Stephanie Kempin: Fieberträume
Drogenhandel in den Herbstlanden: In der Novelle "Fieberträume" erzählt Herbstlande-Mitbegründerin Stephanie Kempin über seltsame Krankheitsfälle, die die Stadt Ashendawn heimsuchen. Ist es eine Seuche? Oder doch nur eine Vergiftung? Die Fälle von "Blauem Fieber" mehren sich, und es scheint etwas mit den schweren Regenfällen der jüngsten Zeit zu tun zu haben.
Uhrmachermeister Eligius Halo - bekannt aus dem zweiten Herbstlande-Roman "Verblassende Farben" - ist zu Gast bei seiner Freundin, der Heilerin Wanda. Er und sein Gehilfe, der Homunculus Viridis, kamen eigentlich nur her, um ein paar Uhren zu reparieren, doch nun stecken die drei Helden mittendrin in einer Ermittlung wegen Drogenhandels. Die geheimnisvolle und gefährliche Substanz, die einen Bürger Ashendens nach dem anderen in das furchtbare blaue Fieber stürzt, scheint aus den Sümpfen zu stammen. Aber was genau ist es überhaupt für ein Stoff, und wer verteilt ihn?
Die Soldaten und die schwarze Dame
Eligius Halo, Viridis und Wandra kämpfen nicht nur gegen die Zeit und um das Leben ihrer Patienten. Sie haben auch das Pech, dass der Prinz zur Klärung der Fälle eine Gruppe Soldaten in die Stadt schickt, angeführt von Hadrin Sheltwood, einem hierarchisch-bürokratischen Komisskopp, dessen Misstrauen gegenüber Eligius die Nachforschungen des Uhrmachers nicht gerade erleichtert. Und was hat es mit der seltsamen schwarzgekleideten Dame auf sich, die sich immer wieder auf den Straßen der Stadt zeigt, aber nie fassen lässt? Reitet sie wirklich auf einem unsichtbaren Pferd davon?
Erinnerung an eine eingeäscherte Stadt
Stephanie Kempin schafft es, dem alten Questen-Thema eine völlig neue Seite abzugewinnen, indem sie den Uhrmacher auf einer Nachtmähre durch die Herbstlande schickt, um die Herkunft des gefährlichen Stoffs aufzuklären. Dabei steht Eligius immer das Schicksal der Stadt Haven vor Augen, die von den Drachen eingeäschert wurde, um eine Seuche einzudämmen. Dass der Uhrmacher, der als einer der wenigen Herbstlande-Bewohner von einem Monat in den anderen wechseln kann, sich dabei auch noch als Drogendealer betätigen muss, hätte er selbst wohl am wenigsten erwartet.
Corona oder blaues Fieber?
Der Autorin ist mit "Fieberträume" eine spannende und zugleich zauberhafte Reise in die Herbstlande gelungen. In fließender, eingängige Sprache schildert sie eine Seuchenzeit, die ihren Lesern aus ihrem eigenen Leben nur allzu bekannt vorkommen wird. Tatsächlich aber habe sie diese Geschichte bereits Ende 2019 begonnen, und der erste Entwurf sei im Februar 2020 fertig gewesen, betont sie im Nachwort. Das war knapp einen Monat vor der Absage der Leipziger Buchmesse. Da soll noch jemand sagen, dass Schriftsteller keine prophetische Gabe besitzen ... Wobei das Thema teilweise schon angelegt war im zweiten Herbstlande-Roman "Verklingende Farben". Kempin selbst war diese eigentümliche Koinzidenz eher unangenehm: "Dass die Geschichte jemanden an Lockdown-Zeiten erinnern könnte, gefiel mir genau so wenig", schreibt sie. "Beim Überarbeiten habe ich das Fieber deshalb nicht mehr in den Mittelpunkt gerückt, als es für die Handlung notwendig war."
Dennoch, oder gerade deshalb, wurde "Fieberträume" eine sehr spannende Erzählung, die es auf jeden Fall schafft, den Leser mitzunehmen. Ob mit oder ohne Pandemie-Erfahrung.
Fazit: Herbstlande-Abenteuer, märchenhaft, aber auch etwas an einen Kriminalfall erinnernd. Ein Wiedersehen mit alten Freunden und nicht so freundlichen Menschen. Lesenswert.
Stephanie Kempin: Fieberträume. Eine Herbstlande-Novelle. Mit Illustrationen von Katrin Minert. Meitingen/Erlingen: Verlag Torsten Low, 2023. 199 S., Euro 11,90.
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© Petra Hartmann

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