Barbara Schinko: Rabenfeder
"Rabenfeder" heißt der zwölfte Kurzroman der Weltenwanderer-Reihe. Es handelt sich um eine fantastische Novelle aus der Feder von Barbara Schinko, eine Geschichte über Schatten, Künstler und verzwickte Familienverhältnisse.
Maradita, die Heldin des Romans, ist ein Mädchen beziehungsweise eine junge Frau, die von zu Hause fortläuft und mit einem Schausteller durch die Lande zieht. Schon ihr Name, der übersetzt soviel wie "Rabenfeder" bedeutet, scheint sie für das Leben mit den fahrenden Gauklern bestimmt zu haben, denn der Rabe ist in dieser Welt so etwas wie der Schutzpatron dieser Leute. "Rabe" (im Roman oft ohne Artikel, also als Eigenname verwandt) beschützt Maradita tatsächlich in einigen unangenehmen Situationen - und das ist auch bitter nötig, denn die Bedrohung für die Fahrenden wird immer drängender: Ein geheimnisvoller Fremder frisst ihre Schatten auf und saugt damit die Lebenskraft aus ihnen heraus. Ist es eine böse Fee, die selbst keinen Schatten besitzt? Und wie soll ausgerechnet der Schattenspieler Calvin mit seinem angefressenen Schatten weiter auf den Jahrmärkten auftreten?
Barbara Schinko gelingt es mit wenigen Federstrichen, die Welt der Gaukler vor dem Auge des Lesers erstehen zu lassen. Sehr gelungen und zauberhaft sind die Szenen, in denen Maradita im Schattenspiel selbst zum Raben wird und die Gestalt des schwarzen Vogels auf die Leinwand wirft, oder die Gedanken Calvins über eine neue Art von Laterne. Der aufgefundene Tote, dessen Hand keinen Schatten wirft, der Stelzenwettlauf im Gauklerlager oder die verknoteten Mäuseschwänze der Zauberin Juwel, all dies ist detailreich, atmosphärisch dicht und mit viel Schöpferfreude geschildert, sodass ein sehr gelungener Kurzroman entsteht. Sehr schön auch die eingewobenen Sagen- und Märchenstoffe, durch die ein mythisch-zauberhafter Märchentonfall in die Geschichte hineinkommt. Schade nur, dass Maradita und Calvin nicht noch mehr von ihrer Schattenspielerkunst zeigen, ein Schattenrabe im Schlusskampf wäre ein schöner Effekt gewesen.
Fazit: Eine bezaubernde Gaukler-Novelle mit Sagen- und märchenhaften Zügen. Schöner Lesestoff für die dunkle Jahreszeit.
Barbara Schinko: Rabenfeder. Weltenwanderer XII. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2010. 64 S., Euro 4,95.
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© Petra Hartmann

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