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PetraHartmann



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Met-Magie: eine "süffige Anthologie"

Geschrieben von Petra , in Movenna 15 August 2022 · 22 Aufrufe
Movenna, Met

Christel Scheja hat unsere Anthologie "Met-Magie" für die Phantastik-News besprochen. In ihrer Rezension hebt sie hervor, dass die Sammlung einen "besonderen Zauber" hat, und schreibt, in dem Buch gehe es

 

"zumeist fantasyhaft zu, auch wenn einige der Geschichte fest auf der Erde und der Vergangenheit verortet sind. So wie etwas die „Tränen des Ra“, die einem Geschwisterpaar das Leben retten oder gar der „Hexenmet“, der einem Bürgermeister vor Augen führt, was er getan hat. Da sind die Barden, die ein lebensrettendes Heilmittel kennen, aber auch ihrem Herzen auf eine ganz besondere Queste folgen, um das Geheimnis eines Prinzen zu ergründen. Nicht zuletzt beschreiben die Autoren wie ihre Helden die Blaubeerbrücke beschreiten, sich mit nervigen Kobolden herumschlagen oder letztendlich auch bösem Verrat."

 

In ihrer Rezension stellt sie fest: "Die meisten Geschichten sind mit einem Augenzwinkern geschrieben, locken mit frechen Dialogen und Pointen, nur zwei fallen durch ihre eher gruslige und kühle Atmosphäre heraus. Einige andere wieder bieten einen dann doch eher bösen Twist, der den Humor ins Gegenteil verkehrt, aber auch in sich stimmig ist. Interessant sind bei den historischen Geschichten die Anmerkungen am Ende, man merkt deutlich, dass die Autoren hier bewusst recherchiert haben, um auch das Ambiente der Zeit einzufangen und einen Bogen zu schlagen."

 

Sie lobt, dass die Autoren inhaltlich ohne Abschweifungen auf den Punkt kommen. Außerdem findet sie die Qualität der Geschichten überwiegend sehr gut: "Es gibt eigentlich keine Ausreißer nach unten, die Erzählungen sind auf einem hohen Niveau, wissen für den Moment zu unterhalten und machen teilweise sogar Lust darauf, selbst die entsprechende Met-Sorte zu probieren."

 

Ihr Fazit: "Das macht 'Met-Magie' zu einer süffigen Anthologie, die zu goutieren mit einem entsprechenden Gläschen noch schmackhafter ist. Die Erzählungen wissen jedenfalls den Zauber des Gesöffs in all ihren Varianten einzufangen."

 

Die vollständige Rezension findet ihr hier:
https://www.phantast...-met-magie-buch




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Walhalla: Die gesammelte Saga 5

Geschrieben von Petra , in Comics 24 July 2022 · 222 Aufrufe
Comics, Walhalla und 3 weitere...

So also sieht das Ende der germanischen Götter aus: Der fünfte und letzte Sammelband der dänischen Comicserie "Walhalla" erzählt die Geschichte von Ragnarök, dem Götterverhängnis, und dem Weg dorthin. Der erneut hervorragend ausgestattete Band enthält drei erstmals in deutscher Sprache veröffentlichte Abenteuer und reichlich Hintergrundmaterial zur Entstehungsgeschichte und den Mythen, die den Comic-Erzählungen zugrunde liegen.
Dem Thema entsprechend, handelt es sich diesmal um sehr düstere Geschichten, immerhin geht es um Mord und Tod und den Untergang der Götterwelt. Trotzdem - ein leichtes Augenzwinkern, Wortwitz und humorvolle zeichnerische Seitenhiebe zeichnen auch diese drei Abenteuer aus, und der Leser wird auch die letzte Geschichte, den Untergang der Götter, mit einem Lächeln auf den Lippen lesen.

 

Eine Ballade über Balder leitet Ragnarök ein

 

"Balders Ballade" heißt das erste der drei hier vereinigten Comicalben. Es geht um die Geschichte von Balders Tod, die in der Edda bereits auf das Götterverhängnis hindeutet. Dort als das unschuldige Hinscheiden des reinsten und lichtesten aller Asengötter beschrieben und zuvor in dunklen Träumen angekündigt, wird die alte Sage hier einer überraschenden Interpretation unterzogen, beziehungsweise vollkommen gegen den Strich gebürstet.
Es ist Loki, den in dieser Version düstere, verstörende Träume plagen. Immer wieder träumt er von Hel, der Göttin des Totenreichs, seiner Tochter. Sie ist einsam in ihrer lebensfernen Welt, immer drängender werden ihre Forderungen, Loki solle ihr Balder verschaffen, damit sie dort nicht so einsam ist. Loki bekommt es wahrhaft mit der Angst zu tun. Immerhin wäre er, wenn Balder etwas zustößt, der erste, weil "übliche" Verdächtige.
Aber dann kocht die lange gewachsene brüderliche Rivalität zwischen Balder und seinem blinden Bruder Höder hoch. Zu recht, wie der Leser einsehen wird. Denn der in der Edda ach so edle, reine Balder ist als Bruder doch ein ziemliches Ekel. Ständig um seinen blinden Bruder besorgt, neigt er nicht nur zur Überbetreuung und zur übermäßigen Selbstpräsentation als Guter und Retter, sondern er sorgt auch, teils unabsichtlich, dafür, dass Höder immer mal wieder strauchelt, gegen Balken läuft oder blöd dasteht. Vor allem, als Höder sich in die wunderschöne Walküre Nanna verliebt und Balder ständig als "Pfleger" in ihre Gespräche hineinplatzt.

 

Überraschung: "Gesta Danorum" als Vorlage

 

Die "Ballade von Balder" verblüfft aber vor allem dadurch, dass sie nicht der aus der "Edda" bekannten Geschichte folgt, sondern einer Erzählung aus den "Gesta Danorum", in der Gott Balder dem Prinzen Hother seine Geliebte, die Prinzessin Nanna, ausspannen möchte. Doch Hother erlangt ein Trollschwert, dessen Zauberklinge so scharf ist, dass sie im Kampf mit den Göttern sogar den Griff von Thors Hammer abtrennen kann, und schließlich erliegt auch Balder.
Peter Madsen schafft es, die eigentlich urtragische Erzählung vom Tod Balders zu einem leicht-fröhlichen Sommermärchen zu machen, das durch Lokis Panik und seine hilflosen Versuche, Höders Anschläge auf den Bruder zu vereiteln, beinahe slapstick-hafte Züge gewinnt. Hel zu einem naiven kleinen Mädchen zu machen und ihre Wutausbrüche Einfluss auf die Landschaft des Totenreichs nehmen zu lassen, ist ebenfalls ein sehr hübscher Einfall.
Eine halben Minuspunkt gibt es dafür, dass Autor und/oder Übersetzer die in Walhall ankommenden gefallenen Krieger durchgehend als "Berserker" bezeichnen. Gemeint sind natürlich "Einherier".

 

Eine Mauer rund um Asgard

 

Das zweite Abenteuer in diesem Band ist "Die Mauer", das etwas verwirrend daherkommt, da hier zwei Sagen verknüpft werden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: die Geschichte vom riesenhaften Baumeister, der vor Urzeiten die Mauer um Asgard baute, und die Geschichte von Skirnirs Brautwerbe-Fahrt zu Gerda, um sie für Freyer zu gewinnen.
Zunächst einmal ist es nicht Skirnir, der sich im Auftrag des Gottes Freyer nach Utgard aufmacht, sondern überraschenderweise Tjalfi. Thors menschliche Diener waren ja im vergangenen Abenteuer aus dem Blickfeld gerückt, nun soll der inzwischen zum Jugendlichen herangewachsene Tjalfi eine Art Mannbarkeitsritual durchstehen und dazu einen göttlichen Auftrag erfüllen. Freyer, der in Abwesenheit Odins auf dem Göttersitz Lidskialf thront und von dort aus die schöne, üppige Riesentochter Gerda erspäht, verbindet das Angenehme mit dem nützlichen: Er schickt Tjalfi unter dem Decknamen "Skirnir, der Schuhputzer" auf geheime Mission, nämlich auf Werbefahrt.

 

Odin, Thor und Loki als Coaches

 

Odin, Thor und Loki haben derweil ganz andere Sorgen: Ragnarök, das Götterverhängnis, droht, und die Riesen rücken näher an Asgard heran. Trotzdem - oder gerade deswegen - nehmen sich die drei Götter seltsamerweise die Zeit, Tjalfi inkognito bei seiner Mannbarkeitsprüfung zu begleiten und unerkannt zu coachen. So trifft Tjalfi kurz vor seinem Eindringen in den Riesenhof, in dem Gerdas Vater seinen Augenstern von einen hohen Mauer umhegt vor allen Übeln der Götterwelt beschützen will, auf den maskierten Odin. Als Lagerfeuererzählung berichtet der vermeintliche Hirte über jene andere Mauer, die einst der Riesen-Baumeister um Asgard bauen wollte, und über den schlechten Vertrag, den Loki damals ausgehandelt hatte.

 

Eine Mauer als verbindendes Element

 

Das verbindende Element zwischen beiden Geschichten ist das Motiv der Mauer. In beidem Fällen stellt sich heraus, dass sie die von ihr umgebenen Personen eben nicht nur schützt, sondern auch einsperrt und ihr Leben arm und unglücklich macht. Dass der Name "Gerda" verwandt mit "Gard" ist und "die Umhegte", oder "die Eingezäunte" bedeutet, passte sehr gut zu dieser Interpretation des Gerda-Mythos.

 

Swadilfari, Loki und Sleipnir

 

Sehr schön sind in diesem Abenteuer die Pferdemotive geraten. Vom urwüchsigen Hengst Swadilfari und seinem Herrn, der einen Pferdeschädel als Helm trägt, über Loki als lasziv-verführerische Stute und seinem Werben um Swadilfari bis hin zu dem achtbeinigen Hengst Sleipnir, der aus dieser skurrilen Verbindung erwuchs - einfach großartig. Wie Swadilfari unverzichtbar war für den Bau der Mauer um Asgard, so ist es nun Sleipnir, der mit seinem kraftvollen achtbeinigen Eppelein-Sprung seinen Reiter über die unüberwindliche Mauer katapultiert und Gerda, die Tochter des Baumeisters, aus ihrem Gefängnis befreit. Optisch einfach nur großartig, wenn man auch an der Zusammenstellung der beiden Geschichten etwas knabbern muss. Und dass die Lagerfeuer-Geschichte als Erzählsituation etwas unglücklich ist, hatten wir ja schon im Abenteuer "Die Gaben der Götter" angemerkt.
Immerhin, die Aufwertung dieses Liebesbotendienstes zu einem Schachzug, der Ragnarök ein letztes Mal verhindert, ist eine nette Idee. Wenn ich auch weiterhin für unrealistisch halte, dass sich die höchsten Götter Asgards damit befassen, ein Mannbarkeitsritual für einen menschlichen Dienstboten zu inszenieren und zu begleiten.

 

"Völvas Visionen", gesehen von Röskva

 

Der Abschlussband schließlich, betitelt "Völvas Visionen", widmet sich tatsächlich Ragnarök. Die Götterwelt sollte "wirklich" untergehen, hatten sich die Walhalla-Macher vorgenommen. Kein Fake, kein Aufwachen aus einem Traum, sondern es soll um den Tod der Götter gehen und um ein bombastisches zeichnerisches Finale, in dem noch einmal alle Register gezogen werden.
Hauptfigur ist diesmal Röskva, die, nachdem ihr Bruder im Vorgänger-Album noch sein "Mannbarkeitsritual" erlebt hatte, nun auf ganz eigene Weise in den Mittelpunkt gerückt wird.
Sie hat seltsame Visionen, die sie, analog zum Abenteuer Tjalfis, als ihr "Fraubarkeitsritual" interpretiert. Scheußlich sind diese Visionen. Sie erlebt, wie ihr alter Freund aus dem allerersten Walhalla-Abenteuer, der Fenriswolf, die Sonne verschlingt. Sie sieht, wie Thor von der Midgardschlange verschlungen wird. Und sie erlebt mit, was passiert, als der Wolf selbst Odin verschlingt.

 

Die riesigen Pfotenabdrücke des Fenriswolfs

 

In der realen Welt ist Fenrir - im Album wird er "Fenris" genannt - tatsächlich zu einer Gefahr für die Asen herangewachsen. Er ist von der Insel, auf der ihn die Götter angekettet hatten, verschwunden, und die Geschwister entdecken seine riesigen Pfotenabdrücke. Dass sich Röskva in Lokis Schneeeulenanzug mit hineinschmuggelt, um bei der Suche dabei zu sein, trägt dem Mädchen eine furchtbare Begegnung ein: Sie sieht ihren alten Freund Fenrir wieder - als Gefangenen der Riesen unter Führung Surturs. Der Feuerriese hat den ehemals noch tollpatschigen und trotz seiner Gefährlichkeit noch niedlichen Wolfswelpen durch Quälereien zur rasenden Bestie gemacht. Nun will Surtur mit seinem Heer und dem wilden Wolf auf dem widerlichen Nagelschiff Naglfar gen Asgard segeln und die Götter vernichten.

 

Die Götter müssen sterben

 

Ja, die Götter müssen fallen, so sieht es die Sage vor. Aber die Sage berichtet auch von Auferstehung und einer neuen Welt. So wird es ein neues Asgard geben. Und Röskva und Tjalfi kehren als Beinahe-Erwachsene, um einiges gewachsen und gereift, auf den elterlichen Hof zurück.
Der Band ist optisch auf jeden Fall gelungen, und die Art, wie die verschlungene Freya am Ende durch Odins Speer wieder neue Energie erhält und zu neuem Leben erwacht, steht in einer interessanten Symboltradition, die eine gewisse Logik besitzt.
Tjalfis eigene Fylgja, ein Kätzchen aus Folkwang, sorgt für den nötigen Niedlichkeitseffekt in der blutig-tragischen Geschichte vom Götterverhängnis, und die Leute, denen Röskva und Tjalfi nach dem Ende der Götter begegnen, setzen eine nette Schlusspointe, die die Saga ordentlich und folgerichtig abschließen.
Der letzte Band war nicht unbedingt der beste der Walhalla-Bände, aber ein ganz ordentlicher Abschluss und ein Album, in dem eine schwere Aufgabe erzählerisch gemeistert wurde.
Wie die Vorgängerbände ist auch der fünfte Teil der Walhalla-Gesamtausgabe mit zahlreichen Beigaben ausgestattet, die das Ganze zu einem rundum zufriedenstellenden Gesamtpaket machen. Es gibt ausführliche Darstellungen der Entstehungsgeschichte, Skizzen, Hintergrundinformationen und Äußerungen der Autoren zu ihren Plänen und Schwierigkeiten. Zu jedem Abenteuer sind erneut die Quellen zu den einzelnen Sagen mit abgedruckt, sodass die Geschichte nach dem letzten Panel noch lange nicht zu Ende ist.
Es ist sehr schade, dass die Saga mit diesem fünften Teil der Gesamtausgabe nun abgeschlossen ist. Man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist, heißt es. Und zumindest die wirklich großen Mythen sind alle erzählt. Aber wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Es gab doch noch eine Comicserie über die Abenteuer des kleinen Riesen Quark ...

 

Fazit: Auch der letzte Walhalla-Band überzeugt und macht Freude. Man merkt, wie tief die Macher in die Mythenwelt eingetaucht sind und selbst weniger bekannte Versionen der Sagen befragt haben. Ein würdiger Abschlussband der Saga.

 

Walhalla. Die gesammelte Saga 5. Illustriert und erzählt von Peter Madsen. Nach Geschichten von Henning Kure. Meschede: Edition Roter Drache, 2022. 215 S., Euro 40.

 

Weitere Walhalla-Bände
Walhalla. Die gesammelte Saga 1
Walhalla. Die gesammelte Saga 2
Walhalla. Die gesammelte Saga 3
Walhalla: Die gesammelte Saga 4

 

© Petra Hartmann




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Darthula - immerhin besser als das Original

Geschrieben von Petra , in Darthula 17 July 2022 · 97 Aufrufe
Darthula, Ossian

"Das letzte Lied der Harfe" nennt Frank W. seine Rezension meiner Novelle "Darthula". Er ist nicht der "Ossian-Begeisterung" des 18. Jahrhunderts verfallen und demzufolge wenig begeistert von dem literarischen Stoff, den ich in dem Buch verarbeitet habe. Aber immerhin, er findet meine Fassung besser als das Original, das ist ja schon mal was.

 

In seiner Rezension heißt es:
"Die Geschichte konnte mich nicht wirklich überzeugen, was auch mit daran lie­gen dürfte, dass sie (Vor­sicht Spoi­ler!) kein Happy End zu bie­ten hat. Vom schrift­steller­ischen Niveau steht sie aller­dings weit über dem im An­hang zitier­tem Origi­nal, des­sen Wert­schätzung ich nicht ein­mal an­nähernd nach­empfin­den kann."

 

So vergibt er drei ehrliche Sterne und zieht das Fazit:

 

"Diese moderne Umsetzung einer Idee des 18. Jahrhunderts ist zwar deut­lich bes­ser als das Origi­nal, aber trotz­dem nicht über­zeu­gend."

 

Die vollständige Rezension findet ihr auf Amazon unter
https://www.amazon.d...R1HQ5UYL3HJ1QO/




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Schlaflos in Neudietendorf - Wie ich mit dem Neun-Euro-Ticket von Hildesheim nach Nürnberg fuhr und fast wieder zurückkam

Geschrieben von Petra , in Unterwegs 08 July 2022 · 349 Aufrufe
Unterwegs und 1 weitere...

Ich habe es getan. Ja, ich habe die mörderische Tour tatsächlich auf mich genommen und bin mit dem Neun-Euro-Ticket nach Nürnberg gefahren. An einem der heißesten Wochenenden des Jahres, zumindest bis dahin. Und wer mich jetzt ernsthaft fragt, ob ich verrückt bin, erhält von mir den Ehrentitel "Oberblitzmerker" verliehen.
Also, von Hildesheim nach Nürnberg - geht das an einem Tag? Theoretisch schon, praktisch nein. Aber, immerhin, es war ein Abenteuer, es war supergünstig, ich habe Orte gesehen, von denen ich bisher nicht einmal geahnt hatte, dass sie existieren, und ich habe eine alte Schuld beglichen. Alles in allem genug Gründe, die Kamikazetour als Erfolg zu werten. Aber, anstrengend war es schon, und ich empfehle es hiermit ausdrücklich nicht zur Nachahmung.

 

Hildesheim Hauptbahnhof, kurz vor 6.34 Uhr:
Eine alte, leicht verkaterte Frau steht auf Bahnsteig 4 im Hildesheimer Hauptbahnhof. Gepäck: Ein Rucksack mit drei 1,25-Liter-Flaschen Extaler Mineralwasser, drei Hähnchenschnitzel, fünf Buletten, zwei Päckchen Salami-Sticks, eine Stange Mamba und ein Ebook-Reader, Schreibzeug, Papiere, ein paar Mund-Nasen-Masken und das Neun-Euro-Ticket. In meiner Hosentasche brennt wie Feuer der Schlüssel der Nürnberger "Galerie im Weinlager", den ich im Herbst bei meiner Lesung aus "Falkenblut" versehentlich mitgenommen hatte. Mann, war mir das peinlich. Aber Kathleen, die gute Seele, meinte auf meine gestammelte Entschuldigung, spätnachts am Telefon, als ich es bemerkt hatte, ich solle mir keinen Kopf machen und ihr den Schlüssel einfach an Himmelfahrt mitbringen, wenn ich zum Nürnberger Autorentreffen komme. Mit der Post schicken, das sei eher nicht so gut. Tja, und dann kam Himmelfahrt, aber das Treffen fiel aus, und Petra saß immer noch da mit dem Schlüssel, während die Spritpreise explodierten. Aber dann kam eben auch dieses Ticket.
Also: Start 6.34 in Hildesheim. Das bedeutet für eine alte Frau aus Sillium, die ihre Zeit im Bad braucht und von ihrem Dorf aus eine lange Anfahrt hat, dass der Wecker um 4.30 Uhr klingelt. Genauer gesagt: drei Wecker.
Als alter Sicherheitsfanatiker hatte ich für die Fahrt auf der B6 und eine mögliche Parkplatzsuche reichlich Pufferzeit eingeplant. So blieb ich noch relativ gelassen, als ich feststellte, dass die Bundesstraße ab der Abzweigeng Wöhle/Heersum voll gesperrt ist. Hatte ich nicht mitgekriegt. Die Umleitung über Groß Düngen funktionierte halbwegs, ich wurde dann in Wendhausen auf die A7 gelotst, kam auch richtig bis zur Abfahrt Hildesheim - und stand plötzlich schon wieder vor einer Vollsperrung. Eigentlich sollte ich die Gegend ja kennen, aber ich war so verdattert, dass ich an der nächsten Tankstelle nach dem Weg fragen musste. Für den Mitarbeiter war es vermutlich die schrägste Begegnung des Tages, immerhin hätte ich einfach nur wenden und 500 Meter geradeaus fahren müssen, dann hätte ich meinen Kreisel schon erkannt. Okay, wenn die Behörden einem das Autofahren verleiden wollen, dann tun sie es halt gründlich und sperren alle Straßen. Ich fand am Bahnhof gerade noch so eine Parklücke, marschierte stracks zum Gleis 4, und da sitze ich nun also in der Regionalbahn 77 nach Elze. Ein Ruck. Der Zug fährt an. Geschafft.

 

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6.50 Uhr, Ankunft in Elze
Ein Katzensprung von Hildesheim nach Elze. Fast lohnt sich das Einsteigen nicht. Ich bin hellwach, immerhin habe ich nur fünf Minuten Zeit für den Zugwechsel. Bisher ist alles entspannt, es gibt genug Sitzplätze, alles im grünen Bereich. Ich esse das erste Mini-Salami-Päckchen. Und ich erreiche tatsächlich den Zug. Ankunft auf Gleis 1, Abfahrt auf Gleis 2, es gibt Schlimmeres.

 

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6.55 Uhr, Abfahrt von Elze nach Göttingen
Der Zug ist gut gefüllt, aber ich habe problemlos einen Sitzplatz bekommen. Mir stehen 51 Minuten Fahrt bevor. Das reicht für ein Schläfchen. Ich stelle mir den Handywecker auf 10 Minuten vor Ankunft und bin sofort tief eingeschlafen. In Göttingen habe ich 22 Minuten Zeit zum Zugwechsel, bisher läuft alles entspannt. Das Klo ist nicht mehr ganz sauber, aber benutzbar. Ich schwitze unter der Maske, aber ich werde es überleben.

 

8.08 Uhr, Göttingen
Ich erreiche die Regionalbahn RE 1, finde einen Fensterplatz, der Zug ist voll, aber nicht übervoll. Meine erste Wasserflasche ist bereits zur Hälfte geleert. Ich muss erst in Neudietendorf aussteigen, planmäßige Ankunft 9.38 Uhr. Das reicht für ein weiteres Schläfchen, es war ja eine kurze Nacht.

 

Ab 8.31 Uhr, Heilbad Heiligenstadt
Fuck! Verdammt, verdammt, verdammt! So eine gequirlte und aufgeschäumte Pferdescheiße! Die Typen soll doch der Blitz beim Kacken treffen!
Der Zug steht auf dem Gleis in Heilbad Heiligenstadt. Er steht und steht und steht. "Sehr geehrte Fahrgäste, unsere Weiterfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Grund sind Personen im Gleis", verrät die Durchsage. Es dürften rund 20 Minuten gewesen sein. Das klappt nicht mehr in Neudietendorf. Mist. Ich bin wach, schwitze und studiere die ausgedruckten Fahrpläne und Notpläne, die ich mir wohlweislich in den Rucksack gepackt habe.
Als sie die Idioten von den Gleisen geholt haben, geht es weiter, aber wir erreichen Neudietendorf tatsächlich erst lange nach Abfahrt des 9.49er Zuges nach Saalfeld. Seufz. Aber es gibt ja weitere Züge.

 

Bis 10.48 Uhr, Neudietendorf
Gestrandet in Neudietendorf. Bin ich in Bayern oder in Thüringen? "Neudietendorf, meine ferne Liebe", brumme ich, während ich den Bahnhof erkunde. Es gibt keinen Getränke- und keinen Schokoriegel-Automaten. Klar, ist ja nur eine kleine Station. Dafür eine Schlachterei, ein sehr sauberes Klo, für das mir eine freundliche Passantin einen Euro in zwei Fünfziger wechselt, und einen ebenso freundlichen Aufenthaltsraum mit Stühlen und Tischen. Sehr nett und besser ausgestattet als mein Heimatbahnhof Derneburg auf jeden Fall.
Ich zücke meinen eBook-Reader und finde einen kurzen Krimi, den ich mir vor Urzeiten mal heruntergeladen und immer noch nicht gelesen hatte: "Soko Mermaid" von Jojo Vieira. An der Lorelei wird eine Frauenleiche gefunden. Doch was die Polizisten zuerst für ein Meerjungfrauenkostüm halten, ist echt: Der Unterleib der Leiche besteht aus einem "Fischschwanz", jedenfalls soll das Knochenmaterial mit Walknochen verwandt sein. Um Himmelswillen, wenn davon die Presse Wind bekommt! Es stellt sich heraus, dass die Unbekannte mit Steinfischgift getötet wurde. Das bringt die Ermittler auf die Spur eines Mitarbeiters des Aquariums, der kürzlich einen Steinfisch mit nach Hause nahm ...
Ein sehr spannendes Setting, das zwei Genres kombiniert, die einander eigentlich widersprechen, die phantastische Welt der Meerjungfrauen und die rationale, analytische Welt der Ermittler. Wuchs hier etwas zusammen, das, wie bei einer Meerjungfrau, gar nicht zusammen gehörte?
Ein bisschen schade fand ich, dass der phantastische Aspekt dann doch gar nicht weiter ausgestaltet wurde. Nachdem die Beamten sich gehörig gewundert haben, laufen die Ermittlungen routiniert wie im samstäglichen Tatort-Krimi ab, man verhört Verdächtige, überprüft Alibis und so weiter. Einen Zusatzpunkt vergebe ich für die adelsstolze Mutter des Tatverdächtigen, die Frau war in ihrer verstaubten Blasiertheit einfach toll. Einen Punkt Abzug gibt es für die plötzliche und überraschend frühe Aufklärung des Verbrechens, die nicht gerade dem polizeilichen Scharfsinn geschuldet war. Ansonsten ist die Geschichte sehr kurz und kurzweilig, gerade recht, um sich einen unfreiwilligen Aufenthalt in Neudietendorf zu verkürzen.
Also: Ich hatte eine nette Zeit in Neudietendorf. Den Bahnhof merke ich mir und freue mich darauf, hier auf dem Rückweg wieder Station zu machen.

 

10.48 Uhr, Neudietendorf
Ich sitze im Zug nach Saalfeld (Saale). Es ist heiß und schwül. Meine Maske ist nass. Aber ich behalte sie auf (abgesehen von der Zeit, in der ich meine Mamba-Stange esse). Ich will mir hier keine Viren holen, außerdem will ich mich nicht gemein machen mit den Chaoten im vorderen Zugteil: Laute, zerhackte Musik, gegrölte Gesänge und ein nahezu nackter Mann. Ich habe ihn nur von hinten gesehen, da trug er nichts als ein paar String-Hosenträger, die aus seiner Pofalte zu seinen Schultern hinaufliefen. Ich hatte nicht das Bedürfnis, seine Vorderseite in Augenschein zu nehmen, aber eine Maske gehörte jedenfalls nicht zur Ausstattung. Getränke flossen in Strömen. Es scheint sich um einen Junggesellenabschied gehandelt zu haben. Wenn der junge Mann sich unterwegs noch irgendwelche Viren eingefangen haben sollte, könnte es auch ein Abschied für immer werden.
Der Schaffner kommt, kontrolliert mein Neun-Euro-Ticket, kontrolliert auch die Tickets der maskenlosen Party-Jungs und sagt weiter nichts. Sie bleiben maskenlos. Und ich trage meine feuchte Maske nur mit noch größerer Verbissenheit. Um 11.42 Uhr kommen wir pünktlich in Saalfeld an.

 

11.52 Uhr, Saalfeld (Saale)
Die Hölle auf Rädern. Ab jetzt heißt es: Stehen und schwitzen. Zweieinhalb Stunden in einer rollenden Sardinendose, eingekeilt zwischen schwitzenden Menschen, den nassen Lappen vor Mund und Nase. An jedem Bahnhof steigen noch mehr Leute ein. Obwohl das physikalisch unmöglich scheint. Ich stehe im Türbereich. Achte jedes Mal besorgt auf die Ansagen: "Ausstieg in Fahrtrichtung links" oder "Ausstieg in Fahrtrichtung rechts". Ich muss dann irgendwie Platz machen, aber ohne den Zug zu verlassen, sonst komme ich nie wieder rein, jedenfalls nicht an den Eckplatz mit der Haltestange. Aber wozu bracht man eine Haltestange, wenn man sowieso keine Chance hat umzufallen?
Ich bin unschlüssig, ob ich die Art zweier meiner bayerischen (?) Mit-Fahrgäste, für Ordnung zu sorgen, nun feiern oder verurteilen soll. Der eine sagte zu einem einsteigenden jungen Mann sehr nachdrücklich: "Mach die Mucke aus." Und als der diskutieren wollte, forderte er ihn erneut auf, Ruhe zu halten. Bis der Jugendliche dann mit einem "Ja, ja, in Ordnung, ich mach's leise" weiterzog und nur noch mit Kopfhörern weiterhörte. Es war auch wirklich ein unerträglicher Krach. Aber war der Mann nun mein Lebensretter oder ein verdammter selbsternannter Blockwart?
Ein anderer Mann forderte einen offenbar nur Farsi oder arabisch sprechenden dunklen Typen, der die Maske unterm Kinn trug, dazu auf, sie gefälligst ordentlich über Mund und Nase zu ziehen. Als der ihm zu verstehen gab, dass er kein Deutsch sprach, meinte der Bayer (?) ruhig aber unbeeindruckt: "I versteh di scho. Aber du verstahst mi auch, gelt?" Woraufhin der Mann tatsächlich seine Maske aufsetzte.
Allerdings ging der Bayer (?) bald zu Boden. Er trat unruhig von einem Fuß auf den anderen, lehnte den Kopf gegen die Glaswand, setzte sich schließlich auf den nicht eben sauberen Boden und massierte sein Bein. Rechts war eine Narbe zu sehen, vermutlich von einer Knie-OP. Ich bot ihm von meinem Wasser an, aber er hatte selbst etwas zum Trinken dabei. Irgendwann stand er wieder auf, stand wieder sehr unruhig. Ich konnte das kaum mit ansehen. Einmal stand eine Frau auf und stieg aus. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass da ein Platz frei geworden war. Doch dann setzte sich ein Schwarzer vor ihm drauf, der etwas näher dran gewesen war. "Da hat sich der Schwarze draufgesetzt", meinte er empört zu seiner Frau, als er zurückkam. Sie meinte darauf nur lakonisch: "Der hätte sich da auch hingesetzt, wenn er grün oder blau gewesen wäre."
Inzwischen trugen fast ein Viertel der Männer um mich herum ihre Masken unterm Kinn, wenn überhaupt.
Kurz vor Bamberg stiegen der Mann mit der Knie-OP und seine Frau aus.
In Bamberg selbst verschwanden sogar ziemlich viele Fahrgäste aus dem Zug. Ich konnte tatsächlich einen Sitzplatz ergattern. Allerdings war er nur knapp eine Minute lang meiner. Dann schob sich eine Hand mit einer Plastikkarte in mein Sichtfeld. Der Mann sprach nicht, vielleicht konnte er es nicht. Es war ein Schwerbehindertenausweis, ich saß auf einem Schwerbehindertenplatz. Also wieder aufstehen.
Gesessen habe ich dann aber doch noch auf der allerletzten Etappe. Da war kurz hinter mir ein junger Mann aufgestanden und hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass da etwas frei war. Jedenfalls erreichte ich Nürnberg sitzend - und schwitzend.

 

14.19 Uhr, Nürnberg
Was echte Hitze ist, lernte ich erst, als ich den Nürnberger Hauptbahnhof verließ. Offenbar waren die Züge wohl doch klimatisiert gewesen, auch wenn ich das bis dahin nicht gemerkt hatte. Der Fußweg, etwa 15 Minuten, zur Galerie im Weinlager war ziemlich heftig. Vor allem, da ich den Fehler gemacht hatte, die Cola-Verkäuferin am Bahnhof um eine 2eiskalte" Cola zu bitten. Sie war der deutschen Sprache nur bedingt mächtig, und meine pantomimische Darstellung des Wortes "eiskalt" bewirkte leider das Gegenteil von dem, was ich erreichen wollte. Offenbar verstand sie, mir sei eiskalt, und ich würde daher die normalen eisgekühlten Getränke aus dem Kühlschrank nicht vertragen. Sie ging in den hinteren Bereich und überreichte mir dann mit einem freundlichen, besorgten Lächeln eine Cola, die verdammt nahe am Siedepunkt war. Aber ich hatte auch keine Energie mehr zum Nachverhandeln und zog mit der Glühwein-Coke ab ...
Ich wanderte eine Viertelstunde durch Lava, bis ich die Galerie im Weinlager erreichte. Geschafft. Kathleen Binneberg war da, welche Freude, und sie hatte eine eisgekühlte Flasche Zitronenlimo für mich. Meine Idee, ihr eine Schachtel Pralinen mitzubringen, war allerdings eine Schnapsidee, auch wenn es alkoholfreie Schoko-Pralinen waren. Naja, sie schob das gut gemeinte Präsent erstmal in den Kühlschrank samt dem ebenfalls mitgebrachten Buch. Hoffentlich waren beide nach der Prozedur genießbar. Jedenfalls habe ich ihr den Schlüssel ordnungsgemäß übergeben. Mission erfüllt.
Walter Mattischeck kam kurz danach rein, hatte hitzebedingt kein Hemd an, und so konnte ich das halb fertige Riesentattoo auf seinem Rücken ausgiebig bewundern. Ein Traum aus Totenkopf und Flügeln, und natürlich stellte ich automatisch die blöde Frage: "Hat das wehgetan?" Wehtun gehört wohl dazu. Aber ich werde nie verstehen, warum sich jemand Tattoos an Stellen anbringen lässt, die er selbst gar nicht sehen kann. Naja, vielleicht bin ich einfach zu egozentrisch.
Verantwortlich für das Kunstwerk ist jedenfalls ein Tätowierer, dem Walter für seine Arbeit manchmal sein Studio über der Galerie zur Verfügung stellt. Zwei Kundinnen, Mutter und Tochter, die sich gerade ein Mutter-Tochter-Tattoo stechen lassen, waren gerade für den Tag fertig geworden. Ich selbst überlege noch. Auf der Herfahrt hatte ich ziemlich viele gute und schlechte Tätowierungen gesehen. Soll ich mir irgendwann "Liebe, Glaube Hoffnung" oder das Green-Lantern-Symbol stechen lassen? Es tut halt weh.
Die Bilder für die Ausstellung, die am Abend eröffnet werden sollte, hingen schon alle. Die Fotokünstlerin Ute Häffner stellt dort aus. Ein eindrucksvoller Adlerkopf, ein putziges, hellwaches Eichhörnchen, Tisch und Stühle am Strand, ein vorbeifahrender Kutter und Myriaden von Seevögeln. War schon interessant. Besonders fasziniert hat mich eine Montage mi Fotos eines Baumes mit immer wechselnden Objektiven, Belichtungszeiten, Filtern. War schon ein Gesamtbild, vor dem man länger stehen bleiben konnte. Allerdings: Die Vernissage (mit Spritprobe) begann um 20 Uhr. Und mein Zug sollte um 16.40 Uhr fahren. Sollte. So verabschiedete ich mich, und Walter und Kathleen machten sich schick für die Veranstaltung. Und damit nahm das Unheil seinen Lauf ...

 

16.40 Uhr, Nürnberg
Ich stehe auf Gleis 4 und warte auf die Regionalbahn RE 14. Aber die kommt und kommt nicht. Durchsagen und das Textband an der Anzeigetafel steigern sich immer weiter, bis von einer 35-minütigen Verspätung die Rede ist. Ich stehe mir die Beine in den Bauch, trete von einem Fuß auf den anderen und studiere meine Zettel mit den Zugverbindungen. Der Anschlusszug in Saalfeld dürfte weg sein, wenn ich ankomme. Aber diese Regionalbahnen fahren ja stundenweise. Glaube ich. Das wird schon. Endlich rollt der Zug in den Bahnhof. Ich bekomme einen Sitzplatz, darf also die zweieinhalb Stunden Fahrt wenigstens sitzend schwitzen. Ich trinke viel und esse meine Hähnchenschnitzel, den Rest des Weges habe ich den schweißnassen Lappen vor dem Gesicht. Es ist heiß und schwül. Der Zug füllt sich. Und es ist absolut sinnlos, auf die Uhr zu schauen. Zweieinhalb Stunden in einem tropischen Gewächshaus.

 

Saalfelde (Saale), bis 21.12 Uhr
In Saalfeld studiere ich den ausgehängten Fahrplan. Ja, der 19.12-Uhr-Zug ist weg, aber der 20.12-Uhr-Zug ist dort angeschrieben. Dann komme ich eben eine Stunde später nach Hause. Egal. Ich gehe runter in die Bahnhofshalle, besuche das Klo, ich habe ja viel Zeit.
Als ich wieder zurückkehre, ist die große Anzeigetafel etwas verändert. Der 20.12er ist auf der Tafel. Allerdings mit dem Vermerk: "Zug fällt aus." Ersatzlos gestrichen, ich fasse es nicht. Mich beschleicht ein mulmiges Gefühl. Immerhin, es gibt noch einen weiteren Zug nach Neudietendorf. Der fährt um 21.12 Uhr. Den werden sie doch nicht auch noch streichen, oder ...?

 

Eingefügtes Bild

 

22.06Uhr, Neudietendorf
Da stehe ich nun auf dem Bahnhof von Neudietendorf. Das wars für heute. Endstation Sehnsucht. Im Zug hatte ich noch den Schaffner ausgefragt, ob es nicht doch noch eine Möglichkeit gäbe, heute noch nach Göttingen zu kommen. Und ob es vielleicht sinnvoller sei, weiterzufahren bis nach Erfurt. Er befragt sein Smartphone, telefoniert auch nochmal, aber dann schüttelt er den Kopf. Es ist definitiv. Heute Nacht werde ich in Neudietendorf bleiben. Der nächste Zug nach Göttingen fährt erst um 4.35 Uhr. Egal, die Nacht ist warm, es ist Sommer, es regnet nicht, und ich bin ja nicht aus Zucker. Und selbst wenn ich es wäre, mir bliebe ja doch keine andere Wahl.
Der Bahnhof hat noch immer keinen Süßigkeiten-und-Cola-Automaten. Das Klo und der nette Aufenthaltsraum sind abgeschlossen. Die Fleischerei dito. Nun gut. Ich habe noch eine Flasche Extaler mit Kohlendsäure im Rucksack und fünf Bouletten, das bringt mich wohl durch die Nacht.
Ich schlendere durch die spätsommerlichen Straßen Neudietendorfs. Es ist warm, langsam beginnt es zu dunkeln. Nahe dem Bahnhof ist ein kleiner Park, oder eine Art Spielplatz. In der Mitte ein großes Klettergerät aus dicken roten Seilen, da wäre ich vor zehn Jahren noch hochgeklettert, aber jetzt nicht mehr. Dort ist auch eine ziemlich interessant aussehende Schaukel mit einer Art Schaukelkäfig aus Stricken, Sieht bequem aus, vielleicht kann ich mich darin in den Schlaf schaukeln.
Aber da sich im Augenblick überall Jugendliche angesiedelt haben, nehme ich dann doch erstmal omamäßig auf einer der Parkbänke platz. Alle anderen sind schon besetzt, aber ich habe eine Bank für mich allein. Auf der anderen Seite des großen Klettergerüsts treffen sich rund 30 junge Männer und Frauen. Sie haben Bierkästen und eine Musikanlage mit dabei. Rapmusik dröhnt herüber, aber es ist okay, hat eher Zimmerlautstärke und verteilt sich gut in der warmen Nacht. Ich verstehe irgendetwas von "Ficken", "Fotze" und "I'm a Badboy", aber die jungen Leute sind echt in 'Ordnung, einfach nur gut drauf, einer von ihnen schein Geburtstag zu haben und reinzufeiern. Hoffentlich werde ich sie später mit meinem Schnarchen nicht stören.
Die Jugendlichen feiern, ich esse meine Buletten und lasse das lauwarme Extaler-Wasser durch meine Kehle rinnen. Der Himmel ist wolkenlos. Über mir öffnet sich das Blätterdach der großen alten Parkbäume, und wenn ich nach oben blicke, schaue ich genau in den Großen Wagen hinein. Am liebsten würde ich mich jetzt schon hinlegen, aber ich schaue erstmal zu und warte, ob die jungen Leute nicht irgendwann weggehen. Ich müsste ja auch nochmal hinter das Gebüsch. Gegen Mitternacht steuert die Party ihrem Höhepunkt entgegen. Ich müsste mal hinter das Gebüsch. Vielleicht eine Dreiviertelstunde später brechen gut 15 von ihnen mit den Fahrrädern auf. Sie kommen zu mir herübergefahren, stoppen, und einer fragt mich: "Ist alles in Ordnung mit Ihnen?" "Ja, alles klar", sage ich, "ich bin bloß mit dem Neun-Euro-Ticket gestrandet." Ich erkläre ihnen, dass ich auf den 4.35er Zug warten muss und schildere meine bisherige Fahrt. "Das ist echt nicht in Ordnung", schimpft der junge Mann, der mich angesprochen hat. "Naja, für neun Euro ist es schon in Ordnung", meine ich versöhnlich. Die Jugendlichen radeln zögernd weiter. Vielleicht haben sie ein ungutes Gefühl dabei, die wunderliche alte Frau allein da hocken zu lassen. Liebe Kinder.
Die restliche Festgesellschaft trinkt und feiert weiter. Armleuchter. Ich muss mal ganz dringend ins Gebüsch. Gegen ein Uhr bricht wieder ein Pärchen auf, zehn Minuten später drei weitere Jugendliche. Gegen 2.20 Uhr haut endlich auch der harte Kern ab. Ich husche hinters Gebüsch und setze beinahe ganz Neudietendorf unter Wasser. Dann strecke ich mich auf meiner Parkbank aus, lege den Kopf auf meinen Rucksack , decke mich mit meiner Seglerjacke zu und träume mich langsam in den Großen Wagen hinein. So ist das also, auf einer Parkbank zu übernachten ...

 

Neudietendorf, 3.35 Uhr
Ich wache auf, noch bevor mein Handywecker sich regt. Meine sämtlichen Rückenwirbel haben sich ineinander verhakt, ich bin steif wie ein Brett und überlege geschlagene fünf Minuten, welche Knochen ich in welcher Reihenfolge bewegen soll. Ich weiß nur eines: Es tut weh, verdammt weh, sich zu bewegen. Schließlich lasse ich das rechte Bein über den Rand der Parkbank nach unten gleiten. Aua. Langsam kommt der Oberkörper in die aufrechte Position. Dass so viel wehtun kann an einem einzigen Körper. Nach den ersten ungelenken Schritten daddele ich mich langsam ein. Trotzdem, wer mich so loswanken sieht, glaubt bestimmt, dass ich die ganze Nacht durchgesoffen habe. Ich komme an den Bänken vorbei, auf denen die Jugendlichen gesessen und gefeiert haben. Überall leere Flaschen, der Park sieht aus wie ein Schlachtfeld. Aber ich habe nur Wasser getrunken heute Nacht, ich schwöre. Und ich hoffe, dass das Geburtstagskind und seine Freunde später kommen und aufräumen. Ich wanke zum Bahnhof. Es ist inzwischen Viertel vor vier. Aber ich gehe jetzt nicht wieder weg. Wohin auch. Langsam wandere ich den Bahnsteig auf und ab, deklamiere in Gedanken die ersten fünf Capita von Heinrich Heines Wintermärchen, sehe dem Halbmond zu, der hinter einer Straßenlaterne emporsteigt. Beobachte eine rote Katze, die gemächlich über die Gleise streicht. Und wundere mich. Dieses ständige Glockengeläut. Hohe, langsame Schläge. Immer wieder. Nein, garantiert keine Kirchturmglocken, die die Zeit anzeigen. Die Glocke meldet sich in unregelmäßigen Intervallen zu Wort. Manchmal alle fünf Minuten. Einmal zähle ich siebzehn Schläge. Dann wieder weniger. Wer schlägt den nachts zwischen drei und vier die Glocken? Ein perverses Bußkloster, das die Insassen richtig quälen will? Ich weiß es nicht. Aber wenn ich an Neudietendorf denke, werde ich noch lange zuerst an die Parkbank und dann an das unregelmäßige und ständige Glockenläuten denken.

 

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4.35 Uhr, Abfahrt in Neudietendorf.
Der Zug ist pünktlich, das Klo sauber, ich finde einen Sitzplatz und hole den Schlaf der kurzen Nacht nach. Ich schlafe tief, aber nicht allzu lange, bis mich jemand an der Schulter packt und grob schüttelt, als sei ich ein Penner, den er in seiner Einfahrt gefunden hat. Der Schaffner steht vor mir. Er sagt nichts. Ich greife in meine Tasche, frickele mein Portemonnaie heraus und reiche dem Mann mein Neun-Euro-Ticket. "Bitte", sage ich. Er antwortet nicht, dreht sich weg und geht weiter. Armleuchter. Auf ein Bitte gehört ein Danke, was ist das nur für ein ungehobelter Kerl? Nun ja, heute bin ich eben nicht Frau Dr. Hartmann mit Bahncard, ICE-Fahrkarte und Platzreservierung, ich bin einfach nur ein Ärgernis, das sich auf Neun-Euro-Ticket durch den ÖPNV hindurchschmarotzt. Und Ich habe mehr als 24 Stunden nicht geduscht und auf einer Parkbank genächtigt. Vor solchen Kunden verliert man als Schaffner offenbar den Respekt.
Ich döse weiter. Der Zug ist pünktlich, um 6.25 bin ich in Göttingen.

 

7.04 Uhr, Göttingen
Ich muss ziemlich lange warten, bis der Zug nach Elze fährt. Viel Sinnvolles habe ich nicht gedacht. Ich stehe auf dem Bahnsteig, stiere abwechselnd auf die Zuganzeige und auf mein Handy, die Minuten verstreichen. Irgendwie. Endlich rollt der Zug nach Elze ein. Mir steht knapp eine Stunde Fahrt bevor. Die Schaffnerin war ebenfalls ziemlich unfreundlich, aber ich kann um diese Uhrzeit auch nicht gut lächeln. Ich döse vor mich hin und hake in Gedanken die einzelnen Orte ab, in denen der Zug hält. Um 7.55 Uhr erreichen wir Elze.

 

8.02 Uhr, Elze
Die Zeit zum Zugwechsel war knapp, aber um diese Zeit gibt es noch keine Verspätungen. Der letzte Streckenabschnitt ist ein Katzensprung, in 18 Minuten erreichen wir Hildesheim.

 

8.20 Uhr, Hildesheim Hauptbahnhof
Geschafft. Ich taumele aus dem Zug, hole mir noch ein belegtes Brötchen mit Kochschinken und eines mit Tomate-Mozzarella, dann marschiere ich Am Marienfriedhof entlang zu meinem Auto. Habe ich wirklich so weit weg geparkt? Ach ja, gestern morgen war ja alles voll mit Idioten, die für neun Euro um die Welt reisen wollten. Da ist er ja, mein kleiner schwarzer Schuhkarton. Ich fahre los, futtere gegen das Einschlafen meine beiden Brötchen weg, finde die Route zurück über B6 und A7 trotz der Sperrungen wieder. Gegen 9 Uhr komme ich in Sillium an, kippe ins Bett und falle in einen tiefen Schlaf.

 

Fazit: Hat es sich nun gelohnt, das Neun-Euro-Ticket? Ich meine: Ja. Okay, die Fahrt war nicht gerade luxuriös, aber dafür eben billig. Und was will man für neun Euro schon erwarten? Ich bin so günstig wie noch nie nach Nürnberg gekommen. Zugausfälle und Unbequemlichkeiten muss man eben in Kauf nehmen. Meckern werde ich nicht. Und wer eine solche Fernreise vorhat, sollte sich immer klarmachen, dass es eine Zweckentfremdung ist. Es heißt nicht umsonst "Öffentlicher PersonenNAHverkehr. Für eine Reise von Sillium nach Nürnberg und zurück sind Enno und Erixx gar nicht gemacht. Wer eine solche Strecke unternimmt, dem rate ich unbedingt dazu, viel zu trinken mitzunehmen. Ich habe drei 1,25-Liter-Flaschen Wasser weggezischt, dazu kamen eine warme Cola und eine eiskalte Zitronenlimo in Nürnberg. Packt euch auch genug Verpflegung ein. Ihr könnt nicht damit rechnen, dass ihr auf den kleinen Bahnhöfen etwas bekommt. Und plant eure Fahrtzeit lieber großzügig. Zumindest ist es meine Erfahrung, dass verpasste oder ausgefallenen Anschlusszüge gar nicht so selten sind.
Wer physisch robust ist, frei von Platzangst und auf Luxus verzichten kann, hat hier die Möglichkeit, für kleines Geld eine interessante Tour zum machen und Orte kennen zu lernen, von denen er noch nie etwas gehört hat. Zu wichtigen Terminen wie Lesungen, Vorstellungsgesprächen, Fortbildungen und so weiter solltet ihr aber weiterhin den ICE nehmen. Ihr kommt entspannter an und seid nach der Fahrt weniger zerknautscht und ausgelaugt. Gute Fahrt!

 

© Petra Hartmann




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Met-Magie: "Traumhaftes Land mit starker Aussage"

Geschrieben von Petra , in Movenna 12 June 2022 · 153 Aufrufe
Movenna, Met

Eine sehr umfangreiche Rezension zu "Met-Magie" hat Rainer Wüst verfasst. Das Schöne: Er geht auf jede einzelne der Geschichten ein. Über meine "Blaubeerbrücke" schreibt er Folgendes:
"Die Autorin Petra Hartmann erzählt eine märchenhafte, blaubeerige Geschichte von Gier und Menschlichkeit. Ihre kritische Geschichte verzaubert sowohl inhaltlich als auch sprachlich und hat mich in ein fernes traumhaftes Land mitgenommen. Hier gefällt mir ebenfalls die starke Aussage am Schluss."
Dankeschön!

 

Über die gesamte Sammlung heißt es:
"Met-Magie ist eine gelungene Komposition von guten Autoren mit sehr unterschiedlichen Texten."

 

Er vergibt fünf Sterne und zieht folgendes Fazit:
"Dieses Buch ist unglaublich nuancenreich und übertrifft meine Erwartungen. Normalerweise gibt es in einer Anthologie unterschiedliche Qualitäten an Texten. Bei Met-Magie ist das anders. Der hohe Standard wird durchgehend gehalten und die Vielfalt der Texte ist außergewöhnlich. Ein lebhaftes und kurzweiliges Buch."

 

Die vollständige Rezension findet ihr hier:
https://www.amazon.d...ASIN=3862828336




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Met-Magie: "abwechslungsreich, einfach verständlich, hintergründig"

Geschrieben von Petra , in Movenna 06 June 2022 · 210 Aufrufe
Movenna, Met-Magie
Rezensentin Sonja hat unsere Anthologie "Met-Magie" gelesen und auf Amazon besprochen. Sie vergibt vier Sterne und schreibt unter der Überschrift "Da ist für jeden etwas dabei", das Buch habe ihr sehr gut gefallen: "Der Schreibstil ist genauso unterschiedlich wie die Autoren. Auch die Handlungen decken eine große Bandbreit ab."

Gut gefällt ihr auch die Textlänge. Die kurzen Geschichten eigneten sich hervorragend zum Lesen, wenn man nur wenig Zeit hat.

Der Gesamteindruck: "Es ist abwechslungsreich, einfach, verständlich, aber auch hintergründig und regt zum Nachdenken an. Auch die aufgezählten Metsorten passen sehr gut zusammen. Da bekommt man gleich Lust, den einen oder anderen auch auszuprobieren."

Die vollständige Besprechung findet ihr hier:
https://www.amazon.d...ASIN=3862828336


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Märchenhafte Met-Magie

Geschrieben von Petra , in Movenna 01 June 2022 · 175 Aufrufe
Movenna
Die erste Rezension zu unserer Anthologie "Met-Magie" ist da. SanneL findet das Buch "Märchenhaft", wie es in der Überschrift heißt, vergibt vier Sterne auf Lovelybooks und schreibt über die Geschichten: "bunt und kreativ sind sie alle." Die Texte machten "Lust aufs Ausprobieren".
Das Fazit: "Unterhaltsam und abwechslungsreich zu lesen, teils leicht verständlich in einfacher Sprache erzählt, auch anspruchsvoll verwirbelt, interessant allemal."

Die vollständige Rezension ist hier zu finden:

https://www.lovelybo...ion/5560355474/


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Leserunde zu "Met-Magie": Zehn Bücher zu gewinnen

Geschrieben von Petra , in Movenna 14 May 2022 · 198 Aufrufe
Movenna, Leserunde Met-Magie
Zu unserer Anthologie "Met-Magie" gibt es jetzt eine Leserunde auf Lovelybooks. Falls ihr Lust habt, das Buch zu lesen, mit uns über die Geschichten zu diskutieren, Rezensionen zu schreiben und mit etwas Glück eines der zehn Freiexemplare zu gewinnen, folgt einfach dem Link und steigt mit ein. Wir freuen uns auf euch!

https://www.lovelybo...9326319/#thread

Hier der Klappentext des Buchs:

"Met-Magie - Der Trunk der Götter, Barden und Bauern

Heilmittel und Zaubertrank: Schon vor 20.000 Jahren sollen sich Mensch und Tier an der exquisiten Köstlichkeit Met berauscht haben. Ob in Ritualen, als Bardentrunk, mystische Opfergabe und Teil festlicher Zeremonien: Met ist unverzichtbar.
Die namhaften Autorinnen und Autoren dieser Sammlung ließen, wie einst die nordischen Skalden, ihre Phantasie durch Met beflügeln. In fünfzehn Erzählungen preisen sie den fruchtigen, süßen oder herben Göttertrunk in all seinen Varianten. Folgt ihnen über die Blaubeerbrücke, über den großen Teich und durch die Zeiten. Seid dabei, wenn Met heilt, Menschen rettet oder heiß umkämpft wird, und findet mit ihm die Liebe und die Magie des Augenblicks.
Mit Texten von Tommy Krappweis, Sandra Melli alias Iny Lorentz, Ju Honisch, Mira Valentin, Sam Feuerbach und vielen anderen."


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Marburg-Con 2022

Geschrieben von Petra , in Unterwegs 12 May 2022 · 303 Aufrufe
Unterwegs, Marburgcon
Marburg - endlich wieder. Zwei Jahre Con-Abstinenz, aber nun hat das Team des MarburgCons wieder ein Treffen im Bürgerhaus Niederweimar möglich gemacht. Masken und Selbsttests gehörten noch dazu, aber in Zeiten von Corona ist das ohnehin eine längst eingeübte Routine. Und es tat gut, einmal wieder phantastische Menschen zu sehen.
Ich landete noch mit etwas verkleisterten Augen gegen 8.15 Uhr am Bürgerhaus an und fand schnell meinen Tisch. Als Neuigkeit hatte ich diesmal meinen Walkürenroman "Falkenblut" mitgebracht, außerdem hatte ich ein paar druckfrische Exemplare der Anthologie "Met-Magie" im Gepäck, die ein paar Tage zuvor bei mir angekommen waren. Zur Anthologie konnte ich von Herausgeberin Nadine Muriel, die zusammen mit Rainer Wüst schräg gegenüber ihren Büchertisch aufgebaut hatte, gleich noch ein paar Lesezeichen bekommen. Und da ich schon mal da war, erstand ich auch noch ein Exemplar von "Das geheime Sanatorium", das ich schon seit einiger Zeit auf dem Kieker hatte.

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Ich war mit meinem Tisch im Fensterbereich zwischen Ulf Fildebrandt und dem Geisterspiegel untergebracht und nutzte die Gelegenheit, mich bei Anke Brandt für eine Spontanlesung anzumelden. Ich bekam für 12 Uhr einen Platz auf der Kegelbahn reserviert. Dirk van den Boom, die bezauberndste Thekenschlampe aller Con-Tresen, hatte außer einer dringenden Nachfrage, wann denn mein SF-Roman "Der Weltraumplanet" endlich fertig sei, eine kühle Cola und ordentliches Chili für mich. Das "Linsen-Dal" dagegen - ist es der oder das Dal? - war nicht so ganz mein Fall. Dafür war die Pizza-Collection am Abend einfach gut. Ansonsten wimmelte der Con mal wieder von Thomassen, Thomas Backus half mir sogar eine Zeitlang, den Raum hinter meinem Tisch zu füllen.

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Die Lesung aus "Falkenblut" genau auf diesem Con war mir ein besonderes Anliegen. Auf diesem Con hatte ich vor zehn Jahren zusammen mit Bernd Rothe und Roselinde Dombach eine gemeinsame Lesung zur Vorstellung des Falkenblut-Projekts. Wir hatten vor, den Roman in der "Welt der Geschichten" herauszubringen. Roselinde hatte Illustrationen dazu gezeichnet. Und wir hatten schon eine Broschüre mit Leseprobe zum Verteilen mitgebracht. Dann kam die Mail von Bernd, dass bei ihm jetzt die Chemotherapie beginnen würde. Im Jahr darauf war von unserem Trio nur noch ich da ... Wir sehen uns wieder in Walhall.

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Die Lesung auf der Kegelbahn war klein aber fein. Ich hoffe, ihr hattet Spaß daran. Auch wenn es ein paar heftige Metzel-Szenen gab. Für mich war es jedenfalls schön, mal wieder etwas vorlesen zu dürfen. Die Corona-Pause war einfach ziemlich trist.

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Für einen kleinen Bücherkaufrausch hat es dann auch noch gelangt. Ich erstand am TES-Stand bei Gerd-Michael Rose zwei Hefte aus seiner Reihe BunTES Abenteuer: "Die Blitze" von Rolf Krohn und "Der dreieckige Sarg" von Ingo Scharnewski. Bei Saphir im Stahl habe ich von Erik Schreiber "Twilight Zoo" der Autorin Jutta Ehmke mitgenommen, außerdem den ersten Teil der neuen SF-Serie des Verlags "Sternenlicht": "Insel im Nichts" von Horst Hoffmann. Das Format der Serie gefällt mir schon mal, passt gut in die Hosentasche. Und ich bekam auch ein Poster zur Serie. Bei Torsten Low musste ich unbedingt "Kontakt mit Übermorgen" mitnehmen, einen zweiten Band mit Bulgarischer Science Fiction. Teil eins hatte ich vor einigen Jahren auf der Leipziger Buchmesse gekauft, wenn ich mich recht erinnere. Außerdem - wow! - der erste Roman von Markus K. Korb: "Die Saat des Hasses". Darauf bin ich natürlich ganz besonders gespannt. Beim Leserattenverlag schnappte ich mir "Feuersturm". Die Crew kennen viele schon aus diversen Anthologien des Verlags, eine gute Visitenkarte für das Buch.
Außerdem musste ich natürlich noch das Buch zum Marburg-Award haben: "Verlockung des Bösen" lautete das Thema diesmal. Ich habe es mal wieder nicht geschafft, etwas beizusteuern, aber die Jury hatte auch so reichlich zu tun, immerhin gab es 136 Einsendungen zum Wettbewerb.

Die Preisträger des Marburg-Awards 2022 und ihre Geschichten:
Platz 1: „Ater Sol“ von David Schmeer
Platz 2: „Finstagram“ von Lisa Schmidt
Platz 3: „Der lange Weg nach Ghanzi“ von Lyakon

Außerdem wurde am Abend der Vincent-Preis verliehen. Hier gab es folgende Preisträger und Platzierte:

Bester Roman national
1. Vincent Voss: Im Eis (Torsten Low)
2. Markus K. Korb: Die Saat des Hasses (Torsten Low)
3. Alexander Blumtritt: Die verschwiegene Schlucht (Independent Publishing)
4. Ina Elbracht: Klub Tropikal (KOVD)
5. Tobias Bachmann: Despina Jones und die Fälle der okkulten Bibliothek (Acabus)

Bestes internationales Literaturwerk

1. Stephen King: Blutige Nachrichten / If It Bleeds (Heyne)
2. T.S. Joshi: H.P. Lovecraft - Leben und Werk 2 / The Life and Times of H. P. Lovecraft (Golkonda Verlag)
3. Susanne Clake: Piranesi (Karl Blessing)
4. Adam Nevill: Niemand kommt hier lebend raus / No One Gets Out Alive (Buchheim Verlag)
5. Christian Heck, Rémy Cordonnier - Bestiarium. Das Tier in mittelalterlichen Handschriften (wbg Edition 2020) / The Grand Medieval Bestiary

Beste Kurzgeschichte

1. Günther Kienle: Der Fall Ernesto Tortuga - Maitre und Kosmonaut (Das geheime Sanatorium)
2. Vincent Voss: Lupus in Digitalis (Wolfsbrut)
3. Silke Brandt: Julbocken - Hygge Horror (Cthulhu Libria Neo 3 - Dunkle Weihnacht)
4. Vanessa Kaiser & Thomas Lohwasser: Erneuerung (Geschichten aus dem Keller)
5. Nicole Rensmann: Acht Minuten Leben (Pandemie)

Beste Anthologie
1. Michael Schmidt, Achim Hildebrand(Hrsg): Zwielicht 16 (Zwielicht)
2. Werner Graf, Jacqueline Mayrhofer, Melanie Vogltanz (Hrsg): Geschichten aus dem Keller (ohneohren)
3. Nadine Muriel und Rainer Wüst (Hrsg.): Das geheime Sanatorium (Lindwurm Verlag)
3. Felix Woitkowski (Hrsg): Wenn die Welt klein wird und bedrohlich (Blitz)
5. Florian Jung (Hrsg): Phantastikum (Phantastikum)

Beste Storysammlung
1.Tobias Jakubetz: Das Gift der Angst(Edition Solar X)
2. Heike Schrapper: 7 Leben 13 Tode (Edition Roter Drache)
3. Erik R. Andara: Hotel Kummer (Whitetrain)
4. Michael Marrak: Das Haus Lazarus (Memoranda)
5. Torsten Sträter: Gutenachtgeschichten (Ullstein)

Beste Horror-Grafik
1. Björn Ian Craig: Zwielicht 15 (Zwielicht)
2. Daniel Bechthold: Pentimenti (Wurdack)
3. Timo Kümmel: Der Teufelspakt (Atlantis)
3. Jens Maria Weber: Wenn die Welt klein wird und bedrohlich (Blitz Verlag)
5. Markus Weber: Das geheime Sanatorium (Lindwurm Verlag)
6. Azrael ap Cwanderay: 13 Brains of Zombies (Hammerboox)
7. Jana Heidersdorf: Der Speichermann (Splitter)
8. Mario Heyer: Schattenschwarz (Blitz)

Bester Heftroman
1. Adrian Doyle: Professor Zamorra 1205-1208 (Bastei)
1205 Ein Flüstern aus der Tiefe (1.Teil)
1206 Ritter der Nacht (2.Teil)
1207 Orden der Nacht (3.Teil)
1208 Festung der der Nacht (4.Teil)
2. Michael Blihall: Die Belagerung (Gespenster-Krimi 83)
3. Oliver Müller: Die toten Mönche von Llamphong (Professor Zamorra 1209)
4. Thomas Williams: Im Bann der Hexe (John Sinclair 2218)
5. Rafael Marques: Gespenster Krimi 39-40
39 Dunkle Seelen (1.Teil)
40 Paladin (2.Teil)

Sonderpreis
1. Anke und Wolfgang Brandt für den Geisterspiegel sowie die Anthologie Reihe Dark.
2. Professor Zamorra als die älteste noch regelmäßig und durchgehend erscheinende deutsche Horrorserie.
3. Tobias Reckermann für die Förderung junger Phantastik-AutorInnen mit seiner Verlagsplattform White Train und Pflege des kaum präsenten Genres Weird Fiction im Deutschsprachigen Raum
4. Joachim Körber und Edition Phantasia für viele Jahre besondere Bücher der Phantastischen Literatur
5. Florian Jung und sein Youtube Kanal creepy creatures review für sehenswerte Buchbesprechungen.

Den Gewinnern einen ganz herzlichen Glückwunsch!

Die Pizza und der gemütliche Ausklang waren sehr schön, die Rückfahrt eine echte Herausforderung. Seit ich zum MarburgCon fahre, ist die A7 südlich von Sillium eine Baustelle, aber diesmal war es echt eine besonders harte Tour. Ich kam gegen 1.30 in der Früh nach Hause und fiel ins Bett. Aber die Fahrt hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es war schön, euch alle wiederzusehen.

Trüber Nachklapp: Trotz Sicherheitskonzept und Hygienemaßnahmen haben sich offenbar einige Teilnehmer mit der Seuche infiziert. Mist. Aber wir waren wirklich diszipliniert, und die Masken haben wir im Saal höchstens mal zu einem Schluck Cola abgesetzt. Ich drücke den Betroffenen alle Daumen und wünsch gute Besserung. Ich selbst bin offenbar wieder einmal davongekommen. Wenn man mal von einer gewissen Müdigkeit in der Woche danach absieht ...


© Petra Hartmann


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Helgoländer Lesefestival 2022

Geschrieben von Petra , in Unterwegs 22 April 2022 · 227 Aufrufe
Unterwegs, Helgoland, Nestis
Das dritte Helgoländer Lesefestival - ich hatte schon fast nicht mehr daran geglaubt, dass es noch einmal klappen würde. Zwei Jahre lang musste die Organisatorin Kim Scheider uns immer wieder ausladen mit dem Hinweis auf die aktuelle Corona-Situation und die neuen behördlichen Anordnungen. Jetzt also, im dritten Jahr nach dem zweiten Lesefestival, folgte Nummer drei.
Angesetzt war ein einwöchiges volles Programm aus Kinderbuch-, Krimi- und autobiografischen Lesungen, Helgoländer Autoren und Insel-Liebhaber trugen ihre Texte vor und genossen dabei Sonne satt, Seeluft und verdammt gutes Essen. Was will man mehr?

Ostereier und Bücher

Als ich am Ostermontag mit der MS Helgoland von Cuxhaven aus die Insel erreichte, traf ich Kim bereits an ihrem Stand vor dem Helgoländer Rathaus, wo sie damit beschäftigt war, die Preise für die Osterei-Suchaktion an die glücklichen Finder auszuteilen. Wer eines der gelben Plastik-Ü-Eier mit Gutschein-Inhalt gefunden hatte, konnte sich bei ihr einen Buchpreis abholen.

Krimi-Lesung zum Auftakt

Abends gab es zum Auftakt eine kriminelle Lesung mit Thomas Breuer und Michael Stoffers, wobei Thomas mit seiner Kurzgeschichte "All die Namenlosen" diesmal den Part der "Vorgruppe" für Michael übernahm und mit seiner mörderischen Story den Grusel des Friedhofs der Namenlosen heraufbeschwor. Eine Abschiedsfeier dreier junger Helgoländer, die zwecks Ausbildung oder Gymnasiumsbesuch die Insel verlassen müssen, nimmt ihren schlimmstmöglichen Lauf, und die Robben, die auf Touristen immer so putzig wirken, sind auch beileibe keine Unschuldslämmer.

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Michael hatte extra zum Festival eine knapp 100-seitige Krimi-Novelle aufgelegt, die nur dort und nicht im Buchhandel erhältlich war und sein soll. "Taschenkrebse mögen keine Milch", lautet der Titel. Der Satz, den ein potentieller Terrorist während eines Helgoland-Aufenthalts zu seiner Begleiterin sagt, treibt die beiden ihn observierenden Kriminalbeamten beinahe in den Wahnsinn, und die Experten in der Dechiffrierabteilung kommen zu dem Schluss, dass der Mann ein Attentat mit Haftminen plant. Wer die Lesung verpassst hat und nun keines der Büchlein abbekommen hat, sei getröstet mit dem Hinweis, dass die Taschenkrebs-Geschichte zusammen mit zwei weiteren Krimis in einem Sammelband erscheinen soll, den Michael demnächst herausgeben will.

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Wir verbrachten einen netten geselligen Abend im "Knieper", ich bekam einen meiner geliebten Eiergrogs, und als ich abends in meinem Hotelbett im "Hamburger" lag, schlief ich in dem Bewusstsein ein, am schönsten Ort der Welt zu sein, und freute mich auf meine Dienstags-Lesung.

Corona und Möwenkacke

Wir hatten ja vor, einen Vormittag mit dem Thema "Möwen" zu gestalten. Ich hatte dazu meine Nestis-Geschichte "Die kleine Möwe Kackvorbei" mitgebracht. Außerdem war Andreas Strutz von der Helgoland-Verwaltung mit im Boot, der eine Möwen-Geschichte seines Onkels James Krüss vortragen wollte, ferner Michael Stoffers mit seinem Möwenbuch "Waldemar hat einen Traum" und Florian Tiedgen, der beim Schreibwettbewerb zum Festival die Geschichte "Möwenjunge" beigesteuert hatte. Ja, Pustekuchen.
Angefangen hatte es damit, dass Kim mir am Montag über den ersten Lese-Partner Bescheid sagte: "Der fällt aus, den hat das böse C erwischt." Da war sie aber noch davon ausgegangen, dass sie den James-Krüss-Text vorlesen würde. Am Dienstagmorgen, eine halbe Stunde vor der Lesung, ich kam gerade mit einem Bücherkarton aus dem Hotel, kam sie mir entgegen: Zwei weitere Mitglieder unserer geselligen Abendrunde im Knieper, darunter ein Vorleser, waren positiv. Damit war die Möwenlesung am Ende. Mein Schnelltest ergab immerhin ein negatives Ergebnis, aber so schnell kann man das ja auch nicht sagen. (Hinweis: Bis heute bin ich gesund.)

Spaziergang auf dem roten Felsen

Jedenfalls gewann ich so einen sonnigen, wenn auch etwas nachdenklichen freien Tag, den ich zum Spazierengehen und Lesen nutzte. Ich las Michaels "Taschenkrebse" und die Hälfte des Buches "Die Inselpastorin" von Pamela Hansen, der auf Helgoland. Außerdem habe ich eine Menge Zeit mit den Basstölpeln verbracht. Das Breithorn, der Lummenfelsen und die Lange Anna sind inzwischen voll von den lautstarken Brutgästen. Und es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend, wie gut die Vögel ihre Rechte kennen. Sie brüten in dichten Schaaren genau vor der Drahtabsperrung, die den Menschen verbietet, weiter zu gehen. Brüter und Fotografen trennt kaum eine Handlänge. Aber die Vögel beachten die Gaffer gar nicht. Sie wissen ja, dass wir den Draht nicht übersteigen dürfen. Auf jeden Fall ein beeindruckendes Naturschauspiel. Wenn auch kein besonders wohltönendes. Denn die Schreie der Basstölpel sind so ziemlich das lauteste und unmelodischste Geschnarre und Gekreische, das man sich vorstellen kann.

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Der Lummenfelsen sah übrigens ziemlich verändert aus. Hier hatten die Helgoländer die elenden Plastiknetze weggeschafft, die von den Basstölpeln immer wieder zum Nestbau verwandt werden. Nun ist die Oberfläche des Skitenhörns nackt wie abgeschält, und die Absperrung ist viel weiter nach innen gezogen, der Platz für die Menschen also wesentlich kleiner. Das habe aber nichts damit zu tun, dass der Lummenfelsen möglicherweise einsturzgefährdet sein, wurde mir versichert. Jedenfalls war es witzig zu sehen, dass die Basstölpel der neuen Freifläche offenbar noch nicht trauen. So bleibt ein riesig breiter nackter Felsplatz zwischen dem Zaun und dem Beginn der Brutzone.

Dritte Nestis-Lesung auf Helgoland

Die Nestis-Lesung am Mittwochmorgen ging dann reibungslos über die Bühne. Ein paar Kinder waren da, Eltern, ein paar Autorenkollegen. Es hätten mehr sein können, aber es hat Spaß gemacht, nach so langer Zeit mal wieder richtig loszulesen. Witzig war, dass ich meine Nestis-Bücher auf Helgoland sozusagen in umgekehrter Reihenfolge präsentierte. Beim ersten Helgoländer Lesefestival im Jahr 2017 war "Nestis und die verbotene Welle" druckfrisch erschienen, darum las ich natürlich aus dem dritten Teil der Serie. Beim zweiten Helgoländer Lesefestival 2019 hatte ich mich für eine Lesung aus "Nestis und die Hafenpiraten" entschieden, und jetzt, beim dritten Festival, las ich endlich aus dem ersten Nestis-Band vor. Aber warum auch nicht? Die Kinder hielten vier Kapitel widerspruchslos durch, was ich mir schon als kleines Verdienst anrechne. Übrigens war darunter ein Mädchen, das am Ostermontag bei der Ostereiersuche ganz besonders erfolgreich gewesen war, wie mir die Mutter stolz erzählte.
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Der Nachmittag gehörte Reimer Boy Eilers, der seinen Helgoland-Roman "Das Helgoland, der Höllensturz" vorstellte. Das Buch habe ich euch ja hier im Blog schon besprochen. Es vorgelesen zu bekommen, hat allerdings noch eine ganz andere Qualität, zumal Reimer als alter Helgoländer auch viel zu erzählen wusste, was nicht im Buch stand. Dass sich der traditionelle helgoländische Name seines Helden Pay Edel wie "Poy" ausspricht, war mir zum Beispiel damals bei der Lektüre nicht klar. Und auch dass das "Mikken" des mit Pay befreundeten "Esquimaux" in der Sprache der Inuit dadurch entsteht, dass sie an Fremdwörter jeweils die Silbe "mik" anhängen, hat Reimer noch einmal erklärt.


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Am Abend stellte dann Thomas Breuer seinen neuen Leander-Krimi vor: "Leander und der Blanke Hans" hat tatsächlich eine sehr beeindruckende Verbindung zu dem Helgoländer Roman "Leander und der Lummensprung", aus dem er beim ersten Helgoland-Festival vorlas. Der Brief, der im Roman den verschwundenen Krimiautor Groothues auf die Spur eines großartigen Skandals bringt, hat ein reales Vorbild, das Thomas nach seinem Helgoland-Roman von einem Fan erhielt. Unfassbar. Und genau so unfassbar die kriminelle Energie und der abgründige Humor, mit dem Thomas seine neue Leander-Geschichte vorantreibt. Bah! Diese Geschichte mit dem Fuß am Strand - einfach teuflisch gut. Klar, dass ich mir den Roman zulegen musste.
Leider war das auch schon der letzte Tag des Festivals, den ich miterleben durfte. Da ich für Samstag, 12.30 Uhr, eine Lesung auf dem Conventus Leonis zugesagt hatte, nahm ich am späten Donnerstag-Nachmittag die MS Helgoland zurück nach Cuxhaven. Ich hatte eine friedliche Überfahrt, wenn man mal von meiner Krimi-Lektüre an Bord absieht, war dann noch ein paar Stunden auf A27 und A7 unterwegs und kam gegen 22 Uhr wieder zurück nach Sillium. Es war ein schöner, wenn auch viel zu kurzer Inselaufenthalt. Demnächst mehr. Und nun mal sehen, was die Löwenstadt zu bieten hat.

Nachtrag: Wer sich die Helgoland-Geschichte "Die kleine Möwe Kackvorbei", die ich coronabedingt auf der Insel nicht vorlesen konnte, einmal anhören möchte, kann sich die Radio-Lesung aus der Sendung "High Noon" auf Youtube anhören:




Zweites Helgoländer Lesefestival 2019
Erstes Helgoländer Lesefestival 2017

© Petra Hartmann


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Mit Metmagie über die Blaubeerbrücke

Geschrieben von Petra , in Movenna 09 April 2022 · 238 Aufrufe
Movenna
Die "Met-Magie" ist da: Die phantastische Anthologie mit meiner Geschichte "Die Blaubeerbrücke" ist ab sofort zu haben, und ich finde, das Buch liegt sehr gut in der Hand, ist optisch ansprechend, und das, was ich bisher gelesen habe, ist auch nicht ohne.

Für mich war es nach langer Zeit eine Heimkehr ins Land Movenna. Ich erzähle ein Abenteuer des mogalithischen Kronprinzen Ardua, der mal wieder granatenmäßig daran scheitert, sich in einer der alten movennischen Sagen zurecht zu finden. Mithilfe des Blaubeermets der alten Marjatta gelangt er über die Blaubeerbrücke in die verwunschenen Stadt Venta, von der Fandir der Barde in den Movenna-Büchern so zauberhaft singen konnte. Aber - liegt es am Met, liegt es am miesen Karma der Ventaner? - selbst der beste Blaubeermet der Westküste kann nicht alle Flüche brechen. Am wenigsten die, die wir in uns selber tragen.

Der Klappentext:
"Heilmittel und Zaubertrank: Schon vor 20.000 Jahren sollen sich Mensch und Tier an der exquisiten Köstlichkeit Met berauscht haben. Ob in Ritualen, als Bardentrunk, mystische Opfergabe und Teil festlicher Zeremonien: Met ist unverzichtbar. Die namhaften Autorinnen und Autoren dieser Sammlung ließen, wie einst die nordischen Skalden, ihre Phantasie durch Met beflügeln. In fünfzehn Erzählungen preisen sie den fruchtigen, süßen oder herben Göttertrunk in all seinen Varianten. Folgt ihnen über die Blaubeerbrücke, über den großen Teich und durch die Zeiten. Seid dabei, wenn Met heilt, Menschen rettet oder heiß umkämpft wird, und findet mit ihm die Liebe und die Magie des Augenblicks."

Autoren:
Amandara M. Schulzke, Nadine Muriel, Tommy Krappweis, Ju Honisch, Sam Feuerbach, Mira Valentin, Friedhelm Schneidewind, Sandra Melli, Thomas Heidemann, Petra Hartman, Rainer Wüst, Astrid Rauner, Megan E. Moll, Laurence Horn, Stefan Cernohuby.

Buch-Infos:
ISBN/EAN: 9783862828333
Sprache: Deutsch
Umfang: 150 S.
Auflage: 1. Auflage 2022
Einband: Paperback
Preis: 9 Euro

Bestell-Link:
https://www.amazon.d...e/dp/3862828336


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Katja Brandis: Khyona - Im Bann des Silberfalken

Geschrieben von Petra , in Bücher - phantastisch 26 February 2022 · 399 Aufrufe
Bücher - phantastisch, Fantasy und 2 weitere...
Die faszinierende Insel Island und das magische Reich Isslar sind die Schauplätze des Fantasy-Romans "Khyona - Im Bann des Silberfalken". Es ist der erste Teil der "Khyona"-Serie, ein zweiter ist bereits erschienen, Teil eins lässt sich jedoch auch als Einzelwerk lesen und ist in sich abgeschlossen.
Kari, die Heldin der Geschichte, ist 16 Jahre alt und Teil einer Patchwork-Familie, die erst seit kurzem besteht. Außer ihrer Mutter gehören noch die jüngere Schwester Alice dazu, ferner der neue Mann ihrer Mutter und dessen Sohn John. Die letzteren beiden kann Kari nicht leiden. Die fünf machen gerade Urlaub auf Island, auch um ein ein bisschen zusammenzufinden, als Kari sich nach einem Streit mit dem wichtiguerischen Stiefbruder etwas absondert. Auf einem Parkplatz trifft sie einen Mann und eine Frau, die auf Islandponys reiten und eines für sie mitgebracht haben. Kari hält das für eine Geburtstagsüberraschung und steigt begeistert auf. Erst als sie durch ein Portal in eine altertümliche, von Geysiren und Vulkanen geprägte mittelalterliche Welt hinüberwechseln, schwant ihr, dass etwas nicht stimmt.

Auftragskillerin gesucht

Langsam stellt sich heraus: Es handelt sich um eine Verwechslung. Die beiden wollten eigentlich eine Assassinin, eine Auftragskillerin, abholen, die für die Herrscherin des Landes Isslar jemanden erledigen soll. Schlimmer noch: Ein Menschenleben ist in dieser Welt absolut nichts wert, versehentlich Hineingeratene werden ebenso zum Tode durch Vulkanausbrüche verurteilt wie aufmüpfige Landeskinder. So bleibt Kari nichts anderes übrig, als die Rolle anzunehmen und mitzuspielen.

Fünf magische Familien beherrschen Khyona

Isslar, und vor allem die Hauptstadt Khyona, wird von fünf Familien beherrscht, die alle jeweils ein bestimmtes magisches Talent haben. Vor allem ist Kari fasziniert von dem jungen Andrik, dem letzten Vulkanmagier, der sich abseits hält und in stolzer Unnahbarkeit durch die Berge streift, einzig begleitet von seinem Pferd und einem Silberfuchs.

Ein Mord für einen Silberfalken

Doch auch zwischen Maeve, der Beraterin der Herrscherin, und Kari, der vermeintlichen Assassinin, entsteht eine enge Freundschaft. Dumm ist nur, dass ausgerechnet Maeve diejenige ist, die Kari laut Auftrag der Herrscherin erledigen soll. Der Auftrag ist sogar noch komplizierter: Es muss nicht nur aussehen wie ein Unfall, es muss ein Unfall sein. Denn eine Zauberkundige aus den fünf Familien verwandelt sich nach einem tödlichen Unfall in einen Silberfalken, den ultimativen Diener der Herrscherin. Bei einem Mord würde derjenige zu einen bösen und aggressiven Silbergeier werden.

Großartiges Cover zeigt Gerfalken mit Gesicht

Man soll ein Buch nicht nach dem Cover beurteilen. Aber für mich war das wichtigste und stärkste Kaufargument einfach das großartige Titelbild, das einen Leser geradezu zwingt, das Buch in die Hand zu nehmen. Zu sehen ist darauf ein weißer Gerfalke, dessen linker Flügel Teile eines Mädchengesichts zeigt. Es gibt also durchaus noch Möglichkeiten, das ausgelutschte "Gesichtercover"-Prinzip noch frisch und orignell zu variieren. Der Rest des Covers ist in Blaugrün-Tönen gehalten und erinnert an Polarlichter. Einfach magisch.

Mainstream-Fantasy und klassisches Jugendbuch

Zum Inhalt: Es ist Mainstream-Fantasy, nicht schlecht, aber eben ein klassisches Jugendbuch des Genres. Ein junger Protagonist gerät in eine fremde magische Welt hinein und versucht zurückzukommen, wobei er in der anderen Welt diverse Probleme lösen muss und trotz seiner Jugend und Unerfahrenheit nicht nur Lebensgefahren und Kämpfe mit überlegenen Gegner besteht, sondern auch zum Weltenretter wird. So auch Kari.
Kari bringt nicht viel mehr mit als einige Kenntnisse aus ihrer Fantasy-Lektüre, die Arbeit an ihrem ersten eigenen Roman, dessen fünftes Kapitel gerade stagniert, und ihre Erfahrung als begeisterte Rollenspielerin. Das scheint zu helfen bei ihrem Bemühen, glaubhaft eine Auftragskillerin darzustellen. Aber ist es wirklich glaubhaft?

Plumpe Mordversuche überzeugen nicht

Bei Licht besehen wirken ihre anderthalb Versuche, einen Unfall zu provozieren und ihn gleichzeitig zu verhindern, derart plump und durchsichtig, dass sich kein Mensch davon ernsthaft täuschen lassen könnte. Am allerwenigsten eine Herrscherin, die als die Böseste der Bösen gilt, bereits über einen wenn auch betagten Silberfalken verfügt und eine durchtriebene Tochter hat, die ihr in Bösartigkeit noch überlegen ist. Auch die Logik hinter dem Gedanken, dass ein künstlich herbeigeführter Unfall eben kein Mord sei, überzeugt nicht.

Naive Versuche und alte Hüte

Karis Versuche, das Passwort für das geheime Tor zu erhalten, wirken derart naiv, dass es den Leser einigermaßen verblüfft, wie erfolgreich sie damit ist. Und ihre Reaktion auf den Überfall der Drachen ist erst recht völlig daneben: Da fliegen Riesenechsen ein und greifen die Stadt an, und Kari hat nichts anderes zu tun, als sich an ihre Fantasy- und Rollenspiel-Vorlieben zu erinnern und daran, dass Drachen doch in ihrem Weltbild eigentlich "die Guten" sind. Dass sie dann einen verletzten Jungdrachen findet, ihn rettet und später natürlich in einer brenzligen Situation auch von ihm gerettet wird, ist ein so alter Hut, dass man als Leser etwas verärgert ist.

Auftragskillerin agiert vollkommen unprofessionell

Ebenso unlogisch verhält sich die wirkliche Auftragskillerin. Diese Cecily ist verständlicherweise wütend, dass sie das Abholkomitee verpasst hat. Aber dass sie sich dann an Karis Familie hängt, John den Aufenthaltsort Karis abpressen will und Karis Mutter mit Arsen auf die langsame Art zu Tode bringen will, schließlich auch John einen vergifteten Müsliriegel unterjubelt ... das ist hochgradig dumm und einer professionellen Assassine unwürdig. Spätestens, als ihr klar wird, dass die Familie überhaupt nichts weiß, ist Weitermachen einfach nur idiotisch, selbstgefährdend und eher einer pubertierenden Amateurin angemessen als eine international erfolgreichen und gefragten Killerin. So verhält sich Cecily auf Island genau so wenig überzeugend wie Kari in Isslar.

Katja Brandis schreibt spannend und flüssig

Dabei ist jedoch festzuhalten, dass die Autorin Katja Brandis durchaus etwas kann. Das Abenteuer ist flüssig geschrieben, lässt sich gut und zügig lesen und nicht leicht aus der Hand legen. Es ist eine spannende, zum Teil auch humorvolle Geschichte, von der man sich gut unterhalten fühlt und die einem genau das Abenteuer gibt, dass das Titelbild verspricht. Dazu die besondere Landschaft Islands/Isslars und die Begegnungen mit dem faszinierenden Vulkanmagier Andrik, das alles hat schon was. Eben Mainstream, was auch heißt: ganz ordentlich.

Fazit: Fantasy-Abenteuer mit klassischem Plot, nicht originell, aber ordentlich gemacht. Abzüge für die Motivation und Handlungsweise der Protagonistin und der Antagonistin. Pluspunkte für die Charakterzeichnung des Mordopfers und des vulkanischen Love-Interest. Herausragendes Cover. Lesbar.


Katja Brandis: Khyona. Im Bann des Silberfalken. Würzburg: Arena, 2021. 477 S., Euro 12.


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Malcolm Max: Blutrausch

Geschrieben von Petra , in Comics 19 February 2022 · 310 Aufrufe
Comics, Malcolm Max und 2 weitere...
"Blutrausch" heißt das vierte Comicalbum um den Dämonenbanner und Experten für paranormale Erscheinungen Malcolm Max. Das Autorenduo Peter Mennigen und Ingo Römling entführt seine Leser erneut in ein düsteres viktorianisches London mit Steampunk-Elementen und jeder Menge Blut und Leichen.
Das Abenteuer trägt den Titel "Blutrausch" nicht zu Unrecht. Es geht um Fälle von Wahnsinn, der in Mordlust und Kannibalismus ausartet. Betroffen ist auch die Nichte des Inspektors Blunt, der Malcolm eigentlich nicht leiden kann, nun aber verzweifelt um Hilfe bittet. Das Mädchen ist inzwischen in der Irrenanstalt untergebracht, wo es apathisch dasitzt und immer nur den einen Halbsatz vor sich hinmurmelt: "Per sanguinem et mortem ... durch Blut und Tod." Doch als sich die Gelergenheit zum Angriff bietet, schlägt die Irre los.

Ermittlungen an den düstersten Orten Londons

Malcolms Ermittlungen führen ihn an die düstersten Orte Londons und werden bald lebensgefährlich. Da ist es gut, dass die Halbvampirin Charisma an sich ein neues magisches Talent entdeckt und Malcolm in einer verzweifelten Situation beistehen kann.

Malcolm Max - verheiratet?

Allerdings: In diesem Band stehen die Zeichen zwischen den beiden Traumpartnern auf Sturm. Charismas Stimmung ist auf dem Nullpunkt angekommen, als eine junge schöne Frau vor der gemeinsamen Wohnung auftaucht und behauptet, Malcolms Ehefrau zu sein. Der streitet alles ab und behauptet, die Dame nicht zu kennen. Was Charisma nur noch mehr erzürnt. Doch die schöne Solace ist tatsächlich ganz anders, als sie zu sein scheint ...

Sherlock Holmes' Nachbarinnen als Junior-Ermittlerinnen

Auch die beiden Waisenmädchen Emmeline und Miranda haben ihr eigenes Süppchen am Kochen. Als erfahrene Detektivinnen und ehemalige Nachbarinnen von Sherlock Holmes stellen sie Ermittlungen an, die denen von Malcolm in nichts nachstehen. Der arme Inspektor, den die beiden in die Mangel nehmen, kann einem fast leid tun. Außerdem treten zwei neue Mitspieler im Kampf zwischen Gut und Böse in London auf: Eine Art Superheld, der sich als "geflügelter Rächer" bezeichnet, und eine kampfstarke Gruppe von schwarzgekleideten Ladys, mit denen man(n) sich besser nicht anlegt.

Besuch im Bedlam-Hospital und Newgate-Prison

Die Geschichte ist sehr düster, blutig und geprägt von Schauplätzen, über deren Eingangstür stehen könnte: "Die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren." Die Leser begleiten die Helden ins "Bedlam-Hospital", eine Irrenanstalt, die auch schon mal genutzt wird, um unbequeme Verwandte verschwinden zu lassen. Und die vermeintliche Frau Max gerät in Gefahr, im berüchtigten "Newgate-Prison" eingekerkert zu werden. Zusammen mit einer Gruppe Suffragetten, die bei einer Demonstration niedergeknüppelt und abgeführt wurden. Was es mit beiden Orten auf sich hat, erfährt man im Anhang des Buches, der über die historischen Hintergründe informiert. Bedrückend, beklemmend, düster und hoffnungslos.

Kampf in der Londoner Kanalisation

Entsprechend düster sind die Zeichnungen von Ingo Römling gehalten, Der Künstler beschränkt sich zumeist auf Brauntöne und Schwarz und erliegt auch bei blutigen Szenen nicht der Versuchung, durch krasse Rottöne Akzente zu setzen. Sehr bedrückend, aber stimmig. Einzige Ausnahme ist der Auftritt Charismas als neongrün leuchtende Erscheinung, als sie ihren Körper zurücklässt und in ihrer Seelengestalt dem kilometerweit entfernten Malcolm bei seinem aussichtslosen Kampf gegen ein Ungeheuer in der Londoner Kanalisation beisteht.
Die kannibalischen Szenen sind vielleicht nicht jedermanns Geschmack, doch tragen hier die dunklen Farben sogar dazu bei, den Anblick "genießbarer" zu machen. Des weiteren sind die bissigen Kommentare Malcolms und die Frotzeleien zwischen ihm und Charisma auch hier wieder ein Element, das die Geschichte lesenswert macht und ihr ihren ganz eigenen Humor verleiht. Dass das Album spannend und lesenswert ist, dürfte bei Mennigen und Römling klar sein.

Fazit: Düstere Steampunk- und Horrorgeschichte aus dem viktorianischen London mit viel Humor und in gedeckten Farben. Keine schöne Geschichte, aber packend.


Malcolm Max: Kapitel 4 - Blutrausch. Text: Peter Mennigen, Zeichnungen und Farben: Ingo Römling. Splitter-Verlag, 2019. 71 S., Euro 15,80.

Mehr von Malcolm Max
Hörspiel: Venedig sehen und sterben
Hörspiel: Tod in Paris
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Helgoländer Lesefestival geht in die 3. Runde

Geschrieben von Petra , in Nestis 14 February 2022 · 414 Aufrufe
Nestis, Helgoland
Auf nach Helgoland! Das Helgoländer Lesefestival geht in die 3. Runde. Das ist jedenfalls der Plan. Die Veranstaltung musste ja schon zweimal wegen Corona abgesagt werden. Jetzt hat Organisatorin Kim Scheider ("Der rote Feuerstein" / "Der rote Feuerstein und die Götterdämmerung") einen neuen Anlauf gewagt und das Programm für die Woche nach Ostern, 18. bis 22. April, vorgestellt. Ich bin mit zwei Lesungen an Bord: Am Dienstag stelle ich meine Nestis-Serie vor, am Mittwoch bin ich bei der Möwen-Lesung mit dabei und lese "Die kleine Möwe Kackvorbei" vor, ebenfalls eine Geschichte aus dem Nestis-Kosmos. Das Programm, das Kim zusammengestellt hat, sieht folgendermaßen aus:

Ein Programmpunkt ist "Die lange Krimi-Woche":

Eröffnet wird das Helgoländer Lesefestival von dem auf der Insel mittlerweile gut bekannten Bürener Krimiautor Thomas Breuer, der seinen neuen Kurzkrimi "All die Namenlosen" präsentiert, sowie von dem Hamburger und Teilzeitinsulaner Michael Stoffers ("Unheimliche Freunde", "Das Geheimnis des gelben Pergaments"), einem der derzeit produktivsten Verfasser helgolandlastiger Erzählungen, der seinen Krimi "Taschenkrebse mögen keine Milch" vorstellt. Beiden kann man im Verlaufe des Festivals gleich mehrmals begegnen. Gemeinsam setzen sie den Startpunkt für die lange Krimi-Woche, die es dem Fan spannungsgeladener und mitunter blutiger Literatur ermöglicht, die ganze Woche "nicht ohne Krimi ins Bett zu gehen".
Bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe erhalten die beiden im Verlaufe des Festivals prominente Unterstützung von Heike und Peter Gerdes aus Leer, die zusammen die kombinatorischen Fähigkeiten des Publikums herausfordern werden. Susanne Ziegert lässt den interessierten Zuhörer gar an einer Neuveröffentlichung teilhaben und Margarete von Schwarzkopf, die ihren Krimi zum ersten Mal auf Helgoland präsentiert, hat zudem noch Spannendes aus ihrer Familienhistorie zu berichten.

Was es bedeutet, seinen Lebensmittelpunkt auf eine Insel zu verlegen...

...und welche Besonderheiten speziell ein Neustart auf Helgoland mit sich bringt, davon wissen die Wahlhelgoländerinnen Levke Paulsen und Anke Ratajczak zu berichten. Mit der Vorstellung ihrer Bücher "Herzheimat Helgoland" und "Gott sei Dank Helgoland" lassen sie ihre Gäste in launigen und ergreifenden Episoden daran teilhaben.

Möwen, Meerjungfrauen, geheimnisvolle Pergamente und Schlüsselsteine

Auch für junge und jung gebliebene Bücherwürmer hat das Lesefestival einiges zu bieten. Schon bei der großen "Möwen-Lesung" kann man sich gleich zu vier Abenteuern der inseltypischen Federtiere entführen lassen. Außerdem im Programm: Ein Wiederhören mit Petra Hartmanns Meerjungfrau "Nestis", die Jugendkriminalgeschichte "Das Geheimnis des gelben Pergaments" von und mit Michael Stoffers, sowie den Fantasyroman "Der rote Feuerstein und die Götterdämmerung" mit der Autorin und Organisatorin des Lesefestivals Kim Scheider.

Höllensturz und Seemannsgarn

Um das Programm abzurunden, dürfen natürlich auch der auf Helgoland aufgewachsene Autor Reimer Boy Eilers ("Das Helgoland, der Höllensturz" / "Die Schiffbrüchigen von Tumbatu") und der Wahlhelgoländer Holger Bünning nicht fehlen.
"Der Höllensturz - Das Helgoland" lautet der vielversprechende Titel Eilers, der damit nicht nur einen historischen Roman, sondern auch Liebes- und Kriminalgeschichte zugleich kreiert hat.
Und wer Holger Bünnings Seemannsgarn bei seinen Börtebootfahrten schon einmal lauschen durfte, der ahnt bereits, welch tiefer Ozean voller Geschichten noch in ihm schlummert.

Alle Lesungen in der Nordseehalle

Aus organisatorischen Gründen finden die Lesungen in diesem Jahr nicht wie gewohnt an unterschiedlichen Orten statt, sondern ausschließlich in der Nordseehalle. Wie gewohnt ist allerdings der Eintritt zu allen Veranstaltungen frei, solange der Platz ausreicht, wobei die zulässige Teilnehmerzahl sich an der jeweils gültigen Corona-Verordnung orientiert.

Und noch ein Highlight zum Lesefestival

Bereits am Vormittag des Ostermontag läuft die Aktion "Oster-Bücher-Suche", die das Lesefestival einläutet. Sozusagen ein "Lesefestival to go", da die glücklichen Finder entsprechend gestalteter (Ü-)Eier den darin befindlichen Gutschein gegen ein Buch eintauschen können. Gespendet wurden die Bücher von den teilnehmenden AutorInnen, der James Krüss Hummerbude und der Krimiautoren-Vereinigung "Syndikat". Die Bücher können am Rathaus zwischen 10 Uhr und 14 Uhr abgeholt werden.


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Druckfahne für "Metmagie" ist da

Geschrieben von Petra , in Movenna 02 February 2022 · 305 Aufrufe
Movenna
Gestern habe ich die Druckfahne für unsere Anthologie "Metmagie" erhalten und meine Geschichte "Die Blaubeerbrücke" ein letztes Mal Korrektur gelesen. Es ist nach vielen Jahren mal wieder eine Geschichte von mir, die im Land Movenna spielt.
Mein Fazit nach dem Korrekturlesen: Alles im grünen Bereich, keine größeren Macken drin gefunden.

Das Buch erscheint am 21.03.2022 im Acabus-Velag und kostet 9 Euro.

ISBN/EAN: 9783862828333
Sprache: Deutsch
Umfang: 150 S.
Auflage: 1. Auflage 2022
Einband: Paperback

Der Klappentext

Heilmittel und Zaubertrank: Schon vor 20.000 Jahren sollen sich Mensch und Tier an der exquisiten Köstlichkeit Met berauscht haben. Ob in Ritualen, als Bardentrunk, mystische Opfergabe und Teil festlicher Zeremonien; Met ist unverzichtbar. Die namhaften Autorinnen und Autoren dieser Sammlung ließen, wie einst die nordischen Skalden, ihre Phantasie durch Met beflügeln. In fünfzehn Erzählungen preisen sie den fruchtigen, süßen oder herben Göttertrunk in all seinen Varianten. Folgt ihnen über die Blaubeerbrücke, über den großen Teich und durch die Zeiten. Seid dabei, wenn Met heilt, Menschen rettet oder heiß umkämpft wird, und findet mit ihm die Liebe und die Magie des Augenblicks. Mit Texten von Tommy Krappweis, Sandra Melli (=Iny Lorentz), Mira Valentin, Sam Feuerbach und vielen anderen.

Bestellen beim Verlag:
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Walhalla: Die gesammelte Saga 4

Geschrieben von Petra , in Comics 19 January 2022 · 414 Aufrufe
Comics, Walhalla und 1 weitere...

Der vierte Sammelband der dänischen Comicserie "Walhalla" bietet drei bisher in Deutschland nicht veröffentlichte Abenteuer der germanischen Götter. Peter Madsen und Henning Kure berichten, wie die Götter ihre Attribute bekamen, woher der Dichtermet stammt und was Odin und Thor am Hof Geirröds erlebten.
Erneut erzählen die Walhalla-Macher germanische Göttersagen aus der Edda und setzen sie mit gekonnt frechem Erzählstil und beeindruckenden, durch Humor und Detailreichtum geprägte Bilderwelten in Szene. Allerdings fällt den Autoren in diesem Band eine Entscheidung aus den Anfangsbänden auf die Füße: Röskva und Tjalfi, die beiden menschlichen Diener Thors, fallen in diesem Band als Perspektiv-Figuren aus, da es sich hauptsächlich um Sagen handelt, die längst vor der Ankunft der beiden in Asgard spielten. Als Start der Serie war ja Geschichte von Thors Böcken und darüber, wie die Kinder in den Dienst des Donnergottes kamen, gesetzt worden. Ablauf und die Chronologie der Ereignisse können demnach nicht mehr eingehalten werden.
Ein Problem, das bereits im Vorgänger-Album auftrat, als es um Thors Kampf mit der Midgardschlange ging. Damals hatten die Autoren sich durch den Kniff gerettet, die alte Anglergeschichte Thors durch eine erneute Begegnung des Gottes mit dem Ungeheuer zu spiegeln. Doch nun geht es um vergangene einmalige Geschichten, bei denen Röskva und Tjalfi nun wirklich nicht dabei sein konnten. So wird die Chronologie der Serie durchbrochen, und wir befinden uns plötzlich in einem Asgard der Vorzeit. Ein Problem, das der Erzähler mal mehr und mal weniger elegant löste.

 

Eddalieder am Lagerfeuer

 

Das erste Abenteuer, "Die Gaben der Götter" ist gestaltet als eine Lagerfeuer-Erzählung bei einem gemütlichen Grillabend der Familie Thors. Röskva begeistert sich für Sifs Haar und erfährt, dass es sich tatsächlich um reines Gold handelt. Loki, der ebenfalls in der Grillrunde mit dabei ist, erzählt, halb aus Prahlsucht, halb gezwungen die ganze Geschichte, wie er Sif die Haare abschor und dafür vom wütenden Thor dazu verdonnert wurde, Ersatz zu schaffen. Röskva und Tjalfi haben in diesem Abenteuer also die Funktion des Zuhörerrs, der Veranlassung zum Erzählen geworden ist. Dabei wird die Erzählsituation ständig wieder in Erinnerung gerufen durch Unterbrechungen seitens der Betroffenen Thor und Sif, die Loki ständig korrigieren und ihn zwingen, die Wahrheit zu sagen, wenn er für ihn peinliche oder unvorteilhafte Wendungen ausliässt. So wird die Geschichte dialogisch entwickelt und polyperspektivisch erzählt.
Das ist eine nette Abwechslung, wirft den Leser aber auch immer wieder aus dem Erzählfluss raus. Man merkt einfach, wie die Walhalla-Macher sich hier winden, um ihre Geschichte doch noch durch die Augen Röskvas und Tjalfis erzählen zu können. Aber es eckt und hakt ein wenig, es ist wie ein Roman voller Rückblenden, aus dem man immer wieder zurück in die Lagerfeuerszene geworfen wird, in der aber selbst nichts passiert.

 

Als die Götter noch jung waren

 

Sehr liebenswürdig ist der Gedanke, das Ganze als eine Liebesgeschichte des jungen Thor und seiner gerade erst nach Asgard gekommenen Angebeteten aufzufassen. Wobei Sif als eine Verwandte Freyers dargestellt wird, was mythologisch nicht belegt ist. Sehenswert ist die Darstellung Thors, Sifs und einiger ihrer Altersgenossen als Jugendliche, die Geschichte spielt ja in der Vergangenheit der Götter. Ein dickes Lob verdient die Idee, Skidbladnir, das Schiff Freyers, in der zusammengefalteten Form als Zeitungspapierschiffchen darzustellen. Sehr schön. Und dass die Walhalla-Macher in der Darstellung von Trollen und Zwergen punkten können, ist ja bereits bekannt.

 

Ein Krimi rund um das Dichtermet

 

Das zweite Abenteuer trägt den Titel "Das Mysterium des Dichtermets". Es geht um die Gewinnung des sagenhaften, inspirierenden Skaldentrunks, den Odin von den Riesen gewann, und um die Vorgeschichte und die Entstehung dieses Stoffes, aus dem die Dichterträume sind. In diesem Abenteuer tauchen Röskva und Tjalfi gar nicht mehr auf. Wir haben es mit einer zeitlosen Geschichte zu tun, die als Selbstgespräch Odins daherkommt, der sich an eines seiner Erlebnisse erinnert und dabei einen Krimi erzählt.

 

Odin als Privatschnüffler im Hardboiled-Stil

 

Interessant ist das Setting: Odin kommt daher als Ich-Erzähler eines Hardboiled-Krimis im Chandler-Stil, sein Herrschersitz in Walhall wird vorübergehend zum versifften Büro eines mehr oder weniger erfolgreichen Privatschnüfflers - inklusive Streifenlichtfall durch die halb heruntergelassenen Jalousien. Und natürlich gehört auch der tief ins Gesicht gezogene dunkle Schlapphut mit dazu, unter dem der verdeckte Ermittler einäugig hervorlugt. Die am Film noir orientierte Bildästhetik hat etwas, ganz klar. Auch wenn nicht ganz klar wird, wieso sich der sonst so erhabene und auf seine Würde bedachte Obergott von zwei rotzfrechen Zwergen so herumkommandieren lässt. Zahlende Klienten sind diese beiden windigen Typen, die ihn zur Wiederbeschaffung ihres Metfasses auffordern, ja nicht.

 

Kvasir entsteht aus Götterspeichel

 

Die Geschichte des aus Götterspeichel geborenen weisen Kvasir wurde sehr geschickt in der Erschaffung des Pseudo-Asen Höner gespiegelt - mythologisch sehr eigenwillig und sehr frei interpretiert, aber nicht ungeschickt. Sehr interessant auch der Gedanke, dass die Wanen eine matriarchale Gesellschaft sind und als Geisel gar keinen "weisesten Mann" stellen konnten, wie die Asen verlangten. So kam Kvasir als Götter-Attrappe zum Einsatz. Schön auch, dass Nerthus als oberste Herrscherin der Wanen fungierte.

 

Mythologische Neuschöpfung

 

Insgesamt eine sehr spannende Neu-Interpretation, ja geradezu Neuschöpfung des Mythos vom Wanenkrieg und vom Friedensschluss. Wer sich in der alten Sagenwelt auskennt, wird diese Version als sehr freie Neu-Dichtung sicher zu schätzen wissen. Als "Aufklärungsmaterial" für junge Leser und Einsteiger, die sich mit der germanischen Mythologie vertraut machen wollen, ist dieses Abenteuer aber eher ungeeignet.

 

Röskva und Tjalfi verschwinden

 

Auch das dritte Abenteuer kommt ohne Röskva und Tjalfi aus. Die beiden und Thors Sohn Magni nutzen die Chance, als Thor mit seinen Gedanken anderswo ist, und erhalten von ihm die Erlaubnis, einen Ausflug mit dem "Ziegenwagen" zu machen. Offenbar hat das Geschwisterpaar als Identifikationsfiguren-Doppel ausgedient, zumal die Leserschaft im Laufe der Zeit ja auch schon älter geworden sein dürfte.

 

Zwei Eddasagen um Geirröd

 

Das Abenteuer verknüpft sehr geschickt zwei Edda-Sagen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Einzige Verbindung ist, dass der Antagonist den Namen Geirröd trägt. Doch handelt es sich eigentlich um zwei verschiedene Figuren, denn der Geirröd der Odinssage ist ein schlechter Menschen-König, der Geirröd aus der Thorssage ist ein Riese. Daraus wurde nun in der Verbindung beider Geschichten ein böser König, der sich mit Riesen eingelassen und mit einer Riesin zwei Töchter gezeugt hat.

 

Odins Fahrt wird Ursache für Thors Abenteuer

 

Interessant wird die Kombination dadurch, dass nun Odins Fahrt an Geirröds Hof und seine Gefangennahme die Veranlassung für Thors Aufbruch zu Geirröd wird. Und tatsächlich wird so aus zwei kleineren Sagen ein albenfüllendes Abenteuer. Auch hier wird aber sehr frei mit dem Stoff umgegangen, besonders in der Odin-Handlung. Dass Odin Ziehvater und "Karriereberater" Geirröds war und dafür verantwortlich, dass dieser seinen eigentlich erbberechtigten älteren Bruder Agnar beseitigte, wird genauso unter den Tisch fallen gelassen wie Friggs Engagement für den Bruder. Dass der Nachfolger Geirröds im Comic dann nicht Geirröds, sondern Ragnars Sohn wird, ist gleichfalls eine Abweichung, aber vertretbar.
Auch hier wieder großartige Zeichnungen und ein humorvoller Blick auf das Riesenvolk. Die Unholde liegen der Walhalla-Crew einfach ganz besonders.

 

Großzügig mit Zusatzmaterial ausgestattet

 

Erneut ist der Sammelband sehr großzügig mit Zusatzmaterial ausgestattet, darunter Zeichnungen und Skizzen aus der Entstehungsgeschichte des Comics, aber auch Dokumente zur Wirkungsgeschichte und zum Eingang in die vor allem dänische Populär-Kultur. In den jeweiligen Einleitungen erfährt der Leser, worüber sich die Walhalla-Macher die Köpfe zerbrochen haben und welche Knackpunkte es beim Erzählen gab. Außerdem sind wieder die Originaltexte der verwendeten Eddalieder und Prosaerzählungen abgedruckt. So kann jeder nachlesen, wie es "wirklich" war.

 

Fazit: Eine reich ausgestattete, opulent bebilderte Sicht auf die germanische Mythologie, spannend, humorvoll, sehr eigenwillig und hochgradig inspirierend. Hier wird nickt sklavisch nacherzählt, sondern kongenial neugeschaffen. Die Macher müssen einen tüchtigen Zug Götterspucke getrunken haben.

 

Walhalla. Die gesammelte Saga 4. Illustriert und erzählt von Peter Madsen. Nach Geschichten von Henning Kure, Hans Rancke und Per Vadmand. Aus dem Dänischen von Inga Esseling. Meschede: Edition Roter Drache, 2021. 193 S., Euro 40.

 

Weitere Walhalla-Bände
Walhalla. Die gesammelte Saga 1
Walhalla. Die gesammelte Saga 2
Walhalla. Die gesammelte Saga 3
Walhalla. Die gesammelte Saga 5

 

© Petra Hartmann




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Antje Babendererde: Wie die Sonne in der Nacht

Geschrieben von Petra , in Indianer 15 January 2022 · 302 Aufrufe
Indianer, Antje Babendererde und 2 weitere...

In ihrem Roman "Wie die Sonne in der Nacht" beschäftigt sich Antje Babendererde mit der Kultur der Pueblo-Indianer und der Anasazi in Neu-Mexiko. Das Jugendbuch bietet eine spannende Handlung, eine große Liebe und viel Informationen über Geschichte und Religion dieser amerikanischen Ureinwohner - wobei Quemado Pueblo, einer der Hauptschauplätze, fiktiv ist.
"Wie die Sonner in der Nacht" ist erneut die Geschichter zweier jungen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Die Leser lernen die Pueblo-Kultur durch die Augen der Ich-Erzählerin Mara kennen, die aus Deutschland stammt und kurz vor dem Ende ihres Auslandsschuljahrs in den USA steht. Mara hat, dank eines Frankreich-Trips ihrer Gasteltern das Haus für sich allein, sie ist gerade von ihrem deutschen Freund versetzt worden, der sie eigentlich besuchen wollte, als sie plötzlich Zeuge eines Verkehrsunfalls wird. Ein Indianerjunge steht am Straßenrand, ein Riesentruck fährt viel zu schnell an ihm vorbei, der Junge kippt um, und Mara kümmert sich um den ohnmächtigen Verletzten. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass der Junge überhaupt keine Wunden von dem Lastwagen davongetragen hat: Er ist ausgezehrt, dehydriert und hat eine Schussverletzung.

 

Junger Pueblo-Indianer ohne Gedächtnis

 

Kayemo - der Name bedeutet in der Tiwa-Sprache soviel wie "Fallende Blätter" - ist stumm und hat offenbar sein Gedächtnis verloren. Langsam kommen sich Mara und der junge Mann näher, und langsam kommen seine Erinnerungen samt Sprechvermögen wieder. Aber was genau in den Bergen vorgefallen ist, wer auf ihn geschossen hat und was aus seiner Mutter in der einsamen Hütte wurde, müssen die beiden vor Ort klären. An Kayemos Seite gelangt Mara in die raue, mystische Welt der Berge, lernt eine zahme Silberlöwin kennen und begegnet in einem verborgenen Pueblo dem urzeitlichen "Raining Man", einer mythologischen Gestalt, die für Kayemos Volk eine zentrale Bedeutung hat. Die Katchina des "Raining Man" - in diesem Fall aufgefasst als eine Tanzmaske für die Zeremonien der Pueblo-Kultur - war vor langer Zeit dort verborgen worden, und Kayemo war neun Jahre lang in den Bergen fernab seines Volkes allein erzogen worden, um "rein" zu bleiben und dazu fähig zu sein, die Maske zu finden und sie einst als Tänzer und Heiliger Mann zu tragen. Seltsam nur, dass in Kayemos Heimat-Pueblo niemand etwas von dem Jungen und seiner Mission weiß ...

 

Wechsel zwischen den Erzählperspektiven

 

Der Roman ist spannend erzählt und flüssig geschrieben. Etwas verwirrend ist, dass die Autorin nach dem Auftauchen von Kayemo zwischen zwei Erzählperspektiven hin und her wechselt: Maras Part ist weiterhin aus der Ich-Perspektive geschrieben, während Kayemos Gedanken durch einen personalen Erzähler geschildert werden. Doch daran gewöhnt sich der Leser schnell.

 

Kult und Zeremonien bleiben ein Geheimnis

 

Babendererde schafft es, die Bedeutung des Geheimnisses und des Verschweigens für die Zeremonien der Pueblo-Indianer deutlich zu machen: Was heilig war, wurde und wird weiterhin vor Weißen geheim gehalten, und wer interne Informationen, etwa an einen Ethnologen oder Touristen oder in Form einer Kurzgeschichte weitergibt, bricht mehr als ein Tabu und zerstört die Wurzeln dieser Kultur. Insofern ist auch diese Geschichte ganz bewusst in einem fiktiven Pueblo angesiedelt, und die Autorin betont, dass hier nur allgemein verfügbares öffentliches Wissen aus einschlägiger Fachliteratur verwandt wurde, auch wenn sie vor Ort recherchiert hat.

 

Die Anasazi als "Erste Alte"

 

Auch zur Bezeichnung und Selbstbezeichnung der amerikanischen Völker erfährt man einiges. Etwa, dass der Name "Anasazi" inzwischen bei den Pueblo-Völkern verpönt ist. Das Wort stammt aus der Sprache der Navajo und bedeutet soviel wie "Vorfahren der Feinde". Kayemo nennt sie daher lieber die "Ersten Alten". Und auch zur Verwendung des Wortes "Indianer" hat sich die Autorin Gedanken gemacht und sich bei unterschiedlchen Völkern umgehört. Demnach "wurde der Autorin von Seiten der Zugehörigen versichert, dass sie selbst sich so bezeichnen und es bei der Bedeutung des Wortes auf den Kontext und die Art ankommt, wie es benutzt wird."

 

Fazit: Ein spannendes und sachkundig geschriebenes Jugendbuch, das Abenteuer, Kultur, Liebe und eine faszinierende Landschaft zu einer abenteuerlichen und lesenswerten Geschichte verbindet. Macht Lust auf mehr Erzählungen über die Pueblo-Völker.

 

Antje Babendererde: Wie die Sonne in der Nacht. Würzburg: Arena, 2021. 475 S., Euro 12.

 

Weitere Bücher von Antje Babendererde
Findet mich die Liebe?
Rain Song
Isegrim
Julischatten
Schneetänzer

 

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Jahresrückblick V: Dezember 2021

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 02 January 2022 · 533 Aufrufe
Jahresrückblick

Und hier das letzte Fünftel meines Rückblicks auf das Lese-Jahr 2021. Es ist ein großer, internationaler Rundumschlag geworden: Jüdische Aufklärung, norwegische und dänische moderne Romane, ein persisches Versepos, Goethes Naturwissenschaft, Karl der Große, eine Art Liebesroman einer chilenischen Autorin, Helgoland, ein niederländisches Kinderbuch, ein Diplomat im Dienst Friedrichs des Großen, eine Argumentationshilfe gegen Verschwörungstheoretiker, ein Wikinger-Fantasy-Comic und Zeitabenteuer eines japanischen Karategirls ... Viel Spaß beim Lesen und Stöbern!

 

Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.

 

Uta Lohmann: David Friedländer. Reformpolitik im Zeichen von Aufklärung und Emanzipation
Beeindruckende Biografie eines Haskala-Gelehrten und vor allem Politikers: David Friedländer nannte sich stets mit Stolz einen Schüler Moses Mendelssohns, doch er war auch erfolgreicher Geschäftsmann und vor allem ein Mensch, der, webersch gesprochen, "harte, dicke Bretter mit Augenmaß und Leidenschaft bohrte". Friedländer ist der große Politiker und Pragmatiker der jüdischen Aufklärung. Einer, der Sachen umsetzte, sponserte, vor allem aber Kontakte knüpfte, argumentierte, Gremienarbeit leistete und hochrangige und einflussreiche Politiker für seine Ziele gewinnen konnte. Wo andere Vertreter der Haskala philosophische Schriften über Menschenrechte schrieben und die Gleichberechtigung der Juden theoretisch herleiteten, verfasste Friedländer Gutachten und Gesetzesentwürfe, lieferte statistisches Material, leistete Lobbyarbeit und gewann Unterstützer. Man denke nur an seine "Aktenstücke", die er zur Diskussion um die Vergabe des Bürgerrechts an Juden veröffentlichte. Oder auch an seinen Austausch mit Wilhelm von Humboldt über Fragen der Bildung und des Sprachunterrichts.
Uta Lohmanns Buch ist damit nicht nur eine Biografie, vielmehr zeichnet sie die Rolle Friedländers bei der Entstehung des preußischen Judenedikts von 1812 nach, schildert Grundlagen, Zusammenhänge, Ergebnisse und Sackgassen, Verdienste Friedländers, aber auch Positionen, die er nicht durchsetzen konnte. Dass Friedländer durch sein Sendschreiben an Propst Teller Teile seines guten Rufs bei Juden wie bei Christen einbüßte, ist mehr als bedauerlich. Der Mann war ein äußerst engagierter Kämpfer für die Rechte der Juden in Deutschland und hat eine Lebensleistung vorzuweisen, die einfach nur beeindruckend ist.

 

Peter Høeg: Der Susan-Effekt
Irre, einfach irre. Ich will das gleiche Zeug, was Peter Høeg raucht. Diese Susan ist eine Person, deren Erzählstimme man nicht vergisst. Eine herbe Frau, durch und durch Naturwissenschaftlerin, der kein Detail entgeht, und die trotzdem um die Ecke denken kann, wie die Freunde des Zeit-Kreuzworträtsels. Susan, die Ausnahme-Physikerin, und ihr Mann, der gefeierte Star-Pianist, stecken mitsamt ihren Kindern in Schwierigkeiten. Ein dänischer Diplomat haut sie raus, doch der Preis dafür ist hoch: Sie sollen als Gegenleistung ein Papier beschaffen - das Protokoll der letzten Sitzung der dänischen Zukunftskommission. Klingt harmlos, doch offenbar gibt es Leute, die bereit sind, für dieses Papier zu töten. Angehörige der dänischen Wissenschaftselite werden tot aufgefunden, und auch für Susan und ihre Familie wird es lebensgefährlich. Vor allem, als sie einer ganz großen Verschwörung auf die Spur kommen, in die der dänische Staat mehr als verwickelt ist. Aber Susan, ihr Mann und die beiden Kinder haben ein Ass im Ärmel. Eine geheimnisvolle Superkraft, die andere Menschen dazu bringt, sich ihnen zu öffnen und ihnen helfen zu wollen. Susan nennt es den "Susan-Effekt". Und besonders stark wirkt er, wenn alle vier zusammen auftreten und in einem bestimmten Winkel zu einander stehen.
Wie ich schon sagte: Es ist irre, aber es hat seine ganz eigene Logik. Und Teile davon könnte ich mir durchaus als real vorstellen. Dazu die gelassene, mitleidslose, nicht aus der Ruhe zu bringende Art, wie Susan erzählt und in Krisensituationen sofort schaltet. Ein ganz besonderer Roman.

 

Jostein Gaarder: Ein treuer Freund
Zauberhafte Geschichte über einen Sprachwissenschaftler namens Jakop, der ein bisschen verklemmt ist und nicht besonders gut im Knüpfen sozialer Kontakte. Seine besten Unterhaltungen führt er mit der Handpuppe Pelle, wobei Pelle deutlich schlagfertiger ist als sein Spieler. Jakop hat ein ungewöhnliches Hobby: Er geht gern auf Beerdigungen fremder Menschen und gibt sich für einen guten Freund des Verstorbenen aus. Als perfekter Hochstapler bietet er seine gemeinsamen Abenteuer mit dem Verstorbene dar und kann so für ein paar Stunden dazugehören. Pech nur, wenn man an eine Familie gerät, mit der man schon einmal getrauert hat. Und wenn es häufiger vorkommt, beginnt irgendwann das Geschichtengebäude des Trauergastes zu wanken. Aber es gibt auch die Chance auf eine große Liebe. Auch wenn die Frau von Pelle offenbar wesentlich mehr fasziniert ist als von Jakop.
Liebenswert, philosophisch, magisch. Auch wenn ich immer ein bisschen misstrauisch bin, wenn ein dickes Buch als fiktiver Brief daherkommt. Kein Mensch schreibt seiner Geliebten einen Brief von 272 Seiten.

 

Ferdausi: Schahname. Die Rostam-Legenden (Reclam)
Das Original Original war ein Versepos, die vorliegende Fassung ist ein Prosastück. Schlimmer noch: Es ist eine Prosa-Nacherzählung, die ausgewählte Abschnitte der Erzählungen über Rostam darbietet, zwischendurch aber größere Teile auslässt und nur den Inhalt wiedergibt. Fand ich scheiße. Die Geschichten selbst, hm, zumindest in den ersten vier Fünfteln (geschätzt) hat Rostam überhaupt keine Probleme. Er geht halt irgendwo hin, vollbringt irgendwelche Heldentaten, und fertig. Schon die Geschichte seines Vaters Zal birgt wenig Dramatik. Der wird geboren, hat weiße Haare, der Vater sieht das, lässt ihn aussetzen, der Zaubervogel Simorg zieht ihn auf, irgendwann reut es Sam, das er den Sohn ausgesetzt hat, er erfährt, wo Zal geblieben ist, holt ihn nach Hause, fertig. Keine Auseinandersetzungen, keine Probleme. Dann werden immer wieder schreckliche und Starke Gegner für Rostam aufgebaut, Rostam geht hin, erschlägt sie, fertig. Gegen Ende, als Rostam gegen seinen eigenen Sohn zu Felde ziehen muss und sich mit einem ziemlich doofen König herumärgert, kommt ein bisschen Dramatik in die Sache. Aber das ist auch nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Ich fand's fad und zäh. Am meisten Farbe und Phantasie wendet der Erzähler auf, wenn er die prachtvollen Kleider und Geschenke beschreibt, die die Helden und Könige einander machen.
Vielleicht sollte man dem Übersetzer/Nacherzähler sogar dankbar sein, dass er soviel weggelassen und in geraffte Inhaltsangaben gepackt hat.

 

Goethes Werke: Hamburger Ausgabe Band XIII: Naturwissenschaftliche Schriften
Ich hatte mir schon lange vorgenommen, einmal Goethes "Farbenlehre" zu lesen. Ein paar Auszüge kannte ich aus dem Studium und ich hatte auch seinerzeit eine sehr gute Vorlesung über Alexander von Humboldt und die Naturwissenschaft der Goethezeit gehört. Nun also wolle ich Ernst machen. Ich fand mit dem Suchwort "Farbenlehre" das oben genannte Buch bei Amazon Marketplace und schaffte es mir an. Und wenn man sich einen Band anschafft, in dem auch andere Schriften enthalten sind, dann fängt man ja auch vorn an. Es gab ein sehr schönes Wiedersehen mit der "Urpflanze", mit dem Gedicht über die "Metamorphose der Pflanzen", mit dem legendären Zwischenkieferknochen. Da waren Betrachtungen über die Gesteine des Harzes, über Skelette ausgestorbener Tiere, alle sehr schön. Auch die enthaltenen Texte über Goethe und die Naturwissenschaften, einer davon von Carl Friedrich von Weizsäcker, waren sehr lesenswert und erhellend. Nur die Farbenlehre selbst ... Ich las und las und las, das war ja alles ganz nett und mit aufmerksamen, wachen Augen betrachtet ... Aber wo waren denn nun all die Ausfälle gegen Newton? Wo war die Auseinandersetzung, der Streit, die Action geblieben? Des Rätsels Lösung: Die Herausgeber hatten sich entschieden, nur den didaktischen Teil abzudrucken, und haben den polemischen Teil weggelassen. Einmal aus Platzgründen, und zweitens sogar mit Billigung Goethes, der zu Lebzeiten vermerkt hatte, der polemische Teil könne als der weniger interessante Teil ja in späteren Ausgaben weggelassen werden. Es sei ihm ja gar nicht um Streit gegangen. Ihm nicht, aber mir, verdammt nochmal. Da sitze ich nun mit der halben Farbenlehre und fühle mich einfach betrogen. Danke für nichts.

 

Matthias Becher: Karl der Große
Kompakte Gesamtdarstellung aus der Beck-Reihe. Klein, praktisch und übersichtlich, gut für Einsteiger und durch das Hosentaschenformat auch eine gute Unterwegs-Lektüre. Bisschen spröde, aber ganz okay.

 

Isabel Allende: Ein unvergänglicher Sommer
Ich war damals begeistert von ihrem "Geisterhaus". Als ich daher dieses Leseexemplar von meiner Buchhandlung geschenkt bekam, habe ich sofort zugegriffen. Aber, hm, es ist nicht unbedingt schlecht, aber vom Hocker gerissen hat es mich nicht. Es geht um zwei Frauen und einen Mann mit südamerikanischen Wurzeln und ein ziemlich absurdes Winter-Abenteuer. (Hat also mit Sommer nix zu tun. Der Titel wird auf der letzten Seite durch eine Anspielung auf Camus erklärt.)
Es herrscht ein übler Schneesturm in Brooklyn. Richard ist mit seinem Auto unterwegs, passt eine Sekunde nicht auf und fährt von hinten auf ein anderes Auto auf. Dessen Fahrerin ist völlig aufgelöst, sie ist Kindermädchen, illegal in den Staaten und hat den Wagen ihres jähzornigen, gewalttätigen Chefs ohne dessen Wissen ausgeliehen. Richard nötigt ihr seine Karte auf, was die Frau zunächst gar nicht mitbekommt, sosehr ist sie neben der Spur. Erst später, mitten in der Nacht, steht das Mädchen Evelyn, immer noch vollkommen verwirrt, vor Richards Tür. Sie braucht dringend Hilfe. Richard ruft sicherheitshalber seine Universitäts-Kollegin, Untermieterin und Beinahe-Geliebte Lucia zur Hilfe, damit die beiden sich von Frau zu Frau unterhalten können. Es stellt sich heraus, dass die Delle im Heck des Wagens nur das kleinste Problem ist. Der Kofferraumdeckel lässt sich nicht mehr richtig schließen. Und im Koffer liegt eine Leiche.
Die drei beschließen, den Wagen nach Kanada zu bringen und ihn dort in einem See zu versenken. Die Logik dahinter war jetzt nicht unbedingt nachvollziehbar, aber so funktioniert die Geschichte. Auf der Fahrt werden dann in zahllosen Rückblenden die Lebensgeschichten der drei Personen erzählt. Allesamt tragische, zum Teil extrem gewalttätige Geschichten, so wurde Evelyns Familie Opfer einer kriminellen Gang in Guatemala, Lucia hatte Probleme mit dem chilenischen Regime, bei Richard war es eine tragische Familiengeschichte, die zum Tod seines Sohnes führte und seine Frau in den Wahnsinn trieb ... Da hat jemand mit sehr krassen Farben gemalt, um Wirkung zu erzielen. Weniger wäre mehr gewesen. Jedenfalls kommen sich Richard und Lucia bei der Leichen-Entsorgung endlich näher, und es gibt eine Art Happy End.

 

Isabel Bogdan: Mein Helgoland
Ein Essay, in dem die Autorin und Übersetzerin über ihre Beziehung zu der Insel nachdenkt. Ich entdeckte das Büchlein während meines Helgoland-Urlaubs und musste es natürlich gleich mitnehmen. Isabel Bogdan nutzt die Insel, wie ich auch, regelmäßig als Schreibort, stellt lokale Besonderheiten dar und hat sogar die neue Sensation aus den jüngsten Stürmen mit erwähnt: Der Fisch, der nach dem Sturm auf dem Schulhof im Oberland lag, und der Seetang an der Kirchturmspitze hatten ja auch schon in den Jugendkrimi "Das Geheimnis des gelben Papyrus" von Michael Stoffers Eingang gefunden, den ich ebenfalls auf der Insel las. Die Autorin reflektiert ihre Übersetzungs- und Schriftstellertätigkeit anhand klassischer Schreibratgeber, aber auch im Dialog mit James Krüss, dem großen Helgoländer Kinder- und Jugendbuchautor, der in seinem Klassiker "Mein Urgroßvater und ich" einige goldene Ratschläge und kritische Töne dazu notiert hatte. Sehr interessant fand ich, wie sie die enge Beziehung der Helgoländer untereinander schildert: Die Insulaner sind ihr Leben lang auf engstem Raum miteinander zusammen, sind aufeinander angewiesen, wissen aber auch alles über jeden, und natürlich gibt es da die eine oder andere Reiberei. Aber: "Wir haben hier eine besondere Kultur des Verzeihens", sagte ihr eine Helgoländerin. Darüber müsste man mal nachdenken. Auf jeden Fall eine empfehlenswerte Art, miteinander umzugehen. Etwas schmunzeln musste ich allerdings, als die Autorin erzählte, sie sei schon häufig zum Schreiben auf der Insel gewesen, einmal sogar zwei Wochen lang. Ich las ihr Buch nämlich am Anfang der fünften Woche meiner Schreibferien auf Helgoland.

 

Franzi von Kempis: Anleitung zum Widerspruch
Argumente, mit denen man den Tiraden von Verschwörungstheoretikern, Covidioten, Reichsbürgern, Nazis, Antisemiten usw. begegnen kann. Die Autorin stellt Fakten zusammen, bereitet Hintergründe auf, entlarvt populistische Scheinargumente und Logikfehler, die immer wieder in den Argumentationen auftauchen.
Wenn diese Leute tatsächlich an Argumenten und Argumentationen interessiert wären, könnte man ihnen damit auf jeden Fall auf den rechten Weg zurückhelfen. Da es vielen aber eben nicht um Diskussionen geht, sondern um Hass und Hetze, sind die Adressaten eher andere Leute: Es geht darum, Schwurblern im Internet oder auch im realen Leben öffentlich Paroli zu bieten, damit sich deren Argumente gar nicht erst in den Köpfen der schweigenden Zuhörer und Mitleser festsetzen können. Und vielleicht darum, Unentschlossene und Leute, die noch zu retten sind, vor dem Abdriften zu bewahren.
Mit den ganz harten Nazis zu diskutieren, bringt nichts und könnte auch gefährlich werden. Wer erstmal in die Verschwörungstheorien abgerutscht ist, für den ist jedes Gegenargument zu Futter, das ihn in seiner Ansicht bestärkt, dass alle um ihn herum nur Schlafschafe und von "ihnen" manipulierte Systemlinge sind - oder sogar Teil der Verschwörung.
Mal abgesehen davon, dass es keinen Spaß macht, sich von paranoiden Schwurblern stundenlang ein Ohr abkauen zu lassen.
Fazit: Hilfreiches, sehr gut aufbereitetes und didaktisch gut geordnetes und präsentiertes Material, das man einsetzen kann. Aber passt auf euch auf, okay?

 

Dezember

 

Annett Schaap: Emilia und der Junge aus dem Meer
Nettes, sehr schön von der Autorin selbst illustriertes Kinderbuch, das es sich mit dem Ende leider etwas zu einfach macht. Es geht um eine ungewöhnliche Freundschaft und Probleme mit den Eltern, um einen Schiffbruch, einen Leuchtturm, Piraten, Meerjungfrauen und -männer und um das Zusammenhalten. Emilia ist die Tochter eines Leuchtturmwärters. Sie liebt ihren Vater. Auch wenn der sie manchmal schlägt, wenn er betrunken ist ... Eigentlich ist Emilia längst schon die wahre Leuchtturmwärterin. Der Vater hat nur noch ein Bein und weigert sich, ein Holzbein zu tragen. Er kommt längst nicht mehr die Treppe hoch, und so ist es die Aufgabe seiner kleinen Tochter, jeden Abend, bevor es dunkel wird, die vielen Treppenstufen hinaufzusteigen und das Licht zu entzünden. Jetzt hat sie das letzte Streichholz verbraucht. Sie muss unbedingt daran denken, morgen neue zu kaufen. Ja, Emilia ist oft zerstreut, sie vergisst viele Dinge, aber die neuen Streichhölzer, daran muss sie denken, unbedingt, sonst passiert ein Unglück ... Unnötig, zu sagen, dass sie am nächsten Tag vergisst, die Streichhölzer zu kaufen. Als sie es bemerkt und bei Einbruch der Dunkelheit noch rasch zum Kaufmannsladen läuft, ist es schon zu spät. Ein Schiff verunglückt. Und als die Behörden im Leuchtturm nach dem Rechten schauen, stellen sie fest, dass der Mann betrunken ist und das Mädchen grün und blau geschlagen wurde. Die Lehrerin nimmt Emilia gleich mit. Zu ihrem Schutz, aber auch aus Kostengründen: Das Mädchen soll in einem finsteren Haus als Dienstmädchen arbeiten - bis der Preis für das zerstörte Schiff abgearbeitet ist.
Im Haus geht etwas Unheimliches vor sich. Emilia entdeckt ein Wesen, das hier versteckt gehalten wird: Der Sohn des Kapitäns und einer Nixe ist ein Junge, der als Monster gilt, weil er verkrüppelte Beine hat. Aber bei näherem Hinsehen sind es keine Beine ...
Die Geschichte ist ein sehr liebenswertes und spannendes Abenteuer und erzählt davon, wie Emilia und der zuerst recht grantige und hochnäsige Junge Freundschaft schließen. Gemeinsam kommen sie seiner Herkunft auf die Spur, und er erfährt, wie großartig er schwimmen kann - er, der bisher mühevoll trainiert hat, laufen zu lernen, um seinem Vater zu gefallen. Eine sehr schöne Geschichte. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings die immer mehr um sich greifende Mode, Geschichten im Präsens zu erzählen. Ich schätze sie nicht. Und das Ende hat mir nicht gefallen.

Spoiler

 

Christian Wilhelm von Dohm: Denkwürdigkeiten meiner Zeit. Band 1
Was für ein Ärgernis! Das bezieht sich jetzt nicht auf den Verfasser und sein Werk, sondern auf den grottenschlechten Scan. Der Autor wird sich angesichts dieses Pfuschs vermutlich im Grabe umdrehen.
Mehrere Seiten sind komplett unleserlich, bei vielen Seiten mit ungerader Seitenzahl fehlen jeweils die Zeilenanfänge, bei einigen geraden Seiten die Zeilenenden (jeweils 1-4 Buchstaben jeder Zeile). Mehrere Seiten fehlen komplett, besonders schmerzliche Lücken gibt es in den Aktenstücken zum Falle des Müllers Arnold, wodurch man teilweise nicht mehr zuordnen kann, zu welchem Gutachten und welcher Stellungnahme einzelne Seiten gehören. Mehrere Seiten sind doppelt vorhanden, manche sogar dreimal, was den Lesefluss erheblich stört.
Für den stolzen Preis von 47 Euro kann man als Kunde erwarten, dass vor dem Druck wenigstens mal ein Praktikant draufschaut und überprüft, ob alles korrekt und komplett erfasst ist. Also: Finger weg von diesem Machwerk!

Inhaltlich durchaus interessant. Dohm, der Friedrich den Großen vergötterte, ihn stets "Friedrich den Einzigen" nannte, geht durchaus offen mit den Fehlern seines Helden um. Etwa diversen falschen Entscheidungen im österreichisch-bayerischen Krieg. Sehr deutliche Worte findet Dohm in Bezug auf die Polnische Teilung, die er als schändlich und jedes Völkerrecht verletzend brandmarkt. Und auch in der Auseinandersetzung um den Müller Adolph (nein, das ist nicht der aus der Anekdote mit dem Kammergericht) zeigt er, wie Friedrich übers Ziel hinausschoss und eine sehr ungerechte Entscheidung traf. Hätte ich alle gern im Zusammenhang gelesen.

 

Isaak Euchel: Reb Henoch oder: Woß tut me damit
Eine Komödie des Haskala-Gelehrten Isaak Euchel, die zwar komisch ist, aus der aber auch etwas Resignation spricht. Es ist schon ein wenig die Frage: Was haben wir denn erreicht? Statt wahrer Aufklärung viele junge Leute, die jeden Respekt und jede Moral fahren lassen, statt selbstbewusste Juden, die gute Bürger werden, viele, die einfach den bequemeren Weg der Taufe wählen. Dazu der Niedergang der Zeitschrift "Ha-Meassef". Da mag man sich als alternder Aufklärer schon fragen: "Wos tu me damit?", wie es der alte Familienvater Reb Henoch ständig tut.
Das Stück ist insofern sehr interessant, als hier verschiedene Sprachen aufeinander treffen. Reb Henoch und seine Generationsgenossen sprechen jiddisch, manchmal durchsetzt mit hebräischen Bibel- oder Talmudzitaten. Die Aufklärer sprechen Hochdeutsch, ein paar Möchtegern-Gebildete sprechen ein komisches Zwischending zwischen Hochdeutsch und Berliner Dialekt, außerdem treten ein Engländer und ein Franzose auf. Babylon in a nutshell. Reb Henoch hat zwei Söhne und zwei Töchter, außerdem beherbergt er einen jüdischen Studenten bei sich. Allerdings verliert der Student seine Freitisch bei Henoch schon am Begin des Stücks, da ein Denunziant eine Ungeheuerlichkeit berichtet: Der Junge Mann soll auf der Straße Pflaumen gekauft und sie "unbesehen" gegessen haben. Unbesehen meint: Er hat einfach hineingebissen, ohne vorher zu kontrollieren, ob Würmer darin sind. Der Verzehr von Würmern ist laut den jüdischen Speisevorschriften streng verboten. Auch mit seinen Kindern hat Henoch Sorgen. Sie scheinen alle missraten zu sein. Die beiden Töchter sind leichtfertig, eine ist verheiratet und geht fremd, der eine Sohn hat sich mit den Aufklärern eingelassen und ist dadurch etwas aus der Spur geraten. Sehr positiv ist die Figur des "Doktor" besetzt, der sowohl den Studenten als auch den von Henoch verstoßenen Sohn unter seine Fittiche nimmt und für eine moderne Philosophie in Verbindung mit hoher Ethik steht. Für Henoch bricht jedoch eine Welt zusammen, als ausgerechnet sein anderer Sohn, den er als guten und frommen Jungen, der stets nur seine Tora studierte, ansah, plötzlich angeklagt wird, er habe ein Dienstmädchen geschwängert. "Woß tut me damit?", kann er nur noch fassungslos fragen.
Die Komödie ist etwas anstrengend zu lesen und durch ihre Vielsprachigkeit nur schwer zu dechiffrieren. Das Buch ist aber gut kommentiert, und die nicht auf Hochdeutsch verfassten Stellen sind übersetzt. Ein sehr interessantes Stück.

 

Cherokee Editor. The writings of Elias Boudinot. Edited by Theda Perdue
Elias Boudinot war Herausgeber des "Cherokee Phoenix", der ersten Zeitung eines indianischen Volkes. Der Phoenix erschien zweisprachig auf Englisch und Cherokee, wobei letzteres in der neu entwickelten und schnell verbreiteten Silbenschrift der Cherokee gedruckt waren, die Sequoyah erfunden hatte. Die Zeitung erschien in den Jahren 1828 bis 1834, Boudinot war bis 1832 Herausgeber. Er übernahm viel aus anderen Zeitungen, berichtete über die Probleme und Erfolge anderer Indianervölker, schrieb aber auch eine Menge eigener Artikel, die hier versammelt sind.
Boudinot, sein Cherokee-Name lautete Galagina Oowatie, war begeistert vom Christentum und davon, dass die Cherokee eine "zivilisierte Nation" werden würden. Eine Vision, die viele Cherokee teilten. Sie änderten ihre Lebensweise, wurden statt Jäger und Krieger nun Landwirte und Christen.
Boudinot erhielt als besonders begabter Schüler auch eine theologische Ausbildung und wurde Missionar. Er übersetzte das neue Testament in die Sprache der Cherokee. Anschließend sammelte er auf einer Vortragsreise durch die USA Spenden für eine eigene Druckerpresse und Bleilettern in Cherokee-Schriftzeichen.
Der Phoenix wurde nicht nur von den Angehörigen seiner eigenen Nation gelesen. Auch Wilhelm von Humboldt besaß eine Ausgabe und studierte sie eingehend. Und so schließt sich der Kreis wieder, und ich werde wieder an meine Literaten und Wissenschaftler zurückverwiesen. Irgendwie gleichen sich die Muster: Die Reformation begann mit der Bibel-Übersetzung durch Martin Luther, sie schuf sich eine eigene Hochsprache und wurde befeuert durch die Druckpresse. Die Haskala schuf ihr eigenes modernes Hoch-Hebräisch in der Gefolgschaft Moses Mendelssohns und seiner Tora-Übersetzung, gründete eine eigene Druckerei, die "Orientalische Buchdruckerei", und verbreitete ihre eigene Zeitung, den "Me'assef". Und die Cherokee hatten ihre von Sequoyah geschaffene Schrift, Boudinots Übersetzung des Neuen Testaments und die Druckerei, in der der Phoenix entstand.
Allerdings gab es für den Herausgeber und seine Zeitung kein Happy End. Als sich die Vertreibung der Cherokee abzeichnete - man hatte auf den Land Gold gefunden und wollte sie umsiedeln -, stimmte Boudinot für die Umsiedlung. Ihm war es wichtiger, die Cherokee als Volk zu erhalten, als um das Land zu kämpfen, was sicher die Auslöschung seines Volkes oder zumindest die Versprengung und Zerschlagung des Stammes zur Folge gehabt hätte. Insofern trat er auch in seiner Zeitung deutlich für den "Vertrag" zur Umsiedlung ein, unterzeichnete schließlich auch ein solches Papier. Nach dem "Trail of Tears", dem Auszug der Cherokee aus ihrem Land, auf dem etwa 4000 Cherokee starben, wurde Boudinot von einem Stammesangehörigen ermordet. Dessen "Legitimation", war eine doppelte: Zum einen gab es ein Cherokee-Gesetz, demzufolge jeder mit dem Tod bestraft werden sollte, der Land des Volkes verkaufte. Zum anderen trat der Mann als Bluträcher auf, denn seine Verwandten waren bei der Vertreibungsaktion umgekommen.
Die Ausgabe enthält Boudinots Zeitungstexte sowie seine Briefe und Werbeschreiben für das Phoenix-Projekt. Durch das Vorwort, weitere einleitende Texte zu den einzelnen Abteilungen und einen Kommentarteil am Ende der jeweiligen Bereiche wird der Leser gut informiert und bekommt viele Informationen zu Boudinot und zum Phoenix. Lesenswert.

 

Die Welten von Thorgal: Thorgals Jugend 9: Die Tränen der Hel

 

Yoko Tsuno: Gesamtausgabe, Band 3: Jagd durch die Zeit
- Die Zeitspirale
- Die Rache der Dämonen
- Der Astrologe von Brügge

Der dritte Sammelband der Serie bietet drei Zeitabenteuer, die Yoko Tsuno an der Seite ihrer Freundin Monya aus der Zukunft besteht. Als Monya mit ihrer "Zeitspirale" das erste Mal in Yokos Welt eintritt, hat sie schlechte Neuigkeiten: Dann im 39. Jahrhundert wird die Menschheit ausgelöscht werden. Es sei denn, Yoko schafft es, die Geschichte zu ändern. Die zweite Geschichte, kunstvoll mit der ersten verknüpft durch ein Bild einer Tempeltänzerin, das Yoko sehr liebt, erzählt, wie Yoko ebendiese Tänzerin retten muss und damit erneut in den Verlauf des Zeitflusses eingreift. Das dritte Abenteuer schließlich führt sie nach Brügge, wo Yoko einem uralten Gemälde auf die Spur kommt, das sie und Monya zeigt. Einfach schön und erneut großartig aufbereitet. Ein Klassiker.

 

Weitere Jahresrückblicke
Januar bis März 2021
April bis Juni 2021
Juli bis September 2021
Oktober bis November 2021

 

© Petra Hartmann




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Jahresrückblick IV: Oktober bis November 2021

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 31 December 2021 · 526 Aufrufe
Jahresrückblick
Mein Lese-November auf Helgoland hat, wie schon letztes Jahr, das Fassungsvermögen des Blogs gesprengt. Ihr findet im vierten Teil also nur den Oktober und zwei Drittel des Novembers. Rest folgt morgen ... Was bieten diese sieben Wochen? Ich habe den Rest der Oz-Serie gelesen, eine Menge über antike Autoren, Aufklärung und Haskala, etwas über Helgoland, Krimis, politische Literatur, aktuelle Belletristik, Science Fiction, Klassiker, Abenteuer, Kinderbücher. Viel Spaß damit

Oktober

L. Frank Baum: OZ, Complete Edition 13: The Magic of Oz (e)
"Pyrzqxgl" ist ein mächtiger Zauberspruch. Wer ihn richtig betont, kann damit Lebewesen in etwas anderes verwandeln. Ein Zauberer auf dem Berg Munch hat das herausgefunden. Aber da in Oz das Zaubern außer für Glinda und den Zauberer von Oz verboten wurde, hat der alte Munchkin-Zauberer das Wort nicht mehr benutzt. Allerdings schrieb er es, zusammen mit der Aussprache-Anweisung, auf. Eines Tages findet sein Sohn Kiki Aru diese Notiz und beginnt sofort, damit herumzuexperimentieren. Er verwandelt sich in einen Habicht, fliegt durch unterschiedliche Länder und trifft schließlich den Nomenkönig. Der wittert eine Chance, endlich Oz zu erobern, und tut sich mit Kiki Aru zusammen.
Kiki Aru hütet sich freilich, dem König das Zauberwort und die Aussprache zu verraten. Er verwandelt sich und seinen neuen Partner in Vögel. Sie fliegen in den Wald von Ugu zu den wilden Tieren, um diese als Verbündete im Kampf um Oz zu gewinnen. Hier treten sie in Gestalt von Li-Mon-Eags auf, Fabelwesen aus mehreren Bestandteilen anderer Tiere. Sie lügen den Tieren vor, die Oz-Leute hätten vor, den Wald zu erobern und die Tiere zu versklaven. Dann bieten sie den Tieren ihre Hilfe an und wollen eine tierische Armee gegen Oz aufstellen.
Gleichzeitig gibt es in der Smaragdstadt große Vorbereitungen für ein besonderes Fest: Ozmas Geburtstag steht bevor. Während Trot und Capt'n Bill für die Herrscherin von Oz besondere Blumen von einer geheimnisvollen Insel holen wollen, wird Dorothy durch den Zauberer auf eine andere Geschenkidee gebracht: Sie will einen Kuchen backen, aus dem dann eine Gruppe dressierter Affen herausspringt und Kunststücke aufführt. Nun reist sie zusammen mit dem Zauberer dem feigen Löwen und dem hungrigen Tiger in den Wald von Ugu, um dessen Herrscher, einen wilden Leoparden, um eine Handvoll Affen für die Torte zu bitten.
Die Glaskatze, die die Insel der wunderschönen Blumen entdeckt hat, führt Trot und den Kapitän dorthin. Allerdings ist die Insel verzaubert: Alle lebendigen Wesen schlagen dort Wurzeln. Auch Trot und der Kapitän wachsen dort im Boden fest. Einzig das Holzbein des alten Seemanns lässt sich noch bewegen. Aber das nützt nichts, da der andere Fuß bombenfest im Boden verwurzelt ist. Die Glaskatze hatte damals die Insel ohne weiteres betreten und verlassen können, da sie ja aus Glas besteht. Auch nun läuft sie unter Wasser wieder zurück zum Festland und sucht ihre Freunde, um Hilfe für die beiden Festgewurzelten zu finden.
Als Dorothy und ihre Freunde im Wald ankommen, läuft gerade die Beratung der Tiere, ob sie die Smaragdstadt angreifen sollen oder nicht. Der Nomenkönig Ruggedo erkennt seine alten Feinde und bittet Kiki Aru, sie zu verwandeln. Der tut dies, unter anderem verwandelt er den Zauberer in einen Fuchs. Allerdings verzaubert er auch den Nomenkönig in eine Gans. Das ist für ihn besonders unangnehm, da er eine Todesangst davor hat, die Gans könnte ein Ei legen. Eier sind für Nomen tödlich. Komischerweise hatte er zuvor in seiner Vogelgestalt zuvor keine Angst davor ...
Schließlich verwandelt Kiki Aru die Affen in riesige Soldaten, um gegen Oz zu marschieren.
Aber der Zauberer, der ihm in seiner Fuchsgestalt gefolgt war, belauscht ihn und erfährt so das Geheimnis des Wortes "Pyrzqxgl". Er verwandelt Kiki Aru und Ruggedo in eine Walnuss und eine Hickorynuss. Dann gibt der Zauberer auch seinen Freunden und den Affen ihre ursprüngliche Gestalt zurück. Die wilden Tiere sind sehr dankbar dafür. Sie sind nun überzeugt, dass die Leute aus der Smaragdstadt ihre Freunde sind und dass der Nomenkönig und Kiki Aru nichts Gutes im Schilde führten. So darf Dorothy auch ein paar Affen mitnehmen und sie für Ozmas Fest abrichten.
Mithilfe des Zauberworts werden auch Trot und der Kapitän von der Insel befreit. Capt'n Bill streift sich eine Schiffsplanke über sein gesundes Bein. Damit und mit seinem Holzbein kann er die Insel gefahrlos erneut betreten und holt eine der Zauberblumen für Ozma.
Es gibt ein rauschendes Fest, und die Affenshow und die Blumen werden von Ozma sehr gut aufgenommen. Schließlich werden Kiki Aru und der Nomenkönig im Schlosshof zurückverwandelt - und zwar als extrem durstige Ausgaben ihrer selbst. Wieder aus ihrer Nussgestalt befreit, stürzen sie sich verzweifelt auf den Brunnen im Schlosshof - der ja das Wasser des Vergessens enthält. Es erfolgt eine Komplettlöschung ihres Gedächtnisses. Beide werden gute, freundliche Bürger der Smaragdstadt.

L. Frank Baum: OZ, Complete Edition 14: Glinda of Oz (e)
Dorothy und Ozma besuchen ihre Freundin Glinda die Gute. Dabei werfen sie auch einen Blick in Glindas magisches Buch und erfahren, dass ein Krieg zwischen den Flatheads und den Skeezers ausgebrochen ist. Seltsamerweise haben alle drei noch nie von diesen Völkern gehört. Aber da es offenbar Völker von Oz sind, fühlt sich Ozma als ihre Herrscherin verantwortlich und beschließt, zwischen ihnen Frieden zu stiften. Ozma und Dorothy brechen in das Kriegsgebiet auf, aber weder der Herrscher der Flatheads noch die Königin der Skeezers wollen sie anhören. Sie werden beide Male gefangen genommen. Beim zweiten Mal ist die Situation besonders unangenehm: Sie sitzen im Inselkönigreich der Skeezers fest, das deren Königin mit einer Glaskuppel überwölbte. Nun sinkt die Insel auf den Grund des Sees. Unter Wasser sind Dorothy und Ozma völlig hilflos, auch die Skeezers sind gefangen, während die Königin an der Wasseroberfläche eigentlich mit ihrem Schiff den Flatheadkönig ergreifen wollte. Doch der verwandelte sie in einen Schwan. Nun ist sie so bezaubert von ihrem Spiegelbild im Wasser, dass sie sich gar nicht satt daran sehen kann.
Inzwischen sind Dorothys Freunde am Ufer angelangt, allen voran Ozma. Aber es wird schwierig, die Insel zu heben. Hierz müssen drei Adepten der Zauberkunst gefunden werden, die die Frau des Flatheadkönigs in Fische verwandelt hatte, nachdem sie ihnen ihre Magie geraubt hatte.
Dieser Band war der letzte Oz-Band aus der Feder von L. Frank Baum. Aber er hatte Nachfolger, die die Serie fortsetzten. Diese Aufgabe übernahm zunächst Ruth Plumly Thompson, dann John R. Neill, Jack Snow, Rachel R. Crossgrove sowie Elois Jarvis McGraw & Laureen Lynn McGraw. Das letztgenannte Duo verfasste den 40. Oz-Band, der der letzte offizelle Band der Serie war. Es folgten die "inoffiziellen Bände" des "International Wizzard of Oz Clubs", weitere Bücher von Familienmitgliedern des Autors L. Frank Baum und anderen Autoren. In der englischsprachigen Wikipedia sind noch weit über 50 Bände nach den offiziellen "famous Fourty" verzeichnet. Die tue ich mir jetzt erstmal nicht an. Stopp, eines muss ich erwähnen: In meiner Jugend habe ich "Ein Himmelsstürmer in Oz" von Philipp José Farmer gelesen. Das fand ich gut.
Heruntergeladen habe ich mir zusätzlich noch die eBooks "The Magical Monarch of Mo" und "Queen Zixi of Ix" die in der Welt von Oz spielen. Da schaue ich nächstes Jahr noch rein.
Ein Hinweis noch: Dieses eBook kam zwar daher als Komplettausgabe der Oz-Bücher, es fehlte aber der Kurzgeschichtenband, den ich mir separat anschaffen musste. Wenn schon, denn schon.

L. Frank Baum: Little Wizard Stories of Oz (e)
Der Band enthält sechs Kurzgeschichten, alle recht nett, sehr kurz und sehr pointiert, es gibt keine großen Verwicklungen und jeweils nur ein kleines Personal. So handelt die erste Geschichte davon, dass der feige Löwe und der hungrige Tiger eines Tages darüber sprechen, dass sie doch eigentlich Raubtiere sind und dann auch mal böse sein sollten. Den hungrigen Tiger gelüstet es ohnehin schon seit Jahren, mal ein Baby zu fressen. So ziehen die beiden los, um mal ihren Trieben freien Lauf zu lassen. Dann finden sie tatsächlich ein Baby, sie stürzen sich auf es und - retten es, oder was habt ihr gedacht?
Eine andere Geschichte dreht sich darum, dass der Zauberer Dorothy immer streng verboten hatte, sich allein in Oz herumzutreiben, das sei viel zu gefährlich für ein kleines Mädchen. Aber Dorothy und Toto gehen irgendwann doch wieder auf Entdeckungsreise. Sie treffen auf einen furchtbaren, bösartigen, gefährlichen Riesen, der sie packt und mitnimmt. Dorothy hat fürchterliche Angst. Aber dann stellt sich heraus, dass es nur eine pädagogische Aktion des Zauberers war: Der Riese war er selbst. Er wollte Dorothy nur mal zeigen, was alles Gefährliches passieren kann, wenn ein Mädchen allein spazieren geht.
Außerdem gibt es eine Begegnung zwischen Tik-tok und dem Nomenkönig, Jack Pumpkinhead ist mit dem Sägepferd unterwegs, dann noch ein Märchen über Ozma und den kleinen Zauberer und ein Abenteur der Vogelscheuche und des Holzfällers. Alles sehr nett und nicht allzu abgründig.
Der Band war wohl so etwas wie ein Verlegenheitsbuch, das Baum seinen Fans lieferte, als diese nach dem sechsten Band, als er ja das Ende der Oz-Serie verkündet hatte, vehement Nachschub einforderten. Seine anderen Versuche, Kinderbuch-Serien zu starten, endeten spätestens mit Teil zwei. So schrieb er dann doch irgendwann Teil sieben der Oz-Abenteuer. Aus der Oz-Nummer kam er nicht wieder raus.

Manfred Geier: Die Brüder Humboldt
Sehr schönes und sachkundiges Doppelporträt der beiden Brüder, das mich sehr beeindruckt hat. Ich habe mich mit beiden in den vergangenen 30 Jahren immer mal wieder befasst, mit Wilhelm als Germanist und Politologe naturgemäß etwas mehr, aber Alexander habe ich auch immer geschätzt und einige Bücher und Hörbücher von ihm und über ihn gelesen beziehungsweise gehört.
Trotzdem ist mir erst durch dieses Buch klar geworden, wie ähnlich die beiden Brüder sind. Man hat ja immer wieder sofort diesen Gegensatz zur Hand: Wilhelm der Geisteswissenschaftler auf der einen Seite, und auf der anderen Alexander der Naturwissenschaftler. Ja, das waren sie auch. Aber das ist eine oberflächliche Unterscheidung. Wenn man etwas in die Tiefe geht, findet man, dass sie aus dem gleichen Quell schöpfen und im Denken und vom wissenschaftlichen Ansatz her sehr ähnlich ticken. Beide gehen ausgesprochen ganzheitlich an ihre Forschungen heran.
Wilhelm hat den weiten Blick auf Sprache als eine ganze weite Welt, er sieht Zusammenhänge, schafft Bezüge, er geht auf das Wesen der Sprache und verliert sich nicht in kleinen Grammatikprokeleien. Er ist kein Grammatiker, sondern Sprachphilosoph, wie Alexander als Naturphilosoph daherkommt. Er seziert keine Tiere oder zupft Planzen die Staubfäden raus, sondern er schreibt Landschaftsbilder. Er erkennt Klimazonen und setzt sie in Beziehung zu Höhenmetern der Gebirge. Er ist einer der ersten, der Ökosysteme erkennt und beschreibt. Man denke auch an den rhodischen Genius, sein einziges literarisches Stück.
Von Jugend an Jugend nahm ihr Bildungsgang parallele Bahnen, ihre Gedanken kreisten um ähnliche Probleme. Was ich schon im vorigen Jahr über beide aus dem Buch "Haskala und allgemeine Menschenbildung" von Uta Lohmann lernte: Beide waren eng befreundet mit David Friedländer, mit dem sich Wilhelm auch über Bildungsfragen austauschte. Friedländer als politischer Vorkämpfer der jüdischen Schulbildung, Humboldt als Kultusminister und Bildungsreformator. Und es war auch Friedländer, der half, Alexanders Amerikafahrt zu finanzieren, als ihm sein Finanzplan zusammenbrach.
Dass Alexander für seinen Bruder als Feldforscher unterwegs war und ihm wertvolles Material über indianische Sprachen von seiner Reise mitbrachte, wurde mir auch erst jetzt klar: Der Mann wusste sehr genau, wonach er suchte, er raffte nicht einfach nur irgendwelche unsortierten Vokabelfetzen zusammen. Ethisch und politisch lagen sie auch nahe beieinander. Nur dass Wilhelm am Ende seines Lebens versuchte, aus dem kosmopolitischen Bruder einen rechten Preußen zu machen, sorgte wohl für eine Missstimmung unter den Brüdern. Und doch war Wilhelm nirgends so glücklich wie in Italien ... Ein sehr schönes Doppelporträt, sehr klug und obendrein gut geschrieben. Hat Spaß gemacht.

Moritz Hartung: Grünes Gesindel


Hörspiel/Hörbuch

Ulrike Beck: Abenteuer & Wissen: Johannes Gutenberg: Der Siegeszug des Buches
Ich habe vor rund 30 Jahren die Rowohlt-Monografie über Gutenberg gelesen. Damals hatte ich das Gefühl, dass der Verfasser nur sehr wenig Daten und Fakten über Gutenberg zur Verfügung hatte. Und ich habe ihn dafür bewundert, wie er trotzdem ein ausreichend dickes Buch über ihn schreiben konnte, indem er sich dann nämlich mehr mit seinem Werk und einer künstlerischen Betrachtung der Gutenberg-Bibel befasste. Die Schilderungen dieser Gutenberg-Ästhetik hatte beinahe lyrische Qualitäten.
Bei diesem Hörbuch ist es ganz anders: Ich habe den Eindruck, dass der Autorin eine unfassbar große Menge an Material zur Verfügung stand und dass es ein rappelvolles Hörbuch geworden ist.
Man kann schon feststellen, dass ein großer Teil des Materials, das als Zeugnis für Einzelheiten aus Gutenbergs Leben vorliegt, Prozessakten sind. Gutenberg muss nicht nur ein streitbarer Mann gewesen sein, er wurde auch oft selbst vor den Kadi gezogen, zum Beispiel wegen (angeblicher?) Heiratsversprechen. Und deer Mann fackelte selbst nicht lange. Mal eben den Stadtschreiber seiner Heimatstadt gefangennehmen lassen, bis ihm seine Leibrente ausbezahlt wird, das ist schon ein kühner Handstreich.
Dass der Erfinder nicht mit seiner Bibel-Ausgabe, sondern mit anderen Drucken seinen Hauptumsatz machte, war mir so auch nicht klar: Der "Donat", ein Latein-Lernbuch für Schüler, war seine zweitwichtigste Einnahmequelle. Die wichtigste: Ablassbriefe. Ausgerechnet Ablassbriefe! Wenn man bedenkt, dass seine großartige Erfindung der Motor der Reformation war, ist das schon eine sehr kuriose Wendung.
Ebenfalls eine interessante Entdeckung, die geradezu rührend ist: Wusstet ihr, dass aus dem Schrifttyp Gutenbergs auch die Times New Roman hervorgegangen ist? Das freut mich.
Was ich in der Rowohlt-Monografie nicht verstanden hatte: Warum Gutenberg und sein Bruder unbedingt Spiegel in großen Mengen für die Teilnehmer der Pilgerfahrt herstellen wollten und warum sie sich einen solchen Reichtum davon versprachen. Nun ist mir die Sache klar: Die Pilger kamen in so großen Scharen, dass der überwiegende Teil von ihnen die gezeigten Reliqien gar nicht berühren konnten. Ja nicht einmal sehen konnten sie viele im Gedränge der Gläubigen. Aber wenn sie im Gedränge ihre Spiegel hochhielten, konnten sie nicht nur wie durch ein Periskop die heiligen Gegenstände und Körperteile sehen, sie konnten auch die segensspendende Aura, die Energie der Reliquien in ihren "Heilsspiegeln" einfangen und mitnehmen. Wieder was gelernt. Und der Plan ging auch auf, Gutenberg und sein Bruder verkauften tatsächlich massenweise Spiegel.
Und noch eine Sache, die ich anders im Hinterkopf hatte: Ich war immer davon überzeugt, dass Gutenberg einsam, verbittert und im Elend gestorben ist, als ihm Fust & Schöffer das Wasser abgruben und ihm die Druckerei wegnahmen. Das war offenbar nicht der Fall. Sein Fürst, der die Erfindung wertzuschätzen wusste, adelt ihn, gibt ihm ein Hofamt und sorgt dafür, dass der Mann ein Auskommen hat. Gut so, ich gönne es ihm von Herzen.

Ute Welteroth: Abenteuer & Wissen: Alexandra David-Néel. Die Frau vom Dach der Welt
Bemerkenswerte Geschichte einer Abenteurerin, die unbedingt nach Tibet in die verbotene Stadt Lhasa reisen wollte. Überhaupt eine sehr spannende Frau. Sie lief als Kind schon mehrfach von zu Hause weg, lernte Sprachen wie Sanskrit und Tibetisch, ernährte sich zwischenzeitlich als Opernsängerin, als Sopranistin in Indochina. Ihren Mann lernte sie in Tunis kennen. Sie traf den 13. Dalai Lama und ließ sich von einem Eremiten in die Kunst einweihen, in Eis und Schnee zu überleben - zur Ausbildung gehörte auch das Baden im eisigen Wasser, wonach sie stundenlang nackt in der Kälte hocken musste ... Sie besucht Indien, Japan und China, verbrachte zwei Jahre in einem buddhistischen Kloster. Mehrfach wird sie ausgewiesen und taucht doch immer wieder an der Grenze zu Tibet auf. Endlich dringt sie zusammen mit einem jungen Tibeter nach Lhasa vor. Er als Lama verkleidet, sie als eine Bettlerin, die ihm folgt. Unter ärmlichsten, dreckigsten Bedingungen übernachtet sie auf diversen Stationen des Pilgerpfades. Als ihr Begleiter im Eis schwer verletzt wird, schafft sie es, ihn irgendwie auf dem stundenlangen Weg bis zur nächsten menschlichen Behausung weiterzutragen oder ihn zu stützen. Schließlich erreichen sie Lhasa. Sie beteiligt sich an den Ritualen, besucht die heiligen Stätte, hört, sieht, liefert authentische Beschreibungen. Erwischt wird sie nicht, sie kann nach ausgedehntem Aufenthalt unerkannt wieder abreisen. Aber: Die Behörden waren nahe dran, Argwohn zu schöpfen. Es gibt Berichte über eine verdächtige Bettlerin mit einer sehr ungewöhnlichen Angewohnheit: Die Frau wäscht sich täglich ...
Sehr interessant, spannend erzählt, ich habe viel daraus gelernt.


November

Ursula Schmid: Mord in Cork. Krimis aus Irland

Carmina anacreontea. Griechisch/Deutsch (Reclam)
Schöne Ausgabe der Anakreontischen Gesänge. Achtung: Nicht der Lieder des griechischen Dichters Anakreon, sondern späterer Lyriker, die ihn und seine Art, das Leben zu besingen, liebten und nachahmten. Ich hatte mich in den frühen 90ern, während meines Studiums, in einer griechischen Lyrikanthologie an den Anakreontikern festgelesen und wollte mehr über diese Leute wissen. So ging ich in eine Buchhandlung und fragte, ob es ein Buch über Anakreontik gebe. Die Buchhändlerin tippte "Anna Kreonte" in ihren Rechner ein und fragte mich dann sicherheitshalber, wie der Nachname genau geschrieben wurde ... Es war dann aber nur noch ein Buch über die gleichnamige schlesische Dichterschule zu finden. So bin ich kein Anakreontik-Fachmann geworden. Immerhin las ich die Mörike-Übersetzung, die auch heute noch die am weitesten verbreitete ist. Es gab kaum nennenswerte Neuübersetzungen. Nicht, weil diese Lieder so uninteressant sind, sondern weil die Übersetzung von Mörike einfach so beliebt war. Und gut getroffen hatte er den Ton einfach.
Jetzt aber doch eine neue. Und ich muss sagen, der Spaß und die Liebe waren sofort wieder da. Etwa beim Gedicht von Eros, der als nackter, durchnässter Knabe vor der Tür steht, eingelassen wird und prüft ob die Bogensaite trocken geblieben ist, und dann seinem Gastgeber mal eben den Pfeil ins Herz jagt. Oder die Forderung: Gebt mir die Leier des Homer - aber ohne seine Mördersaite. Es sind die Lieder eines alt gewordenen aber frisch gebliebenen Menschen, der der griechischen Festkultur folgt und das hohe Lied von Wein, Weib und Gesang singt, ohne dabei platt oder eklig weil besoffen zu wirken. Anakreon hätte an meinem Gelage immer einen Platz frei.

Archilochos: Gedichte Griechisch/Deutsch (Reclam)
Sehr schöne, brandneue Ausgabe der Werke meines absoluten griechischen Lieblingslyrikers. Sie enthält auch die neueren Fundstücke und ist vermutlich die vollständigste Archilochos-Ausgabe, die aktuell auf dem Markt ist. Die Übersetzung ist gut lesbar, die Texte ordentlich aufbereitet und kommentiert.
Es war ein schönes Wiedersehen mit dem Schildgedicht und dem Gedicht über die Sonnenfinsternis vom 6.4.648 vor Christus, 9.54 Uhr. Das erste Datum der Literaturgeschichte und dabei noch so ein präzises. Und immer wieder erstaunlich, wie nah und nachfühlbar die Gedanken und Gefühle dieses Dichters einem beim Lesen erscheinen. Uns trennen schließlich mehr als zweieinhalb Jahrtausende. Archilochos spricht sein eigenes Herz an und rät sich selbst, sich von Kümmernissen nicht allzusehr herunterziehen zu lassen. Er wünscht seinen Feinden die Pest an den Arsch, respektive einen Schiffbruch, nach dem sie halbtot an die Küste getrieben und von Thrakern als Sklaven verkauft werden. Er besingt den Wein und die nächtlichen Wachen im Heerlager, nennt sich selbst einen Diener des furchtbaren Kriegsgottes, der sich doch auch auf das Geschenk der Musen versteht. Verfolgt den Lykambes, der ihm seine Tochter zur Frau versprochen hat und sie ihm dann doch verweigerte, mit hasserfüllten und spottenden Versen - die den Mann und seine Tochter in den Wahnsinn und Selbstmord getrieben haben sollen. Ein Dichter, der ausgesprochen unhomerisch auftrat, der alte Traditionen und die Kriegerehik auf den Prüfstand stellte. Etwa, wenn er im Schildgedicht darauf hinweist, dass es vollkommener Blödsinn ist, den Schild, der ja dazu dienen soll, das Leben zu schützen, gerade mit seinem Leben zu verteidigen. Es galt als schimpfliches, teilweise sogar todeswürdiges Verbrechen, wenn man den Schild wegwarf, um schneller flüchten zu können. Pah, sagt Archilochos, einen neuen Schild kann ich mir an jeder Straßenecke kaufen, aber mein Leben habe ich durch diese Aktion gerettet ... Das gab in Sparta einen echten Aufschrei. Ebenfalls unhomerisch: Ich brauche keine Feldherrn mit glattem Gesicht, gepflegten Locken und tollen Klamotten, gebt mit lieber einen kleinen, krummbeinigen Kahlkopf, der Mut hat und das Herz auf dem rechten Fleck.
Absolut lesenswert und gut ausgestattet. Ein Archilochos gehört in jede Bibliothek, und dieser hier ist ordentlich aufgemacht und dabei noch wohlfeil. Tadellos.

Ursula Schmid-Spreer: Cork, noch mehr Mord

Fabienne Siegmund: Die Blätter des Herbstbringers

Jane Austen: Stolz und Vorurteil
Das wollte ich schon immer mal lesen. Klassischer englischer Liebes- und Entwicklungsroman des frühen 19. Jahrhunderts über eine Frau und einen Mann, die sich seit ihrer ersten Begegnung verachten und verabscheuen, aber dann endlich feststellen, dass sie sich doch lieben und für einander bestimmt sind. Es fängt ein bisschen schwergängig an, man erfährt einiges über Familienverhältnisse und Verkupplungsversuche und darüber, wie es ist, wenn man seinen Töchtern kein Erbe hinterlassen kann und sie unter die Haube bringen muss, um sie zu versorgen. Von der ersten blöden Bemerkung des Mister Darcy bis zum Happy End nimmt die Geschichte dann ordentlich Fahrt auf. Klar es ist ein bisschen kitschig und hat jede Menge Herzschmerz, aber es ist ein gutes Buch, das nicht umsonst so oft zitiert wird. Lesbar.

Maria Sibylla Merian: Das Insektenbuch
Sehr schönes Insel-Taschenbuch, das die "Metamorphosis Insectorim Surinamensium" enthält. Geboten werden die colorierten Stiche der Insekten und Pflanzenbilder, die Maria Sibylla Merian nach ihrer Forschungsreise nach Surinam veröffentlichte, zusammen mit einer jeweils danebenstehenden deutschen Übersetzung ihrer lateinischen Beschreibung der Tiere und Pflanzen. Eröffnet wird das Buch, prestigeträchtig und PR-stark, mit dem Bild der Ananas. Merian sieht keines der vorgefundenen Tiere isoliert, stets bildet sie den jeweiligen Schmetterling und die dazugehörige Raupe sowie den Kokon auf den zugehörigen Pflanzen ab, die sie nach Möglichkeit mit Blättern, Blüten und Früchten zeigt (das Tropenklima Surinams machte diese Gleichzeitigkeit möglich). Interessanterweise fehlen die Eier. Kannte sie die nicht? Außerdem bildet sie Käfer ab, einige Reptilien, Kröten. Viel erfuhr sie von den Angehörigen der indigenen Bevölkerung, mit der sie, wie auch mit den schwarzen Plantagensklaven, freundlichen Umgang pflegte und deren Behandlung durch die Weißen sie anprangert. Auch mehr als hundert Jahre jüngere Alexander von Humboldt machte sich ja auf seiner Südamerika-Reise gegen die Sklaverei stark. Es hätte sich auch für andere Weiße gelohnt, den Einheimischen zuzuhören: Von ihnen erfuhr die Schmetterlingsforscherin viel über die Heilkraft der Pflanzen und ihre weiteren Verwendungsmöglichkeiten. Bei vielen Pflanzen riet sie, doch hier die Möglichkeiten für Anbau und Export zu prüfen. Die Frau war schließlich erfahrene Geschäftsfrau, und die Plantagenbesitzer hätten vermutlich mit den von ihr vorgeschlagenen Landwirtschaftsprodukten große Erfolge erzielt. Verpasst. Jedenfalls wurde hier ein künstlerisch und wissenschaftlich herausragendes historisches Buch sehr schön aufbereitet und dargeboten. Es hat sich gelohnt.

Antonia Michaelis: Der Koffer der tausend Zauber
Ein Kinderbuch, das auf Madagaskar spielt. Der Held ist ein Straßenjunge namens Rabé, der von seinem Freund Koto einen großen Koffer "erbt". Der andere Junge war durch einen Unfall schwer verletzt worden - oder war es kein Unfall? Seit Rabé den Koffer besitzt, lebt auch er gefährlich. Zusammen mit einem Jungen aus reichem Hause und einem "Mitternachtsmaki" macht sich der Straßenjunge auf eine abenteuerliche Reise quer durch Madagaskar. Der Koffer, der nach und nach seine Geheimnisse preisgibt, führt sie zu einem Mädchen mit einer Zauberstimme. Und da der Koffer einst einem Bühnenzauberer gehört hatte, hat er immer noch einen Trick parat, wenn es für die beiden Jungen gefährlich wird.
Antonia Michaelis hat ein spannendes Kinderbuch geschrieben, das nicht nur eine Menge Abenteuer zu bieten hat, sondern auch viel Wissenswertes über Madagaskar. Vom Buschtaxi bis zum Nationalspiel "fanorona", von Tierarten bis zur Währung Ariary ist vieles erklärt, und im Anhang gibt es sogar ein kleines Lexikon der benutzten Ausdrücke aus der Sprache Malagasy. Dass die Autorin zu der Zeit, als sie das Buch schrieb, auf Madagaskar lebte, hätte die Kurzbiografie auf einer der vorderen Seiten eigentlich gar nicht zu erwähnen brauchen: Man merkt deutlich, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Trotz der fantastischen Koffergeschichte.

Werner Bergengruen: Der Basilisk und andere Spuknovellen
Ich bin ja ein großer Bergengruen-Fan und schaue regelmäßig auf Amazon Marketplace und ZVAB.de rein, ob es dort irgendwelche antiquarischen Bergengruen-Bücher gibt. Wobei im Anthologie-Bereich immer die Gefahr besteht, dass ich das alles schon kenne. Sei's. Bergengruen ist jedes Wiederlesen wert. Jetzt also der Basilisk. Es handelt sich um eine Sammlung von zwölf Novellen, die sich mit dem Unheimlichen und mit Geistererscheinungen befassen. Keine Horrorgeschichten im heutigen Sinne eher klassische Novellen, meist aus Weimarer Zeit. Ich kannte alle bis auf die Titelgeschichte aus anderen Zusammenstellungen, aber das Wiedersehen war schön. Die Spenersche Ausfahrt hat mich, als ich allein im nächstlichen Zimmer war, dann doch wieder "angefasst", und auch das "Räuberwunder", die Erzählung von einem Räuber, der im Gebirge von Soldaten eingekreist ist und nicht entkommen kann und doch in seiner letzten Stunde in seiner Heimatkirche auftaucht und beichtet, ist einfach zeitlos schön. Er erliegt im Gebirge seinen Wunden, aber die Blutspur im Beichtstuhl gibt Rätsel auf.
Die Titelgeschichte "Der Basilisk" ist die jüngste in diesem Buch. Entstanden nach der Nazizeit. Zugrunde liegt die Sage, dass ein Basilisk sterben muss, wenn er sich selbst im Spiegel erblickt. Die Hauptfigur ist, anders als der namensgebende Basilisk kein Ungeheuer, ja nicht einmal in irgend einer Weise bedeutend, es geht um einen jungen Mann, alleinstehend, nicht unbedingt intellektuell herausragend, zu seinem Leidwesen auch nicht besonders groß. Schließlich tritt er in die SA ein und kann sich nun wichtig fühlen. Dann wird ein Film gedreht. Ein abendfüllender Rundumblick über das nationalsozialistische Leben in Deutschland, und auch die SA-Abteilung des Herrn Basilinski kommt drin vor. Der Mann ist stolz wie Bolle. Dann passiert das Entsetzliche: Der Film wird bei einer Gemeinschaftsvorführung gezeigt. "Mensch, dass sind unsere!", geht der Ruf durch das Kino. Da marschieren sie alle schneidig und zackig. Und dann marschiert Basilinski - und sieht sich selbst. Alle bestätigen, dass er darin vorkommt, genau wie er leibt und lebt. Er aber ist von seinem Anblick getroffen, erkennt plötzlich, was für eine kleine, hässliche, unbedeutende Person er ist. Basilinski verlässt das Kino als gebrochener Mensch. Er verliert jede Lebenskraft und jeden Antrieb. Irgendwann stirbt er und wird nach Maßgabe der SA-Bestattungsvorschrift als normaler Kamerad ohne besondere Leistungen begraben. Und nun? Basilinski giert noch immer nach Aufmerksamkeit und setzt als Gespenst "das Hauptanliegen seines irdischen Daseins fort.". Dabei ist er weder schauerlich noch geistvoll, eher phantasielos und läppisch. Schließlich wird er ganz vergessen. In der modernen, flüchtigen Zeit nimmt ihn schließlich niemand mehr wahr. "So blieb er schließlich aus; über sein weiteres Schicksal und Verhalten liegen mir keine Nachrichten vor", notiert der Verfasser. Ein verdientes Ende.

Jasmina Kuhnke: Schwarzes Herz
Eine Mischung aus Roman und Autobiografie. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, deren Vater schwarz war. Die Ich-Erzählerin berichtet darüber, wie es ist, mit dunkler Hautfarbe in Deutschland aufzuwachsen, sie spricht über Alltagsrassismus, Diskriminierung und darüber, wie es ist, ständig auf dieses Schwarzsein festgelegt und reduziert zu werden. Die Heldin des Buches ist Deutsche, aber wird ständig als afrikanisch definiert. Selbst ihre Freude an Leichtathletik und ihre Leistungen im Laufen zählen offenbar nichts, da sie schwarz ist. Ein Sportlehrer verweigert ihr die verdiente Eins. Gerade aus Fairness den anderen gegenüber habe er sie eine Note herabgestuft, erklärt ihr der Mann. Denn als Afrikanerin habe sie ja einen ganz anderen Körperbau und könne eben von Natur aus schneller laufen, das sei unfair gegenüber den anderen.
Aber es geht auch um Gewalterfahrung, Missbrauch und einen widerlichen Ehemann. Schließlich um den Entschluss, den Kerl zu verlassen und eine Karriere als Schriftstellerin zu beginnen.
Das Buch ist teilweise autobiografisch und soll es auch sein. Die Verfasserin ist auf Twitter unter dem Namen Quattromilf bekannt, als Vierfachmutter, die gegen Rassismus kämpft, einigen auf die Zehen tritt, austeilt und auch viel einstecken muss. Als Roman gelesen wäre das Buch ein bisschen dünn, literarisch hat es nicht unbedingt die höchsten Ansprüche, aber als Erfahrungsbericht und Einblick in das Leben einer farbigen Deutschen ist es ein ziemlicher Brocken. Verdammt, warum kann man nicht einfach Menschen wie Menschen behandeln und sonst gar nichts?

Fabienne Siegmund: Das Mühlenreich

Sappho: Lieder. Griechisch/Deutsch (Reclam)

Bergengueniana V
Das fünfte Doppeljahrbuch der Werner Bergengruen-Gesellschaft ist im Oktober druckfrisch erschienen und bringt erneut einen umfangreichen Auszug abus dem "Compendium Bergenguenianum", der Skizzen-, Gedanken- und Beobachtungen-Sammlung des Autors. Ferner widmet sich dieser Band dem Roman "Am Himmel wie auf Erden" und einen Beitrag über Bergengruens publizistisches Schaffen. Es sind Auszüge aus seinem Briefwechsel mit seiner Frau zu lesen, man erfährt etwas über eine Studienfahrt durch das Baltikum, erhält eine Auswahlbibliografie seines unselbstständig publizierten Schrifttums. Schließlich ist die Verleihung des Bergengruen-Preises 2019 an Ingo Schulze dokumentiert, inklusive Laudatio und Dankesrede.Erneut ein sehr voller, reichhaltiger und lesenswerter Band.

Nicholas Jubber: Von Monstern und Mythen
Ein Reisejournalist auf den Spuren der großen europäischen Epen: Nicholas Jubber sieht sich die Schauplätze der alten Schlachten und mythologischen Auseinandersetzungen an und versucht dabei herauszufinden, was die Wurzeln Europas sind. Es sind meist ziemlich nationalistische Fundamente, auf denen Europa ruht.
Die Idee, die alten Handlungsorte zu besuchen, fand ich gar nicht so schlecht. Sie ist freilich nicht neu, ich musste schon zu Beginn an die legendäre Serie "Unterwegs mit Odysseus" denken. Insgesamt kamen mir die Kapitel über Epen, die ich gut kannte, ziemlich oberflächlich vor. Bei denen, die ich noch nicht kannte, war ich echt angefixt und habe das Gefühl, eine Menge Input bekommen zu haben. Generell bin ich nicht sicher, was für einen Mehrwert es haben soll, wenn ich lese, wie ein Reisejournalist an der Stelle, an der Odysseus möglicherweise den Eingang zur Unterwelt fand, seine Tabletten verlor, worunter er mehrere Stationen seiner Reise lang leiden soll.
Die Epen, denen der Autor auf den Grund gehen will, sind die Odyssee, der Kosovo-Zyklus, das Rolandslied, das Nibelungenlied, Beowulf und die Saga von Brennu Njáll. Er geht den noch lebendigen Traditionen vor Ort nach, Sängern, Puppenspielern, traditionellen Instrumenten, bildlichen Darstellungen, Schauspielen. Beklemmend, wie der Kosovo-Zyklus im Jugoslawien-Krieg von serbischen Nationalisten instrumentalisiert wurde. Sich vorzustellen, dass Radovan Kardazic eigentlich ein hochgebildeter Kulturmensch gewesen sein soll. Dichter und Psychologe, Grüner, Manager eines Fußballvereins. So viele Literaturliebhaber in den Reihen der Kriegsverbrecher. Kultur ist kein Heilmittel gegen Barbarei.
Lesen will ich unbedingt den Kosovo-Zyklus und die Saga von Bennu Njáll. Aber ich verstehe echt nicht, warum der Autor das Kalevala ignoriert hat. Und den Kalevipoeg. Schade.

Wolfgang Schadewaldt: Sappho. Welt und Dichtung
Eine antiquarische Entdeckung, die ich natürlich mitnehmen musste. Alles, was ich über griechische Lyriker weiß, weiß ich von Schadewaldt, bzw. hat zumindest seinen Ausgang bei Schadewaldt genommen, vor allem in den Tübinger Vorlesungen. Dies hier ist ein Einzelband über Sappho, sehr gediegen, allerdings muss ich gestehen, dass man diesem Band dann doch die Patina schon anmerkt. Er kommt etwas altväterlich daher und schafft es, kein einziges Wort über gleichgeschlechtliche Liebe fallen zu lassen. Egal, auf jeden Fall ein lesenswerter, kompetenter Autor, der für die Antike brannte und in der griechischen Literatur lebte wie kein zweiter.

Nikolai von Michalewsky: Banditenehre
Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert davon, wie dieser Autor es schaffte, hochdramatische Jugendbücher mit tragischem Ende zu schreiben und zu verkaufen. Dies ist die Geschichte eines Jungen, der zum Verbrecher wurde, weil ihn ein selbstgerechter, wichtigtuerischer Polizist bei einer Fahndung nach einem geflohenen Verbrecher erst blöd anmachte und ihm dann eine Ohrfeige verpasste. Der Junge sieht sich in seiner Ehre verletzt und schwört, den Polizisten zu töten. Kurz darauf ist der Polizist wirklich tot. Der Junge ist zwar unschuldig, aber als die Polizei ihn verhören will, ergreift er die Flucht und lebt in der Wildnis. Hier schließt er sich irgendwann einer Verbrecherbande an. Als diese einen Mann entführt und Lösegeld erpressen will, wacht er auf, erkennt, dass diese Leute die falsche Gesellschaft für ihn sind, und hilft dem Opfer zu fliehen. Inzwischen ist auch seine Unschuld am Polizistenmord erwiesen. Als der Entführte erzählt, dass der Junge ihn gerettet hat, wird jede Fahndung eingestellt, der Junge könnte als freier Mann zurückkehren. Dummerweise weiß das weder der Junge noch der Polizist, dem er kurz danach begegnet. Der Junge flüchtet, der Polizist schießt, und das war es dann. Tragisch und sehr mitreißend. Sehr gut geschrieben.

Boris Friedewald: Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen
Edles Hardcover, reich bebildert und sehr informativ. Eine Biografie, die etwas über 130 Seiten hat, dazu einen Anhang mit Literaturhinweisen und mit Kommentaren zu den abgedruckten Bildern der Merian. Sehr konzentriert, leicht zu lesen und inhaltlich und gestalterisch eine kleine Kostbarkeit.

Frederik Hetmann: Der Kelim der Aphrodite
Ebenfalls eine antiquarische Entdeckung. Es geht um eine Art moderne Fassung der Odyssee, der Rückkehr des Odysseus zu seiner Penelope, verbunden mit der Kabbala und dem Tarot. Die Erzählperspektive schwankt zwischen Ich-Erzähler, Personalem Erzähler und Allwissendem Erzähler. In die Handlung einmontiert sind auch Dokumente, nämlich drei verschiedenfarbige Notizbücher, die von der weiblichen Hauptfigur verfasst wurden.
Eine der beiden männlichen Hauptfiguren ist Robert Suttner, eine Art Kartenleger, Magier, Lebensberater, der allerdings nicht jeden als Kunden annimmt. Mit der weiblichen Hauptfigur, die eigentlich Sophia heißt, aber als Schauspielerin die Penelope spielt, verbindet ihn mehr als eine Geschäftsbeziehung, aber sie wollen es auch nicht zu einem "Verhältnis" machen, sie betrachten und definieren sich eher als Geschwister. Sophia/Penelope ist verheiratet mit Odysseus, der dritten Hauptfigur. Man weiß nie so ganz genau, ob es tatsächlich um den mythologischen Odysseus geht, oder um eine modernen Menschen. Er benimmt sich wie der Held der Odyssee, ist aber mit einer modernen Frau verheiratet ...
Eines Tages bekommt Suttner von Sophia die Nachricht, er müsse sofort nach Paris kommen. Er hat zwar keine Lust dazu, tut es dann doch und ist ziemlich verblüfft, als Sophie verschwunden ist und ihm ihr Haus überschrieben hat. Zurück ließ sie nur einen kunstvoll gewebten Kelim mit mythologische Szenen und Symbolen, drei Notizbücher und auf dem Boden die Zeichnung eines kabbalistischen Sephirot-Baums Suttner studiert die Bücher. Es sind Erzählungen, Lebensentwürfe. Ein Büchlein erzählt die Geschichte von Odysseus nach dem Freiermord. Er hat Sophia/Penelope nämlich danach sitzen gelassen und ist wieder abgehauen auf der Suche nach Freiheit und sich selbst. Dann aber beginnt Sophia, von sich selbst zu schreiben, von ihrer Hörigkeit gegenüber einem Philosophen oder Esoteriker, der sie womöglich in einem afrikanischen Land Opfern will. Langsam löst sich für Suttner das Rätsel . Schließlich wagt er einen Rettungsversuch ...
Eine spannende, verschlungene und anspruchsvolle Geschichte. Hat mir gefallen.

Dominique Bourel: Moses Mendelssohn
Eine schöne, volle und umfangreiche Biografie Moses Mendelssohns, das Werk umfasst 800 Seiten und ist eine Übersetzung aus dem Französischen. Der Autor bietet einen guten Überblick über die wichtigsten Lebensstationen Mendelssohns, etwa das Erscheinen des Phaedon, die Lavater-Affäre oder die Tora-Übersetzung. Dabei werden die Hintergründe ausführlich dargestellt und die handelnden Personen und ihre Beweggründe detailreich vorgestellt. Das Buch ist stellenweise schwer zu lesen, nicht aufgrund seines Satzbaus, sondern dadurch, dass der Verfasser etwas andere Schwerpunkte setzt, als eine deutsche Biografie das tut, und dass er andere Dinge für selbstverständlich oder erklärungsbedürftig hält, in die französische Tradition muss ich mich erst noch einlesen. Interessant: Der Autor nimmt Friedrich II. gegen den Vorwurf in Schutz, er habe aktiv Mendelssohns Berufung in die Akademie verhindert und seine Ernennung nicht unterschrieben. Bourel weist nach, dass die Akademie selbst in vorauseilendem Gehorsam die Aufnahme Mendelssohns nicht weiter verfolgte. Friedrich hatte also gar nichts erhälten, was er hätte ablehnen können. Alles in Allerm ein hochinteressanter, lehrreicher Ziegelstein.

Natasha A. Kelly (ed.): The Comet - Afrofuturism 2.0
Zweisprachige Dokumentation der Beiträge einer Tagung anlässlich des Jubiläums 100 Jahre "The Comet". Die im Jahr 1920 erschienene SF-Geschichte von W.E.B. Du Bois gilt als erste SF-Story mit einem schwarzen Helden. Sie ist in dem Band mit englischem Originaltext und deutscher Übersetzung enthalten. Die Tagungsbeiträge sind sehr interessant und vielseitig. Ein wenig war ich überrascht, denn ich hatte gedacht, es wäre ein Band, der sich schwerpunktmäßig mit afrikanischer Science Fiction befasst. War es aber nicht, auch wenn dann auch auf den "Black Panther"-Film eingegangen wurde. Afrufoturismus ist wesentlich mehr, es ist eine umfassende Bewegung, die Politik und Gesellschaft, Design, Architektur, Kunst und einfach alle menschlichen Lebensäußerungen umfasst.
Ein Wort zum Gendern: Man kann darüber geteilter Meinung sein, aber in diesem Buch wurden die deutschen Texte offenbar von einem Menschen gegendert, der von deutscher Sprache, Grammatik und Satzbau offenbar keine Ahnung hat. Ohne Sinn und Verstand einfach mal weibliche Endungen dranhauen, aber dann die männlichen Formen nicht zu berücksichtigen, die Hälfte der Adjektive nicht oder falsch zu flektieren oder geballte Nicht-Folgerichtigkeiten im Satz zu produzieren, das ist nicht nur für den Leser (m/w/d) eine Beleidigung, sondern auch eine Demütigung der Wissenschaft. ÜbersetzerInnenn sollten zumindest der deutschen Sprache mächtig sein.

Kübra Gümüsay: Sprache und Sein
Ich kaufte mir das Taschenbuch, als die Autorin in Goslar eine Lesung hielt. Hier mein Bericht, den ich für die Goslarsche Zeitung verfasste:

Goslar. Sprache verbindet, Sprache trennt, sie macht menschliche Gemeinschaft erst möglich - aber sie zeigt auch ganz klar, wer draußen ist und nicht dazu gehört: Kübra Gümüsay, Journalistin und Autorin, stellte als Gast der Frankenberger Winterabende ihr Buch "Sprache und Sein" vor, beschwor den Zauber fremder Wörter, für die es im Deutschen keine Entsprechung gibt, beschrieb Phänomene und Missstände, die man ohne das passende Vokabular nicht wahrnehmen oder ansprechen kann, und nahm die rund 100 Gäste in der Frankenberger Kirche mit ins "Museum der Sprache", ein beklemmendes Haus, in dem man besser "unbenannt" bleibt.
Im Anfang war das Bild. Eine Tante, die beim Blick aufs Meer rief: "Wie herrlich dieser yakamoz leuchtet!" Gümüsay, obwohl türkische Muttersprachlerin, kannte weder das Wort, noch sah sie überhaupt ein Leuchten. Doch nun, seit sie weiß, dass das türkische Wort die Reflexion des Mondes auf dem Wasser beschreibt, sieht sie es bei jedem nächtlichen Spaziergang am Meer. "Denn Sprache verändert unsere Wahrnehmung. Weil ich das Wort kenne, nehme ich wahr, was es beschreibt", sagt die Autorin.
Aber es sind nicht nur die schönen Dinge, für die oft die Worte fehlen. "Sexuelle Belästigung" etwa ist ein Begriff, den es erst seit kurzem gibt. Wie soll eine Frau, die den Tatbestand gar nicht in Worte fassen kann, ihn definieren, anprangern, sich überhaupt bewusst machen? Und ist es ein Wunder, wenn ein übergriffiger Mann sein Verhalten nur als "Flirten" begreift?
Während in Deutschland über Gendersternchen und sprachliches Sichtbarmachen von Frauen diskutiert wird, gibt es Sprachen, in deren Grammatik Geschlechter überhaupt nicht vorkommen, beispielsweise Türkisch. Was dazu führen könne, dass man sich längere Zeit über einen fremden Menschen unterhalte und erst nach einer halben Stunde frage, ob es um einen Mann oder eine Frau gehe. Eine Erfahrung, die Gümüsay auch aus der eigenen Familie kennt. So habe ihr Sohn, der zunächst Türkisch gelernt habe, immer wieder die Geschlechter von Personen falsch angegeben und irgendwann, wenn sie ihn korrigierte, nur noch entnervt gefragt, warum das überhaupt wichtig sei. Nicht, dass es in der Türkei viel zur Emanzipation beigetragen habe, räumte sie ein. Die türkische Gesellschaft habe eine der weltweit höchsten Quoten an Frauenmorden. Aber ohne sprachliche Gleichberechtigung werde auch die gesellschaftliche schwierig.
Wie sehr Bezeichnungen ausgrenzen, machte Gümüsays Bild vom "Museum der Sprache" deutlich. Sie schilderte einen großen Ausstellungsraum, durch den die "Unbenannten" flanieren. In Glaskästen zum Anschauen dagegen stehen "Bezeichnete": "Der Gastarbeiter", "die Muslimin", "der schwarze Mann". Jeder, der mit einem Etikett bedacht wird, wird entindividualisiert, verliert seine Menschlichkeit, wird auf ein einziges Merkmal reduziert und seiner Facetten beraubt. Und wer sich auflehnt, erhält vielleicht etwas Aufmerksamkeit und einen größeren Glaskasten, aber er wird nie ein "Unbenannter". "Wenn ich als äußerlich erkennbare Muslimin bei Rot über die Straße gehe, gehen mit mir 1,9 Millionen Musliminnen bei Rot über die Straße", schilderte die Kopftuch tragende Frau die Wirkung solcher Etiketten auf die Wahrnehmung. Sie warb stattdessen dafür, Sprache als etwas Verbindendes, als Werkzeug zur Verständigung zu nutzen. Und: "Wir brauchen mehr Leute, die noch staunen können, die überrascht werden können. Menschen mit Demut."
Nach der Lesung signierte sie Bücher für die Besucher. Die Taschenbuchausgabe von "Sprache und Sein", war an diesem Tag druckfrisch erschienen und per Kurier nach Goslar gebracht worden.

Michael Winterhoff: Deutschland verdummt
Ein sehr bedrückendes Buch, das mir von meiner Schwester (Lehrerin) sehr ans Herz gelegt wurde.
Es ist eine Argumentation gegen die aktuell in Mode gekommene Lehre, man solle Schüler ihren Lehrstoff weitgehend selbst entdecken und erarbeiten lassen, während der Lehrer mehr oder weniger auf die Rolle eines Moderators im Hintergrund reduziert wird. Der Autor diagnostiziert zunehmende Verblödung der Kinder, soziale Inkompetenz und mangelnde Fähigkeit und Bereitschaft, sich überhaupt mit Dingen zu befassen, die keinen Spaß machen. Für die oberen Klassen und später im Studium ist es zwar durchaus wichtig und gewollt, dass die jungen Menschen selbstständig arbeiten und forschen. Aber in den unteren Schulklassen ist es für Kinder unheimlich wichtig, dass sie ein Gegenüber haben, dass sie Grundlagen, Strukturen, Regeln erhalten, eine Basis, auf der dann die Persönlichkeit wachsen kann. Winterhoff zeichnet ein düsteres Bild einer verlorenen Generation, er schildert Menschen, die sich nach ihrer freiheitlichen Schulkarriere nicht einmal aufraffen können, ihren Hartz-IV-Antrag selbst auszufüllen. Das klingt jetzt überspitzt. Aber in seiner Argumentation bleibt der Autor ganz bodenständig, liefert Zahlen und Fakten, bietet Interviews mit Lehrern, Schulleitern, Eltern, Psychologen. Wie gesagt, sehr bedrückend.

Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse
Bei uns sagt man "Jottwedeh", "wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen" oder "am Arm der Welt", in der Heimat des Marschmädchens ist es "wo die Flusskebse singen": ein abgelegener Ort, wohin sich kaum jemals ein Mensch verirrt. Es ist die Welt des Mädchens Kya, das hier allein lebt, manchmal gefangene Fische an den Tankstellenpächter verkauft und ansonsten wild und frei in der Gegend zwischen See und Land lebt. Kyas Mutter hat ihren gewalttätigen, stets besoffenen Mann verlassen, dann gingen die Geschwister nach und nach weg, bis schließlich irgendwann auch der Vater verschwand. Seitdem schlägt sich Kya allein durch. Die Wälder und Wasserläufe kennt sie inzwischen wie keine zweite. Im Dorf werden alle möglichen Gerüchte über sie erzählt, und es scheint sogar eine Art Wette zu geben, wer die wilde Frau als erstes flachlegen wird.
Eines Tages wird ein junger Mann tot und halb im Wasser liegend aufgefunden. Ein unsympathischer Supersportler aus reicher Familie, mit großer Klappe und chauvinistischem Auftreten, von dem es heißt, habe ein Techtelmechtel mit Kya gehabt. Der Verdacht fällt auf das Marschmädchen, die Polizei ermittelt gegen sie, es kommt zum Prozess.
Ein zauberhaftes Buch, das die herbe Poesie des Marschlandes einfängt, die Romantik eines "wilden" Mädchens, den Zauber des Strandguts und der Wissenschaften, aber zugleich auch eine Krimi-Handlung und eine modernisierte Fassung der "Zwölf Geschworenen" zeigt. Magisch, logisch und tragisch.

Otfried Preußler: Krabat
Kinderbuch-Klassiker, der mir allerdings nicht so gut gefallen hat. Die Geschichte eines Jungen, der sich als Lehrling an einer besonderen Mühle verdingt. Hier lernt man nicht nur das Mahlen, sonderrn auch das Zaubern. Allerdings auf eine sehr ungesunde Weise, denn jedes Jahr kommt einer der Müllergesellen ums Leben. Der Müller und Schwarzmagier, der hier das Sagen hat, hat eine Art Teufelspakt abgeschlossen. Als der junge Krabat merkt, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht, ist es schon zu spät: Fliehen ist aussichtslos. Es gibt nur eine Möglichkeit, den Dienst dieses Meisters lebend zu verlassen: Ein Mädchen muss seinen Anspruch auf einen Jungen geltend machen und ihren Geliebten vom Müller fordern. Allerdings wird er nur frei, wenn das Mädchen ihn auch im Dunkeln erkennt und ihn zweifelsfrei innerhalb der Gesellenschar identifizieren kann - auch wenn alle beispielsweise in Raben verwandelt sind.
Es ist nicht direkt schlecht erzählt, wenn auch sehr schematisch und altertümlich. Es ist vielmehr die bedrückende, lichtlose Atmosphäre der Mühlenwelt, die mich beim Lesen sehr runtergezogen hat. Und die Art, wie Krabat das Mädchen für sich gewinnt, kam mir doch sehr leicht und unglaubwürdig vor. Er nimmt magisch Kontakt zu ihr auf, liebt sie wohl auch, aber von ihrer Seite aus sieht die "Beziehung" doch relativ ärmlich aus. Dass sie ihn tatsächlich liebt und bereit ist, für ihn ihr Leben aufs Spiel zu setzten, kommt mir ziemlich seltsam vor. Sie kennt ihn ja überhaupt nicht.

Timo Stickler: Die Hunnen
Versuch, ein Volk näher zu fassen, von dem man vieles nicht weiß. Die Definition "Was ist ein Hunne?" bleibt ziemlich offen, und man weiß nicht so recht, ob die Reitervölker, die damals China bedrohten, tatsächlich identisch sind mit denen, die später in Europa als Hunnen bezeichnet worden sind. Etwas fassbarer wird es in römischer Zeit, aber viele Rätsel bleiben. Man erfährt mehr über die Politik der Völker an den Grenzen des Imperiums, über Handelsbeziehungen, Austausch, gemeinsame Interessen, Tribute und Kriege. Schönes Informationspaket im Hosentaschenformat.

Wolfgang Detel: Aristoteles. Eine Einführung
Eine in diesem Jahr erschienene überarbeitete und erweiterte Ausgabe der Einführung aus dem Jahr 2005. Neu aufgenommen wurden Rhetorik und Poetik (Schande! Wie konnte die Erstausgabe ohne die beiden auskommen?). Das Kapitel über Physik, Theologie und Biologie wurde aufgeteilt, die Metaphysik überarbeitet und erweitert. Insgesamt gibt es acht Kapitel, sieben davon über Themen der Philosophie des Aristoteles und eines über den Neoaristotelismus. Das Buch gibt einen guten Überblick, ist jedoch stellenweise auch ein bisschen spröde, wie der Philosoph, um den es geht. So ist das erste Kapitel über Dialektik und Analytik mit der Vorstellung der logischen Schlussverfahren für Unvorbereitete sicher ein ziemlich hartes Brett.

Michael Stoffers: Das Geheimnis des gelben Pergaments

Holger M. Pohl: D9E - Parasit
Der Abschlussband der D9E-Reihe. Die Hondh werden besiegt beziehungsweise unschädlich gemacht. Alles folgt dem uralten Plan, den ein Vertreter eines nicht minder alten Volkes ausgesonnen hat. Es ist eine Art Finalshow, bei der jeder Einzelheld und jede Planetenbevölkerung, der oder die in der Serie einen kleinen Beitrag zum Zurückdrängen der Eroberer geleistet hat, noch einmal auf die Bühne kommen darf, sich verbeugen und dann seinen Baustein ins Gesamtkonzept einpassen. Einzig Parasit ist eigentlich im Plan gar nicht vorgesehen. Dabei ist es gerade er, in dessen Händen schließlich alle Fäden zusammenlaufen. Und er ist es auch, der die letzte Konfrontation mit einem Angehörigen der alten Völker in konstruktive Bahnen lenkt. Es ist ein Ende, das irgendwie schade ist, denn im Prinzip hätte ich gern noch ein paar Jahre lang die Abenteuer der neunten Expansion mitverfolgt. Aber es geht ja doch irgendwie weiter. Und auf mich wartet ja noch der Loganische Krieg. Insgesamt hatte das Ende, die konzertierte letzte Aktion aller Beteiligten gegen die Hondh eine gewisse Logik und zieht eine Art Resümee aus der Gesamtserie. Wenn man bereit ist, an Pläne zu glauben, die mehr als eine Generation - und dann sogar Jahrtausende - überdauern, kann man das Ende sicherlich genießen. Ich glaube im privaten Leben zwar nicht daran, aber für den Verlauf eines literarischen Abenteuers kann ich mich gern darauf einlassen.

Tim James: Elementar
Kurzweilige, humorvolle Einführung ins Periodensystem der Elemente, mit viel Wissenswertem und einer Menge "nutzlosem Wissen". Ein Buch, das einfach Spaß macht und darlegt, wie das Periodensystem beinahe das ganze Universum erklärt. Der Autor schafft es tatsächlich, jedes der aktuell 118 bekannten Elemente mindestens einmal zu erwähnen. Bloß zum Dysprosium will ihm dann doch nichts besonderes einfallen. So stellt er es schließlich als nutzlosestes und dümmstes Element aller Zeiten dar, als einen Stoff, der zwar ein paar Sachen kann, aber es gibt bei jeder seiner Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten mindestens ein Element, das es besser kann ... Man lernt den reaktionsfreudigsten und gefährlichsten Stoff aller Zeiten kennen, erfährt etwas über einen Forscher der literweise Urin verdampfen ließ und dabei Phosphor entdeckte, über den größten Pechvogel der Chemiegeschichte, der zahlreiche Elemente entdeckte, aber den Ruhm immer wieder von anderen weggeschnappt bekam. James erzählt von großen Entdeckungen und von hartnäckigen Irrtümern, von der Widerlegung der Phlogiston-Theorie, von griechischen Atomisten, von Alchimisten und modernen Atomphysikern ... Kurzum: Das Buch ist eine großartige Fundgrube - auch und gerade für Nicht-Chemiker.
Meine Beschäftigung mit dem Periodensystem hat mir übrigens einen außerordentlich merkwürdigen Traum eingebracht.

Frederik Hetmann: Enteignete Jahre
Als mich beim Weihnachtsessen im Familienkreis meine Schwester fragte, welches Buch mich bei meinem Leseurlaub am meisten beeindruckt hat, sagte ich: "Enteignete Jahre". Und das ist wirklich ein Buch, das mich sehr beschäftigt hat und an dem ich immer noch knabbere. Gekauft habe ich es als eine Art "Wundertüte". Ich schaute bei Amazon Marketplace nach, was sie da an alten Büchern von Frederik Hetmann haben. Das Buch, das ich erhielt, stammt aus dem Jahr 1962 und war da bereits in der dritten Auflage erschienen.
Was mich erwartete, wusste ich nicht. Es ist gar keine große Literatur, nicht einmal ein Abenteuerbuch, auch keine wissenschaftliche Abhandlung, nur eine Momentaufnahme. Der Autor beziehungsweise der Herausgeber hat mit jungen Menschen gesprochen, die aus der DDR in die Bundesrepublik geflüchtet sind. Es handelt sich um zehn Lebensgeschichten, eine Frau und neun Männer erzählen, wie es passieren konnte, dass sie in ihrem Land nicht mehr bleiben konnten und wollten. Das wirklich Erschreckende daran: Es sind gar nicht die großen Gegner des Sozialismus, keine Kämpfer gegen das System, keine Revolutionäre, die mit viel Pathos und großer Begeisterung für die Freiheit und gegen die Diktatur des Proletariats aufgestanden sind. Es sind meist ganz normale Schüler, Auszubildende, Studenten, die aufgrund irgend einer dummen Kleinigkeit aneckten. Und dann ging etwas los, das sich nicht wieder stoppen ließ. Da ist Helga, die einfach nur an ihrer Arbeitsstätte Apfelsinen aß, die ihr Verwandte aus dem Westen geschickt hatten. Seitdem hat ihr Chef sie auf dem Kieker. Während der Buchhändler-Lehre bekommt sie Rügen, sie bestelle die "falschen" Bücher. Sie liest nicht das, was ihre Pflicht ist, sondern, was ihr Spaß macht, tauscht mit anderen Westbücher, dann kommt ein neuer FDJ-Sekretär und will den Laden in Schwung bringen, sie wird gemeldet, weil sie das falsche Radioprogramm kennt, der Sekretär steht eines Tages vor der Haustür und will mit ihrer Mutter über ihre falsche Einstellung sprechen ... Ein Artikel über Frieden, den sie für die Wandzeitung verfasst hat, enthält einen unerwünschten Satz ... Sie erhält die Drohung: Wenn du nicht aus der Kirche austrittst, fliegst du aus der FDJ ...
Wolfgang bezeichnet sich selbst als "Sohn der Arbeiterklasse". Er wird in der Grundschule schon für die FDJ geworben, die zunächst eher ein unpolitisches Freizeitangebot sind. Dann wird die Organisation fordernder, zu anderen Hobbys oder überhaupt für private Interessen bleibt kaum Zeit. Immer mehr wird er für die Gruppenarbeit vereinnahmt, fährt sogar zum Deutschlandtreffen der FDJ. Und dann gründet er mit Freunden eine Tanzkapelle. Läuft auch gar nicht schlecht, bis sie auf einem FDJ-Fest einen Schlager spielen, den sie im Westradio gehört haben ... In die Partei will er nicht eintreten. Den Militärdienst lehnt er ab, er will keine Waffen tragen. Man verweigert seiner Mutter die Arbeitserlaubnis, lässt aber durchblicken, die Stelle könne sie haben, sowie ihr Sohn zur Armee geht. Man droht ihm damit, er werde seinen Job beim Hüttenkombinat verlieren... Da geht er.
Werner war gläubiger Marxist. Ein Suchender, Fragender, der sich intensiv mit der Philosophie beschäftigte. Er schreibt seine Diplomarbeit über das Problem der Freiheit. Aber er ist Mitglied der falschen Gruppe.
Einer ist Mitglied einer kirchlichen Laienspielgruppe, einer macht mit Freunden einen Ausflug ins Kino in den Westen ... Es sind nie die ganz großen Staatsfeinde, die hier isoliert, gemobbt, aus dem Land getrieben werden. Es ist nicht nur die Elite, die die DDR verließ, auch der Mittelbau wurde in diesen Jahren herausgebissen. Es ist schon erschütternd zu sehen, wie dieser Staat große Teile seiner Zukunft aus dem Land getrieben hat. Ein Buch, über das ich viel nachgedacht habe.

Friedrich Christian Delius: Wenn die Chinesen Rügen kaufen, dann denkt an mich
Ein Buch, das ich bei meiner Übernachtung in der Buchhandlung entdeckte und erwarb. Der Ich-Erzähler ist ein gefeuerter bzw. verrenteter Wirtschaftsjournalist mit dem Spitznamen "Kassandra", der aufgrund seiner kritischen Berichte einfach nicht mehr willkommen war. Nun hämmert er seine Gedanken in die Tastatur, um die Datei eines Tages seiner Enkelin zu hinterlassen.
Kassandra warnte immer wieder vor der Macht und Einflussnahme der Chinesen, die in Europa immer mehr Unternehmen aufkaufen und damit auch Einfluss auf die Politik der "übernommenen" Staaten ausüben. Aber auch die Art, wie mit Griechenland in der Krise umgegangen wurde, um es mal neutral zu formulieren, spielt einer bedeutende Rolle im Roman. Es gibt spitze Kommentare zur Politik der MÜK (maßlos überschätzte Kanzlerin), vor allem aber über bequeme, inkompetente Journalisten, die ihre Hausaufgaben nicht machen, Zahlenwerke nicht studieren und durchschauen und aus Bequemlichkeit und Inkompetenz einfach die Darstellungen der betreffenden Pressesprecher übernehmen. Bedrückend.

Nikolai von Michalewsky: Harte Grenze
Spionage-Thriller aus der Zeit des Kalten Krieges für Jugendliche. Es geht um geheime Unterlagen eines Wissenschaftlers aus der DDR. Diese sollen in der Nordsee übergeben werden. Um den Kapitän des Schiffs gefügig zu machen, hat der westliche Geheimdienst seine Tochter zur Flucht in die Bundesrepublik gelockt und dort entführt. Der Deal: Er kriegt seine Tochter zurück und kann die Sache vertuschen, dafür kriegt der Westen die Papiere ... Aber es gibt einen Verräter, ein russisches Schiff taucht auf. Es kommt zum Schusswechsel, zu einem Schiffbruch. Schließlich zum Wettrennen durchs ewige Eis und zu immer mehr Toten. Am Ende können sich nur der Protagonist, der westliche Agent Brandhorst, und die entführte junge Frau halbtot in eine Station retten. Ein Happy End? Der Autor schafft es wieder, einen kleinen Stachel in dem heroischen Retten der Unterlagen zu verbergen. Am Ende sind alle Menschen umsonst gestorben. Die Amerikaner hatten exakt diese Unterlagen bereits ein paar Tage vorher durch einen Überläufer erhalten. Böse.

Kim Rabe: Berlin Monster
Das Buch hatte meine Schwester ja bereits in "Wonnes Welt" vorgestellt. Und sie meinte, ich müsse es unbedingt auch lesen. So nahm ich es in den Urlaub mit. Ja, es ist superspannend, vielleicht etwas mainstreamig, aber das ist ja nicht schlecht. Die Geschichte ist handwerklich gut erzählt, die Hauptfigur sympathisch - eine klassische Privatdetektivin im versifften Büro, überschuldet und dringend auf den Fall angewiesen, nur diesmal eben mit übernatürlicher Auftraggeberin. Die Idee, dass aufgrund einer Bombenexplosion plötzlich alle Fabelwesen und fiktiven Personen aller Kulturkreise zum Leben erweckt werden, hat Potential. Schade, dass sich Gott nicht manifestierte. Auf die anderen Wesen christlicher Verehrung hat ja schnell der Vatikan die Hand gelegt und die Wesen eingefangen. Darüber hätte ich gern mehr gehört. Und dass der Vater der Heldin nicht mehr auftaucht, hat mich überrascht. Dass andererseits eine gewisse andere Figur sich schließlich als Strippenzieherin entpuppt, war zu erwarten. Ganz interessant.

Weitere Jahresrückblicke
Januar bis März 2021, April bis Juni 2021, Juli bis September 2021, November bis Dezember 2021

© Petra Hartmann


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Jahresrückblick III: Juli bis September 2021

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 30 December 2021 · 571 Aufrufe
Jahresrückblick
Mein Lese-Rückblick auf das dritte Quartal 2021 ist recht kurz. Ich las die Oz-Serie weiter, dazu die Comic-Klassiker "Prinz Eisenherz" und "Yoko Tsuno", ansonsten sind diesmal eine Handvoll Bücher dabei, die ich berufsbedingt als Redakteurin der Goslarschen Zeitung lesen musste, also Bücher von lokalen Autoren, Autobiografien, ein Krimi, der in Goslar spielt, und Werke von Künstlern, die in Goslar aufgetreten sind. Dazu ein paar Hörspiele, und das war's dann auch schon. Viel Spaß beim Stöbern!

Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.

Juli

Michael Hofmann: Aufklärung (Reclam)
Diesmal keine europäische Gesamtschau, sondern eine Darstellung, die sich sehr konkret auf die deutsche Aufklärung bezieht. konkreter noch: auf die Literatur der Aufklärung. Das Büchlein gehört ja auch zur Reihe "Literaturstudium" des Reclam-Verlags.
Zum Einstieg gibt es einige philosophische Betrachtungen, ausgehend von Horkheimer und Adorno, die den Bogen bis ins 21. Jahrhundert schlagen, es gibt auch ein Kapitel über die Grundlagen, mit hohem Kant-Anteil. Dann aber steigt der Autor in die Literaturgeschichte ein, schildert Gottscheds Regelpoetik, beschreibt die Entwicklung der Lyrik im 18. Jahrhundert und des Romans, die Dramentheorie, die Wahrheitssuche bei Lessing und den Humor bei Wieland. Moses Mendelssohn fehlt. Er taucht nur auf als Stichwortgeber Lessings, bzw. wird erwähnt als Briefpartner Lessings und Nicolais. Schade.

Yoko Tsuno - Gesamtausgabe: Band 1. Die deutschen Abenteuer
- Die Orgel des Teufels
- Zwischen Leben und Tod
- Wotans Feuer

Faszinierende Serie aus meiner Jugend, die inzwischen in einer sehr gut ausgestatteten und ausgesprochen werthaltigen Gesamtausgabe zu haben ist. Das sehr lesenswerte Vorwort ist üppig bebildert und zeigt vor allem durch den Vergleich von Comic und Fotos von den Handlungsorten (Rotenburg ob der Tauber, Burg Etz, der Rhein mit Loreleyfelsen), wie präzise und detailversessen Roger Leloup gearbeitet hat. Einfach sehenswert.
Etwas irritierend war zunächst, dass in dieser Gesamtausgabe die Abenteuer nicht nach Erscheinungsdatum geordnet sind, sondern nach Themen. So bietet der erste Band drei Abenteuer, die in Deutschland spielen, Band zwei enthält drei Abenteuer mit den Außerirdischen von Vinea, in Band drei folgen dann Zeitabenteuer ... Wenn man sich erstmal darauf eingelassen hat, ist es gar nicht schlecht, die Alben in diesem Zusammenhang zu lesen.
Im ersten Band hat mich vor allem das mittlere Abenteuer, "Zwischen Leben und Tod" beeindruckt. Vor allem, als ich im Vorwort las, dass es dazu einen realen Hintergrund gibt.

L. Frank Baum: The lost Princess of Oz
Prinzessin Ozma ist verschwunden. Und nicht nur die Prinzessin: Der Entführer ist zugleich ein Dieb, der Ozmas magisches Bild stahl, in dem alles zu sehen ist, was sich in Oz und dem Rest der Welt zuträgt. Diese Möglichkeit, Ozma wiederzufinden, scheidet also aus. Als sich dann auch noch herausstellt, dass Glindas magisches Buch, in dem man alles über das Verschwinden Ozmas hätte nachlesen können, gestohlen wurde, werden die Freunde langsam besorgt. Außerdem sind die Zaubergeräte des Zauberers von Oz verschwunden. Und last not least kam auch noch eine magische Bratpfanne abhanden, die Cayke, der Kuchenbäckerin vom Hochplateau im zu Oz gehörenden Land der Yips gehörte.
Es bilden sich zwei Suchteams: Dorothy, begleitet von Betsy Bobbin, Trot, Glinda, dem Zauberer und Buttonbright machen sich auf ins Land der Winkies, um dort nach Ozma zu suchen. Cayke zieht in Begleitung des Froschmanns, eines durch Magie zufällig vergrößerten Froschs, der durch seine Gestalt und seine große Klappe bei den Leuten von Yip eine große Nummer ist, suchen die magische, mit Diamanten verzierte Bratpfanne.
Dorothy und ihre Freunde reisen durch das Land der Thi und Herkus. Letztere halten Riesen als Sklaven. Bei ersteren gibt es wohlschmeckende Pfirsiche zu essen, und Buttonbright steckt einen goldenen Pfirsichkern ein - trotz der Warnungen der This, der böse Schuhmacher Ugu habe ihn verzaubert. Der Herrscher der Herkus ist sehr freundlich und verrät ihnen, wie sein Volk stark genug wurde, die Riesen zu beherrschen: Es verfügt über magisches "energy compound" (Energiepillen?), von dem er den Leuten aus Oz sechs Stück schenkt. Hier erfahren die Oz-Leute auch mehr über Ugu den Schuhmacher, der aus dem Land der Herkus stammt und eines Tages auf dem Dachboden magische Bücher eines seiner Vorfahren entdeckte. Das bringt die gruppe auf die Idee, der Schuhmacher könnte etwas mit dem Verschwinden Ozmas zu tun haben.
Sie ziehen weiter und treffen unterwegs zunächst auf Cayke und den Froschmann, dann auf eine Kolonie von Bären, darunter sehr niedliche Plüschtiere, aber auch ziemlich raubeinige Wesen, die die Eindringlinge gern töten würden. Der König der Bären erweist sich aber als sehr freundlich und begleitet sie auf ihrer Suche, gemeinsam mit einem rosafarbenen Teddy, der weissagen kann.
Dann geht Buttonbright mal wieder verloren. Er fällt in ein Loch. Als sie ihn finden und herausziehen wollen, fragt der Zauberer den kleinen rosa Bären, wo Ozma ist, und erhält die Antwort, sie befinde sich ebenfalls in dem Loch. Buttonbright wird heraufgezogen. Doch im Loch ist danach keine Ozma mehr zu finden. Neue Prophezeiung des Bären: Sie ist jetzt bei der Reisegruppe. Aber auch unter sich entdecken sie keine Ozma, was der Reputation des Bären nicht gut tut.
Schließlich stehen sie vor dem bösen Schuhmacher, der ihnen mit allerlei Zauber zusetzt. Dorothy hält dagegen mit dem Zauber ihres magischen Gürtels. Sie verzaubert ihn in eine Taube. Er zaubert sich wieder groß, behält aber seine Taubengestalt, und kann mit der magischen Pfanne, die eine Zauberpfanne ist, ins Quadlingland davonfliegen.
Die Gruppe findet ihre gestohlenen magischen Hilfsmittel in Ugus Schloss und nimmt sie wieder an sich. Als die Freunde erneut den rosa Bären befragen, sagt dieser, Ozma sei in Buttonbrights Jackentasche. Hier finden sie den goldenen Pfirsichkern und stellen fest, dass Ugu Ozma dort hinein gehext hat. Sie befreien die Prinzessin.
Alle sind total happy und kehren in die Smaragdstadt zurück. Tage später taucht dort auch Ugu die Riesentaube auf und bittet Dorothy um Verzeihung, weil er sich so schlimm benommen hat. Sie vergibt ihm. Als sie ihm anbietet, ihm mit dem Gürtel wieder seine ursprüngliche Gestalt zurückzugeben, lehnt er aber ab und zieht es vor, eine Taube zu bleiben ...


Hal Forster: Prinz Eisenherz. Band 8: Jahrgang 1951/1952 (Bocola)
Der achte Doppelband bringt für Prinz Eisenherz und Aleta zunächst einmal Familienzuwachs. Zwillinge. Klar, dass der junge Arn da eifersüchtig wird. Immerhin bekommt er nun schon eigene Waffen. Wir erleben einen spannenden Wettkampf im Abrichten von Jagdfalken, in dem Prinz Eisenherz granatenmäßig gegen Aleta verliert. Die Zähmung Bolthars durch eine nordamerikanische Indianerin, die sich auch als Retterin des entführten Arn hervortut. Eindrucksvolle winterliche Jagdszenen. Eine beeindruckende Zeichnung der alten germanischen Götter auf der Regenbogenbrücke. Sehr schön.
Etwas geärgert habe ich mich über die neue Funktion des jungen Knappen Arf. Als ihm auf dem Weg über die Alpen die Zehen abfrieren und er als verkrüppelter Mensch nicht mehr als Krieger infrage kommt, verzweifelt er. Daraufhin macht ihm Eisenherz Lust auf eine Karriere als Schreiber. Er soll nun Biograf des Prinzen werden und seine Taten aufschreiben. Ja, aber muss das bedeuten, dass wir den ganzen alten Scheiß nochmal lesen müssen? Das Vorwort lobt zwar die kreative Art, wie Forster seine alten Zeichnungen wieder verwendet und neu arrangiert. Aber ich fühle mich trotzdem etwas verschaukelt.

Yoko Tsuno - Gesamtausgabe: Band 2: Von der Erde nach Vinea
- Unterirdische Begegnung
- Die Vulkanschmiede
- Die dritte Sonne von Vinea

Wie schon im ersten Band sind auch hier thematisch zusammengehörende Abenteuer zusammengestellt. Yoko Tsuno lernt das Volk von Vinea kennen. Die blauhäutigen Außerirdischen stammen zwar von einem anderen Planeten, leben jetzt aber unter der Erde. Man könnte also sagen, dass diese Außerirdischen quasi Innerirdische sind. Während Yoko in ihren deutschen Abenteuern von ihrer Freundin der Organistin Ingrid Halgerd begleitet wird, sind es hier die blauhäutigen Schwestern Khany und Poky, mit denen sie Freundschaft schließt. Zusammen schaffen sie es sogar die Vineaner zurück in ihre Heimat zu bringen.
Die Darstellung der Technik und der Maschinen der Vineaner ist beeindruckend. Wie schon in den deutschen Abenteuern penibel, detailreich und ziemlich authentisch herüberkommend. Witzig die Entstehungsgeschichte Vineas: Der Autor blickte auf ein verblichenes Nivea-Werbeplakat und hatte plötzlich diesen Blauton im Kopf ...


August

Max Prosa: Flügel aus Beton. Gedichte 2010-2020

Barbara Beuys: Maria Sibylla Merian. Künstlerin, Forscherin, Geschäftsfrau
Nach dem Hörspiel aus der Reihe "Abenteuer und Wissen" wollte ich mehr erfahren über die Schmetterlingsforscherin. Das vorliegende Buch ist eine sehr interessante und lesenswerte Biografie der Merian. Die Autorin räumt auch mit einigen Klischees auf über die Frauen der damaligen Zeit. Die Verfasserin arbeitet sehr schön heraus, dass extreme Unmündigkeit der Frauen erst im 18./19. Jahrhundert entstand. Im Mittelalter oder der frühen Neuzeit, auch noch im 17. Jahrhundert gab es ganz selbstverständliche weibliche Berufs- und Geschäftstätigkeit, Handel und Handwerk waren diesem Geschlecht nicht verschlossen. Das Selbstbewusstsein, mit dem Maria Sibylla Merian ihre Werke anpries und sich selbst vermarktete, ihren Farbenhandel und ihre Jungferngruppe leitete und die Geschäfte der Familie führte, war demnach gar nicht so unerhört, wie es späteren Generationen vorkam. Da ist vieles zerstört worden in den Jahrhunderten danach.

Edith Nesbit: Melisande
Ich habe wieder mal versucht, meine Nichte zu Edith Nesbit zu bekehren. Am Ende saß ich ganz allein auf meinem neuen Kuschelteppich und las zum drölfmillionstenmal das Märchen von der Prinzessin, zu deren Taufe die böse Fee Malevola nicht eingeladen war, die dem Kind daraufhin eine Glatze wünschte. Als Melisande groß genug war, schenkte ihr Vater daraufhin einen Wunsch, den er einst von seiner Patenfee erhalten hatte. Auf Anraten ihrer Mutter wünscht sich Melisande schließlich blonde superlange schnellwachsende Haare, die nach jedem Schneiden doppelt so schnell nachwachsen. Tja, die Königin hatte halt keine Ahnung von Mathematik, und die Haare wuchsen und wuchsen und wuchsen. Sagte ich schon, dass ich coronabedingt zwei Jahre nicht beim Friseur war? ;-)


Mirano Peter: Und plötzlich war alles anders
Autobiografie eines jungen Mannes, der mit 19 Jahren plötzlich eine Hirnblutung bekam und seitdem schwerbehindert ist. Ich habe das Buch in der Goslarschen Zeitung vorgestellt:
https://www.goslarsc...id,2228173.html


Hörspiel

Berit Hempel: Abenteuer und Wissen: Isaac Newton. Pionier der Physik
Hörspiel-Biografie eines Physik-Genies, das auch die Katzenklappe erfand. So wird es jedenfalls berichtet. Das Hörspiel zeigt die ungeheure Vielseitigkeit dieses Mannes, seine optischen Entdeckungen, die astronomischen, die Gravitationsgesetze, dazu Universitätspolitik und Querelen mit Kollegen. Man erfährt auch, dass Newton, der aus ärmeren Verhältnissen kam, sich das Studium eigentlich nicht leisten konnte, aber als begabter junger Mann ein Stipendium bekam. Das war kein reines Zuckerschlecken, denn als Stipendiat hatte er die Aufgabe, die reichen Studenten zu bedienen: "Newton, leere meinen Nachttopf", mit dem Kommando eines blasierten Kommilitonen hebt das Hörspiel denn auch an. Wie gut, dass er trotzdem durchhielt. Und wie gut, dass er zum Landwirtsberuf vollkommen ungeeignet war, was wäre der Menschheit sonst verloren gegangen.


September

Peter Langsdorff: Ein verhängnisvolles Geschenk
Das Buch ist vom Autor in Goslar verortet worden. Daher las und besprach ich es für die Goslarsche Zeitung. Meinen Artikel dazu findet ihr hier:
https://www.goslarsc...id,2246017.html


L. Frank Baum: OZ, Complete Edition: The tin woodman of Oz (e)
Dieser Roman klärt eine Frage auf, die man eigentlich schon längst hätte stellen müssen.
Die altbekannte Geschichte, wie der Holzfäller zu einem Wesen aus Zinn wurde, hat etwas mit seiner großen Liebe zu tun. Nick Chopper und ein Mädchen namens Nimmie Amee waren ein Liebespaar, aber eine Hexe wollte sie auseinanderbringen. Sie verfluchte seine Axt, diese trennte ihm immer wieder verschiedene Körperteile ab, die aber immer wieder von einen geschickten Schmied durch metallene Glieder ersetzt wurden. Zuletzt ging der ganze Leib entzwei, der Schmied leistete Großartiges, und seither besteht der Holzfäller zu 100 Prozent aus Zinn. Allerdings hatte er auch kein Herz mehr. Und damit konnte er auch kein Mädchen mehr lieben. Die Hexe hatte also gewonnen.
Ja, aber warum hat er das Mädchen dann nicht wieder aufgesucht, als ihm der Zauberer von Oz ein neues Herz gegeben hatte?
Diese kritische Frage stellt ihm ein junger Gillikin namens Woot, der auf seinen Wanderungen am Schloss des Holzfällers im Winkieland vorbeikommt. Immerhin hat der Holzfäller, das weiß jeder, doch nun das beste Herz in ganz Oz.
Der Holzfäller und sein Freund die Vogelscheuche schweigen betroffen. Es sei so, erklärt der Holzfäller, dass er versehentlich um ein mitfühlendes/freundliches (kind) Herz gebeten habe, nicht aber um ein liebendes. Er ist also total sensibel und weichherzig, nur lieben, das könne er mit seinem Herzen leider doch nicht. Trotzdem: Das Mädchen muss gefunden werden. Man kann es ja nicht so allein sitzen lassen, beschließt der Holzfäller. Er sei ihr etwas schuldig. Und er sei so eine tolle Partie, sie werde ihn bestimmt gern nehmen, auch wenn er sie nicht lieben könne. So will er sich aufmachen, das Mädchen finden und sie als seine Braut heimführen. Die Vogelscheuche und Woot der Wanderer begleiten ihn.
Weil ihm die Sache doch etwas peinlich ist und er Aufsehen vermeiden will, umgehen sie die Smaragdstadt auf ihrem Weg ins Munchkinland in nördlicher Richtung und reisen durch Gillikin-Land. Dabei gelangen sie in das Schloss der bösen Riesin Mrs. Yoop. Diese verwandelt sie in Tiere: Woot in einen grünen Affen, den Holzfäller in eine Zinn-Eule und die Vogelscheuche in einen mit Stroh ausgestopften Bären. Im Schloss der Riesin gibt es noch eine Gefangene: Polychrome, die Tochter des Regenbogens wird hier als Kanarienvogel in einem Käfig gehalten. Die vier Freunde können fliehen, behalten aber ihre Gestalt. Sie gelangen ins Munchkin-Land zur Farm von Jinjur, die mit dem Holzfäller und der Vogelscheuche befreundet ist (in der Geschichte mit der Frauen-Revolution in Oz hörte sich das noch ganz anders an). Jinjur bringt sie in die Smaragdstadt, wo Ozma sie wieder zurückverzaubert und die Form des grünen Affen auf Mrs. Yoop überträgt.
Als die Freunde nun zu dem Ort reisen, an dem der Zinnmann vor sich hinrostete, bis Dorothy ihn fand, entdecken sie etwas Überraschendes: Dort steht eine verrostende unbewegliche Figur eines Zinnsoldaten, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Nick Chopper hat. Als sie ihn ölen, kann er wieder reden und sprechen und erzählt seine Geschichte, die der Geschichte des zinnernen Holzfällers sehr ähnelt.
Captain Fyter, so der Name des zweiten Zinnmanns, war der Geliebte von Nimmie Amee. Aber der schneidige Soldat war der Hexe ein Dorn im Auge, so verzauberte sie seinen Säbel, und der hieb ihm nach und nach Körperteile ab, die ein kunstfertiger Schmied durch zinnerne Glieder ersetzte. Zuletzt wurde Captain Fyter zum vollständigen Zinnmenschen ohne Herz und begann zu rosten.
Die beiden zinnernen Zwillinge beschließen, ihre Ex-Geliebte Nimmie Amee aufzusuchen und sie wählen zu lassen, wen von beiden sie heiraten will. Gemeinsam reisen sie weiter.
Als sie zur Werkstatt des Schmieds gelangen, entdecken sie auch ihre alten Körperteile wieder. Da es ja keinen Tod gibt in Oz, sind diese Glieder noch quicklebendig, man könnte sie wiederverwenden. Allerdings sind die Bausätze nicht vollständig. Nick Chopper hat eine sehr interessante Unterhaltung mit seinem ehemaligen (fleischlichen) Kopf, aber beide vertragen sich nicht. Der Kopf will seine Ruhe haben und in seinem dunklen Schrank liegen, und der Zinnmann verachtet Fleisch-Wesen schon lange und ist sehr eitel, was seinen glänzenden, unverwüstlichen Körper, der auch keine Nahrung braucht, angeht. Captain Fyter würde seinen Fleischkopf auch gern nochmal sehen, doch der ist verschwunden.
Schließlich erreichen sie den Hof von Nimmie Amee. Aber überraschenderweise will sie keinen der beiden Zinnmenschen heiraten. Sie lebt mit einem Fleischmenschen zusammen. Sein Name ist Chopfyt. Ein ziemlich durchschnittlicher Typ, aber aus Fleisch und Blut. Und es stellt sich heraus, dass er von dem Schmied aus den zerhauenen Gliedern des Holzfällers und des Soldaten zusammengefrankensteinert wurde. Auch eine Art Happy End. Allerdings fragt man sich dann, wieso der Schmied nicht einfach den Verletzten ihre abgehauenen Glieder wieder an den Körper genietet hat, da sie ja doch weiter verwendbar bleiben.
Und noch etwas, das mir jetzt erst auffiel: Zinn rostet ja gar nicht. Eisen tut das, aber Zinn nicht. Die Geschichte mit den Tränen und dem Verrostet-im-Wald-Herumstehen ist also ziemlicher Quatsch.



Friedhelm Kändler: WoWo
Friehelm Kändler: WoZwo
Friedhelm Kändler: WoWo jagt Dr. Ey

Ich habe mir die drei WoWo-Bände aus den 90ern noch einmal vorgenommen anlässlich eines Auftritts Friedhelm Kändlers in Goslar. War ein schönes Erlebnis. Die Lektüre und der Abend im Kulturkraftwerk. Meinen Artikel dazu findet ihr hier:
https://www.goslarsc...id,2203471.html

G.H. Harzig: Symphonie des Lebens - Zwischen Dur und Moll
G.H. Harzig: Wanderer zwischen den Welten

Die ersten beiden Bände einer dreiteiligen Autobiografie. Da der Verfasser in Oker lebt, habe ich die Bücher gelesen und in der Goslarschen Zeitung vorgestellt. Den Artikel dazu findet ihr hier:
https://www.goslarsc...id,2261530.html

Till Burgwächter: Dio Digitale
(Till Burgwächter ist zwar Braunschweiger, aber mit seinen Lesungen Stammgast im Goslarer Trollmönch, und so kam ich auch in den Genuss eines Rezensionsexemplars. Eine Besprechung in der Goslarschen folgt noch.)

Mit Klassikern wie „Die Wahrheit über Wacken“ oder „Juhr Gait tu Hewi Mettäl“ hat sich Till Burgwächter längst in die Herzen der Schwermetall-Fans eingeschrieben. Jetzt geht der Braunschweiger Autor in seinem neuen Buch „Dio Digitale“ der Frage nach, ob Heavy Metal eine Zukunft hat - und wie diese aussehen könnte.
Die Lage scheint ernst: „Die elenden Streaming-Plattformen gönnen den Künstlern, ohne die sie keine milliardenschweren, börsennotierten Monsterfirmen wären, sondern nur ein käsiger Programmierer, der mit 30 noch in seinem Kinderzimmer hockt, nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln“, schreibt Burgwächter in seiner bitterbösen, rabenschwarzen und liebenswert-drastischen Ausdrucksweise. Die Szene ist am Vergreisen, die Musiker am Aussterben und Verwesen: „,Black Sabbath†˜ wurde an einem einzigen Tag im November 1969 aufgenommen. Logisch, dass die Protagonisten und ihre Nachfolger über 50 Jahre später nicht mehr durchgehend taufrisch aus der Wäsche gucken. Ronnie James Dio? Schon 2010 gestorben. Lemmy von Motörhead? Seit 2015 im Land, wo Jacky und Cola fließen. Slayer? Iron Maiden? Judas Priest? Kiss? Black Sabbath? Alle entweder eingemottet oder kurz davor, die finanzielle Pommesgabel ins Publikum zu werfen.“ So die Bestandsaufnahme.
Wie aber ist die vielgeliebte metallhaltige Musik dann zu retten? Ist etwa die digitale Unsterblichkeit durch moderne Hologrammtechnik der Weisheit letzter Schluss? Mit Grausen erinnert sich Burgwächter an ein Ereignis 2016 in Wacken, „als die Dio Disciples, eigentlich eine lauwarme Tribute-Band, plötzlich Besuch vom Meister selbst bekamen. Der trötete in bester Laune †šWe Rock†˜ über den Acker, obwohl er, damals seit sechs Jahren tot, maximal seinen Gottesacker hätte bespaßen dürfen.“ Dann lieber Frischzellenkuren, die Erschließung neuer Zielgruppen durch Gebärdendolmetscher oder der Versuch, in der Pornoszene oder bei Yogakursen Fans abzuwerben? Burgwächter hat jedenfalls einige krause Ideen im Kopf, die offenbar einer vollen Dröhnung Schwermetall geschuldet sind. „Keine Panik, noch ist der eiserne Drops nicht gelutscht. Wir haben Grunge und Nu Metal überstanden, wir schaffen auch das.“
Bitter, sarkastisch und mit dem schwermetallischen Herzen auf der spitzen Zunge schwärmt und lästert sich Burgwächter durch die Szene und verfällt in melancholische Erinnerungen an die Zeit, als Probenräume noch nach Schweiß, Moder und Rattenkot rochen. Für Fans der „besten Musik der Welt“ ein absolutes Muss. Und für Nicht-Fans (gibt es die wirklich?) eine Einstiegsdroge, zu deren Einnahme ernsthaft geraten werden kann. Lesenswert.

Hörspiel/Hörbuch

Robert Steudtner: Abenteuer und Wissen: Carl Benz. Pionier des Automobils
Carl Benz ist der Ich-Erzähler dieses Hörbuchs, das heißt, man hört seine heisere Erzählstimme immer wieder kommentieren und berichten, und er erinnert sich an Stationen und Fortentwicklungen seiner Erfindung. Aber die eigentliche Heldin ist seine Frau Bertha Benz. Sie packt eines Tages ihre Kinder in das neu erfundene Automobil und macht sich auf zur ersten großen Automobilfahrt quer durchs Land. Eine abenteuerliche Reise, die irgendwie Tschitty-Tschitty-Bäng-Bäng-Kopfkino entstehen lässt. Sehr liebenswürdig. Interessant auch der Blick in die Zukunft, den Kathrin Lichius, Entwicklungsingenieurin bei Daimler, wagt. Nicht schlecht.

Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers
Ein Hörbuch, das ich auf gut Glück in der Buchhandlung für eine längere Autofahrt gekauft habe (die Alternative wären die drei ??? gewesen). Es ist eine Geschichte, die auf zwei Ebenen spielt, wobei zwischen den Erzählsträngen kapitelweise hin- und hergewechselt wird. Außerdem haben beide Erzählstränge eine Vorgeschichte, sodass immer wieder Rückblenden erfolgen. Im Prinzip ist es also eine Geschichte, die auf vier Ebenen verläuft.
Die eine Handlung spielt im Norwegen der Gegenwart oder auch etwas in der Zukunft. Eine knapp 70-jährige Frau kommt zurück in ihren Heimatort und sieht bestürzt, dass der Gletscher schon fast komplett verschwunden ist. Allerdings wird noch immer Eis abgebaut und in Kisten auf Schiffe verfrachtet: Der Bürgermeister, der die Jugendliebe der Heldin war, hat den Gletscher an schwerreiche Scheichs verkauft, die mit dem letzten norwegischen Eis ihrem Luxusleben den ultimativen Kick geben, während sich die Klimakatastrophe nicht nur ankündigt, sondern schon da ist. Die Frau stiehlt eine Anzahl der Eiskisten und lädt sie in ihr Segelschiff. Damit wagt sie die gefährliche Überfahrt nach Frankreich, um ihren Ex-Geliebten zur Rede zu stellen und ihm dieses letzte Eis vor die Tür zu legen.
Der zweite Handlungsstrang spielt im Jahr 2041 in Frankreich. Es ist die Geschichte eines Vaters, der zusammen mit seiner Tochter vor der Klimakatastrophe nach Norden flüchtet, wo es noch Wasser geben soll. Sie erleben schreckliche Szenen in Flüchtlingslagern, die andere Hälfte der Familie - seine Frau und sein Sohn - sind auf der Flucht von ihnen getrennt worden und bleiben verschollen. Schließlich bricht im Lager auch noch die letzte Ordnung zusammen, die Wasserreserven und die medizinische Versorgung sind dahin. Für den Vater und seine Tochter ist der Tod vorprogrammiert. Das letzte bisschen Hoffnung bietet ein altes Schiff, das nahe einem ausgetrockneten Flusslauf aufgebockt ist. Aber es zeichnet sich kein Regen ab, und der Fluss wird wohl nie wieder Wasser führen. Da machen die beiden eine Entdeckung und finden einen Schatz. Nein, kein Gold.
Sehr gut vorgelesene, eindringliche Geschichte, etwas moralisch, aber leider gar nicht so unrealistisch. Die Katastrophe hat schon begonnen ...

Weitere Jahresrückblicke
Jahresrückblick I: Januar bis März 2021
Jahresrückblick II: April bis Juni 2021
Jahresrückblick IV: Oktober bis Mitte November 2021
Jahresrückblick V: Mitte November bis Dezember 2021

© Petra Hartmann






Falkenblut, 2020

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Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen. Einzig Widar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus †¦
Es ist eine schaurige Welt, in der sich die junge Walküre behaupten muss. Doch Valkrys wäre keine echte Falkin, wenn sie einem Kampf aus dem Weg gehen würde. Todesmutig und mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor stürzt sie sich in die Begegnungen mit Jöten, Thursen, Reifriesen, Seelenräuberinnen, Werwölfen, Berserkern, Hexen, Meerungeheuern und dem furchtbaren Totenschiff Naglfari.

 

 

Petra Hartmann: Falkenblut.

Sibbesse: Hottenstein, 2020.

Broschiert, 247 S., Euro 11.

ISBN 978-3935928991

 

Bestellen im Hottenstein-Verlags-Shop

 

Bestellbar unter anderem bei Amazon

Hörbuch: Drachen! Drachen! 2020

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Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen! Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren. Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist - und gelegentlich fies!

Die Autoren: Rainer Schorm, Achim Mehnert, Andrea Tillmanns, Malte S. Sembten, Frank G. Gerigk, Christel Scheja, Fiona Caspari, Hendrik Loy, Christiane Gref, Linda Budinger, Miriam Pharo, Carsten Steenbergen, Rebecca Hohlbein, Frank W. Haubold, Melanie Brosowski, Astrid Ann Jabusch, Thomas R. P. Mielke, Karsten Kruschel, Marc A. Herren, Petra Hartmann, Monika Niehaus, Uwe Post.

 

Herausgeber: Petra Hartmann, Frank G. Gerigk

Sprecher: Tim Schmidt

Blitz-Verlag

Ungekürzte Lesung

mp3-Download

611 Minuten, 495.91 MB

9783991093435

 

Zu bestellen unter anderem bei Thalia oder bei Amazon.

Nestis und die verbotene Welle, 2017

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Meerprinzessin Nestis und ihre Freunde sind sauer: Lehrer Seestern meint, dass laute Haifischmusik nichts für Kinder ist. Und der Kronrat stimmt ihm zu. Deshalb bekommt die Band »Ã˜lpæst« Auftrittsverbot in der gesamten Nordsee. Doch plötzlich ist deren Musik überall zu hören: Ein Piratensender strahlt die Hits der Knorpelfischgang lautstark aus.

Als eine hochexplosive Kugelmine über dem blauen Glaspalast im Meer dümpelt und ein führungsloser Öltanker in die Nordsee einfährt, droht eine wirkliche Ölpest. Gelingt es den Meerkindern, ein Unglück zu verhindern?

 

Petra Hartmann: Nestis und die verbotene Welle. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Voraussichtlich ab Juni 2017 erhältlich.

Buch-Infos: ca. 152 Seiten, 14,2 x 20,6 cm, Hardcover, zahlreiche s/w-Illustrationen, mit Fadenheftung, Euro 14,90, ISBN 978-3-977066-00-1

 

Leseprobe

 

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Demantin, 2016

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Demantin, der junge König von Antrium, liebt die griechische Königstochter Sirgamot. Doch ihr Vater ist strikt gegen die Hochzeit. Immerhin ist Sirgamot erst zwölf Jahre alt. So zieht Demantin in die Welt, um Ruhm zu erwerben, den Namen seiner Geliebten durch seine Taten zu verherrlichen und sich dem griechischen König als Schwiegersohn zu empfehlen. Er besteht heldenhafte Kämpfe, erwirbt sich die Freundschaft der Königin und des Königs von England und besiegt ein schauriges Meerweib. Letzteres allerdings erweist sich als verhängnisvoll. Denn die sterbende Unholdin verflucht Demantin und prophezeit, dass seine Geliebte mit dem üblen König Contriok verlobt werden soll. Kann Demantin noch rechtzeitig zurückkehren, um die Hochzeit zu verhindern?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Demantin. Ein Ritter-Epos
128 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 9-78-3-940078-34-6
8,95 EUR

 

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Leseprobe

 

Crane, 2016

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Gayol, der Sohn des ungarischen Königs, hat in jugendlichem Übermut den alten Hofmarschall seines Vaters zum Wettkampf herausgefordert und eine peinliche Niederlage erlitten. Aus Scham flüchtet er und gerät ins Reich des deutschen Kaisers, wo er unerkannt unter dem Namen Crane (Kranich) eine Stellung als Kämmerer annimmt und bald sehr beliebt ist. Doch als der Fremde und die Kaiserstochter einander näher kommen und Hofbeamten Unzucht und eine unstandesgemäße Liebschaft wittern, beginnt eine schwere Zeit für Königssohn und Kaiserstochter. Kann Gayol sich auf die Treue Acheloydes verlassen? Und kann die lebensbedrohliche Krankheit der Prinzessin noch geheilt werden?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Crane. Ein Ritter-Epos
84 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 978-3-940078-48-3
6,95 EUR

 

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Leseprobe

Hut ab, Hödeken! 2015

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Ein rasender Bischof auf dem Rennstieg.
Wegweiser, die sich wie von Geisterhand drehen.
Jäger in Todesangst.
Bierkutscher mit unheimlicher Fracht.
Ein stammelnder Mönch,
der plötzlich zum brillanten Redner wird.
Sollte da Hödeken seine Hand im Spiel haben?
Sagen um einen eigenwilligen Geist
aus dem Hildesheimer Land,
frisch und frech nacherzählt
von Petra Hartmann.

 

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken!

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs.

101 S., Euro 7,95.

ISBN 978-3-940078-37-7

 

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Leseprobe

Freiheitsschwingen, 2015

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Deutschland in den 1830er-Jahren: Für Handarbeit, arrangierte Ehe und Kinderkriegen hat die junge Bürgermeistertochter wenig übrig. Stattdessen interessiert sie sich für Politik und Literatur und greift sehr zum Leidwesen ihres Vaters selbst zur Feder, um flammende Texte für die Gleichberechtigung der Frau und die Abschaffung der Monarchie zu verfassen. Angestachelt von der revolutionären Stimmung des Hambacher Festes versucht sie, aus ihrem kleinbürgerlichen Dasein auszubrechen und sich als Journalistin zu behaupten. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe verschreibt sie sich dem Kampf für ein freies, geeintes Deutschland und schlägt den Zensurbehörden ein Schnippchen. Die Geheimpolizei ist ihnen jedoch dicht auf den Fersen, und die junge Journalistin begeht den verhängnisvollen Fehler, ihre Gegner zu unterschätzen

 

Petra Hartmann: Freiheitsschwingen

Personalisierter Roman

München: Verlag Personalnovel, 2015

ca. 198 Seiten. Ab Euro 24,95.

(Einband, Schriftart und -größe, Covergestaltung etc. nach Wahl.)

 

Bestellen unter:

www.tinyurl.com/Freiheitsschwingen

 

Timur, 2015

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Wer ist der bleiche Jüngling im Verlies unter der Klippenfestung? Prinzessin Thia will ihn retten. Doch wer Timurs Ketten bricht, ruft Tod und Verderben aus der Tiefe hervor. Als der Blutmond sich über den Horizont erhebt, fällt die Entscheidung ...

 

Beigaben:

Nachwort zur Entstehung

Original-Erzählung von Karoline von Günderrode

Autorinnenbiografien

Bibliografie

 

Petra Hartmann: Timur

Coverillustration: Miguel Worms

Bickenbach: Saphir im Stahl, 2015.

ISBN: 978-3-943948-54-7

Taschenbuch, 136 S.

Euro 9,95

 

 

Ulf, 2015

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Ein Roman-Experiment mit ungewissem Ausgang: Ulf (Magisterstudent unbekannter Fachrichtung), stammt aus einem Dorf, das mehrmals jährlich überschwemmt wird. Zusammen mit Pastor Dörmann (Geistlicher unbekannter Konfession) und Petra (Biografin ohne Auftrag) überlegt er, was man dagegen tun kann. Als ein vegetarisches Klavier die Tulpen des Gemeindedirektors frisst und das Jugendamt ein dunkeläugiges Flusskind abholen will, spitzt sich die Situation zu. Nein, Blutrache an Gartenzwergen und wütende Mistgabelattacken sind vermutlich nicht die richtigen Mittel im Kampf für einen Deich ...
Mal tiefgründig, mal sinnlos, etwas absurd, manchmal komisch, teilweise autobiografisch und oft völlig an den Haaren herbeigezogen. Ein Bildungs- und Schelmenroman aus einer Zeit, als der Euro noch DM und die Bahn noch Bundesbahn hieß und hannöversche Magister-Studenten mit dem Wort "Bologna" nur eine Spaghettisauce verbanden.

 

Petra Hartmann:

Ulf. Ein Roman-Experiment in zwölf Kapiteln.

eBook

Neobooks 2015

Euro 2,99

Erhältlich unter anderem bei Amazon

Vom Feuervogel, 2015

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Ein Tempel in der Wüste. Heilige Männer, die sich dem Dienst des Feuervogels geweiht haben. Ein Hirtenjunge, der seinem Traum folgt. Aber wird der alte und kranke Phönix wirklich zu neuem Leben wiederauferstehen, wenn der Holzstoß niedergebrannt ist? Eine Novelle von Idealen und einer Enttäuschung, die so tief ist, dass kein Sonnenstrahl je wieder Hoffnung bringen kann.

 

Petra Hartmann:

Vom Feuervogel. Novelle.

Erfurt: TES, 2015.

BunTES Abenteuer, Heft 30.

40 Seiten, Euro 2,50 (plus Porto).

Bestellen unter:

www.tes-erfurt.jimdo.com

 

eBook:

Neobooks, 2015.

Euro 1,99.

Unter anderem bei Amazon

Nestis und die Hafenpiraten, 2014

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Endlich Sommerferien! Nestis und ihre Freunde freuen sich auf sechs Wochen Freiheit und Abenteuer. Doch ausgerechnet jetzt verhängt der Kronrat ein striktes Ausgehverbot für alle Meerkinder. Denn in der Nordsee treibt plötzlich ein furchtbares “Phantom† sein Unwesen. Möwen, Lummen und Tordalke werden von einem unheimlichen Schatten unter Wasser gezerrt und verschwinden spurlos.

Nestis beschließt, den Entführer auf eigene Faust zu jagen. Als ein Dackel am Strand von Achterndiek verschwindet, scheint der Fall klar: Die gefürchteten “Hafenpiraten† müssen dahinter stecken. Zusammen mit ihrem Menschenfreund Tom wollen die Meerkinder der Bande das Handwerk legen †¦

Petra Hartmann: Nestis und die Hafenpiraten
Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014
ISBN 978-3-940078-84-1
14,90 EUR

 

 

Leseprobe unter

 

www.tinyurl.com/nestis2

Blitzeis und Gänsebraten, 2014

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Weihnachten im Potte †¦

†¦ ist so vielfältig wie die Menschen, die dort leben. Und deshalb findet sich auf diesem Bunten Teller mit 24 Hildesheimer Weihnachtsgeschichten für jeden etwas: romantische Erzählungen und freche Gedichte, Erinnerungen an die Nachkriegszeit, Geschichten von neugierigen Engeln, eifrigen Wichteln und geplagten Weihnachtsmännern. Der Huckup und die »Hildesheimer Weisen« fehlen auch nicht. Was es aber mit dem Weihnachtswunder an der B6 auf sich hat, erfahren Sie auf Seite 117. - Greifen Sie zu!

 

 

Petra Hartmann & Monika Fuchs (Hrsg.): Blitzeis und Gänsebraten. Hildesheimer Weihnachtsgeschichten.

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

144 Seiten | 12 x 17 cm | Paperback |

ISBN 978-3-9400787-57-5
8,90 EUR

 

Leseprobe

Beim Vorderhuf meines Pferdes, 2014

Eingefügtes Bild

Das Messer zuckte vor. Fauchend wich die riesige Katze zurück. Doch nur, um sofort wieder anzugreifen. Das Mädchen, das auf dem Leichnam seiner Stute kauerte, schien verloren.
Acht Jahre ist Steppenprinzessin Ziris alt, als sie bei einem Sandkatzenangriff ihr Lieblingspferd verliert. Ist es wirklich wahr, was ihr Vater sagt? "Alle Pferde kommen in den Himmel ..."
Drei Erzählungen aus der Welt der Nearith über edle Steppenrenner, struppige Waldponys und die alte graue Stute aus Kindertagen.

Petra Hartmann: Beim Vorderhuf meines Pferdes. Neue Geschichten aus Movenna. eBook, ca. 30 Seiten. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014. Euro 0,99.

Erhältlich unter anderem bei Amazon.

Darthula, 2014

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Darthula ist die Tochter eines irischen Kleinkönigs, der über das nebelreiche Land Selama herrscht. Als schönste Prinzessin Irlands lebt sie allerdings nicht ungefährlich. Als sie den mächtigen König Cairbar abweist und ihm nicht als seine Braut folgen will, nimmt das Unheil seinen Lauf. Cairbar überzieht das kleine Selama mit Krieg und Vernichtung und rottet Darthulas Familie aus. Mit ihrem Geliebten Nathos wagt die junge Frau die Flucht über die stürmische See. Aber Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...

Beigaben zur Neuausgabe:
Vorwort der Autorin mit Infos zur Entstehungsgeschichte
Übersetzung des "ossianischen Originals"
Autorinnenbiographie und Veröffentlichungsliste

Buch-Informationen:
Petra Hartmann: Darthula, Tochter der Nebel.
Bickenbach: Verlag Saphir im Stahl, 2014.
Taschenbuch. 126 S., Euro 9,95.
ISBN 978-3-943948-25-7

Bestellen bei Saphir im Stahl

Pressearbeit für Autoren, 2014

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Petra Hartmann, Autorin und langjährige Lokalredakteurin, gibt Tipps für die Pressearbeit vor Ort. Sie erklärt die Wichtigkeit der „Ortsmarke“ für eine Zeitung, gibt Tipps zum Schreiben von Artikeln, zum guten Pressefoto und zum Umgang mit Journalisten. Anschaulich, verständlich, praxisorientiert und für Autoren jedes Genres anwendbar.

Petra Hartmann: Pressearbeit für Autoren. So kommt euer Buch in die Lokalzeitung.
eBook. Neobooks, 2014. Ca. 30 Seiten.
Euro 1,99
Diverse Formate, für alle gängigen eBook-Reader.
Erhältlich z.B. bei Amazon, eBook.de, Thalia, Hugendubel, Weltbild u.a.

Nestis und der Weihnachtssand, 2013

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Als kleine Weihnachtsüberraschung gibt es für Fans des "großen" Nestis-Buchs "Nestis und die verschwundene Seepocke" jetzt ein kleines bisschen Weihnachtssand: Der Verlag Monika Fuchs hat aus der "Ur-Nestis", einem Helgoland-Märchen aus dem Jahr 2007, jetzt ein eBook gemacht. Mit einem wunderschönen Cover von Olena Otto-Fradina und mit ein paar exklusiven Einblicken in Nestis' Nordseewelt.

Klappentext:
"November 2007: Orkantief Tilo tobt über die Nordsee und reißt große Teile der Helgoländer Düne ins Meer. Wer soll nun die Robbenküste reparieren? Meerjungfrau Nestis wünscht sich einfach mal vom Weihnachtsmann 500.000 Kubikmeter Sand ..."

Bonus-Material:
Die Autorin im Interview mit Wella Wellhorn von der Meereszeitung "Die Gezeiten"
XXL-Leseprobe aus "Nestis und de verschwundene Seepocke"

Petra Hartmann: Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013. 99 Cent.

Erhältlich für den Amazon-Kindle

Nestis und die verschwundene Seepocke, 2013

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Eine ausführliche Leseprobe findet ihr hier:
www.tinyurl.com/nestis


Wütend stampft Meerjungfrau Nestis mit der Schwanzflosse auf. Ihre Schwester Undine ist von den Menschen gefangen worden – und weder Meerkönig noch Kronrat wagen, die Kleine zu retten. Aber Nestis fürchtet sich nicht einmal vor den furchtbarsten Monstern des Meeres. Zusammen mit ihren Freunden bricht sie auf zur Rettungsaktion, und es zeigt sich, dass tollpatschige Riesenkraken und bruchrechnende Zitteraale großartige Verbündete sind.
Petra Hartmann entführt ihre Leser in eine etwas andere Unterwasserwelt mit viel Humor und Liebe zum Detail. Trotz des phantastischen Meermädchen-Themas findet der Leser auch sehr viel naturnahe Beobachtungen aus Nord- und Ostsee, lernt die Meerbewohner und ihre Probleme kennen. Dabei werden unter anderem auch die Meeresverschmutzung, Fischerei und die wenig artgerechte Haltung von Haien in Aquarien behandelt.
Zauberhaft dazu die Zeichnungen von Olena Otto-Fradina.

Text: Petra Hartmann
Bilder: Olena Otto-Fradina
| Hardcover | 14,8 x 21 cm
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2013
151 S., Euro 14,90
ISBN 978-3-940078-64-3


eBook:
Amazon-Kindle, 2154 KB
Euro 6,99
http://amzn.to/JJqB0b

Autorenträume, 2013

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Autorinnen und Autoren schicken ihre Leser in vergangene Zeiten, ferne Länder, phantastische Welten, spannende Abenteuer und bringen sie zum Träumen.
Wovon aber träumen Autoren? Vom Nobelpreis? Vom Bestseller? Vom Reich-und-berühmt-werden? Oder einfach nur davon, eines Tages vom Schreiben leben zu können? Vom Lächeln auf dem Gesicht eines Kindes, wenn das neue Märchen vorgelesen wird? Oder sind es schreckliche Albträume, die der angebliche Traumberuf mit sich bringt? Werden Schriftsteller nachts im Schlaf gar von Verlegern, Lektoren, Rezensenten oder Finanzbeamten bedroht?
Monika Fuchs und Petra Hartmann starteten eine »literarische Umfrage«, wählten aus den über 300 Antworten 57 phantasievolle Beiträge aus und stellten sie zu diesem Lesebuch zusammen. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen des Autorenalltags und träumen Sie mit!
Von jedem verkauften Buch wird 1 Euro an das Hilfswerk Brot & Bücher e.V. der Autorin Tanja Kinkel gespendet, die auch das Geleitwort zum Buch schrieb.

Petra Hartmann und Monika Fuchs (Hrsg.):
Autorenträume. Ein Lesebuch.
ISBN 978-3-940078-53-7
333 S., Euro 16,90

Bestellen beim Verlag Monika Fuchs

Mit Klinge und Feder, 2013

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Phantasie statt Völkerschlachten - das war das Motto, unter dem die Phantastik Girls zur Schreibfeder griffen. Mit Humor, Gewitztheit und ungewöhnlichen Einfällen erzählen sieben Autorinnen ihre Geschichten jenseits des Mainstreams der Fantasy. Kriegerinnen und gut bewaffnete Zwerge gehören dabei genau so zum Personal wie sprechende Straßenlaternen, Betonfresser oder skurrile alte Damen, die im Bus Anspruch auf einen Behindertensitzplatz erheben. Dass es dennoch nicht ohne Blutvergießen abgeht, ist garantiert: Immerhin stecken in jeder der Storys sechs Liter Herzblut. Mindestens.

Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns.
Mit Geschichten von Linda Budinger, Charlotte Engmann, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl.
Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. 978-3943378078
247 S., Euro 9.
Bestellen bei Amazon

eBook:
396 KB, Euro 5,49.
Format: Kindle
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Das Serum des Doctor Nikola, 2013

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Berlin, 1927. Arbeitslos, pleite und mit der Miete im Rückstand: Bankierssohn Felix Pechstein ist nach dem "Schwarzen Freitag" der Berliner Börse ganz unten angekommen. Da erscheint das Angebot, in die Dienste eines fremden Geschäftsmannes zu treten, eigentlich als Geschenk des Himmels. Doch dieser Doctor Nikola ist ihm mehr als unheimlich. Vor allem, als Felix den Auftrag erhält, Nikola zu bestehlen ...

Petra Hartmann: Das Serum des Doctor Nikola
Historischer Abenteuerroman.
ISBN 978-3-938065-92-1
190 S., 12,95 Euro.
Bestellen beim Wurdack-Verlag

Leseprobe

Hörbuch: Der Fels der schwarzen Götter, 2012

Eingefügtes Bild

Bei einer Mutprobe begeht der junge Ask einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat.
Bald wissen die Völker des Berglandes nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...

Der Fels der schwarzen Götter.
Hörbuch. 8 Stunden, 57 Minuten.
Sprecherin: Resi Heitwerth.
Musik: Florian Schober.
Action-Verlag, 2012.
CD/DVD: 16,95 Euro
mp3-Download: 11,95 Euro

Hörbuchfassung des 2010 im Wurdackverlag erschienenen Buchs "Der Fels der schwarzen Götter".

Drachen! Drachen! 2012

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Frank G. Gerigk & Petra Hartmann (Hrsg.)
DRACHEN! DRACHEN!
Band 01, Drachen-Anthologie
ISBN: 978-3-89840-339-9
Seiten: 384 Taschenbuch
Grafiker: Mark Freier
Innengrafiker: Mark Freier
Preis: 14,95 €
Bestellen beim Blitz-Verlag

Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen! Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren.
Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist - und gelegentlich fies!

Die Autoren:
Rainer Schorm, Achim Mehnert, Andrea Tillmanns, Malte S. Sembten, Frank G. Gerigk, Christel Scheja, Fiona Caspari, Hendrik Loy, Christiane Gref, Linda Budinger, Miriam Pharo, Carsten Steenbergen, Rebecca Hohlbein, Frank W. Haubold, Melanie Brosowski, Astrid Ann Jabusch, Thomas R. P. Mielke, Karsten Kruschel, Marc A. Herren, Petra Hartmann, Monika Niehaus, Uwe Post.
Originalveröffentlichung!

Nächste Lesungen / Termine

Terminvorschau mit coronabedingter Unschärfe. Ich weiß nicht, ob etwas davon stattfinden kann, aber träumen wird man ja wohl noch dürfen ...

 

 

Sonntag, 21. August: Stand auf dem RSH-Kindertag in Neumünster.

 

 

 

 

Links

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Biografie

Petra Hartmann, Jahrgang 1970, wurde in Hildesheim geboren und wohnt in Sillium. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Hannover. Auf den Magisterabschluss folgten die Promotion mit einer Doktorarbeit über den jungdeutschen Schriftsteller Theodor Mundt und ein zweijähriges Volontariat bei der Neuen Deister-Zeitung in Springe. Anschließend war sie dort fünf Jahre Lokalredakteurin. Ferner arbeitete sie für die Leine-Zeitung in Neustadt am Rübenberge, die Nordsee-Zeitung in Bremerhaven, die Neue Presse in Hannover und die Volksstimme in Gardelegen. Derzeit ist sie bei der Goslarschen Zeitung beschäftigt.
Als Schriftstellerin liebt sie vor allem das fantastische Genre. Sie verfasst hauptsächlich Fantasy und Märchen. Bekannt wurde sie mit ihren Fantasy-Romanen aus der Welt Movenna. Mit den Abenteuern der Nordsee-Nixe Nestis legte sie ihre erste Kinderserie vor. Sie errang mit ihren Geschichten dreimal den dritten Platz bei der Storyolympiade und wurde 2008 mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichnet.

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Leserunden zum Nachlesen

Leserunde zu "Darthula, Tochter der Nebel" auf Lovelybooks. Mit Autorin Petra Hartmann und Cover-Künstler Miguel Worms: http://www.lovelyboo...nde/1201913120/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Nestis und die verschwundene Seepocke": Mit Autorin Petra Hartmann und Verlegerin Monika Fuchs:

http://www.lovelyboo...nde/1166725813/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Mit Klinge und Feder": Mit den Autorinnen Linda Budinger, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl: http://www.lovelyboo...nde/1156671163/

 

Leserunde zu "Falkenblut" auf Lovelybooks: https://www.lovelybo...263/2687604262/

Geschichten über Nestis

Bücher
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

"Nestis und die verbotene Welle. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2017.

 

Mini-Buch

"Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2017.

eBooks
"Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.

"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

Hörbuch
"Eine Hand voll Weihnachtssand." In: Petra Hartmann: "Weihnachten im Schneeland". Gelesen von Karin Sünder. Mit Musik von Simon Daum. Essen: Action-Verlag, 2010. (mp3-Download und CD-ROM)

Beiträge zu Anthologien
"Weihnachtssand für Helgoland." In: "Wenn die Biiken brennen. Phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein." Hrsg. v. Bartholomäus Figatowski. Plön: Verlag 71, 2009. S. 163-174.

Hödeken-Lesestoff

Buch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. 101 S., Euro 7,95. ISBN 978-3-940078-37-7. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

 

Hörbuch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. 2 CD. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Euro 14,95. ISBN: 978-3940078414. Unter anderen erhältlich bei Amazon.

 

eBook

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs.

 

Geschichten

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg. In: Hildesheimliche Autoren e.V.: Hildesheimer Geschichte(n). Ein Beitrag zum 1200-jährigen Stadtjubiläum. Norderstedt: Book on Demand. 196 S., Euro 9,99. ISBN 978-3734752698. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

Die glücklose Hasenjagd. In: MVP-M. Magazin des Marburger Vereins für Phantastik. Marburg-Con-Ausgabe. Nr. 19b. S. 36-40.

 

Lesung

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg, Radio Tonkuhle, Sendung vom April 2015.

 

Movenna-Kompass

Übersicht über die Romane und Erzählungen aus Movenna


Bücher

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2004. 164 S.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2007. 188 S.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2010. 240 S.

 

eBooks

 

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Beim Vorderhuf meines Pferdes. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Hörbuch

Der Fels der schwarzen Götter. Action-Verlag, 2012.


Movennische Geschichten in Anthologien und Zeitschriften

Die Krone Eirikirs. In: Traumpfade (Anthologie zur Story-Olympiade 2000). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2001. S. 18-25.
Flarics Hexen. In: Geschöpfe der Dunkelheit (Anthologie zur Story-Olympiade 2001). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2002. S. 22-28.
Raubwürger. In: Kurzgeschichten, September 2004, S. 20f.
Furunkula Warzenkraish. Elfenschrift, dritter Jahrgang, Heft 2, Juni 2006. S. 10-14.
Der Leuchtturm am Rande der Welt. In: Elfenschrift, vierter Jahrgang, Heft März 2007, S. 18-21.
Gewitternacht. In: Im Bann des Nachtwaldes. Hrsg. v. Felix Woitkowski. Lerato-Verlag, 2007. S. 57-60.
Pfefferkuchen. In: Das ist unser Ernst! Hrsg. v. Martin Witzgall. München: WortKuss Verlag, 2010. S. 77-79.
Winter-Sonnenwende. In: Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns. Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. S. 51-59.
Der Reiter auf dem schwarzen Pferd. Ebd. S. 60-68.

Die Blaubeerbrücke. In: Met-Magie. Hrsg. v. Amandara M. Schulzke und Nadine Muriel. Hamburg: Acabus Verlag, 2022. S. 163-174.

 

 

Movennische Geschichten in Fanzines

Föj lächelt. In: Alraunenwurz. Legendensänger-Edition Band 118. November 2004. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 23.
Raubwürger. In: Drachenelfen. Legendensänger-Edition Band 130. Januar 2006. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 3-5.
Goldauge. In Phantastische Geschichten mit den Phantastik Girls. (Broschüre der Phantastik Girls zum MarburgCon 2007)


Aufsätze

Wie kann man nur Varelian heißen? Über das Unbehagen an der Namensgebung in der Fantasy. In: Elfenschrift, 5. Jahrgang, März 2008. S. 16f.


Movennische Texte online

Aus "Geschichten aus Movenna":
König Surbolds Grab
Das letzte Glied der Kette
Brief des Dichters Gulltong
Der Kranich
Die Rückkehr des Kranichs

Aus "Ein Prinz für Movenna":
Der Leuchtturm am Rand der Welt
Furunkula Warzenkraish
Gewitternacht

Aus "Der Fels der schwarzen Götter":
Der Waldalte
Hölzerne Pranken
Im Bann der Eisdämonen

Die Bibliothek der Falkin

Übersicht über die Romane und Novellen über die Walküre Valkrys, genannt "die Falkin"

Bücher

Die letzte Falkin. Heftroman. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2010.
Falkenblut. Sibbesse: Hottenstein-Verlag, Sommer 2020.

eBooks

Falkenblut. Vier Fantasy-Romane. eBook-Ausgabe. Chichili und Satzweiss.com, 2012. (vergriffen)

Falkenfrühling. Novelle. eBook. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2011. (vergriffen)

Falkenfrühling. Novelle. In: Best of electronic publishing. Anthologie zum 1. Deutschen eBook-Preis 2011. eBook. Chichili und Satzweiss.com, 2011. (unter anderem erhältlich bei Thalia und Amazon)


Aufsatz

Aegirs Flotte - ein Nachruf. In: Fandom Observer, Dezember 2011. S. 16-18. Online-Magazin und Blogversion

Die Schlagzeile, 2011/2012

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Petra Hartmann: Die Schlagzeile.
Personalisierbarer Roman.
PersonalNovel Verlag, 2011.
eBook: PersonalNovel, 2012.
Personalisieren und bestellen

Verschlafen und idyllisch liegen sie da, die Orte Barkhenburg, Kleinweltwinkel und Reubenhausen. Doch dann stört der Diebstahl einer Heiligenfigur die Ruhe: Ein jahrhundertealter Hass bricht wieder aus und ein hitziger Streit entflammt, der aus Freunden Feinde und aus friedlichen Nachbarn sich prügelnde Gegner macht. Mittendrin: Eine Journalistin, die bereit ist, für eine Schlagzeile im Sommerloch alles zu geben. Mit viel Einsatz und einer Prise Humor versucht sie, das Geheimnis um die verschwundene Hubertus-Statue aufzuklären, und muss sich dabei mit erregten Politikern, aufgebrachten Dorfbewohnern und einem nervösen Chefredakteur herumschlagen. Aber die Journalistin lässt sich nicht unterkriegen - bis ihr ein Anruf fünf Minuten vor Redaktionsschluss die Schlagzeile zunichtemacht...

Falkenblut, 2012

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Petra Hartmann: Falkenblut.
Vier Romane in einem Band.
E-Book
Satzweiss.com - chichili agency, 2012.
3,99 Euro

 

Nicht mehr lieferbar!

Neuausgabe in Vorbereitung.


Die Abenteuer der jungen Walküre Valkrys beginnen an ihrem ersten Arbeitstag und ausgerechnet dort, wo die germanischen Götter- und Heldensagen enden: Ragnarök, die Endzeitschlacht, ist geschlagen, Götter und Riesen haben sich gegenseitig aufgerieben, die wenigen Überlebenden irren ziellos durch die Trümmer des zerbrochenen Midgard. An der Seite des neuen Götterkönigs Widar muss sich Valkrys nun behaupten. Dabei trifft sie auf Jöten, Thursen, Reifriesen, Seelenräuberinnen, Werwölfe, Berserker, Hexen, riesenhafte Meerungeheuer und das furchtbare Totenschiff Naglfari. Leseempfehlung ab 12 Jahren.

Meine Bücher 1998 - 2011

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Petra Hartmann
Falkenfrühling
eBook
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN: 978-3-939139-59-1

Wegen Verkauf des Arcanum-Verlags ist die Ausgabe nicht mehr erhältlich, aber die Zweitveröffentlichung in der eBook-Anthologie "Best of electronic publishing" gibt es noch als epub oder Kindle-Ausgabe.

Valkrys träumt davon, eine echte Walküre zu sein. Sie springt, noch Kind, vom Dach des Langhauses.
Alle Ermahnungen ihrer Eltern sind vergeblich, sie macht sich an den Aufstieg zum Gipfel der nahen Klippe, besessen vom "Traum vom Fliegen" ...

Fünfter Platz beim Deutschen eBook-Preis 2011.

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Petra Hartmann
Die letzte Falkin
Roman.
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-62-1
Bestellen beim Arcanum-Verlag

Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen. Einzig Vidar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus †¦


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Petra Hartmann
Der Fels der schwarzen Götter
Roman
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-64-8
Bestellen beim Wurdack-Verlag


Hochaufragende Felswände, darin eingemeißelt weit über tausend furchteinflößende Fratzen, die drohend nach Norden blicken: Einer Legende zufolge sind die schwarzen Klippen das letzte Bollwerk Movennas gegen die Eisdämonen aus dem Gletscherreich.
Doch dann begeht der junge Ask bei einer Mutprobe einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat. Und die Völker des Berglandes wissen bald nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...


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Petra Hartmann
Darthula
Heftroman
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-32-4
Bestellen beim Arcanum-Verlag


Darthula, die schönste Prinzessin der Nebellande, beschwört Krieg, Tod und Vernichtung über ihr heimatliches Selama herauf, als sie den Heiratsantrag des mächtigen Königs Cairbar ausschlägt. Zusammen mit ihrem Geliebten flüchtet sie in einem kleinen Segelboot übers Meer. Doch Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...


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Petra Hartmann
Weihnachten im Schneeland
Hörbuch
Action-Verlag
Download bei Audible
CD bestellen beim Action-Verlag

WEIHNACHTEN IM SCHNEELAND von Petra Hartmann vereint vier wundervolle Kurzgeschichten für Kinder ab 6 Jahren. Schon die Titel regen die Phantasie der Kleinen an und verleiten zum Schmunzeln und Staunen:
- "Der Reserve-Weihnachtsmann"
- "Die Weihnachts-Eisenbahn"
- "Eine Handvoll Weihnachtssand"
- "Paulchen mit den blauen Augen"



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Petra Hartmann
Ein Prinz für Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-24-9
Bestellen

Mit dem Schild oder auf dem Schild
- als Sieger sollst du heimkehren oder tot.
So verlangt es der Ehrenkodex des heldenhaften Orh Jonoth. Doch der letzte Befehl seines sterbenden Königs bricht mit aller Kriegerehre und Tradition: "Flieh vor den Fremden, rette den Prinzen und bring ihn auf die Kiesinsel." Während das Land Movenna hinter Orh Jonoth in Schlachtenlärm und Chaos versinkt, muss er den Gefahren des Westmeers ins Auge blicken: Seestürmen, Riesenkraken, Piraten, stinkenden Babywindeln und der mörderischen Seekrankheit ....


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Petra Hartmann
Geschichten aus Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-00-1
Bestellen


Verwünschte Hexen!
Warum zum Henker muß König Jurtak auch ausgerechnet seinen Sinn für Traditionen entdecken?
Seit Jahrhunderten wird der Kronprinz des Landes Movenna zu einem der alten Kräuterweiber in die Lehre gegeben, und der Eroberer Jurtak legt zum Leidwesen seines Sohnes großen Wert auf die alten Sitten und Gebräuche. Für den jungen Ardua beginnt eine harte Lehrzeit, denn die eigenwillige Lournu ist in ihren Lektionen alles andere als zimperlich ...


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Wovon träumt der Mond?
Hrsg. v. Petra Hartmann & Judith Ott
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-37-2
Bestellen

Der Mond - König der Nacht und gleichsam Verbündeter von Gut und Böse ... Seit jeher ranken sich Legenden voller Glauben und Aberglauben um sein Licht, das von den einen als romantisch verehrt und von den anderen als unheimlich gefürchtet wird. Seine Phasen stehen für das Werden und Vergehen allen Lebens, er wacht über die Liebenden, empfängt die Botschaften der Suchenden, Einsamen und Verzweifelten und erhellt so einiges, was lieber im Dunkeln geblieben wäre. 39 Autorinnen und Autoren im Alter von 12 bis 87 Jahren sind unserem nächtlichen Begleiter auf der Spur gewesen. In 42 erfrischend komischen, zutiefst nachdenklichen und manchmal zu Tränen rührenden Geschichten erzählen sie die Abenteuer von Göttin Luna und Onkel Mond, von erfüllten und verlorenen Träumen, lassen Perlmuttschmetterlinge fliegen und Mondkälber aufmarschieren. Und wer denkt, dass nur der Mann im Mond zuweilen die Erde besucht, irrt sich! Auch umgekehrt erhält er gelegentlich unverhofften Besuch dort oben.


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Drachenstarker Feenzauber
Herausgegeben von Petra Hartmann
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-28-0
Bestellen

Öko-Feen, Büro-Feen, Todes-Feen und Bahn-Feen, geschäftstüchtige Drachen, goldzahnige Trolle, Sockenmonster, verzauberte Kühlschränke, Bierhexen, Zwirrrrrle, Familienschutzengel, Lügenschmiede, ehrliche Anwälte, verarmte Zahnärzte und andere Märchenwesen geben sich in diesem Buch ein Stelldichein.
51 Märchenerzähler im Alter von zwölf bis 76 Jahren haben die Federn gespitzt und schufen klassische und moderne Märchen, lustige, melancholische, weise und bitterböse Erzählungen, so bunt wie das Leben und so unvergesslich wie das Passwort eines verhexten Buchhalters.


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Zwischen Barrikade, Burgtheater und Beamtenpension.
Die jungdeutschen Autoren nach 1835.
ibidem-Verlag
ISBN 978-3-89821-958-7
Bestellen beim Ibidem-Verlag


"Das Junge Deutschland“ - dieser Begriff ist untrennbar verbunden mit dem Bundestagsbeschluss vom 10. Dezember 1835, durch den die Werke der fünf Schriftsteller Heinrich Heine, Theodor Mundt, Karl Gutzkow, Ludolf Wienbarg und Heinrich Laube verboten wurden. Das Verbot markierte Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt einer literarischen Bewegung, die erst wenige Jahre davor begonnen hatte. Die Wege der Autoren trennten sich. Und doch gab es auch danach immer wieder Begegnungen und Berührungspunkte.
Petra Hartmann zeichnet die Wege der Verbotenen und ihrer Verbündeten nach und arbeitet Schnittstellen in den Werken der alt gewordenen Jungdeutschen heraus. Sie schildert insbesondere die Erfahrungen der Autoren auf der Insel Helgoland, ihre Rolle in der Revolution von 1848, aber auch die Versuche der ehemaligen Prosa-Schriftsteller, sich als Dramatiker zu etablieren. Irgendwo zwischen Anpassung und fortwährender Rebellion mussten die Autoren ihr neues Auskommen suchen, endeten als gescheiterte Existenzen im Irrenhaus oder als etablierte Literaten, die doch körperlich und seelisch den Schock von 1835 nie ganz verwunden hatten, sie leiteten angesehene Theater oder passten sich an und gerieten nach Jahren unter strenger Sonderzensur beim Publikum in Vergessenheit. Die vorliegende Untersuchung zeigt, was aus den Idealen von 1835 wurde, wie vollkommen neue Ideen - etwa die Debatte um Armut und Bildung - in den Werken der Jungdeutschen auftauchten und wie die Autoren bis zum Ende versuchten, ihr „Markenzeichen“ - ihren Stil - zu bewahren.


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Von Zukunft trunken und keiner Gegenwart voll
Theodor Mundts literarische Entwicklung vom Buch der Bewegung zum historischen Roman
Aisthesis-Verlag
ISBN: 3-89528-390-8
Bestellen beim Aisthesis-Verlag

Theodor Mundt - Schriftsteller, Zeitschriftenherausgeber, Literaturwissenschaftler und Historiker - verdankt seinen Platz in der Literaturgeschichte vor allem dem Umstand, daß seine Veröffentlichungen am 10. Dezember 1835 verboten wurden. Das vom deutschen Bundestag ausgesprochene Verbot, das sich gegen die vermeintlichen Wortführer des "Jungen Deutschland", Heine, Gutzkow, Laube, Wienbarg und eben Theodor Mundt richtete, war vermutlich die entscheidende Zäsur in den literarischen Karrieren aller Betroffenen. Daß sie mit dem schon berühmten Heinrich Heine in einem Atemzug genannt und verboten wurden, machte die noch jungen Autoren Gutzkow, Laube, Mundt und Wienbarg für ein größeres Publikum interessant. Doch während Gutzkow und auch Laube im literarischen Bewußtsein präsent blieben, brach das Interesse an Mundt und seinen Werken schon bald nach dem Verbot fast gänzlich ab. Seine weitere Entwicklung bis zu seinem Tod im Jahr 1861 wurde von der Literaturwissenschaft bislang so gut wie vollständig ignoriert. Diese Lücke wird durch die vorliegende Studie geschlossen. Nachgezeichnet wird der Weg von den frühen Zeitromanen des jungen Mundt bis hin zu den historischen Romanen seines Spätwerks.


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Faust und Don Juan. Ein Verschmelzungsprozeß,
dargestellt anhand der Autoren Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt
ibidem-Verlag
ISBN 3-932602-29-3
Bestellen beim Ibidem-Verlag


"Faust und Don Juan sind die Gipfel der modernen christlich-poetischen Mythologie", schrieb Franz Horn bereits 1805 und stellte erstmalig beide Figuren, speziell den Faust Goethes und den Don Giovanni Mozarts, einander gegenüber. In den Jahren darauf immer wieder als polar entgegengesetzte Gestalten aufgefaßt, treten Faust und Don Juan in den unterschiedlichsten Werken der Literaturgeschichte auf.

Bei Lenau sind sie Helden zweier parallel aufgebauter Versepen, bei Grabbe begegnen sie sich auf der Bühne und gehen gemeinsam zugrunde. Theodor Mundt stellt als Lebensmaxime auf, man solle beides, Faust und Don Juan, in einer Person sein und beide in sich versöhnen.

Anhand der Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt zeichnet Petra Hartmann die Biographien Fausts und Don Juans in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach, einer Zeit, die beide Helden stark prägte und auch für heutige Bearbeitungen beider Stoffe grundlegend ist."

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