausten. Text des Druckes von 1587. Kritische Ausgabe. Hrsg. v. Stephan Füssel und Hans Joachim Kreutzer. Stuttgart, 1988. S. 29.

 

2 Ein Wettstreit, der sich auch in Lessings Faust-Fragment wiederfindet.

 

3 Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Deutsche Fassung, Nachwort und Anmerkungen von Adolf Seebass. Stuttgart, 1988. S. 14.

 

4 Friedrich Müller, genannt Maler Müller: Fausts Leben. Hrsg. v. Johannes Mahr. Stuttgart, 1979. S. 23.

 

5 Johann Wolfgang Goethe: Faust. Texte. Hrsg. v. Albrecht Schöne. Frankfurt/M., 1994. S. 28 (V. 340-343).

 

6 Ebd. S. 64. (V. 1365f)

 

7 Ebd. S. 65. (V. 1338-1340)

 

8 Ebd. (V. 1349f)

 

9 Ebd. (V. 1360f). Einige Ausgaben lesen: „verrichten“.

 

10 Ebd. S. 66. (V. 1379-1382).

 

Erstveröffemtlichung:
Petra Hartmann: Mephistopheles - ein tragischer Teufel. In: Elfenschrift. 25, März 2010, S. 7–9.

 

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Warum Mondmenschen kein Klo brauchen

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 10 Januar 2026 · 371 Aufrufe
Elfenschrift, Pythagoras und 4 weitere...

Habt ihr euch jemals über den Stoffwechsel von Mondmenschen Gedanken gemacht? Für die Elfenschrift Nummer 28 - sie stand unter dem Motto: "Sonne, Mond und Sterne" - habe ich mich vor Jahren einmal mit dem Thema befasst und fand den Artikel jetzt auf meiner Festplatte wieder. Zum Wegwerfen zu schade, finde ich, und vielleicht ist es ja für den einen oder anderen Schmunzler gut. Falls ihr Lust auf einen Ausflug der anderen Art zum Erdtrabanten habt, schaut doch mal herein. Viel Spaß damit!

 

 

Warum Mondmenschen kein Klo brauchen

 

Münchhausen, Cyrano von Bergerac, Mondfahrer Peterchen – von allen gibt es phantastische Berichte über Mondreisen und Mondbewohner. Weniger bekannt ist, dass es schon in der Antike Spekulationen darüber gab, ob der Mond bewohnt ist. Die Griechen mochten zwar die Mondgöttin Selene verehren, aber Philosophen hatten doch die Erkenntnis gewonnen, dass der Mond ein Himmelskörper wie die Erde ist. Da lag es nahe, auch Überlegungen darüber anzustellen, ob es dort Leben geben könnte und wie es aussah.
Schon der Vorsokratiker Anaxagoras (ca. 499-428 v. Chr.) lehrte, „der Mond sei aus Erde und habe Täler und Schluchten“1. Keine ungefährliche Behauptung: Er wurde in Athen angeklagt wegen der Beschäftigung mit himmlischen Dingen und musste fliehen. Anaxagoras ging davon aus, „daß die Lebewesen entstanden sind, indem die Samen vom Himmel auf die Erde fielen.“2
Ferner meinte er, dass der nemeische Löwe vom Mond herabgekommen sei. Das Raubtier gehörte zu den Ungeheuern, die Herakles tötete, als er seine zwölf Taten ausführte. Vielleicht war es die außerirdische Herkunft, die das Löwenfell zur undurchdringlichen Rüstung machte.
Auch der Vorsokratiker Demokrit (ca. 460-370) sagte, der Mond sei erdähnlich, die hellen und dunklen Stellen seien Täler und Berge. Und da er erdähnlich sei, müsse er auch bewohnt sein.
Einer der ersten, von denen eine Theorie zur Mondbevölkerung überliefert ist, war Philolaos (ca. 470 – nach 399 v. Chr.). Er war Pythagoreer und gilt als erster, der die bis dahin nur mündlich überlieferten Lehren dieser Philosophenschule aufgeschrieben hat.
Im Weltbild des Philolaos vermischen sich moderne und phantastische Ideen. Er war überzeugt, dass die Erde nicht unbewegt im Mittelpunkt des Kosmos ruhe, sondern dass sie und die anderen Planeten um ein Zentralfeuer kreisten, das er „Hestia“ nannte. Damit war er seiner Zeit um anderthalb Jahrtausende voraus, erst Kopernikus wagte erneut zu behaupten, dass nicht die Erde, sondern die Sonne im Zentrum des Sonnensystems stünde.
Doch ist auch viel Phantastisches im Kosmos des Philolaos zu finden. So ist das Zentralfeuer bei ihm nicht die Sonne, sondern auch die Sonne ist einer der Körper, die um Hestia kreisen. Und da Philolaos nur neun Himmelskörper kannte (Erde, Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und die Fixsternsphäre), da er aber als Pythagoreer an die Heiligkeit der Zahl Zehn glaubte, meinte er, es müsse unbedingt einen zehnten Planeten geben, und postulierte eine Gegenerde, die gegenüber der Erde auf der anderen Seite des Zentralfeuers liegen sollte, den Augen der Menschen verborgen.
Seine kühnste Idee aber sind die Mondmenschen. Er war zu dem Schluss gekommen, dass ein Tag auf dem Mond 15 Erdentage dauerte. Vielleicht ging er davon aus, dass sich dadurch die Wachstumsphase verlängerte, jedenfalls behauptete er, Mondmenschen seien fünfzehnmal größer und stärker als Erdlinge. Ferner sagte er, dass sie wesentlich reiner seien, vielleicht aus edlerem Stoff geformt, und reinere Nahrung zu sich nähmen. Deshalb meinte er auch, dass Mondmenschen keinerlei Exkremente absonderten.
Die These, dass Mondmenschen nie aufs Klo müssten, findet sich indirekt auch bei Philoponos, einem christlich-neuplatonischen Philosophen des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts, der Kommentare zu Werken des Aristoteles schrieb. Er sprach von intelligenten Wesen, die auf dem Mond lebten. Sie könnten ein Alter von 3000 Jahren erreichen und würden weder essen noch trinken. Er sagt nicht wörtlich, dass es bei ihnen keine Fäkalien gäbe, doch legt der Umstand, dass sie keine Nahrung zu sich nehmen, diesen Schluss nahe. Damit korrespondiert eine Äußerung in Platons „Phaedon“, Bewohner der oberen Sphären seien reiner als Erdmenschen und körperlos.
Vielleicht von Philolaos beinflusst, schrieb auch Herodoros, dass Mondwesen fünfzehmal so groß wie Erdlinge seien. Er verfasste um das Jahr 400 herum ein Buch über den Helden Herakles, in dem er auch von Geiern sprach, die vielleicht von der Gegenerde stammten.3 Ebenso wie Anaxagoras vertrat er die These, der nemeische Löwe sei Mondbewohner.
Aristoteles (384-322 v. Chr.) bedachte das System des Philolaos und die Theorie der Gegenerde mit beißendem Spott. Ihm schien es eine unwissenschaftliche Arbeitsmethode, von einer Theorie auszugehen und dann die Wirklichkeit so zurechtzubiegen, dass es passte.
Seltsamerweise erlaubte sich Aristoteles in seiner „Zoologie“ bezüglich der Mondwesen eine ganz ähnliche Spekulation: Aristoteles machte sich Gedanken über die Lehre des Empedokles von den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer. Aristoteles kannte erdbewohnende Tiere, Wassertiere und Vögel. Es müsse auch Tiere geben, die im Feuer zu Hause sind, überlegte er. Da es auf der Erde solche Tiere nicht gibt, schlussfolgerte er: Dann müssen die Feuerwesen auf dem Mond leben.
Parodistisch-frech geht Lukian im zweiten nachchristlichen Jahrhundert das Mondthema an. Lukian stammte aus der Philosophenschule der Kyniker, trat als wandernder Redner auf, schrieb Dialoge und Prosa, in denen er die Schwächen und Eitelkeiten seiner Zeitgenossen geißelte. Seine Mondschilderungen sind keine astronomisch-philosophischen Schriften, vielmehr liefert er im Dialog „Ikaromennippus“ eine Satire auf die Mondtheorien der Philosophen. Ausgerüstet mit einem Adler- und einem Geierflügel schwingt sich der Philosoph Menippus in die Luft und fliegt zum Mond. Hier trifft er den nach seinem Sturz in den Ätna verbrannten Philosophen Empedokles und wird von der Mondgöttin als Bote an den Götterkönig Zeus/Jupiter gesandt mit folgender Klage:
„Ich verliere alle Geduld […], mich länger von den Philosophen so mißhandeln zu lassen. […] Die einen sagen ich werde bewohnt, andere ich hänge wie ein Spiegel über dem Meer herab; kurz jeder sagt von mir was ihm einfällt; ja was das Schlimmste ist, sie bringen sogar unter die Leute, mein Licht sei nicht ächt, und ich stehle es von der Sonne […] Vergiß also nicht, […] ihm zu sagen: es sey mir unmöglich länger auf meinem Posten zu bleiben, wofern er diesen Physikern nicht die Köpfe zerschmettere, den Dialektikern nicht den Mund stopfe, die Stoa zerstöre, die Akademie in Brand stecke, und den Verhandlungen im Peripatus ein Ende mache, mit einem Worte, mir vor den täglichen Beeinträchtigungen dieser geometrischen Herren nicht Ruhe verschaffe.“4
Noch toller treibt es Lukian im Roman „Wahre Geschichten“ und erzählt von einem Krieg zwischen Mond- und Sonnenmenschen. Da treten Pferdegeier an (Menschen, die auf riesigen Geiern reiten), Kohlvögel (die statt mit Federn mit Kohl bewachsen sind und Salatblätter als Flügel haben) und Riesenspinnen.
Lukian berichtet, es gäbe nur Mond-Männer, diese brächten aus ihren Waden Kinder zur Welt. Eine besondere Art, die baumartigen Dendriten, hätte gar keine Geschlechtsorgane. Mondmenschen seien meist kahlgeschoren, nur unter dem Knie trügen einige einen Bart. Ihre Füße hätten keine Zehen, ihre Ohren seien aus Platanenblättern, über dem Hintern wachse jedem ein Kohlkopf, sie würden Honig ausschneuzen und Milch schwitzen.
Ihr einziges Nahrungsmittel sei der Dampf gebratener Frösche, die dort massenweise herumfliegen, ihr einziges Getränk sei die in einen Becher ausgepresste Luft. Und mit einem Seitenhieb auf Philolaos bemerkt Lukian: „Bey einer so feinen Nahrung wissen sie nichts von den Excretionen, denen die Erdbewohner unterworfen sind […].“5 Eine Idee, die die Mondforscher offenbar jahrhundertelang beschäftigt hat.

 

1 Die Vorsokratiker II. Griechisch / Deutsch. Auswahl der Fragmente, Übersetzung und Erläuterungen von Jaap Mansfeld. Stuttgart, 2000. S. 211.

 

2 Ebd. S. 217.

 

3 Vgl. Carl. A. Hufman: Philolaos of Croton. Pythagorean and Presocratic. A commentary on the fragments and testimonia with interpretive essays. Cambridge, 1993. S.248.

 

4 Lukian von Samosata: Lügengeschichten und Dialoge. Aus dem Griechischen übersetzt und mit Anmerkungen und Erläuterungen versehen von Christoph Martin Wieland. Nördlingen, 1985. S. 72-74.

 

5 Ebd. S. 104.

 

© Petra Hartmann

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: „Warum Mondmenschen kein Klo brauchen“. In: Elfenschrift, Dezember 2010. S. 8-10.

 

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Ranzenmänner - Ein Rucksack voller böser Geister

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 30 Oktober 2021 · 1.072 Aufrufe
Elfenschrift, Geister

Passend zu Halloween gibt es heute etwas Geisterhaftes. Zum Elfenschrift-Heft über das Thema "Geister austreiben" hatte ich mich vor ein paar Jahren einer ganz besonderen Gruppe von Geisterbeschwörern gewidmet: den "Ranzenmännern", die gebannte Geister im Rucksack dorthin transportierten, wo sie keinen Schaden mehr anrichten konnten. Ein anspruchsvoller und nicht ungefährlicher Job. Viel Spaß beim (Wieder)Lesen!

 

 

Ein Rucksack voller böser Geister

 

Rechts, links, rechts, links. Der Mann, der da die Straße entlanggeht, hat einen strammen, fast militärischen Schritt. Der Wanderstock in der Rechten, der prall gefüllte Ranzen auf dem Rücken, das alles könnte ihn als einen harmlosen Wanderer ausweisen. Aber warum springt der Ranzen so wild auf und ab, warum beult er sich so aus, bläht sich fast bis zum Bersten auf, und was sind das für furchteinflößende Laute? Knechte und Mägde am Feldrand bekreuzigen sich und atmen auf, als der Mann vorbeimarschiert ist. Kein Zweifel: Der Fremde ist ein Ranzenmann. Und was sich in seinem Rucksack so windet und aufbäumt, das sind böse Geister, die dort hinein gebannt wurden ...

 

Jesus lässt die bösen Geister in die Säue fahren

 

Als der Glaube an Geister und Dämonen noch stark war, hatten Geisterbeschwörer viel zu tun. Doch wer einen Besessenen heilen wollte und einen Geist beschwor, stand schnell vor dem Problem: Wohin eigentlich nun mit dem Geist? Schon Jesus, als er einen von einer Vielzahl an unreinen Geistern besessenen Gerasener heilen wollte, sah sich mit dieser Frage konfrontiert. Schließlich waren es die Geister selbst, die ihm einen konstruktiven Vorschlag machten:
„Es war aber dort an den Bergen eine große Herde Säue auf der Weide. Und die unreinen Geister baten ihn und sprachen: Lass uns in die Säue fahren. Und er erlaubte es ihnen. Da fuhren die unreinen Geister aus und fuhren in die Säue, und die Herde stürmte den Abhang hinunter in den See, etwa zweitausend, und sie ersoffen im See.“1
Eine ausgesprochen drastische Lösung. Der wirtschaftliche Schaden dürfte in der Folgezeit die meisten Exorzisten davon abgehalten haben, sich auf ähnliche Vorschläge aus Geisterkreisen einzulassen. Eine etwas kostengünstigere Methode war es, Geister in Gegenstände wie zum Beispiel leere Flaschen, Geldbeutel oder Schachteln mit kreuzweise gebundenen Schnüren zu bannen. Und um sie endgültig loszuwerden, rief man oft den Ranzenmann zur Hilfe, der dann seine unheimliche Fracht übers Land trug und an einen abgelegenen, den Geistern vorbehaltenen Ort brachte.

 

Ranzenmänner mit anschwellendem Ranzen

 

Ranzenmänner, so verrät es das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, „müssen auf dem Wege alle Vorsicht anwenden, um des gefangenen Geistes Herr zu bleiben, gelegentlich auch zu drastischen Mitteln (Prügel) schreiten. Tragen mutwillige Leute den Geist im R.[anzen], so schwillt er immer mehr und droht den R. zu zersprengen. Gelingt ihm das, oder öffnen neugierige Menschen gar den R., so wird der Geist wieder frei [...].“2
Eine einfache Aufgabe war es also durchaus nicht, diese gespenstische Rucksackladung zu befördern. Immer musste man darauf achten, dass der Geist das Behältnis nicht zum Platzen brachte. Und im Wirtshaus konnte es durchaus passieren, dass der abgestellte Ranzen auf und ab sprang und davonzurollen versuchte. So musste der Wanderstock oder in anderen Fällen auch Rute oder Schwert stets zur Hand sein, um den bösen Geist durch eine beherzte Tracht Prügel wieder zur Raison zu bringen. Und außer auf das Zappeln verstanden sich solche Geister auch darauf, sich schwerer und immer schwerer zu machen.

 

Verträge mit Geistern

 

Dabei kann die gemeinsame Reise für den unfreiwilligen Passagier bei Wohlverhalten durchaus erträglicher gestaltet werden. So kann er seinen Träger unterwegs auch um „Urlaub“ bitten und „erhält nach langem Verhandeln die Erlaubnis, zu gewissen Zeiten eine Viertelstunde lang als Krähe oder Rabe sich auf einen Baum oder Stock setzen zu dürfen.“3

 

Das Geschenk von Äolos an Odysseus

 

Das Motiv von in einen Sack gebannten Kräften ist alt und schon aus Homers Odyssee bekannt. Damals noch als durchaus freundlich gemeintes Geschenk, das allerdings in den falschen Händen für eine Katastrophe sorgte. König Äolos hatte dem Irrfahrer Odysseus das denkbar beste Hilfsmittel für seine Heimkehr mit auf den Weg gegeben: Ein Lederschlauch, in den er alle Winde eingesperrt hatte. Odysseus hielt den Beutel wohl verwahrt, während Äolos einen leichten, freundlichen Westwind zur Heimkehr nach Ithaka sandte. Doch es kam, wie es kommen musste: Odysseus†˜ Reisegefährten sagten sich:

 

„[...] aber geschwind laßt uns schauen, was es wohl sein mag,
Wieviel wohl an Gold und Silber darinnen im Schlauch ist.“
Also redeten sie; und der schlimme Rat der Gefährten
Siegte, sie lösten den Schlauch, und es stürmten heraus alle Winde.
Rasch erraffte ein Wirbelwind und brachte hinaus aufs
Meer die Weinenden, fort vom Vaterland [...].“4

 

Grimms Märchen vom Ranzen, Hütlein und Hörnlein

 

Auch in einigen Märchen hat sich die Idee vom Geist im Ranzen noch erhalten. So weiß das Grimm'sche Märchen „Der Ranzen, das Hütlein und das Hörnlein“ von einem Ranzen zu berichten, an den der Träger bei Gefahr nur zu klopfen brauchte, schon erschienen ein Gefreiter und sechs Soldaten, die stark genug waren, es mit einer ganzen Armee aufzunehmen.

 

Bruder Lustig führt ein lustiges Leben

 

Im Märchen „Bruder Lustig“ ist der Heilige Petrus selbst Stifter eines wundersamen Ranzens als Abschiedsgeschenk an seinen zeitweiligen Weggefährten und Mit-Wundertäter: Bruder Lustig hat es an der Seite des obersten Apostels ein wenig zu bunt getrieben und wird nun davongeschickt. Doch schenkt Petrus ihm einen Rucksack, in den er alles hineinwünschen kann, was ihm beliebt. Nach einem gelungenen Gänsediebstahl gerät Bruder Lustig in ein Spukschloss, in dem neun Teufel ihr Unwesen treiben. Als sie ihm die Nachtruhe verleiden, wünscht er sie in den Ranzen hinein und bläut sie so tüchtig durch, dass sie auch nach seinem Tode noch furchtbare Angst vor ihm haben und ihn nicht in die Hölle hinein lassen. Am Himmelstor winkt Petrus gleichfalls ab. Das Leben, das Bruder Lustig geführt hat, qualifiziert ihn nicht fürs Himmelreich. Der Verstorbene ist jedoch mit allen Wassern gewaschen. Er gibt Petrus den Wunderranzen zurück, und als der Heilige das Himmelstor schließt, wünscht er sich einfach selbst in den Ranzen hinein.

 

Der Alte Fritz und sein Schnappsack

 

Ähnlich veranlagt ist der ehemalige Soldat „Alter Fritz“ im Märchen „Der Alte Fritz und der Schnappsack“ von Heinrich Pröhle. Hier sind es sogar zwölf Teufel, die in den von Petrus geschenkten Sack gesperrt und verdroschen werden. Am Ende sperrt er sogar den Tod selbst ein. Jahrelang kann kein Mensch sterben. Erst als Fritz aus Neugier den Sack öffnet, springt der Tod hervor und lässt schwere Seuchen losbrechen. Er hat viel nachzuholen, nur an Fritz selbst wagt er sich nicht mehr heran. Der steinalt gewordene Fritz muss sich endlich in Husarenmanier seinen Platz im Himmel selbst erobern und sprengt auf einem Schimmel durch das Tor.

 

Der Ranzenmann mit seinem Rucksack voller Geister hat inzwischen seinen Bestimmungsort erreicht. Er hat alles richtig gemacht. Seine Reise hat er vor dem zwölften Schlag vom Glockenturm beendet (Mittag oder Mitternacht, manchmal heißt es auch: vor Sonnenaufgang), und er hat sich wohlweislich unterwegs gehütet sich umzuschauen. Sonst hätte er mit dem Geist den Platz tauschen müssen. Das Ziel ist erreicht. Eine Einöde, das Meer, ein Berg, eine Höhle, Sümpfe und Moore sind als Heim für Geister geeignet. Im Unterinntal war es die Höhe des Sonnenwendjochs, im Schwarzwald der Feldberg, in Schlesien der Glatzer Schneeberg und die Schneekoppe5.
Oft murren die anderen Geister, die schon hierher gebracht worden sind. Doch der Träger ruft barsch: „Rückt zusammen!“, da müssen sie gehorchen, und der Mann nimmt den Behälter aus dem Ranzen oder wirft den ganzen Ranzen hin.
Diesen Auftrag hat er glücklich hinter sich gebracht. Er atmet auf. Auch wenn man keine Fehler macht, ist der Beruf gefährlich, niemand übernimmt die Aufgabe gern: „Mancher hat das Lachen verlernt, siechte zusehends dahin und starb nach kurzer Zeit.“6

 

1 Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Mit Apokryphen. Stuttgart, 1999. Neues Testament, S. 47. Markus 5,11-13.

 

2 Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hrsg. v. Hanns Bächtold-Stäubli. Band VII. Berlin und Leipzig, 1935/1936. S. 496.

 

3 Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band III. Berlin und Leipzig, 1930/1931. S. 518.

 

4 Homer: Odyssee. Übersetzt von Roland Hampe. Stuttgart, 1979. S. 154. X. Gesang, V. 45-49.

 

5 ebd. S. 519.

 

6 Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band III. A. a. O., S. 518.

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Ein Rucksack voller Geister. In: Elfenschrift. 37. März 2013, S. 19-21.

 

© Petra Hartmann

 

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Märchenerzähler: Scheherazade, Sandmann & Co.

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 21 Oktober 2021 · 1.092 Aufrufe
Elfenschrift, Märchen, Erzähler

Über Erzähler-Figuren in bekannten Märchen habe ich vor ein paar Jahren intensiv nachgedacht. Herausgekommen ist dabei ein Aufsatz für die Elfenschrift über das Spannungsverhältnis zwischen Scheherazade und "Es war einmal", über die Brüder Grimm und einige interessante Gegenentwürfe von Hans Christian Andersen und Wilhelm Hauff. Da die Elfenschrift inzwischen nicht mehr erscheint, stelle ich euch hier den Artikel zum (Wieder-)Lesen noch einmal ein. Viel Spaß damit!

 

 

Scheherazade, Sandmann & Co.

Oder: Wer erzählt hier eigentlich?

 

„Es war einmal“, so beginnen die Märchen, die wir von den Brüdern Grimm kennen. Aber wer erzählt hier eigentlich? Im Text ist nicht zu erkennen, ob der Sprecher arm oder reich, Mann oder Frau ist. Im Orient dagegen wusste jedes Kind, wer die farbenprächtigen Geschichten erfunden hat: Die Märchen aus 1001 Nacht geben ihre Entstehungsgeschichte in einer Rahmenhandlung an: Scheherazade, die Heldin dieser Sammlung persischer, arabischer und indischer Abenteuer, erzählt 1001 Nächte lang um ihr Leben. Der Henker wartet, doch jeden Morgen wird er wieder fortgeschickt, denn die kluge Frau weiß stets, Erzählungen im spannendsten Moment abzubrechen und den Sultan auf die nächste Nacht zu vertrösten. Cliffhanger sind keine Erfindung der Neuzeit. Erst nach fast drei Jahren, in denen die Erzählerin nebenher auch drei Kinder gebiert, löst sich die Situation, der Sultan gibt den Hass auf das weibliche Geschlecht auf und macht Scheherazade zur Königin. Die Märchen ließ er aufschreiben. „Vierzig Bände wurden gefüllt und in der Schatzkammer aufgestellt“, hieß es. „Sie hatten goldene Einbände, um zu zeigen, daß sie nur goldene Lehren erhielten.“1

 

Jacob und Wilhelm Grimm und das Volksmärchen ohne Schöpfer

 

Sehr anders gehen Jacob und Wilhelm Grimm zu Werke. Geschichten, jahrhundertelang mündlich überliefert, im Volk entstanden ohne Schöpfer, ohne künstlerisch tätigen Autor, so sahen Sammler zur Zeit der Romantik die Märchen. Die Grimms sind auf der Suche nach Erzählern, nicht nach Dichtern. Ihre Quellen - Menschen, die aus dem Gedächtnis erzählen - sind ein Medium, durch das der Geist des Märchens selbst spricht. So wird in der Vorrede einer Bäuerin gedacht: „Sie bewahrte die Sagen fest im Gedächtnis [...]. Dabei erzählte sie bedächtig, sicher und ungemein lebendig, mit eigenem Wohlgefallen daran, erst ganz frei, dann, wenn man es wollte, noch einmal langsam, so daß man ihr mit einiger Übung nachschreiben konnte. Wer an leichte Verfälschung der Überlieferung, Nachlässigkeit bei Aufbewahrung und daher an Unmöglichkeit langer Dauer als Regel glaubt, der hätte hören müssen, wie sie immer genau bei der Erzählung blieb und auf ihre Richtigkeit eifrig war; sie änderte niemals bei einer Wiederholung etwas an der Sache ab und besserte ein Versehen, sobald sie es bemerkte, mitten in der Rede gleich selber.“2
Im Märchen selbst taucht diese Frau nicht auf. Die namenlose Stimme spricht, als erzähle das Märchen gleichsam sich selbst. „Es war einmal“, beginnen knapp 30 der 86 Märchen im ersten Band der Sammlung, darunter die Klassiker Der Wolf und die sieben Geißlein, Rapunzel, Rotkäppchen, Schneewittchen und Rumpelstilzchen. Andere fangen schlicht mit „Es war“ an, „Es trug sich zu“, Es geschah“, insgesamt 50 mal lautet das erste Wort „Es“, nicht mitgezählt die hessischen oder plattdeutschen Einstiege: „Dar wöör maal eens en Fischer un syne Frau“3.

 

Homer gibt es nicht, und der Dichter des Nibelungenlieds ist unbekannt

 

Nur ganz selten wird ein Gewährsmann genannt wie „mien Grootvader, van den ick se hew,“4 in der Erzählung von Hase und Igel. Doch eine Märchengestalt, eine deutsche Scheherazade, der man alle diese Geschichten in den Mund legen könnte, hätte nicht ins Weltbild einer Zeit gepasst, in der sogar der große Homer als Dichter „abgeschafft“ worden war. 1795 hatte Friedrich August Wolf die These aufgestellt, einen Dichter der Ilias und der Odyssee habe es nie gegeben. Es handele sich um im Volk entstandene Lieder, die später gesammelt und zu Epen zusammengestellt worden seien. Dazu passte gut, dass das deutsche „Nationalepos“, das Nibelungenlied, das Mitte des 18. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde, gleichfalls ohne Verfasser überliefert ist. Das Nibelungenlied hebt an mit dem bekannten Satz: "Uns ist in alten mæren wunders vil geseit" - "Uns wird in alten Geschichten viel Erstaunliches berichtet", das ist so recht die anonyme Quelle im Herzen des Volkes, nach der auch die Grimms suchen. So grenzte Jacob Grimm denn auch Volksmärchen von romantischen Kunstmärchen ab: „Beim Volksmärchen handele es sich um "Naturpoesie", die aus einem irrationalen Schöpfungsakt der kollektiven Volksseele, einem "Sichselbstmachen" entstanden sei.“5

 

Die Geburt des Märchens bei Ludwig Bechstein

 

Erst spätere Autoren griffen das Thema „Woher kennen wir die Märchen?“ auch in den Texten selbst auf. So berichtet Ludwig Bechstein in „Des Märchens Geburt“ von zwei Königskindern, die in Reichtum und Schönheit aufwachsen - und doch fehlt etwas, etwas Unbeschreibliches, dessen Fehlen sie unglücklich macht. Plötzlich erscheint ein Wundervogel und legt ein goldenes Ei auf den Schoß der Mutter: „Die Schale fiel auseinander, und aus dem Ei kam ein Wesen hervor, wunderbar anzusehen. Es hatte Flügel, und war nicht Vogel, nicht Schmetterling, Biene nicht und nicht Libelle, und doch von allen diesen etwas, aber nicht zu beschreiben; mit einem Wort, es war das buntgeflügelte, farbenschillernde Kinderglück, selbst ein Kind, nämlich das des Wundervogels Phantasie, das Märchen.“6

 

Hauff berichtet von der Vertreibung des Märchens

 

Und Wilhelm Hauff schildert im Vorwort zu seinem Märchenalmanach, wie das Märchen von den Menschen fortgejagt wird, bis seine Mutter, die Phantasie, es in einen schönen Almanach einkleidet und zu den Kindern schickt.
Hauff ist es auch, der im Märchenzyklus „Die Karawane“ die orientalische Märchenerzähler-Situation aus 1001 Nacht wieder aufgreift. Darin erzählen sich Kaufleute und ein geheimnisvoller Fremder auf ihrer Reise durch die Wüste Märchen, oft solche, in denen sie selbst die tragende Rolle spielen: „Mein Vater hatte einen kleinen Laden in Balsora“7, beginnt Achmet seine Geschichte und berichtet von seinem Abenteuer mit dem Gespensterschiff. Zaleukos erzählt, wie er seine linke Hand verlor, Lezah trägt ein Stück aus seiner Familiengeschichte bei, und zwar die Errettung seiner Schwester Fatmeh durch seinen Bruder Mustapha. Auch Muley, der die Geschichte vom kleinen Muck darbietet, betont, dass er den Titelhelden selbst gekannt habe, ja mehr noch: „Ich und meine Kameraden waren böse Buben, die jedermann gerne neckten und belachten, daher war es uns allemal ein Festtag, wenn der kleine Muck ausging [...].“8

 

Hans Christian Andersen: Ein Gegenentwurf zu den Brüdern Grimm

 

Am konsequentesten aber hat sich Hans Christian Andersen aus dem Schatten der Grimms gelöst. „Grimm und Andersen, sagt man. Ohne einen von den beiden herabsetzen zu wollen, müßte es heißen: Grimm, aber Andersen“9, merkt Erling Nielsen an.
Andersen brennt ein wahres Feuerwerk an Erzählfiktionen ab. Zwitschernde Vögel, noch ganz romantischer Volkslied-Tonfall, hätten ihm das Märchen von Däumelinchen zugetragen, heißt es augenzwinkernd. Und ein Grashüpfer, der das Springen um die Hand der Prinzessin verlor, singt ein Lied, aus dem es der Autor erfahren haben will.
Seine liebevollste, detailreich ausgestalteteste Erzählerfigur ist der Sandmann, der eine Woche lang dem kleinen Friedrich Märchen erzählt und ihn zu Abenteuern mitnimmt. „Es gibt niemanden in der ganzen Welt, der so viele Geschichten weiß wie der Sandmann!“10, heißt es. „Wenn die Kinder nun schlafen, setzt sich der Sandmann auf ihr Bett. Er ist gut gekleidet; sein Rock ist von Seidenzeug, aber es ist unmöglich zu sagen, von welcher Farbe, denn er glänzt grün, rot und blau, je nachdem er sich wendet. Unter jedem Arm hält er einen Regenschirm.“ Nur der alte Großvater liebt den Sandmann nicht sonderlich. Er fordert, dass der Junge etwas Vernünftiges lernt.
Da ist Fliedermütterchen, eine Baumnymphe, die einer Kanne Fliedertee entsteigt und dem kranken Jungen ein Märchen erzählt. Da ist der eitle Halskragen, der zu Papier verarbeitet wird, auf dem dann seine Lebensgeschichte erscheint. In „Der Flaschenhals“ belauscht der Erzähler gar das stumme Selbstgespräch eines verkorkten Flaschenbruchstücks. Man merkt Andersen seinen Übermut und den Spaß am Erfinden immer abstruserer Quellen und Augenzeugen seiner Märchen an.
Richtig keck wird er schließlich im Märchen von Tölpel-Hans: „Aber weißt du auch, daß jedes Wort, das wir sprechen, niedergeschrieben wird und morgen in die Zeitung kommt?“, fragt die Prinzessin. „An jedem Fenster, siehst du, stehen drei Schreiber und ein alter Oberschreiber, und dieser alte Oberschreiber ist der Schlimmste, denn er kann gar nichts begreifen!“11 Und so erfährt es auch der Erzähler: „und das haben wir ganz naß aus der Zeitung des Oberschreibers - und auf die ist zu bauen.“12 Ein Ende, das bei den Grimms undenkbar gewesen wäre.

 

 

1 Märchen aus 1001 Nacht. Nach Paul Benndorf bearbeitet von Wilhelm Mennerich. Bindlach, 1963. S. 11.

 

2 Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Jubiläumsausgabe zum 200. Geburtstag der Brüder Grimm. Stuttgart, 1985/86. Bd. 1, S. 19f.

 

3 Ebd. Bd. 1, S. 119.

 

4 Ebd. Bd. 2, S. 376.

 

5 Meinhard Prill: Kinder- und Hausmärchen. In: Kindlers Neues Literaturlexikon. Bd. 6, München, 1989. S. 914.

 

6 Die schönsten Märchen von den Brüdern Grimm, Ludwig Bechstein, Richard Leander, Hans Christian Andersen, Wilhelm Hauff. München, 1984. S. 12.

 

7 Wilhelm Hauff: Werke in zwei Bänden. Berlin und Weimar, 1979. Bd. 2., S. 30.

 

8 Ebd. S. 79.

 

9 Erling Nielsen: Hans Christian Andersen mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Hamburg, 1958. S. 135.

 

10 Hans Christian Andersen: Märchen. Berlin, 1938. S. 94.

 

11 Ebd. S. 85.

 

12 Ebd. S. 86.

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Scheherazade, Sandmann & Co. Oder: Wer erzählt hier eigentlich? In: Elfenschrift. 22, Juni 2009, S. 6-8.

 

© Petra Hartmann

 

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Kaiser, König, Kanzler - oder gar kein Herrscher? Über Regierungsformen in phantastischen Reichen

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 05 Oktober 2021 · 1.568 Aufrufe
Elfenschrift

Groko, Ampel oder Jamaika - gar nicht so einfach, das mit der Kanzlersuche und Regierungsbildung. Anlässlich der aktuellen politischen Debatte habe ich mich auf einen Artikel über Herrscher und Regierungsformen in phantastischen Klassikern besonnen, den ich vor einigen Jahren in der Elfenschrift veröffentlichte. Ich stelle den kleinen Rundgang durch Mittelerde, Narnia und Phantásien hier einmal ein. Viel Spaß beim (Wieder-)Lesen!

 

Kaiser, König, Kanzler - oder gar kein Herrscher?
Über Regierungsformen in phantastischen Reichen

 

Eine Welt voller Magie, dunkle fliederduftende Wälder, in denen ein Einhorn aus der Quelle einer anmutigen Nymphe trinkt, tapfere Ritter ziehen aus zur Rettung des Reiches, bildschöne Prinzessinnen küren den Tapfersten der Tapferen - es wäre doch undenkbar, solch ein Land durch einen Bundeskanzler regieren zu lassen. Oder gar durch eine Kanzlerin? Da sind wir nun alle überzeugte Demokraten, und kaum einer will zurück in die Zeit der Diktatur oder des alten Kaisers Wilhelm. Aber eine Fantasywelt ohne gekrönten Herrscher, das wäre nun doch ein eklatanter Stilbruch. Oder doch nicht? Der Blick auf manche Klassiker des Genres lässt einige Lücken in der Frage nach der besten fantastischen Regierungsform.

 

Die Rückkehr des Königs nach Mittelerde

 

„Die Rückkehr des Königs“ nennt Tolkien den letzten Band seines „Herrn der Ringe“. Damit ist der Erzählung das Ziel gesetzt, auf das die Trilogie zuläuft. Das Böse ist vernichtet, doch auch die Welt ist stark zerstört. Nun ist es Zeit, eine neue Weltordnung zu schaffen. Ähnlich wie in der biblischen Apokalypse oder der eddischen Völuspa entsteht eine neue Welt mit neuem Herrscher, ein neues Zeitalter bricht an. Aragorn, unter dem Namen Streicher mit einem zerbrochenen Schwert in der Scheide, war lange Zeit inkognito durch eine Welt gezogen, in der ein König eigentlich niemandem fehlte. Die Hobbits in ihrer beschaulichen Kleinbürgerlichkeit interessierten sich jedenfalls kaum für Politik. Nur der Truchsess in Gondor scheint all die Jahre des Interregnums auf den Thronerben gewartet und die Krone bewahrt zu haben. Faramir blickt in einer Ansprache zurück: „die Gelehrten sagen, seit alters her sei es Sitte gewesen, daß der König seine Krone von seinem Vater erhielt, ehe er starb; oder wenn das nicht sein kann, sollte er allein gehen und sie aus den Händen seines Vaters nehmen in der Gruft, wo er lag. Aber da es nun anders geschehen muß, habe ich kraft meiner Befugnis als Truchseß heute von Rath Dínen die Krone von Eärnur, dem letzten König, hierher gebracht, dessen Tage in der Zeit unserer Vorväter von einst endeten.“1
Der König ist eine mystische, heilige Gestalt. Als wahrer Erbe, in dessen Adern königliches Blut fließt, hat er heilende Hände, vor allem aber ist seine Aufgabe, Recht zu sprechen, Frieden zu schließen und Gnade walten zu lassen. Als die Krone sein Haupt berührt, wird Aragorn über die Sphäre des Menschlichen hinausgehoben: „Groß wie die Seekönige von einst, überragte er alle, die um ihn standen. Hochbetagt erschien er, und doch in der Blüte der Manneskraft; und Weisheit lag auf seiner Stirn, und Kraft und Heilung waren in seinen Händen, und ein Licht war um ihn.“2
Fast scheint es, als habe Tolkien eine Christusgestalt gezeichnet. Und doch ist das Ende nicht nur glücklich, Melancholie liegt über den letzten Seiten des Buchs. Es ist die Zeit des Abschieds, die Ringträger verlassen das Land und nehmen den Elbenzauber mit sich fort. Aragorn wird über ein prosaischeres Land herrschen als seine Ahnherren.

 

Hohe Anforderungen an den König von Narnia

 

Sehr hoch sind die Anforderungen an Menschen, die in C.S. Lewis' Land Narnia die Krone tragen. Oder auch sehr niedrig. Wer unter dem Löwen Aslan regiert, braucht vor allem Bescheidenheit und eine gehörige Portion Selbstzweifel. So antwortet der Kutscher Frank auf die Frage, ob er tapfer für sein Land kämpfen werde: „Nun ja, Herr [...]. So was weiß man nie so recht, bevor man's ausprobiert hat. Vielleicht stellt sich raus, daß ich ein wahrhaftiger Feigling bin. [...] Aber ich will versuchen, meine Pflicht zu erfüllen - zumindest hoffe ich, daß ich's versuchen werd'.“ Damit ist Aslan zufrieden: „Mehr wird von einem König nicht verlangt“3. Ähnlich reagiert der Löwe, als Kaspian einräumt, er sei wohl zu jung für die Krone: „Hättest du dich selbst für geeignet gehalten, so wäre es ein Beweis dafür gewesen, daß du es nicht bist.“4

 

Die Kindliche Kaiserin von Phantásien

 

In deutschen Fantasy-Klassikern ist die Regierungsfrage oft vermieden. Machtausübung und Zentralgewalt finden, sofern es nicht um die Befreiung von einem Tyrannen geht, selten statt. Sympathischer scheinen vielen Autoren eher ländlich-bäurische oder urtümlich-jägerische Gesellschaften, weite Landschaften fernab der Städte und der Palastintrigen. Selbst wenn der Kaisertitel vergeben wird, hat der Amtsinhaber meist nichts weniger zu tun als zu regieren. So schildert Michael Ende in „Die unendliche Geschichte“ die Funktion seiner Kindlichen Kaiserin gerade nicht als die eines absolutistischen Herrschers:

 

„Sie herrschte nicht, sie hatte niemals Gewalt angewendet oder von ihrer Macht Gebrauch gemacht, sie befahl nichts und richtete niemanden, sie griff niemals ein und mußte sich niemals gegen einen Angreifer zur Wehr setzen, denn niemandem wäre es eingefallen, sich gegen sie zu erheben oder ihr etwas anzutun. Vor ihr galten alle gleich.
Sie war nur da, aber sie war auf eine besondere Art da: Sie war der Mittelpunkt allen Lebens in Phantásien.“5

 

Der leere Thron von Märchenmond

 

Auch die Welt Märchenmond von Wolfgang und Heike Hohlbein weist im Zentrum der Macht eine Leerstelle auf: ein leerer Thron, auf dem jeder Platz nehmen kann, wenn er mag. „Es ist ein Stuhl wie jeder andere und nicht einmal besonders bequem. Wer immer sich darauf setzt, ist unser König. Jeder, dem der Sinn danach steht, kann es werden“, erläutert der Riese Gorg. Anarchie, Kommunismus, ein hierarchiefreies, egalitäres Kollektiv? „Märchenmond hat keinen König - oder unzählige, ganz wie du willst. Jeder ist hier König, wenn er es sein will. Und doch sind alle gleich. Denn niemand, auch der Mächtigste nicht, kann über einen anderen befehlen.“6

 

Ein Zaubereiminister als Kabinettsmitglied

 

Noch einmal zurück auf die Insel zu einer „very britischen“ Autorin: Joanne K. Rowling als Bürgerin des vereinigten Königreichs hat, anders als deutsche Autoren, durchaus die geschichtliche Erfahrung, dass eine Demokratie und ein gekröntes Staatsoberhaupt ein funktionierendes System ergeben können. Trotzdem gibt es in der Welt der Zauberer bei Harry Potter keinen eigenen König. Rowling brennt ein Feuerwerk an Bürokratie-Persiflagen ab, wenn Beamten an Gesetzentwürfen zur Normierung der Wandstärke von Zauberkesseln arbeiten. Aber die sonst autarke Parallelgesellschaft der Zauberer bleibt trotz allem integriert ins britische Regierungssystem: Der Zaubereiminister Cornelius Fudge gehört als geheimes Kabinettsmitglied der Muggel-Regierung an. „Harry Potter und der Halbblutprinz“ beginnt im Büro des britischen Premierministers mit einem Krisengespräch über „Ihn, dessen Name nicht genannt werden darf“. Ein magisches Porträt im Büro des Regierungschefs kündigt die Besuche des geheimen Ministers jedesmal an, bevor Fudge per Flohpulverzauber aus dem Kamin plumpst.
„Der Zaubereiminister oder die Zaubereinministerin zeigt sich nur dem jeweils amtierenden Premierminister der Muggel [...]“, hatte Fudge dem verblüfften Mann am Tage von dessen Wahlsieg erläutert.
„'Aber', jammerte der Premierminister, 'warum hat mich dann keiner meiner Vorgänger darauf hingewiesen?'
Da hatte Fudge tatsächlich gelacht.
'Mein lieber Premierminister, werden Sie es jemals irgend jemandem sagen?'"7

 

Polistopolis weist seinen König aus

 

Edith Nesbit, die große alte Dame der britischen Märchenerzählkunst und Mitglied der sozialistischen Fabian-Society, hat das Problem der Königsherrschaft vermutlich am elegantesten und entschiedensten gelöst: In ihrem 1910 erschienenen Roman „Die verzauberte Stadt“ soll sich der Junge Philip zum König von Polistopolis qualifizieren. Der Retter des Landes stellt sich sieben großen Aufgaben, besiegt unter anderem einen Drachen und ein furchtbar ansteckendes Faultier oder löst das Problem, dass es keinen Nachtisch gibt. Er wird zum Ritter geschlagen, wird Freiherr, Baron, Graf, Herzog, Prinz. Endlich ist es so weit, Philip wird zum König gekrönt, seine Freundin Lucy zur Königin. Doch als das Hurrageschrei endet, sagt der freundliche alte Noah: „Und nun müssen wir uns leider trennen. Polistan ist eine Republik, und in einer Republik sind ein König und eine Königin nicht statthaft. Ein Abschied ist immer schmerzlich. Darum ist es besser, ihr geht gleich.“8

 

 

1 J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Band III: Die Rückkehr des Königs. Stuttgart, 1996. S. 277.

 

2 Ebd.

 

3 C. S. Lewis: Das Wunder von Narnia. [Orig.: The magicians nephew] Deutsch von Ulla Neckenauer. Wien, München, Heidelberg, 1983. S. 98.

 

4 ders.: Wiedersehen in Narnia. [Orig.: Prince Caspian]. Übers. von Lena Lademann-Wildhagen. München, 1988. S. 147.

 

5 Michael Ende: Die unendliche Geschichte. Stuttgart, 1979. S. 33f.

 

6 Wolfgang und Heike Hohlbein: Märchenmond. Eine phantastische Geschichte. Wien, Heidelberg, 1983. S.216.

 

7 Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Halbblutprinz. Aus dem Englischen von Klaus Fritz. Hamburg, 2005. S. 12.

 

8 Edith Nesbit: Die verzauberte Stadt. Übersetzt von Barbara Teutsch. Kevelaer, 1986. S. 219.

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Kaiser, König, Kanzler - oder gar kein Herrscher? Über Regierungsformen in phantastischen Reichen. In: Elfenschrift. 23, September 2009, S. 22-24.

 

© Petra Hartmann

 

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Hippalektryon - ein Fabeltier ohne Fabel

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 27 September 2021 · 1.463 Aufrufe
Elfenschrift

Den Pegasus kennt vermutlich jeder Autor. Der eine oder andere hat auch Ariostos "Rasenden Roland" gelesen und weiß, was ein Hippogryph ist. Aber ist euch schon einmal ein Hippalektryon begegnet? Der folgende Artikel entstand vor einigen Jahren für die Zeitschrift "Elfenschrift". Für alle, die ihn damals verpasst haben - oder die ihn noch einmal lesen mögen - stelle ich den Text hier ein:

 

Hippalektryon - ein Fabeltier ohne Fabel

 

„Fliegende Pferde landen am Strand“, sang Achim Reichel im Jahr 1989. Ein niedergehender Pegasus-Schwarm an der Küste, das muss schon ein großartiger Anblick sein. Aber gibt es Pegasi (Pegasen? Pegasusse?) überhaupt im Plural? Wohl kaum, der „edle Renner“, wie ihn Wilhelm Busch nannte, war einzigartig. Gleichwohl gibt es auch Berichte über anders geartete Flügelpferde. Eines von ihnen möchte ich hier vorstellen.
Zu den skurrilsten Gestalten, die das antike Griechenland hervorgebracht hat, zählt der Hippalektryon. Das Hahnenpferd oder der Rosshahn, wie man den Namen übersetzen kann, besaß das Vorderteil eines Pferdes; seine Hinterbeine, die Flügel und der Schwanz stammten jedoch von einem Gockel. Das ungewöhnliche Tier stellt Wissenschaftler noch heute vor ein Rätsel.
Es gibt Vermutungen, es käme aus dem Orient, wo kühne Kombinationen aus verschiedenen Tieren sehr beliebt waren. Immerhin habe es dort ähnliche Wesen, etwa einen Panther-Hahn oder einen Mädchen-Hahn gegeben. (1) Doch ein orientalischer Hippalektryon wurde bisher noch nicht entdeckt.
Ebenfalls unklar ist, was den „Erfinder“ bewogen haben mochte, ausgerechnet Pferd und Hahn zu vereinigen. Die Theorie, man wolle damit ein äußerst schnelles Reittier erschaffen, wirkt jedenfalls wenig überzeugend. Immerhin sind diese Vögel weder besonders beeindruckende Läufer, noch machen sie als Flugkünstler von sich reden. Auch der Vorschlag, das Tier solle ein Symbol für Mut sein, hat angesichts eines in Panik ausbrechenden Hühnervolkes nur wenig für sich. Doch als dekoratives Element ist ein schöner, bunter Hahnenschwanz nicht zu verachten, und so mögen wohl optische Eigenschaften für die Wahl verantwortlich sein. Ein Grund mehr, dass der Hippalektryon vor allem die bildenden Künstler faszinierte.

 

Aischylos erfindet das Hahnenpferd

 

Als erster Dichter, der über das Hahnenpferd schrieb, gilt Aischylos. Der älteste der drei großen griechischen Tragödiendichter ließ das Tier in seiner - nur in Fragmenten enthaltenen - Tragödie „Die Myrmidonen“ auftreten. Hier ist der Rosshahn offenbar ein Wappentier oder eine Galionsfigur an Bord eines Schiffes, möglicherweise ähnlich den eindrucksvollen Wappen, die Aischylos in der Tragödie „Sieben gegen Theben“ ausmalte. In den „Myrmidonen“ geht es darum, dass die vor Troja lagernden Griechen, als sich der Held Achill zürnend aus dem Kampf zurückzieht, in arge Bedrängnis geraten:

 

„Die Not der Hellenen wird immer größer. Schon sind ihre
Schiffe von den Feinden in Brand gesetzt worden.
'Das braune Tier, halb Roß, halb Hahn, das darauf hockt',
Schmilzt mit dem Fleiß, der's ganz in Farben taucht', dahin.˜“ (2)

 

(Ludwig Wolde übersetzt, wohl aus metrischen Gründen, in der dritten Zeile sehr redundant. Im griechischen Text steht einfach nur: „xouthos hippalektryon“, also „der braune/gelbe Rosshahn“.)

 

Spott von Aristophanes

 

Das exotische Tier, vielleicht von Aischylos sogar mit entsprechendem Prunk auf die Bühne gebracht, auf jeden Fall aber im Vers zum Aufhorchen reizend, muss auf die Zuschauer im Athener Dionysos-Theater ungeheuer einprägsam gewirkt haben. Ein derart absurdes Wesen im ernsten Tragödienfach forderte Spott und Häme geradezu heraus. Der Komödiendichter Aristophanes, der für seine spitze Zunge bekannt war, verspottete das von Aischylos verwandte Bild gleich in drei seiner Komödien. So wird in den „Vögeln“ ein athenischer Reiterführer verspottet, er sei „Nun ein großer Mann geworden, wie ein Roßhahn aufgebläht!“ (3) Ebenfalls ein protziger Offizier wird in der Komödie „Der Frieden“ beschrieben. Der Mann bläht sich mächtig auf mit drei Helmbüschen und einem echten Purpurrock, aber: „Auf der Flucht ist er der erste, einem gelben Roßhahn gleich / Schüttelt er die Büsch˜ - indes ich lauernd steh' am Vogelgarn.“ (4)

 

Dichterwettstreit in der Unterwelt

 

Noch nach dessen Tod muss Aristophanes dem Verfasser seinen Hippalektryon vorhalten: In der Komödie „Die Frösche“ lässt er die verstorbenen Dichter Aischylos und Euripides in der Unterwelt gegen einander antreten und darum kämpfen, wer von beiden die besseren Tragödien verfasst hat und ins Leben zurückkehren darf. Und Aristophanes legt dem Preisrichter, dem Theatergott Dionysos, und den beiden Verstorbenen folgende Worte in den Mund:

 

„Dionysos: Ja, bei Gott mir ist's begegnet,
Daß 'eine lange, lange Nacht ich schlaflos nachgegrübelt',
Zu welcher Vogelspezies man zählt den gelben Roßhahn!
Aischylos: Ein Zeichen war's, du Ignorant, gemalt am Bug des Schiffes!
Dionysos: So, so? Ich hielt ihn für den Sohn Philoxenos', Eryxis!
Euripides: Ist die Tragödie denn der Mist, um Hähne drauf zu setzen?
Aischylos: Was hast denn du nicht alles frech ihr aufgehängt, Verfluchter?
Euripides: Roßhähne nicht, Bockhirsche nicht, wie du getan,
Auf persischen Tapeten wohl und Teppichen zu finden!“ (5)

 

Verwirrung um ein "Fabeltier"

 

Interessant ist, dass sich spätere antike Literaturfachleute, zum Beispiel Hesychios und Photios, wohl in Unkenntnis des Aischylos-Dramas, die Köpfe darüber zerbrachen, was der Komödiendichter überhaupt mit diesem „Rosshahn“ gemeint hatte. Sie vermuten, dass das Tier „einem Greifen ähnlich, also, da dieser ein Löwe mit Adlerkopf ist, doch wohl als Pferd mit Hahnenkopf zu denken war“ (6) Andere erklärten, das Wort „hippos“ könne nicht nur „Pferd“, sondern in Zusammensetzungen auch „groß“ bedeuten, es ginge damit also eher um einen pferdegroßen Hahn völlig ohne sonstige Pferdeattribute. (7) Noch in Meyers Konversationslexikon (1905-1909) wird der Hippalektryon definiert als „Fabeltier der Griechen, mit Hahnenkopf und Pferdeleib.“

 

Vasenbilder und Statuen zeigen den Hippalektryon

 

Dabei sind die archäologischen Befunde recht eindeutig und zeigen genau, wie ein Hippalektryon aussieht. Anders als in der Literatur scheint in der bildenden Kunst die Produktion von Hippalektryen nach ihrem ersten Auftauchen im 6. vorchristlichen Jahrhundert geradezu explosionsartig angewachsen zu sein. Zwischen 560 und 470 v. Chr. entstanden - fast ausschließlich in Attika - zahlreiche Darstellungen des Tieres. Sie zeigen einen Hahn mit Pferdevorderteil und Kopf, das Wesen hatte zwei Pferde- und zwei Hahnenbeine. Die Menge der gefundenen Bildnisse - Vasenbilder, Statuen und Statuetten, Verzierungen auf einem Fingerring oder kleine Tonfigürchen - zeigt auf jeden Fall, wie beliebt das Motiv damals war. Ob fliegend oder schreitend, meist mit einem hübschen Jüngling auf dem Rücken, war der Hippalektryon Mode in Attika geworden. So gelangte er schließlich auch in die Tragödie und die Komödien.

 

Das rätselhafte Verschwinden des Rosshahns

 

Genauso plötzlich, wie er auftauchte, verschwand der geheimnisvolle Rosshahn allerdings auch wieder. Lag es am Überdruss nach der Hahnenpferd-Mode, dass sich das Tier nicht dauerhaft etablieren konnte? Eine Theorie ist, dass „das allzu monströse Mischwesen die hoch gesteigerten ästhetischen Ansprüche des 5. Jhdts. gar zu wenig befriedigte“ (8). Auch könnte das Tier mit einer im 6. Jahrhundert aufgetauchten religiösen Idee aufgekommen und mit deren Untergang wieder verschwunden sein. (9) Als weitere Vermutung wird genannt, dass „das Tier, relativ spät aufgetaucht, in der Mythologie keine Stätte fand“. (10)
Wie auch immer: Der Hippalektryon, das Fabeltier ohne Fabel, verschwand nach einer kurzen und reichen Blütezeit hinter dem Horizont des klassischen Griechenland und überließ den Himmel seinem prominenteren Verwandten Pegasus. Aber vielleicht nimmt sich ja einmal ein neuerer Dichter seiner an?

 

 

(1) Johannes Scherf: Hippalektryon. In: Der Neue Pauly. Bd. 5. Stuttgart u. Weimar, 1998. Sp. 566.

 

(2) Aischylos: Tragödien und Fragmente. Verdeutscht von Ludwig Wolde. Berlin, Darmstadt, Wien, 1960. S. 330.

 

(3) Aristophanes: Sämtliche Komödien. Übertragen von Ludwig Seeger. Einleitung zur Geschichte und zum Nachleben der griechischen Komödie nebst Übertragungen von Fragmenten der Alten und Mittleren Komödie von Otto Weinreich. Zürich und München, 1987. S. 361.

 

(4) Ebd. S. 313.

 

(5) Ebd., S. 556f.

 

(6) H. Lamer: Hippalektryon. In: Paulys Real-Enzyklopädie der classischen Altertumswissenschaft. Bd. 8. Stuttgart, 1913. Sp. 1651.

 

(7) Einen Beleg für diese Verwendung des Wortes „hippos“ bietet der Dichter Lukian in seinen „Wahren Geschichten“: Die hier auftretenden Hippogypen - „Rossgeier“ - sind Männer, die auf großen Geiern reiten - ganz ohne Pferdeanteile.

 

(8) Lamer: A.a.O. Sp. 1655.

 

(9) Ebd.

 

(10) Ebd.

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: „Hippalektryon - ein Fabeltier ohne Fabel.“ In: Elfenschrift 34, Juni 2012. S. 14-17.

 

© Petra Hartmann

 

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Eier vom Osterfuchs

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 12 April 2020 · 2.278 Aufrufe
Elfenschrift, Ostern, Fuchs

Osterhase oder Osterfuchs? Beim Aufräumen meiner Festplatte bin ich kürzlich auf diesen Artikel gestoßen, den ich vor einigen Jahren in der Zeitschrift "Elfenschrift" veröffentlicht habe. Als kleines Osterei und Gruß zum Osterfest stelle ich ihn hier noch einmal ein. Frohe Ostern - und lasst euch viele Süßigkeiten bringen

 

Kein Jux: Die Eier bringt der Fuchs

 

Tief ins Gras geduckt pirscht er heran. Zwischen den grünen Halmen blitzt nur manchmal sein rötliches Fell auf, dann taucht er wieder unter, lautlos wie ein roter Schatten. Die tief gesenkte buschige Rute streicht die Fährte aus. Jetzt hebt er kurz die Nase und wittert. Kein Mensch in Sicht? Nein, die Luft ist rein. Dort unter dem Baum hat er das kleine Nest aus Gras und Baumrinde entdeckt. Er schleicht heran. Jetzt hat er das Nestchen erreicht. Ein Rascheln, ein Huschen, und fort ist er wieder. Drei buntbemalte Eier bleiben im Nest zurück. Der Osterfuchs hat wieder zugeschlagen.
Der eierlegende Osterhase ist weltbekannt. Und selbst wer noch nie einen Hasen in freier Natur zu Gesicht bekommen hat, kennt ihn doch als österliches Pendant des Weihnachtsmannes und als buntverpackte Schokoladenfigur aus dem Supermarkt. Doch was nur wenige Menschen wissen: In alten Zeiten war die Rolle des Ostereierbringers alles andere als unumstritten. Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts galt im Schaumburger Land, im Nordosten von Nordrhein-Westfalen, in einigen Gegenden Sachsen-Anhalts (1) und zum Teil in Hannover (2) der Fuchs als der Eierbringer. Kinder legten ihre aus Moos und Gras selbst gebastelten Nester aus und sorgten dafür, dass der Fuchs bei seiner österlichen Arbeit nicht gestört wurde. Zum Dank hinterließ ihnen Meister Reinecke dann bunte Eier.
Das Wort „Fuchseier“ ist in westfälischen und niedersächsischen Wörterbüchern belegt als Bezeichnung für mit Zwiebelschalen braunrot gefärbte Ostereier, im Mittelelbischen hatte das Wort allerdings eher etwas mit Lug und Trug zu tun. „Du dröömß woll van Foßeier“ sagte man zu jemandem, der mit seinen Gedanken nicht bei der Sache war oder allzu kühne Ideen entwickelte, „Vosseier gefreten“ hatte wohl ein Besserwisser, und wer im Westfälischen von jemandem sagte, er sei „met Fossoeggern“ gefüttert, der warnte die anderen vor einem durchtriebenen, gerissenen Abzocker.
Auch sonst hatte der Hase durchaus ernstzunehmende Konkurrenten um den Job des Ostereierbringers und -legers: So soll es in der Schweiz einen österlichen Kuckuck gegeben haben, in Thüringen einen Storch und in Böhmen fiel das Eierlegen in das Ressort des Hahns.
Warum die Wahl ausgerechnet auf den Hasen fiel, darüber gibt es unterschiedliche Theorien. Als ein Tier mit besonders zahlreicher Nachkommenschaft, wurde er oft als Symbol für Fruchtbarkeit verwandt. Auch galt er als besonders wachsames Tier, immerhin konnte er wie manche Schüler mit offenen Augen schlafen. Noch heute gilt eine Hasenpfote als Glücksbringer. Bekannt ist auch die Anekdote von der „Erfindung“ des Osterhasen, als ein Bäcker zum Fest eigentlich Osterlämmer backen wollte. Da der Mann wohl nicht so genau hingeschaut hatte, gab er seinen gebackenen Minischafen Hörner, woraufhin ihm Hohn und Spott sicher war und man sich köstlich darüber amüsierte, er habe „Osterhasen“ gebacken.
Allerdings sahen nicht alle Kulturen den Hasen als Glücksbringer. Zweimal wird im Alten Testament den Juden verboten, Hasen zu essen: „denn er ist auch ein Wiederkäuer, hat aber keine durchgespaltenen Klauen; darum soll er euch unrein sein“ (3), befiehlt Gott Moses und Aaron. An anderer Stelle heißt es: „Diese Tiere aber sollt ihr nicht essen unter denen, die wiederkäuen und die gespaltene Klauen haben: das Kamel, den Hasen und den Klippdachs, die wiederkäuen, deren Klauen aber nicht ganz durchgespalten sind; darum sollen sie euch unrein sein.“(4)
So erscheint es nur folgerichtig, dass Papst Zacharias im Jahre 751 den Feldhasen in einem Brief an Bonifatius als unreines Tier erklärte und den Verzehr ausdrücklich untersagte.
Auch sonst scheint der Hase als Verkünder des „Evangeliums“, der frohen Botschaft, nämlich der Osterbotschaft von der Auferstehung Christi nicht gerade prädestiniert gewesen zu sein. „Der Hase gilt als Unglücksbote im gesamteuropäischen Raum“ (5), merkt Hans Fromm an. Und so ist es folgerichtig auch der Hase, nachdem Bär, Wolf und Fuchs als Boten verworfen werden, der im finnischen Nationalepos „Kalevala“ die Todesbotschaft überbringt und mit einiger Selbstgefälligkeit und Schadenfreude der Mutter erzählt, wie die schöne junge Aino ertrank:

 

„Doch das Glotzaug gab die Antwort, überheblich sprach der Hase:
†šMag doch Lempo hierher laufen, um im Kessel hier zu kochen!
Ich kam her, das Wort zu melden, um die Botschaft euch zu bringen:
Hingeschwunden ist die Schöne, zinngezierte Brust vergangen,
Silberspange hingesunken, Gürtelkupfer hingeglitten
In das sanft bewegte Wasser, in des Meeres tiefste Tiefen,
Eine Schwester dort den Schnäpeln, eine Freundin nun den Fischen.†˜“(6)

 

Bekannt ist die unsägliche Eitelkeit und Arroganz, mit der Meister Lampe im Märchen die krummen Beine des „Swinegels“ verspottet und damit alles andere als ein Muster christlicher Demut liefert. Bekannt ist auch die Feigheit des Hasen, so werden ängstliche Menschen als „Angsthase“, „Hasenfuß“ oder „Hasenherz“ verspottet. Nicht gerade der perfekte Botschafter des Osterfestes und der beste Überbringer der Auferstehungsnachricht also.

 

Während es in Deutschland so aussieht, als habe das Langohr seinen Posten trotz allem unanfechtbar besetzt, ist allerdings in Australien inzwischen ein ernst zu nehmender Konkurrent aufgetaucht. Schuld daran sind die schlechten Erfahrungen, die die Australier mit seinem kleineren Verwandten, dem Kaninchen, gemacht haben.
Der Kontinent, der bis zu seiner Entdeckung im 17. Jahrhundert vollkommen von der restlichen Welt abgeschnitten war, hatte in den Jahrmillionen der Isolation eine einzigartige Tierwelt hervorgebracht, die an Landsäugetieren lediglich Kloakentiere und Beuteltiere kannte. Als die Europäer dort landeten und wenig später zum Zeitvertreib (zur Jagd) Kaninchen aussetzten, die sich rasend vermehrten, war die ökologische Katastrophe perfekt, viele Beutler wurden durch die sich rasch vermehrenden Nahrungskonkurrenten an den Rand des Aussterbens gedrängt. Kaninchen entwickelten sich mehr und mehr zur Plage. Kein Wunder, dass viele Australier nicht gut auf die Langohren zu sprechen sind. Was als Aktion von Umweltschützern in den 1970ern begann, fand längst seinen Platz im österlichen Brauchtum des Inselkontinents: Man lässt sich seine Ostereier vom „Bilby“, vom Großen Kaninchennasenbeutler bringen, und „Easter-Bilbies“ aus Schokolade, aus deren Verkauf Naturschutzprojekte finanziert werden, gehören zum Sortiment der Süßwarenläden wie bei uns die Schoko-Osterhasen.
Auf jeden Fall empfiehlt sich am frühen Ostersonntag ein scharfer Blick in den Garten. Vielleicht hoppelt ja ein Kaninchennasenbeutler durchs Gras und bringt bunte Eier. Oder sollte es zur Abwechslung doch mal wieder der Fuchs sein?

 

(1) Wikipedia: Eintrag „Osterfuchs“, Version vom 18. April 2011

 

(2) Österliche Tiersymbolik: Osterhahn und Osterfuchs. rp-online.de/panorama-osterhahn-und-osterfuchs-1.2052198, zuletzt aktualisiert am 15.04.2001

 

(3) 3. Mose 11,6. Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Deutsche Bibelgesellschaft. Stuttgart, 1985. S. 116. Dass der Hase ein Wiederkäuer ist, stimmt allerdings nicht. Vielleicht war das Nasen- und Lippenzucken des Tieres die Veranlassung für den Irrtum.

 

(4) ebd. 5. Mose 14,7. S. 202.

 

(5) Kalevala. Das finnische Epos des Elias Lönnrot. Aus dem finnischen Urtext übertragen von Lore und Hans Fromm. Nachwort und Kommentar von Hans Fromm. Stuttgart, 1985. S. 405.

 

(6) ebd. S. 29.

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: Kein Jux: Die Eier bringt der Fuchs. In: Elfenschrift. Das kleine phantastische Literaturheftchen. 33, März 2012, S. 15-17. ISSN 1613-3293.

 

© Petra Hartmann

 

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Mein Rücklick auf zehn Jahre Elfenschrift in FO # 300

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 11 Juni 2014 · 1.255 Aufrufe
Elfenschrift, Fandomobserver
Fandom Observer Nummer 300 ist erschienen. Zur letzten Ausgabe des Magazins steuerte ich einen Artikel bei, der sich mit einem weiteren Magazin befasst, das dieses Jahr eingestellt wurde: Ich blicke zurück auf zehn Jahre mit der Elfenschrift, dem kleinen phantastischen Literaturheftchen, dessen Abschlussausgabe im März herausgekommen war.
Hier ein Überblick über den Inhalt des 300. Fandom Observers:
  • Aus nach zehn Jahren: Petra Hartmann über das Ende der ELFENSCHRIFT-Reihe
  • Fanzine-Kurier: Noch einmal sezieren Holger Marks und Armin Möhle fannische Druckwerke.
  • Kritische Frauen gehen ins Kino: Hestia von Roest, Katrin Hemmerling und Bettina Petrik über Spider-Man, die X-Men und Godzilla
  • Roger Corman: Günther Freunek porträtiert den Meister des B-Movies
  • Coin-Pong-Con: Klaus Sauer mit einem Juwel der fannischen Conberichterstattung
Und das erwartet euch außerdem: Eine schier unglaubliche Menge von Leserbriefen, Rezensionen zu Büchern von Cylin Busby, Pierre Boulle, Clark Darlton und Lois McMaster Bujold, ein kurzer Werkstattbericht aus der Fantasyredaktion, sowie melancholische Abschiedsbriefe von Martin Kempf, Günther Freunek, Florian Breitsameter, Olaf Funke und Antje Brand, und natürlich das Highlight dieser Ausgabe: ein echter Langer, frisch vom Zeichentisch!


Fandom Observer # 300 findet ihr hier:
http://www.fandomobs....de/pdf/300.pdf


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Bücherbrief bespricht die letzte Elfenschrift

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 04 April 2014 · 1.181 Aufrufe
Elfenschrift, Ulrike Stegemann
Im Phantastischen Bücherbrief widmet sich Erik Schreiber der letzten Elfenschrift. Schade, dass Ulrike das Heft mit Nummer 41 eingestellt hat, da gebe ich ihm recht. Auch wenn das Wort "vorerst" noch einen kleinen Hoffnungsschimmer enthält. Er schreibt:

"Das Dicke Ende kommt. In diesem Fall 52 Seiten stark und ist vorerst der Abschied von Ulrike Stegemann, die inzwischen Reinecke heisst, vom periodisch erscheinenden Literaturbetrieb. Ich gönne ihr sehr, dass sie sich jetzt mehr ihren Romanprojekten widmen möchte und kann. Ein periodisches Magazin pünktlich herauszugeben macht erheblich mehr Arbeit als ein Roman oder gar eine Kurzgeschichte.
In den zehn Jahren des Erscheinens, brachte es DAS KLEINE PHANTASTISCHE LITERATURHEFTCHEN auf 41 Ausgaben und fast 500 Seiten Umfang. Wer weitere Stratistik lesen möchte, der kann gern ins Heft sehen, Ulrike hat eine kurze Aufstellung einfliessen lassen.
Die vorerst letzte Ausgabe lässt hoffen, dass die Reihe doch noch einmal fortgeführt wird. Das letzte Heft enthält sechs Kurzgeschichten. Elfenschrift ist nunmehr ein weiteres Heft, dass keine Plattform mehr für Kurzgeschichten bietet. Leider, denn so bleiben nur noch die Anthologien in den unterschiedlichen Verlagen. die Geschichten selbst stehen unter einem gemeinsamen Motto, zeigen aber gleichzeitig, dass es möglich ist, unterschiedliche Aspekte eines Themas darzustellen. Mit Künstler im Portrait wird von der jahrelangen Wegbegleiterin Petra Hartmann Ulrike zu ihrem Projekt befragt. In einem weiteren Portrait wird der Leserattenverlag vorgestellt. Auch eine Rubrik die sonst nirgends mehr vorhanden ist. Einen Teil nimmt der Rückblick auf die Elfenschrift, die hier im Bücherbrief immer wieder vorgestellt wurde."

Die Besprechung enthält noch eine sehr persönlichen Nachsatz:

"Liebe Ulrike,
ich habe mich sehr gefreut, Dein Heftchen und deine Arbeit über viele Jahre hinweg begleiten zu dürfen. Du hast es geschafft, ein abwechslungsreiches Heft mit viel Blut, Schweiss und Tränen herzustellen. Ein Periodikum, mit dem Anspruch, dem Leser viel Abwechslung zu bieten, gleichzeitig vielen Künstlern eine Plattform zu bieten, die ersten Werke vorzustellen. Dein Engagement war bemerkenswert und wenn Du nun all Deine Kraft in Romane steckst, werden diese ebenso erfolgreich und beachtenswert werden. Du hast einen Meilenstein gesetzt, an dem sich einige andere messen können. Ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deinen neuen Projekten."

Den Phantastischen Bücherbrief, Ausgabe 605, März 2014, findet ihr umter anderem hier: http://www.world-pha... maerz 2014.pdf


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Die letzte Elfenschrift - so sieht sie aus

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 27 Februar 2014 · 1.389 Aufrufe
Ulrike Stegemann, Elfenschrift
Die Vorschau zu Ausgabe 41 der Elfenschrift ist jetzt online. Ein wenig Wehmut liegt über dem Heft, denn es wird (zumindest vorerst) die letzte Elfenschrift sein. Mehr als zehn Jahre war das kleine phantastische Literaturheftchen mein Begleiter durch die Welt der Phantastik.
In der letzten Ausgabe habe ich das getan, was ich schon seit zehn Jahren einmal machen wollte: Ich habe Ulrike Reineke (geb. Stegemann) interviewt. Außerdem gibt es ein Gedicht mit dem Titel "Die Elfenbotin" von mir.
Das letzte Cover stammt von Miguel Worms, der schon zahlreiche Elfenschriften bereichert hat und auch diesmal wieder etwas ganz Besonderes schuf.

Heft 41 erscheint Anfang März und widmet sich dem Thema "Die Elfenschrift". Es wird einiges zur Geschichte und zu persönlichen Erlebnissen mit dem Magazin geben.


Aus dem Inhalt:

10 Jahre Elfenschrift - Ein Rückblick
Interviews mit Ulrike Reineke, Bernd Walter, Christel Scheja, Marc Hamacher (Leseratten Verlag) und Stefanie Bender
Textbeiträge von Rena Larf, Petra Hartmann, Christel Scheja, Katja Leonhardt, Elisa Bergmann, Fabienne Siegmund, Volkmar Kuhnle und W. Berner
Grafiken/Illustrationen von Miguel Worms, Christel Scheja, Kerstin Dirks und Michael Stegemann
Bücher-Ecke, Ausschreibungstipps und mehr ...

Das Heft kostet 2,50 Euro (+ 1 Euro für Porto und Verpackung) und kann auf der Elfenschrift-Homepage bestellt werden.


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Investigative Fragen an die Elfenschrift-Herausgeberin

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 10 Februar 2014 · 1.181 Aufrufe
Elfenschrift
Für die letzte Elfenschrift habe ich mich mal auf mein journalistisches Handwerkszeug besonnen und habe die Herausgeberin Ulrike Reineke (geb. Stegemann) zum Interview gebeten. Rund anderthalb Stunden habe ich sie alles gefragt, was ich schon immer über das kleine phantastische Literaturmagazin wissen wollte. Sie erwies sich als außerordentlich auskunftsfreudig, allerdings drehte sie am Ende einfach mal den Spieß um. Das Ergebnis könnt ihr in der nächsten (letzten) Elfenschrift lesen.
Außerdem findet ihr in Heft 41 eine kleines Gedicht von mir: "Die Elfenbotin". Ich habe mich von einer Illustration aus der zweiten Elfenschrift inspirieren lassen. Ihr erinnert euch doch noch an die von Michael Stegemann gezeichnete schwer beladene Elfe mit dem Korb voller Elfenschriften, die sich mit dem Gewicht so furchtbar abmühte?
Elfenschrift 41 erscheint Anfang März. Und es wird bestimmt eine schöne Abschiedsausgabe.


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Elfenschrift Nummer 40 ist da - und ich werde religiös ...

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 01 Dezember 2013 · 1.025 Aufrufe
Elfenschrift, Weihnachten
Die neue Elfenschrift ist erschienen. Heft Nummer 40 steht unter dem Motto "Winterwunderland". Ich habe mich diesmal zu einer Weihnachtspredigt hinreißen lassen - keine Sorge, es geht absolut nicht ernst darin zu, aber ein paar interessante Bibelzitate kommen doch darin vor ;-)
Das Heft enthält außerdem eine Buchvorstellung meines neuen Meermädchen-Romans "Nestis und die verschwundene Seepocke".
Wieder mal ein wunderschönes, liebevoll illustriertes Magazin, das die Herausgeberin Ulrike Reineke (nein, kein Tippfehler, Ulrike Stegemann hat jetzt einen neuen Nachnamen. Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit!) für die kalte Jahreszeit zusammengestellt hat. Ich werde die Elfenschrift vermissen, wenn mit Ausgabe 41 der Vorhang fällt ...

Das Cover-Bild stammt Miguel Worms und ist einfach zauberhaft.

Zum Inhalt:
  • Eine unernste Weihnachtspredigt von Petra Hartmann
  • Interviews mit Corinna Griesbach, Andrea Herrmann und Carola Kickers
  • Textbeiträge von Katja Leonhardt, Katjana May, Christel Scheja, Curtis Nike, Elisabeth Seiberl, Elisa Bergmann, Stefanie Bender, Angelika Pauly und W. Berner
  • Grafiken/Illustrationen von Miguel Worms, Curtis Nike und Michael Stegemann
  • Bücher-Ecke, Ausschreibungstipps und mehr ...
Bestellen könnt ihr das Heft zum Preis von 2,50 Euro (+ 1 Euro für Porto und Verpackung) auf der Seite www.elfenschrift.de.







Und hier die Ausschreibung für die Frühlings-Elfenschrift:

Ausgabe 41 †¢ erscheint Anfang März 2014
Thema: Elfenschrift
- Die vorerst letzte Ausgabe -
Im März 2014 ist es dann tatsächlich so weit: Dann soll die vorerst letzte Elfenschrift erscheinen. Das Motto hierfür soll die „Elfenschrift“ an sich sein. Was habt Ihr mit oder durch die Elfenschrift erlebt? Was fandet Ihr gut oder schlecht? Und welche Geschichte fällt Euch zu dem Wort „Elfenschrift“ ein?
Einsendungen wie immer an info@elfenschrift.de - Texte max. 8.000 Zeichen inkl. Leerzeichen als .doc oder .rtf, Grafiken/Illustrationen als .jpg. Redaktionsschluss ist der 31. Januar 2014.


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"Zwei Gottessöhne und ein Gelächter"

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 04 November 2013 · 1.078 Aufrufe
Elfenschrift und 1 weitere...
Da bin ich offenbar unter die Theologen gegangen: In der nächsten Elfenschrift bin ich mit einer nicht ganz ernst gemeinten Weihnachtspredigt vertreten. Unter der Überschrift "Zwei Gottesöhne und ein Gelächter" durchforste ich das Neue Testament und einige andere Texte und stelle ein paar Betrachtungen über meine alte Weihnachtskrippe an.
Elfenschrift Nummer 40 ist die vorletzte Ausgabe des kleinen phantastischen Literaturmagazins. Das Heft steht diesmal unter dem Motto "Winterwunderland". Das Cover stammt von Miguel Worms, der als Elfenschrift-Coverkünstler schon einige Fußspuren hinterlassen hat, und stimmt schon einmal sehr winterwunderlich auf das Thema ein.
Die Elfenschrift kann zum Preis von 2,50 Euro (+ 1 Euro für Porto und Verpackung) auf der Seite www.elfenschrift.de bestellt werden. Weitere Infos zum Heft folgen.


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Herbstzauber & Halloween mit der Elfenschrift

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 30 August 2013 · 1.119 Aufrufe
Elfenschrift
Die neue Elfenschrift ist da. Wieder ist es ein liebevoll gestaltetes und lesenswertes Heft geworden, rappelvoll mit Geschichten und Berichten, Infos und wunderschönen Illustrationen. Elfenschrift Nummer 39 steht unter dem Motto "Herbstzauber und Halloween".
Von mir sind zwei Berichte - über das Nürnberger Autorentreffen und de Mainzer Minipressenmesse - enthalten. Außerdem freue ich mich darüber, dass Ulrike Stegemann meine beiden Anthologien "Autorenträume" und "Mit Klinge und Feder" vorstellt.
Ferner gibt es ein Interview mit Susanne Gerdom und Regina Mengel über "Qindie", das Portal für Qualität beim Selbst-Veröffentlichen, ein Interview mit Utz Anhalt über Wölfe und Menschen, Geschichten und Lyrik von Ursula Schmid-Spreer, Sabine Völkel, Katjana May, Bettina Schlemmer und Katja Leonhardt, Grafiken/Illustrationen/Fotos von Beatrix Seyfert, Merquana, Josy Kiekuth, Jan Hillen, Christel Scheja und Michael Stegemann sowie die Bücher Ecke und Ausschreibungstipps.

Elfenschrift Nummer 39 kostet 2,50 Euro (+ 1 Euro für Porto und Verpackung) und kann auf der Seite www.elfenschrift.de bestellt werden.




Die Ausschreibung für das nächste Heft:

Ausgabe 40 erscheint Anfang Dezember 2013
Thema: Winterwunderland

Die vorerst letzte Elfenschrift (im März 2014) rückt näher. Die nächste Ausgabe wird somit auch die vorerst letzte Dezember-Ausgabe sein. Aus diesem Anlass soll es dann passend zur Jahreszeit noch einmal richtig winterlich-weihnachtlich zugehen.

Wir freuen uns auf Eure Geschichten, Zeichnungen, Ideen und Anregungen unter dem Motto „Winterwunderland“. Noch einmal möchten wir gemeinsam mit Euch den Zauber von Eiskristallen, Schneegestöber und Glöckchenklingen erleben. Schreibt uns Eure Winterwunderland-Träume (Texte max. 8.000 Zeichen inkl. Leerzeichen als .doc oder .rtf) sowie Illustrationen (als .jpg) per Mail an info@elfenschrift.de.
Redaktionsschluss ist der 31. Oktober 2013.






Das intergalaktische Bestiarium, 2025

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Was verbirgt sich hinter dem Tor des Krkt-jinn und warum verliert der Planet Light Lady seine Schwerkraft? Kann die Heimat der Regenbogenkatzen noch gerettet werden? Gibt es das sagenhafte Tier der Unordnung wirklich? Sind die irrsinnigen Prophezeiungen über das Wiedererwachen des unheiligen Urgottes Chthonio möglicherweise doch ernst zu nehmen? Und ist wirklich jeder dem Tod geweiht, der der Wurzel allen Übels begegnet?

Das Universum hat viele Wunder hervorgebracht, aber keines ist größer als das Leben. Ein paar der ungewöhnlichsten Lebewesen aller Welten sind in diesem intergalaktischen Bestiarium zu finden. Thomas Hofmann und Petra Hartmann haben sie aufgespürt.

 

Buch-Infos:

Das intergalaktische Bestiarium. Text: Petra Hartmann / Zeichnungen: Thomas Hofmann. Neustadt in Sachsen: Edition Dunkelgestirn, Mai 2025. 180 Seiten.
Reichhaltig mit Illustrationen von Thomas Hofmann versehen, zu denen die Texte von Petra Hartmann verfasst wurden. Gebunden in blaues Leinen, mit Leseband, silberner Prägung auf dem Buchrücken und Schutzumschlag. Versehen mit den Signumklischees der Autoren, nummeriert und auf 100 Exemplare limitiert. 32,90 Euro.

 

 

 

Das Herz des Donnervogels, 2023

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Ein Indianer taucht in dem verschlafenen Küstenstädtchen Kitty Hawk auf. Die Witwe Murdoch ist überzeugt, dass der Fremde ein Kundschafter ist und bald seine roten Spießgesellen zum Morden und Plündern mitbringen wird. Doch Junger Adler hat andere Pläne. Er träumt vom Fliegen und wartet auf das Eintreffen zweier verrückter Fahrradhändler.
Karl-May-Fans kennen Junger Adler bereits aus dem Roman Winnetous Erben. Die Vorgeschichte zu diesem Buch wird nun von Petra Hartmann erzählt.

 

Buch-Infos:
Petra Hartmann: Das Herz des Donnervogels

Band 18, Abenteuer-Roman
Exklusive Sammler-Ausgabe
Seiten: 282

Taschenbuch
VÖ: April 2023

2. Auflage: April 2024.
Künstler: MtP-Art (Mario Heyer)
Künstler (Innenteil): MtP-Art (Mario Heyer)
Preis: 12,95 Euro

 

Bestellen beim Blitz-Verlag

 

Das E-Book ist zum Preis von Euro 3,99 erhältlich.

Unter anderem bei Amazon

oder direkt beim Blitz-Verlag.

 

 

 

Falkenblut, 2020

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Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen. Einzig Widar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus ...

Es ist eine schaurige Welt, in der sich die junge Walküre behaupten muss. Doch Valkrys wäre keine echte Falkin, wenn sie einem Kampf aus dem Weg gehen würde. Todesmutig und mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor stürzt sie sich in die Begegnungen mit Jöten, Thursen, Reifriesen, Seelenräuberinnen, Werwölfen, Berserkern, Hexen, Meerungeheuern und dem furchtbaren Totenschiff Naglfari.

 

 

Petra Hartmann: Falkenblut.

Sibbesse: Hottenstein, 2020.

Broschiert, 247 S., Euro 11.

ISBN 978-3935928991

 

Bestellen im Hottenstein-Verlags-Shop

 

Bestellbar unter anderem bei Amazon

Hörbuch: Drachen! Drachen! 2020

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Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen! Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren. Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist - und gelegentlich fies!

Die Autoren: Rainer Schorm, Achim Mehnert, Andrea Tillmanns, Malte S. Sembten, Frank G. Gerigk, Christel Scheja, Fiona Caspari, Hendrik Loy, Christiane Gref, Linda Budinger, Miriam Pharo, Carsten Steenbergen, Rebecca Hohlbein, Frank W. Haubold, Melanie Brosowski, Astrid Ann Jabusch, Thomas R. P. Mielke, Karsten Kruschel, Marc A. Herren, Petra Hartmann, Monika Niehaus, Uwe Post.

 

Herausgeber: Petra Hartmann, Frank G. Gerigk

Sprecher: Tim Schmidt

Blitz-Verlag

Ungekürzte Lesung

mp3-Download

611 Minuten, 495.91 MB

9783991093435

 

Zu bestellen unter anderem bei Thalia oder bei Amazon.

Nestis und die verbotene Welle, 2017

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Meerprinzessin Nestis und ihre Freunde sind sauer: Lehrer Seestern meint, dass laute Haifischmusik nichts für Kinder ist. Und der Kronrat stimmt ihm zu. Deshalb bekommt die Band »Ølpæst« Auftrittsverbot in der gesamten Nordsee. Doch plötzlich ist deren Musik überall zu hören: Ein Piratensender strahlt die Hits der Knorpelfischgang lautstark aus.

Als eine hochexplosive Kugelmine über dem blauen Glaspalast im Meer dümpelt und ein führungsloser Öltanker in die Nordsee einfährt, droht eine wirkliche Ölpest. Gelingt es den Meerkindern, ein Unglück zu verhindern?

 

Petra Hartmann: Nestis und die verbotene Welle. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Voraussichtlich ab Juni 2017 erhältlich.

Buch-Infos: ca. 152 Seiten, 14,2 x 20,6 cm, Hardcover, zahlreiche s/w-Illustrationen, mit Fadenheftung, Euro 14,90, ISBN 978-3-977066-00-1

 

Leseprobe

 

Bestellen beim Verlag Monika Fuchs.

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Demantin, 2016

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Demantin, der junge König von Antrium, liebt die griechische Königstochter Sirgamot. Doch ihr Vater ist strikt gegen die Hochzeit. Immerhin ist Sirgamot erst zwölf Jahre alt. So zieht Demantin in die Welt, um Ruhm zu erwerben, den Namen seiner Geliebten durch seine Taten zu verherrlichen und sich dem griechischen König als Schwiegersohn zu empfehlen. Er besteht heldenhafte Kämpfe, erwirbt sich die Freundschaft der Königin und des Königs von England und besiegt ein schauriges Meerweib. Letzteres allerdings erweist sich als verhängnisvoll. Denn die sterbende Unholdin verflucht Demantin und prophezeit, dass seine Geliebte mit dem üblen König Contriok verlobt werden soll. Kann Demantin noch rechtzeitig zurückkehren, um die Hochzeit zu verhindern?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Demantin. Ein Ritter-Epos
128 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 9-78-3-940078-34-6
8,95 EUR

 

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Leseprobe

 

Crane, 2016

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Gayol, der Sohn des ungarischen Königs, hat in jugendlichem Übermut den alten Hofmarschall seines Vaters zum Wettkampf herausgefordert und eine peinliche Niederlage erlitten. Aus Scham flüchtet er und gerät ins Reich des deutschen Kaisers, wo er unerkannt unter dem Namen Crane (Kranich) eine Stellung als Kämmerer annimmt und bald sehr beliebt ist. Doch als der Fremde und die Kaiserstochter einander näher kommen und Hofbeamten Unzucht und eine unstandesgemäße Liebschaft wittern, beginnt eine schwere Zeit für Königssohn und Kaiserstochter. Kann Gayol sich auf die Treue Acheloydes verlassen? Und kann die lebensbedrohliche Krankheit der Prinzessin noch geheilt werden?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Crane. Ein Ritter-Epos
84 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 978-3-940078-48-3
6,95 EUR

 

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Leseprobe

Hut ab, Hödeken! 2015

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Ein rasender Bischof auf dem Rennstieg.
Wegweiser, die sich wie von Geisterhand drehen.
Jäger in Todesangst.
Bierkutscher mit unheimlicher Fracht.
Ein stammelnder Mönch,
der plötzlich zum brillanten Redner wird.
Sollte da Hödeken seine Hand im Spiel haben?
Sagen um einen eigenwilligen Geist
aus dem Hildesheimer Land,
frisch und frech nacherzählt
von Petra Hartmann.

 

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken!

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs.

101 S., Euro 7,95.

ISBN 978-3-940078-37-7

 

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Leseprobe

Freiheitsschwingen, 2015

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Deutschland in den 1830er-Jahren: Für Handarbeit, arrangierte Ehe und Kinderkriegen hat die junge Bürgermeistertochter wenig übrig. Stattdessen interessiert sie sich für Politik und Literatur und greift sehr zum Leidwesen ihres Vaters selbst zur Feder, um flammende Texte für die Gleichberechtigung der Frau und die Abschaffung der Monarchie zu verfassen. Angestachelt von der revolutionären Stimmung des Hambacher Festes versucht sie, aus ihrem kleinbürgerlichen Dasein auszubrechen und sich als Journalistin zu behaupten. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe verschreibt sie sich dem Kampf für ein freies, geeintes Deutschland und schlägt den Zensurbehörden ein Schnippchen. Die Geheimpolizei ist ihnen jedoch dicht auf den Fersen, und die junge Journalistin begeht den verhängnisvollen Fehler, ihre Gegner zu unterschätzen

 

Petra Hartmann: Freiheitsschwingen

Personalisierter Roman

München: Verlag Personalnovel, 2015

ca. 198 Seiten. Ab Euro 24,95.

(Einband, Schriftart und -größe, Covergestaltung etc. nach Wahl.)

 

Bestellen unter:

www.tinyurl.com/Freiheitsschwingen

 

Timur, 2015

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Wer ist der bleiche Jüngling im Verlies unter der Klippenfestung? Prinzessin Thia will ihn retten. Doch wer Timurs Ketten bricht, ruft Tod und Verderben aus der Tiefe hervor. Als der Blutmond sich über den Horizont erhebt, fällt die Entscheidung ...

 

Beigaben:

Nachwort zur Entstehung

Original-Erzählung von Karoline von Günderrode

Autorinnenbiografien

Bibliografie

 

Petra Hartmann: Timur

Coverillustration: Miguel Worms

Bickenbach: Saphir im Stahl, 2015.

ISBN: 978-3-943948-54-7

Taschenbuch, 136 S.

Euro 9,95

 

 

Ulf, 2015

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Ein Roman-Experiment mit ungewissem Ausgang: Ulf (Magisterstudent unbekannter Fachrichtung), stammt aus einem Dorf, das mehrmals jährlich überschwemmt wird. Zusammen mit Pastor Dörmann (Geistlicher unbekannter Konfession) und Petra (Biografin ohne Auftrag) überlegt er, was man dagegen tun kann. Als ein vegetarisches Klavier die Tulpen des Gemeindedirektors frisst und das Jugendamt ein dunkeläugiges Flusskind abholen will, spitzt sich die Situation zu. Nein, Blutrache an Gartenzwergen und wütende Mistgabelattacken sind vermutlich nicht die richtigen Mittel im Kampf für einen Deich ...
Mal tiefgründig, mal sinnlos, etwas absurd, manchmal komisch, teilweise autobiografisch und oft völlig an den Haaren herbeigezogen. Ein Bildungs- und Schelmenroman aus einer Zeit, als der Euro noch DM und die Bahn noch Bundesbahn hieß und hannöversche Magister-Studenten mit dem Wort "Bologna" nur eine Spaghettisauce verbanden.

 

Petra Hartmann:

Ulf. Ein Roman-Experiment in zwölf Kapiteln.

eBook

Neobooks 2015

Euro 2,99

Erhältlich unter anderem bei Amazon

Vom Feuervogel, 2015

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Ein Tempel in der Wüste. Heilige Männer, die sich dem Dienst des Feuervogels geweiht haben. Ein Hirtenjunge, der seinem Traum folgt. Aber wird der alte und kranke Phönix wirklich zu neuem Leben wiederauferstehen, wenn der Holzstoß niedergebrannt ist? Eine Novelle von Idealen und einer Enttäuschung, die so tief ist, dass kein Sonnenstrahl je wieder Hoffnung bringen kann.

 

Petra Hartmann:

Vom Feuervogel. Novelle.

Erfurt: TES, 2015.

BunTES Abenteuer, Heft 30.

40 Seiten, Euro 2,50 (plus Porto).

Bestellen unter:

www.tes-erfurt.jimdo.com

 

eBook:

Neobooks, 2015.

Euro 1,99.

Unter anderem bei Amazon

Nestis und die Hafenpiraten, 2014

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Endlich Sommerferien! Nestis und ihre Freunde freuen sich auf sechs Wochen Freiheit und Abenteuer. Doch ausgerechnet jetzt verhängt der Kronrat ein striktes Ausgehverbot für alle Meerkinder. Denn in der Nordsee treibt plötzlich ein furchtbares “Phantom† sein Unwesen. Möwen, Lummen und Tordalke werden von einem unheimlichen Schatten unter Wasser gezerrt und verschwinden spurlos.

Nestis beschließt, den Entführer auf eigene Faust zu jagen. Als ein Dackel am Strand von Achterndiek verschwindet, scheint der Fall klar: Die gefürchteten “Hafenpiraten" müssen dahinter stecken. Zusammen mit ihrem Menschenfreund Tom wollen die Meerkinder der Bande das Handwerk legen ...

Petra Hartmann: Nestis und die Hafenpiraten
Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014
ISBN 978-3-940078-84-1
14,90 EUR

 

 

Leseprobe unter

 

www.tinyurl.com/nestis2

Blitzeis und Gänsebraten, 2014

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Weihnachten im Potte †¦

†¦ ist so vielfältig wie die Menschen, die dort leben. Und deshalb findet sich auf diesem Bunten Teller mit 24 Hildesheimer Weihnachtsgeschichten für jeden etwas: romantische Erzählungen und freche Gedichte, Erinnerungen an die Nachkriegszeit, Geschichten von neugierigen Engeln, eifrigen Wichteln und geplagten Weihnachtsmännern. Der Huckup und die »Hildesheimer Weisen« fehlen auch nicht. Was es aber mit dem Weihnachtswunder an der B6 auf sich hat, erfahren Sie auf Seite 117. - Greifen Sie zu!

 

 

Petra Hartmann & Monika Fuchs (Hrsg.): Blitzeis und Gänsebraten. Hildesheimer Weihnachtsgeschichten.

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

144 Seiten | 12 x 17 cm | Paperback |

ISBN 978-3-9400787-57-5
8,90 EUR

 

Leseprobe

Beim Vorderhuf meines Pferdes, 2014

Eingefügtes Bild

Das Messer zuckte vor. Fauchend wich die riesige Katze zurück. Doch nur, um sofort wieder anzugreifen. Das Mädchen, das auf dem Leichnam seiner Stute kauerte, schien verloren.
Acht Jahre ist Steppenprinzessin Ziris alt, als sie bei einem Sandkatzenangriff ihr Lieblingspferd verliert. Ist es wirklich wahr, was ihr Vater sagt? "Alle Pferde kommen in den Himmel ..."
Drei Erzählungen aus der Welt der Nearith über edle Steppenrenner, struppige Waldponys und die alte graue Stute aus Kindertagen.

Petra Hartmann: Beim Vorderhuf meines Pferdes. Neue Geschichten aus Movenna. eBook, ca. 30 Seiten. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014. Euro 0,99.

Erhältlich unter anderem bei Amazon.

Darthula, 2014

Eingefügtes Bild

Darthula ist die Tochter eines irischen Kleinkönigs, der über das nebelreiche Land Selama herrscht. Als schönste Prinzessin Irlands lebt sie allerdings nicht ungefährlich. Als sie den mächtigen König Cairbar abweist und ihm nicht als seine Braut folgen will, nimmt das Unheil seinen Lauf. Cairbar überzieht das kleine Selama mit Krieg und Vernichtung und rottet Darthulas Familie aus. Mit ihrem Geliebten Nathos wagt die junge Frau die Flucht über die stürmische See. Aber Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...

Beigaben zur Neuausgabe:
Vorwort der Autorin mit Infos zur Entstehungsgeschichte
Übersetzung des "ossianischen Originals"
Autorinnenbiographie und Veröffentlichungsliste

Buch-Informationen:
Petra Hartmann: Darthula, Tochter der Nebel.
Bickenbach: Verlag Saphir im Stahl, 2014.
Taschenbuch. 126 S., Euro 9,95.
ISBN 978-3-943948-25-7

Bestellen bei Saphir im Stahl

Pressearbeit für Autoren, 2014

Eingefügtes Bild

Petra Hartmann, Autorin und langjährige Lokalredakteurin, gibt Tipps für die Pressearbeit vor Ort. Sie erklärt die Wichtigkeit der „Ortsmarke“ für eine Zeitung, gibt Tipps zum Schreiben von Artikeln, zum guten Pressefoto und zum Umgang mit Journalisten. Anschaulich, verständlich, praxisorientiert und für Autoren jedes Genres anwendbar.

Petra Hartmann: Pressearbeit für Autoren. So kommt euer Buch in die Lokalzeitung.
eBook. Neobooks, 2014. Ca. 30 Seiten.
Euro 1,99
Diverse Formate, für alle gängigen eBook-Reader.
Erhältlich z.B. bei Amazon, eBook.de, Thalia, Hugendubel, Weltbild u.a.

Nestis und der Weihnachtssand, 2013

Eingefügtes Bild

Als kleine Weihnachtsüberraschung gibt es für Fans des "großen" Nestis-Buchs "Nestis und die verschwundene Seepocke" jetzt ein kleines bisschen Weihnachtssand: Der Verlag Monika Fuchs hat aus der "Ur-Nestis", einem Helgoland-Märchen aus dem Jahr 2007, jetzt ein eBook gemacht. Mit einem wunderschönen Cover von Olena Otto-Fradina und mit ein paar exklusiven Einblicken in Nestis' Nordseewelt.

Klappentext:
"November 2007: Orkantief Tilo tobt über die Nordsee und reißt große Teile der Helgoländer Düne ins Meer. Wer soll nun die Robbenküste reparieren? Meerjungfrau Nestis wünscht sich einfach mal vom Weihnachtsmann 500.000 Kubikmeter Sand ..."

Bonus-Material:
Die Autorin im Interview mit Wella Wellhorn von der Meereszeitung "Die Gezeiten"
XXL-Leseprobe aus "Nestis und de verschwundene Seepocke"

Petra Hartmann: Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013. 99 Cent.

Erhältlich für den Amazon-Kindle

Nestis und die verschwundene Seepocke, 2013

Eingefügtes Bild


Eine ausführliche Leseprobe findet ihr hier:
www.tinyurl.com/nestis


Wütend stampft Meerjungfrau Nestis mit der Schwanzflosse auf. Ihre Schwester Undine ist von den Menschen gefangen worden – und weder Meerkönig noch Kronrat wagen, die Kleine zu retten. Aber Nestis fürchtet sich nicht einmal vor den furchtbarsten Monstern des Meeres. Zusammen mit ihren Freunden bricht sie auf zur Rettungsaktion, und es zeigt sich, dass tollpatschige Riesenkraken und bruchrechnende Zitteraale großartige Verbündete sind.
Petra Hartmann entführt ihre Leser in eine etwas andere Unterwasserwelt mit viel Humor und Liebe zum Detail. Trotz des phantastischen Meermädchen-Themas findet der Leser auch sehr viel naturnahe Beobachtungen aus Nord- und Ostsee, lernt die Meerbewohner und ihre Probleme kennen. Dabei werden unter anderem auch die Meeresverschmutzung, Fischerei und die wenig artgerechte Haltung von Haien in Aquarien behandelt.
Zauberhaft dazu die Zeichnungen von Olena Otto-Fradina.

Text: Petra Hartmann
Bilder: Olena Otto-Fradina
| Hardcover | 14,8 x 21 cm
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2013
151 S., Euro 14,90
ISBN 978-3-940078-64-3


eBook:
Amazon-Kindle, 2154 KB
Euro 6,99
http://amzn.to/JJqB0b

Autorenträume, 2013

Eingefügtes Bild


Autorinnen und Autoren schicken ihre Leser in vergangene Zeiten, ferne Länder, phantastische Welten, spannende Abenteuer und bringen sie zum Träumen.
Wovon aber träumen Autoren? Vom Nobelpreis? Vom Bestseller? Vom Reich-und-berühmt-werden? Oder einfach nur davon, eines Tages vom Schreiben leben zu können? Vom Lächeln auf dem Gesicht eines Kindes, wenn das neue Märchen vorgelesen wird? Oder sind es schreckliche Albträume, die der angebliche Traumberuf mit sich bringt? Werden Schriftsteller nachts im Schlaf gar von Verlegern, Lektoren, Rezensenten oder Finanzbeamten bedroht?
Monika Fuchs und Petra Hartmann starteten eine »literarische Umfrage«, wählten aus den über 300 Antworten 57 phantasievolle Beiträge aus und stellten sie zu diesem Lesebuch zusammen. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen des Autorenalltags und träumen Sie mit!
Von jedem verkauften Buch wird 1 Euro an das Hilfswerk Brot & Bücher e.V. der Autorin Tanja Kinkel gespendet, die auch das Geleitwort zum Buch schrieb.

Petra Hartmann und Monika Fuchs (Hrsg.):
Autorenträume. Ein Lesebuch.
ISBN 978-3-940078-53-7
333 S., Euro 16,90

Bestellen beim Verlag Monika Fuchs

Mit Klinge und Feder, 2013

Eingefügtes Bild


Phantasie statt Völkerschlachten - das war das Motto, unter dem die Phantastik Girls zur Schreibfeder griffen. Mit Humor, Gewitztheit und ungewöhnlichen Einfällen erzählen sieben Autorinnen ihre Geschichten jenseits des Mainstreams der Fantasy. Kriegerinnen und gut bewaffnete Zwerge gehören dabei genau so zum Personal wie sprechende Straßenlaternen, Betonfresser oder skurrile alte Damen, die im Bus Anspruch auf einen Behindertensitzplatz erheben. Dass es dennoch nicht ohne Blutvergießen abgeht, ist garantiert: Immerhin stecken in jeder der Storys sechs Liter Herzblut. Mindestens.

Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns.
Mit Geschichten von Linda Budinger, Charlotte Engmann, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl.
Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. 978-3943378078
247 S., Euro 9.
Bestellen bei Amazon

eBook:
396 KB, Euro 5,49.
Format: Kindle
Bestellen bei Amazon

Das Serum des Doctor Nikola, 2013

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Berlin, 1927. Arbeitslos, pleite und mit der Miete im Rückstand: Bankierssohn Felix Pechstein ist nach dem "Schwarzen Freitag" der Berliner Börse ganz unten angekommen. Da erscheint das Angebot, in die Dienste eines fremden Geschäftsmannes zu treten, eigentlich als Geschenk des Himmels. Doch dieser Doctor Nikola ist ihm mehr als unheimlich. Vor allem, als Felix den Auftrag erhält, Nikola zu bestehlen ...

Petra Hartmann: Das Serum des Doctor Nikola
Historischer Abenteuerroman.
ISBN 978-3-938065-92-1
190 S., 12,95 Euro.
Bestellen beim Wurdack-Verlag

Leseprobe

Hörbuch: Der Fels der schwarzen Götter, 2012

Eingefügtes Bild

Bei einer Mutprobe begeht der junge Ask einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat.
Bald wissen die Völker des Berglandes nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...

Der Fels der schwarzen Götter.
Hörbuch. 8 Stunden, 57 Minuten.
Sprecherin: Resi Heitwerth.
Musik: Florian Schober.
Action-Verlag, 2012.
CD/DVD: 16,95 Euro
mp3-Download: 11,95 Euro

Hörbuchfassung des 2010 im Wurdackverlag erschienenen Buchs "Der Fels der schwarzen Götter".

Termine

Messen, Cons, Büchertische

 

Samstag, 25. April: Marburg-ConBürgerhaus Weimar (Lahn) - Niederweimar, Herborner Straße 36, 35096 Niederweimar. Beginn: 10 Uhr. Büchertisch ist angefragt.

 

Donnerstag, 14. Mai, bis Sonntag, 17. Mai: Elze im Wunderland. Büchertage des Autorenkreises „Wort für Wort“ und des Hottenstein Buchverlags. Ich bin mit einer Lesung aus "Falkenblut" und einem Büchertisch vertreten. Datum und Uhrzeit folgen.

Neueste Einträge

Links

Meine Heimseite:

www.petrahartmann.de

 

Facebook-Autorenseite:

www.facebook.com/AutorinPetraHartmann/

 

Nestis auf Facebook:

www.facebook.com/nestis.net/

 

Die Falkin auf Facebook:

https://www.facebook.com/FalkinValkrys

 

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Biografie

Petra Hartmann, Jahrgang 1970, wurde in Hildesheim geboren und wohnt in Sillium. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Hannover. Auf den Magisterabschluss folgten die Promotion mit einer Doktorarbeit über den jungdeutschen Schriftsteller Theodor Mundt und ein zweijähriges Volontariat bei der Neuen Deister-Zeitung in Springe. Anschließend war sie dort fünf Jahre Lokalredakteurin. Ferner arbeitete sie für die Leine-Zeitung in Neustadt am Rübenberge, die Nordsee-Zeitung in Bremerhaven, die Neue Presse in Hannover und die Volksstimme in Gardelegen. Derzeit ist sie bei der Goslarschen Zeitung beschäftigt.
Als Schriftstellerin liebt sie vor allem das fantastische Genre. Sie verfasst hauptsächlich Fantasy und Märchen. Bekannt wurde sie mit ihren Fantasy-Romanen aus der Welt Movenna. Mit den Abenteuern der Nordsee-Nixe Nestis legte sie ihre erste Kinderserie vor. Sie errang mit ihren Geschichten dreimal den dritten Platz bei der Storyolympiade und wurde 2008 mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichnet.

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Leserunden zum Nachlesen

Leserunde zu "Darthula, Tochter der Nebel" auf Lovelybooks. Mit Autorin Petra Hartmann und Cover-Künstler Miguel Worms: http://www.lovelyboo...nde/1201913120/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Nestis und die verschwundene Seepocke": Mit Autorin Petra Hartmann und Verlegerin Monika Fuchs:

http://www.lovelyboo...nde/1166725813/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Mit Klinge und Feder": Mit den Autorinnen Linda Budinger, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl: http://www.lovelyboo...nde/1156671163/

 

Leserunde zu "Falkenblut" auf Lovelybooks: https://www.lovelybo...263/2687604262/

Geschichten über Nestis

Bücher
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

"Nestis und die verbotene Welle. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2017.

 

Mini-Buch

"Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2017.

eBooks
"Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.

"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

Hörbuch
"Eine Hand voll Weihnachtssand." In: Petra Hartmann: "Weihnachten im Schneeland". Gelesen von Karin Sünder. Mit Musik von Simon Daum. Essen: Action-Verlag, 2010. (mp3-Download und CD-ROM)

Beiträge zu Anthologien
"Weihnachtssand für Helgoland." In: "Wenn die Biiken brennen. Phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein." Hrsg. v. Bartholomäus Figatowski. Plön: Verlag 71, 2009. S. 163-174.

Hödeken-Lesestoff

Buch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. 101 S., Euro 7,95. ISBN 978-3-940078-37-7. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

 

Hörbuch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. 2 CD. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Euro 14,95. ISBN: 978-3940078414. Unter anderen erhältlich bei Amazon.

 

eBook

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs.

 

Geschichten

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg. In: Hildesheimliche Autoren e.V.: Hildesheimer Geschichte(n). Ein Beitrag zum 1200-jährigen Stadtjubiläum. Norderstedt: Book on Demand. 196 S., Euro 9,99. ISBN 978-3734752698. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

Die glücklose Hasenjagd. In: MVP-M. Magazin des Marburger Vereins für Phantastik. Marburg-Con-Ausgabe. Nr. 19b. S. 36-40.

 

Lesung

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg, Radio Tonkuhle, Sendung vom April 2015.

 

Movenna-Kompass

Übersicht über die Romane und Erzählungen aus Movenna


Bücher

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2004. 164 S.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2007. 188 S.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2010. 240 S.

 

eBooks

 

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Beim Vorderhuf meines Pferdes. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Hörbuch

Der Fels der schwarzen Götter. Action-Verlag, 2012.


Movennische Geschichten in Anthologien und Zeitschriften

Die Krone Eirikirs. In: Traumpfade (Anthologie zur Story-Olympiade 2000). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2001. S. 18-25.
Flarics Hexen. In: Geschöpfe der Dunkelheit (Anthologie zur Story-Olympiade 2001). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2002. S. 22-28.
Raubwürger. In: Kurzgeschichten, September 2004, S. 20f.
Furunkula Warzenkraish. Elfenschrift, dritter Jahrgang, Heft 2, Juni 2006. S. 10-14.
Der Leuchtturm am Rande der Welt. In: Elfenschrift, vierter Jahrgang, Heft März 2007, S. 18-21.
Gewitternacht. In: Im Bann des Nachtwaldes. Hrsg. v. Felix Woitkowski. Lerato-Verlag, 2007. S. 57-60.
Pfefferkuchen. In: Das ist unser Ernst! Hrsg. v. Martin Witzgall. München: WortKuss Verlag, 2010. S. 77-79.
Winter-Sonnenwende. In: Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns. Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. S. 51-59.
Der Reiter auf dem schwarzen Pferd. Ebd. S. 60-68.

Die Blaubeerbrücke. In: Met-Magie. Hrsg. v. Amandara M. Schulzke und Nadine Muriel. Hamburg: Acabus Verlag, 2022. S. 163-174.

 

 

Movennische Geschichten in Fanzines

Föj lächelt. In: Alraunenwurz. Legendensänger-Edition Band 118. November 2004. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 23.
Raubwürger. In: Drachenelfen. Legendensänger-Edition Band 130. Januar 2006. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 3-5.
Goldauge. In Phantastische Geschichten mit den Phantastik Girls. (Broschüre der Phantastik Girls zum MarburgCon 2007)


Aufsätze

Wie kann man nur Varelian heißen? Über das Unbehagen an der Namensgebung in der Fantasy. In: Elfenschrift, 5. Jahrgang, März 2008. S. 16f.


Movennische Texte online

Aus "Geschichten aus Movenna":
König Surbolds Grab
Das letzte Glied der Kette
Brief des Dichters Gulltong
Der Kranich
Die Rückkehr des Kranichs

Aus "Ein Prinz für Movenna":
Der Leuchtturm am Rand der Welt
Furunkula Warzenkraish
Gewitternacht

Aus "Der Fels der schwarzen Götter":
Der Waldalte
Hölzerne Pranken
Im Bann der Eisdämonen

Die Bibliothek der Falkin

Übersicht über die Romane und Novellen über die Walküre Valkrys, genannt "die Falkin"

Bücher

Die letzte Falkin. Heftroman. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2010.
Falkenblut. Sibbesse: Hottenstein-Verlag, Sommer 2020.

eBooks

Falkenblut. Vier Fantasy-Romane. eBook-Ausgabe. Chichili und Satzweiss.com, 2012. (vergriffen)

Falkenfrühling. Novelle. eBook. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2011. (vergriffen)

Falkenfrühling. Novelle. In: Best of electronic publishing. Anthologie zum 1. Deutschen eBook-Preis 2011. eBook. Chichili und Satzweiss.com, 2011. (unter anderem erhältlich bei Thalia und Amazon)


Aufsatz

Aegirs Flotte - ein Nachruf. In: Fandom Observer, Dezember 2011. S. 16-18. Online-Magazin und Blogversion

Drachen! Drachen! 2012

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Frank G. Gerigk & Petra Hartmann (Hrsg.)
DRACHEN! DRACHEN!
Band 01, Drachen-Anthologie
ISBN: 978-3-89840-339-9
Seiten: 384 Taschenbuch
Grafiker: Mark Freier
Innengrafiker: Mark Freier
Preis: 14,95 €
Bestellen beim Blitz-Verlag

Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen! Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren.
Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist - und gelegentlich fies!

Die Autoren:
Rainer Schorm, Achim Mehnert, Andrea Tillmanns, Malte S. Sembten, Frank G. Gerigk, Christel Scheja, Fiona Caspari, Hendrik Loy, Christiane Gref, Linda Budinger, Miriam Pharo, Carsten Steenbergen, Rebecca Hohlbein, Frank W. Haubold, Melanie Brosowski, Astrid Ann Jabusch, Thomas R. P. Mielke, Karsten Kruschel, Marc A. Herren, Petra Hartmann, Monika Niehaus, Uwe Post.
Originalveröffentlichung!

Die Schlagzeile, 2011/2012

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Petra Hartmann: Die Schlagzeile.
Personalisierbarer Roman.
PersonalNovel Verlag, 2011.
eBook: PersonalNovel, 2012.
Personalisieren und bestellen

Verschlafen und idyllisch liegen sie da, die Orte Barkhenburg, Kleinweltwinkel und Reubenhausen. Doch dann stört der Diebstahl einer Heiligenfigur die Ruhe: Ein jahrhundertealter Hass bricht wieder aus und ein hitziger Streit entflammt, der aus Freunden Feinde und aus friedlichen Nachbarn sich prügelnde Gegner macht. Mittendrin: Eine Journalistin, die bereit ist, für eine Schlagzeile im Sommerloch alles zu geben. Mit viel Einsatz und einer Prise Humor versucht sie, das Geheimnis um die verschwundene Hubertus-Statue aufzuklären, und muss sich dabei mit erregten Politikern, aufgebrachten Dorfbewohnern und einem nervösen Chefredakteur herumschlagen. Aber die Journalistin lässt sich nicht unterkriegen - bis ihr ein Anruf fünf Minuten vor Redaktionsschluss die Schlagzeile zunichtemacht...

Falkenblut, 2012

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Petra Hartmann: Falkenblut.
Vier Romane in einem Band.
E-Book
Satzweiss.com - chichili agency, 2012.
3,99 Euro

 

Nicht mehr lieferbar!

Neuausgabe in Vorbereitung.


Die Abenteuer der jungen Walküre Valkrys beginnen an ihrem ersten Arbeitstag und ausgerechnet dort, wo die germanischen Götter- und Heldensagen enden: Ragnarök, die Endzeitschlacht, ist geschlagen, Götter und Riesen haben sich gegenseitig aufgerieben, die wenigen Überlebenden irren ziellos durch die Trümmer des zerbrochenen Midgard. An der Seite des neuen Götterkönigs Widar muss sich Valkrys nun behaupten. Dabei trifft sie auf Jöten, Thursen, Reifriesen, Seelenräuberinnen, Werwölfe, Berserker, Hexen, riesenhafte Meerungeheuer und das furchtbare Totenschiff Naglfari. Leseempfehlung ab 12 Jahren.

Meine Bücher 1998 - 2011

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Petra Hartmann
Falkenfrühling
eBook
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN: 978-3-939139-59-1

Wegen Verkauf des Arcanum-Verlags ist die Ausgabe nicht mehr erhältlich, aber die Zweitveröffentlichung in der eBook-Anthologie "Best of electronic publishing" gibt es noch als epub oder Kindle-Ausgabe.

Valkrys träumt davon, eine echte Walküre zu sein. Sie springt, noch Kind, vom Dach des Langhauses.
Alle Ermahnungen ihrer Eltern sind vergeblich, sie macht sich an den Aufstieg zum Gipfel der nahen Klippe, besessen vom "Traum vom Fliegen" ...

Fünfter Platz beim Deutschen eBook-Preis 2011.

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Petra Hartmann
Die letzte Falkin
Roman.
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-62-1
Bestellen beim Arcanum-Verlag

Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen. Einzig Vidar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus †¦


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Petra Hartmann
Der Fels der schwarzen Götter
Roman
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-64-8
Bestellen beim Wurdack-Verlag


Hochaufragende Felswände, darin eingemeißelt weit über tausend furchteinflößende Fratzen, die drohend nach Norden blicken: Einer Legende zufolge sind die schwarzen Klippen das letzte Bollwerk Movennas gegen die Eisdämonen aus dem Gletscherreich.
Doch dann begeht der junge Ask bei einer Mutprobe einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat. Und die Völker des Berglandes wissen bald nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...


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Petra Hartmann
Darthula
Heftroman
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-32-4
Bestellen beim Arcanum-Verlag


Darthula, die schönste Prinzessin der Nebellande, beschwört Krieg, Tod und Vernichtung über ihr heimatliches Selama herauf, als sie den Heiratsantrag des mächtigen Königs Cairbar ausschlägt. Zusammen mit ihrem Geliebten flüchtet sie in einem kleinen Segelboot übers Meer. Doch Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...


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Petra Hartmann
Weihnachten im Schneeland
Hörbuch
Action-Verlag
Download bei Audible
CD bestellen beim Action-Verlag

WEIHNACHTEN IM SCHNEELAND von Petra Hartmann vereint vier wundervolle Kurzgeschichten für Kinder ab 6 Jahren. Schon die Titel regen die Phantasie der Kleinen an und verleiten zum Schmunzeln und Staunen:
- "Der Reserve-Weihnachtsmann"
- "Die Weihnachts-Eisenbahn"
- "Eine Handvoll Weihnachtssand"
- "Paulchen mit den blauen Augen"



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Petra Hartmann
Ein Prinz für Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-24-9
Bestellen

Mit dem Schild oder auf dem Schild
- als Sieger sollst du heimkehren oder tot.
So verlangt es der Ehrenkodex des heldenhaften Orh Jonoth. Doch der letzte Befehl seines sterbenden Königs bricht mit aller Kriegerehre und Tradition: "Flieh vor den Fremden, rette den Prinzen und bring ihn auf die Kiesinsel." Während das Land Movenna hinter Orh Jonoth in Schlachtenlärm und Chaos versinkt, muss er den Gefahren des Westmeers ins Auge blicken: Seestürmen, Riesenkraken, Piraten, stinkenden Babywindeln und der mörderischen Seekrankheit ....


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Petra Hartmann
Geschichten aus Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-00-1
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Verwünschte Hexen!
Warum zum Henker muß König Jurtak auch ausgerechnet seinen Sinn für Traditionen entdecken?
Seit Jahrhunderten wird der Kronprinz des Landes Movenna zu einem der alten Kräuterweiber in die Lehre gegeben, und der Eroberer Jurtak legt zum Leidwesen seines Sohnes großen Wert auf die alten Sitten und Gebräuche. Für den jungen Ardua beginnt eine harte Lehrzeit, denn die eigenwillige Lournu ist in ihren Lektionen alles andere als zimperlich ...


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Wovon träumt der Mond?
Hrsg. v. Petra Hartmann & Judith Ott
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-37-2
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Der Mond - König der Nacht und gleichsam Verbündeter von Gut und Böse ... Seit jeher ranken sich Legenden voller Glauben und Aberglauben um sein Licht, das von den einen als romantisch verehrt und von den anderen als unheimlich gefürchtet wird. Seine Phasen stehen für das Werden und Vergehen allen Lebens, er wacht über die Liebenden, empfängt die Botschaften der Suchenden, Einsamen und Verzweifelten und erhellt so einiges, was lieber im Dunkeln geblieben wäre. 39 Autorinnen und Autoren im Alter von 12 bis 87 Jahren sind unserem nächtlichen Begleiter auf der Spur gewesen. In 42 erfrischend komischen, zutiefst nachdenklichen und manchmal zu Tränen rührenden Geschichten erzählen sie die Abenteuer von Göttin Luna und Onkel Mond, von erfüllten und verlorenen Träumen, lassen Perlmuttschmetterlinge fliegen und Mondkälber aufmarschieren. Und wer denkt, dass nur der Mann im Mond zuweilen die Erde besucht, irrt sich! Auch umgekehrt erhält er gelegentlich unverhofften Besuch dort oben.


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Drachenstarker Feenzauber
Herausgegeben von Petra Hartmann
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-28-0
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Öko-Feen, Büro-Feen, Todes-Feen und Bahn-Feen, geschäftstüchtige Drachen, goldzahnige Trolle, Sockenmonster, verzauberte Kühlschränke, Bierhexen, Zwirrrrrle, Familienschutzengel, Lügenschmiede, ehrliche Anwälte, verarmte Zahnärzte und andere Märchenwesen geben sich in diesem Buch ein Stelldichein.
51 Märchenerzähler im Alter von zwölf bis 76 Jahren haben die Federn gespitzt und schufen klassische und moderne Märchen, lustige, melancholische, weise und bitterböse Erzählungen, so bunt wie das Leben und so unvergesslich wie das Passwort eines verhexten Buchhalters.


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Zwischen Barrikade, Burgtheater und Beamtenpension.
Die jungdeutschen Autoren nach 1835.
ibidem-Verlag
ISBN 978-3-89821-958-7
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"Das Junge Deutschland“ - dieser Begriff ist untrennbar verbunden mit dem Bundestagsbeschluss vom 10. Dezember 1835, durch den die Werke der fünf Schriftsteller Heinrich Heine, Theodor Mundt, Karl Gutzkow, Ludolf Wienbarg und Heinrich Laube verboten wurden. Das Verbot markierte Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt einer literarischen Bewegung, die erst wenige Jahre davor begonnen hatte. Die Wege der Autoren trennten sich. Und doch gab es auch danach immer wieder Begegnungen und Berührungspunkte.
Petra Hartmann zeichnet die Wege der Verbotenen und ihrer Verbündeten nach und arbeitet Schnittstellen in den Werken der alt gewordenen Jungdeutschen heraus. Sie schildert insbesondere die Erfahrungen der Autoren auf der Insel Helgoland, ihre Rolle in der Revolution von 1848, aber auch die Versuche der ehemaligen Prosa-Schriftsteller, sich als Dramatiker zu etablieren. Irgendwo zwischen Anpassung und fortwährender Rebellion mussten die Autoren ihr neues Auskommen suchen, endeten als gescheiterte Existenzen im Irrenhaus oder als etablierte Literaten, die doch körperlich und seelisch den Schock von 1835 nie ganz verwunden hatten, sie leiteten angesehene Theater oder passten sich an und gerieten nach Jahren unter strenger Sonderzensur beim Publikum in Vergessenheit. Die vorliegende Untersuchung zeigt, was aus den Idealen von 1835 wurde, wie vollkommen neue Ideen - etwa die Debatte um Armut und Bildung - in den Werken der Jungdeutschen auftauchten und wie die Autoren bis zum Ende versuchten, ihr „Markenzeichen“ - ihren Stil - zu bewahren.


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Von Zukunft trunken und keiner Gegenwart voll
Theodor Mundts literarische Entwicklung vom Buch der Bewegung zum historischen Roman
Aisthesis-Verlag
ISBN: 3-89528-390-8
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Theodor Mundt - Schriftsteller, Zeitschriftenherausgeber, Literaturwissenschaftler und Historiker - verdankt seinen Platz in der Literaturgeschichte vor allem dem Umstand, daß seine Veröffentlichungen am 10. Dezember 1835 verboten wurden. Das vom deutschen Bundestag ausgesprochene Verbot, das sich gegen die vermeintlichen Wortführer des "Jungen Deutschland", Heine, Gutzkow, Laube, Wienbarg und eben Theodor Mundt richtete, war vermutlich die entscheidende Zäsur in den literarischen Karrieren aller Betroffenen. Daß sie mit dem schon berühmten Heinrich Heine in einem Atemzug genannt und verboten wurden, machte die noch jungen Autoren Gutzkow, Laube, Mundt und Wienbarg für ein größeres Publikum interessant. Doch während Gutzkow und auch Laube im literarischen Bewußtsein präsent blieben, brach das Interesse an Mundt und seinen Werken schon bald nach dem Verbot fast gänzlich ab. Seine weitere Entwicklung bis zu seinem Tod im Jahr 1861 wurde von der Literaturwissenschaft bislang so gut wie vollständig ignoriert. Diese Lücke wird durch die vorliegende Studie geschlossen. Nachgezeichnet wird der Weg von den frühen Zeitromanen des jungen Mundt bis hin zu den historischen Romanen seines Spätwerks.


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Faust und Don Juan. Ein Verschmelzungsprozeß,
dargestellt anhand der Autoren Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt
ibidem-Verlag
ISBN 3-932602-29-3
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"Faust und Don Juan sind die Gipfel der modernen christlich-poetischen Mythologie", schrieb Franz Horn bereits 1805 und stellte erstmalig beide Figuren, speziell den Faust Goethes und den Don Giovanni Mozarts, einander gegenüber. In den Jahren darauf immer wieder als polar entgegengesetzte Gestalten aufgefaßt, treten Faust und Don Juan in den unterschiedlichsten Werken der Literaturgeschichte auf.

Bei Lenau sind sie Helden zweier parallel aufgebauter Versepen, bei Grabbe begegnen sie sich auf der Bühne und gehen gemeinsam zugrunde. Theodor Mundt stellt als Lebensmaxime auf, man solle beides, Faust und Don Juan, in einer Person sein und beide in sich versöhnen.

Anhand der Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt zeichnet Petra Hartmann die Biographien Fausts und Don Juans in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach, einer Zeit, die beide Helden stark prägte und auch für heutige Bearbeitungen beider Stoffe grundlegend ist."

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