Autorentreffen in Nürnberg 2026
Unterwegs Nürnberger Autorentreffen
Das Nürnberger Autorentreffen ist eine lieb gewordene Tradition, die ich nicht missen möchte. Dieses Jahr war ein runder Geburtstag zu feiern: Es war das 20. Mal, dass ich mir den kleinen Motivationsschub abholen konnte. Wobei es diesmal einen Traditionsbruch gab: Statt am Himmelfahrtsdonnerstag trafen wir uns bereits am ersten Mai. Ursache war eine Großveranstaltung an Himmelfahrt, durch die die Hotelzimmer knapp und teuer wurden, wie Organisator Michael Kress informierte. Eine unschöne Begleiterscheinung war allerdings, dass es aufgrund des früheren Termins deutlich kälter war, als ich im Auto auf einer Autobahnraststätte übernachtete. Nun gut, ich habe es überlebt.
Bevor ich etwas zum Treffen selbst schreibe, lasst mich an dieser Stelle kurz ein Loblied auf das Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg anstimmen. Hier hatte ich ein Zimmer für die Nacht vom 1. auf den 2. Mai gebucht. Die superfreundlichen Mitarbeiter machten es nicht nur möglich, dass ich am Anreisetag bereits um 8 Uhr morgens meinen Schlüssel bekommen konnte, nein, ich durfte sogar schon zu diesem Zeitpunkt das Zimmer betreten und die Dusche nutzen. Ich hätte auch noch am Frühstück teilnehmen können, hatte mir aber leider im Morgengrauen auf der Raststätte etwas Ungesundes zugeführt. Aber am nächsten Morgen genoss ich das Frühstücksbüfett umso mehr.
Um 9.30 Uhr begann schräg gegenüber das Treffen. Gleich zu Beginn gab es ein überraschendes Wiedersehen mit Ursula Schmid-Spreer, die seinerzeit das Autorentreffen begründet und Titus Müller aus Dauerreferenten gewonnen hatte. Ursula war Ehrengast und sprühte vor literarischen Plänen. Auf zwei Bücher, die sie in der Pipeline hat, freue ich mich schon. Sie war nicht das einzige Mitglied der "Mörderischen Schwestern", das ich an diesem Morgen traf. Gleich darauf kam mir Rosemarie Benke-Bursian entgegen. Als Michael Kress die Bücherkasse des Vertrauens vorstellte, meinte er mit einem Augenzwinkern: "Wir setzen auf eure Ehrlichkeit - wir sind hier ja nicht bei den Mörderischen Schwestern ..."
Was ist meine Erzählstimme?
Die erste Referentin war Stefanie Hohn / Stefanie H. Martin, die uns etwas über das Thema "Erzählstimme" verriet. Wie klingt ein Text? Was gibt ihm Wärme, Persönlichkeit, Individualität? Stefanie unterschied zwischen Autorenstimme, Erzählstimme und Figurenstimme, wobei in den Chor auch noch die innere Stimme des Lesers mit eintritt. Sie sprach über das, was das Wesen und die Gedankenwelt der Hauptfigur ausmacht, und darüber, dass ein Autor Empathie für deren Glaubenssätze und ihre "inneren Monster" entwickeln müsse. Ein zentraler Begriff in ihrem Vortrag war "Haltung". Die innere Haltung des Autors zu seinen Figuren sei gewissermaßen der Atem für deren Stimme. Schreiben heiße dabei auch immer, sich selbst zu begegnen, sich den eigenen Gefühlen und Ängsten zu stellen. "Was ist dein Warum?", fragte sie. "Was ist das zentrale Thema, der Kern deiner Geschichte? Und welche Haltung dazu nimmt seine Erzählstimme ein?" Wer derart persönlich in seinem Roman vorhanden sei, dessen Geschichte sei authentisch und glaubwürdig - und ein solcher Autor müsse auch die vermeintliche Konkurrenz der KI nicht fürchten. Authentizität könne die Maschine nicht kopieren, genau diese echten Gefühle und die Haltung seien es, was einen Autor ausmache.
Spannendes Nudelgericht
Titus Müller eröffnete seinen Vortrag im Anschluss daran mit dem Satz: "So, das war das Fünf-Gänge-Menü - jetzt kommen die Nudeln." Die Nudeln - das war ein Beitrag über "Szenen im Roman", Titus ging der Frage nach, wie die Spannung in die Szenen kommt, was Situationen lebendig und anschaulich macht und wie Autor und Leser tiefer in die Schilderung eintauchen. Ein Beispiel für Anschaulichkeit: Eine Frau kommt die Straße entlang - mit einem Hund." Einfach nur ein Satz. Aber was ist das für ein Hund? Ein Dackel? Ein Dalmatiner? Ein Pudel? Einfach mal die verschiedenen Rassen einsetzen: "Und jedes Mal, wenn sich ihr Hund verändert, verändert sich auch das Bild der Frau." Titus: "Das Konkrete ist der Motor, das Abstrakte haben wir im Kofferraum."
Ein Ratschlag für Autoren: Einfach mal Hören und Sehen hinten anstellen und die Geräusche schildern, die über der Szene liegen. Gerade das Olfaktorische nehmen Menschen viel intensiver wahr als das, was ihnen vor Augen liegt.
In jede Szene gehöre ein Konflikt. Und man solle sich fragen: "Was tut am meisten weh?" Titus will, dass seine Leser weinen. Und noch ein Trost für diejenigen, die immer weiter an ihren Romanen herumdoktern: "Wenn es gut geht, kann jeder schreiben, aber eine kränkelnde Geschichte zu untersuchen und dann weiter zu machen, das macht den Schriftsteller aus."
Offen blieb eine Frage, die ich angesichts der vielen Tipps zur Spannung hatte: Ja, die Romane sind schneller geworden, wir haben heute nicht mehr die Geduld, uns durch seitenlange Schilderungen hindurchzulesen wie etwa bei Enid Blyton, die im ersten Drittel eines jeden Fünf-Freunde-Abenteuers erstmal ausführlich schilderte, wie die Kinder aus den Ferien zurückkommen, einen Ausflug machen, picknicken ... Aber: Gibt es in unserer schnelllebigen, hektischen Zeit zwischen kurz geschnittenen "Reels" und winzigen Informationsschnipseln und all der Hektik nicht irgendwo das Bedürfnis nach Entschleunigung, nach Langsamkeit, nach allmählich voranschreitenden und sich entwickelnden Geschichten? Zeichnet sich nicht irgendwo auch ein Trend nach wohltuender Entschleunigung ab? Ich jedenfalls werde manchmal schon aggressiv, wenn ich in einem Roman von Cliffhanger zu Cliffhanger gehetzt werde und beim Lesen das Gefühl habe, vor einem Fernseher zu sitzen - und jemand anderer hat die Fernbedienung in der Hand. Titus meinte, die Frage müsse er wohl offen lassen. Ohne Spannung wolle er jedenfalls nicht schreiben. Aber seine Frau lese gerade "Heidi" und habe ihm erzählt: "Da passiert ja überhaupt nichts" - und das klang nicht frustriert. (Ich habe übrigens gerade "Bambi" gelesen.)
Ernüchternde Zahlen: Wie tickt der Buchmarkt?
Elisabeth Botros, die Dritte im Bunde, hat zehn Jahre lang für eine literarische Agentur gearbeitet und ist jetzt Lektorin. Sie hatte einige ernüchternde Zahlen mitgebracht. Unter anderem berichtete sie davon, dass die Zahl der Neuerscheinungen gesunken ist. Gab es im Jahr 2019 noch 70.000 Erstauflagen, so waren es 2025 nur noch 58.000. In den Bestsellerlisten sehe man fast nur noch "alte Bekannte".
"Wie viel Mut ist da noch?", fragte sie angesichts der Schwierigkeiten, "neue Namen" überhaupt auf dem Markt zu etablieren. Etwa 80 Prozent der Bücher würden den gezahlten Vorschuss nicht einspielen, sagte sie. Nicht schön. Zumal ein Großteil der deutschen Neuerscheinungen Titel sind, die aus anderen Sprachen übersetzt wurden und im Original bereits erfolgreich waren. Was läuft gut? Romantasy, Thriller, Küstenkrimis, regionale Krimis, New Adult, Cozy Fantasy, Dark Academia und Gothic Vibes. Seufz. Nichts davon schreibe ich. Weiß bei einigen Sachen nicht mal, was das ist. Die gute Nachricht: "Deutsche Autoren sind ebenfalls sehr gefragt", hatte Elisabeth Botros als Trost mit im Gepäck.
In einem zweiten Teil ihres Vortrags sprach sie über die Bedeutung des Exposees und erzählte, was alles hinein gehört. Das war jetzt nichts umwerfend Neues für mich. Aber als sie feststellte, dass viele Autoren das Exposeeschreiben hassen, konnte ich nur nicken. Nun gut, Zähne zusammenbeißen und weiter arbeiten.
Das Mittagessen im "O'Sheas" war mal wieder großartig. Ich habe diesmal den "Cottage Pie" ausprobiert. Das ist Hackfleisch mit Zwiebeln und Karotten, überzogen mit Kartoffelpüree und überbacken mit irischem Cheddar-Käse. Absolut empfehlenswert. Abends gab es Pizza, diverse Sorten, und tagsüber wurden wir mit leckerem Kuchen gemästet. Das Frühstück im Caritas-Pirckheimer-Haus hatte ich ja schon gelobt. Also, alles in allem ein Tag, der sich sowohl wegen des mentalen als auch wegen des gastronomischen Inputs gelohnt hat. Nächstes Jahr gern wieder.
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Nürnberger Autorentreffen 2010
Nürnberger Autorentreffen 2011
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© Petra Hartmann

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