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PetraHartmann



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Mephistopheles - ein tragischer Teufel

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 11 Januar 2026 · 51 Aufrufe
Elfenschrift, Goethe, Faust und 3 weitere...

Eigentlich tut mir Mephisto leid. Ein armer Teufel, der sich abrackert und schuftet, um am Ende doch nur die Sache Gottes zu betreiben. Für meine Magisterarbeit über den Faust-Stoff habe ich mich unter anderem an Goethes Faust abgearbeitet. Und als Herausgeberin Ulrike Stegemann für die Elfenschrift das Thema "Engel und Teufel" ausrief, war klar, dass ich unbedingt einen Aufsatz über meinen Freund Mephistopheles schreiben musste. Lange her, aber ich mag ihn immer noch irgemdwie. Ich stelle den Text hier noch einmal ein - für Freunde des teuflischen, tragischen Tausendsassas. Viel Vergnügen damit!

 

 

Mephistopheles – ein tragischer Teufel

 

Er ist einer der berühmtesten Teufel der Welt: Mephistopheles, auch kurz Mephisto genannt, der Höllengeist an Fausts Seite. Wie Goethe ihn gestaltet hat – welterfahren, zynisch und durch seine realistischen Kommentare zu Fausts Schwärmereien auch für viele Lacher gut – ist er seit 200 Jahren für viele Literaturfreunde der Teufel schlechthin.
Bereits in der ältesten Erzählung der Faustsage, der „Historia von D. Johann Fausten“ von 1587, ist der Name von Fausts höllischem Begleiter „Mephistophiles“. Er beschreibt seine Funktion selbst als: „Jch bin ein Geist / vnnd ein fliegender Geist / vnter dem Himmel regierendt.“1 Unklar ist allerdings, woher der Teufel seinen Namen hat. Manche leiten ihn von den hebräischen Wörtern „mephir“ und „tophel“ ab, was soviel wie lügen und betrügen bedeutet. Auch vom griechischen „me phos philes“ (einer, der das Licht nicht liebt) könnte der Name stammen, gedacht wurde auch an „me Faust philes“ (der den Faust nicht liebt). Möglicherweise besteht eine Verwandtschaft zur altitalischen Göttin Mefitis, der die aus der Unterwelt aufsteigenden üblen Gerüche heilig waren. Auch eine etymologische Verwandtschaft mit dem griechischen Verb opheleo (nutzen) wurde vermutet, Mephistopheles wäre dann ein Nichtsnutz, beziehungsweise jemand, der dem Faust nichts nützt. Eindeutig klären lassen wird sich die Frage wohl nie.
In den Schriften, die sich, nach dem Verkaufserfolg der „Historia“ ebenfalls dem Faust-Thema widmeten, eroberte sich auch Mephisto seinen Platz in der Literatur. Und als Christopher Marlowe sein Faust-Drama schuf, das 1604 erstmals im Druck erschien, begann für den Teufel die Theaterkarriere. Doch stand der Höllengeist meist nicht allein: So gibt es bei Marlowe an höllischem Personal auch Luzifer, Beelzebub, den bösen Engel, die sieben Todsünden und weitere Teufel. Noch im alten von Karl Simrock herausgegebenen Puppenspiel (eines der zahlreichen Dramen in der Nachfolge Marlowes) kämpfen die Geister Auerhahn, Astarot, Megära, Haribax, Polümor, Asmodeus, Vitzliputzli und Xerxes um den Rang des Schnellsten, bis Mephisto die Auseinandersetzung zu seinen Gunsten entscheidet.2 Im Faust-Drama von Maler Müller (1778) wetteifert Mephisto mit den Teufeln Berlicki, Vitzliputzli, Pferdtoll, Mogol, Cacal, Atoti, Babillo und Satan um die Gunst Lucifers. Einzig bei Friedrich Maximilian Klinger (1794) ist es Leviathan, der aus der Versammlung der Höllenfürsten von Satan zu Faust emporgesandt wird – wider Willen, denn er hat von Deutschland die Nase voll.
Als der junge Goethe sich an sein Faust-Drama heranmachte – eine Arbeit, die ihn 60 Jahre lang beschäftigte – fand er eine rund zwei Jahrhunderte währende Tradition von Mephisto-Gestalten wieder. Eine Tradition allerdings, von der er vieles nicht verwenden konnte. Schaut man sich seine Vorläufer und Zeitgenossen an, fällt auf, dass sie an eine psychologische, charakterliche Gestaltung des Höllengeistes so gut wie gar keine Energie verwandten. Mephisto ist Verkörperung des Bösen, Gesandter der Hölle, aber damit ist auch bereits alles gesagt. Individuelle Züge und ein Eigenleben als gleichberechtigter Widerpart des Helden blieben dem berühmten Teufel versagt.
Einzig eine Einordnung in die höllische Hierarchie wird gewöhnlich vorgenommen. So tritt er in der „Historia“ als Diener Lucifers auf, eines gefallenen Erzengels, der den östlichen Teil des Acheron beherrscht, wobei Süden, Westen und Norden von Belial, Astaroth und Beelzebub regiert werden. Auch in anderen Bearbeitungen ist Mephisto meist eine Kreatur von niederem Rang. Bei Marlowe sagt er: „Ich bin ein Knecht des großen Lucifer / und darf dir nur, wenn er’s gestattet, folgen / und nur, was er befiehlt, nicht mehr! vollbringen.“3 Bei Müller weist ihn sein König Lucifer sogar zurecht: „eures Gleichen nehmen sich gerne viel heraus; merk dir daß ich König bin.“4 Allerdings ist Mephisto hier offenbar von höherem Range, er hat sieben Höllengeister unter seinem Befehl, die ihm bei der Verführung Fausts zu Diensten sind.
Goethe verwirft diese Höllenhierarchie. Die Frage, ob es über Mephisto noch einen Fürsten gibt, wird fast vollständig ausgeklammert. Dieser Teufel tritt auf als souveräner, freier Gesprächspartner. Er kommt in niemands Auftrag zu Faust, wird auch nicht von dem Gelehrten mit einer Beschwörung herbeigezwungen.
Mephisto erscheint im Kreis der Erzengel vor Gott und ist selbstbewusst genug, dem Herrn nach einem freundschaftlichen Disput über den Wert der Menschheit eine Wette anzubieten. Der Herr wettet nicht mit Engeln oder Teufeln. Und doch wird aus dem Gespräch nicht nur eine gewisse Sympathie zwischen beiden deutlich, sondern es entsteht auch die Spannung und Bewegung, die Gott mit den ewig verehrenden, anbetenden Erzengeln niemals erleben könnte. Der Platz des Teufels ist in der Schöpfung daher nicht nur von Gott vorgesehen, sondern auch als positiv wirkende Kraft erwünscht und notwendig. Der Herr erteilt ihm sogar ausdrücklich seinen Segen und die Handlungsvollmacht: „Des Menschen Tätigkeit kann allzuleicht erschlaffe, / Er liebt sich bald die unbedingte Ruh; / Drum geb‘ ich gern ihm den Gesellen zu, / Der reizt und wirkt, und muß, als Teufel, schaffen.“5
Damit ist nicht nur Mephistos Stellung im Weltgefüge definiert und legitimiert, es wird auch der Grundstein gelegt für eine Tragödie ganz eigener Art. Mag auch Faust im Mittelpunkt stehen und alle Freuden und Leiden des Menschenlebens auskosten, die wahre tragische Gestalt bleibt doch Mephisto. Als Teufel vollkommen negativ eingestellt, die Menschen verachtend, zynisch, brutal, über Leichen gehend, ist es doch sein Schicksal, die Menschheit zum Besseren zu bewegen, zur Tätigkeit anzustacheln und ungewollt an der Veredelung Fausts mitzuarbeiten. Mephisto „muß (…) schaffen“, obwohl dies seinem innersten Wesen „als Teufel“ völlig zuwiderläuft. Der destruktive Geist wird Ursache aller schöpferischen Produktivität der Menschen – eine wahre Höllenstrafe. Sein Scheitern ist vorprogrammiert. Wenn es keine Gotteslästerung wäre, könnte man sagen, der Herr habe sich mit Mephistopheles einen makaberen Scherz erlaubt.
Zum Teil ist der Teufel sich dieses Umstands durchaus bewusst. Er sei „Ein Teil von jener Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ 6, stellt er sich Faust vor. Doch entfaltet er gleich darauf stolz sein Programm: „Ich bin der Geist, der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist wert daß es zu Grunde geht“7. Er sei schon vor Gottes Schöpfungsruf „Es werde Licht“ dagewesen, deutet er an: „Ich bin ein Teil des Teils, der Anfangs Alles war, / Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar“8
Faust erkennt sofort das beschränkte Wesen seines Gegenübers. „Du kannst im Großen nichts vernichten / Und fängst es nun im Kleinen an“9, stellt er fest und sagt ihm auf den Kopf zu: „So setzest du der ewig regen, / Der heilsam schaffenden Gewalt / Die kalte Teufelsfaust entgegen, / Die sich vergebens tückisch ballt!“10
Insofern ist es nur schlüssig, dass Faust, der bis ans Ende seiner Tage ein unbefriedigt Strebender blieb, von rettenden Engeln in den Himmel getragen wird. Mephisto, der ihn über 12111 Verse in Bewegung hielt, ihn durch Mittelalter, Antike und in die Neuzeit führte, ist der Betrogene. Aber dazu wurde er ja geschaffen.

 

1 Historia von D. Johann Fausten. Text des Druckes von 1587. Kritische Ausgabe. Hrsg. v. Stephan Füssel und Hans Joachim Kreutzer. Stuttgart, 1988. S. 29.

 

2 Ein Wettstreit, der sich auch in Lessings Faust-Fragment wiederfindet.

 

3 Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Deutsche Fassung, Nachwort und Anmerkungen von Adolf Seebass. Stuttgart, 1988. S. 14.

 

4 Friedrich Müller, genannt Maler Müller: Fausts Leben. Hrsg. v. Johannes Mahr. Stuttgart, 1979. S. 23.

 

5 Johann Wolfgang Goethe: Faust. Texte. Hrsg. v. Albrecht Schöne. Frankfurt/M., 1994. S. 28 (V. 340-343).

 

6 Ebd. S. 64. (V. 1365f)

 

7 Ebd. S. 65. (V. 1338-1340)

 

8 Ebd. (V. 1349f)

 

9 Ebd. (V. 1360f). Einige Ausgaben lesen: „verrichten“.

 

10 Ebd. S. 66. (V. 1379-1382).

 

Erstveröffemtlichung:
Petra Hartmann: Mephistopheles - ein tragischer Teufel. In: Elfenschrift. 25, März 2010, S. 7–9.

 

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Mephistopheles - ein tragischer Teufel
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© Petra Hartmann




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Warum Mondmenschen kein Klo brauchen

Geschrieben von Petra , in Elfenschrift 10 Januar 2026 · 302 Aufrufe
Elfenschrift, Pythagoras und 4 weitere...

Habt ihr euch jemals über den Stoffwechsel von Mondmenschen Gedanken gemacht? Für die Elfenschrift Nummer 28 - sie stand unter dem Motto: "Sonne, Mond und Sterne" - habe ich mich vor Jahren einmal mit dem Thema befasst und fand den Artikel jetzt auf meiner Festplatte wieder. Zum Wegwerfen zu schade, finde ich, und vielleicht ist es ja für den einen oder anderen Schmunzler gut. Falls ihr Lust auf einen Ausflug der anderen Art zum Erdtrabanten habt, schaut doch mal herein. Viel Spaß damit!

 

 

Warum Mondmenschen kein Klo brauchen

 

Münchhausen, Cyrano von Bergerac, Mondfahrer Peterchen – von allen gibt es phantastische Berichte über Mondreisen und Mondbewohner. Weniger bekannt ist, dass es schon in der Antike Spekulationen darüber gab, ob der Mond bewohnt ist. Die Griechen mochten zwar die Mondgöttin Selene verehren, aber Philosophen hatten doch die Erkenntnis gewonnen, dass der Mond ein Himmelskörper wie die Erde ist. Da lag es nahe, auch Überlegungen darüber anzustellen, ob es dort Leben geben könnte und wie es aussah.
Schon der Vorsokratiker Anaxagoras (ca. 499-428 v. Chr.) lehrte, „der Mond sei aus Erde und habe Täler und Schluchten“1. Keine ungefährliche Behauptung: Er wurde in Athen angeklagt wegen der Beschäftigung mit himmlischen Dingen und musste fliehen. Anaxagoras ging davon aus, „daß die Lebewesen entstanden sind, indem die Samen vom Himmel auf die Erde fielen.“2
Ferner meinte er, dass der nemeische Löwe vom Mond herabgekommen sei. Das Raubtier gehörte zu den Ungeheuern, die Herakles tötete, als er seine zwölf Taten ausführte. Vielleicht war es die außerirdische Herkunft, die das Löwenfell zur undurchdringlichen Rüstung machte.
Auch der Vorsokratiker Demokrit (ca. 460-370) sagte, der Mond sei erdähnlich, die hellen und dunklen Stellen seien Täler und Berge. Und da er erdähnlich sei, müsse er auch bewohnt sein.
Einer der ersten, von denen eine Theorie zur Mondbevölkerung überliefert ist, war Philolaos (ca. 470 – nach 399 v. Chr.). Er war Pythagoreer und gilt als erster, der die bis dahin nur mündlich überlieferten Lehren dieser Philosophenschule aufgeschrieben hat.
Im Weltbild des Philolaos vermischen sich moderne und phantastische Ideen. Er war überzeugt, dass die Erde nicht unbewegt im Mittelpunkt des Kosmos ruhe, sondern dass sie und die anderen Planeten um ein Zentralfeuer kreisten, das er „Hestia“ nannte. Damit war er seiner Zeit um anderthalb Jahrtausende voraus, erst Kopernikus wagte erneut zu behaupten, dass nicht die Erde, sondern die Sonne im Zentrum des Sonnensystems stünde.
Doch ist auch viel Phantastisches im Kosmos des Philolaos zu finden. So ist das Zentralfeuer bei ihm nicht die Sonne, sondern auch die Sonne ist einer der Körper, die um Hestia kreisen. Und da Philolaos nur neun Himmelskörper kannte (Erde, Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und die Fixsternsphäre), da er aber als Pythagoreer an die Heiligkeit der Zahl Zehn glaubte, meinte er, es müsse unbedingt einen zehnten Planeten geben, und postulierte eine Gegenerde, die gegenüber der Erde auf der anderen Seite des Zentralfeuers liegen sollte, den Augen der Menschen verborgen.
Seine kühnste Idee aber sind die Mondmenschen. Er war zu dem Schluss gekommen, dass ein Tag auf dem Mond 15 Erdentage dauerte. Vielleicht ging er davon aus, dass sich dadurch die Wachstumsphase verlängerte, jedenfalls behauptete er, Mondmenschen seien fünfzehnmal größer und stärker als Erdlinge. Ferner sagte er, dass sie wesentlich reiner seien, vielleicht aus edlerem Stoff geformt, und reinere Nahrung zu sich nähmen. Deshalb meinte er auch, dass Mondmenschen keinerlei Exkremente absonderten.
Die These, dass Mondmenschen nie aufs Klo müssten, findet sich indirekt auch bei Philoponos, einem christlich-neuplatonischen Philosophen des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts, der Kommentare zu Werken des Aristoteles schrieb. Er sprach von intelligenten Wesen, die auf dem Mond lebten. Sie könnten ein Alter von 3000 Jahren erreichen und würden weder essen noch trinken. Er sagt nicht wörtlich, dass es bei ihnen keine Fäkalien gäbe, doch legt der Umstand, dass sie keine Nahrung zu sich nehmen, diesen Schluss nahe. Damit korrespondiert eine Äußerung in Platons „Phaedon“, Bewohner der oberen Sphären seien reiner als Erdmenschen und körperlos.
Vielleicht von Philolaos beinflusst, schrieb auch Herodoros, dass Mondwesen fünfzehmal so groß wie Erdlinge seien. Er verfasste um das Jahr 400 herum ein Buch über den Helden Herakles, in dem er auch von Geiern sprach, die vielleicht von der Gegenerde stammten.3 Ebenso wie Anaxagoras vertrat er die These, der nemeische Löwe sei Mondbewohner.
Aristoteles (384-322 v. Chr.) bedachte das System des Philolaos und die Theorie der Gegenerde mit beißendem Spott. Ihm schien es eine unwissenschaftliche Arbeitsmethode, von einer Theorie auszugehen und dann die Wirklichkeit so zurechtzubiegen, dass es passte.
Seltsamerweise erlaubte sich Aristoteles in seiner „Zoologie“ bezüglich der Mondwesen eine ganz ähnliche Spekulation: Aristoteles machte sich Gedanken über die Lehre des Empedokles von den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer. Aristoteles kannte erdbewohnende Tiere, Wassertiere und Vögel. Es müsse auch Tiere geben, die im Feuer zu Hause sind, überlegte er. Da es auf der Erde solche Tiere nicht gibt, schlussfolgerte er: Dann müssen die Feuerwesen auf dem Mond leben.
Parodistisch-frech geht Lukian im zweiten nachchristlichen Jahrhundert das Mondthema an. Lukian stammte aus der Philosophenschule der Kyniker, trat als wandernder Redner auf, schrieb Dialoge und Prosa, in denen er die Schwächen und Eitelkeiten seiner Zeitgenossen geißelte. Seine Mondschilderungen sind keine astronomisch-philosophischen Schriften, vielmehr liefert er im Dialog „Ikaromennippus“ eine Satire auf die Mondtheorien der Philosophen. Ausgerüstet mit einem Adler- und einem Geierflügel schwingt sich der Philosoph Menippus in die Luft und fliegt zum Mond. Hier trifft er den nach seinem Sturz in den Ätna verbrannten Philosophen Empedokles und wird von der Mondgöttin als Bote an den Götterkönig Zeus/Jupiter gesandt mit folgender Klage:
„Ich verliere alle Geduld […], mich länger von den Philosophen so mißhandeln zu lassen. […] Die einen sagen ich werde bewohnt, andere ich hänge wie ein Spiegel über dem Meer herab; kurz jeder sagt von mir was ihm einfällt; ja was das Schlimmste ist, sie bringen sogar unter die Leute, mein Licht sei nicht ächt, und ich stehle es von der Sonne […] Vergiß also nicht, […] ihm zu sagen: es sey mir unmöglich länger auf meinem Posten zu bleiben, wofern er diesen Physikern nicht die Köpfe zerschmettere, den Dialektikern nicht den Mund stopfe, die Stoa zerstöre, die Akademie in Brand stecke, und den Verhandlungen im Peripatus ein Ende mache, mit einem Worte, mir vor den täglichen Beeinträchtigungen dieser geometrischen Herren nicht Ruhe verschaffe.“4
Noch toller treibt es Lukian im Roman „Wahre Geschichten“ und erzählt von einem Krieg zwischen Mond- und Sonnenmenschen. Da treten Pferdegeier an (Menschen, die auf riesigen Geiern reiten), Kohlvögel (die statt mit Federn mit Kohl bewachsen sind und Salatblätter als Flügel haben) und Riesenspinnen.
Lukian berichtet, es gäbe nur Mond-Männer, diese brächten aus ihren Waden Kinder zur Welt. Eine besondere Art, die baumartigen Dendriten, hätte gar keine Geschlechtsorgane. Mondmenschen seien meist kahlgeschoren, nur unter dem Knie trügen einige einen Bart. Ihre Füße hätten keine Zehen, ihre Ohren seien aus Platanenblättern, über dem Hintern wachse jedem ein Kohlkopf, sie würden Honig ausschneuzen und Milch schwitzen.
Ihr einziges Nahrungsmittel sei der Dampf gebratener Frösche, die dort massenweise herumfliegen, ihr einziges Getränk sei die in einen Becher ausgepresste Luft. Und mit einem Seitenhieb auf Philolaos bemerkt Lukian: „Bey einer so feinen Nahrung wissen sie nichts von den Excretionen, denen die Erdbewohner unterworfen sind […].“5 Eine Idee, die die Mondforscher offenbar jahrhundertelang beschäftigt hat.

 

1 Die Vorsokratiker II. Griechisch / Deutsch. Auswahl der Fragmente, Übersetzung und Erläuterungen von Jaap Mansfeld. Stuttgart, 2000. S. 211.

 

2 Ebd. S. 217.

 

3 Vgl. Carl. A. Hufman: Philolaos of Croton. Pythagorean and Presocratic. A commentary on the fragments and testimonia with interpretive essays. Cambridge, 1993. S.248.

 

4 Lukian von Samosata: Lügengeschichten und Dialoge. Aus dem Griechischen übersetzt und mit Anmerkungen und Erläuterungen versehen von Christoph Martin Wieland. Nördlingen, 1985. S. 72-74.

 

5 Ebd. S. 104.

 

© Petra Hartmann

 

Erstveröffentlichung:
Petra Hartmann: „Warum Mondmenschen kein Klo brauchen“. In: Elfenschrift, Dezember 2010. S. 8-10.

 

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"Ich habe die Nase voll" (Fundstück aus 2011)

Geschrieben von Petra , in Krimskrams 10 Januar 2026 · 40 Aufrufe
Krimskrams

Beim Aufräumen meiner Festplatte habe ich diesen 15 Jahre alten Text wiedergefunden, der unter anderem dafür verantwortlich ist, dass ich jedes Jahr Ende Dezember meine Lesefrüchte noch einmal genau anschaue und sie zu einem Jahresrückblick zusammenstelle. Der Artikel ging damals zurück auf einen Wutausbruch, den ich beim Gang durch eine Buchhandlung hatte, als ich nichts, absolut gar nichts fand, was auch nur eine Handbreit aus dem Mainstream-Sumpf heausragte. Am Ende kaufte ich dann einen Hartgummi-Dachs von Schleich. Aber was hat ein Hartgummi-Dachs von Schleich in einer Buchhandlung verloren?
Als ich dieses Jahr vor Weihnachten in einer großen Buchhandlung war, um den Wunschzettel meiner Schwester abzuarbeiten, stellte ich fest, dass sich zumindest dort noch immer nichts verändert hat. Ein Grund mehr dafür, dass ich gern Kleinverlags-Phantastik und Klassiker lese.
Der Text entstand nach einer Schimpftirade meiner Wenigkeit auf Twitter (das war damals noch eine tolle Gemeinschaft) und erschien erstmals im Fandom-Observer am 1. Januar 2011. Viel Spaß beim (Wieder)Lesen.

 

 

Ich habe die Nase voll

Ein vergrätzter Zwischenruf

 

Ich habe die Nase voll. Zuerst ist es nur ein flaues Gefühl in der Magengegend. Doch langsam kocht der Zorn in mir hoch. Am liebsten würde ich mir eine der Buchhändlerinnen schnappen und sie anblaffen: „Ich habe die Nase voll von Fantasy von der Stange!“ Aber die Damen sind ja nur Verkäuferinnen ...
Was ist hier eigentlich los? Ich stehe mitten in der Buchhandlung, habe einen freien Abend, das Geld sitzt locker, eigentlich möchte ich mir heute etwas Gutes gönnen. Und nun stehe ich zwischen hundert bunten „All-Agern“, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen, und warte darauf, dass einer von ihnen zu mir spricht. Na los, kommt schon, einer von euch muss doch meine Finger zum Kribbeln bringen und rufen: „Ich bin's – nimm mich mit.“ Bunte, aufwändig gestaltete Titelbilder, makellose Hardcoverbindungen, kostbare Schutzumschläge, perfekt nach Marketinggesichtspunkten entwickelte Titel – aber keiner kann sprechen. Wo ist der Zauber geblieben?
Was ist eigentlich passiert seit damals, vor zwanzig Jahren, als ich noch mit der Lupe nach Fantasy-Titeln suchen musste? Meist konnten die Verleger selbst nicht unterscheiden zwischen Fantasy und Science Fiction. Und ich habe mich wie ein Verdurstender auf jedes Buch gestürzt, das irgendwie „phantastisch“ war. Perlen zwischen Tierbüchern, Indianergeschichten, Jugendkrimis und pädagogisch wertvollen „Problembüchern“ in der Kinderbuchabteilung. Und bei den Erwachsenen sah es noch dürrer aus. Aber wenn man mal eines gefunden hatte, dann war es ein besonderes Buch. Egal, wie gut oder schlecht es geschrieben war. Egal ob Schund oder eines der wenigen als „Hochliteratur“ akzeptierten Werke. Man trug ein Individuum nach Hause.
Und jetzt? Jetzt ist meine liebe Fantasy also Mainstream geworden. Im Jugendbuchbereich gibt es – außer im Mädchen-und-Pony-Regal – kaum noch Bücher ohne phantastisches Element, und bei den Erwachsenen versuchen selbst Autoren von historischen Romanen schon manchmal, ihre Werke in die Fantasy-Abteilung zu drücken, weil das wohl lukrativer ist. Die Phantasie ist tot, es lebe die Fantasy!
Bin ich einfach nur zu alt geworden? Fängt man mit 40 ganz automatisch an mit dem Gejammer, dass früher alles besser war? Ich habe bisher nie über Mode, Mainstream und Massenware geschimpft. Habe nie Autoren dafür verachtet, dass sie höhere Auflagen als ich hatten. Es ist eine Leistung, ein Buch zu schreiben, das vielen Menschen Freude macht, das habe ich immer respektiert, das habe ich immer anerkannt. Neidlos, wie ich mir selbst versicherte.
Nein, es ist nicht der Futterneid einer noch-nicht-ganz-so-bekannten-und-erfolgreichen-Autorin, der mir die Galle überschäumen lässt. Es ist die Wut des verratenen, für dumm verkauften Lesers, die in mir aufsteigt. Buchhändler, Verlage, ich war seit dem Grundschulalter einer eurer besten Kunden. Ich war Leseratte, Bücherwurm, Bibliophile, Bibliomanin, ich kaufe und lese auch heute noch rund 200 Bücher pro Jahr. Aber das, was ihr da vor mir ausbreitet, ist eine Beleidigung.
Ich gebe zu: Ich habe Harry Potter begeistert gelesen. Ich habe jeden Bis(s)-Roman in einer Nacht verschlungen. Aber hundert und tausend Bücher über junge Zauberschüler und zehntausend erwachsenenkompatible Teenie-Schnulzen über erotische Vampire, schwarze Engel, Werwölfe und was da sonst noch rumläuft und -flattert, das ist einfach zu viel.
Ich habe es satt, mich dafür entschuldigen zu müssen, dass mein Intelligenzquotient über der Zimmertemperatur liegt. Genau so wenig tut es mir leid, dass ich mit Goethe, Heine und Homer auf vertrautem Fuß stehe. Ich will mir kein schlechtes Gewissen mehr einreden lassen, nur weil ich ein gutes Gedächtnis habe und mich beim Lesen eines Buches daran erinnere, dass ich schon sieben Romane mit dem gleichen Strickmuster kenne. Ja, ich bin Demokrat. Ich respektiere den Mainstream. Aber die Monokultur, die ihr in euren Buchdiscountern verbreitet, widert mich an.
Ich will keine Plastik-Bücher mehr lesen. Keine netten „All-Ager“ mit Arztroman-Bauplan. Keine Klone von Klonen von Bestsellern. Keine vegetarischen Vampire und erotischen Engel mehr. Kein „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ mit Elfen. Ich will keine aalglatten Marktcharaktere mehr im Buchregal haben, die im Assessment-Center der Großverlage am wenigsten Anstoß erregten. Ich mag keine vielbeachteten Debüts von gehypten Jungautoren mehr lesen, die die Schreibratgeber von James N. Frey und Sol Stein 1:1 umsetzten – und die im nächsten Jahr wieder vergessen sind.
Ich möchte einfach mal wieder Bücher sehen, die zaubern können. Individuen. Überraschungen. Bücher, von denen nach dem Lesen etwas zurückbleibt. Keine von professionellen Autoren professionell in Absprache mit Lektoraten und Agenturen erstellten Businesspläne.
Für dieses Jahr nehme ich nur noch Klassiker, Indianerbücher und Phantastik aus Kleinverlagen in die Hand. Die können nämlich manchmal noch zaubern. Vielleicht, weil der Mut eines Verlegers sich immer reziprok proportional zur Auflagenhöhe verhält.
Ich wünsche mir für 2011 ein paar Bücher, die Ecken und Kanten haben. Und mutige Verleger, die nicht nur auf die große Auflage schielen müssen oder wollen. Und jetzt gehe ich los und kaufe mir einen mausetoten Klassiker aus dem 19. Jahrhundert, der entweder verhungert oder in der Irrenanstalt gestorben ist.

 

Erstveröffentlichung: Fandom-Observer Nummer 259, 1. Januar 2011, Seite 23.

 

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Jahresrückblick 2025, Dezember

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 01 Januar 2026 · 570 Aufrufe
Jahresrückblick

Und tschüs, 2025: Hier also der fünfte und letzte Teil meines Lese-Jahresrückblicks. Der Dezember hat mir ein paar der besten Bücher beschert, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ich habe dreimal die Bestnote "Blau" vergeben, drei weitere waren sehr gut, zwei Stück allerdings ziemlich blöd. Meine Autoren entführten mich zweimal nach Madagaskar, einmal nach Neuseeland, einmal in die Welt der chinesischen Philosophie. Ich eroberte mit Hannibal und tausend Monstern Rom, war zu Gast bei einem japanischen Uhrmacher in London, durchstreifte mit einer Colliehündin den Wilden Westen und sah das Verhängnis über eine Hamburger Kaufmannsfamilie hereinbrechen. Viel Spaß beim Stöbern in meinen Lesefrüchten - und die besten Wünsche für ein tolles Lesejahr 2026!

 

Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.

 

Dezember

 

Judith und Christian Vogt: Ich, Hannibal

 

Antonia Michaelis: Enia und der Regenzauber
Antonia Michaelis hat mich in den vergangenen Jahren schon zweimal nach Madagaskar entführt, und auch diesmal hatte ich im Leseurlaub zwei neue Bücher von ihr im Gepäck, eines für Kinder oder Jugendliche, und eines für Erwachsene. Die Geschichte von Enia und dem Regenzauber ist ein Roman, der sich eher an ein jüngeres Publikum wendet. Es geht um ein phantastisches Wesen, das in Sagen und Legenden eine Rolle spielt, aber dessen Bild auch im Internet auftaucht: Ein kleiner Lemur mit Flügeln soll die Fähigkeit haben, Wasser aufzuspüren oder sogar Regen zu bringen. Als Enia, die Tochter eines Biologen, im Internet ein Foto dieses Halbaffen entdeckt, ist sie so elektrisiert, dass sie ihren Vater für eine Forschungsreise nach Madagaskar begeistern kann. Die beiden Deutschen kommen also eines Tages in einem kleinen Dorf auf der Insel an, bauen ihr Zelt auf und schließen bald Freundschaft mit den Kindern, die in der Nachbarschaft eine Schule besuchen.
Bei der Schule handelt es sich um eine besondere Schule. Unter anderem gibt es hier eine Ziege mit Schluckauf, ein blindes Mädchen, einen begnadeten Musiker und die zauberhafte Maitresse Tui, eine Lehrerin, die ein wenig an eine afrikanische Mary Poppins erinnert. Maitresse Tui kommt mit dem Wind, fährt ein magisches Fahrrad, verschafft den Kindern ein zauberhaftes Mittagessen, das sich auf ihren leeren Tellern manifestiert, wenn die Kinder beim Essen nur die Augen geschlossen halten. Und: Maitresse Tui liebt die Kinder und setzt sich dafür ein, dass sie etwas lernen, das ihnen eine bessere Zukunft verschaffen kann. Auch wenn immer wieder Eltern auftauchen und ihre Kinder aus der Schule zurückholen, weil die Kleinen gefälligst arbeiten sollen.
Bei allem Zauber, den Maitresse Tui um sich versprüht: Enia lernt schnell, dass sie hier nicht in ein harmloses Kinderparadies gekommen ist. Das Dorf ist bettelarm, die Bewohner werden regelmäßig von Räubern tyrannisiert und ausgeplündert, und es hat seit Jahren nicht geregnet. Die Felder sind verdorrt, das Land stirbt, und es ist nur noch eine Frage von Tagen, dass das Dorf aufgegeben werden muss. Eine mächtige Bergbau-Gesellschaft verhandelt mit dem Dorfhäuptling über den Verkauf des Geländes. Der gewährt den Kindern eine letzte Frist: Wenn es bis zu deren Ablauf nicht regnet, unterzeichnet er den Verkaufsvertrag. Die letzte Hoffnung ist der Wasser-Lemur. Verzweifelt, aber überzeugt von seiner Existenz machen sich die Kinder auf die Suche nach dem Wundertier. Und sie müssen nicht nur gegen die Ignoranz der Eltern, sondern auch gegen Räuber, finanzstarke Unternehmen und korrupte Polizisten kämpfen ...
Ein wunderschönes Buch, magischer Realismus der madagassischen Art, in der besonderen Mischung aus Poesie und Härte, die den Zauber von Antonia Michaelis' Geschichten ausmacht. Einfach etwas Besonderes.

 

Antonia Michaelis: Die Wiederentdeckung des Glücks
"Ein wunderschönes Buch, magischer Realismus der madagassischen Art, in der besonderen Mischung aus Poesie und Härte, die den Zauber von Antonia Michaelis' Geschichten ausmacht. Einfach etwas Besonderes." Das habe ich gerade oben hingeschrieben, und wenn es auf das Jugendbuch passt, dann passt es auf das Erwachsenenbuch doppelt und dreifach.
"Die Wiederentdeckung des Glücks" ist die Geschichte von Terje, der dreimal nach Madagaskar fuhr, das dritte Mal als alter Mann zusammen mit seiner Tochter Nora. Es ist die Geschichte von Nora, die für eine Parfumfirma arbeitet und auf Madagaskar nach einem ganz besonderen Duft sucht. Es ist die Geschichte von Maribelle, der kleinen Prinzessin, die hinter einer Mauer gefangen ist. Aber vor allem ist es die Geschichte von Biscuit. Unfassbar, dieser Straßenjunge mit der Liebe zu seinem Fahrrad, die nur übertroffen wird von seiner Liebe zu Maribelle. Biscuit mit der magischen Fahrradklingel, mit dem unbezähmbaren Herzen, der Mann mit einem Traum und der berühmteste Cyclo-Pousse-Fahrer der ganzen Stadt. Dieses Buch ist eine Hommage an die Lastenfahrräder und Fahrradtaxis, die die Straßen Madagaskars bevölkern, und ihr Held ist ein Straßenjunge, der sich zur radfahrenden Legende emporarbeitete.
Dreimal begegnet Terje dem madagassischen Fahrradfreund. Beim ersten Treffen ist Terje noch ein junger Mann und Biscuit ein Straßenjunge, der damals noch den ungekürzten Spitznamen Bisikiletta, eben von "Bicycle" trug. Terje ist mit dem Fahrrad auf der Insel unterwegs und schenkt dem Jungen seine Fahrradklingel. Nach dem Ende seiner Tour will er ihm das Rad ganz zukommen lassen, aber es dauert Jahre, bis das nach Madagaskar geschickte Rad wirklich in die Hände des Jungen gelangt. Tatsächlich müssen Terje und Biscuit einen Einbruch in einen Gartenschuppen begehen, um das Rad zu erobern. Das dritte Mal schließlich kommt Terje als alter Mann nach Madagaskar und trifft einen Biscuit mit ehrgeizigen Plänen: Er will beweisen, dass das Cyclo-Pousse-Fahren nicht einfach nur eine Dienstleistung ist, die schlecht bezahlte, verachtete Underdogs ausüben, sondern eine hochachtenswerte Sportart von Weltbedeutung. Zu diesem Zweck organisiert er eine Weltmeisterschaft der Cyclo-Pousse-Fahrer. Und er will ein ganz besonderes Fahrrad dafür konstruieren.
Es ist wohl das beeindruckendste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe. Die Persönlichkeit des Straßenjungen und Fahrers Biscuit, die trotz Schmutz, Armut und Niederlagen von einem ungeheuren inneren Leuchten durchdrungen ist, und die sich wie ein roter Faden durch das Buch hindurchziehende Grundhaltung des "Recyclings" machen diese "Wiederentdeckung des Glücks" geradezu zu einer literarischen Lebensphilosophie. Madagaskar ist das Land des Recyclings, nichts wird weggeworfen, aller Müll, den die Europäer hier abgeladen haben, ist wertvoller Rohstoff, aus dem sich noch etwas schaffen lässt, und nichts, absolut nichts ist nutzlos. So entsteht auch zweimal ein Superfahrrad, einmal aus leeren Plastikflaschen, dann, nach einer kleinen Katastrophe, das endgültige Weltmeisterschaftsrad aus leeren Shampoo-Flaschen. Und mit diesem selbstgebastelten Müll-Rad will Biscuit tatsächlich gegen die Radler der Welt antreten, sogar gegen seinen Erzrivalen, der ein von der Telekom gesponsertes High-Tech-Rad ins Rennen schicken kann? Es ist ein Wunder.
Dieses Buch hat Magie, Poesie und ein ganz großes Herz für den Zauber des Plastikmülls. Lest! DIeses! Buch!

 

Wolfgang Bauer: Geschichte der chinesischen Philosophie
Eine übersichtliche und sehr sachkundige Gesamtdarstellung, die auch für Einsteiger gut geeignet ist. Man erfährt viel über Konfuzius, seine Nachfolger und die unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Konfuzianismus, über Mo-Di und den Mohismus, die Daoisten, über den Buddhismus und seine spezielle chinesische Ausprägung, über Gegensätze und Gemeinsamkeiten. Interessant fand ich, dass es in der konservativen Gesellschaft üblich war, dass ein Philosoph seine neuen Gedanken in Form eines Kommentars zu einem älteren Philosophen erscheinen ließ. Diese Kommentare konnten sich jedoch sehr weit vom besprochenen Buch entfernen. So lieferte Guo Xiang einen vermeintlichen Kommentar des älteren daoistischen Philosophen Zhuangzi, den ein buddhistischer Mönch mit den Worten kommentierte, Zhuangzi habe einen guten Kommentar zu Guo Xiangs Buch geschrieben.
Ich habe ein wenig ein Kapitel über den Maoismus vermisst. Wobei das vielleicht keine hundertprozentige Philosophie ist. Und ob die chinesischen Philosophen tatsächlich das betrieben, was wir unter Philosophie verstehen? Dahinter setzt der Autor auch an einigen Stellen ein Fragezeichen. Jedenfalls ist es ziemlich anders als die klassische griechische Philosophie und ihre Erben.
Insgesamt ein sehr gutes Buch mit guten Gedanken und vielen interessanten Informationen.

 

Natasha Pulley: Der Uhrmacher in der Filigree Street
Im Vorjahr hatte mich diese Autorin mit "Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit" komplett vom Hocker gerissen. Und eine Freundin meinte, ich müsse unbedingt auch den Uhrmacher lesen, der sei noch besser. Klar, dass ich diesem Ratschlag nachkommen musste. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Es ist ein Roman, der im historischen London spielt. Die Handlung setzt ein im November 1883. Allerdings ist es beileibe kein historischer Roman, es geht eher um magischen Realismus mit einem kleinen Steampunk-Element und mit einer Figur, die in die Zukunft blicken und entsprechende Vorkehrungen treffen kann.
Thaniel Steepleton ist Angestellter des Innenministeriums und dort für die Bedienung des Fernschreibers zuständig. Eines Abends kommt er von der Arbeit nach Hause und stellt fest, dass jemand in seiner Wohnung war. Nein, geklaut wurde nichts, der Eindringling hinterließ vielmehr eine kostbare goldene Taschenuhr, hergestellt offenbar von einem geradezu einzigartigen Meister der Uhrmacherkunst. Versuche, den edlen Spender ausfindig zu machen, bleiben erfolglos, und Thaniel hat auch genug andere Dinge um die Ohren, immerhin hat eine Terror-Organisation angekündigt, in genau sechs Monaten einige öffentliche Gebäude in die Luft zu sprengen. Für Innenministerium, Scotland Yard und weitere Sicherheitseinrichtungen bricht eine Zeit äußerster Anspannung und Ermittlungsarbeit aus, und die Telegrafendrähte glühen. Die Drohung ist durchaus ernstzunehmen, davon sind die Behörden überzeugt. Und sie haben recht: Genau sechs Monate später explodiert eine Bombe im Gebäude von Scotland Yard.

Das Besondere: Thaniel, der sich in nächster Nähe in einer Gaststätte befindet, überlebt, weil ihn seine Uhr rettet. Aus unerfindlichen Gründen macht das Gerät plötzlich einen Heidenlärm, und Thaniel, dem der Radau peinlich ist, läuft nach draußen, um seine Kollegen nicht zu stören und den Unruhestifter zum Schweigen zu bringen. Kaum hat er das Gebäude verlassen, stürzt es mit einem gewaltigen Krach ein. Zufall? Thaniel stellt intensive Recherchen an und landet schließlich in der Uhrmacherwerkstatt des Japaners Keita Mori. Ein Mann aus einer Adels- und Ritterfamilie, der aber das Basteln und Tüfteln mehr liebte als den Weg des Samurai. In seiner Londoner Werkstatt stellt er tausend kleine Kunstwerke her, darunter künstliche Elfen, die durch den Garten schweben, und einen mechanischen Oktopus, der durch seine besondere Programmierung völlig zufällig und für seinen Schöpfer unvorhersehbar agieren kann. Zwischen Thaniel und Keita entwickelt sich schnell eine besondere Freundschaft, und Keita wirkt darauf hin, dass Thaniel nicht nur sein vergessenes musikalisches Talent wiederentdeckt und nach Jahren der Abstinenz wieder mit dem Klavierspielen beginnt, sondern er gibt auch seiner Karriere den entscheidenden Kick: Thaniel kann bald einige Brocken Japanisch und wird in seiner Behörde daraufhin als Experte für das Land der aufgehenden Sonne entdeckt. Als derartiger Spezialist kommt er wie gerufen, immerhin steht bald ein wichtiger Besuch aus Japan in London an.
Ja, dieses Buch ist wirklich ein zauberhaftes Stück Literatur, ein hintergründiges Märchen, das im Leser die Sehnsucht erweckt nach guter Handwerkskunst, der Weisheit Nippons und den tausend kleinen staunenswerten Dingen in der Uhrmacherwerkstatt. Einfach nur dasitzen, Keita beim Arbeiten mit den mikroskopisch kleinen perfekt eingepassten Zahnrädern zusehen und Monate später verblüfft feststellen, was alles aus seinen vermeintlich zufälligen Handlungen erwuchs. Und es wäre mir völlig egal, wenn mir ein eigenwilliger mechanischer Oktopus ständig meine Socken klauen und sich in meinen Schubladen verstecken würde.
Und ist es nun tatsächlich besser als der Leuchtturm-Roman? Nein, das würde ich nicht sagen. Aber ebenbürtig auf alle Fälle.

 

Anna K. Thomas: Alsterdiamanten
Geschichte einer Hamburger Kaufmannsfamilie, die von einem Großvater mit harter Hand regiert wird. Kinder und Enkelkinder müssen sich dem Willen des Familienoberhaupts beugen und strategisch heiraten, um den Einfluss der Familie und ihr Geschäft zu vergrößern. Dies ist die Geschichte der dritten Generation. Die Geschwister Freddy, Konrad und Sophie und ihre Cousine Konstanze sind jetzt im heirats- und geschäftsfähigen Alter. Doch während die schöne Konstanze prestigeträchtig verheiratet werden kann und entsprechend stolz gegenüber der Cousine auftritt, ist Sophie eher ein Mauerblümchen, das nicht einmal durch eine reiche Mitgift gewinnbringend an den Mann gebracht werden kann. Der ältere Bruder soll einmal das Geschäft übernehmen, als Erstgeborener ist er dazu verpflichtet. Aber er würde lieber Maler werden. Der zweite Bruder hat zwar Geschäftssinn und Ehrgeiz, ist aber eben nur die Nummer zwei. Das ist die Ausgangssituation als ein geheimnisvoller und auf alle Geschwister gleichermaßen anziehend wirkender Priester in Hamburg auftaucht. Er ist Beichtvater einer Comtesse, die mit der Familie entfernt bekannt ist und nun ihren Platz in der Hamburger Gesellschaft einnimmt. Der Abbé freundet sich mit den Kaufmanns-Nachkommen an, ist guter Zuhörer und Berater. Ausdrücklich nimmt er für sich in Anspruch, dass er niemals selbst eingreift, sondern nur "Möglichkeiten aufzeigt". Doch nach und nach wird das feste Gefüge der patriarchalischen Kaufmannsfamilie erschüttert, Flucht, Selbstmord, geschäftlicher Niedergang und sinkendes Ansehen sind die Folgen. Denn der Abbé hat als Kind ein böses Schicksal durch die Familie erlitten und kam als Racheengel nach Hamburg.
Wow! Teuflisch und perfide, tragisch in seiner Unausweichlichkeit und unglaublich fein gesponnen. Ein großartiger Roman über eine Kaufmannsfamilie und den Fluch der bösen Tat des Patriarchen, entwickelt vor historischem Hintergrund und dramatischen Schilderungen des großen Stadtbrandes. Dabei mit einer vollkommen überraschenden Wendung im Showdown, die alles umkippt. Dabei wesentlich übersichtlicher als die Buddenbrooks. Spannend und in eingängiger Sprache erzählt, einfach großartig.

 

Carl Nixon: Settlers Creek
Enttäuschend. Ein spannender Klappentext und ein starker Anfang, danach lässt die Geschichte aber stark nach, beziehungsweise hält nicht, was sie verspricht.
Der Protagonist dieses Romans heißt Box Santon. Er lebt in Neuseeland, ist weiß, wie auch seine Frau. Sein Stiefsohn Mark aber ist Halb-Maori, seine Frau brachte ihn mit in die Ehe, und Box adoptierte ihn nach der Heirat.
Der Auftakt des Romans ist dramatisch. Mark begeht Selbstmord. Box lässt auf der Arbeit alles stehen und liegen, fährt zum Flughafen, fliegt nach Hause. Unterwegs gehen tausend Erinnerungen durch seinen Kopf, er hat den Jungen geliebt wie einen leiblichen Sohn. Zu Hause versuchen er und seine Frau mit der Katastrophe fertig zu werden. Sie organisieren die Beerdigung auf dem Friedhof, auf dem traditionell alle Angehörigen der Familie bestattet werden. Eine Gegend, an der viele Erinnerungen hängen, die für die Geschicke der Familie bestimmend war.
Doch es wird keine stille Beisetzung im Kreise der Familie. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich Marks Maori-Vater auf, der sich all die Jahre über niemals um seinen Sohn gekümmert hat. Und er hat nahezu seine ganze Familie mitgebracht. Was zunächst einfach nur unangenehm wirkt, steuert schließlich auf einen Konflikt hin: Marks leiblicher Vater besteht darauf, dass Mark an einer traditionellen Maori-Begräbnisstätte mit traditionellen Maori-Riten beigesetzt wird. Box widerspricht dem vehement, immerhin hatte Mark nie Kontakt zu den Maori und kein Interesse an deren Traditionen, er wuchs auf wie ein Weißer. Woraufhin die Maoris verschwinden. Doch nicht, weil sie Box' Entscheidung respektieren. Die Gruppe fährt zum Krankenhaus, in dem Mark liegt, dringt gewaltsam in die Leichenkammer ein und stiehlt den Toten. Das war das erste Viertel, und es ließ sich ziemlich gut an. Doch ab jetzt folgen nur noch Verfolgungsjagden, Prügeleien, Brandstiftungen, Einbrüche, Crashs, Diebstähle, Gesplatter und jede Menge Action-Szenen und Stunts wie in einem Hollywood-Blockbuster der brutaleren Art.
Nein, es stimmt nicht, was der Klappentext ankündigt: "Es beginnt der verzweifelte Kampf zweier Väter um ihren Sohn." Der Maori-Vater kommt im Buch gar nicht mehr vor. Was ein Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Kulturen, eine Schilderung von Traditionen und vielleicht ein Gespräch mit Austausch und wachsendem Verständnis hätte werden können, wird hier zu einer Vendetta eines verbissenen Einzelkämpfers, der mit äußerster Brutalität und Entschlossenheit vorgeht. Box hat noch nicht einmal richtige Gegner. Einmal gerät er in ein Handgemenge mit Halbstarken in der Stadt, in der der Maori-Vater lebt. An der Stätte, an der sein Sohn aufgebahrt liegt und für das Begräbnis vorbereitet wurde, begegnet Box keinem Menschen. In der Hütte sind keine Maori, da Box auf der anderen Seite des Geländes einen Kinderspielplatz angesteckt hat. Danach jagt er im Auto mit der Leiche davon, immer in Angst vor Verfolgern, die aber nie in Erscheinung treten, schlägt sich in der Wildnis durch, übernachtet in einer Hütte, bricht in einer Stadt in ein Haus ein und klaut ein neues Auto, langt schließlich körperlich und geistig am Ende seiner Kräfte an dem Friedhof an, auf dem er seinen Sohn selbst bestattet.
Offen bleiben so ziemlich alle Fragen, die zu Anfang aufgeworfen wurden. Allem voran die nach dem Motiv für Marks Selbstmord.
Das Buch ist nicht unbedingt schlecht geschrieben. Und spannend ist es durch die actionreiche Heimholung der Leiche natürlich auch. Aber ich hatte etwas anderes erwartet. Und bin aus der Reihe des Unionsverlags auch anderes gewohnt.

 

Arno Schmidt: Zettel's Traum
Oumph. Das war hardcore. Knapp 1500 schwerverdauliche Seiten, acht Bücher, zusammengefasst in fünf großformatigen Bänden, aufgrund des Überformats nicht ganz einfach in der Hand zu halten, aber man legt solche riesigen Bücher auch nicht so einfach auf den Tisch, sonst läuft es ja Gefahr, den Buchrücken zu brechen. Durch das Überformat sind die Seiten für kurzsichtige Leute schwer insgesamt zu erfassen, aber das ist noch das Harmloseste, immerhin muss man drei Spalten gleichzeitig im Auge behalten beim Lesen. Und das ist jetzt erstmal nur der materielle Aspekt. Zum Inhalt und Stil ... Holla.
Ich habe das Buch schon seit den 90ern auf dem Zettel, seit ich während des Studiums in Hannover immer wieder dieses Riesenmonster im Schaufenster einer Buchhandlung stehen gesehen habe. Das war damals wohl die alte Faksimile-Ausgabe. Und schon zu DM-Zeiten schweineteuer. Damals war die Drucktechnik noch nicht so weit, dass man das komplizierte dreispaltige - manchmal auch ein-, zwei- oder vierspaltige - Schreibmaschinen-Manuskript Schmidts 1:1 umsetzen konnte. Da stehen Buchstaben über- und untereinander, Zeichnungen und Zeitungsausschnitte sind integriert, es gibt Buchstaben aus anderen Alphabeten. Hinzu kommt die eigenwillige Schreibweise vieler Wörter, in denen der Autor Wortwurzeln oder Assoziationen hervorhebt.
Inzwischen ist die Technik fortgeschritten, seit 2010 gibt es diese Ausgabe. Die Taschenbuchausgabe war für 248 Euro zu haben, für das gebundene Prestigeobjekt hätte man noch einen Hunni mehr hinblättern müssen.
In den 70ern war es ein Kultbuch, es gab sogar einen Raubdruck. Kultbuch, hm. Naja, es geht um Sex, und das ziemlich geballt, das hat in den verklemmten 70ern in der Bundesrepublik natürlich gezogen. Aber gleichzeitig ist das Ganze so verquast und verschroben, dass es absolut nichts für Einhandleser ist. Eher ziemlich kopflastig, hochintellektuell, ein bisschen Altherrensexualität. Es ist absolut nicht vergnügungssteuerpflichtig, und mehr als 50 Seiten pro Tag sind absolut nicht drin, es hat mich fast meinen gesamten Leseurlaub lang beschäftigt.
Ist es empfehlenswert? Ich empfehle jedem, der sich mit dem Gedanken trägt, dieses Mammutwerk zu lesen, zuvor einmal Schmidts Buch "Sitara und der Weg dorthin" zu studieren. Das gibt es für kleines Geld im Antiquariat oder zum Leihen in der Bibliothek. Lest es und stellt euch dann das Sitara-Werk um noch eine Zehnerpotenz gesteigert vor, dann habt ihr eine ungefähre Idee von dem, was euch in "Zettel's Traum" erwartet.
Es ist, hm, eine Art Roman. Im Mittelpunkt steht der Schriftsteller Daniel Pagenstecher, genannt Dän, der ziemlich viele biografische und schriftstellerische Gemeinsamkeiten mit Schmidt aufweist. Dän bekommt Besuch von dem befreundeten Übersetzer-Ehepaar Wilma und Paul und der Tochter der beiden, der jugendlichen Franziska. Letztere ist, wenn ich es richtig im Kopf habe, 14 Jahre alt, sexuell hochgradig erregbar und schwer verliebt in Dän (wie offenbar schon die Frauen der Generation ihrer Mutter).
Im Gespräch mit Wilma und Paul entwickelt Dän seine "Etym-Theorie". Wobei die minderjährige Franziska schwören muss, dass sie absolut nichts versteht von dem, was die Erwachsenen reden ... Was sind Etyms? Das Wort geht natürlich zurück auf "Etymologie", hat aber nicht unbedingt etwas mit Wortwurzeln und Sprachgeschichte zu tun, sondern es geht um eine Art mitschwingende sexuelle Assoziationen, die ein Wort begleiten, auch wenn es gar keinen (etymologischen) Zusammenhang gibt. Dän und seine Besucher können so ziemlich in jedes Wort Anspielungen auf Geschlechtsorgane hineinlesen. So klingt im englischen "whole" - "ganz" - das Wort "hole" - "Loch" mit, und ein Loch ist natürlich eine dem Geschlechtsverkehr dienende Öffnung ...
Durchexerziert wird dies hauptsächlich am Gesamtwerk Edgar Allan Poes, das der Autor Schmidt, und damit auch Dän Pagenstecher, sehr gut kennt. Fast jeder Satz und nahezu jedes Wort wird daraufhin abgeklopft, ob es in irgendeiner indogermanischen, semitischen oder gegebenenfalls auch indianischen Sprache ein ähnlich lautendes Wort für Geschlechtsverkehr oder -organe gibt. Schon die Namen der Poe'schen Helden werden hier eine wahre Fundgrube, und Schmidt betont dies durch seine eigentümliche Orthografie. Aus Hans Pfaal oder Phaal wird "Hans Phall", Rodman trägt mit "Rod" (Wurzel) ebenfalls einen Penis im Namen, und wenn ein Autor schon Po(e) heißt, ist es nicht weit bis zum Analsex.
Mit einem unerschöpflichen Reservoir an Vokabeln und mit Freuds Theorien im Hinterkopf weist Dän dem Autor Impotenz und so ziemlich jede denkbare Perversion nach. Aber es geht nicht nur um Poe, sondern auch in der deutsche Alltagssprache findet Dän "Etyms", die denn auch im Text durch seine eigentümliche Rechtschreibung gekennzeichnet werden. Schmidt schreibt: "jedenPHALLS" und "ich meinesTAILS" usw. Man erfährt, dass der Zeuge vor Gericht mit "zeugen" zusammenhängt, wie auch schon im alten Rom "Testis" mit "Testiculum" zusammengehörte, da nur Männer mit Eiern als Zeugen zugelassen waren. Und dass "kastrieren" von "Castor" kommt, weil der Biber sich selbst in höchster Not die Hoden abbiss, um zu entkommen. Jeder "Pen" ist ein Penis, und somit steckt in dem englischen Wort für Pinguin, "penguin", eben auch ein "pen(is) go in". usw. usw. usw., 1500 Seiten lang.
Dazwischen äußert sich immer wieder eine mehr als heftige Begierde Franziskas, die für Dän schwärmt und sich unter anderem vor einem auf den Badezimmerspiegel gemalten Herz mit der Inschrift "D/Fr än" selbst befriedigt. Als Dän und Franziska Pilze suchen, wird die Atmosphäre ziemlich klebrig, obwohl, objektiv betrachtet, gar nichts "passiert". Aber Pilze, ihre Namen und Formen sind einfach prädestiniert für sexuelle Assoziationen. Ähnlich ergiebig sind die Diskussionen um Muscheln. Am Ende kommt Vater Paul mit der Sprache raus, was für ein Anliegen man an den reichen Schriftsteller hat: Die Familie kann sich das Schulgeld für Franziska nicht mehr leisten. Ja, Dän springt ein. Aber er stellt die Bedingung, dass er Franziska (mindestens bis zu ihrer Volljährigkeit?) nicht mehr sieht. Immerhin.
Tja, ist das Buch nun empfehlenswert? Es bietet Schweinkram (wenn man sich denn dafür interessiert) und einen gewissen intellektuellen Kitzel für den belesenen und polyglotten Bildungsbürger. Anstrengend ist es aber auf jeden Phall. Und wenn man sich zu tief in das Wahnsystem der Etymlehre hineindenkt, kann es passieren, dass man auch noch danach beim Lesen ganz normaler Texte ziemlich krause Sachen denkt. Einmal habe ich sogar nachts geträumt, ich hätte einen Zusammenhang zwischen dem griechischen Wort "tachýs" (schnell), dem jiddischen "Tacheles" (Klartext) und der norddeutschen Begrüßung "Tach" entdeckt. Aber fragt mich nicht, worin dieser Zusammenhang bestand ...

 

Bessy, Band 43: Die Geisterhütte
Andy und Bessy bereisen die Großen Seen auf der Suche nach den letzten Choctaw-Indianern. Andy hat von einem Verlag den Auftrag bekommen, Lebensweise und Kultur dieses Stammes zu dokumentieren. Bei einer Pause stromert Bessy allein herum, jagt ein Kaninchen und gerät in eine Falle, die der Choctaw-Junge Falkenfeder gebaut hat, und wird darüber hinaus auch noch von einer Giftschlange bedroht. Falkenfeder und seine Freundin Flughörnchen retten Bessy und nehmen sie mit in ihr Lager. Wenig später stößt auch Andy zu den Indianern. Er wird freundlich aufgenommen, aber der Häuptling spricht eine ernste Warnung aus: Es ist streng verboten, die Geisterhütte zu betreten. In dem Wickiup nahe dem Lager hat sich vor einiger Zeit eine Tragödie abgespielt. Ein Weißer und seine indianische Frau kamen hier auf mysteriöse Weise ums Leben, erzählen die Choctaw. Andy und Bessy schließen Freundschaft mit den Choctaw und helfen ihnen, als sie von feindlichen Natchez angegriffen werden. Doch die Hütte zieht Andys Neugier auf sich. Zumal dort einige Weiße herumschnüffeln. Schließlich verbannt ihn der Häuptling wegen der Missachtung des Tabus aus dem Dorf. Andy widmet sich daraufhin ganz dem geheimnisvollen Wickiup und kommt ihrem Geheimnis auf die Spur. Dabei wird es für ihn und Bessy lebensgefährlich.
Sehr schönes Abenteuer, bei dem wir Andy als Zeichner und Berichterstatter erleben und auch etwas über die Kultur der Choctaw erfahren. Sehr interessant das nächtliche "Jagen mit Licht", bei dem die Choctaw an ihren Kanus Feuertöpfe und einen Birkenrinden-Schirm anbringen, um Tiere anzulocken. Ein riesiger Elch ist die Jagdbeute, sehr eindrucksvoll. Seltsam, sonst heißt es ja immer, dass man ein Feuer anzünden muss, um die wilden Tiere abzuschrecken ...

 

Weitere Jahresrückblicke
2025, 1. Teil: Januar bis März
2025, 2. Teil: April bis Juni

2025, 3. Teil: Juli bis Oktober
2025, 4. Teil: November

 

© Petra Hartmann




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Jahresrückblick 2025: November

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 31 Dezember 2025 · 787 Aufrufe
Jahresrückblick

Hier kommt der vierte Teil meines Lektüre-Jahresrückblicks. Da der November, bedingt durch meinen Lese-Urlaub, wieder ziemlich voll geworden ist, ist mein viertes Quartal, wie gewohnt, nur einen Monat lang, und der Dezember folgt separat.
Beschäftigt haben mich diesmal vor allem römische Literatur (Terenz, Seneca und stoische Philosophie) und Kleinverlags-Phantastik. Außerdem gab es ein paar Horror-Klassiker und Krimis (indianisch und lokal) sowie etwas über Helgoland und über Quastenflosser-Forschung. Viel Spaß damit!

 

Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.

 

November

 

Terenz: Adelphoe - Die Brüder. Lateinisch-Deutsch (Reclam)
Ich setze meine im Oktober begonnenen Terenz-Lektüre fort. Die Komödie über ein Brüderpaar, das sehr ungleich erzogen wird, geht erneut auf eine Vorlage des griechischen Dichters Menander zurück und liegt hier in einer schönen zweisprachigen Ausgabe mit Anmerkungen, Literaturhinweisen und Nachwort vor. Es geht um zwei Brüder Ctesipho und Aeschinus. Ctesipho wird von seinem Vater Demea ziemlich streng erzogen, der Bruder Aeschinus hingegen wurde an den Onkel Micio übergeben, der eher großzügig und locker mit seinem Adoptivsohn umgeht. Immer wieder diskutieren Vater und Onkel über ihre unterschiedlichen Erziehungsmethoden.
Die beiden jungen Männer haben sich verliebt. Aischinus in ein junges Mädchen namens Pamphila, das er vergewaltigt und schwängert, Ctesipho in eine Kitharaspielerin, die zu gewinnen ziemlich kompliziert ist. Sein Bruder kann sie einem Kuppler rauben, woraufhin der Eindruck entsteht, er selbst sei scharf auf das Mädchen. Es gibt Verwechslungen, ein ständiges Hin und Her und die Klärung der Frage, wer denn nun zu wem gehört. Am Ende gibt es aber zwei glückliche Paare und einen Vater, der sich zur Großzügigkeit gegenüber seinem Sohn bekehrt. Schon die zweite Komödie, in der ein Mädchen vergewaltigt wird und danach den Mann heiratet und glücklich mit ihm wird. Komische Vorstellung von Komödie.

 

Spuk im Weltraum. Marburg Award 2025
Die Storys zum Marburg Award. Erneut ein sehr schöner, liebevoll gestalteter Sammelband mit den zum Wettbewerb eingereichten Geschichten und passenden Illustrationen. Diesmal von den Genres her nicht so breit aufgestellt wie sonst. Bei einem Thema wie "Spuk im Weltraum" sind auch weniger Fantasy-Storys oder Märchen zu erwarten. Gespenster, Aliens, Seelen verschollener Raumfahrer, Bordrechner und KIs spuken in Raumschiffen und Wracks, auf Stationen oder auf fremden Planeten. Größtenteils gute Geschichten, aber ich fand den Band diesmal trotz der Vielzahl der Autoren etwas monoton, das Thema war offenbar doch etwas zu konkret für große Überraschungen und großen Reichtum an Variationen.

 

Iva Moor: Das Lied der Tollpatsche
Fünf Geschichten aus dem Herbstgebirge, aus der Welt eines liebenswerten Volks, das sich Dappen nennt. Die erste Story erschien bereits in einer Anthologie, doch die Autorin merkte wohl ziemlich schnell, dass in diesem Völkchen mehr steckt. Die erste Geschichte erzählt von einem Fest, zu dem sich die unterschiedlichsten Völker treffen. Auch die junge Erle Zapf ist mit ihrer Familie angereist. Die Dappen wollen hier etwas vorsingen. Außerdem hat Erles Vater vor, einen Mann für sie zu finden. Doch darauf hat Erle keine Lust. Als dann ihr kleiner Bruder in eine brenzlige Situation gerät, kann Erle zeigen, was in ihr steckt.
Die zweite Geschichte handelt von einer jungen Albin, deren Bruder sich in einen Nachtalb verwandelt und über sie herfällt. Es geht um das Verhältnis von Alben zu Nachtalben, um Blut und darum, wie die berühmten Belrohil-Stoffe ins Land der Dappen und Nachtalben gelangten. Teil drei ist dem Dappenmädchen Leia Zapf und den Vorbereitungen für ein besonderes Fest gewidmet. Es geht um einen Baum mit Lichtern. Im vierten Text geht es um die Kunst der Handarbeit, das Sticken und Spinnen mit Belrohil, in dem es die Dappen zu einer wahren Meisterschaft gebracht haben. Und um einen Jungen, der sich in der alten Kunst bewährt. Im letzten Kapitel geht es um eine dappische Tradition: Leia soll ihre Maidenweihe erhalten und benötigt dazu ein besonderes Kleid.
Eine schöne Sammlung mit lesenswerten Geschichten, in der Probleme bewältigt werden, die nicht nur Dappen betreffen. Angenehm zu lesen und im praktischen Hosentaschenformat. Sehr schön gestaltet.

 

Terenz: Andria. Lateinisch-Deutsch (Reclam)
Zweisprachige, kommentierte Ausgabe. Das Nachwort gibt auch einen gerafften Überblick über die gesamte römische Komödienliteratur. Andria ist das dramatische Debüt des Terenz. Auch hier hat er sich bei Menander großzügig inspirieren lassen. Es geht um eine Intrige, bei der ein pfiffiger Sklave hilft. Vater Simo will seinen Sohn Pamphilos hereinlegen und täuscht vor, ihn verheiraten zu wollen. Wenn Pamphilus das väterliche Gebot nicht erfüllt, soll er bestraft werden. Hintergrund ist, dass Pamphilos ein Verhältnis mit der Nachbarin Glycerium hat, von dem der Vater Wind bekam. Sie ist inzwischen von ihm schwanger und steht kurz vor der Niederkunft. Doch Pamphilus steht treu zu seiner Freundin. Es gibt eine Menge Verwechslungen, Täuschungen und Gegentäuschungen, ein Hin und Her um das Baby, schließlich stellt sich noch heraus, dass Glycerium eine verschleppte Tochter eines Freundes von Simo ist, also eine Freie. Schließlich gibt es ein Happy End, und die Liebenden dürfen heiraten. Bisher eine der verschlungensten Komödien von Terenz, die ich gelesen habe. Sehr sorgfältig gebaut, hat Spaß gemacht.

 

Monika Grasl und Asmodia Tear: Die Rache der Baba Jaga
Rasputin, einmal anders. Düstere Träume quälen den Magier am Zarenhof: Er sieht den Tod der Zarenkinder voraus. Wer schickt ihm diese qualvollen Träume? Eine Person aus seiner Vergangenheit? Endlich kommt er zu dem Schluss, dass es die Baba Jaga sein muss, die ihn nachts mit diesen furchtbaren Traumgesichten heimsucht. Denn sie hat mit ihm noch eine Rechnung offen.
Es wird eine Reise in die Vergangenheit, der sich Rasputin stellt. Erinnerungen an die Zeit, als er noch ein kleiner Junge war, Sohn eines Trunkenbolds, geschlagen, halb verhungert, immer auf der Flucht und als Bastard beschimpft. Sein Leben änderte sich, als die Baba Jaga ins Dorf kam, um ihn abzuholen. Sein Vater hat ihn verkauft.
Als Schüler der Baba Jaga beginnt Rasputin ein neues Leben, lernt Magie und all das, was ein Meister der schwarzen Kunst wissen muss. Doch dann kitzelt Rasputin der Ehrgeiz, eine geheimnisvolle Stimme ruft ihn an den Zarenhof, als Heiler für den schwer erkrankten Kronprinzen. Und statt die Traumwanderung zu lernen, flieht Rasputin aus der Hütte der Baba Jaga.
Nun also ist sie wieder da. In Gesprächen mit den Zarenkindern - besonders zu Anastasia pflegt er ein sehr inniges Verhältnis - erzählt er von seiner Vergangenheit, spricht von den drohenden Gefahren, schließlich muss er sich der Hexe stellen ...
Ein sehr interessanter, literarischer Roman, düstere Fantasy vom Feinsten, die durch die unterschiedlichen Erzählebenen - Träume, Visionen, Gedankenstimmen, Rückschau auf die Kindheit, ungeheuer vielschichtig wirkt. Spannend, dunkel, bedrohlich, gleichzeitig gut geschrieben und sehr angenehm zu lesen. Ein dickes Lob auch für das von D. Klewer gestaltete Titelbild, das in düster-dramatischen Grün-Blau-Tönen eine windschiefe, bemoste Baba-Jaga-Hütte auf einem halbverwitterten Baumstamm zeigt, bewacht von einem unheimlichen, sich am Himmel abzeichnenden Augenpaar. Beeindruckend.

 

Terenz: Heautontimorumenos - Einer straft sich selbst. Lateinisch-Deutsch (Reclam)
Erneut ein Stück, dessen Vorlage Menander lieferte, dessen Text ist jedoch nicht erhalten. Es geht um einen Vater, der seinen Sohn dazu gebracht hat in den Krieg zu ziehen. Letzterer hatte sich in ein Mädchen verliebt, war aber von seinem Vater derart heftig niedergemacht worden, dass er wegging und Soldat wurde. Nun quält sich der Vater selbst, bürdet sich die härtesten Arbeiten auf und schuftet auf seinem Landgut wie der elendeste Sklave, um seine Härte gegen den Sohn zu sühnen. Es gibt noch einen weiteren Vater und einen verliebten Sohn, dazu wie in den "Brüdern" Diskussionen um Erziehungsprobleme. Klar, dass am Ende dann doch nach einigen Verstrickungen eine Doppelhochzeit gefeiert werden kann. Nette Geschichte, gut geschrieben, vor allem der intrigante Sklave, der am Ende für seine Streiche begnadigt wird, macht Spaß. Ansonsten ist die Komödie bekannt durch ein Zitat, das zum geflügelten Wort wurde: “Homo sum, humani nihil a me alienum puto” - „Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd“.

 

F. T. Bock: Durch die Zeit reisen und in Ärsche treten
Manche Bücher kauft man sich einfach wegen des Titels. Die Geschichte ist aber auch nicht schlecht. Sie erinnert in der Ausgangssituation ein wenig an "Per Anhalter durch die Galaxis". Ein Typ namens Desmond will eigentlich nur in den Pub, als plötzlich Sachen und Wesen in seinem Dorf auftauchen, die nicht in die Gegenwart gehören, wie Dinosaurier und Nazi-Bomber. Und genau so plötzlich stellt sich heraus, dass sein Freund Winston, den er eigentlich für einen ziemlich normalen Menschen gehalten hat, in Wirklichkeit ein Zeitreisender ist.
Irgendwas ist nicht in Ordnung mit der Zeit, und so springen Desmond und Winston durch verschiedene Epochen, um die Anomalien und Anachronismen zu stoppen und die Zeitlinie zu retten. Was gar nicht so ungefährlich ist. Denn hier ist eine gefährliche Organisation am Werk, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Zeitreisen zu stoppen. Dies kann Zeitreisende schon mal das Leben kosten oder ihnen zumindest die Heimkehr unmöglich machen. Denn die Gruppe, angeführt von einem hasszerfressenen ideologieverseuchten Hardliner, zerstört jede Zeitmaschine, derer sie habhaft werden kann - was jedes Mal neue und schlimmere Anachronismen hervorruft. Ob auf dem Turm von Babylon oder unter römischen Gladiatoren in der Arena, Desmond und Winston geraten von einer brenzligen Situation in die nächste. Schließlich stranden sie sogar ohne Chance auf Rückkehr im Nirgendwo. Nein, durch die Zeit zu reisen und in Ärsche zu treten, ist zumindest für die Helden dieses Buches nicht lustig. Für die Leser natürlich schon. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert.

 

Terenz: Phormio. Lateinisch-Deutsch (Reclam)
Wieder eine Komödie, die auf eine Vorlage zurückgeht, diesmal von Apollodoros, das Original ist jedoch verschollen. Phormio, der Titelheld, ist ein gewitzter Schmarotzer, der sich im Stück als Arrangeur zweier Hochzeiten für seine Freunde und Gönner hervortut.
Es geht um zwei junge Männer, die sich verlieben und die Mädchen heiraten wollen. Aber die Väter, zwei Brüder, sind abwesend und würden ihre Zustimmung zu den beiden Ehen nicht geben. Denn Phaedria liebt eine unfreie Lautenspielerin, Antipho hat sich zwar in eine Freie verliebt, seine Phanium ist jedoch ein Waisenkind und hat kein Geld. Phormio regelt die Sachen dreist und kriminell. Er betätigt sich als Urkundenfälscher und legt vor Gericht Papiere vor, die beweisen, dass die arme Waise mit Antipho nahe verwandt ist. Und einem alten attischen Gesetz zufolge muss eine Waise vom nächsten Verwandten geheiratet werden. Das Gericht entscheidet demnach knallhart, dass Antipho seine Phanium heiraten muss. Ein Urteil, dem er sich nur allzu gern beugt. Phormio deichselt auch die Geschichte mit Phaedria und der Harfenspielerin und der nötigen Kohle für den Kuppler. Als Phaedrias Vater nach Hause kommt, ist er stinksauer, denn er hatte bereits eine Ehe für seinen Sohn arrangiert. Der Sohn soll eine "natürliche Tochter" seines Onkels heiraten. Ratet mal, wer diese natürliche Tochter ist. Richtig, Phaedria hat sich genau in das richtige Mädchen verliebt.
Die Geschichte hat mir von allen am besten gefallen, vielleicht auch, weil ich hier nichts so oder so ähnlich schon mal Gelesenes vorfand. Das Original ist ja verschollen, und auch die Ausgangssituation ist ja eine etwas andere. Und der entschlossene und in seiner Dreistigkeit irgendwie auch liebenswürdige "Beziehungsmanager" Phormio ist schon ein ausgesprochen interessanter Charakter. So, damit bin ich mit den Reclam-Ausgaben der Terenz-Komödien durch. Was mir noch fehlt, ist die sechste, "Hecyra - Die Schwiegermutter". Vielleicht finde ich im nächsten Jahr noch eine gute Ausgabe.

 

Plüschies alive
Was passiert im Kinderzimmer, wenn die Menschen nicht zusehen? Die uralte Menschheitsfrage hat schon zahlreiche Teddybären-Abenteuer und Puppen-Dramen hervorgebracht. Nun hat der Leseratten-Verlag mit seiner neuen Anthologie "Plüschies alive" neues Licht ins Dunkel gebracht und zeigt, welche Tragödien und Verbrechen, aber auch herzergreifende Szenen von Liebe, Heldentum und Opferbereitschaft sich dort im Verborgenen abspielen. 16 Autoren erzählen in ihren Beiträgen über die geheime Welt der Stofftiere. Wir begegnen klugen Detektiven und Privatschnüfflern, die die kleinen oder großen Mordfälle im Kinderzimmer aufklären, und fiesen Karrieristen, die in der Gunst ihres Kindes aufsteigen wollen, indem sie ihren Konkurrenten das Kuschelfell mit Klebstoff oder Bonbons verkleben. Wir treffen auf eitle Puppen, auf das heldenhafte "B-Team" im Action-Einsatz, auf Neulinge, die noch nicht wissen, wie der Hase läuft. Der Leser erfährt etwas über das Bankwesen im Kinderzimmer und darüber, dass Watte die härteste Währung der Welt ist. Abenteuerliche Rettungsaktionen und die Suche nach verschollenen Freunden zeigen, dass kleine Plüschtiere an Heldenmut und Einsatzbereitschaft den großen Helden der Hollywood-Blockbuster in nichts nachstehen. Aber gegen Panik ist keine Stofftier-Gemeinschaft gefeit, wenn die Mutter eines Tages das gefürchtete "Wort mit A" ausspricht. Aussortieren. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt.
Das Buch ist eine zauberhafte Liebeserklärung an die eigene Kindheit - voll Herz und Humor, ernsthaft und parodistisch, aber immer zum Knuddeln. Ein dickes Lob geht an Holger Much für das Cover. Unfassbar, wie viele unterschiedliche Teddybären einem da entgegenblicken. Dschungelkämpfer, Kettensägenmassaker-Brummis, schwer bewaffnete Kuscheltiere, die mit Klo- und Zahnbürste, Uhu- oder Ketchup-Flasche und grimmigem Gesicht, deutlich machen, dass sie zu allem bereit sind, um sich gegen Knuddelattacken zu verteidigen. Einfach zum Umarmen.

 

Edgar Allan Poe: Die schwarze Katze (+Der Untergang des Hauses Usher) (Reclam)
Zufallsfund in meiner Lieblingsbuchhandlung. Es gibt ja leider wenige Buchhandlungen, die noch ein Reclam-Regal haben.
Poe erzählt die Geschichte eines Mannes, der wegen Mordes an seiner Frau zum Tode verurteilt worden ist. Der Ich-Erzähler versucht zu erklären, was passiert ist. Angefangen hatte alles mit einer Katze, mit der er sich auch gut verstand, bis er in seiner Trunksucht dem Tier mit dem Messer ein Auge ausstach. Alkohol, Schuldgefühle und ein offenbar langsam wachsender Wahnsinn treiben ihn dazu, das Tier später aufzuhängen. Eine neue Katze kommt ins Haus. Das Tier gerät dem Mann auf der Kellertreppe zwischen die Füße, der wird sauer, will es mit der Axt erschlagen, doch seine Frau fällt ihm in den Arm, um die Katze zu retten. Woraufhin sich die Wut des Mannes auf die Frau entlädt. Wohin mit der Leiche? Er mauert sie im Keller ein. Als mehrere Tage später die Polizei zu ihm ins Haus kommt, verrät ihn jämmerliches Katzengewimmer aus der Wand - er hatte die Katze versehentlich mit eingemauert. Böse, rabenschwarz, hat mich echt angefasst.
Als zweite Geschichte ist der deutlich längere "Untergang des Hauses Usher" mit abgedruckt. Eine Geschichte, die ich in den 90ern schon mal für ein Seminar über Horrorliteratur lesen "musste". Interessante psychologische Studie über eine Adelsfamilie, in der über Jahrhunderte hinweg immer nur ein einziger Erbe überlebt hat, sodass es nie Seitenlinien gegeben hat. Nun sind nur noch der letzte Sohn und seine Schwester da. Ein Freund des Sohns erlebt das Verlöschen seines bleichen, schwächlichen, anämischen Freundes mit. Kurz zuvor war schon dessen Zwillingsschwester in die Familiengruft gebracht worden. Allerdings - sie war nur scheintot. Als sie plötzlich blutüberströmt vor dem Bruder steht und sich sterbend auf ihn wirft, tötet ihn der Schock. Der Ich-Erzähler flüchtet aus dem Schloss und sieht beim Blick zurück, wie das alte Gemäuer in sich zusammenfällt. Sehr eindrucksvoll, zu Recht ein Klassiker.

 

Hendrik Thomsen: Irrlicht. 1: Absturz

 

Stefan Kruecken: Das muss das Boot abkönnen
Eine hysterische Zeit, Unsicherheit, Hass, Hetze und Häme allenthalben. Wo sind die Ruhe, der klare Blick, der Anstand und die Zuverlässigkeit geblieben? Auf der Suche nach Orientierung und Haltung können wir von Schiffskapitänen etwas lernen, ist Stefan Kruecken überzeugt. In seinem Buch stellt er Männer vor (ja, ausschließlich Männer), die im Sturm den Überblick behalten, Boot und Mannschaft durchbringen und sich nicht vom allgemeinen Geschrei beeindrucken lassen. In Anekdoten und Erlebnisberichten stellt er Vorbilder für Verantwortung und Vertrauenswürdigkeit vor, von deren Entscheidungen Leben und Gesundheit ihrer Mannschaft abhängen und die sich in manchen Krisensituationen bewährt haben. Ein Modell für Politik und Gesellschaft? Kruecken jedenfalls wünscht es sich und stellt die Vorbildfunktion dieser Kapitäne heraus, die im Sturm ihr "Dienstgesicht" aufsetzen, auch wenn ihnen der Hintern tausendmal auf Grundeis geht, die einfach nur Klarheit und Sicherheit ausstrahlen und ihr Boot durchbringen. Wobei der Autor die Angehörigen dieses Berufsstandes durchaus nicht komplett verklärt und glorifiziert. Einige schwarze Schafe und katastrophale Stelleninhaber hat es durchaus gegeben, so erinnert er an die Havarie der Costa Concordia, bei der der Kapitän nicht nur leichtsinnig und unfähig agierte, sondern auch als einer der ersten von Bord flüchtete. Lesenswertes Buch, aber ich schätze, Kapitän wird man nur auf See, und Haltung erwirbt man nicht aus Büchern, sondern im Sturm. Trotzdem sehr anregend.

 

Selma Lagerlöf: Die Geisterhand (Reclam)
- Die Geisterhand
- Die Rache bleibt nicht aus
- Eine Geschichte aus Halstanäs
- Vineta
Schon das zweite Lagerlöf-Buch, das ich dieses Jahr lese. Die zweite große schwedische Schriftstellerin hat auch im Bereich der unheimlichen Geschichten einiges zu bieten. Der vorliegende Band enthält vier fein komponierte, ausgesprochen elegante Erzählungen. Die Titelgeschichte handelt von einem besonderen Spuk, der in der Familie einer jungen Braut immer wieder auftritt. Wenn im "Gespensterzimmer" jemand beim Kartenspielen betrügt, legt sich eine Hand auf den Tisch, eine uralte Hand mit Diamantring und Spitzenärmel, und deutet mit dem Finger schweigend auf die unkorrekt abgelegte Karte.
Nun sitzt die Braut im Zimmer und schreibt einen Brief an den Bräutigam. Doch als sie die Worte "Mein gel..." schreibt, legt sich die Geisterhand auf den Brief. Die Frau ist vollkommen verstört. Ja, sie hat "falsch gespielt". Sie liebt den Mann nicht, sie wollte ihn nur heiraten, um von zu Hause wegzukommen, gesteht sie ihm, vom schlechten Gewissen getrieben. Der Mann ist schockiert. Aber hochanständig. Er nimmt den Ring tiefbetroffen wieder an sich, spricht danach so verständnisvoll und tief ergriffen mit ihr, dass das Mädchen sich nun doch in ihn verliebt. Eine neue Verlobung ist die Folge.
Meine Lieblingsgeschichte im Buch ist "Die Rache bleibt nicht aus". Eine Geschichte über eine Frau, die manchmal übernatürliche Eingebungen hat. Aufgrund einer solchen Eingebung verlässt sie das Haus und findet im Wald drei halbverhungerte und fast erfrorene Männer, die sie in ihr Haus aufnimmt und wieder aufpäppelt. Der arrogante Pfarrer des Ortes will aber nichts davon wissen, dass die Frau eine gute Tat vollbracht hat und ein Wunder erfuhr. Er beschimpft sie als böses Trollweib. Pah, dabei hat der Pfarrer seinen eigenen Wohlstand eigentlich nur ihr zu verdanken. Die Frau erzählt ihren Bekannten und Nachbarn, wie es zuging, als sie damals die Geister austrickste und seinen verstorbenen Bruder dazu brachte, ihr zu verraten, wo er seinen ganzen Reichtum versteckt hatte. Dankbarkeit zeigte der Pfarrer, obwohl er es versprochen hatte, nicht. Dafür ereilt ihn nun die Strafe. Denn am nächsten Tag findet man den Pfarrer erschlagen vor. Die drei Landstreicher, die die Geschichte vom Schatz mit angehört hatten, haben ihn erschlagen und ausgeraubt. So schnell kann es gehen.
Die Geschichte von Halstanäs erzählt von einem Dummejungenstreich eines heute wohlhabenden Menschen, der sich als feuriger Geisterreiter verkleidete und die Leiche einer armen Frau stahl. Ein Freund träumt bei einem Besuch auf dessen Landgut von einem Mann mit Stiernacken, platter Nase, Schweinsaugen und einer blutigen Hand. Wenig später sieht er genau diesen Mann unter dem Gesinde seines Freundes und rät ihm dringend, ihn zu entlassen. Vergebens. Ein Jahr später erhält er die Nachricht, sein Freund sei erschlagen worden. Von dem Mann mit Stiernacken, platter Nase und Schweinsaugen.
Die Geschichte "Vineta" schließlich spielt in Visby. Im Mittelpunkt steht ein Mädchen, später eine Frau von etwas schlichtem Gemüt. Ein Engländer, der per Schiff angereist ist und unterwegs mit dem Steuermann Freundschaft geschlossen hat, entdeckt bei einem Spaziergang durch die Stadt die rätselhafte Frau und verliebt sich in sie. Nach und nach erfährt er ihre Geschichte, in der sein Freund Tom eine nicht unbedeutende Rolle spielte.
Vera ist dumm, aber lieb und treu und vergöttert schon als kleines Kind den gleichaltrigen Tom. Tom kann ihr so gut wie alles einreden und macht sich manchmal auch einen Jux daraus. Doch Vera folgt ihm mit aller Hingabe. Und er macht wirklich böse Scherze mit ihr. Etwas Liebe ist aber auch im Spiel. Doch als Tom, der Seemann geworden ist, von einer Fahrt zurückkehrt, hat man sie an einen Schmied verheiratet. Der erleidet später einen Schlaganfall. Vera pflegt ihn, wie es ihre Pflicht ist. Schließlich lässt sich der Gelähmte von ihr ans Meer bringen, stürzt sich ins Wasser und lässt es so aussehen, als habe Vera ihn umgebracht. Doch Tom steht ihr bei, hilft ihr auch sich zu verteidigen, sodass sie vom Verdacht des Mordes freigesprochen wird. Und nun führt sie ihre wunderliche, etwas weltfremde Existenz ... Schließlich kann der Engländer sie für sich gewinnen.
Das hört sich jetzt etwas ungelenk an, ist aber sehr eingängig und atmosphärisch geschrieben. Eine sehr gediegene und berührende Textsammlung.

 

Andrea Tillmanns: Das Glück wohnt gleich nebenan
Liebeswerter und leichtfüßiger Roman über eine junge Frau, die ihren Job verliert und sich danach als Fotografin selbstständig macht.
Sandra hat die Schnauze voll. Als ihr cholerischer Arschloch-Chef ihr wieder mal die Hölle heiß macht, zieht sie die Reißleine und kündigt. Doch was nun? Beim Arbeitsamt kriegt sie zwar ein paar Adressen für Bewerbungen, aber das einzige Vorstellungsgespräch zeigt ihr ziemlich schnell, dass der betreffende Chef auch nicht gerade das Gelbe vom Ei ist.
In der neu gewonnenen Freizeit belebt Sandra ihr altes Hobby, die Fotografie, wieder. Sie hat ein besonderes Talent und einen großen Ehrgeiz, besondere, einzigartige Porträtfotos zu erstellen und die Fotografierten passend zu ihrer Individualität in Szene zu setzen. Ungewöhnliche Inszenierungen, besondere Locations, Schminke, Accessoires - über das alles macht sie sich sehr viel Gedanken, bis sie dann endlich das perfekte Bild eines Menschen geschaffen hat. Ihr Nachbar Leonard (gut aussehend, nett und ein engagierter Hobbykoch) gibt ihr den Tipp, in einer düsteren Kulturkneipe nach einer Ausstellungsmöglichkeit zu fragen, und tatsächlich: Sandra darf dort ihre besten Bilder aufhängen. Die Vernissage läuft gut, es gibt erste Bestellungen und Aufträge für Foto-Shootings. Dann will Sandra ein eigenes Geschäft eröffnen.
Die Geschichte ist ein wirkliches Gute-Laune-Buch. Leicht und unbeschwert kommt es daher, und trotz des von vielen gefürchteten Schicksals - Arbeitslosigkeit - herrschen hier die hellen Farben vor. Vielleicht läuft alles etwas zu glatt, im wirklichen Leben wäre Sandras Start in die Selbstständigkeit sicher etwas härter geworden. Die erste Ausstellung klappt. Der freundliche Herr vom Arbeitsamt bewilligt sofort die finanzielle Unterstützung für das neue Unternehmen. Es gibt Aufträge. Sandra knüpft, als sie ihren neuen Laden eröffnet, gleich Kontakte zu den Nachbargeschäften, und ein unattraktiver grauer Hinterhof, an dem diese Buden und Läden liegen, blüht auf und wird aus dem Dornröschenschlaf geweckt.
Von den im Klappentext angekündigten "Rückschlägen", die Sandra beim Weg in die Selbstständigkeit hinnehmen muss, habe ich im Buch nichts gefunden. Oder ist damit gemeint, dass sie nicht sofort eine zweite Location für eine weitere Ausstellung findet? Es läuft alles glatt und rund in diesem Buch. Vielleicht, weil Sandra als positiver Mensch eine solche Freundlichkeit ausstrahlt, dass ihre Gesprächspartner einfach etwas zurückgeben müssen. Und als Sandra sich, obwohl sie das überhaupt nicht will und es sich verboten hat, in Leonard verliebt, ist der freundliche Nachbar natürlich auch Feuer und Flamme. Dabei hatte Sandra Leonard eigentlich für "tabu" erklärt, als sie sah, dass ihre Nachbarin und gute Freundin Elke mit ihm flirtete. Neinnein, alles in Ordnung, versichert Elke. Sie habe nur demonstrativ mit Leonard geflirtet, um Sandra eifersüchtig zu machen und Sandra Liebe zu befeuern. So steht dem Traumpaar nichts im Wege, als sich Sandra in der Begeisterung über ihren neuen Laden vollkommen vergisst, Leonard umarmt und ihn küsst. Ein Happy End für ein freundliches Buch, nach dessen Lektüre es einem einfach gut geht.

 

Mariana Leky: Erste Hilfe
Ein Buch, das mir meine Lieblingsschwester geschenkt hat. Sie war so begeistert von "Was man von hier aus sehen kann" (das Buch mit dem Okapi), dass sie sich auch dieses Buch gekauft hat, mit dem sie aber irgendwie nicht warm wurde. Ich fand es gar nicht so schlecht.
Es ist der Erstling der Autorin. Sie schreibt über ein Trio aus drei eigentlich fast normalen Menschen, mit einigen liebenswürdigen Besonderheiten. Die Ich-Erzählerin ist Mitarbeiterin eines Zoogeschäfts und lebt zusammen mit Sylvester, den sie eigentlich schon kannte, bevor sie sich kennenlernten - Sylvester war nämlich auf einem Werbeplakat für eine Bank zu sehen. Die Dritte im Bunde ist Matilda, die den "größten Hund der Welt" besitzt und sich im Zoogeschäft ihr gekauftes Aquarienzubehör als Geschenk einpacken lässt. Matilda ist schüchtern, spricht nur sehr leise. Plötzlich entwickelt sie eine Angststörung: Sie traut sich nicht mehr, Straßen zu überqueren. Ein unangenehmes Handicap auf Wegen in der Stadt oder beim Gassigehen mit dem Hund. Immer wieder bleibt sie stehen, steht stundenlang am Straßenrand und traut sich nicht weiter zu gehen. Die beiden Freunde versuchen ihr zu helfen. Sie begleiten sie auf eine Odyssee durch verschiedene Psychiater- und Therapeuten-Praxen. Jeder hat andere, teilweise sehr skurrile Tipps und Behandlungsmethoden. Eigentlich ein ernstes Thema, aber Leky erzählt das Ganze federleicht und humorvoll, es ist mehr absurd-magischer Realismus als ein Problembuch. Glaubwürdig? Naja, Termine bei einem echten Psychiater oder Therapeuten zu bekommen, ist im realen Leben nicht gerade einfach, aber Matilda besucht in kürzester Zeit dutzendweise Fachleute. Egal, es ist ein Buch, das sich gut lesen lässt und gute Laune macht. Mir hat's gefallen.

 

Curt Bloch: Das Unterwasser-Cabaret

 

Schatten aus der Sonnenwelt
Der Verlag Torsten Low hatte mir bereits zwei sehr interessante Bände mit Phantastik aus Bulgarien beschert. Jetzt also spekulative Fiktion aus Griechenland. Und der Titel "Schatten aus der Sonnenwelt" ist tatsächlich Programm, es ist eine Sammlung der starken Kontraste, Licht und Schatten treffen aufeinander, und das nicht, um eine harmonische Dämmerung zu erzeugen. Enthalten sind zehn Geschichten von zehn Autorinnen und Autoren, die eine sehr große Bandbreite abdecken.
Es ist insgesamt eine Sammlung, die sich nicht einfach so nebenbei konsumieren lässt, keine gefälligen, netten Geschichten, man muss sich schon ein wenig hindurchbeißen. Was nichts Schlechtes sein muss. Besonders im Gedächtnis hängengeblieben ist mir die Geschichte "43 Minuten". Es geht um einen 13-Jährigen, der als Prostituierter arbeitet. Er ist hübsch, hat gutbetuchte Kunden und einen Chef und eine Organisation, die ihm Sicherheit gibt. Die wichtigste Regel für seine Arbeit: Vor der Tür des Kunden muss er eine Pille schlucken. Diese tilgt für die nächsten 42 Minuten sein Gedächtnis aus. Der Akt dauert jeweils 30 Minuten, so wacht er immer wohlbehalten im Auto seines Betreuers auf und erinnert sich an nichts. Ein gutes Gefühl, ein Gefühl der Geborgenheit. Doch eines Tages vergisst der Junge, seine Pille einzuwerfen, und erlebt einen Alptraum. Eine widerliche Vorstellung. Warum nur habe ich das Gefühl, dass so etwas gar nicht so weit hergeholt ist ...?
Ist die Geschichte repräsentativ? Eigentlich ist keine der zehn Geschichten repräsentativ für die neun anderen. Da geht es um einen Mann, der Schädel von toten Tieren auf der verseuchten Erde sammelt, damit aus ihrem Erbgut vielleicht dereinst die Arten wieder geklont werden können. Denn was wäre eine Welt ohne Delphine? Gefallen hat mir auch die Geschichte "Das Pendel von Karthago", in der es um eine junge Frau geht, die als Kind eigentlich Meerjungfrau hatte werden wollen. Nun ist sie Gefolgsfrau einer Verkünderín, zweite in der Hierarchie, und es gibt einige Probleme zwischen ihr und der Nummer eins. Eine ihrer Aufgaben: den letzten Worten eines Sterbenden zu lauschen.
Eine sehr vielschichtige Sammlung mit jeder Menge lesenswerter Geschichten. Abenteuerlich, düster, nachdenklich. Nur den Humor habe ich ein wenig vermisst.

 

Klaus Mann: Mephisto (Hamburger Lesehefte)
Warum soll man im Mann-Jahr auch nur den Thomas lesen? Den Mephisto hatte ich schon lange auf meiner To-do-Liste. Jetzt fiel er mir auf der Buchmesse in die Hände. Die Ausgabe enthält Anmerkungen und ein Nachwort, beides sehr hilfreich. Gewünscht hätte ich mir etwas größere Buchstaben, für eine alte Frau mit schwachen Augen ist es stellenweise etwas anstrengend.
Mann erzählt die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen, der in der Nazizeit Karriere macht und sich den Machthabern andient. Zu Weimarer Zeiten hatte er durchaus in kommunistischen und sozialistischen Kreisen verkehrt, doch damit ist jetzt Schluss, und er kennt seine früheren Freunde nicht mehr. Abgesehen von Otto, für den er sich zweimal verwendet. Aber Otto ist ein zu anständiger Mensch, um von seinem Engagement zu lassen, so stirbt er schließlich in den Fängen der SS.
Hendrik Höfgen dagegen macht Karriere. Seine Paraderolle ist der Mephisto in Goethes Faust. Er hat Göring begeistert, zählt sogar zum Freundeskreis des Ministers, und auch Goebbels protegiert ihn. Einmal trifft er Hitler. Da rutscht dem Schauspieler das Herz derart in die Hose, dass er vor lauter Angst gar nichts von dem herausbringt, was er eigentlich sagen wollte. Was seiner Karriere noch förderlicher ist als große Reden. Denn Hitler mag es, wenn Leute vor ihm Angst haben, ein mutiges Auftreten hätte Höfgen ins Abseits befördert.
Höfgen wird Intendant, erreicht Ansehen und Macht. Dunkle Punkte in seiner Vergangenheit, etwa die Liebe beziehungsweise Hörigkeit gegenüber einer schwarzen Tänzerin, bei der er Tanzunterricht nimmt, lässt sein Nazifreund Göring verschwinden. Allerdings wird es um Höfgen herum einsamer. Freunde hat er keine, dafür jede Menge Bekannte, die ihn fürchten und sich bei ihm einschleimen wollen. Seine Frau, Tochter eines humanistischen Bürgers, der bei den Nazis in Ungnade fiel, verlässt ihn und schließt sich in Frankreich dem Widerstand an. Künstlerisch ist er nicht mit sich zufrieden. Sein Hamlet gelingt ihm nicht, auch wenn ihn alle Leute loben. Als sein Freund Otto im SS-Knast zu Tode gefoltert wird, hat Höfgen nachts Besuch von einem Kommunisten, der ihm höhnisch Ottos letzten Gruß ausrichtet. Höfgen ist erschüttert. Sein Schlusssatz: "Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler."
Spannende und fein beobachtete Künstlerbiografie, Darstellung eines Menschen, der unter den Nazis Karriere machte. Dass eine Inspirationsquelle für Klaus Mann Gustaf Gründgens war, wusste ich schon. Nicht aber, dass Gründgens mit Erika Mann, Klaus' Schwester, verheiratet war. Wobei der Autor betont, es ginge nicht um einen konkreten Menschen, sondern um einen "Typus". Ebenfalls neu war für mich die Verbotsgeschichte des Romans, der als Verunglimpfung Gründgens' verstanden wurde. Sehr interessante Lektüre, gutes Buch.

 

Andrea Tillmanns: Die Tage des Drachen
Kurzgeschichtenband mit Texten, die schon einmal erschienen sind, ein bisschen wie ein Wiedersehen mit alten Freunden. Es sind Geschichten aus der Storyolympiaden-Zeit, aus der Legendensänger-Edition, aus dem Elfenschrift-Sonderband "Rosa Elfen", aus der Geschichten-Stadt Saramee, aber auch drei Geschichten, die 2025 erstmals veröffentlicht wurden, eine davon erschien erstmals in englischer Sprache und liegt nun also auch in deutscher Übersetzung vor. Die Sammlung ist sehr vielseitig, Märchen und Erzählungen für Kinder wechseln mit Fantasy-Storys ab, Drachen und Hexen, Schwertkämpfer und Heilerinnen, Tänzerinnen, Zwerge, Elfen und frei erfundene Wesen erleben spannende Abenteuer oder gewinnen tiefere Einsichten.
Eine Besonderheit ist, dass auch ein Roman-Drittel abgedruckt ist, das etwa die Hälfte des Buchumfangs ausmacht. Es handelt sich um den Mittelteil des Demonwright-Romans "Der eiserne Thron", verfasst von drei Story-Olympioniken. Es gab damals "Arbeit zu gewinnen". Ich selbst war ein Jahr vorher an dem Versuch gescheitert, zusammen mit drei weiteren Olympioniken einen Roman zu schreiben. Das Team vom "Eisernen Thron" hatte es geschickter angefangen und die Handlung in drei Teile zerlegt, die zwar aufeinander aufbauen, aber auch separat lesbar sind, wie die jetzige Veröffentlichung unter Beweis stellt. Der Romanteil "Im Zeichen der Melgrim" erzählt von Thania, einer jungen Zwergin, die als Heilerin tätig ist. Eines Tages kommt Frett, halb Zwerg und halb Elf, schwer verletzt in ihre Praxis. Er hat herausgefunden, dass der König des Landes durch einen Gestaltwandler ersetzt wurde. Eine gefährliche Information, wie Thania bald am eigenen Leib erfährt.
Sehr schön ist die optische Gestaltung des Bandes. Das sehenswerte Cover, das einen sich in Spiralen windenden Drachen zeigt, und die Innenillustrationen zu den Geschichten stammen von Marlene Walkenhorst. Spannend, wie Titel und Autorenname sowie Klappentext in und um die Windungen des Drachen geschrieben worden. Also: Nicht nur ein Buch mit guten Texten, sondern auch ein echter Hingucker.

 

Johannes Anders: Erdaufstand (Neue Erde 2400, Band 1)
Start einer neuen Serie, die im Jahr 2382 spielt. Die Erde nach oder in der Klimakatastrophe. Schwülheiße Luft, der Meeresspiegel steigt, eine Roboterarmee schützt die Grenzen vor Klimaflüchtlingen. Eine Gruppe jugendlicher Umweltaktivisten namens "Erdaufstand" hat sich formiert, die Mitglieder tragen besondere KIs und werden für zahlreiche Anschläge verantwortlich gemacht. Samantha ist ein Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen und möchte sich der Bewegung anschließen. Ihre wohlhabende Freundin Kerstin, die eine leitende Funktion im Erdaufstand innehat, rüstet sie mit einer neuen KI aus und nimmt sie mit zu einer Aktion, es geht um einen Einbruch in ein Firmengebäude. Die Sache läuft gut. Zu gut. Zu spät erkennen die Jugendlichen, dass sie in eine Falle getappt sind. Alle bis auf Samantha kommen um. Samantha kann mit Kerstins KI flüchten. Spannend, spacig, aber leider gar nicht so weit hergeholt. Wird es im Jahr 2382 überhaupt noch Menschen geben?

 

Michael Stoffers: Die vergessene Destille von Helgoland

 

Johannes Anders: Miranda Wohlfahrt
Die Titelheldin ist eine talentierte Bilanzfälscherin. Ein ziemlich ungewöhnlicher Beruf für einen Helden eines SF-Romans. Und leider war sie dann doch nicht ganz so erfolgreich. Nun hat Chefdiplomat der Planetenunion Beweise gegen sie, und sie wird zwangsrekrutiert für den diplomatischen Dienst. Sie besucht unter anderem die Kaiserin eines Krakenvolks und erhält von dem extrem arroganten Wesen, das mit acht Gehirnen ausgestattet ist, eine Achtelaudienz, in der sie auf das Unflätigste beschimpft wird. Sie ist auf einem Diktaturplaneten zu Gast, bei dem jeder Besucher zur Begrüßung einen speziellen Halsreif angelegt bekommt. Was sie nicht ahnt, aber bald herausfinden wird: Bei jeder negativen Bemerkung über die Regierung und bei jedem Fluch sowie bei tausend weiteren "Vergehen" zieht sich der Ring ein Stückchen mehr zusammen. In einem Mönchskloster lernt sie jede Menge Selbstverteidigungstechniken, die sie später in einer Kampfarena sehr gut gebrauchen kann. Insgesamt besteht der Roman aus zwölf Episoden, die einzeln konsumierbar sind, aber auch miteinander zusammenhängen. So kehrt Miranda auch an den Ort ihrer folgenreichen Bilanzfälschung zurück. Spannend, schräg und ausgesprochen unterhaltsam. Eine Heldin, die Potenzial für einen Mehrteiler hat.

 

Tony Hillerman: Tanzplatz der Toten
Joe Leaphorns erster Fall: Ein Navaho-Cop ermittelt auf dem Gebiet der Zuni. Normalerweise hält er sich aus den Angelegenheiten des Nachbarstamms heraus, doch nun geht es um einen verschwundenen Navaho-Jungen, der sich sehr stark für die Zeremonien der Zuni interessiert und womöglich in seinem Eifer ein Tabu verletzt hat. Auch sein Zuni-Freund ist verschwunden. Und die gefundene Blutlache deutet darauf hin, dass der Junge ermordet wurde.
Die Ermittlungen gestalten sich auch dadurch schwierig, dass Zuni- und Navaho-Police nicht unbedingt vertrauensvoll zusammenarbeiten, und Joe das Gefühl hat, dass ihm Informationen vorenthalten werden. Tatsächlich war der Navajo-Junge tiefer in die Geheimnisse der Zuni-Zeremonien eingedrungen, als die Götter gutheißen könnten. Er hatte sich sehr eng an seinen Zuni-Freund angeschlossen, der bei der nächsten Kachina-Zeremonie einen der Götter verkörpern sollte.
Leaphorn ist ein zutiefst logisch denkender Mensch und lässt sich nicht von Flüchen oder Göttern ins Bockshorn jagen. Aber was hat es mit der in ein Kachina-Kostüm gekleideten Gestalt auf sich, die Leaphorn an der Hütte der Familie des Jungen beobachtet? Und welche Rolle spielen die archäologischen Ausgrabungen, die künstlerisch aufwändig hergestellte Pfeilspitzen einer geheimnisvollen alten amerikanischen Kultur ans Tageslicht fördern? Haben diese Menschen wirklich stundenlang an ihren filigranen Pfeilspitzen gearbeitet und sie, wenn nach vielen Stunden, einen winzigen Augenblick vor der Vollendung, die Spitze doch zerbrach, einfach den Stein gleichmütig fallen gelassen und sich einen neuen genommen?
Sehr schöner Ethno-Krimi, spannend und sachkundig geschrieben, mit viel Liebe zu den Navaho und einem guten Gespür für Erzähltempo.

 

Andreas Strutz: Mein Großonkel und ich
Ein Buch mit Geschichten und Informationen über Helgoland. Es geht um den zehnjährigen Conrad, der seinen Großonkel auf der Insel besucht und eine Woche lang von ihm Geschichten erzählt bekommt. Wobei "Geschichten" nicht unbedingt das richtige Wort ist, oft sind es einfach auch Erklärungen und Vorstellungen von Besonderheiten. Die Rahmenhandlung verteilt sich auf sieben Tage, dann muss Conrad wieder nach Hause. Themen sind unter anderem der Leuchtturm oder die Feuerbüse, das Projekt "Hummerschere", mit dem die Nazis Helgoland in einen riesigen Kriegshafen verwandeln wollten, die Lange Anna, die Robben, das U-Boot UC 71, das von der Mannschaft versenkt wurde, um es nicht den Engländern in die Hände fallen zu lassen. Der Titel "Mein Großonkel und ich" spielt natürlich auf den berühmtesten Helgoländer Schriftsteller an, James Krüss, der eines seiner bekanntesten Bücher "Mein Urgroßvater und ich" nannte. Der Verfasser ist sogar mit Krüss verwandt. Illustriertes Hardcover-Buch mit 66 Seiten, im Selbstverlag veröffentlicht und nur in einigen Geschäften auf der Insel zu haben. Ganz okay, wenn auch nicht der ganz große Wurf, einige Touristen und ihre Kinder werden es mit Gewinn gelesen haben. Allerdings hätte ein scharfäugiger Korrekturleser dem Buch gut getan.

 

Tony Hillerman: Blinde Augen
Navaho-Cop Joe Leaphorn hat gerade einen "alten Bekannten" verhaftet und will ihn in den Knast bringen, als er auf einen Raser aufmerksam wird. Der Versuch des Polizisten, das Auto zu stoppen, endet für ihn beinahe tödlich, denn der Fahrer eröffnet sofort das Feuer. Joe wird schwer verletzt und erinnert sich nur noch vage an das Gesicht des brillentragenden Fahrers und einen riesigen Hund, der im Auto saß.
Doch schon muss er wieder ran, um einen Mordfall zu lösen. Die einzige Augenzeugin, respektive Ohrenzeugin ist eine alte Frau mit Wahrsage- und Heilergabe, bei der das Mordopfer Rat und Hilfe suchte. Doch während sie draußen ihren Kopf in ein Loch steckte, um mit der Erde Zwiesprache über das Anliegen des Mannes zu halten, wird der Mann erschossen. Verwirrend der Satz, den der alte Mann zuvor geäußert hatte: Es sei jemand durch Sandbilder gelaufen. Da ist Joe ebenfalls ratlos. Denn bei den traditionellen Navaho-Zeremonien wird immer nur ein einziges Sandbild angefertigt, und dieses wird nach der Zeremonie wieder ausgelöscht. Sandbilder im Plural, das ist ein Widerspruch in sich. Langsam stellt sich heraus, dass der Tote Träger einer alten heiligen Überlieferung war. In seiner Familie wird von Generation das Wissen um eine Zeremonie weitergegeben, mit der man bei einer Zerstörung der Welt einen neuen Beginn einleiten kann. Magie und Spiritualität treffen auf kriminelle Energie und eine Banditenbande, die buchstäblich über Leichen geht. Hat mir gut gefallen.

 

Seneca: Briefe an Lucilius (Reclam)
Vollständige Ausgabe, kommentiert, mit Literaturauswahl und einem Nachwort. Solide Reclamqualität. 124 Briefe hat Seneca an seinen jüngeren Freund Lucilius geschrieben. Es geht um stoische Philosophie, Ethik und Ratschläge für ein glückliches Leben, oft gebunden an persönliche Erlebnisse und Lebenssituationen des Lucilius. Ein Buch, das guttut und einem tatsächlich leicht ums Herz werden lässt. Wie auch der "Blurb" auf dem Klappentext vermerkt. "Vergessen Sie moderne Glücksratgeber und lesen Sie Senecas Briefe an Lucilius" (Ferdinand von Schirach).
Es geht um das richtige Leben, um den Umgang mit Rückschlägen und Erlebnissen, die den gewöhnlichen Menschen niederschmettern, wie etwa Krankheit, der Tod geliebter Menschen, finanzielle Einbußen. Seneca ermahnt zur Gleichmut und dazu, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die wir als Mensch selbst in der Hand haben. Er spricht auch von Lehren anderer Philosophenschulen, warnt vor Scheinlogik und Wortverdrehereien rhetorischer Taschenspieler und gibt seinem Briefpartner oft als Schlusswort noch ein kleines Fundstück aus seiner eigenen Lektüre mit auf den Weg. Sehr erstaunlich, wie oft er den bei Stoikern gewöhnlich nicht im besten Ruf stehenden Epikur zitiert. Manchmal kommt er ein wenig altväterlich herüber, und heutige junge Menschen würden sich den belehrenden Tonfall vermutlich verbitten. Aber Lucilius wird es sich zur Ehre angerechnet haben, dass Seneca derart wohlwollend und väterlich mit ihm verkehrte. Auf jeden Fall eine außerordentlich lesenswerte Sammlung, in die man die Nase auch gut ein zweites oder drittes Mal hineinstecken könnte und sollte.

 

Alfred Ph. König: Die Galaxis steht offen
Die Lichtgeschwindigkeit ist nicht zu toppen? Eine Gruppe von Wissenschaftlern ist nicht überzeugt davon. Was wäre, wenn überlichtschnelle Raumflüge doch möglich wären? Fremde Galaxien wären erreichbar, andere bewohnbare Planeten gar nicht mehr so weit weg, vielleicht trifft die Menschheit sogar auf intelligentes, außerirdisches Leben dort draußen? In einem streng abgeschlossenen Institut arbeiten nun geniale Forscher an der Lösung dieses Problems. Und sie haben schneller Erfolg, als nach bisherigem Stand der Physik denkbar wäre. Erste Erfolge stellen sich ein. Aber das geheime Forschungsprojekt weckt auch Begehrlichkeiten. Zumal die dort entwickelten Geräte und Raumfahrzeuge durchaus auch in bewaffneten Konflikten auf der Erde eingesetzt werden könnten. Aktuell gibt es im Pazifikraum einen schweren Konflikt. Und kurz nach dem ersten großen Erfolg der Wissenschaftler - sie lassen einen Gegenstand schweben und teleportieren ihn über eine kurze Strecke -, explodiert in Australien eine Bombe, die offenbar auf die Superator-Technik des Instituts zurückgeht. Immer wieder schleichen Spione ums Institut, dringen in die Räume ein, oder andere Wissenschaftler werden als V-Leute eingeschleust. Es sind bei weitem nicht nur irgendwelche "ausländischen Mächte", sondern auch Kräfte im eigenen Land würden gern Hand auf die Technologie legen, Militär und Geheimdienste etwas würden diese ultimative Waffe gern in ihren Besitz bringen. Derweil machen die Forscher weitere Fortschritte. Auf den Start folgen weitere erfolgreiche Raumflüge. Die Galaxis steht offen. Und dann bekommen die Wissenschaftler Kontakt zu Wesen, die nicht von dieser Welt stammen.
Alfred Ph. König hat einen spannenden SF-Roman geschrieben, der ohne großes Techno-Gebabbel auskommt, sehr interessante Charaktere vorstellt und das Netz der zwischenmenschlichen Beziehungen im Institut sehr gelungen nachzeichnet. Die physikalischen Grundannahmen mögen bei Physikern ein Kopfschütteln verursachen, aber darauf kommt es ja nicht an. Die eigenen Aktionen der Wissenschaftler, wenn sie etwa entführte Kollegen suchen und befreien müssen, haben den Charme einer Olsen-Bande-Episode und lassen den Leser mitfiebern, ohne ihn durch hochwissenschaftliche Planungsarbeit zu überfordern. Hat mir gefallen.

 

Andrea Tillmanns: Tod im Wald der Engel
Ein Niederrhein-Lokalkrimi aus Neuss, der von einer Leiche auf der Ölganginsel handelt. Ich gestehe freimütig: Ich war noch nie auf der Ölganginsel und kenne Neuss nicht. Aber mit Genuss lesen konnte ich den Krimi trotzdem.
Die Heldin ist Anna Berg, eine Künstlerin, die soeben eine Vernissage einer neuen Ausstellung hinter sich gebracht hat. Nach der anstrengenden Ausstellungseröffnung, bei der ein niederträchtiger Lokalredakteur der örtlichen Zeitung sie ziemlich hart anging, will sie noch ein wenig Luft schnappen und sich die Beine vertreten. Dazu unternimmt sie einen nächtlichen Spaziergang auf der Ölganginsel und findet plötzlich ein Kätzchen mit blutigem Fell. Sie ruft die Polizei, und die findet etwas, das noch schlimmer ist als schmutzigrotes Katzenfell. Auf der Ölganginsel liegt eine Leiche. Der Tote ist Hartmut Lanski, ebenjener Journalist, mit dem Anna sich vor wenigen Stunden noch gestritten hat. Und als am nächsten Morgen in der Zeitung Lanskis gnadenloser, hämischer Verriss ihrer Ausstellung zu lesen ist, gehört Anna für die Polizisten zum engsten Kreis der Tatverdächtigen. Denn dieser Artikel hat auf jeden Fall das Zeug zum Mordmotiv. Anna bekommt Angst, sieht sich bereits mit einem Bein im Gefängnis und versucht daher selbst, den wahren Mörder zu finden. Dabei stellt sich heraus, dass Lanski wirklich eine echte Drecksau war, schon mal harmlose Dinge reißerisch hochgekocht hat und für einen Skandal so ziemlich alles tat. Auch die Polizistin, die die Ermittlungen leitet, war von Lanski schon mal in einem Artikel als völlig unfähig dargestellt worden. Die Leser erleben kriminalistische Ermittlungen einer Amateurdetektivin mit viel Kreativität und Lokalkolorit. Fast möchte man sich die Ölganginsel einmal selbst ansehen.
Allerdings: Dass eine Zeitung bereits am Morgen nach einer abendlichen Ausstellungseröffnung darüber berichtet, hm, nein, so schnell sind wir nun doch nicht. Wenn ich abends um 19 Uhr oder später auf einer Vernissage abhänge, mich dort mindestens eine halbe Stunde, eher länger, aufhalte, dann in die Redaktion fahre und vielleicht noch eine Stunde daran schreibe, habe ich die Zeit für den Andruck in der Druckerei schon längst überschritten. Abendtermine aktuell noch ins Blatt zu heben, das macht man vielleicht bei Bundesliga-Spielen oder Besuchen des Bundespräsidenten, aber nicht bei einer popeligen Ausstellungseröffnung einer nicht einmal lokal sonderlich gut bekannten Malerin ...

 

Reinhard Klein Arendt (Hrsg.): Angst im Empire
Optisch und inhaltlich prachtvoller Schmöker mit Horrorstorys aus den englischen Kolonien. Geschichten aus Indien, Neuguinea, Australien, Neuseeland, von den Fidschi-Inseln, aus Kenia, Ägypten und von Malta, die letzte spielt in London, wohin der Horror aus den unterdrückten Ländern schließlich gelangte. Es sind schauderhafte Erlebnisse, die die britischen Besatzer in den eroberten Gebieten haben, meist sind die Erzähler Angehörige der Armee, beziehungsweise noch häufiger: die Ehefrauen, die ihre Männer in die Länder begleiteten, oder Briten, die aus anderen Gründen in die Kolonien gelangten, in Australien auch Strafgefangene. Der Horror entsteht zumeist aus der Konfrontation mit den unterworfenen und unterdrückten Völkern heraus, oft spielen einheimische Religionen und magische Rituale eine Rolle. Es geht viel um verfluchte Orte und um Geistererscheinungen in Hütten und Unterkünften, vor denen die Neuankömmlinge dringend gewarnt werden. Die Autoren und Autorinnen - es gibt sehr viele Beiträge von weiblicher Hand - sind heute größtenteils vergessen, obwohl sie sich zu ihren Lebzeiten großer Bekanntheit und Beliebtheit erfreuten (Eine Ausnahme bildet der Australier Guy Newell Boothby, zu dem ich ja ein ganz besonderes Verhältnis pflege). Umso erfreulicher ist es, dass dieser Band den Texten jedes Autors eine Biographie voranstellt, und die Abteilungen der einzelnen Länder mit einem kurzen Abriss der jeweiligen Kolonialgeschichte bevorwortet. Überhaupt ist das Hintergrundmaterial zu diesem Buch gar nicht hoch genug zu loben. Ohne die Verfasser der einzelnen Kurzgeschichten abwerten zu wollen: Das Vorwort des Herausgebers Reinhard Klein Arendt ist der allerbeste und lesenswerte Text im gesamten Buch. Er geht unter dem Titel "Weltreich in Angst" unter anderem der Frage nach, ob der Horror, den Briten in den Kolonien empfanden, selbst geschaffen ist. Die Unterdrückung der Völker und der Hass, der den Besatzern entgegenschlug, die Angst, die die Kolonisten verbreiteten, die Gewalt, die sie ausübten, die Zerstörung, die sie hinterließen, all das ist eine Saat, die die Briten säten - und sie ernteten die Angst der Völker, die irgendwann auf sie zurückschlug. Sehr einleuchtend.
Sehr eindrucksvoll illustrieren die Zeichnungen Thomas Hofmanns die düsteren Erlebnisse im Empire. Insgesamt erneut ein sehr schöner, opulent aufgemachter Band aus der Edition Dunkelgestirn, inhaltlich, künstlerisch und handwerklich top.

 

Ju Honisch: Schlange des Bösen: Die Studentin
Elinor würde gern studieren. Aber sie ist eine Frau, und wir schreiben das Jahr 1887. Ihre Tante ist nicht so begeistert davon, und nun hat Elinor auch noch die Prüfung für die Aufnahme in Cambridge versemmelt. Kurz vor der demütigenden Rückkehr nach Hause passiert jedoch etwas, mit dem die junge Frau überhaupt nicht gerechnet hat: Auf der abendlichen Straße wird sie von einer riesigen magischen Schlange angegriffen. Elinor wehrt sich, kämpft um ihr Leben und wird zum Glück von einigen Magiern gerettet. Diese stellen bei ihr überraschenderweise ein magisches Potenzial fest. Völlig absurd, schließlich können Frauen nicht magiebegabt sein, denkt die Altherrenriege, doch einige sprechen sich für sie aus. So erhält Elinor die Gelegenheit, in Cambridge zu studieren. Allerdings in einer geheimen Bildungseinrichtung, im Royston College, wo Arkanwissenschaften gelehrt werden. Eine Frau am Royston? Sie ist die erste weibliche Studentin an dieser Schule. Was nicht nur organisatorische Probleme mit sich bringt, sondern auch Sexisten aller Altersgruppen auf den Plan ruft. Sowohl unter den Professoren als auch unter den Studenten gibt es viele, die ihr Steine in den Weg legen. Aber sie findet auch Freunde, zum Beispiel einen Wasserjungen, den sie beim Nacktbaden erwischt, eine ziemlich schockierende Begegnung für sie. Auch ein Werwolf unter ihren Kommilitonen sorgt für alles andere als romantische Vollmondstimmung. Und es ist beileibe nicht so, dass Royston die einzige Organisation ist, die sich mit Magie befasst. Eine christliche Bruderschaft macht Jagd auf die Magier, bedient sich dabei aber durchaus selbst arkaner Mittel. Und dann ist da noch ein geheimer Hexenzirkel, der nachdrücklich unter Beweis stellt, dass die Vorstellung, dass Frauen nicht magiebegabt seien, absoluter Schwachsinn ist. Die vermutlich größte Bedrohung für alle ist die Schlange des Bösen. Wobei ihr Meister möglicherweise gar nicht so weit entfernt von den Studenten und Professoren sitzt.
Schönes Jugendabenteuer, spannend, mit einigen humorvollen Szenen. Klassisches Fantasy-Thema im Harry-Potter-Stil: Waisenkind besucht magische Schule und wird von bösem Magier bedroht. Dabei aber durchaus eigen.

 

E. S. Schmidt: Die Rückkehr der Elynn

 

Anna Schriefl: Stoische Philosophie (Reclam)
Gut geschriebene, leicht lesbare, aber nicht übersimplifizierende Gesamtdarstellung, kompakt und doch umfassend. Die Autorin geht auf alle Bereiche der stoischen Philosophie ein, erzählt von Vorläufern und von Nachfolgern bis hin in die Gegenwart, schlägt sogar den Bogen bis zum Buddhismus. Für mich persönlich war das Kapitel über die Logik bei den Stoikern ein großes Aha-Erlebnis. Hier gab es sehr feine, aber bedeutende Unterschiede zur aristotelischen Logik. Habe ich bisher nicht gewusst.

 

Enn Vetemaa, Kat Menschik: Die Nixen von Estland
Ein wunderschönes Buch aus der Anderen Bibliothek, was ja ohnehin für künstlerisch und handwerklich besondere Bücher spricht. Ein Ratgeber für Forscher, die Nixen - genauer gesagt: estnische Nixen - beobachten wollen. Der Leser erfährt alles über Hilfsmittel beim Beobachten, über Lebensraum und Gewohnheiten der Nixen, über angemessenes Verhalten und über die biologische Einordnung der verschiedenen Gattungen und Arten. Unterschieden werden Arten wie die Nackttittige Wuchtbrumme, die Grünhaarige Kokotte, die Waschversessene Rubbelfee oder die Minilesbische Heulsuse. Vor allem die zahlreichen Illustrationen von Kat Menschik machen dieses Buch zu einem echten Genuss. So ziert das Titelbild eine Nackttittige Wuchtbrumme, eine Art Kreuzung aus einer Hannoverschen Nanna und einem Sumoringer mit leicht samoanischem Einfluss und blauen Ganzkörpertattoos in tänzerischer Pose. Mein Lieblingskapitel war das über die Flucherin, in dem die Schimpflieder dieser Nixenart analysiert werden und der Leser eine Bauanleitung für diese hochanspruchsvolle Lyrik erhält. Ein Beispiel für ein nach sehr strengen formalen Regeln konstruiertes Fluchlied einer solchen Nixe:
"Was sabbest du da, huhndumme Bumsnonne! Schande über euch skrofulöse Homöopathen! Geh Schweine hüten! Scheiße!"
Es ist ein lesenswertes Buch, das ich jedem Nixenfreund ans Herz legen möchte. Allerdings ist mir rätselhaft, wie dieses Buch, das zuerst 1983 in Tallinn erschien, jemals ohne die Illustrationen von Kat Menschik auskommen konnte. Diese Zeichnungen gehören einfach in das Buch, die Nixenkunde muss ohne sie vollkommen armselig gewesen sein.

 

 

Juliane Seidel: Herz aus Kristall

 

Hans Fricke: Die Jagd nach dem Quastenflosser
Ein Buch, das schon ziemlich lange auf meinem SUB liegt, und das jetzt endlich dran war. Es geht um die Entdeckung eines "lebenden Fossils" und die Suche mit einem U-Boot nach weiteren Vertretern dieser Spezies. Hans Fricke entwickelt sich nach und nach zum Experten für "Quastis", wie die Crew die besonderen Fische mit den auf "Armen" und "Beinen" sitzenden Flossen bald liebevoll nennt, und hat bald den Blick für typische "Quastenflosser-Landschaften". Die Forscher beobachten die Fische bei ihren seltsamen Kopfständen, folgen ihnen in Höhlen, lernen auch, die Tiere zu markieren, um ihre Bewegungen verfolgen zu können. Wobei der Quastenflosser eher ein standorttreuer, nicht zu langen, weiten Wanderungen aufgelegter Geselle ist. Und auch schnelle Strömungen und unruhiges Wasser mag er nicht. Fricke findet die Tiere an verschiedenen Küsten Ostafrikas, eine weitere Population wird im Gebiet zwischen Borneo und Sulawesi entdeckt. Der Autor erzählt von der Geschichte der Quasti-Forschung seit der Entdeckung dieses Tieres, berichtet vom Einsatz der legendären Marjorie Courtenay-Latimer, die den Fisch, den ein Fischer gefangen hatte, als etwas Besonderes erkannte. Er erzählt aber auch von den Schwierigkeiten, Forschungsgelder für Expeditionen und den Bau eines U-Boots zu bekommen. Von betrügerischen Wissenschaftlern, die aus Ruhmsucht Dokumente und Bilder fälschen, um auch einen entdeckten Quastenflosser vorweisen zu können. Von Vergnügungsbetrieben, die unbedingt einen eigenen Quasti in ihren Besitz bringen wollen, angeblich, um die Forschung voranzutreiben. Man erfährt etwas über den Quastenflosser als Nationaltier und darüber, wie das Tier unter Schutz gestellt wurde. Und es gibt eine kleine kriminalistische Recherche nach kleinen silbernen Kunstwerken in Form eines Quastenflossers. Interessant fand ich auch den Hinweis, dass Darwin lebende Fossilien gar nicht liebte. Sie widersprachen seiner Lehre, dass sich das Stärkere und Bessere durchsetzt, während überholte Übergangswesen eigentlich schon lange hätten ausgestorben sein müssen ... Ein sehr interessantes und informatives Buch.

 

Weitere Jahresrückblicke
2025, 1. Teil: Januar bis März
2025, 2. Teil: April bis Juni

2025, 3. Teil: Juli bis Oktober
2025, 5. Teil: Dezember

 

© Petra Hartmann




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Jahresrückblick 2025: Juli bis Oktober

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 30 Dezember 2025 · 386 Aufrufe
Jahresrückblick

Hier kommt der dritte Teil meines Lese-Jahresrückblicks. Wie gewohnt, hat das dritte Quartal bei mir einen Monat mehr. Ihr werdet es verstehen, wenn Ihr den November seht ... Hier also meine Lesefrüchte der Monate Juli bis Oktober 2025.
Diesmal findet ihr einige Goslaria, also Texte von Autoren aus Goslar und Umgebung, und ein paar Indianerbücher. Wie gehabt auch ein paar abenteuerliche Comics - und ein sehr ernster. Zweimal Thomas Mann, das musste im Jubiläumsjahr einfach mal sein, etwas Römisches und wieder ein paar Kira-Hörspiele. Viel Spaß damit!

 

Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.

 

Juli

 

Jugurtha 16: Dunkle Wut

 

Hans-Martin Gutmann: Brauchen wir Demut? Über Maß, Macht und Menschlichkeit in unsicheren Zeiten
Der Autor ist gebürtiger Goslarer, daher habe ich sein Buch in der Goslarschen Zeitung vorgestellt. Ich schrieb Folgendes darüber:
Demut? Das ist eine Haltung, die ein bisschen aus der Mode gekommen scheint. Oder ist sie vielleicht nötiger denn je? Hans-Martin Gutmann, gebürtiger Goslarer und emeritierter Theologie-Professor, ist dieser Frage in seinem neuesten Buch nachgegangen.
„Brauchen wir mehr Demut?“, ist der Titel des Buches, und in ihm geht es um „Maß, Macht und Menschlichkeit in unsicheren Zeiten“, wie der Untertitel verrät. Gutmann stellt fest: „Wir leben in einem Zeitalter, in dem jede Demut verloren geht.“ Ob Fake-News oder Hass-Mails, manipulative Darstellungen in den „sozialen“ Netzwerken, menschenverachtende Handlungen eines Donald Trump oder Elon Musk – es ist eine Zeit der wirtschaftlichen Interessen, in der die „Mentalität des Siegen-Müssens“ herrscht – „eine Mentalität des Ausschaltens und Zunichtemachens, zumindest der Entwürdigung von Gegnern“, diagnostiziert der Theologe. Und dies alles soll eine Zeit sein, die mehr Demut braucht?
Gutmann unterscheidet in seiner Argumentation zwischen positiver und negativer Demut. Es geht ihm nicht darum, in Demütigung, Mobbing und Shitstorm mit einzustimmen, ganz im Gegenteil: Gutmann spricht von „heilsamer Demut“, die auf „Ich-Stärke“ beruht, den aufrechten Gang übt und „Klarheit und bisweilen Härte in Konflikten“ signalisiert. Gutmann stellt klar: „Demut im heilsamen Sinne ist keine Sache für Menschen mit verbogenem Rückgrat.“
Ja, es ist durchaus ein janusköpfiges Wort, diese Demut. Gutmann als protestantischer Theologe lotet die Bedeutungen und Konnotationen dieses Begriffs aus, interviewt Personen aus den unterschiedlichen Lebensbereichen zu ihren Erfahrungen und Meinungen und stellt klar, dass es ihm nicht um rückgratloses Kriechertum geht, wenn er von Demut spricht. Es geht ihm um etwas anderes. Um ein existenzielles Lebensgefühl, um die Ehrfurcht eines Musikers vor der Kunst singender Vögel, die Erfahrung, Vater zu werden, das Glücksgefühl, wenn die eigenen Kinder „aus brenzligen und manchmal lebensgefährlichen Situationen unbeschadet herauskommen“ oder auch die Erfahrung, eine schwere Krankheit überstanden zu haben. Es geht ihm um ein Gefühl der Selbstkritik, der Dankbarkeit, des Staunens, Zurücktretens und des Sich-selbst-nicht-so-wichtig-Nehmens. Diese Demut „wirkt wie ein stilles Gegengewicht zu Selbstüberschätzung, Allmachtsfantasien oder geistiger Trägheit“, meint Gutmann.
Das Buch besteht aus zwei Teilen. Während die erste Hälfte ein Essay ist, in der der Autor Betrachtungen über die Natur und vor allem die Notwendigkeit einer neuen Demut festhält, besteht der zweite Teil aus einer Reihe von „Meditationen“. Es sind Texte von unterschiedlicher Länge, in denen der Leser Ratschläge findet wie: „Lerne, ohne Scham unwichtig zu werden“ oder „Wenn du den ‚Augenblick der Dankbarkeit‘ spürst: Achte ihn“. In ruhigen melodischen Sätzen entfaltet der Autor seine „Anleitungen zur spirituellen Selbstreflexion“, wie er sie bezeichnet. Es empfiehlt sich, diese kürzeren Texte nicht am Stück hintereinander wegzulesen, sondern sie sich wirklich Abschnitt für Abschnitt vorzunehmen und sich danach Zeit zum Nachsinnen zu lassen.
Sehr geeignet scheint dieser Teil auch für die Produktion eines Hörbuchs, sodass man sich die kurzen Meditationen in ruhigen Momenten zusprechen lassen kann. Dass sich einiges wiederholt und manche Gedanken mehrfach anklingen, ist laut Aussage des Verfassers so gewollt beziehungsweise liegt in der Natur der Sache.
Insgesamt handelt es sich um ein angenehm zu lesendes Büchlein in eingängiger Sprache, das gut als Begleiter durch den Tag taugt. Gutmann hat einige interessante, nachdenkenswerte Betrachtungen zusammengetragen, und wenn er es auch mit seinem Essay nicht sofort schaffen wird, dass die Demut wieder in Mode kommt, so wird sicher der eine oder andere Leser ein wenig innehalten und Luft holen im täglichen Geschrei der Größten, Besten und Lautesten.
Fazit: Ein interessantes und kluges Buch über eine Haltung, die aus der Mode gekommen ist, aber dringend gebraucht wird. Lesenswert.

 

IljaTrojanow: Der Weltensammler
Roman über den britischen Entdecker und Offizier Richard Burton, der wie kaum ein anderer seiner Zeitgenossen in die Welt des Hinduismus und des Islam eintauchte. Der Roman besteht aus drei Teilen. Zunächst wird Burton gezeigt als Angehöriger der britischen Armee in Indien. Anders als die anderen Besatzer hat er den Ehrgeiz, die Sprachen und die Kulturen der von England unterworfenen Völker kennen zu lernen. Mehr noch: Er schafft es, derart tief in die indische Welt einzutauchen, dass die Hindus ihn für einen der Ihren halten. So perfekt ausgebildet, schlendert er durch Slums, spricht mit Gelehrten und Bettlern und gewinnt Informationen über Verschwörungen gegen die englischen Besatzer. Burton ist ein wertvoller Spion für die Briten. Aber sein Eintreten für die indische Bevölkerung und sein tiefes Verständnis für die von den Briten unterworfenen, unterdrückten und verachteten Inder machen ihm nicht nur Freunde. Offene Kritik an Vorgesetzten und Zweifel an seiner Loyalität gegenüber den Engländern sorgen dafür, dass Burton schließlich stürzt und das indische Abenteuer endet.
Ebenso intensiv dringt er in Arabien in die Welt des Islam ein. Wenn er sich als persischer Reisender ausgibt, ist er von einem echten Moslem nicht zu unterscheiden. In dieser Maske begibt er sich sogar auf die Hadsch, die Pilgerfahrt nach Mekka, die für einen Europäer - wir wissen es von Karl May - ein Wagnis ist, das mit dem Tod bestraft wird. Aber spielt Burton tatsächlich den Moslem? Oder ist er nicht vielmehr wirklich zu einem geworden? Er ließ sich sogar beschneiden. Als er zusammen mit einer Gruppe Moslems von den Briten festgesetzt wird und in einem üblen Gefängnis landet, gibt er sich nicht zu erkennen und durchleidet mit seinen Gefährten das, was Eingeborene in britischen Gefängnissen gewöhnlich erleidet. Schläge, Hunger, Krankheit - nichts kann ihn dazu bringen, sich als Brite zu offenbaren. Und als sein Diener ihn "verrät", um ihn herauszuholen, ziehen die Aufseher ihn einfach aus und inspizieren seinen Penis. Der Mann ist beschnitten, also muselmanisches Pack, kaum mehr wert als ein Tier, er bleibt im Knast ... Eine psychische und physische Grenzsituation.
Im dritten Teil schließlich erleben wir Burton als Expeditionsleiter in Afrika, auf der Suche nach den Quellen des Nils. Eine Reise, die ihn fast das Leben kostet. Und am Ende will sein Kompagnon auch noch den Ruhm allein absahnen.
Die Geschichte ist gleichermaßen abenteuerlich und literarisch, sprachlich anspruchsvoll und auch abwechslungsreich, da jeweils ein Diener Burtons neben den auktorialen Erzählpassagen als Ich-Erzähler über den "Weltensamnmler" berichtet. Da die Rahmenhandlung mit dem Tod Burtons einsetzt und von den Vorbereitungen für sein Begräbnis berichtet, schwebt auch eine gewisse Melancholie und Traurigkeit über der bunten Abenteuergeschichte. Ilja Trojanow hat hier ein kleines literarisches Meisterwerk geschaffen, indem er sich in die Welt Burtons mindestens so tief einfühlte, wie es sein Held in Indien, Arabien und Afrika tat. Das im Fischerverlag erschienene Büchlein gefällt auch durch seine Aufmachung und Ausstattung. Es ist ein kleines Hardcover im Hosentaschenformat und mit Lesebändchen, ausgestattet mit einem Nachwort, einem kleinen Lexikon fremdsprachlicher Begriffe und Zitate sowie einer Landkarte. Als es mir in der Buchhandlung in die Hände fiel, musste ich einfach zugreifen. Und es war ein Glücksgriff.

 

Lennardt M. Arndt: Die Buschklepper. Die Surehand-Story, Band II

 

Thorgal Saga: Shaigan

 

 

 

August

 

Prinz Eisenherz Gesamtausgabe Band 13: Jahrgang 1961/1962
Der Band erzählt vom Zuwachs, den Prinz' Eisenherz' Familie erhält: Der Junge, über dessen Namen lange Zeit keine Entscheidung fällt, wird schließlich auf Arns Vorschlag auf den Namen Galan getauft. Wobei Arn gern der Thronfolge entsagen, die Last auf den jüngeren Bruder abwälzen und selbst ein Leben als abenteuernder Ritter führen will. Seltsam, einige Bände zuvor war Arn noch als ein stiller und nachdenklicher junger Mann charakterisiert worden, der in seiner Bedachtsamkeit geradezu prädestiniert für die Position eines Königs über das Volk von Thule ist. Nun also ein frecher, flinker junger Ritter-Anwärter mit einem sehr losen Mundwerk. Okay. Eisenherz pilgert ins Heilige Land (schon zum dritten Mal), nur diesmal in Begleitung seines Sohnes. Er ist als Handelsgesandter Aletas unterwegs und schließt viele gute Handelskontakte. Unterwegs begegnen wir einer geheimnisvollen Reiterin, die sich sehr gut mit Pferden auskennt, und einer inzwischen nicht mehr allzu ansehnlichen Frau, die noch immer für Eisenherz schwärmt. Eisenherz ist auch im Auftrag König Artus' unterwegs. Er soll Roms Unterstützung für den Bau einer Straße durch Gallien gewinnen, die Britannien mit der Heiligen Stadt verbindet, doch die Pläne versanden, der Kaiser in Rom fällt als Helfer aus. Ferner kehren Eisenherz und Arn in einem Kloster ein, das sich mit schauderhaften Gipsfiguren gegen marodierende Kriegstrupps schützt, und helfen einem jungen Herzog, sein Reich von einem grausamen Usurpator zurückzuholen. Es gibt ein Wiedersehen mit Eisenherz' Hengst Arvak und mit dem sumpfigen Fennland, außerdem mächtig Ärger mit einem christlichen Prediger, der dank seiner Zauberstimme die Herzen der Bevölkerung gewinnt, aber strunzdumm ist und alles predigt, was seine geldgeilen Berater ihm einfüstern.
Mein persönliches Highlight war die Episode, in der Aleta beim Schwimmen im Meer mit einem Otter Freundschaft schließt. Wunderschöne Farben, maritimes Flair, einfach etwas fürs Herz. Geärgert habe ich mich, dass Forster zu Beginn der Fennland-Episode wieder zu einer alten Kopiertechnik gegriffen hat und einfach Bilder aus den ersten Eisenherz-Abenteuern hineingeklebt hat. Ich mag das nicht, wenn einer mit altem Zeug Seiten schindet. Obwohl ich die alten Sumpf-Abenteuer sehr geliebt habe.

 

Christa Wolf: Kassandra
Der trojanische Krieg aus weiblicher Sicht. Kassandra, die Tochter des Königs Priamos, ist nun Gefangene des obersten Griechenheerführers Agamenon und erzählt ihre Version der Dinge, spricht über Vergewaltigung, Entrechtung, männliche Großmannssucht, erzählt von den Angehörigen des Königshauses und davon, wie einer nach dem anderen umkam. Von Achill spricht sie immer nur mit dem Zusatz: "das Vieh". Dass Kalchas trojanische Wurzeln haben soll, war mir neu, und ich habe es auch nirgends belegt gefunden. Ein wichtiges Buch und ganz große Literatur, aber ich komme mit Christa Wolfs Sprachrhythmus einfach nicht gut klar. Das ist eine Erfahrung, die ich schon bei mehreren anderen Romanen von ihr gemacht habe, ihre Texte laufen einfach in einem etwas unangenehmen Winkel zu meinem Lesegefühl. Egal, es war jedenfalls gut, das Buch zu lesen.

 

Marco Sonnleitner: Die drei ???: Das Geheimnis der sieben Palmen

 

Brita Rose-Billert: Indian Cowboy 4 - Auf Leben und Tod
Im Prinzip ein Fehlkauf. Ich hatte von der Autorin vor einiger Zeit die Romane "Der Tanz des Falken" und "Das Geheimnis des Falken" gelesen und gedacht, dies hier sei eine Fortsetzung. Nein, ist es nicht. Die Autorin hat die Bücher etwas überarbeitet (zum Beispiel heißt der Held Ryan nicht mehr Spirit Hawk, sondern Black Hawk), aber im Prinzip ist es der gleiche Zweiteiler, nun auf sechs Bände verteilt. Naja, da ich die Bücher schon mal angeschafft hatte, konnte ich sie auch lesen. Und spannend sind sie allemal.
Ryan, ehemaliger Airforce-Soldat, Extrem-Chauffeur seiner Offiziere, später Kopfgeldjäger und Rennfahrer, war im vergangenen Band mit seinem Rennwagen verunglückt, weil ihm jemand Kokain im Auto versteckt hatte, und dies durch die Lüftung in den Auto-Innenraum gelangt war. Ryan macht sich, unterstützt von seinem Freund, dem Mechaniker Baxter, auf die Jagd nach den Drogenhändlern. Es geht hart zur Sache, aber Ryan gibt nicht auf, und er hat gute Freunde, die ihm helfen. Schließlich kehrt er auf die Ranch seiner Familie zurück, um wieder zu sich selbst zu finden. Und es gibt eine neue Liebe für ihn. Allerdings, die junge Frau hat noch einen weiteren Mann ins ihr Herz geschlossen.

 

Art Spiegelmann: Maus
Der Holocaust als Tier-Comic. Die Juden sind Mäuse, die Deutschen Katzen, die Polen Schweine. Art Spiegelmann, der hier auch die eigene Familiengeschichte nachzeichnet, tritt im Buch als Comic-Zeichner auf, der seinen Vater Wladek Spiegelmann dessen Erlebnisse erzählen lässt. Wladek spricht vom Ghetto, von seiner ersten Frau, vom ersten gemeinsamen Sohn der beiden, Arts älterem Bruder, der getötet wurde, lange bevor Art geboren wurde. Wladek erzählt vom Überleben, vom Irgendwie-Durchkommen. Sein Talent, Kontakte zu knüpfen, Tauschgeschäfte zu machen, Handel auch in den unmöglichsten Situationen zu treiben, hilft ihm beim Überleben. Doch trotz aller Gewitztheit des Helden: Die Geschichte ist grausam, Wladek und seine Frau erleben Furchtbares. Morde, Leichenberge, zusehen müssen beim Tod von Freunden und Familienmitgliedern, die ständigen Todesbotschaften, der allgegenwärtige Hunger.
Dadurch, dass Spiegelmann die Helden als Comic-Tiere darstellt, ist der Anblick gerade noch erträglich. Doch dieser Comic ist alles andere als komisch, auch wenn es die Kunstform zunächst implizieren mag. Und durch die harten, klaren Schwarzweiß-Zeichnungen, die schroffe Verteilung von Licht und Schatten und die oft schrägen, verzogenen Perspektiven wirkt dieses Buch erst recht sehr hart. Nicht unangemessen hart, muss ich betonen. Es geht schließlich um eine furchtbare Geschichte.
Besonders hart und bitter ist, dass Wladek, obwohl dem KZ entkommen, dennoch nicht frei wurde und dass ihn die Erfahrung von Mangel und tödlicher Bedrohung nie wieder losgelassen hat. Ganz im Gegenteil: Jetzt, als alter Mann, im sicheren Amerika, als ein Mensch, der sich eigentlich um nichts sorgen müsste, hat die eigentlich überwundene Entbehrung den alten Mann vollkommen in ihrem Griff: Wladek kann nichts wegschmeißen, selbst der kleinste Bindfaden oder Draht wird aufgehoben. Wladek ist im Alter zu einem extremen Messie geworden, der sich von nichts trennen kann, gleichzeitig ist er furchtbar geizig, empfindet es beinahe als körperliche Bedrohung, wenn er Geld ausgeben soll. Hinzu kommt ein ungeheuer hohes Misstrauen gegenüber seiner zweiten Frau, die ihm nichts Recht machen kann, die ständig von ihm ausspioniert wird. Krieg und KZ haben Wladek gezeichnet, und je älter er wird, desto mehr greift diese Erfahrung nach seinem Verstand.
Ein sehr eindrucksvoller Comic, unheimlich gut. Das einzige, was mir missfallen hat, war die Darstellung der Polen als Schweine. Nein, da hätte es genug andere Tiere gegeben.

 

Bessy 28: Die geheimnisvolle Fracht
Andy erhält von seinen Eltern die Erlaubnis, mit einem Dampfschiff den Fluss entlang zu fahren. Er und seine Colliehündin Bessy gehen an Bord. Doch es wird nichts aus der entspannten Ferientour. Ein ziemlich fieser Kerl namens Campbell, der Tuchballen mit dem Schiff transportiert, traktiert den schwarzen Kellner und verfeindet sich auch mit Andy und Bessy, als die beiden dem Angegriffenen zur Hilfe kommen. Campbell will Bessy fangen, schlagen, erschießen, schließlich setzt er, unbemerkt von Kapitän und Mannschaft, nachts den gefesselten Andy in einem Beiboot aus. Bessy springt hinterher und nagt seine Fesseln durch. Allerdings ist Campbell auch dabei, einen Überfall auf das Schiff zu organisieren. Grund ist, dass er seine Baumwollballen an der nächsten Anlegestelle nicht legal an Land bringen kann, so bedrohen er und seine Kumpels die Mannschaft mit Pistolen und verladen die Ballen auf ein Boot. Andy, Bessy und ein befreundeter Trapper, der ebenfalls mit dem Dampfer fuhr, kommen den Banditen schließlich auf die Schliche. In den Tuchballen stecken Schusswaffen, die Campbell einer Gruppe abtrünniger Indianer vom Stamm der Biber verkaufen will. Die Rebellen überfallen jedoch das Boot, sodass die Banditen keines der als Tauschobjekte geforderten Felle erhalten. Als die ehemaligen Biber mit den neuen Waffen ihren Hauptstamm überfallen wollen, sind Andy, Bessy, der Trapper und seine Freunde zur Stelle und können die Angreifer vertreiben. Ende gut, alles gut, und Andy und Bessy können ihre abenteuerliche Flussschifffahrt fortsetzen. Ein sehr spannendes, actionreiches Abenteuer mit schönen Szenen auf dem Fluss und einer bösen Kampfszene zwischen Bessy und dem Wolfshund eines der abtrünnigen Biber. Eine schöne Kindheitserinnerung.

 

Wolf G. Winning: Pretty Nose und der rote Lakotamond

 

 

Hörspiel

 

Kira Kolumna 21: Urlaubschaos
Kira, Lars und Nele wollen in den Sommerferien am Wundersee zelten. Allerdings lässt der Campingplatz-Betreiber keine Minderjährigen ohne Erziehungsberechtigte auf sein Gelände. Zuerst sind die drei 16-Jährigen begeistert, als Laura sich anbietet, mitzukommen und die drei trotzdem "ihr Ding" machen zu lassen. Als Johannes davon hört, bietet er ebenfalls an mitzukommen. Eigentlich nett. Doch die beiden Elternteile entpuppen sich schnell als das, was Eltern eben für Jugendliche sind: megapeinlich. Vor allem als Kira, Lars und Nele sich mit drei 18-Jährigen anfreunden und mit ihnen baden, Beach-Volleyball spielen und auf Kanutour gehen wollen. Zudem haben die beiden Erwachsenen eine überkandidelte Küche im Zelt aufgebaut, Johannes hat sein japanisches Messerset dabei, und beide brabbeln nur noch in hochpoetischen Phrasen über Kochrezepte vor sich hin. Peinlichkeitsalarm hoch zehn. Dann brechen die sechs Jugendlichen zusammen zu einer nicht genehmigten Kanutour auf, entdecken eine verlassene Villa, in der es möglicherweise spukt, und müssen ein Gewitter überstehen. Am Ende gibt es eine große Versöhnung der Generationen und die totale Einigkeit, dazu einen eingängigen Sommersong. Alles in allem eine schöne, spannende und abenteuerliche Folge, die auch meiner Nichte (11) sehr gut gefallen hat. Allerdings, ein bisschen unlogisch ist die Sache mit dem Alter unserer Helden: Als Kira nach Südberg kam, war sie 16. Inzwischen hat sie zweimal Weihnachten in ihrer neuen Heimatstadt gefeiert und zweimal die Sommerferien mit Lars und Nele verbracht. Wie kann sie da immer noch 16 sein?

 

 

September

 

Bessy 84: Der Rächer
Geschichte eines Halbluts, das auf der Suche nach dem Mörder seiner Eltern ist. Der junge Halb-Kiowa Einsamer Wolf kommt in die Stadt Lodgeburg und wird dort von zwei weißen Cowboys angepöbelt. Er setzt sich tatkräftig zur Wehr. Als er nach einem Mann namens Brentham fragt, stellt sich heraus, dass diesem eine Ranch in der Nähe gehört und dass die beiden Männer für ihn arbeiten. Daraufhin legen sie ihm einen Hinterhalt. Doch er überlebt dank des Eingreifens von Andy und Bessy, die zufällig in der Nähe sind. Einsamer Wolf wird zunächst Mitarbeiter auf der Cayoon-Ranch, doch dann zieht er wieder los, um Erkundigungen einzuholen. Derweil hört Andy von befreundeten Kiowas die Geschichte von Weiße Lilie und John Carter, deren siebenjähriger Sohn ihre Ermordung mitansah. Die Geschichte ist etwas Besonderes, da auf den ersten Seiten lange die Geschichte des Einsamen Wolfs erzählt wird und Andy und Bessy erst sehr viel später auftauchen. Sehr schön und etwas komisch sind die Szenen, in denen Andy seinem neuen Freund das Schießen beibringt und fast immer Bessy etwas abbekommt. Ob das eine Kugel ist, die sich unplanmäßig in ihrer Nähe in den Sand bohrt oder Reste von kaputten Flaschen und anderen Zielen, die auf die Hündin niederprasseln, sie ist heilfroh, als der Krach endlich beendet ist. Außerdem gibt es einige nette Jagdszenen, in denen sie Kleintiere aufstöbert. Das Nachwort bietet Informationen über Ertugrul Edirne, neben Klaus Dill der wichtigste Cover-Künstler bei Bessy. Obwohl es natürlich keine Götter neben Dill geben kann ...

 

Martin Bolik: Der Junge, der die Zeit besiegte

 

 

Hörspiel

 

Kira Kolumna 22: Sturmfrei
Nele ist fasziniert von den großen Party-Events einer Influencerin. Wie gern würde sie selbst auch einmal eine Party organisieren. Aber: Warum eigentlich nicht? Spontan kündigt sie auf ihrem Social-Media-Account schon mal die "Südberg Summer Vibes" an. Eine "Location" dafür hat sie aber noch nicht. Und die alte Uhrenfabrik wäre zwar zu haben - aber nur gegen jede Menge Kohle. Schließlich erbarmt sich Kiras Vater und überlässt seiner Tochter und ihren Freunden die Wohnung. Die Regeln: Kein Alkohol, kein Stress mit den Nachbarn, Papas Zimmer ist tabu. Das lässt sich doch leicht einhalten, denken Kira, Nele und Lars. Doch als sich ein Regler am Gerät der DJane verklemmt, als sich die Nachbarn beschweren und eine Bande größerer Jungs auch noch das Zimmer von Kiras Vater in Beschlag nimmt und sein Saxophon ausprobiert, droht die Lage zu eskalieren. Nervziege Saskia, die live von der Party berichtet, trägt auch nicht gerade zur Entspannung bei. Eine Katastrophe bahnt sich an. Tolle, spannungsgeladene Folge, sehr gut gemacht.

 

Kira Kolumna: Reportage - "Machen Influencer immer Urlaub?"
Die erste Folge aus der Reportagen-Reihe, einer Art Spin-off zur Hörspielserie. Kira interviewt Leute zu für Jugendliche interessanten Themen. In der ersten Folge geht es um das Thema Influencer. Kira stellt fest, dass eine bekannte junge Influencerin direkt in der Nähe wohnt und verabredet einen Interview-Termin. Die junge Frau, die trotz des Erfolgs noch einen Brotjob im Solarium hat, gibt bereitwillig Auskunft und erzählt auch davon, dass das Influencer-Leben eben nicht nur eitel Sonnenschein ist, sondern auch harte, disziplinierte Arbeit erfordert. Besonders spannend fand ich die zweite Gesprächspartnerin Kiras: Die Reporterin interviewt eine Frau, deren Beruf es ist, Influencer zu betreuen und zu beraten. Gerade Jugendliche stolpern nämlich oft in Dinge rein, ohne sich rechtlich abzusichern, denken nicht daran, dass sie ihre Einnahmen auch versteuern müssen, und sind sehr unbedarft im Annehmen von "Geschenken" wie zum Beispiel teuren Klamotten, die sie auf ihren Accounts präsentieren. Nein, erfolgreiche Influencer machen mitnichten immer Urlaub.

 

Martin Bolik: Der Junge der die Zeit besiegte

 

 

Oktober

 

Fabia Waldner: Das Magnolienhaus
So geht sie also aus, die Trilogie um das „Magnolienhaus“. Die Hahnenkleer Autorin Fabia Waldner, mit bürgerlichem Namen Michael Schulz, hat ihre Familiensaga um die rheinländische Bau-Dynastie Eimermacher und vor allem die geflohene und verstoßene Tochter Caroline vollendet. Der dritte Band trägt den Titel „Hoffnung in stürmischer Zeit“ und ist, wie die beiden Vorgängerbände, als E-Book und Hörbuch im Aufbau-Verlag erschienen. Über eine Taschenbuchausgabe werde im Verlag noch diskutiert, so der Autor.
„Hoffnung in stürmischer Zeit“, das ist zunächst einmal ein sehr zurückhaltender Titel für die Monate vor dem sich zusammenbrauenden Ersten Weltkrieg und die darauf folgenden Schicksale der Familienmitglieder. Gerade für Caro, die im ersten Band eine „gute Partie“ ausgeschlagen hatte und aus der Familie geflüchtet war, hatte schon der zweite Band nach einer kurzen Phase in Glanz und Glamour doch einen Absturz und die Bekanntschaft mit Leid und Elend zu bieten. Im dritten Band haben das Schicksal und der Autor für Caro zwar tatsächlich die große Liebe und eine Verlobung zu bieten sowie ein bescheidenes Einkommen, aber bald auch die Einberufung ihres Partners zum Kriegsdienst, seinen Tod und das Dasein als alleinstehende Mutter ohne Einkünfte und mit einem unehelichen Kind.
Waldner verfolgt die über drei Generationen ausgesponnenen Erzählfäden weiter und beseitigt oder repariert einige Ungerechtigkeiten, die vor allem die weiblichen Personen der Familie erfahren hatten. Seitensprünge der Männer rächen sich. Die Generation der Großeltern segnet das Zeitliche. Und die vier Enkel des alten Familienpatriarchen „Kabänes“, die alle mehr oder weniger unter dem Regiment ihres Vaters Johannes zu leiden hatten, werden selbstbewusster und entschlossener und gehen nach und nach ihre eigenen Wege.
Vor allem Almut, Caros blasse und brave Schwester, kann, als ihr Edgar an die Front zieht, im Familienunternehmen ihren Mann stehen. Die sanfte Frau, die viel unter ihrem Mann zu leiden hatte, ist hier von einer ganz anderen Seite zu erleben. Entschlossen serviert sie ihre Nebenbuhlerin ab und übernimmt das Kommando in der Firma.
Sehr interessant ist auch die Art, wie Professor Johannes Eimermacher von seiner hintergangenen Frau dazu gebracht wird, Kontakt zu seinem unbekannten unehelichen Sohn aufzunehmen. Der geistig behinderte junge Mann lebt in einer Heilanstalt und lässt nur langsam die Annäherungsversuche seines Erzeugers zu.
Wenig erfährt man über die Entwicklung der jüngsten Tochter Marie, die doch die erfolgreichste der Eimermacher-Kinder wurde: Marie hat – gegen den ausdrücklichen Willen ihres Vaters – eine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen. Inspiriert von ihrer unbeugsamen großen Schwester Caro setzte sie sich durch gegen einen Vater, der Forschung und Lehre für unweiblich hält. Marie hat Erfolg, wurde berühmt und offenbar auch wohlhabend. Aber was genau erforschte sie? Wie war ihr Werdegang? Welche Leistungen und Entdeckungen werden ihr zugeschrieben? Das verrät der Autor nicht.
Die Erzählung spielt zeitlich, wie aus den beiden Vorgängerromanen bekannt, auf zwei Ebenen. Während die Rahmenhandlung von Caros Heimkehr aus Berlin nach Bonn im Jahr 1975 berichtet, dem Wiedersehen mit dem Magnolienhaus und dem Erbe ihrer jüngsten Schwester Marie, gibt es weitere Erzählstränge aus der Zeit zwischen 1914 und dem Kriegsende, schließlich, sehr gerafft, einen Rapport darüber, was in den Jahren danach passierte.
Ein wenig schade ist, dass der Autor im letzten Achtel des Romans einen solchen Parforceritt durch persönliche Schicksale und Weltgeschichte absolvieren muss. Was hier zusammengefasst wird, hätte bei der bisher gewohnten Detailgenauigkeit und Ausführlichkeit locker noch zwei Bände ergeben. Zumal das, was da erzählt wird, ja nicht ganz unerheblich für die Heldin ist. Zu den Themen der im Zeitraffer präsentierten 60 Jahre zählen unter anderem die Geburt einer Tochter und ihr Verschwinden, eine schwere Krankheit, der Tod der Freundin, der Zweite Weltkrieg und schließlich ein unverhofftes Wiederfinden eines Enkels, das an gewundene Handlungsführungen wie in Romanen der schwarzen Romantik oder in modernen Soap-Operas erinnert. Irgendwie steht man ein wenig ratlos vor diesem Zeitraffer-Abspann, der ein wenig wie die Abmoderation eines Dieter Thomas Heck wirkt, nur eben liebloser. Schade. Da wäre mehr drin gewesen.
Abgesehen davon: Ein spannend geschriebener, vielschichtiger Roman, der die Leser und vermutlich vorwiegend die Leserinnen mitnimmt in eine andere Zeit. Gut lesbar und reich an interessanten Ideen. Und der Erfolg hat sich bereits eingestellt: „Der Verlag war so begeistert von der Reihe, dass er mir eine neue Saga angeboten hat, und ich darf Ihnen bislang verraten, dass ich das Angebot angenommen habe“, sagt der Autor zufrieden. „Schon bald gibt es mehr dazu.“

 

50 Jahre Yps. Das Buch. Ohne Gimmick
Ja, klar, das musste ich mir unbedingt anschaffen. Ich bin Ypsianer aus den 70er Jahren, aber auf dem Grundschul-Pausenhof mit meinen Sammelkarten aus dem Tierlexikon angegeben, meine Eltern mit Agenten-Gimmicks bespitzelt, im Keller Austernpilze auf einer feuchten Klopapierrolle gezüchtet, Radios gebastelt, die bei mir zu Hause hinterm Berg gar nichts empfangen konnten, den Song von Mecki Spaghetti rauf und runter gedudelt, Urzeitkrebse gezüchtet, Solar-Zeppeline steigen lassen und in einem aufgeschnittenen Müllsack mit dem Aufdruck "Abenteuer-Zelt" den Sommer verbracht.
Das Jubiläums-Buch hat schöne Erinnerungen geweckt, allerdings hätte ich mir mehr zum Hintergrund versprochen, mehr Infos, mehr Material über die Gimmicks. Die Promis, die über ihre Jugend erzählen und dann eben auch das Yps-Heft erwähnen, hätte ich jetzt nicht gebraucht. Viele Seiten sind einfach nur durch wieder abgedruckte Comics gefüllt, die einen ja nichts kosten, man hat ja eh die Rechte. Ziemlich doof fand ich, dass die im Buch abgedruckte Pif-Geschichte über den "Tag der Musik" bereits im kurz zuvor erschienenen Jubiläumsheft 1284 (mit dem "Entscheidungsfinder") zu lesen war. Zweimal dasselbe innerhalb weniger Wochen? Als ob die Auswahl an Pif-Storys nicht groß genug wäre. Was soll die Mega-Verarsche? Insgesamt etwas lieblos, respektlos und wenig wertschätzend dem Leser gegenüber.
Gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Wangaroo, meiner absoluten Lieblingsserie. Abgedruckt wurde hier die Episode eins. Naja, die war auch schon vor ein paar Jahren im Yps-Magazin für inzwischen Erwachsene zum zweiten Mal abgedruckt gewesen. Ach ja, wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Ein nostalgisches Wangaroo-Album mit der kompletten Serie. Wie wärs, Egmont-Verlag?

 

Das Gespensterbuch. Teil III
Letzter Teil der von August Apel und Friedrich Laun herausgegebenen und größtenteils auch selbst geschriebenen Sammlung von Schauergeschichten. Wobei nur noch der erste der drei hier versammelten Bände von beiden gemeinsam gefüllt wurde, im zweiten Band sind es nur noch Laun-Texte, im Vorwort zum dritten Band kann Laun nur noch den Tod seines Kollegen betrauern. Als neue Beiträger sind Friedrich de la Motte Fouqué (im Inhaltsverzeichnis aus unerfindlichen Gründen als "Foqué" geführt) und Karl Borromäus von Miltitz mit dabei. Erneut eine sehr lesenswerte Sammlung von gruseligen Geschichten, manche in alten Zeiten spielend, manche zur Zeit der Verfasser, oft sind es Geschichten, bei denen der vermeintliche Spuk sich durch natürliche Ursachen erklären lässt, wie in der Geschichte "Der Schutzgeist", meiner Lieblingsgeschichte in dem Band. Dazu gibt es ein lesenswertes Nachwort des Herausgebers Felix Woitkowski, der unter anderem herausarbeitet, dass es sich bei dieser Sammlung um ein sehr "unentschlossenes" Gruselbuch handelt, da die Autoren sich manchmal dem aufklärerischen Credo verweigerten, alles vermeintlich durch Geister Verursachte auf eine natürliche Ursache zurückzuführen. Laun, Apel und ihre Gastautoren lassen die Frage manchmal bewusst offen, und oft bleibt die von vernünftigen Leuten geforderte vernünftige Erklärung des Spuks einfach aus. Eine schöne Sammlung, hat mir gefallen.

 

Friedrich Kroner: Der Kreisel

 

Melanie Vogltanz: Rabensohn

 

Thomas Mann: Deutsche Ansprache (Reclam)
Thomas Mann, der "Unpolitische", hält kurz vor dem Ende der Weimarer Republik eine Rede an die Nation und appelliert an die "Vernunft". Die Nazis haben bei den Reichstagswahlen im September 1930 rund 20 Prozent der Stimmen geholt und sind zweitstärkste Kraft geworden. Mann sieht die Katastrophe herannahen, Mann spricht vor rund 1000 Zuhörern im Beethovensaal der Berliner Philharmonie. Er spricht von Frieden, humanistischen Werten, von der Notwendigkeit eines Zusammenhalts der Demokraten gegen die Nazis. Diese haben durchaus auch Anhänger im Publikum, es gibt Zwischenrufe, Störungen, Proteste. Auch das Presseecho ist geteilt, je nach politischer Ausrichtung des Blattes. Die Rede selbst ist sehr klug und vernünftig, allerdings merkt man beim Lesen, dass Manns Stil "nicht gut gealtert" ist. Was in Romanen funktioniert, ist für den mündlichen Vortrag nicht immer gut geeignet, und dieses Stück rhetorischer Literatur ist zumindest für den heutigen Zuhörer schon ein wenig herausfordernd. Egal, der Mann hatte inhaltlich ja völlig recht.
Es gibt ein sehr erhellendes Nachwort und einige erklärende Endnoten, insgesamt macht der Anhang etwas mehr als die Hälfte des Büchleins aus. Sehr hilfreich, gut so.

 

Terenz: Der Eunuch (Reclam)
Ich hatte schon im vergangenen Jahr beschlossen, mich näher mit Terenz zu befassen, als ich las, wie Phillis Wheatly sich so positiv auf ihn bezog, als den ersten afrikanischen Dichter - und sie als zweite. Diesen Herbst habe ich mich also durch seine Komödien hindurchgelesen, der "Eunuch" machte den Anfang.
Als ich das Stück las, dachte ich immer wieder: Das kennst du doch. Ein Gefühl, das sich bei den meisten weiteren Terenz-Komödien einstellte. Und richtig: Dieses Werk basiert auf einer gleichnamigen Komödie von Menander, die Terenz übersetzt und bearbeitet hat.
Es geht um einen jungen Mann namens Phaedria, Sohn eines wohlhabenden Atheners, schwer verliebt in die Hetäre Thais. Es gibt einen Konkurrenten, einen Soldaten, der ein ziemlicher Prahlhans ist. Die beiden Männer versuchen, sich gegenseitig durch Geschenke an Thais zu überbieten. Der Soldat schenkt ihr ein junges Sklavenmädchen, von dem Thais glaubt, es sei ein Kind von Athener Bürgern, sie will das Mädchen haben, um ihm die Freiheit zu schenken und es der Familie zurückzugeben. Phaedria will seiner Thais einen Eunuchen schenken. Doch da sich sein Bruder Chaerea unsterblich in das besagte Mädchen verliebt hat, beschließen die Brüder, dass Chaerea statt des echten Eunuchen als Geschenk zu Thais gebracht wird, um der Geliebten nahe sein zu können. Es kommt zu einigen Verwicklungen und Verwechslungen, auch zu einer Vergewaltigung Pamphilas durch Chaerea, aber am Ende ist alles Friede, Freude, Eierkuchen, und es gibt eine Doppelhochzeit. Nicht ganz schlecht, zum Teil durchaus amüsant, eine nette, gefällige, in eleganter Sprache erzählte Verwechslungsgeschichte.

 

Brita Rose-Billert: Indian Cowboy: Alte Rechnungen
Ryan und Shayla sind ein Paar. Am Ende des vorigen Bandes hatte sie Ryan zu Tode verletzt durch die Bemerkung, es gebe noch einen weiteren Mann in ihrem Leben. Doch nun stellt sie ihm den besagten "Mann", nämlich ihren dreijährigen Sohn vor, den Ryan gleich mit adoptiert, als er Shayla geheiratet hat. Auch die Idee, eine Touristen-Ranch auf der Reservation zu betreiben und weiße Gäste für die Situation der Indianer zu sensibilisieren, gewinnt klarere Konturen. Und da Shayla die Nichte des Stammes-Chief Red Eagle ist, wird auch die alte Feindschaft zwischen Ryan und Red Eagle durch familiäre Bande gebändigt. Alles könnte so schön sein, doch dann taucht Craig Hunting Wolf auf. Der Bruder eines Mannes, für dessen Tod Ryan in seiner Zeit als Kopfgeldjäger verantwortlich wurde. Huntig Wolf will Rache. Es kommt zu einem gnadenlosen Duell in der Wildnis, und nur einer kann überleben.

 

Brita Rose-Billert: Indian Cowboy 6: Ungebrochen
Der letzte Band der Ryan-Black-Hawk-Saga. Eigentlich wollen Ryan und seine Familie nur an einem Rodeo teilnehmen. Doch als pöbelnde Weiße die Kinder und Jugendlichen aus Ryans Gruppe angreifen, kommt es zu einer Schlägerei, bei der ein Lakota-Junge stirbt. Preisfrage: Wen schnappt sich die Polizei - die bewaffneten Weißen oder die unbewaffneten minderjährigen Lakota und ihren Mentor Ryan? Genau. Ryan landet im Gefängnis. Während die anderen längst entlassen sind, gerät er an einen Indianerhasser, der ihn mit einem Elektroschocker foltert und ihm die Haare scheren lässt. Eigentlich will die Armee den Lakota ja zurückhaben, immerhin ist Ryan ein kostbarer Elitesoldat. Aber auf diese Weise gewinnt man natürlich keine engagierten Mitarbeiter. Schließlich können Baxter und Shayla Ryan aufspüren und befreien. Ryan ist erschöpft, verletzt und physisch fast am Ende - aber ungebrochen. Endlich kann er seinen Traum von der Touristen-Ranch im Reservat verwirklichen.
Ein spannender, hervorragend geschriebener Sechsteiler. Es war kein Schaden, ihn doppelt gelesen zu haben. Ein Hinweis im Klappentext oder Impressum wäre trotzdem anständig gewesen.

 

Weitere Jahresrückblicke
2025, 1. Teil: Januar bis März
2025, 2. Teil: April bis Juni
2025, 4. Teil: November
2025, 5. Teil: Dezember

 

© Petra Hartmann




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Jahresrückblick 2025: April bis Juni

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 29 Dezember 2025 · 626 Aufrufe
Jahresrückblick

Willkommen zum zweiten Teil meines Lese-Jahresrückblicks. Die Monate April, Mai und Juni bescherten mir erneut Comic-Klassiker, außerdem etwas Historisches, etwas Horror, SF, schwedische Erzählungen, etwas über Sprache und viele Hörbücher. Viel Spaß damit, vielleicht ist ja etwas für euch dabei.

 

Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.

 

 

April

 

Tim und Struppi. Gesamtausgabe
Band 6 (Fortsetzung)
- Reiseziel Mond

- Schritte auf dem Mond
Band 7
- Der Fall Bienlein

Reiseziel Mond: Hach, die ikonische rotweiß-karierte Mondrakete. Die hat in meiner Jugend in jeder Bahnhofsbuchhandlung und in jedem Comicshop gestanden. Ist es Zufall, dass das rotweiß-karierte Muster ein wenig an die schwarzweiße V2 erinnert? Hm ...
Der geniale Professor Bienlein entwickelt im Land Syldavien eine Mondrakete. Und Tim und Kapitän Haddock sollen mit an Bord sein, wenn die Menschheit erstmals den Erdtrabanten betritt. Bis zum Abschuss - es ist erneut ein Doppelabenteuer und wird im Folgeband fortgesetzt - geschehen allerhand abenteuerliche Dinge. Spione wollen die Pläne klauen, die erste Testrakete entführen, es passieren Einbrüche, Tim wird sogar angeschossen. Daneben gibt es viele liebenswürdige Einzelheiten, etwa den niedlichen Hunde-Raumanzug für Struppi oder dass Bienlein sein Hörrohr mit der Pfeife Haddocks verwechselt. Ja, tatsächlich: Bienlein kann in diesem Band stellenweise ganz normal mit den anderen kommunizieren, durch ein Hörrohr oder ein kleines Hörgerät, allerdings sind diese Hilfsmittel auch manchmal außer Gefecht gesetzt. Eine ganze Menge slapstickhafter Einlagen gehören natürlich auch dazu. Meist trifft es Haddock, der stolpert, stürzt, sich selbst mit der Antenne seines Raumanzugs schlägt, aber auch Bienlein geht mal zu Boden, und die Schul(t)zes - sehr nett in griechischer Tracht - machen das Chaos perfekt. Als Bienlein aufgrund eines Unfalls sein Gedächtnis verliert, ist es Haddock, der mit grenzenloser Phantasie immer neue Schock- und Erschreckversuche unternimmt, um ihn zurückzuholen. Am Ende dann der Start und ein heftiger Cliffhanger: Die Besatzung ist nach dem Start ohnmächtig, die Rakete jagt durchs All, Funksprüche der Bodenstation bleiben unbeantwortet. Fortsetzung folgt.
Schritte auf dem Mond: Zweiter Teil des Mondabenteuers. Tim und Struppi, Professor Bienlein, Kapitän Haddock und der Wissenschaftler Wolff kommen nach dem Start wieder zu sich und sind bereit für die Landung auf dem Mond. Was sie nicht geahnt haben: Aus Versehen sind auch die beiden Schul(t)zes mit an Bord, die eigentlich nur den Laderaum inspizieren wollten, sich aber in der Abflugzeit um zwölf Stunden (pm und am) vertan haben. Zwei zusätzliche Personen, das bedeutet: Der Sauerstoff reicht nicht so lange wie geplant, die Aufenthaltszeit auf dem Mond muss also verkürzt werden. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt: Es gibt noch einen weiteren blinden Passagier an Bord. Ein feindlicher Agent hat den Auftrag, mit der Rakete zu starten, wenn die Mannschaft sie verlassen hat.
Auf dem Hinflug gibt es einen tollkühnen Stunt Tims, der Kapitän Haddock im luftleeren Raum wieder einfangen muss. Haddock hatte Whisky an Bord geschmuggelt und nach einem tiefen Zug aus der Pulle das Schiff verlassen. Außerdem gibt es eine Haarkatastrophe: Die beiden Geheimagenten erleiden einen Rückfall von den Pillen, die sie im jüngsten Wüstenabenteuer geschluckt hatten: Ihre Haare wuchern wie bei Rapunzel und nehmen die prächtigsten Farben an. Haddock mutiert zum fluchenden Bordfriseur. Sehr schön ist später die Ballettszene der beiden Agenten unter der geringeren Gravitation der Mondlandschaft. Es gibt eindrucksvolle Landschaftsbilder, eine beeindruckende Höhlenlandschaft mit Stalagmiten und Stalaktiten, eine gefährliche Eisfläche, tiefe Schluchten. Dann einen Überfall des Agenten, von Tim mit Schraubenschlüssel und Revolver vereitelt. Schließlich die Rückreise, auf der die gesamte Mannschaft zu ersticken droht, und ein heroisches Selbstopfer Wolffs, der aus der Rakete aussteigt, um den anderen seinen Sauerstoff zu überlassen. Wolff sah es auch als Sühne an, denn er hatte sich wegen seiner Spielschulden von dem Agenten erpressen lassen und ihm geholfen an Bord zu kommen. Sehr schönes, hochdramatisches Abenteuer, bei dem aber auch der Humor nicht zu kurz kommt.
Der Fall Bienlein: Eine nicht gerade anspruchsvolle Geschichte, in der es eigentlich nur um Verfolgungsjagden geht. Professor Bienlein hat eine geniale, aber auch gefährliche Erfindung gemacht. Aufbauend auf der Forschung der Deutschen im Zweiten Weltkrieg entwickelte er ein Gerät, das Glas zerstören kann. Im Mühlenhof gehen durch seine Versuche die Fenster kaputt, Flaschen eines vorbeifahrenden Molkereifahrzeugs zerbrechen, aber das Schlimmste ist, dass Kapitän Haddocks Whiskyglas zersplittert. Bienlein wird daraufhin von Gangstern entführt, die im Dienste Borduriens stehen, des Nachbarlands von Syldavien. Tim und der Kapitän immer hinterher. Es gibt einige rasante Autofahrten und einen Stunt mit einem Hubschrauber. Sehr nett sind zwei recht große "Wimmelbilder" nach Verkehrsunfällen auf den jeweiligen Verfolgungsjagden. Tim und Haddock können den Professor schließlich befreien, indem sie als Bevollmächtigte eines bordurischen Befehlshabers auftreten, dem sie die entsprechenden Beglaubigungsschreiben geklaut haben. In dieser Folge treten zwei Nerv-Faktoren erstmals auf. Erstens die ständigen Telefonverwechslungen mit der Metzgerei Schnitzel und zweitens der hartnäckige Versicherungsvertreter Fridolin Kiesewetter, der sich mit der ihm eigenen Dickfelligkeit im Mühlenhof einnistet. Nein, da schließe ich meine Versicherungen lieber bei Wayne Schlegel von der Michigan Lebens- und Unfallversicherung ab.

 

Fabia Waldner: Das Magnolienhaus 2 - Flügel der Freiheit
Die Verfasserin respektive der Verfasser lebt in Hahnenklee bei Goslar, daher habe ich das Buch für die Goslarsche Zeitung besprochen. Ich schrieb darüber Folgendes:
Die Saga um die Familie Eimermacher geht weiter. Unter dem Titel „Flügel der Freiheit“ legt Fabia Waldner den zweiten Teil ihrer Trilogie über drei Generationen einer Bonner Bau-Dynastie vor. Wobei hinter dem offenen Pseudonym Fabia Waldner jemand steckt, der sich in Bonn und Umgebung bestens auskennt: Der Hahnenkleer Autor Michael oder Mick Schulz, Jahrgang 1959, ist gebürtiger Bonner, Sohn eines Düsseldorfers und bekennender Enkel einer rheinländischen Großmutter, der er einen Großteil seiner Inspiration verdankt, wie er der GZ verriet. Der Roman, erschienen bei Aufbau Digital, ist nicht als gedrucktes Buch zu haben. Es gibt nur eine E-Book-Ausgabe. Außerdem ist die Geschichte als Hörbuch erhältlich.
„Flügel der Freiheit“ – das ist ein optimistischer, kraftvoller Titel, der auf die Träume und den beschwingten Aufbruch der Heldin Caro Eimermacher Bezug nimmt. Caro hatte sich bereits im ersten Teil des „Magnolienhauses“ mit dem Titel „Der Traum von morgen“ als ausgesprochen freiheitsliebend und selbstbewusst gezeigt. Die Tochter eines Professors und Enkelin eines Bauunternehmers hatte rebelliert, als ihr Vater sie auf dem Heiratsmarkt verschachern wollte, sie hatte dem Dekanssohn Rudi den Laufpass gegeben und damit auch die Universitätskarriere ihres Vaters platzen lassen. Ein Stück Freiheit, für das eine Frau damals allerdings einen hohen Preis zahlen musste.
Tatsächlich zeigt „Flügel der Freiheit“ nicht nur den Flug, sondern auch den Absturz, der einer Tochter aus gutem Hause drohte, wenn sie sich nicht fügte. Genauer gesagt: Das Buch zeigt sowohl die Schicksale widerspenstiger als auch die Schicksale ordnungsgemäß verheirateter Eimermacher-Frauen. Denn dass die biedere Schwester, die Mutter und die Großmutter in ihren Ehen glücklich geworden wären, nein, das kann man nach Lektüre dieses Buchs nicht sagen.
Doch zunächst zu Caro: Der Roman setzt ein mit ihrer Ankunft in Berlin im Mai 1912. Eine Freundin hatte ihr eine Unterkunft bei einem befreundeten schwulen Paar verschafft. Max und Kees sind recht wohlhabend und ermöglichen Caro ein beschwingtes Leben auf der sonnigen Seite von Berlin. Die junge Bonnerin lernt Künstler, Musiker, Schauspieler kennen, einmal ist sogar die berühmte Asta Nielsen in Max‘ Villa zu Gast. Caro, die durchaus als Schönheit gelten kann, strebt eine Karriere als Filmstar an, erlangt auch eine erste Statistenrolle und überlegt sogar, den unsäglichen Namen Eimermacher zugunsten eines klangvolleren Künstlernamens aufzugeben. Aber dann platzen Max‘ Aktiengeschäfte, ein Schuss fällt, und Caro stürzt aus der High Society ab ins Dunkel der ausgebeuteten Dienstmädchen, schließlich in die Welt der Obdachlosen ...
Ein weiterer Handlungsstrang spielt im Jahr 1975 und erzählt von Caros Heimkehr nach Bonn ins Stammhaus der Familie. Für die inzwischen 80-Jährige gibt es ein Wiedersehen mit der jüngsten Schwester Marie. Diese scheint tatsächlich so etwas wie Glück und Erfüllung gefunden zu haben. Obwohl, oder gerade weil auch sie sich dem Vater widersetzte und offenbar eine bekannte und erfolgreiche Wissenschaftlerin geworden ist.
Dazwischen Frauenschicksale: Mutter Mathilde und Schwester Almut werden von ihren Ehemännern betrogen, erfahren Entwertung, Rechtlosigkeit, die Mutter erleidet sogar einen Herzinfarkt. Über den Seitensprung des Großvaters und die Reaktion der Großmutter hatte Waldner bereits im ersten Teil berichtet. Insofern kann man nicht gerade sagen, dass die „braven“ Frauen der Eimermacher-Dynastie, die sich verheiraten ließen und klaglos ihr Ehejoch trugen, die bessere Wahl getroffen haben als die aufmüpfige Caro, trotz ihres gesellschaftlichen Absturzes.
Auffallend ist dabei das vollständige Fehlen von weiblicher Solidarität, als Almut herausfindet, dass ihr Mann sie betrügt, und ihn beobachten lässt. Dass die Mutter, die selbst betrogen worden ist, nicht dem üblen Schwiegersohn, sondern der Tochter Vorwürfe macht, sie habe sich nicht genug Mühe gegeben und mit ihrer Spionieraktion auch noch einen Vertrauensbruch begangen, schmeckt bitter.
Waldner hat einen gepflegten Satzbau und überzeugt durch detailreiche Schilderungen aus der Welt der Bonner und Berliner High Society. Ob Teeservice oder edle Badezimmerkacheln, gerade was das Luxusleben des wohlhabenden Eimermachers und des Pärchens Max und Kees angeht, scheint Waldner akribisch recherchiert oder der rheinischen Großmutter gut zugehört zu haben. Aber auch den Berlinern hat der Autor offenbar ordentlich „aufs Maul geschaut“, und so mischt sich in die Bonner Familiensaga im zweiten Teil unüberhörbar das „Ballinern“ einiger Bekanntschaften Caros.
Unangenehm ist auch hier, wie in Teil eins, die Eigenart, konfliktreichen Begegnungen auszuweichen. Kommt es zu einer dramatischen Begegnung, so bricht Waldner gewöhnlich bei Gesprächsbeginn ab, macht einen Schnitt und liefert hinterher ein Referat im Plusquamperfekt darüber, was wer wie gesagt hatte. So hat der Leser oft das Gefühl, vor dem Fernseher zu sitzen, wenn jemand anderer die Fernbedienung in der Hand hält und bei jeder spannenden Stelle wegzappt. Eine Abfolge von Cliffhangern und „Was bisher geschah“-Zusammenfassungen. Bitte bleiben Sie dran, Frau Waldner. Live ist immer am schönsten.
Fazit: Netter, gut konsumierbarer Frauenroman über Ehe, Widerstand, Luxus und Elend. Angenehm zu lesen, lediglich die vielen Rückblenden stören den Genuss etwas.
Buch-Infos: Fabia Waldner: Das Magnolienhaus. Teil II: Flügel der Freiheit. Aufbau Digital, 2025. Erhältlich als E-Book (entspricht etwa 300 Druckseiten) oder als Hörbuch, gelesen von Uta Simone (Laufzeit: 7 Stunden und 40 Minuten).

 

Den Krieg übersetzen. Gedichte aus der Ukraine

 

Sascha Raubal: Kurt in göttlicher Mission

 

Elena Münscher: Der Zeitenweg

 

Michael Sommer: Schwarze Tage. Roms Kriege gegen Karthago
Eine sehr schöne, klar strukturierte und gut lesbare Darstellung der drei Kriege, die gewöhnlich als "Punische Kriege" bezeichnet werden. Hier macht der Autor schon im Titel klar, dass Rom eindeutig der Aggressor war, zumindest in den beiden letzten Kriegen. Teil eins war auf jeden Fall auch der Gemengelage auf Sizilien geschuldet, auf einer Insel, auf der viele Völkerschaften aufeinandertrafen: Griechen, Römer, Karthager und weitere Gruppierungen aus aller Herren Länder. Die Karthager gerieten als Verbündete von Syrakus in die Sache hinein. Die Römer standen eigentlich abseits, aber dann war da ein kleines Piratennest, dessen Bewohner Rom um Hilfe riefen - mit der Begründung, sie seien doch auch Römer. Das Argument verfing nicht ganz, wohl aber die Aussicht auf Beute und einen strategisch günstigen Hafen. Die Römer sagten: "Engage!" Und plötzlich war etwas im Gange, das für die damaligen Verhältnisse schon als ein kleiner "Weltkrieg" bezeichnet werden konnte. Sommer unterscheidet zwischen Kriegen unter gleichstarken Parteien und "asymetrischen" Kriegen und macht deutlich, dass sich während der drei Kriege das zu Beginn noch durchaus gegebene Gleichgewicht mehr und mehr zu Ungunsten Karthagos verschob. Nach jedem Krieg war die Position Karthagos schwächer, und Rom hat profitierte. Der Bruch des Ebro-Vertrags dürfte schon gezielt und bewusst erfolgt sein. Aus einem Stellvertreterkrieg wurde ein Desaster für Karthago. Der dritte Krieg schließlich wurde hervorgerufen durch die Salamitaktik eines kleinen Provinzfürsten, der sich der Rückendeckung durch das mächtige Rom sicher war. Karthago musste irgendwann zurückschlagen und den ständigen Provokationen und Geländegewinnen des Numiderkönigs Massinissa Einhalt gebieten. Mit fatalen Folgen.
Tja, dass mein Herz eher auf der Seite Karthagos ist, merkt man wohl. Und ich halte es auch ein bisschen mit Sallust, der gesagt hat, dass mit dem Untergang Karthagos auch der Niedergang Roms eingeläutet wurde, weil die Stadt danach keinen Gegner mehr hatte, an dem sie sich messen und wachsen konnte, weswegen in Rom Sitten, Disziplin und Patriotismus verloren gingen. Immerhin, nach der Zerstörung Karthagos hat es nicht mal 50 Jahre gedauert, bis Caesar der römischen Republik den Todesstoß versetzte ...

 

Henrik Ibsen: Nora. Ein Puppenheim (Hamburger Lesehefte)
Geschichte einer Ehefrau, die zunächst von ihrem Vater, später von ihrem Mann als unmündiges Kindchenfrauchen gehalten und entsprechend behandelt wird. Nora ist seit acht Jahren mit Torvald verheiratet, der nun die Chance hat, Bankdirektor zu werden. Das Püppchen Nora hatte allerdings einmal in ihrem Leben eine selbstständige, heroische Tat begangen, an der sie sich immer wieder das Herz wärmt: Als Torvald zu Beginn ihrer Ehe schwer erkrankte, nahm sie heimlich einen Kredit auf und fälschte die Unterschrift ihres Vaters als Bürgen, um Torvald ein Jahr in Italien zu finanzieren. Der Kredit ist inzwischen heimlich abbezahlt. Allerdings merkt der betreffende Bankmitarbeiter plötzlich, dass die Unterschrift erst einige Tage nach dem Ableben des vermeintlichen Bürgen erfolgte. Da der designierte Bankdirektor den Mitarbeiter wegen einiger anderer krummer Machenschaften entlassen will, versucht letzterer, Nora zu erpressen, damit sie für ihn eintritt. Vergebliche Liebesmüh, denn welcher Mann lässt sich in wirklich wichtigen Fragen schon von einem dekorativen Püppchen reinreden? Der Schwindel fliegt schließlich auf, Torvald ist entsetzt. Nora nicht minder. Denn dem Mann geht es nur um seine Reputation und darum, die Sache zu vertuschen. Von Liebe oder Anerkennung für ihre entschlossene Tat - immerhin hat sie ihm damals die Gesundheit gerettet - keine Spur. Zutiefst menschlich enttäuscht trennt sich Nora von ihrem Mann. Interessante Kombination und eine klassische ethische Fragestellung. Spannendes Stück, hat mir gefallen. Dazu gibt es ein einordnendes Nachwort, das gern ein wenig länger hätte sein dürfen, und ein paar Worterklärungen.

 

Holger Sonnabend: Antike. 100 Seiten (Reclam)
Die ganze Antike in 100 Seiten? Das ist sportlich, es ist nicht zu schaffen, und vermutlich hat dem Autor bei der Arbeit immer wieder eine Stimme ins Ohr geraunt: "Du hast keine Chance, also nutze sie." Das Ganze auch noch fluffig layoutet, mit Bildern und Grafiken aufgelockert. Die Gesamtdarstellung bleibt da notgedrungen an der Oberfläche. Bei den Themen Geschichte, Literatur, Philosophie, Kunst konnte mir der Autor nichts Neues erzählen, ein paar interessante Sachen habe ich im Bereich Alltagskultur und Kuriosa gefunden. Insgesamt eine nette Einstiegslektüre und Übergangsdarstellung, aber das Thema ist nicht gut geeignet für die 100-Seiten-Reihe.

 

Bessy 82: Der ungebetene Gast
Diesmal eine Aristie der Jenny Cayoon. Während Andy und sein Vater einem Nachbarn beim Bau einer Wassermühle helfen, bleibt dessen kleine Tochter auf der Pineapple-Ranch, wo Jenny und Bessy auf sie aufpassen. Pech nur, dass just an diesem Tag ein aus dem Gefängnis ausgebrochener Verbrecher auf der Ranch ankommt. Er setzt Jenny und das Mädchen gefangen und zwingt Jenny zuvor mit vorgehaltener Waffe, Bessy festzubinden und einzusperren. In der Folge gibt es mehrere Rettungsversuche Jennys, die jedoch immer wieder daran scheitern, dass das Mädchen Panik bekommt. Schließlich ist es Bessy, die in guter Tradition mit einem Zettel am Halsband losgeschickt wird, um Hilfe zu holen. Die Colliehündin wird allerdings verfolgt von den beiden Schäferhunden des Verbrechers. Am Ende ist es Jenny, die den Verbrecher dingfest machen kann, weil Bessy ihr ein Gewehr bringt. Schönes Abenteuer. Im Nachwort wieder etwas über Klaus Dill. Bei aller Ehrfurcht vor dem Gottkaiser der Bessy-Cover: Das werden mir langsam zu viele Dill-Nachworte. Ein bisschen Abwechslung wäre nicht schlecht.

 

Bessy 83: Die Quelle
Andy und Schneller Hirsch sind als Scouts für die Sicherheit eines Trecks verantwortlich. Sie müssen ihn gegen eine Gruppe von aufständischen Papagos verteidigen, die von kriminellen Weißen dazu angestiftet worden sind. Der Häuptling Gebrochene Nase und der Anführer der Kriminellen schleichen sich nachts an und sprengen den Wasserwagen des Trecks in die Luft. Allerdings wird der weiße Schurke von einem herumfliegenden Trümmerteil erschlagen, der Häuptling gefangen. Als Gebrochene Nase merkt, dass Andy und Schneller Hirsch ihn verteidigen und ein paar aufgebrachte Treckmitglieder daran hindern, ihn zu lynchen, wird er zum Freund der beiden und bietet sich an, sie zu einer geheimen Quelle zu führen. Er hilft ihnen, die dort lagernde Räuberbande zu fangen, und auch der in der Stadt sitzende Oberschurke erhält seine gerechte Strafe. Ansonsten gibt es eine Auseinandersetzung zwischen Schneller Hirsch und einem alten Indianerkämpfer, die jedoch bald zu einer Freundschaft wird, und eine erfolglose Jagd Bessys auf ein Gürteltier. Statt eines Nachworts sind eine Coverskizze und ein Schreiben des Bastei-Verlags an Klaus Dill enthalten.

 

 

Mai

 

Tim und Struppi. Gesamtausgabe
Band 7 (Fortsetzung)
- Kohle an Bord
- Tim in Tibet

Kohle an Bord: Das titelgebende Codewort bedeutet soviel wie "Schiff voller schwarzer Sklaven" und ist der Hinweis, den Sklavenhändler erhalten, wenn sich ein Schiff mit "Ware" nähert, die sie dann auf hoher See übernehmen. Das Stichwort selbst fällt erst sehr spät, etwa im letzten Drittel des Buchs. Tim, Struppi und Kapitän Haddock geraten auf ein Sklavenschiff, an dem sich nichtsahnende schwarze Passagiere befinden, denen man vorgespiegelt hat, das Schiff würde sie nach Mekka bringen. Die Schwarzen sind nämlich allesamt fromme Muslime und wollen auf Pilgerfahrt gehen. Wie unsere drei Helden an Bord gelangen, hat eine längere Vorgeschichte. Zu Beginn begegnen Tim und Haddock einem alten Bekannten, General Alcazar, der sich jedoch schnell aus dem Staub macht. Es kommt heraus, dass der Ex-Diktator gebrauchte Flugzeuge aufkauft. Diese werden später an einen Gegner des Emirs Emir Ben Kalisch Ezab verkauft, der durch einen Putsch seine Herrschaft verliert. Zuvor hatte er jedoch seinen Augapfel, den heißgeliebten Tunichtgut Abdallah zum Mühlenhof geschickt, wo er nun dem Kapitän mit seinen nervtötenden Scherzartikeln das Leben zur Hölle macht. Als Tim und Haddock von dem Putsch gegen den Emir erfahren, fliegen sie nach Watisdah, um ihrem Freund zu helfen. Doch schon am Flughafen werden sie wieder ausgewiesen und per Flugzeug zurückgeschickt. Die Maschine muss jedoch aufgrund eines brennenden Flügels notlanden. Eine Notlandung, die sich als Glücksfall entpuppt. Denn nur kurz nachdem Crew und Passagiere das Flugzeug verlassen haben, explodiert ein Sprengsatz an Bord, der Tim eigentlich hätte ins Jenseits befördern sollen. Tim und Haddock kehren zurück nach Watisdah, wo ihnen ihr alter Freund Oliveira de Figueira eine Reise zum Emir ermöglicht. Beim Treffen erfahren die beiden, wie es zum Zerwürfnis des Emirs mit der Luftfahrtgesellschaft Arabair kam (Abdallah hatte sich gewünscht, dass die Passagiermaschinen beim Anflug auf Watisdah Loopings fliegen, was die Gesellschaft aus für den Emir nicht nachvollziehbaren Gründen verweigerte ...). Die Spur zu den Drahtziehern des Putsches führt die Freunde daraufhin nach Mekka, wohin sie mit einem kleinen Segler gelangen wollen. Sie werden jedoch unterwegs von Flugzeugen beschossen. Tim kann eines der Flugzeuge abschießen, doch ihr Schiff ist Schrott. Sie retten sich auf ein Floß und können auch Klap, den Piloten des abgeschossenen Flugzeugs mit an Bord nehmen. Als das Floß die Route des Drahtziehers Di Gorgonzola kreuzt, will dieser die Schiffbrüchigen gar nicht an Bord nehmen, hat aber das Pech, dass Sängerin Castafiore das Floß bemerkt - und vor ihr will er als "Guter" dastehen. Die beiden und Klap werden kurzfristig aufgenommen, dann aber an ein anderes Schiff, das Di Gorgonzola gehört, weitergegeben, nämlich die "Ramona", den Frachter, der die Sklaven transportiert. Hier sind die drei zunächst gefangen, können sich und die Sklaven jedoch befreien und SOS funken, als sie ein U-Boot angreift. Die Ramona wird gerettet, die Bösen verhaftet, auch der Putsch bricht bald in sich zusammen, und Abdallah wird aus dem Mühlenhof abgeholt. Alles deutet darauf hin, dass im Schloss nun Ruhe und Frieden einkehrt. Bis Nervensäge Fridolin Kiesewetter auftaucht. Er wollte seinem Freund Haddock etwas Gutes tun, damit er sich nicht so in der Ruhe und Einsamkeit des Schlosses langweilt, und hat eine Rallye seines Automobilclubs kurzerhand in den Park des Mühlenhofs umgeleitet. Ein hektisches Wimmelbild mit Automobilisten im Schlosspark schließt das Abenteuer ab. Es ist nicht unbedingt ein schlechtes Abenteuer, aber ein bisschen wirr und unstrukturiert wirkt es schon. Was der Sklavenhandel, der Putsch und die Meinungsverschiedenheiten mit der Fluggesellschaft miteinander zu tun haben, ist nicht unbedingt einsehbar. Und dass mit dem Aufbringen eines Sklavenschiffs gleich der ganze Putsch zusammenbricht, ist auch unlogisch. Ein paar Verhaftungen, und alles ist gut? Welche Staatsgewalt agiert denn da, wenn der eigentliche Herrscher entmachtet ist? Das passt irgendwie alles nicht.
Tim in Tibet: Tim träumt, dass sein chinesischer Freund Tschang ihn um Hilfe ruft. Er findet heraus, dass Tschang an Bord eines Flugzeugs war, das am Himalaya abgestürzt ist. Angeblich gibt es keine Überlebenden. Aber Tim glaubt an seinen Traum und macht sich zusammen mit dem ewig fluchenden Kapitän Haddock auf nach Nepal und später Tibet. Ein paar Sherpas tragen ihnen das Gepäck tatsächlich bis kurz vor die Absturzstelle, flüchten dann jedoch in Panik, als sich die Hinweise verdichten, dass der Yeti - oder wie er in Tibet heißt: der Migu - in der Nähe sein Unwesen treibt. Nur der Anführer der Sherpas bleibt. Und der Schneemensch erweist sich tatsächlich als ein real existierendes Wesen. Sehr zum Leidwesen des Kapitäns, dem er den Whisky klaut. In einem Lama-Kloster erhalten die drei Sucher schließlich durch die Vision eines Mönchs den entscheidenden Hinweis: Tschang lebt. Er wurde vom Yeti gerettet und in eine Höhle verschleppt. Wobei der Yeti sich als sehr fürsorglich erwies. Anscheinend suchte er einfach nur einen Gefährten. Sehr traurig mutete das Schlussbild an, in dem der einsame Yeti der Expedition hinterhersieht, die "seinen" Tschang mitgenommen hat. Ein sehr liebenswürdiges, teilweise auch melancholisches Abenteuer, durch die unterschiedlichen Klimazonen am Himalaya auch optisch sehr vielseitig und ansprechend. Einer meiner Lieblingsbände.

 

 

In fernen Zonen. Karl Mays Weltreisen
Ein Band, der die beiden großen Reisen Karl Mays, nämlich die in den Orient und die Amerikafahrt, dokumentiert. Ja, zum Ende seines Lebens hin hat der große "Reiseschriftsteller" tatsächlich Geld und Zeit gehabt, sich die Länder, über die er geschrieben hat, auch endlich einmal selbst anzusehen. Für ihn mag es auch ein wenig ernüchternd gewesen sein, unterwegs lernen zu müssen, dass er eben selbst kein Old Shatterhand oder Kara Ben Nemsi war.
Die zugrunde liegenden Quellen sind sehr unterschiedlich. Für die Orientreise liegt ein Reistagebuch vor, in dem er nicht nur seine Reisestationen notiert und beschreibt, sondern auch Alltagsärger und Organisatorisches. So hält er fest, sein Diener habe "achtmal nicht gewichst", woraufhin ihm May vier Rupien vom Lohn abzog. Postkarten und Fotos, Billets, Gedichte und Werbung der Schifffahrtsgesellschaften sind ebenso zu finden wie Reisekorrespondenz von Emma und Klara. Mich hat natürlich vor allem die zweite Hälfte interessiert, die Dokumentation seiner Amerikareise. Hier gab es kein Tagebuch, aber die Stationen wurden sorgfältig herausgearbeitet und beschrieben. Das Foto am Denkmal von Sa-go-ye-wat-ha. Die Niagara-Fälle. Das Schiffchen, mit dem May und Klara gefahren sind. Das Clifton-Hotel. Rechnungen und Postkarten. Die Titelbilder Sascha Schneiders zu den Winnetou-Romanen. Seine Rede über die drei Menschheitsfragen. Begegnungen mit ärmlichen Reservationsindianern, den Tuscaroras. Klara streute ja das Gerücht aus, er habe auch einen Abstecher zu den Apachen gemacht. Aber insgesamt muss es doch deprimierend gewesen sein für ihn. Mehr als das klassische Touristenprogramm hat er wohl nicht gesehen, sich wohl auch nicht getraut. Trotzdem, immerhin verdanken wir der Reise den vierten Winnetou-Band, den ich sehr schätze.

 

Arnfried Schenk, Stefan Schnell: Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen
Eines der schönsten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, aber auch das allertraurigste. Das Buch stellt 50 vom Aussterben bedrohte Sprachen vor, und beim Lesen wird einem klar, dass gerade jetzt in diesem Augenblick wieder eine von ihnen komplett ausgestorben ist. Was hier verloren geht, es lässt sich kaum ermessen. Vor allem steht man staunend vor dem Reichtum und den Ausdrucksmöglichkeiten dieser Sprachen. Sprachen, in denen es unendlich viele Feinheiten für die Beschreibung von Gerüchen gibt. Sprachen, in denen die Himmelsrichtung, in die jemand blickt, über die Grammatik entscheidet. Sprachen, in denen man bei jeder Aussage klar macht, ob man das, was man erzählt, selbst gesehen hat, von einem vertrauenswürdigen Gewährsmann gehört hat, aus der Zeitung oder einem Buch erfuhr, ob man etwas genau weiß, vermutet, ahnt, geschlossen hat.
Da ist das Baskische, die Sprache, die in Wilhelm von Humboldts Forschungen eine so große Rolle spielte, eine Sprache mit einem seltsamen Numerus, dem Transnumeral. Man benutzt ihn, wenn man offen lassen will, ob es sich um Singular oder Plural handelt. Mein Gott, wie wünschte ich mir in der deutschen Sprache einen Transnumeral, wenn ich beim Bearbeiten von Polizeiberichten schreibe: "Der oder die Täter hebelten ein Fenster auf und drangen ins Haus ein." Hebelten? Oder müsste man nicht besser schreiben: Hebelte? Hebelte(n)? Wir wissen es doch gar nicht, wie viele Täter es waren. Es wäre so schön, wenn ich einen Transnumeral hätte.
Wusstet ihr, dass es eine spezielle Inuit-Zeichensprache gibt? Oder bald gegeben haben wird? Dieses in der Arktis bei eisigen Temperaturen lebende Volk hatte einen guten Grund dafür, eine solche Sprache zu entwickeln, aufgrund der Kälte sind dort Mittelohrentzündungen und darauffolgend eben Taubheit so verbreitet wie bei sonst keinem anderen Volk.
Das Buch trägt nicht umsonst den Namen "Atlas". Jedem Kapitel ist eine eigene Landkarte vorangestellt, der die Heimat der betreffenden Sprache zeigt, außerdem gibt es Übersichtskarten der Kontinente. Abgesehen von der Antarktis hat jeder Kontinent seine eigenen vom Aussterben bedrohten Sprachen. Auch in Europa gibt es sie. Vorgestellt werden Samisch, Färöisch, Nordfriesisch, Plattdeutsch, Niedersorbisch, Rätoromanisch, Baskisch, Aragonesisch und Lasisch. Jede der 50 Sprachen wird, je nach Datenlage, mit ihrer Geschichte, ihren grammatischen Besonderheiten, der (geschätzten) Zahl der Sprecher und den Gründen für das Aussterben vorgestellt. Die Autoren schaffen es, dem Leser zu vermitteln, dass jede von ihnen etwas Besonderes ist.
Ja, und wenn man dann noch einmal den Satz liest, der auf dem Klappentext steht: "Knapp 7000 Sprachen werden heute weltweit gesprochen. Noch - denn mindestens die Hälfte von ihnen gilt als bedroht und könnte bis zum Ende des 21. Jahrhunderts verschwunden sein", wenn man das liest, dann wird einem sehr eng ums Herz. Und doch: Es ist ein unendlich schönes, kostbares Buch. Lest es!

 

Holger Much: Holger Muchs wunderwutzelige Wechselwesen-Weisheiten
Nettes Kinderbuch / Erwachsenenbuch im Hosentaschen-Format. Enthält ganzseitige Porträts wunderwutzeliger Wechselwesen und dazu jeweils ein kurzes Gedicht, insgesamt 20 Stück. Darin finden sich Vierzeiler wie: "Der Wurm kriecht rein, / der Wurm kriecht raus. / Und kriecht er zu tief, / dann ist es aus." Ein liebenswürdiger kleiner Spaß für zwischendurch, auch ein hübsches Mitbringsel.

 

Rolf Krohn: Adlerwind über Vicus Herculanius (BunTES Abenteuer 55/2023)
Diesmal habe ich es aber wieder mit den Punischen Kriegen. Schon mein zweites Buch über die Auseinandersetzung der Karthager mit den Römern (Spoiler: Eins kommt noch.) Beziehungsweise, jetzt ein Heftroman. Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf in Gallien, das zu Rom gehört. Es geht um Hannibals Versuche, Verbündete gegen Rom zu gewinnen, um eine junge Römerin, die verheiratet werden soll, um ein karrieristisches Arschloch, einen harten Vater, um Freiheit und Sklaverei. Sehr schöne historische Skizze, hat mir gefallen.

 

Vier Erzählungen: Schwedische Klassiker (Novellix)
- Astrid Lindgren: Allerliebste Schwester & Die Puppe Mirabell
- August Strindberg: Ein Puppenheim
- Stig Dagermann: Die Kälte der Mittsommernacht ist hart
- Selma Lagerlöf: Ein Stück Lebensgeschichte

Sehr schöne kleine Pappbox, etwas unter Reclamformat (tatsächlich habe ich es in der Buchhandlung ursprünglich für ein Reclam-Produkt gehalten). In der Box sind vier kleine Büchlein, wobei der Titel "Vier Erzählungen" gar nicht stimmt, denn Band eins enthält zwei Texte, man bekommt also insgesamt fünf Erzählungen, wenn man die Box erwirbt. #Vom Astrid Lindgren sind die beiden Märchen "Allerliebste Schwester" und "Die Puppe Mirabell" enthalten. Ersteres ist mein absolutes Lieblingsmärchen von ihr, die Geschichte von der geheimen Schwester, die sich hinter dem Rosenbusch versteckt, von den Pferden, den Hunden, den Bösen und den Artigen begleitet mich schon seit dem Kindergarten. Die Geschichte von Mirabell ist ebenfalls altbekannt, aber eine nette Wiederbegegnung.
Ein seltsamer Zufall wollte es, dass ich gerade kürzlich erst "Nora, ein Puppenheim" von Ibsen gelesen habe. Was macht nun Strindberg daraus? Es ist die Geschichte eines Kapitäns und seiner Frau, die während der Fahrten ihres Mannes oft allein ist. Kapitän Pall rät seiner Gurli, sich eine Gesellschafterin zu suchen. So kommt die fromme Ottilie ins Haus und füttert Gurli mit Bibelsprüchen, Literatur und komischen Ansichten. Als Gurli ihrem Mann das Buch "Nora, ein Puppenheim" schickt und ihn um seine Meinung bittet, zerlegt der alte Seebär den Text geradezu. Eine sehr drastische Kritik eines einfachen, pragmatischen Mannes, der gelernt hat, geradeaus zu denken, und nichts mit sentimentalem Geschwafel am Hut hat. Die Ehe gerät ins Trudeln. Schließlich rät seine Schwiegermutter dem Kapitän, er solle doch Ottilie den Hof machen, um Gurlis Eifersucht zu erregen. Der Puppenheim-Brief ist sehr interessant, wenn man das Original-Puppenheim gelesen hat. Allerdings kann ich Strindberg einfach nicht schätzen.
Stig Dagermann erzählt die Geschichte eines Jungen, der "versagt" hat, nämlich in der Schule, und jetzt als Postbote arbeiten muss. Es ist Mittsommer, es sind Ferien, ein vorbeikommender Lehrer lobt ihn, er sei tüchtig, weil er in den Ferien arbeite, und ist etwas pikiert, als der Junge ihn aufklärt, dass er keine Ferien mehr hat, sondern die Schule für ihn beendet ist. Eine sehr harte, realistische, bittere Geschichte. Gut, aber sehr dünn. Es sind nur zwölf Seiten, und der Verlag musste dahinter vier leere (!) Blätter einfügen, um das dünne Büchlein überhaupt vollzukriegen.
Die letzte Erzählung schließlich, "Ein Stück Lebensgeschichte", handelt von einer Saga, die unbedingt erzählt werden wollte. Sie schwebt durchs Land, bis sie schließlich an ein kleines Gut, das Marbacka hieß, ein Gehöft, wie geschaffen zum Erzählen von alten Zeiten. Dort lebt ein Mädchen, das zur Erzählerin auserkoren ist. Das Kind wird zur jungen Frau, tatsächlich hat sie erste schriftstellerische Erfolge, findet Kraft und Bestätigung und kann tatsächlich das Unfassbare schaffen - als Schriftstellerin zu leben. Endlich schreibt sie auch die Saga nieder, ein tolles, wildes, verschlungenes Stück Literatur. Aber: "Die Saga wurde nie, was sie hätte werden sollen. Es war ihr Unglück, dass sie so lange hatte warten müssen, bis sie erzählt wurde. Wenn sie nicht gebührend in Zucht und Zaum gehalten worden ist, so kam dies hauptsächlich daher, dass ihre Verfasserin nur allzu glücklich ist, sie endlich schreiben zu dürfen. Ein bisschen märchenhaft, ein bisschen melancholisch und traurig, dabei wohl auch autobiografisch, denn Marbacka war der Name des Hofs, auf dem Selma Lagerlöf selbst geboren worden war.
Die Box ist geschmackvoll und werthaltig aufgemacht und taugt sehr gut als Einsteigerbox für Leser, die sich für schwedische Literatur interessieren, sowie generell als liebenswertes Geschenk. Die vier Büchlein sehen hübsch aus, enthalten auch jeweils eine Kurzbiografie und ein Porträt des Autors. Die Texte selbst sind allerdings sehr dünn, es sind wirklich nur Kurzgeschichten und kurze Erzählungen für ein ganz kurzes Literaturerlebnis zwischendurch.

 

Stanley G. Weinbaum: Eine Frage der Sicht (BunTES Abenteuer 57/2023)
Geschichte eines genialen, aber sehr von sich überzeugten Wissenschaftlers. Inspiriert von der Äußerung eines Gesprächspartners, es sei "alles eine Frage der Sichtweise", entwickelt dieses Genie namens Haskel van Manderpootz eine Möglichkeit, die Welt durch die Augen anderer Menschen zu sehen. Sinn und Zweck der Sache ist eigentlich, dass die Welt nun alles durch seine Augen sehen kann. Aber für den Gesprächspartner und Ich-Erzähler bahnt sich eine Tragödie an, als er versucht, die Welt durch die Augen von Manderpootz' Gehilfen zu sehen. Plötzlich sieht er die schönste Frau der ganzen Welt vor sich und verliebt sich unsterblich in sie. Nur stellt sich heraus, dass die Frau eigentlich die grottenhässliche, fade Sekretärin des Wissenschaftlers ist und nur durch die rosarote Brille des verliebten Assistenten so wunderschön wurde ... Als zweite Geschichte ist in dem Heft "Die Herausforderung aus dem Jenseits" enthalten, ebenfalls eine Wissenschaftsgeschichte, in der es um kosmische Phänomene und die Erforschung eines Wirbels geht. Beides sehr zielstrebige, geradlinige Storys, gut geschrieben und angenehm zu lesen.

 

J. H. Rosny Aine: Die junge Vampirin (BunTES Abenteuer 56/203)
Eine etwas andere Vampirgeschichte. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die plötzlich ihr Gedächtnis verliert beziehungsweise völlig andere Erinnerungen hat. Plötzlich ist sie Vampirin und benötigt dringend Blut, um sich zu ernähren. Die Krankheit kam unvermittelt und ist genau so unerwartet wieder verschwunden. Die junge Frau erinnert sich an absolut nichts aus ihrer Vampirphase. Immer an ihrer Seite ist bei dieser Entwicklung ihr Geliebter und Ehemann, außerdem ist in der Vampirphase ein hochinteressierter Wissenschaftler dabei, der zu Tode enttäuscht ist und sich betrogen fühlt, als die Frau wieder ein ganz normales menschliches Wesen aus Fleisch und Blut wird. Spannende Variation des Vampirthemas, durchaus lesenswert.

 

Bettina Schneider: Die Opfer des Apachen

 

Thorgal 42: Özurr, der Waräger

 

Angelika Zahn / Lena Hesse: Was ist Künstliche Intelligenz? (BpB)
Infobuch in Form eines Comics, von der Bundeszentrale für politische Bildung in einer besonders wohlfeilen Ausgabe herausgebracht. Nettes Buch für Totalanfänger, an ein deutlich jüngeres Publikum gerichtet, aber ich habe mich nicht gelangweilt.

 

 

Hörspiel

 

Abenteuer und Wissen: Ulrike Beck: Stephen Hawking. Der Superstar des Universums
Hörspiel über Leben und Gedanken des Physik-Genies, nicht übersimplifiziert, aber auch für Laien verständlich. Ulrike Beck zeichnet das Leben eines Mannes nach, der eigentlich nach der ersten Diagnose "ALS" (Amyotrophe Lateralsklerose) laut Prognose der Ärzte gar nicht mehr so lange zu leben hatte. Ein Mann im Rollstuhl, der das Unmögliche möglich machte, der trotz seiner Behinderung an den Universitäten studieren, später lehren konnte, der als Student seine Professoren verblüffte, später seine Kollegen mit kühnen Theorien überraschte. Vor allem aber wird er gezeigt als ein Mann von ungeheurem Humor und von überwältigender Lebenslust. Sein Kinderbuch "Der Schlüssel zum Universum". Sein Ausflug in die Schwerelosigkeit. Die Roboterstimme, mit der er seine Schüler und die ganze Welt dazu auffordert, ihre Träume zu verfolgen und niemals aufzugeben. Und auch die Lust der Physiker, Wetten abzuschließen. Eine beeindruckende Darstellung eines noch beeindruckenderen Mannes.

 

 

Juni

 

Lena Richter: Dies ist mein letztes Lied

 

Armando Sinister: Verführerisches Aztekengold

 

Friedrich de la Motte Fouqué: Das Galgenmännlein (jmb)
Die Geschichte kennen wahrscheinlich sehr viele Leser in der Version von Robert Louis Stevensons "Bottle Imp", der Geschichte von Teufel in der Flasche, der seinem Besitzer jeden Wunsch erfüllt. Der Haken bei der Sache: Wenn ein Mensch stirbt, während sich die Flasche in seinem Besitz befindet, gehört seine Seele dem Teufel. Es ist demnach geboten, die Flasche nach Erfüllung der wichtigsten Wünsche schleunigst zu verkaufen. Allerdings lautet die Bedingung, dass man sie immer billiger verkaufen muss, als man sie erworben hat. Ein absoluter Horrorklassiker. Fouqués "Galgenmännlein" ist sozusagen die Urversion der Stevenson-Geschichte. Das Fläschchen mit dem schwarzen Alraunen-Männchen gerät in den Besitz eines jungen deutschen Kaufmanns in Venezia, der gerade der begehrtesten Kurtisane der Stadt den Hof gemacht hat. Als ihm das Geld ausgeht, bietet ihm ein hispanischer Hauptmann die Lösung all seiner Probleme an. Der junge Mann kauft ihm das Fläschchen ab, und das Schicksal nimmt seinen Lauf.
Sehr schöne, düstere Novelle von einem der Meister der Romantik. Erschienen in der klassischen schwarzroten Aufmachung der jmb-Reihe "Kabinett der Phantasten", mit einem Nachwort von Heiko Postma und einigen Literaturhinweisen. Hat mir gefallen.

 

 

Gustav Meyrink: Fledermäuse
Schlankes Kurzgeschichtenbändchen aus dem Verlag Saphir im Stahl, eine Geschichtensammlung vom Erfinder des Golems, nicht nur gruselig, sondern oft auch erfrischend humorvoll. Gleich zum Auftakt gibt es etwa eine Rudermannschaft aus Österreich, die an einem Wettbewerb in Hamburg teilnimmt und haushoch verliert. Doch eine Wasseranalyse tröstet die Mannschaft dann wieder: Sie beweist, dass die Hamburger ein viel dickeres Wasser in ihrer Alster haben als das klare frische Donauwasser. Im Prinzip habe man sich also gar nicht so schlecht geschlagen. Nett ist auch die Geschichte "Blamol", in der Tintenfische auf dem Meeresgrund eine Dose mit geheimnisvollem Inhalt finden. Man begegnet dem violetten Tod und erfährt, warum man das Wort "Ämälän" niemals aussprechen sollte. Enthalten ist auch der Klassiker "Der Kardinal Napellus". Und in "Die Urne von St. Gingolph" wird es dann doch noch richtig schaurig. Was ich allerdings nicht ganz verstanden habe, ist der Titel des Buchs. In keiner der neun Geschichten kommt eine Fledermaus vor.

 

 

Tim und Struppi: Gesamtausgabe
Band 8
- Die Juwelen der Sängerin
- Flug 714 nach Sydney
- Tim, und die Picaros
- Tim und die Alpha-Kunst

Die Juwelen der Sängerin: Ach du Schreck: Operndiva Bianca Castafiore quartiert sich bei Kapitän Haddock ein. Der ist wenig begeistert, zumal der Presserummel auf dem Mühlenhof unerträglich wird. Und dann kommt auch noch das Gerücht auf, die Castafiore wolle den alten Seebären heiraten. Der einzige, dem der Besuch gefällt, ist Professor Bienlein, der sogar eine neugezüchtete Rose nach der bezaubernden Bianca benennt. Im Mühlenhof sorgen derweil eine defekte Treppenstufe, die ewigen Telefonverwechslungen mit der Metzgerei Schnitzel (die auf die Dauer für den Leser nur noch nervig sind) und die ständigen Hysterie-Ausbrüche der Sängerin wegen ihres angeblich geklauten Schmucks für Terrorstimmung. Immer wieder verschwinden Juwelen, immer wieder gibt es eine harmlose Erklärung für ihr Verschwinden, meist die Schusseligkeit der Diva, die ihre Klunker einfach verlegt hat. Doch dann ist ein wertvoller Smaragd plötzlich weg. Für die Polizei ist klar, dass nur die Zigeunerfamilie dahinterstecken kann, die Haddock aus Gutherzigkeit in seinem Park zelten ließ. Übrigens ein sehr feiner Zug vom Kapitän, der kategorisch feststellt: Kein Mensch sollte im Müll leben müssen. Klar, dass die Familie völlig unschuldig ist. Und ebenso klar, dass Tim den wahren Dieb entdeckt. Und zum Glück verschwindet das Stimmwunder mit seiner Entourage schließlich wieder vom Mühlenhof.
Flug 714 nach Sydney: Der Titel ist insofern irreführend, als Tim, Haddock und Bienlein zwar diesen Flug nehmen wollen, aber in die Maschine gar nicht einsteigen. Die drei sind unterwegs zu einem Astronauten-Kongress in Australien, wo sie - als erste Menschen auf dem Mond - als Ehrengäste eingeladen sind. Im Flughafen begegnen sie dem Millionär Carreidas, dem "Mann, der nie lacht". Allerdings fällt der Mann aufgrund der Tollpatschigkeiten von Bienlein und Haddock von einem Lachkrampf in den anderen. Er lädt sie daraufhin ein, in seinem Privatjet mitzufliegen. Aber dann wird die Maschine entführt. Kriminelle unter der Leitung des sattsam bekannten Schurken Rastapopoulos wollen an Carreidas' Schweizer Bankkonto. Doch dazu brauchen sie seine Kontonummer, und die rückt Carreidas nicht raus. Sehr schön die Geschichte mit dem Wahrheitsserum, das den Mann zwar tatsächlich zwingt, die Wahrheit zu sagen, aber Carreidas drängt es mehr zur Generalbeichte, und er erzählt stundenlang, wie schrecklich er ist, und beichtet eine Jugendbosheit nach der anderen. Die Situation eskaliert, als Rastapopoulus versehentlich auch mit der Spritze gestochen wird. Er und Carreidas überbieten sich daraufhin in immer schlimmeren Beichten und wetteifern darum, wer von beiden der schlechtere Mensch sei. Befreiungsversuche und Verfolgungsjagden folgen, schließlich eine Irrwanderung durch ein Höhlenlabyrinth. Etwas unschön ist, dass der running Gag mit dem Hut, den Carreidas immer wieder verliert und mit aller Energie wiederfinden will, am Ende ins Leere läuft. Irgendwie erwartet man ja, dass in dem Hut ein Zettel mit der geheimen Kontonummer versteckt ist. Aber irgendwann bleibt der Hut einfach verschwunden, und nichts passiert. Völlig abstrus sind die letzten 20 Seiten des Abenteuers, als plötzlich aus dem Nichts ein Mann auftaucht, der Tim mit Telepathie durch das Höhlenlabyrinth leitet und auf die Landung eines außerirdischen Raumschiffs wartet. Das Schiff landet dann tatsächlich, die Gruppe wird an Bord genommen und kurz vor einem Vulkanausbruch rechtzeitig von der Insel gebracht. Der Telepath hypnotisiert die Gruppe jedoch, sodass die Leute die gesamten Ereignisse auf der Insel vergessen. Am Ende werden sie in einem Schlauchboot gefunden, gerettet, medizinisch versorgt und begeben sich dann zum Flughafen, um für den Flug 714 nach Sydney einzuchecken. Ein doofes Ende.
Tim und die Picaros: Die Castafiore hat einen Auftritt in San Theodoros, wo General Tapioca herrscht. Doch der ehemalige Widersacher von General Alcazar lässt die Sängerin verhaften und ins Gefängnis werfen. Der Vorwurf: Verschwörung gegen das Staatsoberhaupt. Es kommt noch dicker: Tapioca behauptet, der Mühlenhof sei ein Verschwörernest, und der Kapitän, Bienlein und Tim seien darauf aus, ihn wegzuputschen. Der Kapitän überzieht Tapioca per Telegramm mit Schimpftiraden. Der lädt ihn daraufhin ein in sein Land, um die Sache miteinander zu klären. Tim wittert Gefahr, aber der Seemann sieht sich bei seiner Ehre gepackt und reist gemeinsam mit Bienlein in Tapiocas Land, woraufhin beide natürlich gefangen werden. Es folgen eine Befreiungsaktion Tims, ein Treffen mit echten Verschwörern und ein Wiedersehen mit den Arumbayas. Die Widerstandskämpfer, eben die titelgebenden Picaros, sind allerdings nicht besonders kampftüchtig. Sie sind allesamt Alkoholiker und trinken sich bis zur Handlungsunfähigkeit. Hier kann aber Bienlein helfen. Er hatte bereits im Mühlenhof heimlich Experimente mit einer besonderen Pille gemacht: Wer sie schluckt, für den hat Alkohol einen extrem widerlichen Geschmack. Was zunächst nur zur Folge hatte, dass der Kapitän seinen Lieblingswhisky nicht mehr trinken konnte, wird nun zur Entgiftungstherapie für die Picaros. Unerwartete Hilfe kommt von der Karnevalstruppe Fridolin Kiesewetters, die sich gerade zu Besuch in Tapiocas Land befindet. Gehüllt in deren Verkleidungen dringen die Picaros in die Hauptstadt ein und jagen Tapioca zum Teufel. Neuer Staatschef wird wieder Alcazar. Ganz okay. Kiesewetters Karnevalstruppe ist schon ein Brüller.
Tim und die Alpha-Kunst: Skizzen zu einem unvollendeten Album, das Hergé nicht mehr fertig schreiben konnte. Man sieht noch nicht so recht, wohin die Handlung läuft, aber die Zeichnungen mit ihren vorläufigen, flüchtigen, hingekritzelten Charakter sind einfach faszinierend. Schön, dass man hier einmal dem Meister bei der Arbeit über die Schulter blicken kann.

 

Arndt Ellmer: Das Schaukelpferd
Arndt Ellmer, der den meisten vermutlich als Perry-Rhodan-Autor bekannt ist, präsentiert hier Geschichten aus rund 40 Jahren seines Schaffens. Ein sehr breites Spektrum, und man kann die Entwicklung des Autors von seinen ersten Kindergeschichten bis zur Gegenwart sehr gut nachverfolgen. Die erste Story stammt aus dem Jahr 1972, da war er, wenn ich mich nicht verrechnet habe, 18 Jahre alt. Man muss schon einiges Selbstbewusstsein haben, seine Jugendstorys herauszurücken, aber die Geschichten sind sicher nicht uninteressant. Ein bisschen absurd, paradox, von der Schule geprägt kommen die ersten Storys daher. Da geht es um die Hinrichtung Robespierres, um einen Mann, der sich vor seiner Frau versteckt, um ein Mädchen, das allein mit dem Roboter Automatic Lover lebt, der ihr noch nicht erklären kann, was es mit den unterschiedlichen Geschlechtern auf sich hat, der Roboter wartet, er hat Zeit ... Spiderman-Fans werden sich bestimmt über die sehr viel später entstandenen drei Venom-Geschichten freuen. Die aktuellste Geschichte stammt aus dem Jahr 2020. Sie erzählt von den Vorgängen im Regierungssitz des Pontius Pilatus, nachdem man einen berühmten Unruhestifter und Wundertäter hingerichtet hatte. Insgesamt eine sehr vielseitige und interessante Sammlung, lesbar und professionell, nichts zu meckern, es war aber nicht ganz "meins".

 

Saneh Sangsuk: Gift
Erschütternd. Sanft und herb, magisch und trotzdem von schrecklichem Realismus geprägt. Die bitterböse Geschichte eines kleinen thailändischen Jungen, der der beste Puppenspieler der Welt werden will. Die Bewohner seines Dorfes kommen gern zu ihm und sehen ihm zu, wenn er seine Geschichten inszeniert. Doch im Eifer des Spiels merkt er nicht, dass er am Nest einer Kobra sitzt. Die Giftschlange schießt hervor, er packt sie, würgt sie, sie windet sich um ihn. Die ganze Nacht hindurch dauert dieser urgewaltige Kampf auf Leben und Tod. Eine Geschichte, die mich ziemlich fassungslos zurückließ. Zumal der letzte Satz (ich beschwöre euch: Blättert auf keinen Fall vor, wenn ihr diese Geschichte lest!!!) die gesamte Erzählung umkippt. Verdammt, solche Bücher sollten verboten werden.

 

 

Anke Brandt: Carl, der Henker von Poel

 

Ray Bradbury: Fahrenheit 451
Science-Fiction-Klassiker, den ich schon lange auf der To-do-Liste habe. Und jetzt erschreckend aktuell. Eine Feuerwehr, die dazu da ist, Bücher aufzuspüren und zu verbrennen. Ein Feuerwehrmann, der irgendwann den Fehler macht, in eines dieser Bücher hineinzuschauen. Seine dumme, oberflächliche Frau und ihre dummen, oberflächlichen Freunde, die nur noch vom Medienkonsum leben und dummen, oberflächlichen Unterschichten-Trash anschaun. Das Buch hat ein sehr kluges Nachwort von Sascha Mamczak, in dem herausgearbeitet wird, wie in diesem Buch das Mittelmaß und die Dummheit die Macht übernehmen. Eine Gefahr, die offenbar noch drängender ist als die einer Machtübernahme durch Eliten. Man schaue nur, was das aktuelle Trump-Regime in den USA gerade anstellt mit Bücherverboten und Wissenschaftsfeindlichkeit. In Fahrenheit 451 sind es die Leute, denen Bücher zu kompliziert waren, die die Lesekultur nach und nach zurückdrängten. Erst gab es nur vereinfachte Versionen, dann Kurzfassungen, dann reduzierte Ein-Satz-Inhaltsangaben. Und dann hieß es: Ganz weg damit.
Wir sollten wirklich jeden Cent in die Leseförderung stecken.

 

 

Ludolf Wienbarg: Tagebuch von Helgoland (e)
Ein Buch, das ich schon sehr oft gelesen habe. Früher habe ich es auch jedes Jahr in den Helgoland-Urlaub mitgenommen, um es vor Ort zu genießen. Diesmal auf dem Festland, in einer fremden Stadt, in der ich ein paar Stunden warten musste. Zum Glück hatte ich den eBook-Reader dabei und konnte es mir im Park bequem machen.
Ludolf Wienbarg, einer der fünf verbotenen Jungdeutschen Autoren - neben Theodor Mundt, Karl Gutzkow, Heinrich Laube und Heinrich Heine - muss nach dem Bundestagsbeschluss gegen diese Autorengruppe flüchten. Von Frankfurt am Main immer weiter nordwärts getrieben, immer wieder aus Städten ausgewiesen oder gar nicht erst eingelassen, kommt er zuletzt im heimatlichen Hamburg an. Doch auch dort erreichen ihn Warnungen, seine Verhaftung stehe bevor. So flüchtet er schließlich nach Helgoland. "Nur dort, wo Englands stolze Fahne weht, kann ich beruhigt mein müdes Haupt niederlegen", schreibt er.
Die Ausgabe des Lexikus-Verlags ist nicht gerade allererste Sahne. Im Jahresrückblick auf den Dezember 2015 schrieb ich bereits dazu:
Es handelt sich um eine Verlagsausgabe. Das Buch ist bearbeitet worden, mit historischen Bildern aufgewertet und mit Kapitelüberschriften versehen. Also keine kostenlose Trash-Ausgabe mit automatisch aus der Public Domain herausgelutschten Texten. Der Lexikus-Verlag hat Arbeit hineingesteckt, es darf also auch ruhig etwas kosten. So weit, so gut.
Jetzt zu den unschöneren Aspekten dieser Ausgabe. Zunächst einmal (was nur jemandem auffallen kann, der das Buch fast auswendig kennt): Der Text ist an einigen Stellen verändert worden. So wurde im Vorwort Wienbargs das Wort "Kaprice" mal eben durch "augenblickliche Laune" ausgetauscht. Wie bitte was? Was soll das? Der Text ist also absolut nicht zuverlässig und nicht zitierfähig. Hütet euch davor. Ein paar Absätze weiter ist der verlangsinterne Hinweis, man solle hier ein Bild einfügen, zu finden.
Dass bei Einscannen von alten Frakturtexten oft Fehler passieren, die dann auch noch stehen bleiben, ist leider eher die Regel als die Ausnahme. Aber wenn man den Text schon bearbeitet, warum wird dann nicht auch Korrektur gelesen? Es muss doch jemandem aufgefallen sein, dass es komisch klingt wenn Leute im Meer "Ach weiblich tummeln" - natürlich wollen sie "sich weidlich tummeln". Häufig wird das langgezogene "s" als "f" übersetzt, Umlautpunkte verschwinden, und das im Original auf den Namen "Bliza of Heligoland" getaufte Schiff wird nun zu einem "Blizard of Helgoland" - da hätte man doch geich einen "Blizzard" mit korrektem Doppel-Z draus machen können. Also: Finger weg von diesem eBook. Man kann es nur ordentlich lesen, wenn man ohnehin schon weiß, wie der Text lauten muss - und dann braucht man es nicht mehr.

 

Titus Müller: Das verborgene Weihnachtskind
Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte, die in einer gar nicht so weit entfernten Zukunft - oder vielleicht schon in de Gegenwart spielen könnte. Es geht um ein Haus, das von einer Haus-KI gesteuert wird. KI Athena hat so ziemlich alles im Griff in diesem Hochhaus, lediglich ein Mieter weigert sich, ihr seine Daten zu geben, und klebt die Kamera demonstrativ ab. Paradoxerweise ist dieser Analogmensch später der wichtigste Verbündete der KI, als Kriminelle in das Haus eindringen, um ein Kind zu entführen. Die KI nimmt den Kampf auf, setzt sich gegen Hacker und Schadprogramme zur Wehr und kämpft heroisch um ihr Haus. In der todgefährlichen Situation gibt es am Ende tatsächlich ein kleines oder großes Weihnachtswunder. Ich bin nicht so der Technik-Fan, aber der Autor hat diese KI so feinfühlig beschrieben, dass ich mich durchaus mit ihr identifizieren konnte und um ihr Leben gebangt habe.

 

 

Hörbuch/Hörspiel

 

Frank Herbert: Dune. Der Wüstenplanet
Hervorragend gesprochenes Hörbuch, gelesen von Mark Bremer und Uta Dänekamp. Rund 30 Stunden Laufzeit. Es hat mich in diesen Monaten zu vielen Cons und Veranstaltungen begleitet. Dabei hätte ich es beinahe wieder ins Regal zurückgestellt, als ich den Aufkleber "Das Hörbuch zum Film" darauf sah. Ist aber kein auf Silberlinge gepresster Filmton, sondern das echte Buch, vorgelesen.
Zum Inhalt muss ich wohl nicht viel sagen. Die faszinierenden Charaktere Paul Atreides, sein Vater Leto und seine Mutter Jessica, der Kampf um den Wüstenplaneten, das seltsame Gewürz, die geheimnisvollen Fremen, die Ureinwohner des Wüstenplaneten, die sich vollkommen an das Leben in der Wüste angepasst haben, die Bedeutung jedes einzelnen Tropfen Wassers in dieser Wüstenwelt, die Destille-Anzüge ... Einfach eine großartige Welt und großartige Charaktere. Ich liebe sie.

 

Salman Rushdie: Knife
Salman Rushdie tritt diesmal nicht als Romanautor an die Öffentlichkeit, sondern mit einem umfangreichen biografischen Text. Er schildert darin den Mordanschlag, der ihn glücklicherweise "nur" ein Auge kostete, erzählt von Einzelheiten, Erinnerungen, von seinen Verletzungen und vom langen Weg der Heilung. Seit die Fatwa wegen seiner "Satanischen Verse" ausgesprochen wurde, lebte der Schriftsteller wie unter einem Damoklesschwert. Untergetaucht, meist im Verborgenen. Öffentliche Auftritte nur unter höchsten Sicherheitsauflagen. Und was immer er veröffentlichte, war mit dem Label behaftet: "Von dem Autor mit der Fatwa". Wie soll man da als eigenständiger Künstler wirken, wenn jedes, aber auch jedes neue Buch sofort auf seinen politischen, religionskritischen Inhalt untersucht wird, die literarischen Aspekte aber unter den Tisch fallen? Gerade hatte er geglaubt, der Bannfluch gegen die "Satanischen Verse" sei ein wenig in Vergessenheit geraten, als ihn der Anschlag erneut in die Rolle des verfolgten Islam-Kritikers zurück katapultierte, der die Folgen einer bei den Mullahs anstößigen Passage zu tragen hatte. Diesem wird das Etikett wohl endgültig haften bleiben.
Rushdies Buch ist ein 360-Grad-Rundumblick vom Augenblick dieses Attentats aus. Vorgeschichte und Ursachen werden beleuchtet, aber auch das Danach. Was bedeutet es, im Krankenhaus aufzuwachen, vom Messer immer und immer wieder getroffen, mit beschädigten inneren Organen, mit einem zerstörten Auge? Rushdie schreibt von Schmerzen und Unannehmlichkeiten, geht bis tief in die Details seiner Verletzungen und Beschwerden, so detailliert, dass es durchaus unangenehm wird. "Too much information", würde man wohl im Tischgespräch sagen, wenn der Gegenüber alle, auch die unappetitlichsten Details, vor dem Zuhörer ausbreitet. Dann wieder ist da der kluge, analytisch denkende Beobachter, der sich mit der Psychologie seines Attentäters auseinandersetzt und sich fragt, was einen bis kurze Zeit vorher noch recht normalen Mann derart radikalisieren konnte, dass er im Namen Allahs einen Menschen - diesen Menschen - töten wollte. In langen fiktiven Gesprächen mit dem Attentäter entwirft er sein Bild des Mannes, eines Versagers, der nie eine Frau abgekriegt hat und im Islam die Idealwelt fand, in der Männer noch richtige Männer sind ...
Schreibend überwindet Rushdie sein eigenes Trauma, bewältigt das unfassbare Erlebnis auf seine eigene Art und geht am Ende als Ungebrochener aus der Finsternis hervor. Er erzählt von seinem neuen Buch, das im Jahr nach dem Anschlag erschien, Victory City. Und schließlich verwandelt sich die schreibende Selbsttherapie in ein gewaltiges, unbedingtes Bekenntnis zur Liebe. Ein beeindruckendes, zugleich auch abstoßendes Buch. Die medizinischen Einzelheiten hätten mich jetzt nicht sooo sehr interessiert, die fiktiven Gespräche mit dem Attentäter kommen extrem stark von oben herab, der Gebildete, des Wortes Mächtige tritt einem Underdog entgegen, dessen cerebrale Ausstattung nicht gerade auf Hochbegabung schließen lässt. Aber wer bin ich denn, dass ich einem Niedergestochenen vorschreiben will, er möge mit seinem Beinahe-Mörder "auf Augenhöhe" sprechen? Es ist Rushdies Buch, er allein hat das Recht zu entscheiden. Es ist sein eigener Weg aus der Finsternis und aus der Opferhaltung.

 

Kira Kolumna 20: Gamingfieber
Lars kann es gar nicht fassen: Ein Talent-Scout, der Nachwuchs für eine der bedeutendsten E-Sport-Mannschaften sucht, ist auf ihn aufmerksam geworden und lädt ihn zum Training ein. Wenn Lars angenommen wird, steht ihm eine Profikarriere bevor, Geld, Ruhm - und vor allem könnte er sein Lieblingshobby zum Beruf machen. Seine Freundinnen und seine Mutter, die Lars' relaxtes Abhängen mit seiner "Horde" bisher als Faulenzen abgetan haben, lernen, dass E-Sport eine anspruchsvolle berufliche Tätigkeit ist und jede Menge Trainingsstunden verlangt. Lars verbringt nun fast jede freie Sekunde mit dem Üben. Dass darunter nicht nur die Schule, sondern auch sein Sozialleben leidet, stellt sich schnell heraus. Ist das harte, ernsthafte Training wirklich das, was Lars für den Rest seines Lebens tun will? Und wo ist der charmante Taugenichts geblieben, der einfach nur entspannt auf dem Sofa herumliegen und zocken will?
Eine sehr interessante Folge, in der man lernt, dass Gaming ein extrem harter und anspruchsvoller Sport ist und dass Profitum in jeder Betätigung, auch beim Computerspielen, 100 Prozent Einsatz erfordert. Das Ende hat mir nicht ganz so gut gefallen. Lars lehnt die Profikarriere ab. Um was zu tun? Um weiter mit Kira und Nele und seiner Horde absichtslos abhängen zu können. Letzten Endes das, was alle sich von ihm gewünscht haben. Aber waren diese Wünsche nicht ziemlich egoistisch? Ja, jetzt haben sie also ihren entspannten, dauerrelaxten Tunichtgut wieder. Aber der Junge ist 16 Jahre alt. Irgendwann wird er sich wohl wieder vom Sofa erheben müssen und einen Beruf erlernen. Warum nicht den Gaming-Job, für den er so gebrannt hat?

 

Weiterer Jahresrückblick
2025, 1. Teil: Januar bis März
2025, 3. Teil: Juli bis Oktober
2025, 4. Teil: November
2025, 5. Teil: Dezember

 

© Petra Hartmann




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Jahresrückblick 2025, Teil I: Januar bis März

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 28 Dezember 2025 · 727 Aufrufe
Jahresrückblick

Tja, da ist es schon wieder um, das Jahr. Wie war euer 2025? Meines war arbeitsreich und anstrengend, aber ich will nicht sagen, dass es schlecht war. Unten findet ihr wie gewohnt das erste Quartal meiner Leseliste. Doch zuvor ein paar persönliche Notizen.
Das schönste Erlebnis dieses Jahr? Das war zweifellos, als ich den wild gewachsenen Walderdbeerbusch unterm Hausstein entdeckt habe. Mensch, ich habe bestimmt 30 Jahre keine Walderdbeeren mehr gegessen, und jetzt liefert sie mir die Natur einfach so frei Haus.
Das zweitschönste Erlebnis war ganz klar, mein neues Buch in den Händen zu halten. "Das intergalaktische Bestiarium" ist ein wunderschönes Stück Buchkunst mit tollen Zeichnungen von Thomas Hofmann, von Eric Hantsch im legendären Stil der Edition Dunkelgestirn herausgebracht. Ich habe das Buch bei Lesungen auf dem Conventus Leonis, dem Marburg-Con, dem BuCon, auf Radio Tonkuhle und im Leipziger Haus des Buchs vorgestellt, in Leipzig und Marburg zusammen mit dem Künstler und dem Verleger. Außerdem gab es eine Buchvorstellung auf Radio Okerwelle. Besucht habe ich auch die Leipziger Buchmesse und das Nürnberger Autorentreffen.
Geschrieben habe ich dieses Jahr das erste Drittel eines neuen Indianer-Romans auf den Spuren Karl Mays. Außerdem habe ich eine uralte Erzählung aufgearbeitet, die um die Jahrtausendwende herum entstanden ist. Die soll nächstes Jahr in einer Anthologie herauskommen. Und ich will zusammen mit einer guten Autorenfreundin nächstes Jahr ein neues Anthologieprojekt stemmen. Mal sehen, wie es wird.
Was gab es noch? Ich habe in einem Hebräischkurs einen Vortrag über die Nestis-Serie auf Ivrit gehalten. In meinem Garten ist jetzt auch die fünfte von sechs im Herbst 2023 vergrabenen Kastanien gekeimt und soll mal zu einem großen Baum heranwachsen. Mein betagter Rechner läuft jetzt mit Linux - heißen Dank an die Linux-Gruppe Hannover, die mir altem Muttchen die digitale Souveränität gerettet hat. Ich bin Anfang Januar nach 33 Jahren aus der FDP ausgetreten, ernähre mich seit ein paar Monaten bewusst fleischarm und spare auf ein E-Auto (es wird ein Micra). Und ich habe das erste Mal in einem Zeitungsartikel Neopronomen verwandt, genauer gesagt in zwei Artikeln. Es ging um eine nichtbinäre Künstlerpersönlichkeit. Hatte eigentlich gedacht, dass danach ein Shitstorm über mich hereinbrechen würde, aber es gab absolut keine Reaktionen. Klar, den Kulturteil lesen nicht so viele Leute, und das Pronomen "sier" kam erst im zweiten Absatz zum ersten Mal vor. Bis dahin lesen Nazis, Rechtskonservative und Wutwichtel nicht.
Ich glaube, das wars erstmal.

 

Okay, kommen wir nun zum literarischen Jahresrückblick. Im ersten Quartal habe ich ziemlich viele Comic-Alben gelesen, einige Kinderbuch-Klassiker, etwas Politisches und Philosophisches, außerdem ein paar Lyrikbände. Sehr wenig Phantastik, aber immerhin einen SF-Roman. Und ich habe wieder jede Menge Kira-Kolumna-Hörspiele genossen, ich mag die Serie einfach. Viel Spaß beim Stöbern in meinen Lese- und Hörfrüchten.

 

Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.

 

 

Januar

 

Astrid Lindgren: Kalle Blomquist
- Meisterdetektiv Blomquist
- Kalle Blomquist lebt gefährlich
- Kalle Blomquist, Eva-Lotta und Rasmus

Einer der Helden meiner Jugend. Und ein schönes Wiedersehen mit dem Urgroßvater aller Schweden-Krimis. Ich hatte gerade den ersten Band in meiner Kindheit so oft gelesen, dass ich ihn beinahe auswendig kenne. Interessanterweise sind die drei Bücher inzwischen ebenfalls vom Verlag überarbeitet worden. Bei Pippi Langstrumpf habe ich es ja mitbekommen, weil es einen Aufschrei wegen der "Political Correctness" gab und Ephraim Langstrumpf nicht mehr "Negerkönig" ist, sondern "Südseekönig". Hier ging es offenbar nur darum, dass Wörter ausgetauscht wurden, die heutzutage kein Kind mehr versteht. Gegenüber meiner Blomquist-Erfahrung aus den 70ern hat sich einiges verändert, und ich habe ein paarmal gestutzt.
Anders wird nicht mehr als "Poussierstengel", sondern als "Weiberheld" beschimpft. Der "Prozenter" Gren ist jetzt ein "Wucherer". Onkel Einar ist keine "mystische" Person mehr (das Wort hat mich damals schon gewundert, es sollte wohl "mysteriös" heißen). Sixtus heißt nun Sixten, und Eva-Lotte ist nun Eva-Lotta. Aus Schutzmann Björk wurde Wachtmeister Björk. Der alte Gren sagt nicht mehr "Der Kindheit unschuldige Spiel", sondern "Die unschuldigen Spiele der Kindheit". Lebte Jonte schon immer am Rowdy-Berg? Insgesamt "stören" mich die Änderungen nicht ernsthaft, sie stören nur den Lesefluss einer alten Frau, die genau das lesen will, was sie als Kind las. Für junge Erstleser mag es in Ordnung sein. Aber der Name "Sixten" klang schon ziemlich blöd, obwohl das der schwedische Original-Name ist. Etwas doof fand ich, dass Bäckermeister Lisander jetzt "Zimtwecken" statt "Zimtschnecken" backt. Das Wort "Wecken" ist jedenfalls in meiner Gegend nicht gebräuchlich, während ich mir unter Zimtschnecken durchaus etwas Leckeres vorstellen kann.
Egal, alles in allem ist es akzeptabel. Es war ein schönes Wiedersehen.

 

Felix Woitkowski: Beyond the Deep - Tief untern

 

Linda Ólafsdóttir: Der Tag, als die Frauen streikten (BpB)
Comic-Erzählung über einen besonderen Tag in Island: Der 24. Oktober 1975 war der Tag, an dem die Isländerinnen geschlossen ihre Arbeit niederlegten und für Gleichberechtigung demonstrierten. Lesenswert, lehrreich und ausdrücklich für Deutschland zur Nachahmung empfohlen. Und obendrein von der Bundeszentrale für politische Bildung zu einem supergünstigen Preis herausgebracht.

 

Jostein Gaarder: Ist es nicht ein Wunder, dass es uns gibt?
Ein schlankes, philosophisches Büchlein, das daherkommt als ein Brief des Autors an seine Enkelkinder. Alledings für einen Brief dann wieder doch sehr umfangreich. Es handelt sich um einige sehr persönliche Betrachtungen, zum Teil Autobiografie, zum Teil Lebensphilosophie, zum Teil Rückblick auf die eigenen Bücher, ihre Entstehung und ihre Hintergründe. Es geht um das kindliche Staunen angesichts von Naturbeobachtungen, um die Erkenntnis, dass das Ich etwas Einzigartiges und ganz Besonderes ist, aber auch um das Gemeinsame, alles Vereinende. Und es geht um Verantwortung, um die Bewahrung unserer Welt, die, wie es auch der Dümmste inzwischen mitbekommen haben sollte, bedroht ist. Das Ganze ist sehr fluffig und leichtfüßig geschrieben, leicht zu lesen, aber es lohnt sich doch, zwischendurch einmal beim Lesen innezuhalten und den einzelnen Gedanken nachzuspüren. Insgesamt nicht unbedingt ein philosophisches Schwergewicht wie "Maia" oder "Vita brevis" oder die arme, schon zu Tode zitierte "Sophies Welt", aber auf jeden Fall ein netter, liebenswerter Wegbegleiter. Lesenswert.

 

Tassilo 17: Die Krone der Dämmerung

 

Comanche Gesamtausgabe
- Der Wanderzirkus
- Dead River
- Red Dust Express

Ich gehöre wohl einer Minderheit an. Jedenfalls habe ich schon viel Schlechtes über die letzten Comanche-Abenteuer gehört. Da möchte ich hier einfach mal festhalten, dass "Der Wanderzirkus" mir ausnehmend gut gefallen hat. Erzählt wird die Geschichte eines Zirkusunternehmens nach Art von Buffalo Bills Show. Ein berühmter Indianerschlächter, der einst die Krieger der Comanchen niedergemetzelt hatte, will nun in einer Zirkusvorführung seine Heldentaten nachstellen. Mit dabei sind echte Indianer, Insassen eines Reservats, die auf diese Weise einmal ihre zugewiesene "Heimat" verlassen dürfen. Was der alte Indianerschlächter nicht ahnt: Die jungen, erbärmlich wirkenden Reservationsinsassen, die er für nicht besonders helle hält, sind Nachkommen der Krieger, die er damals niedergemetzelt hat. Die vermeintlich mit Platzpatronen geladenen Gewehre sind bereit für scharfe Schüsse. Dabei hatte der alte Mörder doch eigentlich geglaubt, nur er selbst hätte scharfe Waffen - und hatte einige Schüsse auf die Rothäute während der Show eingeplant.
Comanche ahnt Schlimmes, als sie die Plakate mit der Ankündigung der Zirkusshow sieht. Sie kennt die Namen der beteiligten Zirkusindianer. Mehr noch: Man erfährt hier erstmals etwas über ihre Vergangenheit und darüber, wie sie als kleines Mädchen unter Comanchen aufgewachsen ist und Freundschaften geschlossen hat. Nun sieht sie die Katastrophe herannahen. Sie will ein Blutbad verhindern. Aber will sie den Mörder wirklich schützen ...?
Der zweite Teil erzählt von einer Geisterstadt nahe der Triple-Six-Ranch. Goldgräber hatten dort in ihrer Gier eine Quelle gesprengt und so den Fluss zum Versiegen gebracht. Das Gold war auch weg, die Stadt wurde verlassen. Genau der richtige Ort, um zwei der aufrührerischen Comanchen aus dem Vorgänger-Band zu verstecken, denken sich Red, Comanche und Ten Gallons. Allerdings: In der Stadt scheint es zu spuken. Außerdem haben die Helden sich mit einer Bande von Viehdieben auseinanderzusetzen. Sehr dramatisch.
Teil drei schließlich widmet sich erneut dem Eisenbahn-Thema. Es geht um den Wettlauf zweier Bahngesellschaften. Wer zuerst schafft, einen Zug mit sechs Reisenden in der Stadt Serenity ankommen zu lassen, erhält den Zuschlag für ein Zwei-Millionen-Dollar-Geschäft. Die böse Gesellschaft wirft ein skrupelloses Banditentrio in die Schlacht: "Lobster" mit der scharfen Stahlhand, Rattlesnake Annie mit der Vorliebe für Dynamitstangen und Concho, den Mexikaner mit der fiesen Machete. Klar, dass sich Comanche und ihre Leute auf die andere Seite schlagen, zumal sie von dem Trio übel bedroht werden. Es wird blutig. Am Ende kommt es sogar zu einem Kuss zwischen Comanche und Red. Ein Happy End. Okay.

 

Tammer Abboud: Ich schulde meinen Träumen noch ein Leben

 

Florian Weber: Die wundersame Ästhetik der Schonhaltung beim Ertrinken
Enttäuschend. Die Ausgangssituation klang so spannend und ist in diversen Besprechungen gelobt worden: Ein Mann kommt zu sich, schwimmt mitten im Meer, um ihn herum ein Lama, ein Clown und ein Klavier, er selbst hat das Gedächtnis verloren. Naja, das war dann aber auch schon das Spannende. Ein bisschen "Schiffbruch mit Tiger", ein bisschen gewollt tiefe Lebensbetrachtungen und dazu die letzte Reise eines Onkels, der bald an Krebs sterben wird und vorher noch einmal in den USA die Stationen einer großen Liebe wiedersehen will. Der Protagonist erlebt eine Menge und gerät in haufenweise abstruse Situationen. Aber es wirkt einfach alles "gemacht", alles wirkt konstruiert, nichts scheint organisch aus dem anderen hervorzugehen. Es ist handwerklich ganz okay, aber dem Buch fehlt einfach das Leben, die Seele, der Zauber.

 

Prinz Eisenherz. Gesamtausgabe. Band 12: 1959/1960 (Bocola)
Der zwölfte Band der Gesamtausgabe ist wieder ein ansprechend gestaltetes Buch, das dem Comic-Klassiker einen würdigen Rahmen gibt. Wir erleben eine Rettungsaktion mit, bei der Prinz Eisenherz seinen Freund Gawain aus der Gefangenschaft eines Tyrannen befreit. Das Abenteuer hat durchaus slapstickhafte Züge, da sich Eisenherz, der sich als fahrender Sänger in die Burg eingeschlichen hat, zur Tarnung betrinken muss. Er ist zwar nicht handlungsunfähig, aber doch motorisch eingeschränkt ... Der Prinz aus Thule begegnet außerdem einem Doppelgänger, in dessen Rolle er ein Turnier besteht, und dem Räuber Hugh, der den Beinamen "Der Fuchs" trägt und eine Art früher Robin Hood ist. Ein kniffliges Problem hat Eisenherz im Auftrag von König Artus zu lösen: Was ist der Heilige Gral - und gibt es ihn wirklich? Das Ergebnis ist für den König ziemlich unbefriedigend. Ein bedrückendes Erlebnis hat Prinz Arn: Er tötet zum ersten Mal im Kampf einen Menschen und braucht lange, um diese Erfahrung zu verarbeiten. Ferner gibt es einen Ehestreit mit der schönen Aleta. Schließlich muss sich Aleta erneut als Königin der Nebelinseln bewähren und ihr Land gegen einen Angriff des feindlichen Königs Thrasos verteidigen. Sie tut das mit Scharfsinn und klugen Strategien, wird aber von Thrasos bei dessen Flucht verletzt. Ausgesprochen eindrucksvoll ist das letzte Bild des Bandes: Es zeigt wie Trasos, der sich bei Gewitter in einen hohlen Baum geflüchtet hat, vom Blitz getroffen wird und in Flammen aufgeht.

 

Hörspiel

 

Kira Kolumna 14: Missverstanden
Karima ist neu in der Klasse. Und da Kira als "Dauerumzieherin" sich mit dem Fremdsein gut auskennt, übernimmt sie die Betreuung der Neuen. Aber es ist etwas völlig Anderes, wenn man als Tochter eines Mathematikprofessors immer wieder in neue fremde Länder kommt. Karimas Familie musste aus ihrem Land, dessen Name nicht erwähnt wird, flüchten. Kira hat tausend Fragen an Karima - und hat nie die Geduld, ihre Antworten anzuhören. Klar ist ihr nur, dass die Mitschülerin, deren Familie offenbar noch nicht einmal genug Geld hat, der Tochter einen Bikini zu kaufen, dringend eine Charity-Aktion braucht. Karima wird die Sache immer unangenehmer. Interessante Folge über Flüchtlinge, Vorurteile und das Fragen-Stellen. Nein, Kira, nicht die Masse der Fragen macht einen guten Journalisten aus, sondern die Fähigkeit zum Zuhören.

 

Kira Kolumna 13: Echt spooky
Eine Folge, die an die drei ??? zu ihren besten Zeiten erinnert: Das Haus, in dem die alte Frau Machnikowski wohnt, wird von einem Miethai renoviert, der schon alle Mieter außer Südbergs coolster Renterin vergrault oder herausgekauft hat. Wenn er alle losgeworden ist, will er das Haus zu einem Luxusdomizil machen und deutlich höhere Mieten verlangen. Dumm nur, dass die renitente Rentnerin nicht ausziehen will. Allerdings: Seit sie plötzlich unheimliche Geisterstimmen in ihrer Wohnung hört, ist Frau Machnikowski ziemlich durch den Wind. Wird sie etwa wunderlich und ist dem Leben allein doch nicht mehr gewachsen? Kira, Lars und Nele versuchen, dem Geist auf die Spur zu kommen. Und das ist ziemlich gruselig. Ein schönes, klassisches Abenteuerhörspiel mit dem Hauch der guten alten Musikcassettenzeit.

 

 

Februar

 

Rosita Busch: Dem Leben verschrieben
Die Autorin hatte eine Lesung in Hahnenklee und ist Mitglied eines Hahnenkleer Chors. Ich habe über ihre Lesung für die Goslarsche Zeitung berichtet und das Buch vorgestellt. In ihrem Lyrikband verarbeitet sie Erfahrungen aus der Zeit ihrer Krebserkrankung und erzählt vom Kampf gegen die Krankheit und davon, was ihr Kraft gegeben hat.
Über die Lesung schrieb ich:
Diagnose: Krebs. Chemotherapie, Bestrahlungen, Operation. Für Rosita Busch ein Schock, ein schwerer Weg, den sie aber gemeistert hat. Nun blickt sie in ihrem neu erschienenen Lyrikband „Dem Leben verschrieben“ zurück auf die harte Zeit, auf schlimme Erfahrungen, aber auch auf das, was ihr Kraft gegeben hat und was sie durch die Krankheit neu und wieder schätzen lernte.
Am Mittwochabend stellte die 75-Jährige im evangelischen Gemeindehaus in Hahnenklee ihr im Oktober erschienenes Buch vor. In eingängigen Versen blickt die Frau aus Clausthal-Zellerfeld auf das Leben, und auch als Künstlerin präsentierte sich die pensionierte Lehrerin: Mit farbigen Bildern, in Acrylfarben gestaltet und oft hoffnungs- und farbenfroh, illustrierte sie ihr Buch. Die Gemälde begleiteten die Verse ausdrucksstark und entfalteten bei der Lesung eine ganz eigene Wirkung.
„Mein Leben / wird mir von Tag zu Tag / kostbarer“, heißt es in den Haikus, die die Autorin zu Beginn der Lesung vortrug. „Staunen will ich – / Schöpfungswunder jeden Tag / neu in mir.“ Zwischen den einzelnen Gedichten schlägt sie die Klangschale an, der Ton verhallt langsam im Raum und schafft Platz, um den Versen noch eine Weile nachzuspüren.
Oft ist es das eigene Herz, das die Autorin anspricht, aus dem sie Kraft schöpft, das als Kompass dient. So gab sie zu Beginn ihrer Lesung ein handgroßes tönernes Herz ins Publikum, das die 20 Zuhörer befühlen, festhalten und schließlich an ihren Nachbarn weitergeben konnten. „Nimm dein Herz in beide Hände“, forderte Busch sich selbst und die Hörer auf. „Hör auf das, was es dir sagt. / Fühlst du dich auch mal am Ende, / hast du es noch nicht gefragt. / Als dein treuester Begleiter, / durch dick und dünn und immer weiter, / schlägt‘s für dich ganz ohne Frage / bis ans Ende deiner Tage. / Geht mit dir egal wohin, / hat dich immer fest im Sinn.“
„Dem Leben verschrieben“ ist bereits der zweite Gedichtband, den die Autorin veröffentlichte. Ihr erster trug den Titel „Handverlesen“, und zusammen machen die Buchtitel deutlich, um was es der Dichterin geht – eben ums Lesen und Schreiben.
Die Autorin erzählt von Angst und Tränen. Vom Gefühl, den Halt zu verlieren. Vom Ausgeliefert-Sein. Sie schildert, wie es ist, im Krankenhaus zu liegen und die Entscheidungsgewalt über den eigenen Körper zu verlieren. „Nur mein Körper“ heißt ein Gedicht, in dem die Autorin aus einem Realität gewordenen Albtraum berichtet: „Wie von Wölfen eingekreist / fallen sie über mich her / zerren an Händen, Armen und Beinen / ohne mich zu fragen, ob ...“, beschreibt sie ihr Patientenschicksal. „Schieben mein Hemd zur Seite / entblößen meine Brust / klemmen Metallknöpfe an / haben zu meinen Adern gefunden“. So fühlt sich ein Mensch, den niemand mehr fragt, wer er eigentlich ist oder wie er sich fühlt. Nur ein Routinefall. „Alles nimmt seinen Lauf / mit mir / ganz ohne mich“, heißt es resignierend.
Doch Rosita Busch hat es durchgestanden. In ihren Gedichten gedenkt sie auch der Menschen, die sie begleitet haben, die sie unterstützten, ihr Kraft gaben. Sie beschwört die Schmerzen erneut, verwandelt sie in Kraft, spricht von Zuversicht. Es ist Zeit, das Leben wieder mit neuen, staunenden Augen zu betrachten, die Wunder des Alltäglichen zu entdecken. Es gibt neue Berührungen, ein Streichen durch das „lockig, schlohweiß, neu gewachsene Haar“, die Zeit heilt Wunden, bringt neue Falten: „Falten gehören zu mir, prägen mich ganz probat / zum unverwechselbar kostbaren Unikat“, schreibt sie selbstgewiss.
Es wurde eine Lesung mit allen Sinnen. Die ehemalige Grundschullehrerin sprach ihr Publikum auf mehr als einer Ebene an. Klangschalen-Töne und Acrylbilder, ein Herz zum Betasten, aber auch der Klang der Ocean-Drum trugen zur ganz eigenen Atmosphäre im evangelischen Gemeindehaus bei. Die Augen schließen und dem Rauschen des Meeres lauschen, das brachte das Publikum ganz nahe an den Kraft-Ort, an dem auch die Autorin Energie und Atem schöpfte.
Vor allem aber waren es die Mitglieder des Chors „Sing dein Ding 60+“, die die Lesung mit ihren Mantras mitgestalteten. Lieder wie „Bin zu allem bereit“ oder „Feuer, Wasser, Luft und Erde“ hatte sich die Autorin, die dem Chor als Altistin angehört, selbst ausgesucht. Zuletzt entwickelte sich die Lesung trotz oder gerade wegen ihres bitteren Themas Krebs zu einer heiteren, von Aufatmen geprägten Zusammenkunft, bei der einige Sänger sogar zu tanzen begannen. Es ist Zeit, der Krankheit eine „lange Nase“ zu zeigen, das Leben zu feiern und dankbar anzukommen. Und: „Das war meine schönste Lesung“, sagt die Autorin mit Dank an ihren Chor.

 

Reimer Boy Eilers: Mit Magellan II: Vom Guadalquivir bis zum Landt Presil

 

Dirk van den Boom und Holger M. Pohl: Welt der 7 Ebenen: Freiland
Der erste Band eines Siebenteilers. Wobei die Bände zwei bis sieben nicht erschienen sind. Grund ist der überraschende Tod des Autors Holger M. Pohl. So blieb "Freiland" ein Einzelstück.
Es geht um ein riesiges Raumschiff, genannt "Heimat". Das Schiff ist so gigantisch, dass es in ihm sieben sehr unterschiedliche Länder gibt, jedes mit seinen besonderen Stärken und Eigenarten: Freiland, Farmland, Tierland,Technikland, Fabrikland, Endland und Maschinenland. Jedes Land bildet eine eigene Ebene, verbunden sind sie durch eine Art Fahrstühle. Ich habe es mir ein wenig vorgestellt wie die "Gestapelten Landschaften" im niederländischen Pavillon auf der Expo 2000, falls ihr den damals gesehen habt. Jedenfalls fliegt diese "Heimat" durchs All, einem unbekannten Ziel entgegen, als die Besatzung plötzlich ein havariertes Raumschiff entdeckt. Die Menschen in dem Raumschiff werden an Bord genommen. Aber die Sache birgt einigen Sprengstoff. Denn die "Heimat" hatte seit urdenklichen Zeiten keinen Außenkontakt. Wer sind die Fremden? Kommen sie von den "Schöpfern", den Erbauern des Superschiffs? Die Regierung versucht erstmal, den Vorfall zu vertuschen. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, und Aufregung an Bord, womöglich gar Revolten werden befürchtet. Was bedeutet, dass die Fremden abgeschottet und eingesperrt werden. Die aber, als echte Weltraumhelden einer Space Opera, lassen sich das natürlich nicht bieten und brechen aus. Eine Verfolgungsjagd durch alle sieben Welten beginnt. Im ersten Teil erleben wir das Land Freiland, am Ende steht die Passage nach Farmland, die geplanten weiteren Bände erschienen nicht.
Der Roman ist spannend geschrieben, reich an Action, aber auch an politischen Szenen. Die Tagungen und Schachzüge der Politiker, von denen einer den verballhornten Namen eines doofen Amis führt, sind zum Teil amüsant, zum Teil bedrückend und erinnern gleichsam an klassische Dystopien und an aktuelle deutsche Vetuschungs- und Hinhaltepolitik. Etwas überzogen klingt die Einschätzung des Chefs des Verfolgungskommandos, unter den Flüchtigen müsse es wohl eine Person mit herausagenden Führungsfähigkeiten geben. Die machen nichts anderes als Abhauen und das auch ganz erfolgreich, einen Funken an Genialität habe ich an den Manövern des Trupps jedoch nicht finden können. Vielleicht war das für später vorgesehen. Nicht ganz klar wurde mir beim Lesen, warum die Ankunft der Fremden wirklich mit allen Mitteln verschwiegen werden musste. Und, ganz ehrlich: So große Raumschiffe, dass sieben Länder in ihnen Platz haben, kann sich mein kleines altes Gehirn nicht richtig vorstellen.
Trotzdem: Ein ganz ordentlich geschriebenes, spannend zu lesendes Buch. Schade, dass die Heptalogie ein Fragment blieb. Ich hätte mir die folgenden Teile auch gekauft.

 

Günter Abramowski: das ende ist neu

 

Hörspiel

 

Kira Kolumna 15: Offline in Barcelona
Kira verbringt ihre Ferien bei ihrem Freund Rapha in Spanien. Aber was als romantischer Traumurlaub gedacht war, wächst sich zu einem massiven Alptraum aus. Rapha hängt ständig am Handy und starrt auf seine Barcelona-App, um nur ja keine aktuelle Attraktion zu verpassen. Und Kira bekommt ständig Anrufe und Nachrichten von Nele. Stress pur ist angesagt, die beiden Verliebten sind am Ende nur noch mega genervt voneinander, Aggressivität und Streit folgen. Dann eine noch größere Katastrophe: Ein Moment der Unachtsamkeit im Café - und plötzlich sind ihre Handys weg. Gar nicht so einfach, sich offline in der Welt zurecht zu finden. Aber vielleicht auch eine Chance, das reale Leben gemeinsam zu genießen? Sehr schönes Abenteuer, erfreut auch alte Leute, die ein bisschen retro sind.

 

Kira Kolumna 17: Nein heißt Nein
Oberstufenball in Kiras Schule. Und die Zehntklässler dürfen zum ersten Mal mit dabei sein. Kira will nur "als Reporterin" hingehen. Sprich: Fotos machen, Interviews führen und später einen Artikel für die Schülerzeitung drüber schreiben. Aber Nele sucht noch einen Partner. Da scheint die Einladung des Elftklässlers Gregor, der ihr stilecht mit einem Blumenstrauß seinen "Antrag" macht, fast zu schön, um wahr zu sein. Allerdings: Der Abend wird für Nele eher zum Alptraum, als der Junge sie gegen ihren Willen küsst. Nele ist am Tag darauf wie verwandelt, steht neben sich, wagt aber nicht, ihren Freunden von dem Übergriff zu erzählen. Doch es kommt noch schlimmer: Gregor postet im sozialen Netzwerk ein Foto des Kusses. Schon geht das Gestichel und Gemobbe gegen Nele los. Und als sich Nele überwindet und ihren Freunden und schließlich auch der Lehrerin erzählt, was Gregor getan hat, lügt der Bengel dreist und streitet alles ab. Erst durch einen Trick gelangen die Freunde in den Besitz einer Tonaufzeichnung mit dem Geständnis Gregors.
Es ist eine Folge, die ein schwieriges und wichtiges Thema beleuchtet. Allerdings leider auf eine ziemlich oberflächliche und simplifizierende Weise. Ganz so einfach ist es im realen Leben sicher nicht, die Täter zu überführen. Und dass die Lehrerin gleich nach der Anschuldigung Gregor zu sich ruft, ihn und Nele gegenüberstellt und ihn nach seinem rotzigen: "Nee, ich hab nix gemacht", wieder ziehen lässt ... Nun, das ist alles ein wenig ungelenk. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl sollte die Lehrkraft schon haben. Interessant finde ich die Rolle von Superekel Saskia. Die sonst ziemlich bösartige Mitschülerin unterstützt Nele und ihre Freunde durch wichtige Informationen. Sie ist nämlich im Vorjahr selbst Opfer von Gregor geworden.

 

Kira Kolumna 18: Schöne Bescherung
Matheprofessor Johannes Kolumna glaubt, er hat das schönste Weihnachtsgeschenk der Welt für Kira: Er hat eine neue Stelle angenommen - und das heißt: Umzug nach Madrid. Kira ist stinksauer. Endlich ist sie einmal an einem Ort angekommen, an dem sie wirklich zu Hause ist, da soll sie schon wieder ihre Freund verlassen? Die Zeichen stehen auf Sturm im Hause Kolumna, Vater und Tochter zerstreiten sich heillos. Am Ende fällt sogar das berühmte Machtwort: "So lange du deine Füße unter meinen Tisch steckst ..." Vermittlungsversuche von Laura helfen nur bedingt. Beide Streithähne sind einfach zu temperamentvoll. Erst Lars und ein Weihnachtsmarktbesuch können die Situation retten.
Schöne, dynamische Folge über ein Vater-Tochter-Problem. Gut gemacht.
Anmerkung: Dies ist schon die zweite Weihnachtsfolge mit Kira. Das müsste doch jetzt eigentlich heißen, dass sie nicht mehr 16, sondern 17 Jahre alt ist, oder? Eine Geburtstagsgeschichte fehlt aber bislang in der Serie. Das gilt für alle drei jugendlichen Helden der Geschichten.

 

 

März

 

Tim und Struppi. Gesamtausgabe.
Band 1:
- Tim im Lande der Sowjets
- Tim im Kongo

Es handelt sich um eine edle Hardcover-Ausgabe mit acht Bänden im stabilen roten Schuber, die optisch einiges hermacht und auch bei meiner Buchhändlerin, bei der ich es bestellt hatte, für einige Bewunderung sorgte. Die Bücher sind etwas kleiner als das gewohnte Albenformat, aber das schadet nichts und tut dem Lesevergnügen keinen Abtrag. Etwas schade ist, dass der Carlsen-Verlag diese mit 148 Euro nicht gerade billige Gesamtausgabe nicht mit erläuternden Vorworten, Zusatzinfos, Skizzen und ähnlichen Beigaben aufgewertet hat. Da hat beispielsweise Splitter ganz andere Maßstäbe gesetzt. Es gibt einzig vor dem ersten Abenteuer, "Tim im Lande der Sowjets" einen kurzen Vortext, etwas weniger als eine Seite, in der sehr kurz auf Hergés Informationsquelle bzw. Desinformationsquelle zur Sowjetunion eingegangen wird. Das dürfe eher ein Disclaimer als ein Service für die Leser sein. Schade auch, dass die alten, lieb gewordenen Cover nicht mit abgedruckt worden sind. Nicht Teil der Gesamtausgabe ist das Album "Tim und der Haifischsee", das ja erst nach dem Zeichentrickfilm angefertigt wurde und von Greg stammt, nicht von Hergé.
Okay, was bietet der erste Band? Auch Hardcore-Fans brechen angesichts der sowjetischen und kongolesischen Abenteuer Tims gewöhnlich nicht gerade in Begeisterungsstürme aus. Es sind ad infinitum aneinandergereihte Verfolgungsjagden, Schlägereien, Gefangennahmen, Fluchten etc. Das Ganze verbunden mit rassistischen beziehungsweise antikommunistischen Klischees. Manches ist ziemlich unwahrscheinlich. Manches klassische Propaganda, etwa die Stelle, als Tim eine "potemkinsche" Fabrik in Russland entdeckt. Schlecht, aber eben von historischer Bedeutung. Und doch ungeheuer interessant und wichtig zu wissen, wie es einmal angefangen hat mit der Serie, die sich später auf den höchsten Olymp der Comicgeschichte hinaufschwang.
Eines noch: Ich habe in meiner Jugend gar nicht kapiert, dass dieser Tim ein "Junge" sein sollte, eine Identifikationsfigur für die jungen Leser. Für mich war er immer ein, wenn auch kleiner, jugendlicher Erwachsener. Ernsthaft, Hergé? Tim ist berufstätig, arbeitet als Reporter, lebt allein, liest Zeitung, unternimmt ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten weite Auslandsreisen, er steuert Autos, Flugzeuge, Schiffe, U-Boote und hat einen verdammt harten rechten Haken. Das soll ein Junge sein?

 

Band 2:
- Tim in Amerika
- Die Zigarren des Pharaos
- Der blaue Lotos

Tim in Amerika setzt die in den ersten beiden Bänden begonnene Anhäufung von Klischees, Rassismus und Prügeleien/Verfolgungsjagden/Gefangenschaften/Fluchten fort. Tim legt sich mit Gangstern an, muss vor Indianern flüchten usw. Einzig witzige beziehungsweise bittere Szene: Tim findet Öl. Ein reicher Amerikaner will ihm die Ölquelle zu einem horrenden Preis abkaufe. Doch als Tim sagt, das Land gehöre den Indianern, werden diese einfach des Platzes verwiesen und von der Armee vertrieben. Bitter.
Die Zigarren des Pharaos: Jetzt gehts los. Wer neu in die Serie einsteigt, dem sei dieser Band zum Start empfohlen. Ein Abenteuer in Ägypten und später Indien, in dem auch die Detektive Schulze und Schultze zum ersten Mal auftauchen, die Tim wegen Drogenschmuggels verhaften wollen. Ein verborgenes Pharaonengrab, ein verrückter Professor, Schmuggel. Echt niedlich fand ich die Szene, als Tim und Struppi die Sarkophagreihe entdecken: In den Sarkophagen stecken die Leichen der Leute, die das Grab schon ausfindig machen wollten, und daneben sind drei leere Sarkophage, einer für den Professor, einer für Tim und einer in Struppi-Format. Auch nett: Ein Scheich, bei dem Tim zu Gast ist, entpuppt sich als großer Fan des Helden und liest ein Tim-und-Struppi-Heft. Und ich mochte die Episode, in der Tim ein Geheimtreffen einer Bande in Kutten besucht, die dem Kukluxklan ähnen, aber das Pharao-Symbol tragen. Die Geschichte mit dem geheimen Passwort erinnert mich irgendwie an Karl Mays "Spion von Ortry".
Der blaue Lotos: Tim in China. Das Abenteuer gilt zurecht als einer der ersten Höhepunkte der Serie. Seltsame Funksprüche, eine Einladung aus Shanghai, die Suche nach einem entführten Wissenschaftler, der die vom Wahnsinnsserum betroffenen Leute aus dem vorigen Band heilen kann. Und Opiumschmuggel. Gleich zweimal muss sich Tim in die gefürchtete Opiumhölle, den "Blauen Lotos" einschleichen. Ein Erzfeind, im Vorband noch als harmloser, wenn auch launischer Filmemacher aufgetreten, entpuppt sich als Chef-Drogenhändler. Und sehr viele China- und Japan-Klischees, zum Teil ironisch gebrochen und optisch sehr schön in Szene gesetzt. Als Tim seinen neuen Freund Tschang vor dem Ertrinken gerettet hat, erzählt er ihm etwas darüber, wie sich Europäer Chinesen vorstellen, und Tschang lacht sich kaputt darüber. Sehr schön der (gute) Fakir, der über Scherben wandert, sich Messer in den Leib sticht und einen Kopfstand auf einem Nagel macht, aber plötzlich schreiend aufspringt, als er sich versehentlich auf ein Polsterkissen setzt. Erst auf einem eilig herbeigebrachten Nagelbrett kann der Mann sich entspannen.

 

Band 3:
- Der Arumbaya-Fetisch
- Die schwarze Insel
- König Ottokars Zepter

Der Arumbaya-Fetisch: Im Museum wird eine Tonfigur mit "abbem Ohr" geklaut. Eben der titelgebende Arumbaya-Fetisch. Wenig später ist die Figur wieder da. Alles nur ein Jux? Aber die Figur hat jetzt zwei Ohren, woraus Tim schließt, dass es sich um eine Kopie handelt. Auf der Suche nach dem Original entdeckt Tim, dass ein Bildhauer ermordet wurde, der womöglich die Kopie erstellt hat. Dessen Papagei plaudert den Namen des Mörders aus. Später schifft sich Tim nach Südamerika ein und gerät in das Revolutionsgeschehen eines fiktiven Staates. Sehr nett ist die Geschichte, wie Tim zum Adjutanten des Revolutionsführers wird: Er wird an die Wand gestellt, hat vorher noch die Gelegenheit, sich zu betrinken und brüllt im Angesicht des Erschießungskommandos: "Es lebe General Alcatraz!" In diesem Augenblick wechseln die Machtverhältnisse, und Alcatraz, den wir in den späteren Abenteuern noch wiedertreffen werden, ist total gerührt von der Treue seines treuesten Gefolgsmanns Tim ... Böse, aber leider Realität ist das Agieren der Ölfirmen: Als im Grenzgebiet zwischen Alcatraz' Staat und dem Nachbarland Öl gefunden wird, sorgen die Firmen für einen Krieg zwischen beiden Ländern, um günstiger an den Stoff heranzukommen. Tim schafft es schließlich, die Arumbayas im Urwald zu besuchen, und erfährt, warum der Tongötze geklaut wurde: Ein Weißer hatte den Arumbayas einen Edelstein gestohlen und ihn in der Figur außer Landes geschmuggelt. Am Ende schafft es Tim, den Fetisch tatsächlich wiederzuerobern, und gibt ihn in ziemlich ramponiertem Zustand dem Museum zurück. Der Stein aber versinkt unrettbar in den Tiefen des Meeres.
Die schwarze Insel: Tim bemerkt ein landendes Kleinflugzeug und wundert sich, dass die Maschine offenbar unregistriert ist. Als er seine Hilfe anbietet, wird er niedergeschossen und kommt erst im Krankenhaus wieder zu sich, wo die Agenten Schulze und Schultze ihn befragen wollen. Die Spur führt nach England, später nach Schottland, wobei die titelgebende schwarze Insel erst im letzten Drittel auftaucht. Die Geschichte ist reich an Verfolgungsjagden und Slapstick-Einlagen, vor allem wird Tim immer wieder von trotteligen Ordnungshütern verfolgt und entkommt dank deren Schusseligkeit. Sehr nett die Geschichte, als Schulze und Schultze einen Mann zwingen, mit einem Flugzeug zu starten, um Tim zu verfolgen. Der Mann kann gar nicht fliegen, unternimmt die irrsinnigsten Flugmanöver, verliert bei einem Looping einen der Agenten, kann ihn durch ein weiteres Zufallsmanöver wieder einfangen und erhält für seine Flugkünste schließlich nach der Bruchlandung den Pokal eines Flugwettbewerbs, in den er versehentlich geraten ist. Tim, stilecht in Schottentracht, macht sich allein auf zu der gefürchteten schwarzen Insel und entdeckt dort in einer alten Bug das Geheimversteck einer Geldfälscherbande, das von einem Gorilla gehütet wird - das gefürchtete Monster der Insel. Allerdings lässt sich der Menschenaffe von Struppis Knurren sofort beeindrucken. Tim hebt das Falschmünzernest aus, und für den Gorilla, der sich beim Sturz auf einer Treppe einen Arm gebrochen hat, gibt es medizinische Versorgung und ein neues zu Hause im Zoo, wie der abschließend abgedruckte Zeitungsartikel berichtet.
König Ottokas Szepter: Tim reist nach Syldavien, ein fiktives kleines osteuropäisches Land, das von einem König regiert wird. Sehr schön die Beschreibung des Landes und seiner Geschichte, die wechselnden Eroberungen durch Slawen und Türken, die Geschichte des Herrscherhauses und die Bestimmung, dass der König einmal im Jahr ei einem Fest das Szepter Ottokas öffentlich tragen muss - widrigenfalls muss er abdanken. Tim begleitet einen Professor für Sphragistik (Siegelkunde, wieder was gelernt) nach Syldavien, doch hegt er bald den Verdacht, dass der vermeintliche Gelehrte gegen einen Doppelgänger ausgetauscht wurde, der das schicksalsträchtige Szepter stehlen will. Es folgen diverse Anschläge auf Tim, Gefangenschaften, Fluchten, Auseinandersetzungen mit dem syldavischen Militär und den Behörden, die allesamt Angehöriger einer Verschwörung gegen den König zu sein scheinen. Außerdem taucht in diesem Band erstmals die Opernsängerin Bianca Castafiore auf, stimmgewaltig, von sich selbst überzeugt und Huldigungen gewohnt. Den Diebstahl des Szepters kann Tim nicht verhindern, aber mit der Unterstützung der Detektive Schulze & Schultze bzw. mit Behinderung durch dieselben gelingt es Tim und Struppi schließlich, das gestohlene Herrscherinsignium wieder herbeizuschaffen. Tim wird darauf als erster Ausländer mit dem syldavischen Pelikanorden ausgezeichnet. Und für die Detektive gibt es zum Schluss beim Aussteigen aus einem Wasserflugzeug ein kühles Bad.

 

Band 4:
- Die Krabbe mit den goldenen Scheren
- Der geheimnisvolle Stern
- Das Geheimnis der Einhorn

Die Krabbe mit den goldenen Scheren: Hunderttausend Höllenhunde! Da ist er endlich. Der ewig fluchende Kapitän Haddock mit dem exquisiten Schimpfwort-Repertoire erlebt in diesem Album sein Debüt und ist seither aus der Serie nicht mehr wegzudenken. Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon mal davon geträumt, seine Gegner als Anthropopitheken und Ikonoklasten zu betiteln?
Haddock ist Kapitän des Frachters Karaboudjan und ahnt nicht, dass sein Schiff vollbeladen mit Opium ist. Die Drogen werden in Dosen versteckt, die vorgeblich Krabbenfleisch enthalten. Das Etikett, das einen Krebs zeigt, ist Namensgeber für diese Folge, beziehungsweise eine goldene Krabbenschere, die der Krabbenfleischhändler als Unternehmenslogo an einer Kette um den Hals trägt. Haddock wird von einem der Schmuggler systematisch mit Alkohol abgefüllt - seine große Schwäche. Als Tim, Struppi und Haddock mit einem Beiboot flüchten, werden sie von einem Wasserflugzeug aus angegriffen, das Meisterschütze Tim aber so geschickt vom Himmel holt, dass nur ein kleiner Draht durchgeschossen ist, den er leicht wieder flicken kann. Die beiden Piloten werden gefangengenommen, und Tim steuert die Maschine nach Spanien. Das heißt: Er versucht es, doch durch einen Navigationsfehler und eine Attacke des wieder betrunkenen Kapitäns geraten sie in die Sahara, wo die Maschine nach einem Angriff abstürzt. Doch schließlich können sich die drei retten und die Bande zur Strecke bringen. Absolut sehenswert, wie der fluchende Kapitän sein Gewehr am Lauf packt und übelste Beleidigungen ausstoßend auf räuberische Berber eindringt, die die beiden überfallen wollten. Seinem Heldenmut tut es ja keinen Abtrag, dass die Berber eigentlich vor einem heranrückenden Soldatentrupp geflüchtet sind. Sehr schön Haddocks Radiovortrag über den Alkohol als schlimmsten Feind des Seemanns - und sein Kollaps, als er versehentlich ein Glas Wasser trinkt.
Der geheimnisvolle Stern: Ein Abenteuer, das am Ende ziemlich abgedreht wirkt. Tim entdeckt bei einem abendliche Spaziergang einen achten Stern im Großen Wagen. Als er bei der Sternwarte nachfragt, erzählen ihm die Astronomen, dass ein Komet auf die Erde zurast, und kündigen den Weltuntergang für den nächsten Morgen an. Allerdings hat sich der betreffende Wissenschaftler wohl um ein paar Meter verrechnet, denn der Komet verfehlt die Erde dann doch. Trotzdem: Es gibt eine bahnbrechende Neuigkeit: Ein Stück des Kometen ist offenbar doch auf die Erde gestürzt und landete im Nordpolarmeer, wo er noch teilweise aus dem Wasser herausragt. Und eine Spektralanalyse ergibt, dass sich auf dem Kometenfragment ein bisher unbekanntes Metall befindet. Der Sternwartenchef ruft eine Expedition ins Leben, an der mehrere internationale Wissenschaftler teilnehmen, außerdem Tim als Berichterstatter und Kapitän Haddock als Kommandant des Forschungsschiffs Aurora. Da ein internationales Geldinstitut sich den Kometen ebenfalls unter den Nagel reißen will, beginnt ein Wettrennen zur Absturzstelle. Wobei das Unternehmen mit harten Bandagen und unsauberen Tricks kämpft. Unter anderem mit einem vorgetäuschten Seenotruf, der die Aurora wertvolle Zeit verlieren lässt. Oder, indem es im Hafen einfach das Auftanken der Aurora verhindert, da die dortige Ölfirma zum Konsortium gehört. Zuletzt entscheidet Tim das Rennen durch einen tollkühnen Stunt: Er lässt sich mit dem Wasserflugzeug der Aurora zum Kometenfragment fliegen, springt mit dem Fallschirm ab und pflanzt die Fahne der Forschungsexpedition auf, etwa 15 Sekunden, bevor das Boot der Konkurrenz anlandet. Was dann passiert, ist, wie gesagt, ziemlich abgedreht. Während Tim auf dem Kometen Wache hält und auf die Aurora wartet, schießen riesige Fliegenpilze aus der Erde. Aus einem weggeworfenem Appelgribsch wird ein riesiger Baum, von dem aus melonengroße Äpfel herunterstürzen, und eine versehentlich mitgebrachte Spinne entwickelt sich zum Riesenmonster. Liegt es möglicherweise an der haluzinogenen Wirkung der Pilze? Am Ende jedenfalls versinkt der Komet im Meer, und Tim kann gerade noch eine Probe des unbekannten Metalls retten.
Das Geheimnis der Einhorn: Eine meiner absoluten Lieblingsfolgen. Tim kauft auf dem Flohmarkt ein altes Schiffsmodell des Seglers "Einhorn", um es Kapitän Haddock zu schenken. Gerade als er es erworben hat, stürzen sich zwei Männer auf ihn und bieten Höchstpreise für das Schiff, vor allem einer von beiden ist sehr penetrant. Doch Tim lässt beide abblitzen. Wenig später stellt sich heraus, dass das Schiff tatsächlich eine Verbindung zu Haddock hat: Sein Vorfahr, der Ritter Haddoque war zur Zeit des Sonnenkönigs Kommandant des Originalschiffs, dem das Modell nachempfunden ist. Als Tims Modell gestohlen wird, beginnt eine fieberhafte Suche - nach nicht einem, sondern nach drei Einhorn-Modellen. Denn Kommandant Haddoque hatte seinerzeit für seine drei Söhne drei Hinweise auf einen versteckten Schatz hinterlassen, verborgen auf drei Zetteln in den jeweiligen Hauptmasten. Nur alle drei Zettel zusammen führen zum Versteck. Herrlich die Szenen, in denen Haddock mit Hut und Säbel seines Vorfahren die Geschichte nacherzählt, die er im Logbuch gelesen hat, und sich dabei mehrfach zwischen Geschichte und gegenwärtiger Realität verirrt. Sehr nett auch die Schul(t)zes mit ihren Strategien gegen Brieftaschenklau. Die Geschichte ist der erste Teil eines Doppelabenteuers und wird im nächsten Band fortgesetzt.

 

Band 5:
- Der Schatz Rackhams des Roten
- Die sieben Kristallkugeln
- Der Sonnentempel

Der Schatz Rackhams des Roten: Fortsetzung der Geschichte "Das Geheimnis der Einhorn". Tim und Kapitän Haddock machen sich auf die Suche nach der Insel, auf der Haddocks Ahnherr den Schatz des Piraten versteckt hat. Beziehungsweise vor der das gesunkene Piratenschiff liegt, das die Reichtümer womöglich noch an Bord hat. Mit dabei sind nicht nur die Schul(t)zes, die für den Schutz der Expedition verantwortlich sind und vom Kapitän zum Pumpen eingeteilt werden, sondern erstmals auch der geniale und stocktaube Professor Bienlein. Der Mann hat ein Mini-Uboot in Haifischform gebaut und aufgrund seiner Schwerhörigkeit fasst er alle Absagen von Tim und Haddock als Zusagen auf, man wird ihn einfach nicht mehr los. Die Figur ist etwas anstrengend, ich werde Bienlein nie so sehr ins Herz schließen wie Haddock, der auch in diesem Band wieder herrliche Gelegenheiten zu Fluchtiraden und Whisky-Eskapaden hat. Großartig die Szene, als er beim Tauchen einen echten Schatz findet, nämlich die Alkoholvorräte des Piraten Und noch schöner seine Begegnung mit den Inselpapageien, die die Flüche Hadoques über Genrationen hinweg behalten und weitergegeben haben und sich nun mit dem alten Seebären ein Schimpfgefecht liefern. Mit dem Erwerb des alten Guts am Schluss des Albums nimmt eine der interessantesten Wohngemeinschaften der Comicgeschichte ihren Anfang.
Die sieben Kristallkugeln: Erster Band eines Doppelabenteuers. Sieben Forscher entdecken eine Inka-Mumie und nehmen sie mit. Wenig später wird einer nach dem anderen Opfer eines Attentats und fällt in einen tiefen Schlaf, ausgelöst jedesmal durch eine zerbrochene Glaskugel, der eine geheimnisvolle Substanz entströmt. Tim, Kapitän Haddock und die Schul(t)zes versuchen zwar, die Anschläge zu vereiteln, sind aber jedesmal erfolglos. Als letzter ist der Professor noch wach, der die Mumie in seinem Besitz hat. Er ist ein Freund von Professor Bienlein, der Tim und Haddock mit ihm bekannt macht. Tim und seine Freunde erleben eine eindrucksvolle Gewitternacht, in der ein Kugelblitz durch den Kamin ins Wohnzimmer des Professors ins Wohnzimmer hineinfährt und die Mumie in Flammen aufgehen lässt. Es bleibt nur der Schmuck des toten Inkas zurück. Doch auch der wird kurz darauf gestohlen. Tim, Haddock und Bienlein erleben in der Nacht alle denselben Alptraum: Die Inka-Mumie steigt durchs Fenster herein und wirft eine große Glaskugel nach ihnen. In dieser Nacht wird im Zimmer des Professors eine der Gas-Glaskugeln zerbrochen, und er fällt als letzter der sieben Forscher in den Tiefschlaf. Kurz danach wird Bienlein entführt. Er hatte im Garten das Armband des Inka gefunden und sich selbst übergestreift. Die Entführer schaffen ihn auf ein Schiff. Die Spur führt nach Südamerika, Peru ...
Das Abenteuer bietet interessante Wiederbegegnungen mit der Opernsängerin Bianca Castafiore und dem Ex-Staatschef General Alcazar, der sich nach einer Revolution in seinem Land nun als Varieté-Messerwerfer durchschlägt. Vor allem die Traumszenen mit der Kugel werfenden Inka-Mumie und die Szene, in der der Kugelblitz durchs Wohnzimmer rollt, haben mir gut gefallen.
Der Sonnentempel: Tim und Kapitän Haddock wollen das Schiff, mit dem Professor Bienlein entführt wurde, in Callao empfangen. Doch die Entführer schaffen es, den Professor heimlich an Land zu bringen. Er soll als Strafe dafür, dass er sich ein Armband des Inka angeeignet hat, im Sonnentempel hingerichtet werden. Keiner der Indianer vor Ort will irgend etwas zum Verbleib Bienleins verraten, obwohl offenbar alle Bescheid wissen. Erst als Tim einen kleinen Jungen vor pöbelnden Weißen rettet und letztere verprügelt, hat er einen Freund gefunden. Der junge Zorrino führt sie zum Sonnentempel, eine Reise, die durch Urwald, Moor und Sümpfe, über höchste Berge und durch Eiswüsten führt. Durch einen unglücklichen Absturz macht Tim schließlich eine glückliche Entdeckung: Hinter einem Wasserfall beginnt ein Geheimgang zu einer Grabhöhle im Sonnentempel. Beim letzten Wanddurchbruch allerdings platzen die drei genau in eine Versammlung der Indianer und werden gefasst. Sie sollen auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden, den der Oberpriester mit einer Lupe in Brand setzt. Da Tim aber so nett zu Zorrino gewesen ist, gewährt der Inkaherrscher ihm die Gnade, selbst Tag und Stunde der Hinrichtung wählen zu dürfen. Da trifft es sich gut, dass Tim in einem Zeitungsschnipsel, in den Haddocks Patronen eingewickelt waren, die Nachricht findet, dass es in 18 Tagen eine totale Sonnenfinsternis geben wird. Er wählt genau diesen Zeitpunkt, und als er, Haddock und der gleichfalls verurteilte Bienlein auf dem Scheiterhaufen stehen, bittet er den mächtigen Sonnengott in einer dramatischen Rede um ein Zeichen, dass er mit dieser Hinrichtung nicht einverstanden sei. Die Indianer sind von der Sonnenfinsternis natürlich schwer beeindruckt. Sie lassen nicht nur die Gefangenen frei, sondern entlassen auch die betäubten und im Schlaf schlimme Schmerzen leidenden sieben Gelehrten aus ihrer Folter. Happy End, alle dürfen heim. Hoffnungslos verlaufen haben sich allerdings die beiden Ermittler Schulze und Schultze, die auf ihrer Suche nach Tim und Bienlein zur Bienleinschen Pendelmethode gegriffen haben ...
Das Abenteuer ist spannend und hat optisch einiges zu bieten, sowohl an der beeindruckenden Landschaft Perus als auch an Inka-Kunst und Architektur. Sehr gut gefallen hat mir der running Gag mit den ewig spuckenden Lamas und dem mehrfach getroffenen Kapitän Haddock, der sich am Ende genial rächt und dem Tier eine Ladung Wasser ins Gesicht spuckt. Ansonsten gab es einige Wiederbegegnungen mit klassischen Western/Abenteuerklischees. Die Höhle hinter dem Wasserfall. Der Absturz Tims mit einem Kondor als Fallschirm hat mich doch sehr an den Jungen Adler aus "Winnetous Erben" erinnert. Die Sonnenfinsternis, mit der schon Columbus die Eingeborenen in der Neuen Welt beeindruckte. Wieso kennen eigentlich ausgerechnet die Sonnensöhne aus dem Inkareich das Datum der Sonnenfinsternis nicht? Zumindest die Maya waren berühmt für ihre astronomischen Kenntnisse, und das Abenteuer spielt in unserer modernen Zeit in einem auch recht modernen Staat. Jeder hört vor einer totalen Sonnenfinsternis schon Wochen vorher, dass es etwas zu beobachten gibt. Bienleins Entführer benutzen Ozeandampfer und Autos, sind in Europa und Amerika aktiv, und plötzlich, als sie sich in rituelle Gewänder werfen und in einem Tempel abhängen, haben sie das Weltbild eines ungebildeten Eingeborenen, der weniger weiß als die Angehörigen der altamerikanischen Hochkulturen? Ich glaub's nicht. Egal, war ein schönes Abenteuer.

 

Band 6:
- Im Reiche des schwarzen Goldes

Explodierende Autotanks rufen Tim und die Schul(t)zes auf den Plan. Dahinter stecken knallharte wirtschaftliche Interessen und der Versuch, einen Krieg ums Öl anzuzetteln. Tim und die beiden Ermittler schiffen sich auf einem Öltransporter ein und fahren in die Emirate, wo sie jedoch bei der Einreise verhaftet werden. In der Kajüte der Schulzes wird Kokain gefunden, bei Tim ein Dokument, das von Waffenlieferungen an eine Gruppe handelt, die den Emir stürzen will. Letztere entführt Tim aus den Händen der Polizei, da sie ihn für einen Verbündeten hält. Tim kann jedoch flüchten und erhält eine Audienz beim Emir, der über die Öl-Explosionen genau so besorgt ist wie Tim. Noch mehr macht ihm allerdings Sorgen, dass sein Sohn Abdallah verschwunden ist. Der Junge, der den gesamten Palast mit seinen Scherzartikeln malträtiert, ist entführt worden, wie sich herausstellt. Tim bietet seine Hilfe an und hat auch schon einen Verdacht: Denn kurz vor seiner Audienz hat er den aus der Geschichte über die schwarze Insel bekannten Doktor Müller, der sich nun Prof. Smith nennt, im Palast gesehen. Wenig später trifft er einen weiteren alten Bekannten: Der Händler Oliveira da Figueira aus "Die Zigarren des Pharaos" ist Lieferant bei Müller und schleust Tim in dessen Palast ein, wo Tim im Keller tatsächlich den entführten Abdallah entdeckt. Der hat inzwischen Müllers sämtliche Bande mit Niespulver traktiert. Aber auch Tim hat seine Probleme mit dem Früchtchen. Der Junge will einfach nicht mitkommen, ruiniert dadurch Tims Rettungsplan, wodurch Müller die Gelegenheit bekommt, mit Abdallah zu flüchten. Eine Verfolgungsjagd durch die Wüste schließt sich an, wobei Abdallah für beide Seiten einige unangenehme Wendungen herbeiführt. Schließlich verliebt er sich jedoch in den fluchenden Kapitän Haddock, der von dessen Anhänglichkeit jedoch gar nicht begeistert ist. Als Müller ein Röhrchen mit Tabletten verliert, die von den Detektiven als vermeintliches Aspirin eingenommen werden, schließt sich für die Schul(t)zes eine Frisurenkatastrophe an: Die Haare der beiden bekommen einen Riesen-Wachstumsschub, die Detektive verwandeln sich in Zottelmonster, die Rapunzel in den Schatten stellen können, und brauchen in kurzen Abständen mehrere neue Haarschnitte. Erst der geniale Professor Bienlein schafft es, Müllers Pillen zu analysieren und ein Gegenmittel zu entwickeln. Es wirkt sowohl gegen den Haarwuchs aus auch gegen die gleichfalls von den Pillen hervorgerufene Benzinveränderung, damit sind auch die Explosionen passé.
Schönes exotisches Abenteuer, bei dem mir besonders die Fata Morganas gefallen haben und das an Winni den Pu und Robinson Crusoe erinnernde Verfolgen der eigenen Spur in der Wüste, als die Schulzes eine immer breiter werdende, offenbar vielgenutzte Fahrstrecke entdecken. Auch die Scherzartikel Abdallahs - Knallzigarretten, Niespulver, Knallerbsen, Juckpulver, Tintenrevolver - sind nett. Auch wenn man lebhaft nachfühlen kann, wie sehr er die anderen nervt, und sogar mit Müller etwas Mitleid hat.

 

Maike Stein: Das magische Fundbüro

 

Edgar Allan Poe: Der Bericht des Arthur Gordon Pym
Jugendabenteuer, absoluter Klassiker, ich habe ihn in der sehr schönen und günstigen Anaconda-Ausgabe gelesen. Arthur Gordon Pym, der Ich-Ezähler, stammt von der Walfänger-Insel Nantucket und ist 16 Jahre alt, als die Lust auf das große Abenteuer überwältigt. Sein Freund August, Sohn des Kapitäns eines Walfängers, hilft ihm, sich im Schiff seines Vaters zu verstecken und als blinder Passagier mit auf große Fahrt zu gehen. Der Plan ist, dass Arthur sich dem Kapitän zu einem Zeitpunkt präsentiert, in dem es zu spät zur Rückkehr ist. Doch während der Junge noch im Versteck sitzt, bricht an Bord eine Meuterei aus. Die Jungen schaffen es, zusammen mit einem der Meuterer, der sich auf ihre Seite schlägt, das Schiff wieder in ihre Gewalt zu bringen. Doch das ist nur der Auftakt zu weiteren Abenteuern, darunter ein Schiffbruch und eine überraschende Rettung, gerade als die vier Überlebenden losen, wer als erster gefressen werden soll. Später geht es an Bord eines Robbenjägers weiter nach Süden. Auf einer antarktischen Insel fallen die Seeleute einem Eingeborenenstamm in die Hände, können nur mit Mühe und Not fliehen, finden schließlich in einer Grotte eine übermenschlich große humanoide Gestalt ... Was als ziemlich realistischer Abenteuerroman begann, entwickelt zum Schluss hin mehr und mehr phantastische Züge und bricht schließlich ab. Poes einziger großer Prosatext, der leider Fragment blieb. Schade, man hätte gern weiter gelesen.

 

Arne Semsrott: Machtübernahme
Ein Szenario, das gar nicht so utopisch/dystopisch ist: Was, wenn die Nazis in Deutschland die Macht übernehmen? Arne Semsrott zeigt, was jeder an seinem Platz tun kann, um die neuen Machthaber auszubremsen. Das ist sicher hilfreich. Aber es ist blutwenig. Er erklärt, wie Beamte "remonstrieren" können, also gesetzwidrige Aufgaben ablehnen. Er erklärt, wie Bummelstreiks funktionieren und wie man einen Prozess durch das Befolgen jeder aber auch jeder kleinen Vorschrift verlangsamen oder sogar aussetzen kann. Vonseiten der Gewerkschaften wäre auch ein Generalstreik drin. Aber im Ernstfall? Welcher Beamte wagt schon aufzubegehren? Schon in unserer Demokratie sind solche Leute gewöhnlich nicht gerade ein Vorbild an Mut und Entscheidungskraft. Sonst hätten sie wohl auch kaum eine Karriere in der Verwaltung angestrebt. Und dass Polizisten etwas gegen "rechts" haben, kommt auch eher selten vor. (Sorry, ich pflege meine Vorurteile.) Erst recht wird sich kaum ein Beamter querstellen, wenn ihm eine faschistische Obrigkeit Befehle erteilt und er beim Nicht-Gehorchen Gefahr läuft, den Kopf zu verlieren. Wenn es erst zu spät ist, wird es auch keine Gewerkschaft mehr geben, die zum Generalstreik aufrufen kann. Und was hat das Buch für mich als Lokaljournalistin an Ideen zu bieten? Wenn Semsrott von Journalismus schreibt, hat er ausschließlich die "großen" Journalisten der "großen" Medien im Blick, die über die "große" Politik schreiben. Für mich gibt es nur einen einzigen Satz, nämlich den, dass dem Lokaljournalismus eine besondere Bedeutung zukommt. Ja, und was mache ich nun damit? Zähne zusammenbeißen und anständig bleiben, wie bisher, auch ohne Tipps von Herrn Semsrott. Trotzdem, insgesamt ein wichtiges Buch. Selbst, wenn man danach nur die Mechanismen etwas besser versteht und die Nazis noch mehr im Auge hat.

 

Edith Nesbit: Mannsgroß in Marmor

 

Waldemar Bonsels: Die Biene Maja und ihre Abenteuer (Hamburger Leseheft)
Die Biene Maja kennt vermutlich jeder durch die Zeichentrickserie, und jeder kann das Titellied mit den tschechischen Kehllauten Karel Gotts mitsingen. Aber wer hat sich schon einmal den Original-Roman von Waldemar Bonsels zu Gemüte geführt? Ich habe das Hamburger Leseheft auf der Leipziger Buchmesse entdeckt und musste einfach zugreifen. Die erschütternde Nachricht ... Haltet euch fest ... Es gibt keinen Willi. Ernsthaft. Die Figur kommt bei Bonsels nicht vor. Ich bin echt total vor den Kopf gestoßen. Ansonsten ist es eine nette, liebenswerte Geschichte einer jungen Honigbiene, die keine Lust auf die Arbeitsdisziplin und das tägliche Einerlei der Großen hat. Sie haut aus dem Stock ab, begegnet unbekannten Tieren wie einem Grashüpfer und einer Spinne, gerät schließlich als Gefangene in ein Hornissennest, wo sie einen heimtückischen Angriffsplan der Hornissen auf das Bienenvolk ausspionieren kann. Maja schafft es zu flüchten, die erreicht den heimischen Stock, warnt die Königin, und durch eine schnell ausgeklügelte Abwehrstrategie können die fiesen Angreifer geschlagen und vertrieben werden. Maja ist die absolute Heldin ihres Volkes und wird entsprechend gefeiert. Das Ganze ist etwas altertümlich formuliert, aber die Geschichte ist nicht schlecht. Nur, dass unser aller Liebling Willi fehlt, das hat mich schon sehr getroffen.

 

Hans-Martin Gutmann: Iwans Entsetzen

 

 

Hörspiel

 

Kira Kolumna 16: Mutterseelenallein
Im Mittelpunkt dieser Folge steht Jakob, ein Klassenkamerad von Kira, Lars und Nele. Jakob, der sonst immer ein guter Schüler war, schmiert plötzlich völlig ab, erscheint zu spät zum Unterricht, ist unvorbereitet, macht keine Hausaufgaben mehr und setzt sogar Klassenarbeiten in seinem Lieblingsfach in den Sand. Als Kira und ihre Freunde zusammen mit Jakob für ein Projekt eingeteilt werden, versucht Kira, an den verschlossenen Mitschüler heranzukommen. Doch der blockt ab. Erst als sein kleiner Bruder verschwindet und sich die Ereignisse überstürzen, klärt sich die Situation: Die Mutter der beiden ist nach einem schweren Verkehrsunfall im Krankenhaus gelandet und musste danach zur Reha. Auf den schmalen Schultern Jakobs lastet die Verantwortung für den Haushalt und den kleinen Bruder. Ein Plan, der nicht aufgehen kann ... Sehr schöne, emotionale Folge, die sich mit dem Thema "Kinder, die Care-Arbeit leisten müssen", befasst. Für Jakob gibt es dank Kiras Vater ein Happy End, ohne dass das Jugendamt Hand an die Familie legt, was Jakobs größte Angst war. Schließlich kehrt die Mutter geheilt zurück.

 

Bibi Blocksberg 139: Chaos am Flughafen
Bibi Blocksberg trifft Kira Kolumna. Geht das? Kira, die faktenzentrierte Reporterin, die nichts mit Aberglauben und Geisterbeschwörungen am Hut hat, und Bibi, die kleine Hexe? Es geht, da sich die beiden in der Bibi-Blocksberg-Realität begegnen. In einer Folge innerhalb der Kira-Serie wäre es vielleicht unpassend gewesen.
Kira und Bibi begegnen sich am Flughafen (Frankfurt?). Kira muss nach Madrid umsteigen (die Geschichte spielt wohl vor dem Start der Kira-Serie), Bibi will sich hier mit ihrer Freundin Karla Kolumna treffen, um zusammen in den Urlaub zu fliegen. Karla und Bibi wollten eigentlich zusammen in Neustadt starten, doch Karla wurde aufgehalten durch eine sen-sa-ti-o-nel-le Story. Dem Bürgermeister wurden mehrere exotische, schweineteure Frösche aus seinem Terrarium geklaut. Nun will Karla mit einem späteren Flieger nachkommen und Bibi am Umsteigeflughafen treffen. Diese trifft aber zunächst nur Karlas "Nichte um drei Ecken herum". Bibi und Kira kommen ins Gespräch und sind einander sofort sympathisch. Dabei zeigt sich die welterfahrene Kira als Kennerin des Flugplatzbetriebs und weiß sofort, was zu tun ist, als Bibis Koffer verschwindet. Die Reporterin wundert sich kein bisschen darüber, eine echte Hexe zu treffen, die beiden finden sich gegenseitig sehr spannend und starten ein Doppel-Interview für Kiras Blog, wobei sie sich abwechselnd Fragen stellen. Doch dann ertönt ein seltsamer Gesang: Die geklauten Frösche tauchen am Flugplatz auf. Sie sind dem Dieb, der sie wohl ins Ausland schmuggeln wollte, entkommen. Bibi und Kira gehen auf Frosch- und Verbrecherjagd.
Ein für Bibis Verhältnisse sehr reifes Abenteuer, für Kiras Welt eine sehr abgedrehte Geschichte. Auf jeden Fall eine nette Begegnung.

 

Kira Kolumna 19: Gerüchteküche
Der neue Referendar, Arne Hauser, hat ganz klar "Crush-Potenzial", finden Kira und ihre Mitschüler. Klar, Kiras Herz ist bereits durch Rapha besetzt. Aber begeistern kann er auch sie: Als er erfährt, dass es in der Schule zwar eine Reporterin gibt, aber keine Schülerzeitung (die alte Crew hat gerade ihren Abschluss gemacht, und die Redaktion ist verwaist), spitzt er sie an, die Sache zu übernehmen. Es gibt noch eine weitere an Journalismus interessierte Mitschülerin: Vicky, die sich allerdings eher als Klatsch- und Sensationsreporterin begreift. Welten prallen aufeinander, als Gossip-Girl Vicky und die seriöse Reporterin Kira aufeinandertreffen. Es kracht mächtig, als Vicky in einem gemeinsam geführten Interview mit Arne Hauser eine Aussage "zuspitzt". Völlig aus dem Ruder läuft die Kommentarfunktion, die Lars für die Schülerzeitungsseite freigeschaltet hat. Zensur im Forum? Sachen stehen lassen, die so einfach nicht gehen? Und dann taucht ein Foto auf, das Kira und Herrn Hauser in einer scheinbar verfänglichen Situation zeigt. Gerede und Gerüchte, Hetze und Häme folgen Kira durch die Schule. Die Reporterin fühlt sich bloßgestellt, gedemütigt, völlig am Boden. Noch nie war Kira in derart zerstört und verzweifelt. Aber in dieser Situation raufen Vicky und Kira sich zusammen. Getreu dem Grundatz: Never fake News. Sie nehmen die Spur des Übeltäters auf und bringen ihn zur Strecke. Schönes Stück über journalistische Ethik und Grundsatzfragen sowie über Diskussionen in Social Media. Probleme, die junge und alte Medienmacher gleichermaßen betreffen. Sehr gut.

 

Weiterer Jahresrückblick
2025, 2. Teil: April bis Juni
2025, 3. Teil: Juli bis Oktober
2025, 4. Teil: November
2025, 5. Teil: Dezember

 

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Hendrik Thomsen: Irrlicht, Teil 1: Absturz

Geschrieben von Petra , in Bücher - SF 26 Dezember 2025 · 555 Aufrufe
Bücher - SF, Hendrik Thomsen

"Irrlicht" von Hendrik Thomsen ist eine Cyberpunk-Serie, deren erster Band jetzt unter dem Titel "Absturz" als epubli-Buch herauskam. Es handelt sich um das Debüt des Autors, weitere Folgen werden angekündigt.
Im Mittelpunkt des Romans steht die junge Trish, eine Orph, ein Waisenkind, das sich auf den Straßen einer futuristischen Großstadt durchschlagen muss. Trish und ihr Bruder leben von dem, was sie auf der Straße finden und verticken können, wobei ein Teil dieses "Einkommens" für synthetische Drogen draufgeht. Zu Beginn der Geschichte ist Trish auf der Jagd nach "Irrlichtern", kleinen, künstlichen, vielleicht lebendigen Wesen, die sie in einem Behälter sammelt und ihrem Bruder zum Geburtstag schenken will. Doch als ihr Weg den des flüchtenden Hackers Dreyfus kreuzt, wird ihr ohnehin täglich aufs Neue bedrohtes Leben noch um eine Zehnerpotenz todgefährlicher. Sie nimmt dem sterbenden Datendieb einen Speicherkristall ab, bevor seine Verfolger dies tun können. Ein böser Fehler. Denn der Kristall enthält Informationen über eine mächtige Firma, die über Leichen gehen wird, um ihn wieder zu bekommen.

 

Dramatischer Auftakt

 

Schon der Auftakt des Romans ist außerordentlich dramatisch. Der Leser erlebt die halsbrecherische Flucht des Dreyfus mit, der in einem SonJet mit riskanten Flugmanövern seinen Verfolgern zu entkommen sucht. Schnelle Schnitte zwischen Trishs Irrlichtjagd und Dreyfus' Flucht, spektakuläre Stunts, die man sich gut als Szenen eines Hollywood-High-Budget-Blockbusters vorstellen kann, sorgen für atemlose Spannung.

 

Hohes Erzähltempo

 

Thomsen hält das hohe Erzähltempo den gesamten Roman über durch. Trish ist auf der Flucht, sie und ihr Bruder geraten von einer Falle in die nächste und können sich nur durch irrsinnige Tricks und todesmutige Hechtsprünge immer wieder in kurzfristige vermeintliche Sicherheit bringen. Langjährige Freunde erweisen sich als Verräter, Partnerschaften und Geschäftsbeziehungen sind nichts mehr wert, wenn ein mächtiges Unternehmen hinter einem her ist.
Das Abenteuer ist rasant erzählt und reich an Action. Vielleicht hätten ein oder zwei Pausen dem Roman gut getan, in denen der Leser durchatmen und ein wenig den Blick in dieser Cyberwelt schweifen lassen könnte. Einige schöne Szenen sind dem Autor jedenfalls auch trotz der fast ununterbrochenen Hetzjagd gelungen. Eindrucksvoll und trotz ihrer Gefährlichkeit fast zauberhaft und poetisch wirkt die Situation, als Trish sich vor einer brutalen Jugendgang verstecken muss - und aus ihrer defekten Sammelbox steigen plötzlich lautlos in endloser Reihe die eingefangenen Irrlichter auf ... Ein kleiner Zauber in einer kalten High-Tech-Welt.

 

Fazit: Temporeicher Action-Thriller in einer Cyber-Zukunftswelt. Flüssig geschrieben und sehr spannend. Lesenswert.

 

Hendrik Thomsen: Irrlicht. Teil 1: Absturz. Berlin: epubli, 2025. 282 S., Euro 13,99.

 

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Michael Stoffers: Die vergessene Destille von Helgoland

Geschrieben von Petra , in Helgoland 25 Dezember 2025 · 351 Aufrufe
Helgoland, Michael Stoffers

Was hat es mit der verlorenen Destille von Helgoland auf sich? Michael Stoffers, der sich schon mehrfach mit Romanen vom roten Felsen hervorgetan hat, legt nun einen Kurzgeschichtenband vor. Vier Geschichten erzählen besondere Abenteuer auf der Nordseeinsel, und zwei davon handeln von einer Whisky-Brennerei, die ein so hervorragendes Getränk brennt, dass man am liebsten sofort alles stehen und liegen lassen und sich zu einem Whisky-Tasting auf Helgoland anmelden möchte.
Mark Struppke ist Whisky-Fachmann und stellt auf seinen Veranstaltungen Kennern, aber auch Anfängern, interessante Whisky-Sorten vor. Sachkundig und humorvoll erzählt er von den Besonderheiten des jeweiligen Produkts, er kennt die Geschichten und Eigenheiten der Brennereien und hat einen feinen Gaumen und einen hochentwickelten Geschmackssinn. Kann diesen Mann noch etwas überraschen? Ja, das geht. Als der Whisky-Sommelier nach einem seiner Tasting-Abende vom Wirt ein geheimnisvolles Fläschchen aus einer Helgoländer Destille geschenkt bekommt, erwartet ihn ein Geschmackserlebnis, das es in sich hat.

 

Intensive Whisky-Verkostung

 

Intensiv und mit Leidenschaft für das edle Getränk schildert Autor Michael Stoffers den esten Kontakt seines Helden mit dem "Creag Deargh #2, 52%". Eine Szene, die auch nicht Whisky-Liebhaber unter den Lesern zum Lechzen nach dem sonnenuntergangsfarbenen Stoff bringt:

 

"Er goss den Whisky ein und wärmte ihn einen Augenblick mit den Händen. Vorsichtig schwenkte er die goldene Flüssigkeit, hob das Glas an und beobachtete, wie sich das Licht darin brach. Ein angenehmer Farbton entstand, warm, wie ein Hauch Sonnenuntergang.
Mark sog vorsichtig den Duft ein, ging in seinem Kopf die Aromen durch, schnupperte noch einmal und nahm dann einen ersten Schluck.
Der Geschmack des Whiskys war genauso warm wie seine Farbe. Er war kräftig, hatte Ecken und Kanten, fast schon etwas Ungezügeltes. Und er schmeckte nach Meer! Auch wenn Mark nicht gewusst hätte, wo der Whisky herkam - eine Insel wäre sein erster Tipp gewesen. Im Wasser musste eine Spur Salz zurückgeblieben sein, ein letzter Hauch. Er nahm einen weiteren Schluck.
Da war noch etwas anderes. Etwas, das Mark schon lange nicht mehr bei einem Whisky wahrgenommen hatte, zumindest nicht in diesem Ausmaß.
Leidenschaft!"

 

Doch alle Fragen in der Szene und alle Internet-Recherchen laufen ins Leere: Über die geheimnisvolle Helgoländer Destille lässt sich nichts herausfinden. So nimmt Mark die Fähre und macht sich auf dem roten Felsen auf die Spurensuche. Nach und nach erfährt er die traurige Geschichte über einen leidenschaftlichen Whisky-Brenner und einen missgünstigen Nachbarn - und vom Überleben der nicht zu erstickenden Leidenschaft für den ganz besonderen Brand.

 

Untergang und Wiederauferstehung einer Destille

 

Zwei Geschichten im Buch handeln vom Schicksal der besonderen Helgoländer Destille - eine von ihrer Zerstörung, bevor sie sich überhaupt etablieren konnte, eine von ihrer Neugründung mit einem ganz besonderen Ehrengast. Und auch die anderen beiden Erzählungen in dem Buch haben es in sich. Stoffers verfasst eine vorgebliche Kriminalstory über zwei Undercover-Ermittler unterschiedlichen Geschlechts, die von ihrem Chef auf einen Mann angesetzt werden, der im Internet nach verdächtigen Dingen gesucht hat. Der Polizist und die Polizistin beschatten den Verdächtigen so unauffällig, wie man das auf einer kleinen Insel eben tun kann. Dass sie dabei viel von der Natur und Geschichte Helgolands mitbekommen, viel an insulanischer Lebensqualität erfahren und sich dabei auch noch ineinander verlieben bringt die Ermittlungen tatsächlich zu einem "erfolgreichen Abschluss", obwohl die Zielperson - Überraschung - tatsächlich vollkommen unschuldig ist.

 

Rebellion auf der Regatta

 

Die vierte Geschichte im Bande ist eine Liebeserklärung an Wind und Wellen und eine Hymne an die Rebellion gegen Erfolgsdruck und Tyrannei. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen, der zusammen mit seiner Familie Urlaub auf der Insel macht. Aber der Vater will nichts von Inselrundfahrten und Natur wissen, sondern seine Söhne zu echten Siegertypen machen. Leon wird schikaniert, von Vater und Bruder gehänselt und kleingehalten und zu Sportwettbewerben gezwungen, bei denen er natürlich verliert. Doch dann meldet der Vater seine Söhne zu einer Segelregatta an - und Leon trifft eine folgenreiche Entscheidung.
Michael Stoffers ist ein Erzähler, der es schafft, sich mit jedem neuen Buch zu steigern. Was er hier in der "kleinen Form" vorlegt, sind mehr als nette Fingerübungen eines Romanautors, der zwischendurch einmal ein paar Kurzgeschichten produziert. Es ist ein Erzählband, der Freiheit, Meeresluft und Whisky-Aroma atmet und den Leser mitnimmt auf die Reise an einen ganz besonderen Ort. Ein kleines Stück roter Felsen im salzigen Meer, ein Buch wie ein Nordsee-Urlaub und nicht nur für Helgoland-Fans ein wunderbares Leseabenteuer. Sehr schön.

 

Fazit: Vier Helgoland-Geschichten, die größer sind, als es die kleine Form vermuten lässt. Eine Hommage an Meeresluft und Whiskyduft, die auch ohne Besuch beim Whisky-Tasting berauscht. Unbedingt empfehlenswert.

 

Michael Stoffers: Die vergessene Destille von Helgoland. Innentitel: Die verlorene Destille ... und andere Helgoland-Geschichten. Norderstedt: Books on Demand, 2024. 269 S., Euro 12,90.

 

Mehr von Michael Stoffers
Unheimliche Freunde
Das Geheimnis des gelben Pergaments

 

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Weihnachtsmärchen: Die Heilige Königin aus dem Morgenland

Geschrieben von Petra , in Weihnachten 24 Dezember 2025 · 717 Aufrufe
Weihnachten, Weihnachtsmärchen

Heiligabend. Die letzten Einkäufe sind erledigt, die letzten Geschenke eingepackt, der Baum steht ... Jetzt ist es endlich Zeit, zur Ruhe zu kommen und die Stille zu genießen. Ich wünsche euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Hoffentlich geht es euch gut, und ihr könnt auch ein bisschen feiern. Und falls ihr noch eine Geschichte zum Lesen unterm Baum braucht, kommt hier ein kleines Weihnachtsmärchen für euch.
Alles Liebe
eure Petra

 

Die Heilige Königin aus dem Morgenland

 

Königreich Saba, Zikkurat der Herrscherin Balkis VIII., im Jahre 1 v. Chr., 0 Uhr 44.
Neumond und keine Wolken, die Luft kühl und kristallklar, eine Nacht wie geschaffen, um die Sterne zu beobachten. Königin Balkis die Achte zog den Mantel enger um sich. Es war schon empfindlich kalt geworden, die Nächte wurden länger und länger und der Sternenhimmel über Saba von Nacht zu Nacht prächtiger. Sie liebte diese Winternächte. Längst waren die Lichter der Stadt unter ihr erloschen, doch Balkis stand noch immer oben auf dem königlichen Turm und blickte nach oben. Der Himmelsriese mit den drei funkelnden Gürtelsternen war schon vollständig über dem Horizont aufgestiegen, und auf den Schultern trug er den Wildstier und das Zwillingspaar. Ihm zu Füßen wachten die beiden Hunde, daneben räkelte sich der prächtige Löwe. Die Königin atmete tief durch. Egal, wie müde und schwer ihr der Kopf von der täglichen Regierungsarbeit oft wurde, sie musste nur abends auf ihren Turm steigen, und das Herz wurde ihr wieder leicht und frei.
Und doch: Sie war nicht nur zu ihrem Vergnügen hier. Aufmerksam beobachtete sie die Wandelsterne am Himmelsteiler. Dass sich dort oben der Stern des Götterkönigs und der des Erntegottes begegneten, deutete auf eine ernste Angelegenheit hin, die auch für ihr kleines Königreich von Bedeutung sein musste. Sie hatte in den vergangenen Tagen bereits ausführlich mit ihren Beratern darüber gesprochen. Die Zeichen standen auf Veränderung, wenn nicht sogar die Geburt eines bedeutenden Herrschers bevorstand. Sorgfältig peilte sie den Punkt an, an dem sich die beiden Planeten begegneten, maß dann den Winkel zu den benachbarten Fixsternen und dachte nach. Sie würde ihre Sternkarten um einen Zehntelgrad korrigieren müssen, stellte sie fest. Dabei besaß sie das beste Planisphärium der bekannten Welt. Wie hatte König Melchior aus dem Osten sie beim jüngsten Staatsbesuch darum beneidet. Und trotzdem, sie würde ihre Sternenscheibe wohl noch ein wenig nachjustieren müssen.
Doch was war das? Die Königin riss vor Überraschung die Augen weit auf. Dort, genau im Westen, war ein helles Licht aufgeflammt, größer und strahlender als alle Planeten zusammen. Himmel, so etwas hatte sie noch nie gesehen! Fasziniert blickte sie in Richtung Sonnenuntergang. Aber die Sonne war es nicht, die dort leuchtete, dazu war es ja schon viel zu spät.
„Ist das wirklich wahr?“, murmelte Balkis. „Wenn dort tatsächlich ein neuer König geboren wird, dann muss er größer sein als alle Herrscher, die die Welt bisher gesehen hat. Denn sein Stern ist heller und prächtiger als der Stern des Götterkönigs und des Schnitters zusammen.“
Balkis schob Sehrohr, Sternenscheibe und ihre Karten zusammen. Das alles brauchte sie nicht mehr. Der neue Stern war ihr als Wegweiser genug.
„Ich muss dorthin“, sagte sie entschlossen. „Nichts auf der Welt wird mich aufhalten, den größten König der Welt zu sehen.“
Sie stürmte die Treppen hinab und rief lauthals nach ihren Dienern. In kürzester Zeit war ihr milchweißes Eselgespann angeschirrt, und sie belud den Wagen eigenhändig mit Kostbarkeiten aus ihrer Schatzkammer für den jungen König. Myrrhe, Weihrauch und Gold packte sie ein, und auf Anraten ihrer alten Amme nahm sie auch noch 20 Windeln aus weißem Linnen mit. Dann schnalzte sie mit der Zunge und trieb die beiden Eselinnen an. Immer gen Westen fuhr sie, dem strahlenden Stern entgegen.

 

Gemeindehaus von Kleinweltwinkel, 6. Januar 2026, früher Nachmittag
Hanna strahlte. Stolz wie eine echte Königin hob sie den Kopf, als ihr der Pfarrer die goldene Pappkrone auf die dunklen Locken drückte. Eine der Mütter war mit Nadel und Faden dabei, die Goldborte an Hannas strahlend weißem Königinnengewand neu zu befestigen. Die Kleider der Heiligen drei Könige waren alt, und schon Hannas drei großen Brüder hatten sie getragen, als sie mit dem Stern von Haus zu Haus gezogen waren. Nun also war auch sie endlich an der Reihe und durfte Heilige Dreikönigin sein. Tom und Benny aus ihrer Klasse waren schon fertig ausstaffiert, und Jan, der Sternenträger, schwenkte bereits unternehmungslustig den Besenstiel, an dem der Pappstern befestigt war. Sie würden perfekt aussehen. Drei Heilige Könige aus dem Morgenland, die dem Stern nach Bethlehem folgten, um dort im Stall das Jesuskind zu finden.
Hanna musterte sich noch einmal kritisch im Spiegel und drehte sich um die eigene Achse. „Und, wie sehe ich aus?“, fragte sie.
„Wie eine Heilige Königin aus dem Morgenland“, lobte der Pfarrer. „Die Menschen werden sich freuen, wenn ihr den Segen in ihre Häuser bringt.“
„Wie bitte? Ich höre wohl nicht recht!“, krächzte es da von der Tür her. Herr Niesmüller, der alte grantige Kirchenvorstand, blickte unter drohend gesenkten Augenbrauen in die Runde. „Ein Mädchen als Heiliger König aus dem Morgenland? Das ist eine Zumutung. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser woke Mist auch in unserer Gemeinde Fuß fasst. Los, zieh sofort das Kleid aus, Mädchen. Geh nach Haus und spiel mit deinen Puppen!“
„Ich muss doch sehr bitten, Herr Niesmüller.“ Der Pfarrer schob sich schützend vor Hanna. „Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter.“
„Ein Mädchen als Heiliger König!“, schnaufte der Kirchenvorstand. „Was kommt als nächstes? Veganes Essen in unserer Kita? Toiletten für drei Geschlechter im Gemeindehaus? Womöglich wollen Sie auch noch im Gemeindebrief gendern, oder wie der Schwachsinn heißt. Die Sternsinger sind eine heilige Sache und kein Klamauk. Die Heiligen drei Könige müssen genau so bleiben, wie es in der Bibel steht. Da kann man nicht einfach irgendetwas ändern, nur weil es zum Zeitgeist passt.“
Hanna weinte. Sie wollte die Pappkrone abnehmen.
Aber der Pfarrer hielt ihre Hand fest und schüttelte den Kopf. „Da kennen Sie aber Ihre Heilige Schrift schlecht, Herr Niesmüller“, sagte er ruhig. „Ach, Tom, sei doch bitte so gut und gib mir mal die Bibel her.“
„Was soll das jetzt?“, knurrte der Kirchenvorstand.
Doch der Pfarrer hatte schon das Buch aufgeschlagen und las vor: „Als Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“
„Ja, und?“
„Haben Sie nicht gehört? Von den Heiligen drei Königen steht absolut nichts da. Erstens: Heilig steht da nicht. Und die katholische Kirche hat diese Menschen ja auch niemals offiziell heiliggesprochen. Zweitens: Drei. Matthäus nennt überhaupt keine Zahlen. Und Könige kommen dort auch nicht vor. Nebenbei bemerkt: Die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar stehen auch nicht in der Bibel. Nichts zu machen, Herr Niesmüller.“
„Frechheit.“
„Im Übrigen können wir auch nicht sagen, ob es alles Männer gewesen sind. Da steht zwar im griechischen Text, es seien ‚Magoi‘ gewesen, was man vielleicht mit Sterndeutern, Magiern oder weisen Männern übersetzen kann. Aber die Griechen haben nun einmal leider Gottes nicht gegendert in ihren Texten. Weshalb man überhaupt nicht wissen kann, ob in der Gruppe nicht auch die eine oder andere Maga mit dabei war.“
„Also, jetzt reicht es wirklich. Ich werde mich beim Bischof beschweren.“ Wutschnaubend stampfte Herr Niesmüller davon und warf die Tür hinter sich zu.
Die Kinder starrten den Pfarrer an. „Werden Sie jetzt – aus der Kirche rausgeschmissen?“, fragte Hanna stockend. Am liebsten hätte sie die Krone jetzt doch noch abgenommen.
„I wo, wir leben doch nicht mehr im Mittelalter“, lachte der Pfarrer.
„Und ist das wirklich wahr? Dass es eine Heilige Dreikönigin gegeben haben könnte, meine ich?“ Hanna sah ihn mit großen Augen an.
Der Pfarrer lächelte und zwinkerte ihr zu. „Ganz sicher“, sagte er. "Und wenn es keine gab, dann gibt es ab jetzt eine, nämlich Hanna die Erste. Also, geh los und bring den Menschen den Segen.“
Hanna strahlte. Sie rückte ihre Krone gerade und strich sich ihr Gewand glatt. Hoch erhobenen Hauptes schritt sie zwischen Tom und Benny hinter dem Sternträger her. Und die Bewohner von Kleinweltwinkel waren sich einig, dass sie noch niemals zuvor eine stolzere und würdigere Heilige Dreikönigin gesehen hatten.

 

Bethlehem, im Jahre 1 n. Chr., gegen Mittag
Königin Balkis stand aufrecht in ihrem Wagen und steuerte die Eselinnen nach Osten. Neben ihr trabten die Könige Kaspar, Balthasar und Melchior ostwärts, der eine auf einem stolzen Araberhengst, der zweite auf einem edlen Rennkamel und der dritte auf einem mächtigen Elefanten. Die vier Majestäten waren tage- und nächtelang unterwegs gewesen, doch sie verspürten keine Müdigkeit. Zu beeindruckend war das, was sie in der Stadt Bethlehem gesehen hatten. Der größte König der Welt, in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt, das alles in einem erbärmlichen Stall, in dem es nach Eselsmist, Schafskötteln und Kuhfladen stank. Und doch, wie hatte das alles gestrahlt und geleuchtet. Noch immer lag der Glanz, der das Kind in der Krippe umgeben hatte, auf ihren Gesichtern.
Als sie an eine Wegkreuzung kamen, war für die vier die Zeit gekommen, sich zu verabschieden.
„Das müssen wir unbedingt allen Menschen erzählen“, sagte Kaspar.
„Ja, wir lassen es in allen unseren Städten verkünden“, sagte Melchior.
„Das ganze Morgenland muss es erfahren“, sagte Balthasar.
Königin Balkis nickte. Doch dann fügte sie hinzu: „Aber dem König Herodes, dem sagen wir es besser nicht.“ Denn sie war nicht nur eine Königin, sondern auch eine weise Frau und hatte in den Sternen gelesen, dass der Mann Böses plante. Aber das ist eine andere Geschichte und steht tatsächlich in der Bibel.

 

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Judith und Christian Vogt: Ich, Hannibal

Geschrieben von Petra , in Bücher - phantastisch 23 Dezember 2025 · 352 Aufrufe
Bücher - phantastisch und 5 weitere...

Hannibal - eine Frau? Von dieser Prämisse geht das Autorenduo Judith und Christian Vogt aus und erzählt den zweiten Punischen Krieg auf seine ganz eigene, ungewöhnliche Weise. "Ich, Hannibal", nennen die beiden ihren Roman, der außer der Hauptfigur noch ganz andere phantastische Wesen zu bieten hat, wie zum Beispiel zyklopenäugige Elefanten, die Stammesbiester diverser gallischer Stämme, den Leviathan und eine geflügelte Sphinx. Das Heer, das sich da über die Alpen nach Italien wälzt, ist auf jeden Fall geeignet, das auszulösen, was der Untertitel verspricht: "Rom wird vor ihr erzittern."
Es ist Himilke, Hannibals Witwe, die den riesenhaften Elefanten besteigt, als Hannibal stirbt. Als der Roman beginnt, ist der Feldherr bereits tot. Doch das weiße Elefantenmonster mit dem Zyklopenauge und der funkenden Sonne auf der Stirn bietet Himilke sein Bein zum Aufsteigen an und gehorcht ihr als Reittier. Ein Zeichen des Gottes Melkart, wie es deutlicher nicht sein könnte. Und so ist es Himilke, die, verborgen unter einer goldenen Maske und unter dem Namen ihres getöteten Mannes, die punischen Heere nach Rom führt.

 

Zwischen Fantasy, Feminismus und Historie

 

Ein phantastischer feministischer Roman über einen historischen Krieg? Was ändert sich, wenn Hannibal eine Frau ist? Vor allem ändert sich die Stimmung im Generalstab, und Hannibal schlägt mehr Widerspruch entgegen, als ein männlicher Heerführer erhalten würde. Ganz klar tritt Himilke dagegen ein, dass Frauen der unterlegenen Parteien vergewaltigt werden, was sonst allgemein üblich ist und von den Soldaten auch als ihr gutes Recht betrachtet wird. Einmal versucht Hannibal, ihre weiblichen Reize einzusetzen, um die Loyalität eines Anführers eines verbündeten Stammes zu gewinnen. Doch dieser aufrechte und verheiratete Krieger macht ihr klar, dass er von ihr andere Argumente sehen will als zwei wohlgeformte Brüste.
Tatsächlich ist Hannibal nur eine von drei weiblichen Hauptfiguren - und verglichen mit den beiden anderen sogar die schwächste und blasseste. Im Mittelpunkt des Interesses steht vielmehr die Monsterjägerin Tamenzut, die auf einer beeindruckenden Sphinx das Heer begleitet und mit ihrem Speer bereits zahlreiche Monster besiegt und auf sich geprägt hat. Sie ist es, die Hannibal immer wieder mit neuen Bestien unterstützt und die Schlagkraft der Armee verstärkt. Zusammen mit ihrem Schüler unterwirft sie die Hydra, sie stellt Hannibal mächtige Flussgötter in Stiergestalt zur Verfügung und ist auf ihrer Sphinx auch für die Luftaufklärung zuständig. Tamenzut ist eine physisch starke, kampferprobte Frau mit dem Zynismus eines langjährigen Söldners, eine beeindruckende Kämpferin und Jägerin, die sich aber sehr klar bewusst ist, dass ihr Leben endlich ist. Mit einem hölzernen Penis hält sie die Männer in respektvollem Abstand, eine Geste, die im Roman funktioniert und bei Männern geradezu Angst auslöst, in der Jetztzeit aber wohl eher albern wirken würde. In Hannibals Heer ist Tamenzut auf jeden Fall eine gefürchtete Größe. Und doch: Es kommt zu einer Begegnung, die selbst die abgebrühte Monsterjägerin Demut lehrt. Als sie den urzeitlichen Leviathan einfangen und unterwerfen will, lernt Tamenzut, dass es Mächte gibt, die unfassbar viel größer sind als sie und ihr kleiner Speer. Eine Begegnung mit der Ewigkeit, die Tamenzut sehr verändert.

 

Eine römische Witwe als Spionin

 

Die dritte Heldin schließlich ist die Römerin Fulvia. Als ihr Mann stirbt, steht die Witwe nahezu mittellos da und muss seine drei Kinder irgendwie versorgen. Das große Vermögen des Patriziers riss sich Publius Cornelius Scipio unter den Nagel, selbst um das Pflichtteil muss die Familie einen Prozess führen. Fulvia versucht alles, um ihre, respektive die Kinder ihres Mannes zu ernähren. Sie wäre sogar bereit gewesen, sich zu prostituieren, wenn die Puffbetreiberin nicht sofort gespürt hätte, dass "das nichts für sie ist". Doch als Patrizierin mit immer noch funktionierenden Verbindungen wird sie schließlich zur wertvollen Spionin und versorgt Karthago mit Nachrichten über die Zustände in Rom und Informationen über das Militär. Vor allem an Wissen über die römischen Bestien sind die heranrückenden Punier extrem interessiert. Der Fulvia-Erzählstrang ist sehr interessant und macht das Schicksal römischer Frauen deutlich, die ohne ihren Mann nahezu rechtlos sind. Im Gegensatz zu Hannibal und Tamenzut ist es für Fulvia ausgesprochen schwer, sich zu behaupten. Und es ist sehr schade, dass dieser Erzählstrang nicht besser an die Haupthandlung angebunden wurde und erst im Finale mit den Fäden der beiden anderen Heldinnen zusammenfindet.

 

Auf Cannae folgt kein Zama

 

Die Vögte schreiben einen phantastischen Roman, in dem Monster und Bestien kriegsentscheidend sind. Doch abgesehen davon halten sie sich recht genau an die historischen Abläufe. Als wichtigste Quelle geben sie das - ausgesprochen lesenswerte Buch "Schwarze Tage - Roms Kriege gegen Karthago" von Michael Sommer an. So ist es wohl auch Sommers Darstellung zu verdanken, dass im Roman sehr klar wird, wie Hannibals Plan, Roms Verbündete zum Abfall zu bewegen, immer wieder scheitert. Hannibal will sich als Befreier der unterdrückten Völker auf einem Siegeszug von Spanien über Gallien und durch ganz Italien feiern lassen. Doch die Völker haben sich eingerichtet. Teils aus Angst, teils aus Bequemlichkeit, teils auch, weil das Bündnis mit Rom ihnen klare Vorteile bringt, wollen Roms Bundesgenossen nicht zu Hannibal überwechseln. Schade irgendwie. Und doch: Die Sympathien der Autoren liegen ganz klar auf Seiten der Karthager. Und so gönnen sie ihrer Feldherrin und ihren Monstern den Sturm auf Rom und ein episches Finale. Und: Auf die großartige Schlacht bei Cannae, die das historische Rom das fürchten lehrt, folgt kein Zama.
Judith und Christian Vogt haben einen spannenden historischen Fantasy-Roman geschrieben, der trotz der phantastischen Elemente die Realität und Grausamkeit des Krieges nicht unter rosa Einhornzuckerguss verschwinden lässt. Ein Romanexperiment, das mit dem Thema Geschlechterrollen spielt - aber es ist ein sehr ernstes Spiel. Spannend, bewegend und zugleich zum Nachdenken anregend. Und vor allem von Tamenzut möchte man unbedingt mehr, vielleicht einen eigenen Roman lesen.

 

Fazit: Feministische Fantasy im historischen Ambiente und ein gewagtes Geschlechter-Experiment, das auf jeden Fall zu einem gelungenen Roman geführt hat. Lesenswert.

 

Judith und Christian Vogt: Ich, Hannibal. Rom wird vor ihr erzittern. München, Piper, 2024. 430 S., Euro 17.

 

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Juliane Seidel: Herz aus Kristall

Geschrieben von Petra , in Bücher - phantastisch 22 Dezember 2025 · 338 Aufrufe
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Ein Kelpie auf dem Grund des Stechlin? In Juliane Seidels Jugend-Fantasy-Roman "Herz aus Kristall" spielt das pferdeähnliche Wesen aus der keltischen Mythologie eine zentrale Rolle. Allerdings wird dem Ungetüm eindeutig die Schau gestohlen durch einen quirligen, hochintelligenten Seeotter, der nicht ganz das ist, was er zu sein scheint.
Lynn, die jugendliche Heldin des Romans, wird von zweierlei Träumen und Visionen heimgesucht. Da ist zunächst einmal ein Junge, dem zwei Finger fehlen und der sie eindringlich davor warnt, sich dem See zu nähern. In dem anderen Traum sind es mehrere Kinder, die zu ihr sprechen und sie um Hilfe anflehen. Sie werden gefangen gehalten, und nur Lynn kann sie retten. Allerdings werden sie offenbar in der Tiefe des Sees gefangen gehalten, vor dem der Junge gewarnt hatte. Aber was soll Lynn tun, wenn ausgerechnet ihre besten Freundinnen entführt und unter Wasser gezogen werden?

 

Sommerferien am See - mitt Otter und Wasserleiche

 

Die Geschichte beginnt eigentlich, abgesehen von Lynns Alpträumen, sehr harmlos und friedlich, fast mit einer Heile-Welt-Atmosphäre. Die Heldin und ihre Freunde leben am Brandenburger See Stechlin, die Sommerferien haben begonnen, wundervolle freie Wochen mit Beachpartys, Jungs, Sonnenbaden und Schwimmspaß am und im See könnten es werden, und die Autorin widersteht sogar der Versuchung, die Schüler mit Fontane-Lektüre zu quälen. Hinzu kommt, dass Lynn auch noch ein besonderes Haustier hat, um das man sie wahrhaft beneiden kann: Die zahme Otterdame Su ist stets an ihrer Seite und ist nicht nur eine liebevolle Freundin, sondern auch eine besonders kluge Begleiterin.
Doch dann bricht das Verhängnis über die kleine heile Welt herein. Keiner sieht, was Lynn sieht: Ein Seeungeheuer nähert sich den Badenden. Und Lynn entdeckt ein ertrunkenes Mädchen, das allerdings trotz einer ausgedehnten Suchaktion der Polizei nicht wieder aufgefunden werden kann. Und leider hält Lynn trotz aller Warnungen nicht den nötigen Abstand zum Wasser, als das Kelpie herannaht. Bald Pferdemonster, bald wunderschöne aber böse Frau, immer aber voll Hass auf Lynn und niemals vertrauenswürdig, nimmt das Wesen Lynn gefangen und verschleppt sie in ihr Reich unter dem See, wo das Mädchen eine schier unlösbare Aufgabe erfüllen soll ...

 

Zauberhafter Jugendroman

 

Juliane Seidel ist mit "Herz aus Kristall" ein zauberhafter Jugendroman gelungen, in dem die alte keltische Sagenwelt mit der gleichfalls bezaubernden Atmosphäre des Stechlin zu einem spannenden und magischen Abenteuerraum verschmelzen. Warme Sommertage am See, kühles Wasser und ein mythisches Wesen, dem nicht zu trauen ist, das aber gleichfalls im Gefüge der elfischen Welt nicht nur seine Daseinsberechtigung, sondern auch seine wichtige Aufgabe hat. Dazu der Charme der Otterdame Su, die, wie sich schließlich herausstellt, wesentlich mehri st als ein gewöhnlicher, hochintelligenter Wassermarder. Dass schließlich Lynn unerwartet ihre Liebe zu einem Wesen aus der anderen Welt entdeckt, setzt einen besonderen Lichtpunkt in der Welt des Kristallherzen.

 

Otter sind keine Haustiere

 

Die Autorin hat einen schönen Sprachfluss und einen frischen, beinahe aquatisch anmutenden Schreibstil, in den man gut eintauchen kann. Sie erzählt spannend und schafft es, den Leser über 400 Seiten lang gefangen zu nehmen und die Abenteuer Lynns zu verfolgen. Ein dramatisches Finale und ein überraschendes positives Ende lassen nach der Lektüre ein ausgesprochen positives Gefühl zurück. Wobei die Autorin, die auch im realen Leben eine große Otterfreundin ist, im Nachwort nachdrücklich klarstellt, dass Otter keine Haustiere sind und nicht in einen Privathaushalt gehören. Lynn und Su sind ein Traum, ein Märchen, und das sollen sie auch bleiben.
Unbedingt hervorgehoben muss auch die optische Gestaltung des Buchs. Das von Marie Graßhoff in magischen Blautönen gehaltene Cover zeigt einen weißen Otter, der in die Welt des Kelpie abtaucht, im Inneren gibt es zauberhafte Zeichnungen der Hauptfiguren von Tanja Meurer, außerdem finden sich an den Kapitelanfängen und als Abschnittstrenner kleine schwarze Otter in unterschiedlichen Haltungen. Ein wunderschönes Buch, das man auch nach dem ersten Durchlesen immer wieder gern zur Hand nimmt und aufschlägt.

 

Fazit: Keltisch-magische Jugend-Fantasy am Ufer des Stechlin. Spannend, zauberhaft und mit Ottercharme. Lesenswert.

 

Juliane Seidel: Herz aus Kristall. Bielefeld: Tagträumer-Verlag, 2020. 440 S., Euro 16,90.

 

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E.S. Schmidt: Die Rückkehr der Elynn

Geschrieben von Petra , in Bücher - phantastisch 21 Dezember 2025 · 538 Aufrufe
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Die Abenteuer von Daric und Aroanída gehen weiter - und das, obwohl ihre Liebe buchstäblich stärker zu sein hat als der Tod. "Die Rückkehr der Elynn" nennt Esther S. Schmidt den zweiten Teil ihrer "Chroniken der Wälder", der Saga um einen ehemaligen Schwertsklaven und eine Angehörige des elbenartigen Volks der Elynn.
Im Vorgänger-Band, "Das Erwachen der Hüterin", hatte die Autorin tatsächlich alles getan, um ihre beiden Helden für immer voneinander zu trennen. Das Thaléth, jenes geheimnisvolle Band zwischen Liebenden, das eine Elynn nur einmal im Leben vergeben kann, hatte die Liebe Aroanídas zu Daric besiegelt. Eine Seelenverbindung, die nur der Tod auflösen kann. Ja, Daric war tot. Er hatte sich von der Familie seiner Geliebten überzeugen lassen, dass sie ohne ihn glücklicher sei. Daric brachte das Opfer, ließ sich töten und, so sein Pakt mit den Elynn, sofort wieder zum Leben erwecken. Doch selbst die Elynn müssen am Ende einsehen, dass Aroanída ohne Daric nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, dem Tode näher als dem Leben. Doch dann keimt neuer Lebensmut in der Elynn auf. Sollte Daric doch noch am Leben sein? Die Wiedervereinigung der Liebenden ist möglich. Aber sie hat einen hohen Preis.

 

Zusammen, und doch nicht vereint

 

Ja, Daric und Aroanída finden wieder zusammen. Aber danach müssen sie auch wieder zusammenfinden. Kann ein Thaléth heilen? Es stellt sich heraus, dass es gar nicht Aroanídas Elynn-Verwandtschaft ist, die dem am meisten entgegensteht. Vielmehr ist es Daric selbst, der blockiert, wenn er sein Leben, sein Denken und seine Erlebnisse mit seiner Frau teilen soll. Die Welt des Krieges, des Blutes und Gemetzels würde er am liebsten vor ihr verbergen. Nur sehr langsam lernt der verhärtete Krieger, sich wirklich zu öffnen.
Der zweite Band der "Chroniken der Wälder" erzählt von Krieg und Schlachten. Daric tut das, was er am besten kann: Er ist Soldat und kehrte zu seiner Einheit zurück. Doch aufgrund seiner Fähigkeiten wurde er zum Leutnant befördert, erringt sogar ein eigenes Lehen. Durch die Unterstützung seiner Frau kann er sich in höchster Not sogar in einen "Berserker" verwandeln und scheinbar aussichtlose Schlachten doch noch gewinnen.

 

Ein neuer Offizier setzt sich durch

 

Doch trotz des kriegerischen Hintergrunds und der Gemetzel im Bürgerkrieg liegt der Schwerpunkt weniger auf Brutalität und Action-Szenen. E.S. Schmidt schildert vielmehr mit feinem psychologischen Gespür die Entwicklung der Charaktere und die zwischenmenschlichen Dynamiken nicht nur innerhalb der Paarbeziehung. Sie zeigt, wie Daric, der als Emporkömmling und Offizier ohne Adelsfamilie sowohl bei seinen Soldaten als auch bei seinen Offizierskollegen auf Misstrauen und Verachtung stößt, sich das Vertrauen und den Respekt seiner Männer erringt. Daric, den seine Leute zunächst gnadenlos auflaufen lassen, zeigt, dass er der neuen Position nicht nur gewachsen ist, sondern sogar einer der besten Führer seiner drei Rotten ist, die diese jemals gehabt haben. Inspiriert von Gedanken zur Führungskultur, wie sie unter anderem in dem Buch "Gute Chefs essen zuletzt" dargelegt werden, zeichnet die Autorin hier einen Führungsstil nach, der auch in modernen Unternehmen wünschenswet wäre.

 

Daric lernt, um Hilfe zu rufen

 

Daric hat Erfolg damit. Schließlich wandelt sich der Tonfall ganz außerordentlich, und seine Männer nennen ihn nicht mehr einfach nur "Der Leutnant", sondern inniger "Unser Leutnant". Und Daric lernt es auch, um Hilfe zu rufen und Hilfe anzunehmen. Als er in Not gerät, sind sowohl Aroanída als auch seine Männer zur Stelle. Auch wenn das bedeutet, dass sie eine Todesstrafe riskieren.
Auch der zweite Band der "Chroniken der Wälder" ist, wie bereits der Vorgänger, ein herausragendes High-Fantasy-Abenteuer, das sowohl durch die handelnden Personen als durch die erschaffene Welt punkten kann. Die gepflegte, eingängige Sprache Esther S. Schmidts und die mitreißende Handlung machen dieses Buch zu einem Erlebnis, das leider viel zu schnell vorüber ist. Bisher eine der besten Fantasy-Trilogien, die überhaupt zu haben sind. Weiter so.

 

Fazit: High-Fantasy-Abenteuer, das in Sprache, Psychologie und Handlungsführung einfach top ist. Diese Chroniken haben echte Magie und einen hohen Suchtfaktor. Lesebefehl!

 

E.S. Schmidt: Die Rückkehr der Elynn. (Die Chroniken der Wälder, Teil 2). epubli, 2024. 379 S., Euro 13,99.

 

Weitere Bücher von Esther S. Schmidt:
Der Trollring
Die zweite Finsternis
Das Erwachen der Hüterin

 

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Curt Bloch: Das Unterwasser-Cabaret

Geschrieben von Petra , in Lyrik 21 Dezember 2025 · 249 Aufrufe
Lyrik, Curt Bloch

Mit frechen Versen gegen Hitler, Goebbels und Göring, gegen Nazigrößen, Stalin und niederländische Kollaborateure: Drei Jahre lang versteckte sich der deutsche Jude Curt Bloch in den Niederlanden vor den Nazis, untergetaucht, aber nicht zum Schweigen gebracht. In seinem wöchentlich erscheinenden, selbst gebastelten Magazin "Das Unterwasser-Cabaret" schuf er eine Untergrund-Postille der ganz eigenen Art. Nun ist in der Reihe "Die Andere Bibliothek" eine Sammlung der "Unterwasser"-Verse Blochs erschienen. Ein beeindruckendes Zeitdokument, vorbildlich editiert, ein Buch, das beim Lesen gleichzeitig Spaß macht und traurig stimmt.
Bloch nannte sein Magazin "Das Unterwasser-Cabaret", auf Niederländisch "Het Onderwater-Cabaret", abgekürzt "OWC". Unterwasser, denn er war buchstäblich "untergetaucht". Schon die Titelbilder, die Bloch seinen Heften voranstellte, zeugen von Witz und Pragmatismus. Der Autor gestaltete sie mit dem wenigen, was ihm zur Verfügung stand, bastelte Collagen aus Illustrierten-Fotos und auch aus Nazi-Propaganda-Material. So schuf er "ausgerechnet aus Nazipropaganda ein zeitloses Kunstwerk des Widerstands", beschreibt der Klappentext das Werk. Verkleinert abgedruckt sind alle OWC-Titelbilder, erschienen in der Zeit vom 22. August 1943 bis zum 3. April 1945, einige sind auch ganzseitig im Buch zu finden. Das letzte Heft schließlich trägt nicht mehr den Titel OWC, sondern nennt sich triumphierend "Bovenwater-Finale van het OWC", das Überwasser-Finale des Unterwasser-Cabarets. Es zeigt einen Mann, der aus einem Schacht auftaucht, und enthält Gedichte mit Titeln wie "Befreit!", "Freiheit" und "Sprich mir niemals mehr vom Kriege!"

 

Gedichte in drei Sprachen

 

Bloch schreibt und dichtet in Deutsch und Niederländisch. Im letzten Heft ist auch ein englischsprachiges Gedicht enthalten, das die alliierten Streitkräfte begrüßt. In der deutschen Übersetzung von René Strien klingt das so:

 

Wir warteten fünf Jahre lang,
Für viele war's der Untergang,
Ach, alliierte Heere,
Und doch ist heute Glück das Wort,
Die Hunnen fort, die Hunnen fort,
Mit Wagen, Krad und Mähre."

 

Gereimte Chronik der Weltereignisse

 

96 Ausgaben des Unterwasser-Cabarets stellte Bloch in seiner Zeit im Versteck her. Eine gereimte Chronik der Weltereignisse aus niederländischer Sicht. Mal mit beißendem Spott, mal mit dem fröhlichen Galgenhumor eines Untergetauchten, der sich bewusst ist, dass ihm bei Entdeckung der Tod droht. Hoffnung schöpft er etwa aus den Geräuschen der Flugzeuge über sich, die in Berlin für Panik sorgen. So heißt es im "Propellerlied":

 

Lässt mich das Elend oft verstummen
Und schickt mir düst're Phantasien,
Hör ich dann mit Motorenbrummen
Die R.A.F. nach Deutschland zieh'n.
Dorthin wird ihre Fracht getragen,
Nach Hamburg und ins Ruhrgebiet,
Das mindert Leiden und Verzagen,
Ich summ dann das Propellerlied.

 

Bloch kannte aber auch Verzweiflung und Depression, schreibt über Angst und Aussichtlsosigkeit, und vielleicht, sehr sicher sogar, ist es das regelmäßige, disziplinierte Schreiben von gereimten Kommentaren zu den Ereignissen, das ihn stabilisierte und psychisch gesund erhielt. Der Autor schreibt für einen kleinen Kreis, in dem seine Hefte zirkulieren. Doch ähnlich wie die ebenfalls in den Niederlanden untergetauchte Anne Frank denkt auch er schon ziemlich früh daran, diese Aufzeichnungen aus der Zeit im Versteck später einmal zu veröffentlichen. Bereits am 30. August 1943, in der zweiten Ausgabe des OWC, entwirft er die Vision einer "Galavorstellung des OWC", in der es heißt:

 

Und ist der Krieg erstmal vorbei
Und die Laternen brennen,
Wird man das OW-Cabaret
Am Festland sehen können.

 

Das OWC organisiert
Die Abschieds-Festaufführung
Mit einem Prachtprogramm, erfüllt
Von Freude und von Rührung.

 

Ein Finale, das noch zwei Jahre auf sich warten lassen wird. Doch Bloch hat schon sehr genaue Vorstellungen von seinem Finale, nach dem er vor den Vorhang treten und sich verbeugen kann:

 

Als Dank für Freiheit und für Recht,
Das Grauen hat ein Ende,
Die Ehrengäste stehen auf
und heben ihre Hände,

 

Dann sage ich: Das Spiel ist aus,
Ich hoffe, Sie verstehen,
Doch mein Programm sei Ihr Programm,
So soll es weitergehen.

 

Oft wendet sich Bloch direkt an seine Leser, auch an die deutschen, die seine Verse erst sehr viel später zu lesen bekommen. So kommentiert es die Propaganda von Goebbels (den er konsequent mit ö schreibt) im Gedicht "Der Weg zur Wahrheit" folgendermaßen:

 

Mein liebes deutsches Publikum
Du willst die Wahrheit wissen,
Du merkst, Herr Göbbels hält dich dumm,
Du wirst von ihm be...trogen.

 

Sein Ratschlag an die Deutschen zur Wahrheitsfindung lautet:

 

Erkennt in ihm den Lügentropf,
Kommt endlich doch zur Klarheit,
Stellt Doktor Göbbels auf den Kopf,
Dann findet ihr die Wahrheit.

 

Gebrauchslyrik in Knittelversen

 

Es ist nicht unbedingt ganz große, nobelpreisverdächtige Lyrik, die Bloch hier Woche für Woche zu Papier bringt. Er produziert gute, alltagstaugliche Gebrauchslyrik, schnell und leicht geschriebene Knittelverse, oft in Kreuzreimen, häufig auch in vierzeiligen Strophen, in denen sich nur die geraden Verse reimen, selten gibt es reimlose Gedichte. Das Versamaß sitzt, kaum einmal tanzt eine Silbe aus der Reihe. Blochs Lyrik gewinnt ihre Kraft aus ihrer Authentizität, aus der Erzählsituation heraus und aus seiner Rolle als dichtender Chronist der letzten Kriegsjahre.

 

Im Nachlass entdeckt

 

Bloch wanderte nach Kriegsende in die USA aus. Die drei Jahrgänge des OWC nahm er mit, doch veröffentlicht hat er selbst die Gedichte nicht. Eine Karriere als Lyriker oder überhaupt als Schriftsteller blieb ihm versagt. Erst seine Enkelin, die in seinem Nachlass die Hefte fand, wurde neugierig, kümmerte sich um eine Ausstellung und suchte Wege für eine Veröffentlichung.
Nun hat das OWC seinen Platz in der Anderen Bibliothek gefunden. Und wer die Reihe kennt, wird sich nicht wundern, dass es ein besonders schönes, hervorragend ausgestattetes Buch geworden ist. Der Band enthält farbige Abbildungen sämtlicher Titelseiten und eine große Auswahl der Gedichte (leider nicht alle), er bietet Informationen zu Leben und Werk Blochs und eine Einordnung des Magazins. So entstand eine gediegene, werthaltige Publikation, die des OWC würdig ist. Schade, dass es der Verfasser nicht mehr erleben konnte.

 

Fazit: Beeindruckende Sammlung von Gedichten und Collagen aus dem niederländischen Untergrund. Zeitzeugnisse zwischen beißendem Spott, Melancholie, Hoffnung und Durchhaltewillen. Unbedingt lesenswert.

 

Curt Bloch: Das Unterwasser-Cabaret. 1943 - 1945. Hrsg. v. Aubrey Pomerance, Jüdisches Museum Berlin. Die Andere Bibliothek, Band 483. Berlin: Aufbau, 2025. 369 S., Euro 28.

 

Hinweis: Das komplette OWC und mehr Infos zum Verfasser sowie eingesprochene Gedichte gibt es auf der Seite Curt Bloch - Het OWC. Lesens und hörenswert.

 

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Friedrich Kroner: Der Kreisel

Geschrieben von Petra , in Bücher - SF 21 Dezember 2025 · 343 Aufrufe
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Die Außerirdischen kommen. Nein, es sind keine kleinen grünen Männchen, keine Frogs oder Eroberer vom Mars und auch keine schweren, behaarten, sprechenden Wesen, die aussehen wie eine Kreuzung aus einem Känguruh und einem Erdferkel: In Friedrich Kroners Science-Fiction-Novelle aus dem Jahr 1923 wird die Erde erobert von - Kreiseln! Die Edition Dunkelgestirn hat die Erzählung jetzt in einer kleinen Liebhaber-Auflage erneut herausgebracht und das Buch ist nicht nur aufgrund des Textes etwas Besonderes.
Georg Zenk, der Held dieser Novelle, wacht eines Tages auf, und alles ist anders. Der Student irrt durch die Straßen Berlins, alles ist leer, die Menschen schlafen. Nur einige wenige Personen sind wach, und ob man sich ihnen anvertrauen kann, ist gar nicht so sicher. Nach und nach erfährt Georg, was passiert ist. Ein gewaltiger Kreisel ist mitten in Berlin gelandet. Das außerirdische Wesen entließ später sieben kleinere Kreisel, die so genannten Länderkreisel, aus sich, die sich auf unterschiedliche Staaten verteilten, wo sie insgesamt rund 800 weitere kleine Kreisel freisetzten.

 

Die Erde dreht sich langsamer

 

Die Außerirdischen verfolgen mit ihren Drehbewegungen eine konsequente, perfide Strategie: Sie verlangsamen die Erdumdrehung. Mit fatalen Folgen. Schon nähert sich der Mond der Erde, ein Aufschlag scheint nicht mehr abzuwenden. Doch werden es die Menschen überhaupt noch bemerken? Durch die verlangsamte Erdumdrehung - schon dauert ein Tag das siebenhundertfache unserer gewohnten Zeit - verlangsamte sich auch der Biorhythmus der Menschen, sie werden immer müder und müder, und sie schlafen, schlafen, schlafen ...

 

Absurde Form der Eroberung

 

Es ist eine herrlich absurde, erfrischend skurrile Form der Eroberung. Zumal die Kreisel es gar nicht erst für erforderlich halten, mit der Menschheit zu kommunizieren. Auch was sie eigentlich auf der Erde wollen, wird nicht gesagt, die Kreisel stellen keine Forderungen. Der alte Wachmann, der vor dem herankreiselnden neuen Herrn schon einmal einen tiefen Bückling macht, wird jedenfalls nicht weiter beachtet. Und die Versuche, in den USA einen der Länderkreisel zu zerstören, scheinen allenfalls eine vage Hoffnung zu bieten.

 

Kleinod in exquisiter Aufmachung

 

Kroner hat eine einzigartige, ungewöhnliche Geschichte geschaffen, von der man gar nicht begreifen kann, dass sie so lange vergessen war. Eric Hantsch von der Edition Dunkelgestirn ist es zu verdanken, dass dieses Kleinod nun wieder zugänglich gemacht wurde. Und wie in der Edition gewohnt, ist auch die Gestaltung des Büchleins wieder einfach nur zum Niederknien. Ein geschmackvolles schmales Hardcoverbüchlein mit farbigem Umschlag, mit Cover-Prägung und Lesebändchen, mit unsentimental-spacigen Illustrationen von Jörg Neidhardt, mit Unterschriften des Herausgebers und des Illustrators. Als Beigabe ist die Geschichte "Wir kaufen uns einen Roboter". die trotz ihres Alters - sie erschien 1932 - erschreckend aktuell wirkt. Es geht um Roboter, die, von den Erbauern und Kunden ungewollt - Emotionen und einen eigenen Charakter entwickeln. Hinzu kommt ein Nachwort von Eric Hantsch, der den Leser über Kroner, sein Werk und seine Zeit aufklärt. Sehr erhellend und außerordentlich lesenswert.

 

Fazit: Ein spannender, wieder entdeckter Text, neu präsentiert in einer außerordentlich ansprechenden Ausgabe. Wunderbar.

 

Friedrich Kroner: Der Kreisel. Hrsg. v. Eric Hantsch, illustriert von Jörg Neidhardt. Edition Dunkelgestirn, 2025. 129 S., Euro 16.

 

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Melanie Vogltanz: Rabensohn

Geschrieben von Petra , in Bücher - phantastisch 20 Dezember 2025 · 277 Aufrufe
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Um eine besonders schaurige Mordserie im viktorianischen London geht es in "Rabensohn" von Melanie Vogltanz. Die Autorin schuf eine düstere Novelle von unausweichlicher Tragik und erzählt von einem Verbrecher, dessen Schicksal unter die Haut geht.
Die Heldin der Erzählung ist die junge Shannon, eine Halbwaise, die von ihrer Stiefmutter schikaniert wird. Als sie - vierzehnjährig - auch noch mit einem steinalten Witwer verheiratet werden soll, flieht sie aus dem Elternhaus, hinein in die dunklen und kalten Gassen Londons. Das Überleben allein als obdachlose junge Frau ist härter, als sie es sich vorgestellt hat, doch schließlich kann sie sich mit selbst gebasteltem Glasschmuck ein kleines Einkommen verschaffen und findet eine Unterkunft bei einer freundlichen älteren Dame.

 

Rabe ermordet Katze

 

Shannon wird gezeigt als eine herzliche, hilfsbereite junge Frau. Schon in der Eingangsszene ist der Leser mit dabei, wenn sie sich nachts aus dem Haus schleicht, um der Straßenkatze Mittens etwas zu Essen zu bringen. Eine Tat, die ihr bei der Stiefmutter eine empfindliche Strafe einträgt. Auch später, als sie das Haus verlassen hat, ist Mittens an ihrer Seite - bis das Tier eines Tages Opfer des grausamen Rabenmörders wird.
Doch Shannon hilft auch einem auf der Straße lebenden, offenbar geistig behinderten Jungen. Sie verschafft ihm etwas zu essen und lockt ihn mit ihrem glitzernden Glasschmuck zu sich. Nach und nach gewinnt der Junge Vertrauen zu ihr und nimmt das Essen an ...

 

Auf der Jagd nach dem Mörder

 

Shannon kann, trotz ihrer geringen Mittel, ein wenig Wärme und Freundschaft in diese Welt bringen. Umso härter und grausamer brechen die schrecklichen Rabenmorde in ihr Leben ein. Plötzlich findet sie ihre Katze ermordet und auf grausame Art verstümmelt. Der Mörder hat ihr die Augen herausgerissen. Und auch die liebevolle Wirtin Shannons wird ein Opfer des "Raben" und eines Tages ermordet und ohne Augen aufgefunden.
Doch Shannon hat etwas beobachtet. Entschlossen macht sich die junge Frau auf die Suche nach dem Mörder. Eine gefährliche Aufgabe, eine Jagd auf einen Täter, der vielleicht selbst gar nicht versteht, was er getan hat, naiv und mitleidslos zugleich und dabei getrieben von Angst. Und selbst als der "Rabe" gefasst und die Mordserie beendet ist, bleibt ein bitterer Nachgeschmack zurück. Ist das Urteil gerecht? Nach bundesrepublikanischer Rechtsauffassung jedenfalls nicht.

 

Klassische düstere Novelle

 

Melanie Vogltanz hat eine klassische Novelle voller düsterer Spannung geschaffen. Atmosphärisch dicht und in eingängiger Sprache, klar strukturiert und zielstrebig führt sie den Leser durch eine rabenschwarze Welt, bis die Geschichte ihr böses, schwarzes Ende gefunden hat. Tragisch, düster und doch voller Zauber. Eine ganz große Erzählerin.

 

Fazit: Düstere Geschichte über einen Serienmörder mit einem besonders schrecklichen Modus Operandi. Vielleicht nichts für schwache Nerven, aber es geht nicht um sinnloses Herumgesplattere. Jedes ausgestochene Auge hat einen Sinn. Großartige Novelle, unbedingt empfehlenswert.

 

Melanie Vogltanz: Rabensohn. Eine dunkle Novelle. 2024. 73 S., Euro 6.

 

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BuCon 2025: Ich war dabei

Geschrieben von Petra , in Unterwegs 19 Oktober 2025 · 822 Aufrufe
Unterwegs, BuCon, Buchmessecon und 1 weitere...

Die Frankfurter Buchmesse brauche ist nicht - aber der Buchmesse-Convent am Buchmessesamstag ist Pflicht. Klar, dass ich auch dieses Jahr wieder nach Dreieich fuhr. Ich hatte eine Lesung zusammen mit der Kollegin Andrea Tillmanns, mit der ich mir auch einen Büchertisch teilte. Und natürlich habe ich wieder viele tolle Kollegen getroffen und viel zu viele Bücher gekauft (falls man überhaupt zu viele Bücher kaufen kann).
Meinen Wecker hatte ich auf 4 Uhr morgens gestellt, was grausam früh war, aber offenbar gerade noch rechtzeitig. Denn dank des staulosen, aber doch etwas zähen Verkehrs auf den Autobahnen hat es doch einige Zeit gebraucht bis ins Mekka der Phantastik-Szene. Mein Begleiter unterwegs war übrigens eine Hörbuch-/Hörspielbox mit diversen Texten von E.T.A. Hoffmann, sehr gut gemacht, dazu vielleicht im Dezember mehr hier im Blog. Jedenfalls kam ich, trotz großzügig integrierter Pufferzeiten gerade mal 15 Minuten vor dem offiziellen Con-Beginn vor dem Bürgerhaus in der Fichtestraße 50 ein.
Andrea und ihr Mann Guido, die bereits am Vortag angereist waren (kluge Entscheidung, warum bin ich bloß jedes Mal so dumm und geizig?), hatten schon eine Tischdecke ausgebreitet und die Hälfte des Tischs bestückt. Andrea packte auch gleich mit an und half mir beim Bücherkistenschleppen.

 

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Star auf meinem Tisch war natürlich "Das intergalaktische Bestiarium", das im Frühjahr erschienen war. Die letzten Bände. Verleger Eric Hantsch von der Edition Dunkelgestirn hatte mir sicherheitshalber noch ein paar Bücher mitgebracht, die auch im Laufe des Tages weggingen. Ansonsten hatte ich mein zweitjüngstes Werk "Das Herz des Donnervogels" und mein drittjüngstes "Falkenblut" prominent platziert.
Bei Andrea galt es, die Neuerscheinung "Die Tage des Drachen" zu feiern. Das Cover ist schon mal sensationell. Es ist eine Kurzgeschichtensammlung, aus der es später noch eine Kostprobe gab. Ich habe viele alte Freunde wiedergetroffen und auch ein paar neue Freunde, die ich aus dem Netz kenne, erstmals live vor mir gesehen. Etwas stressig ist es ja, wenn man einen Tisch hat, zwischendurch auf eigene Expeditionen zu gehen, aber mit Guido und Andrea als Dreierteam klappte die Abwechslung recht gut.

 

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Meine Mitbringsel vom Con
Friedrich Kroner: Der Kreisel (Edition Dunkelgestirn).
Andrea Tillmanns: Die Tage des Drachen (BoD); Tod im Wald der Engel (BoD); Das Glück wohnt gleich nebenan (Ulrich Burger Verlag).
Juliane Seidel: Herz aus Kristall (Tagträumer-Verlag).
Monika Grasl und Asmodina Tear: Die Rache der Baba Jaga (Verlag Torsten Low).
F.T. Bock: Durch die Zeit reisen und in Ärsche treten (Verlag Torsten Low).
Plüschies Alive (Leseratten-Verlag).
Johannes Anders: Miranda Wohlfahrt (Rogue Books I. Service).
Melanie Vogltanz: Rabensohn (Booksfactory).
Iva Moor: Das Lied der Tollpatsche (Prepon).
E.S. Schmidt: Die Rückkehr der Elynn.
H. Thomsen: Irrlicht. 1: Absturz (Epubli).
Johannes Anders: Erdaufstand (Saphir im Stahl).
Das gibt einen schönen, langen Leseherbst.

 

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Unsere Lesung, die wir unter das Motto "Merkwürdige Tiere" gestellt hatten, begann um 14.30 Uhr. Wir lasen im Raum "HdB" ("Hinter der Bühne"). Den kannte ich bisher noch nicht. Er liegt im ersten Stock, ist klein und kuschelig, und wir hatten ein Lesesofa, in dem man fast versank. Andrea bevorzugte es, im Stehen zu lesen. Ich bin eine unsportliche alte Frau und setzte mich lieber hin. Atmungstechnisch ist das zusammengeklappte Lesen im Sofa nicht optimal, und für längere Lesungen dort oben empfehle ich einen Stuhl. Für einen Text, der etwas länger ist als 10 Minuten, war es aber in Ordnung.

 

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Die Lesung stellte uns planungstechnisch vor einige Probleme, da Andrea fast zeitgleich an dem Poetry-Slam teilnahm. Sie hatte das Glück, dass sie beim Slam mit der Startnummer 1 ins Rennen ging, dann bestritt sie den ersten Teil unserer Lesung mit zwei Auszügen aus "Erik im Land der Drachen" (Neuausgabe des 2008 erschienenen Kinderbuchs) und einem Probehappen aus der neuen Kurzgeschichten-Sammlung "Die Tage des Drachen" und begab sich zur Siegerehrung, wo sie leider nicht auf dem Treppchen landete, aber die Teilnahme war ja schon eine Auszeichnung.
Ich hatte mir für die zweite Hälfte aus dem "Intergalaktischen Bestiarium" die Geschichte "Die Parasiten" ausgesucht, die inzwischen mein Zugpferd bei Lesungen ist. Man kann da so schön fluchen. Die Zuhörer erlebten also eine temporeiche und gefährliche Autofahrt mit dem Instituts-Faktotum Roderic und anschließend die Entdeckung einer Grauen erregenden Kultstätte der Urbevölkerung des Planeten Lost Glory. Zum Abschluss gab es Applaus, in den ich reflexhaft mit einfiel (warum soll man nicht auch mal sein eigenes Publikum beklatschen?) und den Rat, aus dem Bestiarium ein Hörbuch zu machen. Mal überlegen.

 

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Sehr gefreut habe ich mich über eine andere Veranstaltung auf dem BuCon: Die neue Generation der Storyolympiade ist jetzt offiziell in Amt und Würden. Marty und Felix, die seit Urzeiten die Gesichter des Wettbewerbs sind, haben die Fackel an das Team Fia/Aimée/Katherina/Beatrice weitergegeben. Eine kleine Zeremonie, nach der Marty und Felix sich eigentlich von der Bühne verdrücken wollten. Doch sie wurden völlig überraschend aufgehalten. Die beiden erhielten nämlich für ihre Arbeit den BuCon-Ehrenpreis erhalten für jahrelanges Engagement im Sinne der Phantastik.

 

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"Und wir waren wirklich überrascht! Echt alle haben dicht gehalten. Nicht mal Torsten Low wusste was", erzählte Marty hinterher. Vorher hatten beide noch erfahren, dass die Fackelübergabe vor der Preisverleihung über die Bühne gehen soll, und sich riesig gefreut, weil sie ja dann ein größeres Publikum hatten. "Doch dann als wir uns verabschieden und viel Spaß zur nachfolgenden Preisverleihung wünschen wollten, haben Stefan Cernohuby und Kurt uns aufgehalten... nein, nein, noch dürfen wir nicht gehen... Tja echt fies ... da stehst du und denkst dir nix und plötzlich bekommt man den BuCon Ehrenpreis 2025 verliehen... Felix und ich waren überwältigt und fast sprachlos."

 

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Ich habe die Trophäe später in Augenschein nehmen können, sie sieht einfach nur edel aus, vor allem im mit grünen Stoff ausgelegten Kasten. Hochverdient, und von mit auch noch mal ein dickes Dankeschön für die jahrelange gemeinsame Arbeit dazu.
Was gibt es noch zu berichten? Viele interessante Gespräche, einen oder mehrere Anthologiepläne, viele verpasste Foto-Gelegenheiten (ich vergesse es einfach immer wieder, ich denke eben nur in Buchstaben), ein schon mal eingesteckter Flyer für den MarburgCon nächstes Jahr. Das Con-Team meldete inzwischen, dass es wieder über 1000 Besucher waren, allerdings kam es mir trotzdem sehr entspannt und luftig vor, wir haben uns gut verteilt.
Der Con endete um 20 Uhr, mit zusammenpacken, Auto-Beladen und Verabschieden vielleicht noch eine halbe Stunde länger. Für mich schloss sich noch eine lange Nachtfahrt über relativ leere Autobahnen an. Begleitet hat mich wieder meine E.T.A.-Hoffmann-Box. Genau um 23.58 Uhr rollte ich zu Hause in Sillium auf den Parkplatz, als der Deutschlandfunk gerade die "Ode an die Freude" spielte. Ich war tierisch müde, stöberte nochmal im Netz nach ersten fotografischen Lebenszeichen der Kollegen und fiel dann ins Bett. Den nächsten Tag war ich fast zu nichts mehr zu gebrauchen. Aber das war es locker wert. ;-) Nächstes Jahr wieder.

 

Text: Petra Hartmann
Fotos: Thomas Backus, Guido Ehrmann, Joerg Ritter, Petra Hartmann




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Armando Sinister: Verführerisches Aztekengold

Geschrieben von Petra , in Bücher - phantastisch 11 Oktober 2025 · 695 Aufrufe
Azteken, Horror und 1 weitere...

Habgier, Raub, Rausch, Entführung und die alten Götter der Azteken: Darum geht es in Armando Sinisters Kurzgeschichte "Verführerisches Aztekengold", einer Gruselstory, die der Autor als Book on Demand erscheinen ließ. Das schmale Bändchen ist der Auftakt einer Reihe, dem inzwischen bereits mehrere weitere düstere Büchlein im Hosentaschenfomat folgten.
Die Geschichte spielt im Jahr 1520 auf der Insel Tortuga und nimmt ihren bösen Auftakt in einer Spelunke, in der ein Indio sich offenbar hemmungslos betrinkt. Da der Mann im vermeintlichen Rausch mehr oder weniger deutliche Hinweise auf ein geheimes Goldversteck der Azteken von sich gibt und seine Zeche mit echtem Gold bezahlen will, wird der Piratenkapitän Alejando auf ihn aufmerksam. Alejandro, der in dieser Geschichte als Ich-Erzähler fungiert, gibt dem Indio Ometo einen Krug Met nach dem anderen aus.
Alejandros Spendierfreude wird belohnt. Sturzbetrunken lallt der Indio schließlich etwas von einer geheimen Insel, auf die sich die Azteken zuckzogen. Unvorstellbare Goldschätze sollen dort lagern. Eine gefährliche Schiffsexpedition beginnt, an deren Ende die Piraten etwas völlig anderes finden, als sie erwartet haben. Und: Nein, nur weil Alejandro aus der Ich-Perspektive erzählt, bedeutetet das nicht, dass sein Überleben gesichert ist.

 

Ein metmagisches Aenteuer?

 

Armando Sinister ist ein offenes Pseudonym, hinter dem sich der Autor Rainer Wüst verbirgt. Die bedeutende Rolle, die das Getränk Met in dieser Geschichte spielt, und der Umstand, dass der Autor den Text seiner Lebensgefährtin Nadine Muriel gewidmet hat, legt den Schluss nahe, dass die Story ursprünglich einmal für die von Muriel herausgegebene Anthologie "Met-Magie" oder deren zweiten Teil bestimmt gewesen war.
Eine solche Anthologie wäre auch auf jeden Fall ein sehr guter Platz für die vorliegende Kurzgeschichte gewesen. Als Einzelveröffentlichung, obwohl sicher nicht schlecht geschrieben, wirkt die Geschichte dagegen etwas "dünn". Mit netto 17,5 Seiten für 4,99 Euro hat der Leser ziemlich wenig in der Hand. Vielleicht wäre der Autor besser beraten, seine Gruselkurzgeschichten nicht in Einzelbänden, sondern in einem etwas dickeren Sammelband zu veröffentlichen.
Die Geschichte ist gut und spannend geschrieben, der Autor fängt die düstere, klebrige Atmosphäre einer Hafenkaschemme oder einer Piratenexpedition auf eine vermeintliche Schatzinsel geschickt ein und spinnt seinen Faden gekonnt ab, bis die Ereignisse die schlimmste aller möglichen Wendungen genommnen haben. Insofern: Ganz klar, Daumen hoch. Aber etwas dicker hätte das Buch schon sein dürfen.

 

Fazit: Kurzgeschichte, gut erzählt, aber ziemlich dünn für eine Einzelveröffentlichung. Als Teil einer Geschichtensammlung wäre der Text besser aufgehoben gewesen.

 

Armando Sinister: Verführerisches Aztekengold. Sinisters Dark World 1. Gruselkurzgeschichte. Norderstedt: Books on Demand, 2025. 22 S., Euro 4,99.

 

© Petra Hartmann




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Der neue Stern stellt das Bestiarium vor

Geschrieben von Petra , in Bestiarium 01 Oktober 2025 · 336 Aufrufe
Bestiarium

Der neue Stern, bekannt als Zentralorgan des guten Geschmacks, stellt in seiner Septemberausgabe "Das intergalaktische Bestiarium" vor. Es gibt einen Bericht über unsere Lesung im Leipziger "Haus des Buches", verfasst von Thomas Hoffmann, und eine Rezension des Buchs von Bernd Wiese.

 

Bernd Wiese schreibt:
"Petra Hartmann hat fantastische Landschaften und Tiere geschaffen, die in einem Sammelsurium eines kosmischen Zoologen unserem Geist vorgeführt werden. Doch bei aller Fantastik werden hier trotzdem mal lustig, mal melancholisch auch Gegenwartsprobleme von Natur- und Umweltschutz verschlüsselt. Grundlage der Erzählungen sind die fantastischen Grafiken von Thomas Hofmann (...), denn anders als sonst üblich gab es erst die Zeichnungen, zu denen dann Petra Hartmann stimmige, kongeniale Storys konstruiert hat."
Gelobt wird, dass Verleger Eric Hantsch die Geschichten in seiner "gewohnten hochqualitativen und Bücherfreunde ansprechenden Weise" herausbrachte.

 

In seinem Lesungsbericht erzählt Thomas Hofmann von den Vorbereitungen und Befürchtungen im Vorfeld und darüber, dass es dann doch "mehr Besucher als befürchtet" wurden und mehr als bei Bestseller-Autor Nils Westerbror. "Und die, die da waren, hatten ihren Spaß, wie man lauten Lachern und anderen Rufen der Anteilnahme entnehmen konnte."
Thomas erzählt von seiner Bilderpräsentation und der erfolgreichen Suche nach unserem Protagonisten, der auf dem Titelbild tatsächlich zu finden ist. Über meinen Part schreibt er:
"Petra ist eine supergute, wirklich professionelle Interpretin ihrer Texte. Sie baute entsprechende Höhepunkte ein, die dann quasi erweckende Impulse auslösten. Das Publikum ging mit: habe ich selten so erlebt."
Besonders gefiel ihm anscheinend die Lesung aus "Die Parasiten". Dazu schrieb er: "Hier entfaltete Petra ihre vollen schauspielerischen Qualitäten, besonders, wenn es ans Fluchen ging, was eine Nebenfigur, Roderic, ganz gut beherrschte." Und die Leser und ich erfuhren aus dem Artikel, warum der Verleger Eric Hantsch das Projekt so mochte, dass er uns aufnahm: Es erinnerte ihn an den DDR-SF-Klassiker "Die Reise zum Stern der Beschwingten" von Gerhard Branstner. (Memo an mich: Kaufen und lesen.)
Thomas zitierte auch meinen verzweifelten Ausruf beim Blick auf seine Bilder: "Was hat der Mann sich denn jetzt wieder ausgedacht?" Seine gelassene Antwort darauf: "Die Wahrheit ist: Ich brauchte mir gar nichts dabei zu denken, denn das war ja ihr Job!"

 

Es gibt übrigens beim Verlag nur noch 17 Exemplare des Buchs. Also, falls ich "Das intergalaktische Bestiarium" lesen wollt, holt es euch schnell bei der Edition Dunkelgestirn.

 

Der Neue Stern ist der Rundbrief an die Freunde des Andromeda Science Fiction Clubs Halle. Nummer 116, 9/2025 trägt diesmal einen Titel im Riograndenser Hunsrückisch: "Nay xtërn".








Das intergalaktische Bestiarium, 2025

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Was verbirgt sich hinter dem Tor des Krkt-jinn und warum verliert der Planet Light Lady seine Schwerkraft? Kann die Heimat der Regenbogenkatzen noch gerettet werden? Gibt es das sagenhafte Tier der Unordnung wirklich? Sind die irrsinnigen Prophezeiungen über das Wiedererwachen des unheiligen Urgottes Chthonio möglicherweise doch ernst zu nehmen? Und ist wirklich jeder dem Tod geweiht, der der Wurzel allen Übels begegnet?

Das Universum hat viele Wunder hervorgebracht, aber keines ist größer als das Leben. Ein paar der ungewöhnlichsten Lebewesen aller Welten sind in diesem intergalaktischen Bestiarium zu finden. Thomas Hofmann und Petra Hartmann haben sie aufgespürt.

 

Buch-Infos:

Das intergalaktische Bestiarium. Text: Petra Hartmann / Zeichnungen: Thomas Hofmann. Neustadt in Sachsen: Edition Dunkelgestirn, Mai 2025. 180 Seiten.
Reichhaltig mit Illustrationen von Thomas Hofmann versehen, zu denen die Texte von Petra Hartmann verfasst wurden. Gebunden in blaues Leinen, mit Leseband, silberner Prägung auf dem Buchrücken und Schutzumschlag. Versehen mit den Signumklischees der Autoren, nummeriert und auf 100 Exemplare limitiert. 32,90 Euro.

 

 

 

Das Herz des Donnervogels, 2023

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Ein Indianer taucht in dem verschlafenen Küstenstädtchen Kitty Hawk auf. Die Witwe Murdoch ist überzeugt, dass der Fremde ein Kundschafter ist und bald seine roten Spießgesellen zum Morden und Plündern mitbringen wird. Doch Junger Adler hat andere Pläne. Er träumt vom Fliegen und wartet auf das Eintreffen zweier verrückter Fahrradhändler.
Karl-May-Fans kennen Junger Adler bereits aus dem Roman Winnetous Erben. Die Vorgeschichte zu diesem Buch wird nun von Petra Hartmann erzählt.

 

Buch-Infos:
Petra Hartmann: Das Herz des Donnervogels

Band 18, Abenteuer-Roman
Exklusive Sammler-Ausgabe
Seiten: 282

Taschenbuch
VÖ: April 2023

2. Auflage: April 2024.
Künstler: MtP-Art (Mario Heyer)
Künstler (Innenteil): MtP-Art (Mario Heyer)
Preis: 12,95 Euro

 

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Das E-Book ist zum Preis von Euro 3,99 erhältlich.

Unter anderem bei Amazon

oder direkt beim Blitz-Verlag.

 

 

 

Falkenblut, 2020

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Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen. Einzig Widar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus ...

Es ist eine schaurige Welt, in der sich die junge Walküre behaupten muss. Doch Valkrys wäre keine echte Falkin, wenn sie einem Kampf aus dem Weg gehen würde. Todesmutig und mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor stürzt sie sich in die Begegnungen mit Jöten, Thursen, Reifriesen, Seelenräuberinnen, Werwölfen, Berserkern, Hexen, Meerungeheuern und dem furchtbaren Totenschiff Naglfari.

 

 

Petra Hartmann: Falkenblut.

Sibbesse: Hottenstein, 2020.

Broschiert, 247 S., Euro 11.

ISBN 978-3935928991

 

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Bestellbar unter anderem bei Amazon

Hörbuch: Drachen! Drachen! 2020

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Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen! Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren. Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist - und gelegentlich fies!

Die Autoren: Rainer Schorm, Achim Mehnert, Andrea Tillmanns, Malte S. Sembten, Frank G. Gerigk, Christel Scheja, Fiona Caspari, Hendrik Loy, Christiane Gref, Linda Budinger, Miriam Pharo, Carsten Steenbergen, Rebecca Hohlbein, Frank W. Haubold, Melanie Brosowski, Astrid Ann Jabusch, Thomas R. P. Mielke, Karsten Kruschel, Marc A. Herren, Petra Hartmann, Monika Niehaus, Uwe Post.

 

Herausgeber: Petra Hartmann, Frank G. Gerigk

Sprecher: Tim Schmidt

Blitz-Verlag

Ungekürzte Lesung

mp3-Download

611 Minuten, 495.91 MB

9783991093435

 

Zu bestellen unter anderem bei Thalia oder bei Amazon.

Nestis und die verbotene Welle, 2017

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Meerprinzessin Nestis und ihre Freunde sind sauer: Lehrer Seestern meint, dass laute Haifischmusik nichts für Kinder ist. Und der Kronrat stimmt ihm zu. Deshalb bekommt die Band »Ølpæst« Auftrittsverbot in der gesamten Nordsee. Doch plötzlich ist deren Musik überall zu hören: Ein Piratensender strahlt die Hits der Knorpelfischgang lautstark aus.

Als eine hochexplosive Kugelmine über dem blauen Glaspalast im Meer dümpelt und ein führungsloser Öltanker in die Nordsee einfährt, droht eine wirkliche Ölpest. Gelingt es den Meerkindern, ein Unglück zu verhindern?

 

Petra Hartmann: Nestis und die verbotene Welle. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Voraussichtlich ab Juni 2017 erhältlich.

Buch-Infos: ca. 152 Seiten, 14,2 x 20,6 cm, Hardcover, zahlreiche s/w-Illustrationen, mit Fadenheftung, Euro 14,90, ISBN 978-3-977066-00-1

 

Leseprobe

 

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Demantin, 2016

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Demantin, der junge König von Antrium, liebt die griechische Königstochter Sirgamot. Doch ihr Vater ist strikt gegen die Hochzeit. Immerhin ist Sirgamot erst zwölf Jahre alt. So zieht Demantin in die Welt, um Ruhm zu erwerben, den Namen seiner Geliebten durch seine Taten zu verherrlichen und sich dem griechischen König als Schwiegersohn zu empfehlen. Er besteht heldenhafte Kämpfe, erwirbt sich die Freundschaft der Königin und des Königs von England und besiegt ein schauriges Meerweib. Letzteres allerdings erweist sich als verhängnisvoll. Denn die sterbende Unholdin verflucht Demantin und prophezeit, dass seine Geliebte mit dem üblen König Contriok verlobt werden soll. Kann Demantin noch rechtzeitig zurückkehren, um die Hochzeit zu verhindern?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Demantin. Ein Ritter-Epos
128 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 9-78-3-940078-34-6
8,95 EUR

 

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Leseprobe

 

Crane, 2016

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Gayol, der Sohn des ungarischen Königs, hat in jugendlichem Übermut den alten Hofmarschall seines Vaters zum Wettkampf herausgefordert und eine peinliche Niederlage erlitten. Aus Scham flüchtet er und gerät ins Reich des deutschen Kaisers, wo er unerkannt unter dem Namen Crane (Kranich) eine Stellung als Kämmerer annimmt und bald sehr beliebt ist. Doch als der Fremde und die Kaiserstochter einander näher kommen und Hofbeamten Unzucht und eine unstandesgemäße Liebschaft wittern, beginnt eine schwere Zeit für Königssohn und Kaiserstochter. Kann Gayol sich auf die Treue Acheloydes verlassen? Und kann die lebensbedrohliche Krankheit der Prinzessin noch geheilt werden?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Crane. Ein Ritter-Epos
84 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 978-3-940078-48-3
6,95 EUR

 

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Leseprobe

Hut ab, Hödeken! 2015

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Ein rasender Bischof auf dem Rennstieg.
Wegweiser, die sich wie von Geisterhand drehen.
Jäger in Todesangst.
Bierkutscher mit unheimlicher Fracht.
Ein stammelnder Mönch,
der plötzlich zum brillanten Redner wird.
Sollte da Hödeken seine Hand im Spiel haben?
Sagen um einen eigenwilligen Geist
aus dem Hildesheimer Land,
frisch und frech nacherzählt
von Petra Hartmann.

 

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken!

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs.

101 S., Euro 7,95.

ISBN 978-3-940078-37-7

 

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Leseprobe

Freiheitsschwingen, 2015

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Deutschland in den 1830er-Jahren: Für Handarbeit, arrangierte Ehe und Kinderkriegen hat die junge Bürgermeistertochter wenig übrig. Stattdessen interessiert sie sich für Politik und Literatur und greift sehr zum Leidwesen ihres Vaters selbst zur Feder, um flammende Texte für die Gleichberechtigung der Frau und die Abschaffung der Monarchie zu verfassen. Angestachelt von der revolutionären Stimmung des Hambacher Festes versucht sie, aus ihrem kleinbürgerlichen Dasein auszubrechen und sich als Journalistin zu behaupten. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe verschreibt sie sich dem Kampf für ein freies, geeintes Deutschland und schlägt den Zensurbehörden ein Schnippchen. Die Geheimpolizei ist ihnen jedoch dicht auf den Fersen, und die junge Journalistin begeht den verhängnisvollen Fehler, ihre Gegner zu unterschätzen

 

Petra Hartmann: Freiheitsschwingen

Personalisierter Roman

München: Verlag Personalnovel, 2015

ca. 198 Seiten. Ab Euro 24,95.

(Einband, Schriftart und -größe, Covergestaltung etc. nach Wahl.)

 

Bestellen unter:

www.tinyurl.com/Freiheitsschwingen

 

Timur, 2015

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Wer ist der bleiche Jüngling im Verlies unter der Klippenfestung? Prinzessin Thia will ihn retten. Doch wer Timurs Ketten bricht, ruft Tod und Verderben aus der Tiefe hervor. Als der Blutmond sich über den Horizont erhebt, fällt die Entscheidung ...

 

Beigaben:

Nachwort zur Entstehung

Original-Erzählung von Karoline von Günderrode

Autorinnenbiografien

Bibliografie

 

Petra Hartmann: Timur

Coverillustration: Miguel Worms

Bickenbach: Saphir im Stahl, 2015.

ISBN: 978-3-943948-54-7

Taschenbuch, 136 S.

Euro 9,95

 

 

Ulf, 2015

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Ein Roman-Experiment mit ungewissem Ausgang: Ulf (Magisterstudent unbekannter Fachrichtung), stammt aus einem Dorf, das mehrmals jährlich überschwemmt wird. Zusammen mit Pastor Dörmann (Geistlicher unbekannter Konfession) und Petra (Biografin ohne Auftrag) überlegt er, was man dagegen tun kann. Als ein vegetarisches Klavier die Tulpen des Gemeindedirektors frisst und das Jugendamt ein dunkeläugiges Flusskind abholen will, spitzt sich die Situation zu. Nein, Blutrache an Gartenzwergen und wütende Mistgabelattacken sind vermutlich nicht die richtigen Mittel im Kampf für einen Deich ...
Mal tiefgründig, mal sinnlos, etwas absurd, manchmal komisch, teilweise autobiografisch und oft völlig an den Haaren herbeigezogen. Ein Bildungs- und Schelmenroman aus einer Zeit, als der Euro noch DM und die Bahn noch Bundesbahn hieß und hannöversche Magister-Studenten mit dem Wort "Bologna" nur eine Spaghettisauce verbanden.

 

Petra Hartmann:

Ulf. Ein Roman-Experiment in zwölf Kapiteln.

eBook

Neobooks 2015

Euro 2,99

Erhältlich unter anderem bei Amazon

Vom Feuervogel, 2015

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Ein Tempel in der Wüste. Heilige Männer, die sich dem Dienst des Feuervogels geweiht haben. Ein Hirtenjunge, der seinem Traum folgt. Aber wird der alte und kranke Phönix wirklich zu neuem Leben wiederauferstehen, wenn der Holzstoß niedergebrannt ist? Eine Novelle von Idealen und einer Enttäuschung, die so tief ist, dass kein Sonnenstrahl je wieder Hoffnung bringen kann.

 

Petra Hartmann:

Vom Feuervogel. Novelle.

Erfurt: TES, 2015.

BunTES Abenteuer, Heft 30.

40 Seiten, Euro 2,50 (plus Porto).

Bestellen unter:

www.tes-erfurt.jimdo.com

 

eBook:

Neobooks, 2015.

Euro 1,99.

Unter anderem bei Amazon

Nestis und die Hafenpiraten, 2014

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Endlich Sommerferien! Nestis und ihre Freunde freuen sich auf sechs Wochen Freiheit und Abenteuer. Doch ausgerechnet jetzt verhängt der Kronrat ein striktes Ausgehverbot für alle Meerkinder. Denn in der Nordsee treibt plötzlich ein furchtbares “Phantom† sein Unwesen. Möwen, Lummen und Tordalke werden von einem unheimlichen Schatten unter Wasser gezerrt und verschwinden spurlos.

Nestis beschließt, den Entführer auf eigene Faust zu jagen. Als ein Dackel am Strand von Achterndiek verschwindet, scheint der Fall klar: Die gefürchteten “Hafenpiraten" müssen dahinter stecken. Zusammen mit ihrem Menschenfreund Tom wollen die Meerkinder der Bande das Handwerk legen ...

Petra Hartmann: Nestis und die Hafenpiraten
Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014
ISBN 978-3-940078-84-1
14,90 EUR

 

 

Leseprobe unter

 

www.tinyurl.com/nestis2

Blitzeis und Gänsebraten, 2014

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Weihnachten im Potte †¦

†¦ ist so vielfältig wie die Menschen, die dort leben. Und deshalb findet sich auf diesem Bunten Teller mit 24 Hildesheimer Weihnachtsgeschichten für jeden etwas: romantische Erzählungen und freche Gedichte, Erinnerungen an die Nachkriegszeit, Geschichten von neugierigen Engeln, eifrigen Wichteln und geplagten Weihnachtsmännern. Der Huckup und die »Hildesheimer Weisen« fehlen auch nicht. Was es aber mit dem Weihnachtswunder an der B6 auf sich hat, erfahren Sie auf Seite 117. - Greifen Sie zu!

 

 

Petra Hartmann & Monika Fuchs (Hrsg.): Blitzeis und Gänsebraten. Hildesheimer Weihnachtsgeschichten.

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

144 Seiten | 12 x 17 cm | Paperback |

ISBN 978-3-9400787-57-5
8,90 EUR

 

Leseprobe

Beim Vorderhuf meines Pferdes, 2014

Eingefügtes Bild

Das Messer zuckte vor. Fauchend wich die riesige Katze zurück. Doch nur, um sofort wieder anzugreifen. Das Mädchen, das auf dem Leichnam seiner Stute kauerte, schien verloren.
Acht Jahre ist Steppenprinzessin Ziris alt, als sie bei einem Sandkatzenangriff ihr Lieblingspferd verliert. Ist es wirklich wahr, was ihr Vater sagt? "Alle Pferde kommen in den Himmel ..."
Drei Erzählungen aus der Welt der Nearith über edle Steppenrenner, struppige Waldponys und die alte graue Stute aus Kindertagen.

Petra Hartmann: Beim Vorderhuf meines Pferdes. Neue Geschichten aus Movenna. eBook, ca. 30 Seiten. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014. Euro 0,99.

Erhältlich unter anderem bei Amazon.

Darthula, 2014

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Darthula ist die Tochter eines irischen Kleinkönigs, der über das nebelreiche Land Selama herrscht. Als schönste Prinzessin Irlands lebt sie allerdings nicht ungefährlich. Als sie den mächtigen König Cairbar abweist und ihm nicht als seine Braut folgen will, nimmt das Unheil seinen Lauf. Cairbar überzieht das kleine Selama mit Krieg und Vernichtung und rottet Darthulas Familie aus. Mit ihrem Geliebten Nathos wagt die junge Frau die Flucht über die stürmische See. Aber Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...

Beigaben zur Neuausgabe:
Vorwort der Autorin mit Infos zur Entstehungsgeschichte
Übersetzung des "ossianischen Originals"
Autorinnenbiographie und Veröffentlichungsliste

Buch-Informationen:
Petra Hartmann: Darthula, Tochter der Nebel.
Bickenbach: Verlag Saphir im Stahl, 2014.
Taschenbuch. 126 S., Euro 9,95.
ISBN 978-3-943948-25-7

Bestellen bei Saphir im Stahl

Pressearbeit für Autoren, 2014

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Petra Hartmann, Autorin und langjährige Lokalredakteurin, gibt Tipps für die Pressearbeit vor Ort. Sie erklärt die Wichtigkeit der „Ortsmarke“ für eine Zeitung, gibt Tipps zum Schreiben von Artikeln, zum guten Pressefoto und zum Umgang mit Journalisten. Anschaulich, verständlich, praxisorientiert und für Autoren jedes Genres anwendbar.

Petra Hartmann: Pressearbeit für Autoren. So kommt euer Buch in die Lokalzeitung.
eBook. Neobooks, 2014. Ca. 30 Seiten.
Euro 1,99
Diverse Formate, für alle gängigen eBook-Reader.
Erhältlich z.B. bei Amazon, eBook.de, Thalia, Hugendubel, Weltbild u.a.

Nestis und der Weihnachtssand, 2013

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Als kleine Weihnachtsüberraschung gibt es für Fans des "großen" Nestis-Buchs "Nestis und die verschwundene Seepocke" jetzt ein kleines bisschen Weihnachtssand: Der Verlag Monika Fuchs hat aus der "Ur-Nestis", einem Helgoland-Märchen aus dem Jahr 2007, jetzt ein eBook gemacht. Mit einem wunderschönen Cover von Olena Otto-Fradina und mit ein paar exklusiven Einblicken in Nestis' Nordseewelt.

Klappentext:
"November 2007: Orkantief Tilo tobt über die Nordsee und reißt große Teile der Helgoländer Düne ins Meer. Wer soll nun die Robbenküste reparieren? Meerjungfrau Nestis wünscht sich einfach mal vom Weihnachtsmann 500.000 Kubikmeter Sand ..."

Bonus-Material:
Die Autorin im Interview mit Wella Wellhorn von der Meereszeitung "Die Gezeiten"
XXL-Leseprobe aus "Nestis und de verschwundene Seepocke"

Petra Hartmann: Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013. 99 Cent.

Erhältlich für den Amazon-Kindle

Nestis und die verschwundene Seepocke, 2013

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Eine ausführliche Leseprobe findet ihr hier:
www.tinyurl.com/nestis


Wütend stampft Meerjungfrau Nestis mit der Schwanzflosse auf. Ihre Schwester Undine ist von den Menschen gefangen worden – und weder Meerkönig noch Kronrat wagen, die Kleine zu retten. Aber Nestis fürchtet sich nicht einmal vor den furchtbarsten Monstern des Meeres. Zusammen mit ihren Freunden bricht sie auf zur Rettungsaktion, und es zeigt sich, dass tollpatschige Riesenkraken und bruchrechnende Zitteraale großartige Verbündete sind.
Petra Hartmann entführt ihre Leser in eine etwas andere Unterwasserwelt mit viel Humor und Liebe zum Detail. Trotz des phantastischen Meermädchen-Themas findet der Leser auch sehr viel naturnahe Beobachtungen aus Nord- und Ostsee, lernt die Meerbewohner und ihre Probleme kennen. Dabei werden unter anderem auch die Meeresverschmutzung, Fischerei und die wenig artgerechte Haltung von Haien in Aquarien behandelt.
Zauberhaft dazu die Zeichnungen von Olena Otto-Fradina.

Text: Petra Hartmann
Bilder: Olena Otto-Fradina
| Hardcover | 14,8 x 21 cm
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2013
151 S., Euro 14,90
ISBN 978-3-940078-64-3


eBook:
Amazon-Kindle, 2154 KB
Euro 6,99
http://amzn.to/JJqB0b

Autorenträume, 2013

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Autorinnen und Autoren schicken ihre Leser in vergangene Zeiten, ferne Länder, phantastische Welten, spannende Abenteuer und bringen sie zum Träumen.
Wovon aber träumen Autoren? Vom Nobelpreis? Vom Bestseller? Vom Reich-und-berühmt-werden? Oder einfach nur davon, eines Tages vom Schreiben leben zu können? Vom Lächeln auf dem Gesicht eines Kindes, wenn das neue Märchen vorgelesen wird? Oder sind es schreckliche Albträume, die der angebliche Traumberuf mit sich bringt? Werden Schriftsteller nachts im Schlaf gar von Verlegern, Lektoren, Rezensenten oder Finanzbeamten bedroht?
Monika Fuchs und Petra Hartmann starteten eine »literarische Umfrage«, wählten aus den über 300 Antworten 57 phantasievolle Beiträge aus und stellten sie zu diesem Lesebuch zusammen. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen des Autorenalltags und träumen Sie mit!
Von jedem verkauften Buch wird 1 Euro an das Hilfswerk Brot & Bücher e.V. der Autorin Tanja Kinkel gespendet, die auch das Geleitwort zum Buch schrieb.

Petra Hartmann und Monika Fuchs (Hrsg.):
Autorenträume. Ein Lesebuch.
ISBN 978-3-940078-53-7
333 S., Euro 16,90

Bestellen beim Verlag Monika Fuchs

Mit Klinge und Feder, 2013

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Phantasie statt Völkerschlachten - das war das Motto, unter dem die Phantastik Girls zur Schreibfeder griffen. Mit Humor, Gewitztheit und ungewöhnlichen Einfällen erzählen sieben Autorinnen ihre Geschichten jenseits des Mainstreams der Fantasy. Kriegerinnen und gut bewaffnete Zwerge gehören dabei genau so zum Personal wie sprechende Straßenlaternen, Betonfresser oder skurrile alte Damen, die im Bus Anspruch auf einen Behindertensitzplatz erheben. Dass es dennoch nicht ohne Blutvergießen abgeht, ist garantiert: Immerhin stecken in jeder der Storys sechs Liter Herzblut. Mindestens.

Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns.
Mit Geschichten von Linda Budinger, Charlotte Engmann, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl.
Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. 978-3943378078
247 S., Euro 9.
Bestellen bei Amazon

eBook:
396 KB, Euro 5,49.
Format: Kindle
Bestellen bei Amazon

Das Serum des Doctor Nikola, 2013

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Berlin, 1927. Arbeitslos, pleite und mit der Miete im Rückstand: Bankierssohn Felix Pechstein ist nach dem "Schwarzen Freitag" der Berliner Börse ganz unten angekommen. Da erscheint das Angebot, in die Dienste eines fremden Geschäftsmannes zu treten, eigentlich als Geschenk des Himmels. Doch dieser Doctor Nikola ist ihm mehr als unheimlich. Vor allem, als Felix den Auftrag erhält, Nikola zu bestehlen ...

Petra Hartmann: Das Serum des Doctor Nikola
Historischer Abenteuerroman.
ISBN 978-3-938065-92-1
190 S., 12,95 Euro.
Bestellen beim Wurdack-Verlag

Leseprobe

Hörbuch: Der Fels der schwarzen Götter, 2012

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Bei einer Mutprobe begeht der junge Ask einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat.
Bald wissen die Völker des Berglandes nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...

Der Fels der schwarzen Götter.
Hörbuch. 8 Stunden, 57 Minuten.
Sprecherin: Resi Heitwerth.
Musik: Florian Schober.
Action-Verlag, 2012.
CD/DVD: 16,95 Euro
mp3-Download: 11,95 Euro

Hörbuchfassung des 2010 im Wurdackverlag erschienenen Buchs "Der Fels der schwarzen Götter".

Termine

Messen, Cons, Büchertische

 

Samstag, 25. April: Marburg-ConBürgerhaus Weimar (Lahn) - Niederweimar, Herborner Straße 36, 35096 Niederweimar. Beginn: 10 Uhr. Büchertisch ist angefragt.

 

Donnerstag, 14. Mai, bis Sonntag, 17. Mai: Elze im Wunderland. Büchertage des Autorenkreises „Wort für Wort“ und des Hottenstein Buchverlags. Ich bin mit einer Lesung aus "Falkenblut" und einem Büchertisch vertreten. Datum und Uhrzeit folgen.

Links

Meine Heimseite:

www.petrahartmann.de

 

Facebook-Autorenseite:

www.facebook.com/AutorinPetraHartmann/

 

Nestis auf Facebook:

www.facebook.com/nestis.net/

 

Die Falkin auf Facebook:

https://www.facebook.com/FalkinValkrys

 

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Biografie

Petra Hartmann, Jahrgang 1970, wurde in Hildesheim geboren und wohnt in Sillium. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Hannover. Auf den Magisterabschluss folgten die Promotion mit einer Doktorarbeit über den jungdeutschen Schriftsteller Theodor Mundt und ein zweijähriges Volontariat bei der Neuen Deister-Zeitung in Springe. Anschließend war sie dort fünf Jahre Lokalredakteurin. Ferner arbeitete sie für die Leine-Zeitung in Neustadt am Rübenberge, die Nordsee-Zeitung in Bremerhaven, die Neue Presse in Hannover und die Volksstimme in Gardelegen. Derzeit ist sie bei der Goslarschen Zeitung beschäftigt.
Als Schriftstellerin liebt sie vor allem das fantastische Genre. Sie verfasst hauptsächlich Fantasy und Märchen. Bekannt wurde sie mit ihren Fantasy-Romanen aus der Welt Movenna. Mit den Abenteuern der Nordsee-Nixe Nestis legte sie ihre erste Kinderserie vor. Sie errang mit ihren Geschichten dreimal den dritten Platz bei der Storyolympiade und wurde 2008 mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichnet.

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Leserunden zum Nachlesen

Leserunde zu "Darthula, Tochter der Nebel" auf Lovelybooks. Mit Autorin Petra Hartmann und Cover-Künstler Miguel Worms: http://www.lovelyboo...nde/1201913120/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Nestis und die verschwundene Seepocke": Mit Autorin Petra Hartmann und Verlegerin Monika Fuchs:

http://www.lovelyboo...nde/1166725813/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Mit Klinge und Feder": Mit den Autorinnen Linda Budinger, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl: http://www.lovelyboo...nde/1156671163/

 

Leserunde zu "Falkenblut" auf Lovelybooks: https://www.lovelybo...263/2687604262/

Geschichten über Nestis

Bücher
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

"Nestis und die verbotene Welle. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2017.

 

Mini-Buch

"Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2017.

eBooks
"Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.

"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

Hörbuch
"Eine Hand voll Weihnachtssand." In: Petra Hartmann: "Weihnachten im Schneeland". Gelesen von Karin Sünder. Mit Musik von Simon Daum. Essen: Action-Verlag, 2010. (mp3-Download und CD-ROM)

Beiträge zu Anthologien
"Weihnachtssand für Helgoland." In: "Wenn die Biiken brennen. Phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein." Hrsg. v. Bartholomäus Figatowski. Plön: Verlag 71, 2009. S. 163-174.

Hödeken-Lesestoff

Buch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. 101 S., Euro 7,95. ISBN 978-3-940078-37-7. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

 

Hörbuch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. 2 CD. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Euro 14,95. ISBN: 978-3940078414. Unter anderen erhältlich bei Amazon.

 

eBook

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs.

 

Geschichten

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg. In: Hildesheimliche Autoren e.V.: Hildesheimer Geschichte(n). Ein Beitrag zum 1200-jährigen Stadtjubiläum. Norderstedt: Book on Demand. 196 S., Euro 9,99. ISBN 978-3734752698. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

Die glücklose Hasenjagd. In: MVP-M. Magazin des Marburger Vereins für Phantastik. Marburg-Con-Ausgabe. Nr. 19b. S. 36-40.

 

Lesung

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg, Radio Tonkuhle, Sendung vom April 2015.

 

Movenna-Kompass

Übersicht über die Romane und Erzählungen aus Movenna


Bücher

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2004. 164 S.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2007. 188 S.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2010. 240 S.

 

eBooks

 

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Beim Vorderhuf meines Pferdes. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Hörbuch

Der Fels der schwarzen Götter. Action-Verlag, 2012.


Movennische Geschichten in Anthologien und Zeitschriften

Die Krone Eirikirs. In: Traumpfade (Anthologie zur Story-Olympiade 2000). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2001. S. 18-25.
Flarics Hexen. In: Geschöpfe der Dunkelheit (Anthologie zur Story-Olympiade 2001). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2002. S. 22-28.
Raubwürger. In: Kurzgeschichten, September 2004, S. 20f.
Furunkula Warzenkraish. Elfenschrift, dritter Jahrgang, Heft 2, Juni 2006. S. 10-14.
Der Leuchtturm am Rande der Welt. In: Elfenschrift, vierter Jahrgang, Heft März 2007, S. 18-21.
Gewitternacht. In: Im Bann des Nachtwaldes. Hrsg. v. Felix Woitkowski. Lerato-Verlag, 2007. S. 57-60.
Pfefferkuchen. In: Das ist unser Ernst! Hrsg. v. Martin Witzgall. München: WortKuss Verlag, 2010. S. 77-79.
Winter-Sonnenwende. In: Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns. Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. S. 51-59.
Der Reiter auf dem schwarzen Pferd. Ebd. S. 60-68.

Die Blaubeerbrücke. In: Met-Magie. Hrsg. v. Amandara M. Schulzke und Nadine Muriel. Hamburg: Acabus Verlag, 2022. S. 163-174.

 

 

Movennische Geschichten in Fanzines

Föj lächelt. In: Alraunenwurz. Legendensänger-Edition Band 118. November 2004. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 23.
Raubwürger. In: Drachenelfen. Legendensänger-Edition Band 130. Januar 2006. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 3-5.
Goldauge. In Phantastische Geschichten mit den Phantastik Girls. (Broschüre der Phantastik Girls zum MarburgCon 2007)


Aufsätze

Wie kann man nur Varelian heißen? Über das Unbehagen an der Namensgebung in der Fantasy. In: Elfenschrift, 5. Jahrgang, März 2008. S. 16f.


Movennische Texte online

Aus "Geschichten aus Movenna":
König Surbolds Grab
Das letzte Glied der Kette
Brief des Dichters Gulltong
Der Kranich
Die Rückkehr des Kranichs

Aus "Ein Prinz für Movenna":
Der Leuchtturm am Rand der Welt
Furunkula Warzenkraish
Gewitternacht

Aus "Der Fels der schwarzen Götter":
Der Waldalte
Hölzerne Pranken
Im Bann der Eisdämonen

Die Bibliothek der Falkin

Übersicht über die Romane und Novellen über die Walküre Valkrys, genannt "die Falkin"

Bücher

Die letzte Falkin. Heftroman. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2010.
Falkenblut. Sibbesse: Hottenstein-Verlag, Sommer 2020.

eBooks

Falkenblut. Vier Fantasy-Romane. eBook-Ausgabe. Chichili und Satzweiss.com, 2012. (vergriffen)

Falkenfrühling. Novelle. eBook. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2011. (vergriffen)

Falkenfrühling. Novelle. In: Best of electronic publishing. Anthologie zum 1. Deutschen eBook-Preis 2011. eBook. Chichili und Satzweiss.com, 2011. (unter anderem erhältlich bei Thalia und Amazon)


Aufsatz

Aegirs Flotte - ein Nachruf. In: Fandom Observer, Dezember 2011. S. 16-18. Online-Magazin und Blogversion

Drachen! Drachen! 2012

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Frank G. Gerigk & Petra Hartmann (Hrsg.)
DRACHEN! DRACHEN!
Band 01, Drachen-Anthologie
ISBN: 978-3-89840-339-9
Seiten: 384 Taschenbuch
Grafiker: Mark Freier
Innengrafiker: Mark Freier
Preis: 14,95 €
Bestellen beim Blitz-Verlag

Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen! Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren.
Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist - und gelegentlich fies!

Die Autoren:
Rainer Schorm, Achim Mehnert, Andrea Tillmanns, Malte S. Sembten, Frank G. Gerigk, Christel Scheja, Fiona Caspari, Hendrik Loy, Christiane Gref, Linda Budinger, Miriam Pharo, Carsten Steenbergen, Rebecca Hohlbein, Frank W. Haubold, Melanie Brosowski, Astrid Ann Jabusch, Thomas R. P. Mielke, Karsten Kruschel, Marc A. Herren, Petra Hartmann, Monika Niehaus, Uwe Post.
Originalveröffentlichung!

Die Schlagzeile, 2011/2012

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Petra Hartmann: Die Schlagzeile.
Personalisierbarer Roman.
PersonalNovel Verlag, 2011.
eBook: PersonalNovel, 2012.
Personalisieren und bestellen

Verschlafen und idyllisch liegen sie da, die Orte Barkhenburg, Kleinweltwinkel und Reubenhausen. Doch dann stört der Diebstahl einer Heiligenfigur die Ruhe: Ein jahrhundertealter Hass bricht wieder aus und ein hitziger Streit entflammt, der aus Freunden Feinde und aus friedlichen Nachbarn sich prügelnde Gegner macht. Mittendrin: Eine Journalistin, die bereit ist, für eine Schlagzeile im Sommerloch alles zu geben. Mit viel Einsatz und einer Prise Humor versucht sie, das Geheimnis um die verschwundene Hubertus-Statue aufzuklären, und muss sich dabei mit erregten Politikern, aufgebrachten Dorfbewohnern und einem nervösen Chefredakteur herumschlagen. Aber die Journalistin lässt sich nicht unterkriegen - bis ihr ein Anruf fünf Minuten vor Redaktionsschluss die Schlagzeile zunichtemacht...

Falkenblut, 2012

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Petra Hartmann: Falkenblut.
Vier Romane in einem Band.
E-Book
Satzweiss.com - chichili agency, 2012.
3,99 Euro

 

Nicht mehr lieferbar!

Neuausgabe in Vorbereitung.


Die Abenteuer der jungen Walküre Valkrys beginnen an ihrem ersten Arbeitstag und ausgerechnet dort, wo die germanischen Götter- und Heldensagen enden: Ragnarök, die Endzeitschlacht, ist geschlagen, Götter und Riesen haben sich gegenseitig aufgerieben, die wenigen Überlebenden irren ziellos durch die Trümmer des zerbrochenen Midgard. An der Seite des neuen Götterkönigs Widar muss sich Valkrys nun behaupten. Dabei trifft sie auf Jöten, Thursen, Reifriesen, Seelenräuberinnen, Werwölfe, Berserker, Hexen, riesenhafte Meerungeheuer und das furchtbare Totenschiff Naglfari. Leseempfehlung ab 12 Jahren.

Meine Bücher 1998 - 2011

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Petra Hartmann
Falkenfrühling
eBook
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN: 978-3-939139-59-1

Wegen Verkauf des Arcanum-Verlags ist die Ausgabe nicht mehr erhältlich, aber die Zweitveröffentlichung in der eBook-Anthologie "Best of electronic publishing" gibt es noch als epub oder Kindle-Ausgabe.

Valkrys träumt davon, eine echte Walküre zu sein. Sie springt, noch Kind, vom Dach des Langhauses.
Alle Ermahnungen ihrer Eltern sind vergeblich, sie macht sich an den Aufstieg zum Gipfel der nahen Klippe, besessen vom "Traum vom Fliegen" ...

Fünfter Platz beim Deutschen eBook-Preis 2011.

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Petra Hartmann
Die letzte Falkin
Roman.
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-62-1
Bestellen beim Arcanum-Verlag

Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen. Einzig Vidar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus †¦


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Petra Hartmann
Der Fels der schwarzen Götter
Roman
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-64-8
Bestellen beim Wurdack-Verlag


Hochaufragende Felswände, darin eingemeißelt weit über tausend furchteinflößende Fratzen, die drohend nach Norden blicken: Einer Legende zufolge sind die schwarzen Klippen das letzte Bollwerk Movennas gegen die Eisdämonen aus dem Gletscherreich.
Doch dann begeht der junge Ask bei einer Mutprobe einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat. Und die Völker des Berglandes wissen bald nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...


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Petra Hartmann
Darthula
Heftroman
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-32-4
Bestellen beim Arcanum-Verlag


Darthula, die schönste Prinzessin der Nebellande, beschwört Krieg, Tod und Vernichtung über ihr heimatliches Selama herauf, als sie den Heiratsantrag des mächtigen Königs Cairbar ausschlägt. Zusammen mit ihrem Geliebten flüchtet sie in einem kleinen Segelboot übers Meer. Doch Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...


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Petra Hartmann
Weihnachten im Schneeland
Hörbuch
Action-Verlag
Download bei Audible
CD bestellen beim Action-Verlag

WEIHNACHTEN IM SCHNEELAND von Petra Hartmann vereint vier wundervolle Kurzgeschichten für Kinder ab 6 Jahren. Schon die Titel regen die Phantasie der Kleinen an und verleiten zum Schmunzeln und Staunen:
- "Der Reserve-Weihnachtsmann"
- "Die Weihnachts-Eisenbahn"
- "Eine Handvoll Weihnachtssand"
- "Paulchen mit den blauen Augen"



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Petra Hartmann
Ein Prinz für Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-24-9
Bestellen

Mit dem Schild oder auf dem Schild
- als Sieger sollst du heimkehren oder tot.
So verlangt es der Ehrenkodex des heldenhaften Orh Jonoth. Doch der letzte Befehl seines sterbenden Königs bricht mit aller Kriegerehre und Tradition: "Flieh vor den Fremden, rette den Prinzen und bring ihn auf die Kiesinsel." Während das Land Movenna hinter Orh Jonoth in Schlachtenlärm und Chaos versinkt, muss er den Gefahren des Westmeers ins Auge blicken: Seestürmen, Riesenkraken, Piraten, stinkenden Babywindeln und der mörderischen Seekrankheit ....


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Petra Hartmann
Geschichten aus Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-00-1
Bestellen


Verwünschte Hexen!
Warum zum Henker muß König Jurtak auch ausgerechnet seinen Sinn für Traditionen entdecken?
Seit Jahrhunderten wird der Kronprinz des Landes Movenna zu einem der alten Kräuterweiber in die Lehre gegeben, und der Eroberer Jurtak legt zum Leidwesen seines Sohnes großen Wert auf die alten Sitten und Gebräuche. Für den jungen Ardua beginnt eine harte Lehrzeit, denn die eigenwillige Lournu ist in ihren Lektionen alles andere als zimperlich ...


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Wovon träumt der Mond?
Hrsg. v. Petra Hartmann & Judith Ott
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-37-2
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Der Mond - König der Nacht und gleichsam Verbündeter von Gut und Böse ... Seit jeher ranken sich Legenden voller Glauben und Aberglauben um sein Licht, das von den einen als romantisch verehrt und von den anderen als unheimlich gefürchtet wird. Seine Phasen stehen für das Werden und Vergehen allen Lebens, er wacht über die Liebenden, empfängt die Botschaften der Suchenden, Einsamen und Verzweifelten und erhellt so einiges, was lieber im Dunkeln geblieben wäre. 39 Autorinnen und Autoren im Alter von 12 bis 87 Jahren sind unserem nächtlichen Begleiter auf der Spur gewesen. In 42 erfrischend komischen, zutiefst nachdenklichen und manchmal zu Tränen rührenden Geschichten erzählen sie die Abenteuer von Göttin Luna und Onkel Mond, von erfüllten und verlorenen Träumen, lassen Perlmuttschmetterlinge fliegen und Mondkälber aufmarschieren. Und wer denkt, dass nur der Mann im Mond zuweilen die Erde besucht, irrt sich! Auch umgekehrt erhält er gelegentlich unverhofften Besuch dort oben.


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Drachenstarker Feenzauber
Herausgegeben von Petra Hartmann
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-28-0
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Öko-Feen, Büro-Feen, Todes-Feen und Bahn-Feen, geschäftstüchtige Drachen, goldzahnige Trolle, Sockenmonster, verzauberte Kühlschränke, Bierhexen, Zwirrrrrle, Familienschutzengel, Lügenschmiede, ehrliche Anwälte, verarmte Zahnärzte und andere Märchenwesen geben sich in diesem Buch ein Stelldichein.
51 Märchenerzähler im Alter von zwölf bis 76 Jahren haben die Federn gespitzt und schufen klassische und moderne Märchen, lustige, melancholische, weise und bitterböse Erzählungen, so bunt wie das Leben und so unvergesslich wie das Passwort eines verhexten Buchhalters.


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Zwischen Barrikade, Burgtheater und Beamtenpension.
Die jungdeutschen Autoren nach 1835.
ibidem-Verlag
ISBN 978-3-89821-958-7
Bestellen beim Ibidem-Verlag


"Das Junge Deutschland“ - dieser Begriff ist untrennbar verbunden mit dem Bundestagsbeschluss vom 10. Dezember 1835, durch den die Werke der fünf Schriftsteller Heinrich Heine, Theodor Mundt, Karl Gutzkow, Ludolf Wienbarg und Heinrich Laube verboten wurden. Das Verbot markierte Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt einer literarischen Bewegung, die erst wenige Jahre davor begonnen hatte. Die Wege der Autoren trennten sich. Und doch gab es auch danach immer wieder Begegnungen und Berührungspunkte.
Petra Hartmann zeichnet die Wege der Verbotenen und ihrer Verbündeten nach und arbeitet Schnittstellen in den Werken der alt gewordenen Jungdeutschen heraus. Sie schildert insbesondere die Erfahrungen der Autoren auf der Insel Helgoland, ihre Rolle in der Revolution von 1848, aber auch die Versuche der ehemaligen Prosa-Schriftsteller, sich als Dramatiker zu etablieren. Irgendwo zwischen Anpassung und fortwährender Rebellion mussten die Autoren ihr neues Auskommen suchen, endeten als gescheiterte Existenzen im Irrenhaus oder als etablierte Literaten, die doch körperlich und seelisch den Schock von 1835 nie ganz verwunden hatten, sie leiteten angesehene Theater oder passten sich an und gerieten nach Jahren unter strenger Sonderzensur beim Publikum in Vergessenheit. Die vorliegende Untersuchung zeigt, was aus den Idealen von 1835 wurde, wie vollkommen neue Ideen - etwa die Debatte um Armut und Bildung - in den Werken der Jungdeutschen auftauchten und wie die Autoren bis zum Ende versuchten, ihr „Markenzeichen“ - ihren Stil - zu bewahren.


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Von Zukunft trunken und keiner Gegenwart voll
Theodor Mundts literarische Entwicklung vom Buch der Bewegung zum historischen Roman
Aisthesis-Verlag
ISBN: 3-89528-390-8
Bestellen beim Aisthesis-Verlag

Theodor Mundt - Schriftsteller, Zeitschriftenherausgeber, Literaturwissenschaftler und Historiker - verdankt seinen Platz in der Literaturgeschichte vor allem dem Umstand, daß seine Veröffentlichungen am 10. Dezember 1835 verboten wurden. Das vom deutschen Bundestag ausgesprochene Verbot, das sich gegen die vermeintlichen Wortführer des "Jungen Deutschland", Heine, Gutzkow, Laube, Wienbarg und eben Theodor Mundt richtete, war vermutlich die entscheidende Zäsur in den literarischen Karrieren aller Betroffenen. Daß sie mit dem schon berühmten Heinrich Heine in einem Atemzug genannt und verboten wurden, machte die noch jungen Autoren Gutzkow, Laube, Mundt und Wienbarg für ein größeres Publikum interessant. Doch während Gutzkow und auch Laube im literarischen Bewußtsein präsent blieben, brach das Interesse an Mundt und seinen Werken schon bald nach dem Verbot fast gänzlich ab. Seine weitere Entwicklung bis zu seinem Tod im Jahr 1861 wurde von der Literaturwissenschaft bislang so gut wie vollständig ignoriert. Diese Lücke wird durch die vorliegende Studie geschlossen. Nachgezeichnet wird der Weg von den frühen Zeitromanen des jungen Mundt bis hin zu den historischen Romanen seines Spätwerks.


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Faust und Don Juan. Ein Verschmelzungsprozeß,
dargestellt anhand der Autoren Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt
ibidem-Verlag
ISBN 3-932602-29-3
Bestellen beim Ibidem-Verlag


"Faust und Don Juan sind die Gipfel der modernen christlich-poetischen Mythologie", schrieb Franz Horn bereits 1805 und stellte erstmalig beide Figuren, speziell den Faust Goethes und den Don Giovanni Mozarts, einander gegenüber. In den Jahren darauf immer wieder als polar entgegengesetzte Gestalten aufgefaßt, treten Faust und Don Juan in den unterschiedlichsten Werken der Literaturgeschichte auf.

Bei Lenau sind sie Helden zweier parallel aufgebauter Versepen, bei Grabbe begegnen sie sich auf der Bühne und gehen gemeinsam zugrunde. Theodor Mundt stellt als Lebensmaxime auf, man solle beides, Faust und Don Juan, in einer Person sein und beide in sich versöhnen.

Anhand der Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt zeichnet Petra Hartmann die Biographien Fausts und Don Juans in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach, einer Zeit, die beide Helden stark prägte und auch für heutige Bearbeitungen beider Stoffe grundlegend ist."

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