Gunnar Kunz: Schnatzelschnapf
Was um alles in der Welt ist ein "Schnatzelschnapf"? Krümel, der kleine Bär aus dem Dreiwünschewald, hat in diesem eigenwilligen Nachdenk-Buch von Gunnar Kunz einige rätselhafte Begegnungen, und die Frage nach dem seltsamen Wort ist nur der Auftakt dazu. Wer bin ich? Warum sprechen wir verschiedene Sprachen? Und wohin geht einer, wenn er weggeht? Das sind mitunter große Grübelaufgaben für den kleinen Krümel, doch mit Phantasie, Freundschaft und viel Liebe lassen sich fast auf alles Antworten finden. Bei aller Schwere der Themen - auch der Tod ist kein Fremder im Dreiwünschewald - bleibt doch eine gewisse Leichtigkeit über das Buch ausgegossen, und Krümel kann am Ende staunend auf ein großes Jahr voller Entdeckungen zurückblicken.
"Schnatzelschnapf!" ist ein Philosophiebuch für die ganz Kleinen. Vom Verlag empfohlen ist es für Kinder von 5 bis 9 Jahren. Man darf hinzufügen: Auch für vorlesende und mitlesende Eltern ist es eine wundervolle Reise in die Welt der Gedanken. Das Ganze mutet an wie eine Begegnung zwischen Winnie dem Pu und Sophies Welt. Und wenn der liebenswürdige Bär mit dem geringen Verstand aus dem Hundertmorgenwald wie damals Sophie gefragt worden wäre: "Wer bist du?", dann hätte er vielleicht ähnlich verwundert geschaut wie Krümel, als ihn Käpt'n Lebertran fragte, ob er denn wirklich Krümel sei - und woher er das wisse.
Da ist die Frage nach der Bedeutung der Wörter, nach Traum und Wirklichkeit oder nach dem Verlauf der Zeit. Krümel muss sich auch dem schlimmsten aller Wörter stellen: dem Wort "tot". Da ist es gut, wenn man Eltern hat, die liebevoll und geduldig zuhörern, und einen Freund, der ein großes Gespür für Worte hat.
Sehr liebenswert geschildert ist Krümels bester Freund Hopsa. Ein Wesen, das in den Illustrationen, die vom Autor selbst angefertigt wurden, ein wenig an einen Außerirdischen erinnert. Hopsa ist ein großer Nachdenker und Mit-Denker, ein Wortesammler und -finder, der vor allem gut zuhören kann. Hopsa geht mit Worten achtsam um und bewegt die Dinge lange in seinem Gehirn, bevor er eine vorläufige Antwort formuliert. Ein Freund, mit dem man gut schweigen kann und dessen Stillsein sich anfühlt wie ein Gespräch.
Es ist eine zauberhafte, liebenswürdige Welt, die Gunnar Kunz mit diesem Dreiwünschewald entwirft. Da begegnet man einem Nasenwurf oder ungezogenen Rüpelfanten, da wohnen ein Herr Purzelbaum, der Konservendosenetiketten sammelt, und Onkel Giggel und Tante Ziep, die das Jahr in Flaschen abfüllen. Man schließt Neenee, den kleinen blauen geflügelten Elefanten ins Herz, begegnet der herumziehenden Schneeflocke und ihrer fremden Sprache oder schaut mit Krümel und Hopsa in die Wolken und fragt sich, woher man eigentlich weiß, dass man dieses Leben und seine Begegnungen wirklich erlebt und nicht träumt.
"Schnatzelschnapf!" ist ein bezauberndes Buch und ein freundlicher erster Begleiter durch die Welt des Fragens und Denkens. Vor allem Kinder, die ein wenig stiller und nachdenklicher sind, werden es lieben. Auch wenn vermutlich viele der niedlichen Details erst auf ältere Leser, wie zum Beispiel die mitlesenden Eltern, wirken werden. Man fragt sich zum Beispiel, ob ein Wort wie "Schnatzelschnapf" von einem Fünfjährigen schon problemlos ausgesprochen werden kann. Auf jeden Fall ist es ein Buch, das mitwächst und sicher von den jungen Erstlesern auch später noch hervorgeholt werden wird.
Fazit: Ein erstaunliches, liebenswürdiges Buch für junge und ältere Leser, die noch über das Leben staunen können. Kindgerecht und trotzdem erwachsenentauglich und ein guter Begleiter durch die Welt des Denkens. Lesenswert, liebenswert und absolut empfehlenswert.
Gunnar Kunz: Schnatzelschnapf! oder: Wie kommt die Welt in meinen Kopf?. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. 143 S., Euro 16,90.
Weiteres Buch von Gunnar Kunz:
Ein Koffer voller Wunder
Lagunenrauner
© Petra Hartmann

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