Mein MarburgCon 2026
Hatte ich letztes Jahr etwas vom "größten MarburgCon aller Zeiten" geschrieben? Das ließ sich ohne weiteres noch toppen: Diesmal war die Halle im Bürgerhaus Niederweimar komplett bespielt. Es gab Platz für 54 Stände von Verlagen und Autoren, vier Lesungsschienen mit insgesamt 39 Lesungsangeboten, dazu sechs Rollenspielrunden im hinteren Bereich, also ein volles Programm. Allerdings auch weniger Besucher als im Vorjahr, 250 statt 300, in den Gängen zwischen den Ständen war deutlich mehr Luft als im vergangenen Jahr, und auch aus den Lesungen hörte man von einigen Kollegen, es habe ziemlich wenige oder gar keine Zuhörer gegeben. Dafür waren die Gespräche mit Autoren und Verlegern einfach wieder wie ein großes Familientreffen, und der Marburger Verein für Phantastik ist sowieso ein großartiger Gastgeber.
Für mich fing der Con-Tag mal wieder gnadenlos früh an. Mein Wecker riss mich grausamst aus einem extrem schönen Traum, und ich hätte die infame Kreatur beinahe gewohnheitsmäßig eine halbe Stunde weiter gedreht, bis mir einfiel, dass sie mich gar nicht zur Arbeit, sondern zum Con aus den Federn holen wollte. Außerdem hatte ich bereits gerüchteweise von einer ziemlich unangenehmen Sperrung auf der A7 gehört, man musste mit dem Schlimmsten rechnen.
Mein Reisebegleiter war diesmal das Hörbuch zu "Winnetous Erben". Das hatte ich zwar vor ein paar Jahren schon mal angehört, aber ich wollte mir noch ein paar Dinge ins Gedächtnis zurückrufen, die ich für mein aktuelles Romanprojekt brauche. Die Umleitung, die mich bei Northeim erwischte, war ziemlich fordernd. Schmale Landstraßen und Ortsdurchfahrten, die nicht für den Schwerlastverkehr gemacht sind, LKW an LKW vor mir, hinter mir und auf der Gegenfahrbahn, ich konnte jedenfalls keinen Schlaf nachholen am Steuer. Es ging jedoch relativ glimpflich ab, der Umweg kostete mich nur gut eine halbe Stunde, sodass ich gegen 9 Uhr im Bürgerhaus ankam, rechtzeitig zum Aufbau. Und es reichte sogar noch für einen Umsonst-Kaffee bei Marburgs bezauberndster Thekenschlampe Dirk van den Boom, der sich wieder mal vehement weigerte, eines meiner Bücher zu erwerben.
Ich hatte einen Standplatz nahe am Halleneingang und mit sehr guter Gesellschaft. Zur Rechten waren Nadine Muriel und Rainer Wüst bereits mit dem Aufbau beschäftigt. Was den Vorteil hatte, dass ich, als die beiden einen Bald der "Met-Magie"-Anthologie an den Mann brachten, gleich mit signieren konnte (danach schickten wir ihn quer durch den Saal zu Ju Honisch, damit er sich noch ein weiteres Autogramm einer Met-Autorin holen konnte).
![]()
Links neben mir war der Leseratten-Verlag bereits gut eingerichtet. Hier holte ich mir später den Comic "Goldizilla", den ich ja schon auf der Leipziger Buchmesse vorgemerkt hatte. Außerdem konnten mir Marc Hamacher und Tanja Kummer, die mit einem elektrischen Toyota unterwegs sind, noch ein paar Tipps für meine bevorstehenden E-Auto-Kauf geben. Unter anderem zerstreute Marc meine Angst davor, dass die Heizung mir im Winter die Reichweite halbieren könnte.
Andrea Tillmanns war auch schon da. Bei ihr tauschte ich ein Exemplar meines "Herz des Donnervogels" gegen ihren Sammelband "Das Bild über der Treppe" mit düsteren Geschichten. Das Cover macht schon einmal neugierig, und ich weiß wirklich nicht, was ich mehr bewundern soll: Das Motiv von Künstlerin Marlene Walkenhorst oder die schräge Art, wie Andrea den Titel ins Bild einpasste. Sie hat noch ein zweites "Treppen-Buch" mitgebracht, eine Krimisammlung, bei der das Einpassen von Titel und Klappentext noch eine ungleich größere Herausforderung war. Ich weiß schon, warum ich das mit dem Selfpublishing - größtenteils - bleiben lasse. Ich bin im Coverdesign einfach eine Niete.
Gegenüber von Andrea saß ein wahrer Meister in der Kunst, schöne Bücher herzustellen: Erik Hantsch mit seiner "Edition Dunkelgestirn". Neuestes Schmuckstück auf seinem Tisch: "Cor Magis" von Michael Siefener, das natürlich meins werden musste. Er hatte auch noch die letzten Exemplare unseres "Intergalaktischen Bestiarium" mit dabei. Wenig später schickte er mir einen Käufer herüber, dem ich die Memoiren unseres kosmischen Xenobiologen signieren durfte.
Einen besonderen Aha-Augenblick verdanke ich Axel Kruse, der am Stand gegenüber saß und unter anderem seine "Zeitreisen gehen anders" präsentierte. Seinen Aufsteller mit dem Slogan "Die Welten des Axel Kruse" habe ich geradezu mit den Augen verschlungen. Ich grübele ja schon seit Jahren darüber nach, was ich überhaupt auf ein Rollup schreiben soll. Wie kann ich Meermädchenbücher, Fantasy, Indianerromane, Märchen, historische und Abenteuerromane, Krimis, Märchen und Literaturwissenschaftliches überhaupt unter einer einzigen Überschrift vereinen? "Die Welten von Petra Hartmann", das könnte ich mir vorstellen, das geht. Okay, den Spruch gibt es jetzt schon, den kann ich nicht 1:1 kopieren. Aber in der Richtung werde ich mal weiterdenken ...
Ein überraschendes Fundstück fiel mir am Stand der Edition TES von Gerd Michael-Rose in die Finger: Heidrun Jänchen, von der ich ziemlich lange nichts gehört habe, hat in seiner Reihe "BunTES Abenteuer" ein Heft mit dem Titel "Rote Zipfelmützen" veröffentlicht. Darunter eine Science-Fiction-Story, in der die Bewohner eines Planeten namens Thuringia in thüringischer Mundart reden. Ich freue mich schon aufs Lesen. Außerdem nahm ich noch die beiden anderen Neuerscheinungen der Heftreihe mit: "Kapitän Nemo in Russland" von Konstantin Slutschewski, das als Zweitgeschichte Anton Tschechows "Fliegende Inseln" enthält, sowie "Die Landpanzer" (+ "Unter dem Messer") von Herbert G. Wells.
Bei Eric Schreiber am Tisch von Saphir im Stahl entdeckte ich den zweiten Band von "Miranda Wohlfahrt". Johannes Anders lässt seine spacige Bilanzfälscherin in Diensten der Kontrollistischen Planetenrepublik neue Fälle lösen und durchs All düsen. Teil eins hat mir gut gefallen, ich freue mich auf die Fortsetzung. Eine weitere Fortsetzung, die meine werden musste: "Chimären", zweiter Teil der "Schlange des Bösen" von Ju Honisch, erschienen im Verlag Torsten Low. Auch hier hatte mir Teil eins bereits sehr gut gefallen. Dazu "Geschichten aus der Dämmerung" von Fabienne Siegmund, eine Sammlung, die ich schon seit Leipzig auf dem Einkaufszettel habe. Außerdem nahm ich "Luciens Manuskript" von Corinna Griesbach mit. Die Geschichte eines erfolglosen Autors, der versucht, einen Roman zu schreiben. Hm. Ich will nicht hoffen, dass es das Buch des Schicksals für mich ist ...
![]()
Letzter Einkauf: Der Band mit den Storys zum Marburg-Award. Diesmal stand der Wettbewerb unter dem Motto: "Holmes und Watson - Okkulte Detektive". Ich hatte ja schon immer vor, etwas zu diesem Wettbewerb zu schreiben. Aber diesmal wäre mir absolut nichts dazu eingefallen. Insgesamt 25 Storys sind in dem Band zu finden, 31 weitere waren eingegangen, hieß es. Und im Buch sind Holmes und Watson unter anderem als Handpuppen und Raumschiffe zu erleben, außerdem kommt etwas mit KI vor. Ich bin gespannt.
Kulinarischer Höhepunkt: Ganz klar, der Eiswagen von Silano. Pünktlich um 16 Uhr rollte er vor das Bürgerhaus, und plötzlich wurde die Halle sehr sehr leer. Mein Schwarzwald-Becher war ein Genuss, ich hätte mich reinlegen können.
Kulinarischer Tiefpunkt: Das Timing für die Abschlusspizza hat nicht geklappt. Die Kartons wurden etwas zu früh geliefert, als wir gerade mit dem Abbau begannen. Als ich den drittletzten Karton rausgetragen hatte, war meine Pizza schon ziemlich kalt und widerstand jedem Versuch, sie mit einem Messer zu zerteilen. Dank meiner Zahnärztin hielt meine Plombe im Schneidezahn durch, als ich mich durch das mit Ananas belegte Brett hindurchbiss. Ich hatte mich perverserweise für die Pizza Hawaii entschieden. Da war besser dran als die Vegetarier, die ihre Pizzen erst eine halbe Stunde später bekamen, dafür aber warm. Egal, dafür hatten wir nette Tischgespräche ...
Kulinarischer Applaus: Norbert und Evi, die den ganzen Tag in der Küche Brötchen geschmiert hatten, bekamen als Dankeschön jeder ein Fläschchen. Hochverdient. "Ja, schaut euch mal um, hier ist ein Con", informierte Thomas Vaterrodt die beiden, als sie aus der Küche nach draußen kamen und in die Halle blinzelten. Dankeschön, die Brötchen waren lecker.
Den Abschluss des offiziellen Programms bildete wie üblich eine doppelte Preisverleihung: Der Vincent- Preis für herausragende Leistungen im Bereich Horror und der Marburg-Award für die besten Geschichten des Schreib-Wettbewerbs zum Con.
Die Preisträger und Platzierten beim Vincent-Preis sind
Bester Roman national
1. Eva von Kalm - Andrargs Schriften Teil 1: Die Prophezeiung (Shadodex)
2. Vincent Voss - Seemannsgräber (Torsten Low)
3. Torsten Scheib - Sie kamen aus der Tiefe (Leseratten Verlag)
4. Jules B Asches - Cold Creeps: Die Rückstrahlung (Dark Empire)
5. Michael Breuer - Eine Krone aus Knochen (unabhängig verlegt)
Bestes Internationales Literaturwerk
1. Carissa Orlando - Das Septemberhaus (Festa Verlag)
2. Jochen Veit (Hrsg.) - Spukhäuser. Klassische Horror- und Geistergeschichten (Anaconda)
3. Richard Matheson - Die besten Erzählungen (Festa Verlag)
4. CG Drews - Don't Let The Forest In (Fischer Sauerländer)
5. Dean Koontz - After Death (Festa Verlag)
Beste Anthologie/Magazin
1. Bettina Ickelsheimer-Förster - Geheimnisvolle Gewässer (Shadodex)
2. Sabine Brandl und Alexander Klymchuk (Hrsg.) - Monster 2.0 (MUC Verlag)
3. Michael Schmidt und Achim Hildebrandt (Hrsg.) - Zwielicht 22 (unabhängig verlegt)
4. Carolin Gymrek (Hrsg.) - Zombie Zone Germany: Was einmal war (Armun Verlag)
5. Christian van Aster (Hrsg.) - Liber Vampirorum V - immortal (unabhängig verlegt)
Beste Storysammlung
1. Thomas Karg - Jenseits der Realität - Lovecraftsche Erzählungen (unabhängig verlegt)
2. Mara Schwarzfels - Eiskaltes Grabgeflüster (unabhängig verlegt)
3. Lila Graves – Uferlos (unabhängig verlegt)
4. M.H. Steinmetz - Burning Chrome (unabhängig verlegt)
4. Michael Marrak - Astrosapiens (Memoranda)
Beste Horror-Grafik
1. Adrian van Schwamen - Hinter den Schatten (unabhängig verlegt)
2. Mark Freier - Cosmogenis (Blitz Verlag)
3. Björn Ian Craig - Der Fluch von Hollow Pines (unabhängig verlegt)
4. Detlef Klewer - Monster 2.0 (MUC Verlag)
4. Timo Würz - Hexen (Virus)
6. Azrael ap Cwanderay - Totes Land – Ausnahmezustand (unabhängig verlegt)
Sonderpreis
1. PAN-Phantastik Autoren Netzwerk
2. Vincent Voss
3. Mara Schwarzfels
4. Buchheim Verlag
5. Bastei Verlag
Beste Kurzgeschichte
1. Lennox Lethe - X (Mystische Gewässer)
2. M.H. Steinmetz - Rapture (Zwielicht 22)
2. Sabine Brandl - Die Dinge werden sich ändern, mein Schatz (Monster 2.0)
3. Maximilian Wust - Tränen, Wasser und Muttermilch (Zwielicht 22)
4. Mara Schwarzfels - Julia (Selbst nach dem Tod)
Beste Horrorheftroman
1. Chris Steinberger - Die Verschwörung der Werwölfe (Gespenster-Krimi 167)
2. Marie Erikson - Henkersee (John Sinclair 2427)
3. Michael Blihall - Schrei, wenn dich der Krampus holt (Gespenster-Krimi 187)
4. Ulrich Gilga - Wünsche, die der Teufel erfüllt (Isaac Kane Band 09)
5. Stefan Hensch - Circus Obscura (Professor Zamorra 1331)
Beim Marburg-Award lauteten die Platzierungen:
1. Platz: "Sherlock Holmes und der Architekt der Knochen" von Johanna Dall'Omo
2. Platz, geteilt zwischen "Damit er bleibt" von Kai Bößneck und
"Der Schatten von Abteilung Acht" von Henning Mühlinghaus
3. Platz: "Der Fall der letzten Wahrheit" von Sonja Hermeneit
Ich bin gespannt auf die Geschichten und werde mich im nächsten Urlaub durch den Story-Band hindurchschmökern.
Die Rückfahrt war lang und, abgesehen von einem kurzen Irrweg auf der Autobahnumleitung, relativ ereignislos. Old Shatterhand, das Herzle und der Junge Adler brachten mich ohne Blessuren die Kasseler Berge hinab bis nach Sillium. Ich kam sogar drei Minuten vor Mitternacht an. Ich fiel ins Bett und schlief tief und fest - und war auch am Tag danach nicht zu gebrauchen. Aber schön wars doch. ;-)
© Petra Hartmann

Benutzerdefiniertes Design erstellen












