Mark Brandis: Pilgrim 2000, Teil I
"Pilgrim 2000" heißt der neue Hörbuch-Zweiteiler aus der Serie "Mark Brandis", frei nach dem gleichnamigen Science-Fiction-Roman von Nikolai von Michalewsky. Und das "frei" ist dabei sehr wörtlich zu verstehen, denn dieses Hörabenteuer gehört zu denen, die sehr stark von der literarischen Vorlage abweichen.
Mark Brandis und seine Crew befinden sich zu Beginn des ersten Teils an Bord der "Hermes" und sind als eine Art "Interstellare Müllkutscher" unterwegs, sie haben werthaltigen Raumschrott in Sonnennähe zu bergen. Dabei entdecken sie ein Objekt, das so alt ist, dass selbst die Speicher des Bordsystems CORA keine Informationen darüber haben. Einzig der alte Navigator Iwan Stroganow, der die "Windjammerzeit" der Raumfahrt noch miterlebt hat, erinnert sich vage an die "Pilgrim 2000", ein Generationenschiff, das vor einigen Jahrzehnten ins All gestartet ist. Jetzt jedoch treibt das Gebilde antriebs- und scheinbar leblos im All und hat nur noch vier Tage, bis es in die Sonne stürzt. Die Hermes-Crew begibt sich in das etwa 16 Quadratkilometer messende Riesenschiff, um mögliche Überlebende zu suchen, und stößt auf Scharen von angriffslustigen und möglicherweise intelligenten Riesenatten.
Starke Abweichungen von "Weltraumpartisanen"-Klassiker
So weit folgt das Hörspiel dem Buch. Doch diesmal sind die Menschen von "Pilgrim 2000" keine religiösen Pilgerväter und keine heruntergekommenen "Ratmen", sondern es gibt nur noch eine einige Frau an Bord: Judith. Sie ist schon recht betagt, hat nur noch flüchtige Kindheitserinnerungen an die Erde und bringt regelmäßig die Ernte ein, von der sie drei Viertel einem mysteriösen Wesen namens "ER" opfert. Die Liebesgeschichte zwischen Judith und Levy entfällt nicht nur aus Altersgründen, sondern auch dadurch, dass Levy nun eine Frau ist und als Bordärztin fungiert.
Quietschende Ratten als Geräuschkulisse
Diese Folge gehört zu den eher actionlastigen Abenteuern der Reihe. Es gibt viele "Feindkontakte", es wird geschossen und getroffen, Schüsse, Granaten und lautes Rattenquietschen machen die wichtigsten Bestandteile der Geräuschkulisse aus.
Das Hörspiel ist erzählerisch und akustisch hervorragend gelungen und schafft es, die Welt von "Pilgrim 2000" erlebbar zu machen. Die Kulisse des dahintreibenden Generationenraumschiffs mit seiner üppigen Vegetation und den Riesenratten erscheint glaubhaft und authentisch.
Einzig der Transport und die Behandlung des verwundeten Grischa Romen wirkt etwas unlogisch. Dass der Mann einen Pfeil in der Nähe des Schlüsselbeins stecken hat, mag zwar schmerzhaft sein, ist aber kein Grund, ihn auch nach seiner Ohnmacht möglicherweise noch einen oder zwei Kilometer weit zu tragen. Und dass während des gesamten Transports der Pfeil stecken gelassen wird, lässt an der Kompetenz von Frau Doktor Levy einige Zweifel aufkommen.
Ansonsten: Eine spannende Abenteuergeschichte und ein akustischer Leckerbissen. Und der Cliffhanger am Ende gehört zum Überraschendsten und Gemeinsten, was die Serie bisher geboten hat.
Fazit: Weltraumabenteuer vom Feinsten. Eine gute Stunde Unterhaltung, Spannung und Genuss. Für Kenner der Buchvorlage etwas befremdlich, aber nicht schlecht.
Mark Brandis: Pilgrim 2000, Teil I. Hörspiel frei nach dem gleichnamigen Bestseller von Nikolai v. Michalewsky. Interplanar Produktion von Jochim-C. Redeker und Balthasar v. Weymarn. Folgenreich, 2011. 57 Minuten.
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© Petra Hartmann

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