Mark Brandis: Operation Sonnenfracht
Fukushima am Kilimandscharo? Das Hörspiel "Operation Sonnefracht" nach dem gleichnamigen Roman der SF-Serie "Mark Brandis" handelt von Atommüll und der Verseuchung eines ganzen Kontinents - und von einer kurzsichtigen, eigennützigen Atompolitik, die gedankenlos die Zukunft der Menschheit aufs Spiel setzt.
Der Roman "Operation Sonnenfracht" von Nikolai von Michalewski erschien im Jahr 1975 und ist noch immer - oder jetzt gerade wieder - erschütternd aktuell. Dass das Hörspiel nun ausgerechnet kurz nach der Atomkatastrophe in Japan erscheinen musste, war von den Machern so nicht geplant, konnte nicht vorhergesehen werden. Die Hörspielfassung von Jochim-C. Redeker und Balthasar v. Weymarn enthält sich auch jeglicher plumper Aktuelisierungsversuche und Anspielungen auf Fukushima. Aber die Wut und die Verzweiflung über so viel menschliche Dummheit und Eigennutz ohne Verantwortung für nachkommende Generationen, die im Hörspiel immer wieder ausbricht, ist mehr als "nur" die Wut einiger SF-Piloten in einem fiktiven Afrika-Abenteuer. Letztendlich ist die Einrichtung eines Atommüll-Endlagers in einem Vulkan nicht weniger irre als der Bau von Atomkraftwerken in einem Erdbebengebiet. Welches von beiden ist hier eigentlich die dystopische Science-Fiction-Geschichte?
Mark Brandis organisiert Atommüll-Transport
Mark Brandis erhält einen der gefährlichsten und schmutzigsten Aufträge seines Lebens: Er soll ein riesiges Atommüll-Endlager im Kilimandscharo "entsorgen". Die Uhr tickt, eine Serie von Erdbeben erschüttert den Planeten, und der ehemalige Vulkan droht erneut auszubrechen. Brandis entwickelt den wahnwitzigen Plan, den Müll in die Sonne zu schießen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Nicht minder explosiv geht es im Privatleben des Commanders zu: In der Ehe kriselt es, und Ruth O'Hara, die ihre während eines Erdbebens verschollene Nichte sucht, hat kein Verständnis mehr für die Geheimniskrämerei und ständige Abwesenheit ihres Mannes ...
Packend und unheimlich intensiv inszenieren Redeker und von Weymarn die afrikanische Katastrophe. Das Hörspiel zählt, wie auch das zeitgleich erschienene Abenteuer "Aktenzeichen: Illegal" zu den besten der Reihe.
Schrottreife Raumschiffe für die "Operation Sonnenfracht"
Etwas irritierend wirkt lediglich die Darstellung der Strategie, mir der Brandis die gefährliche Sonnenfracht abtransportieren will. Im Buch waren schrottreife Raumschiffe beladen worden, die dann per Fernsteuerung in die Sonne geschossen wurden, wo sie mitsamt ihrer Ladung verglühten. Im Hörspiel sollen jeweils vier Raumschiffe unterschiedlicher Typen in Formation losfliegen und zwischen sich ein Netz gespannt halten, in dem ein Container voll Atommmüll hängt. Das ist ein ziemlich kompliziertes Manöver, das man den hart an ihrer psychischen und physischen Belastungsgrenze fliegenden Piloten kaum zumuten mag oder sollte. Der Balanceakt wirkt angesichts der tödlichen Fracht unangemessen risikoreich. Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass sich die Hörspielmacher dann doch nicht ganz von der Buchvorlage lösen konnten. Mehrfach wird erwähnt, dass Brandis nur uralte, fast schrottreife Schiffe zur Verfügung stehen. Machinen, die immer wieder technische Probleme haben, zum Teil ganz ausfallen. Auch wenn mann in Rechnung stellt, dass Teile der VEGA-Flotte beim ersten Erdbeben vernichtet wurden: Dies ist sicher nicht der angemessene Fuhrpark für einen derart kitzeligen Formationsflug, von dem das Schicksal der Erde abghängt. Einmal stellt Brandis sagar als seinen Plan heraus, er wolle große Teile der VEGA-Flotte "verschrotten". Das passt eher zum Original-Konzept des Romans als zur im Hörspiel vorgegebenen Strategie. Doch dies ist eine Kleinigkeit, die den Hörgenuss in keiner Weise schmälert. Und das Vierermanöver, bei dem Brandis selbst mitfliegt, ist auf jeden Fall ein spannendes Hörerlebnis.
Fazit: Ein Hörspiel, das unter die Haut geht. Unvergesslich.
Mark Brandis: Operation Sonnenfracht. Hörspiel nach dem gleichnamigen SF-Besteller von Nikolai von Michalewsky. Interplanar Produktion von Jochim-C. Redeker und Balthasar v. Weymarn. Folgenreich, 2011. 68 Minuten.
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© Petra Hartmann

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