Fabienne Siegmund, Thilo Corzilius: Das Mädchen und der Leuchtturm
"Das Mädchen und der Leuchtturm" ist ein Gemeinschaftswerk der Autoren Fabienne Siegmund und Thilo Corzilius. Die beiden erzählen eine märchenhafte Liebes- und Abenteuergeschichte, Schauplätze sind Hamburg, Berlin und Sylt, zumeist real existierende, dem rational denkenden Passanten durchaus zugängliche Orte. Und dann ist da noch der Leuchtturm, der mitten in der Hamburger Innenstadt steht, und den doch kaum jemand sehen kann.
Der Student Jean lebt in Hamburg und jobbt, um einen Teil seines Lebensunterhaltes zu verdienen, bei einem Trödelhändler. Als er die geheimnisvolle Faith kennen lernt, ist er sicher, die große Liebe gefunden zu haben. Faith ist anders als alle Mädchen, denen er bisher begegnet ist. Nicht nur, dass sie in einem Leuchtturm mitten in Hamburg lebt, der von Jean und den anderen Bewohnern der Millionenstadt bisher überhaupt nicht wahrgenommen wurde, nein, es gibt noch eine ungewöhnliche Eigenschaft dieser Faith: Immer wenn sie glücklich ist, beginnt es zu regnen. Je mehr Glück, desto mehr Niederschlag. Da trifft es sich gut, dass Jean Regenwetter liebt, denn seit er mit Faith zusammen ist, wissen die Meteorologen gar nicht mehr was los ist, und das Hamburger Niederschlagsvolumen steigt rapide an. Doch dann begeht Jean einen folgenschweren Fehler: Er stellt auf eigene Faust Nachforschungen nach dem seltsamen Fluch an, der auf Faith lastet, und macht damit Kräfte auf seine Freundin aufmerksam, die besser niemals von ihr erfahrten hätten ...
Fabienne Siegmund und Thilo Corzilius erzählen spannend und intensiv die Geschichte einer seltsamen Liebe und einer Verkettung unglücklicher Umstände. Die melodische Sprache und das abenteuerliche Zuhause der Titelheldin verleihen dem Roman einen ganz eigenen Zauber. Einen gewissen Kontrast bilden dazu die Szenen, in denen es mit Fäusten und Magie zur Sache geht und sich Jean und Faith ihrer Haut wehren müssen. Die Stärke des Buches liegt eindeutig mehr auf seinen lyrischen Sequenzen als auf den Actionszenen, Schlägereien und Fluchten. Die Art, wie der Hauptschurke und Drahtzieher im Hintergrund seine Suche nach "Hexenkindern" anlegt, kommt mir auch etwas willkürlich vor, eher auf das Prinzip Hoffnung und Zufall ausgelegt als auf ernsthafte Suche nach etwas, das man so dringend braucht, daher erschien mir die "finale Konfrontation" auch ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Aber abgesehen davon auf jeden Fall ein bezauberndes Buch, das man nicht leicht wieder aus der Hand legen kann, wenn es einen erstmal gepackt hat.
Fazit: Hervorragend geschriebenes modernes Märchen, zauberhaftes Setting, kleine Abzüge für den Bösewicht, ansonsten rundum gelungen. Empfehlenswert.
Fabienne Siegmund, Thilo Corzilius: Das Mädchen und der Leuchtturm. Wien: Verlag ohneohren, 2016. 274 S., Euro 12,49.
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© Petra Hartmann

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